Dienstag, 31. März 2020

Lesebiografie März 2020

Was für ein Monat! Wer hätte Ende Februar gedacht, dass innert zwei, drei Wochen die ganze Welt still steht! 

Und nun sind wir schon in unserer dritten Woche Home Office - ich bin es mich ja gewohnt, nur eben ohne Familie zuhause. Wir haben das Glück, das jeder sich in ein eigenes Zimmer zurück ziehen kann, so dass wir uns bisher nicht mehr nervten als sonst auch ;-) Ausserdem sind wir und unsere Angehörigen alle gesund, uns geht es also gut. Ich hoffe, euch allen auch! 


Zu lesen haben ich und meine Tochter dank eReader (beide) und vollem SuB (ich) genug. Mein Mann hat seine Filme. Es fehlt uns an nix (höchstens Blumen!), ausser halt spontane oder geplante Treffen mit Freunden, die man vermisst, oder die Freiheit schnell mal irgendwo einen Kaffee trinken zu gehen. Aber es geht ja der ganzen Welt gleich. Den April schaffen wir auch noch und dann schauen wir, wie es weiter geht. 

Im März habe ich 18 Bücher gelesen. Leider waren nur wenig wirklich tolle dabei. Darüber hab ich mich mit einer Bloggerfreundin ausgetauscht, auch ihr ging es ähnlich - wir mussten letzte Woche lange überlegen (und nachsehen gehen), als es darum ging, welche Bücher uns im März wirklich vom Hocker hauten und eben besser als "nur" gut (= 4 Punkte) sind. Bei mir war es "Sophias Hoffnung" von Corina Bomann und der (bei der Diskussion noch nicht gelesene) Krimi "Der tote Carabiniere" von Dino Minardi.

Enttäuscht war ich vor allem von "Ich erfinde dir Paris". Letztes Jahr erschien das Hardcover und eigentlich wollte ich den Roman schon da lesen, kam aber nicht dazu. Deshalb griff ich jetzt, da die Taschenbuchausgabe am 4. April erscheint, zu diesem Titel. Die Story konnte mich nicht überzeugen, sie war seltsam komisch und langweilig. Immerhin wollte ich noch das Ende wissen und habe bis zum Schluss durchgehalten. Bei "Das Beste kommt noch" war ich so gelangweilt, dass ich nicht mal mehr das Ende erfahren wollte. Auch jetzt noch, zwei Wochen später, ist mir das Ende total egal, auch wenn einige andere das Buch toll finden. Dass mich an einem Buch das Ende null interessiert, kommt wirklich selten bis gar nicht vor - dabei war der Anfang recht gut. Item. 

Meine März-Leseliste im Überblick:

1 Punkt:
- Ich erfinde dir Paris von Liam Callanan

2 Punkte:
Das Beste kommt noch von Richard Roper (nach 250 Seiten abgebrochen) 

3 Punkte:
Zu wahr, um schön zu sein von Gabrielle Engelmann  
- Emilie und das kleine Restaurant von Annie L’Italien 

3.5 Punkte:
Dear Oxbridge von Nele Pollatschek 
- Ein Sommer im Alten Land von Julie Peters 
Die verschwundene Braut von Bella Ellis (Brontë-Schwestern 1) 

4 Punkte:
- Der Schmetterlingsgarten von Marie Matisek (Capri 1)
- Wo das Glück in Büchern wohnt von Jenny Colgan (Happy Ever After 1)
Der Gin des Lebens von Carsten Sebastian Henn
Comisaria Fiol und der Tod im Tramuntana-Gebirge von Lucia de la Vega (Comisaria Fiol 1) 

- Islandsommer von Kiri Johansson 
- Elsässer Intrigen von Jean Jacques Laurent (Jules Gabin 5) 
Liebe ist tomatenrot von Ursi Breidenbach 
- Tante Poldi und der Gesang der Sirenen von Mario Giordano (Tante Poldi 5) 

5 Punkte: 
- Sophias Hoffnung von Corina Bomann (Die Farben der Schönheit 1)
- Rückkehr nach Capri von Marie Matisek (KG Capri) 
- Der tote Carabiniere von Dino Minardi (Pellegrini 2) 

Im März habe ich zu allen gelesenen Büchern Rezensionen geschrieben und veröffentlicht, zudem die Rezension zu "Mitten im August" von Luca Ventura. Den Krimi hab ich bereits im Herbst gelesen, durfte da aber noch nichts verlauten lassen, da das Buch erst jetzt Ende März erschien. Die Rezension zu "Tante Poldi" kommt morgen, diesen fünften Poldi-Band lese ich heute Abend noch aus - er gefällt mir bisher gut und bekommt mindestens vier Punkte, deshalb habe ich den Titel dort eingetragen.  

Mitte März haben meine Tochter und ich einige Buchtipps für Teenager gesammelt. Letzte Woche erschien in meiner Heimatzeitung ein Artikel mit Lesetipps, die ich in einem dazu passenden Blogbeitrag ("Wie wärs mit einem Buch?") noch weiter erläuterte, bzw. mit den Rezensionslinsk versah. Denn auch wenn die Läden geschlossen sind: Bücher könnt ihr bei euren lokalen Buchhandlungen bestellen. Und wenn ihr schon länger mit einem eReader liebäugelt: viele Buchhandelsketten bieten gerade eReader-Aktionen an. 

Das Lesen geht weiter - so sehen es auch viele Verlage, die online Lesungen anbieten, wie zum Beispiel der dtv Verlag

Auch bei mir geht das Lesen weiter. Von den Neuerscheinungen warten folgende Bücher kommende Woche aufs Gelesen werden: 



Danach stehen noch einige April-Neuheiten auf meiner Leseliste. Ich hoffe schwer, dass ich mich im April ein wenig um meinen SuB kümmern kann, denn das habe ich im März leider nicht mehr geschafft. Da hier ab Ostern Schulferien sind, geht morgens der Wecker nicht und ich kann Nachts noch das eine oder andere Kapitel anhängen, ihr wisst schon "nur noch eins..." ;-) Von daher sehe ich das positiv, der SuB-Abbau könnte klappen, auch wenn es dann nur drei oder vier SuB-Bücher werden. 

Wie erging es euch im März? Konntet ihr euch auf eure Bücher konzentrieren, waren mehr gute oder enttäuschende dabei? Und welche Bücher habt ihr euch für April vorgenommen? 


Ich wünsche euch einen schönen April - bleibt gesund und bleibt zuhause! So ganz nach dem Motto:

Stay home and read a book or two or more... 





Montag, 30. März 2020

Émilie und das kleine Restaurant von Annie L'Italien

Klappentext:
Das Rezept für eine perfekte Geschichte: Man nehme drei Frauen, die wissen, was sie wollen, gebe eine gehörige Portion Gefühl dazu, vermische das Ganze mit dem unbändigen Wunsch nach Selbstbestimmung und garniere alles mit einer Prise Spitzzüngigkeit. Nicht zu vergessen, die Geheimzutat: der Inhalt des rätselhaften grünen Koffers aus der Vergangenheit. Voilà! Davon kann man nicht genug bekommen. Nachschlag, bitte!





Erst als ich das Buch in der Hand hielt, merkte ich, dass es sich um eine Zeitebenengeschichte handelt, denn die drei Frauen aus der Kurzbeschreibung -  Émilie, Hélène und Marie-Juliette - leben zu unterschiedlichen Zeiten: 2016, 1967 und 1934.

Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich den Roman jetzt wohl nicht gelesen, denn ich hatte Lust auf eine Freundinnen-Geschichte. Ich war als sehr gespannt auf den Inhalt.

Der Roman spielt im französichen Teil von Kanada, in Saint-Henri, einem Quebecer Vorort und beginnt 2016, als Émilie sich einen bekannten Koch als Mentor sucht. Sie träumt von ihrem eigenen Restaurant und wird von ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn unterstützt.
Hélène trennt sich 1967 von ihrem Mann, zu einer Zeit, in der man sich noch nicht so leichtfertig trennte. Um für ihre Kinder zu sorgen, baut sie sich ein Catering-Service auf.
Marie-Juliette hat 1934 tolle Eltern, die sie unterstützen in ihrem Bestreben Chefkoch zu werden - in der Zeit, in der "man" erwartete, dass eine Frau so schnell wie möglich heiratet.

Was die drei Frauen miteinander verbindet, ist die Liebe zum Kochen. Zudem wirkt ein in Émilies Küchenschrank gefundener grüner Koffer wie ein roter Faden und bringt am Ende die drei Zeiten und Geschichten der Frauen zusammen.

Der Erzählstil ist speziell. Es ist, als ob ein Aussenstehender die Geschichte einem Publikum erzählt und die Zuschauer immer mal wieder etwas fragt, ebenso auch die Protagonistinnen anspricht. Es wirkte mehr beobachtend als richtig mit Herz und Seele erzählt, ein wenig wie aus der Zeit gefallen.

So fiel es mir schwer, eine Verbindung zu den drei Frauen aufzubauen. Die Idee ist nicht schlecht. Selbst die Figuren wie auch deren Geschichten waren nett, aber sie wirkten zu brav und man kam durch diese Erzählweise nicht wirklich an sie ran. "Émilie und das kleine Restaurant" wirkt dadurch viel zu einfach, um zu überzeugen. Am besten gefiel mir noch die freche Marie-Juliette, Maju.

Zu einfach empfand ich auch die Rezepte. Es muss nicht immer Sterneküche oder irgendwas Besonderes sein, aber sie sollten ansprechend sein. Hier waren sie so einfach, dass man sich manchmal wundert - denn auch 1967 hat Schnittlauch und Petersilie anstatt viel Dill und einige Prisen Minze in einem Zaziki nichts zu suchen.

Die Rezepte stehen jeweils zwischen den einzelnen Kapiteln. Ebenso wird jedes Kapitel mit einem kleinen Rezept wie "1 Unze Neugier, 1 Prise Mut, 6 Tassen Dreistigkeit" überschrieben. Das ist nicht so meins, störte zwar nicht sehr, müsste aber auch nicht sein.

Fazit: Alles ein bisschen zu einfach und zu nett gehalten - "1 Prise Schärfe, 2 Tassen anderer Schreibstil" und schon würde der Roman gefälliger sein. 
3 Punkte. 



Sonntag, 29. März 2020

Krimi: Der tote Carabiniere von Dino Minardi (Pellegrini 2)

Klappentext:
Ein toter Carabiniere ist Angelegenheit der Carabinieri. Commissario Marco Pellegrini von der Polizia di Stato darf nicht ermitteln. Und das, obwohl er den Mann kannte. Salvatore Bianchi, vierzig Jahre im Dienst in Brunate hoch über den Dächern Comos, wurde von der Standseilbahn überrollt, die Touristen und Einheimische in das beschauliche Dorf befördert. Und Pellegrini saß auch noch in genau dieser Bahn! Ein tragischer Unfall? Oder wurde Bianchi auf die Gleise gestoßen? Ausgerechnet die Ehefrau des Verstorbenen legt ein Geständnis ab. Aber hat wirklich sie ihrem Mann nach dem Leben getrachtet? Zwar ist Pellegrini von den Ermittlungen ausgeschlossen, aber dass er in der "Bar della funicolare" Augen und Ohren offen hält, kann ihm niemand verbieten. Zufällig liegt die Bar nur wenige Meter vom Fundort der Leiche entfernt, und bei einem "caffè" gerät so mancher ins Plaudern.


Fünf Monate ist seit dem Mord an einem Studenten, Pellegrinis 1. Fall vergangen. Commissario Marco Pellegrini ist frühmorgens, nach dem obligaten ersten Caffé in der Bar, auf dem Weg nach Como runter. 

Doch die Funicolare fährt nicht weit - ein toter Mann liegt auf den Gleisen. Marco kennt ihn, es ist Carabiniere Bianchi. Am liebsten würde Marco selbst direkt anfangen zu ermitteln, doch dies ist Sache der Carabinieri - und Maggiore Visconti und Pellegrini sind sich gar nicht grün. 

Als Visconti die Ermittlungen schleifen lässt, wächst Pellegrinis Unruhe. Da er zum untätigen Zuschauen verdonnert ist, spürt man diese richtiggehend. Irgendwann hat er genug. Als Brunatesi hat er eh das Gefühl etwas machen zu müssen, und so tauscht er das Kommissariat mit der Bar - jetzt kommt Leben in die Sache. 

Von Marcos Team tritt diesmal nur Claudia Spagnoli auf, dafür verstärken sich die im ersten Band bereits angesprochenen Familienprobleme. Doch am Ende des Krimis hat Marco nicht nur selbige fürs Erste entschärft, sondern auch den Fall souverän gelöst.

Dieser Fall machte Spass. Dino Minardi legt einige Motive vor, so dass es an Pellegrini ist, allen Fährten nachzugehen und die richtige Spur zu erwischen. Auch die Leser werden zum Miträtseln animiert.

Die Unstimmigkeiten, die ich im vorherigen Band kritisierte, sind hier nicht vorhanden, so dass man sich auf einen runden und ausgewogenen Fall mit einer Prise Galgenhumor am Ende freuen kann. Somit konnte sich Dino Minardi mit "Der tote Carabiniere" enorm steigern.

Fazit: Dieser zweite Band hat mich überzeugt -  er ist bedeutend stimmiger und interessanter als der erste Band. 
5 Punkte.


Reihenfolge:
Band 1: Ein Espresso für den Commissario
Band 2: Der tote Carabiniere

Samstag, 28. März 2020

Liebe ist tomatenrot von Ursi Breidenbach

Klappentext:
Dolce Vita und Amore – warum nicht? Die 40-jährige Nelli fährt spontan mit ihrem Freund Luca für einen romantischen Kurzurlaub nach Italien. Dort verliebt sie sich sofort in das kleine sonnengeküsste Dorf, durch dessen Gassen der Duft der köstlichsten Tomatensoße zieht, die Nelli je gegessen hat. Auch wenn sie bezweifelt, dass Luca der Mann für den Rest ihres Lebens ist, freut sie sich auf ein paar ruhige Tage an diesem idyllischen Ort. Neugierig streift sie über die umliegenden Felder, wo die saftig glänzenden Tomaten unter azurblauem Himmel in der Sonne reifen. Doch als sie dabei dem attraktiven Halbitaliener Roberto begegnet, der sie in die Geheimnisse der Tomatenernte einweiht, stehen Nellis Gefühle noch mehr kopf.


Der Anfang des Romans fand ich ein wenig langweilig, da er mich recht klischeehaft dünkte - ganz nach dem Motto verfasst: "Die Welt geht unter wenn man 40 wird".

Doch dann steigert sich die Geschichte enorm. Sie wird an dem Zeitpunkt "interessant", als Nelly und Luca in Italien ankommen. Nelly bereut, dass sie nicht besser hin gehört hat, als Luca ihr davon erzählte. Statt Urlaub zu zweit, gibt es Familienurlaub par Excellence, denn Lucas gesamte Verwandtschaft ist vor Ort.

Nelly hat Gewissensbisse, als sie mit ihrer Affäre, dem 16 Jahre jüngeren Luca vor seiner sympathischen Sippe auftaucht. Probleme hat aber eigentlich nur Nelly damit. Erst recht als sie dem attraktiven Mittvierziger Roberto begegnet. Noch mehr, als sie erfährt, wer er ist.

Ursi Breidenbach hat mit "Liebe ist tomatenrot" eine unterhaltende Geschichte geschrieben, die mit einem Thema aufwartet, über das man in Romanen nicht sehr oft liest: ältere Frau mit jüngerem Lover. Die Autorin hat die Generationenkonflikte gut aufgezeigt - und ebenso gut gelöst. Auch Nellys Gedanken über ihre Situation, das Pro und Contra, ja halt die ganze Auseinandersetzung mit so einer Beziehung, und schlussendlich das sich-selbst-finden haben mir gut gefallen.

Das Setting, ein kleines italienisches Dorf, Tomatenfelder und ein kleines verfallenes Häuschen, bezaubern. Mit einem liebevollen Blick für Details werden Kleinigkeiten wie zum Beispiel die Möbel und die Pflanzen vor der Cassata beschrieben.

Glaubhafte Missverständnisse sorgen für nötige Spannung und Überraschungen. Gekrönt wird die Geschichte mit einem angenehmen, humorvollen Schreibstil. Begleitet wird sie mit einem grossen Hunger auf Spaghetti mit ganz viel Tomatensauce.

Fazit: Ab der Reise nach Italien macht es Spass, den Roman zu lesen. So dass am Ende wohl alle LeserInnen dasselbe wollen: Urlaub in der Cassata in Tabbio verbringen. 
4 Punkte. 

Freitag, 27. März 2020

Wie wärs mit einem Buch? Buchtipps im Sarganserländer

Den Lesern meiner Heimatzeitung "Sarganserländer" durfte ich heute Bücher empfehlen. Wer auf diesem Wege auf meinen Blog geraten ist: 

Härzlich Willkommä! 



Mit ämä Klick uf dä Titäl chömäd ihr uf mini Rezension zum vorgstelltä Buach und erfahräd so no chli meh däzua.


Wer schon länger bei mir auf dem Blog zu Besuch ist und meine Beiträge abonniert hat, kennt meine Empfehlungen bereits. Doch es schadet nicht, sie noch einmal zu lesen - um danach die Bücher endlich von euren SuB's (Stapel ungelesener Bücher) zu befreien :-)

Wer weitere Inspiration sucht, findet sicher den ein oder anderen Tipp in den bisher veröffentlichten 1086 Rezensionen und Beiträgen. 


Für Krimifans - Dem Täter auf der Spur:


"Spanische Delikatessen" von Catalina Ferrera
Ist der erste von drei Bänden, in denen der deutsche Kommissar Karl Lindberg und sein spanischer Schwager Alex Diaz von der Mossos d’Esquadra in Barcelona in kniffligen (und originellen) Mordfällen ermitteln.








- "Kommando Abstellgleis" von Sophie Hénaff
Die Pariser Kommissarin Anne Capestan bekommt ein neues Team – zusammengesetzt aus lästigen, aufsässigen und arbeitsunwilligen Mitarbeiter, eben alle, die auf dem Abstellgleis stehen. Gemeinsam aber gelingt ihnen ein grosser Coup – eine witzige und clevere Story, die überzeugt. Band 3 erscheint im Mai.



-  "Tod am Aphrodite Felsen" von Yanis Kostas
Ein spannender Fall für Sofia, die von England zurück nach Zypern kommt und anstatt im Innenministerium in einem kleinen, öden Kaff landet und den einzigen Polizeibeamten vor Ort unterstützen soll. Witzig und mit liebenswerten eckigen Charakteren versehen. Raki oder Ouzo bereitstellen und lesen! PS: Yanis Kostas ist das Pseudonym von Alexander Oetker, der auch mit seinen Bordeaux-Krimis begeistert.







Ihr seid Krimiliebhaber und auf der Suche nach einer neuen, mal etwa andern und ungewöhnlicher Ermittlerin? Dass ist Jackie Dupont etwas für euch. Mit Bugatti und einem grössenwahnsinnigen Hund und einem wertvollen Bild von Gainsborough auf den Ersatzreifen gebunden, fährt sie auf den Spuren eines Mörders durch Monaco und die französische Riviera. Pures Lesevergnügen!



Für Geschichte-Fans - Blick in die Geschichte:


- Griechische Mythologie toll erzählt - Madeline Miller überzeugt mit ihren beiden Romanen «Ich bin Circe» und «Das Lied des Achill» und legt uns die teilweise komplizierte griechische Mythologie in aktueller Sprache vor. Interessant!










- Der Aufbau-Verlag zeigt in seiner Serie (alle Romane sind unabhängig voneinander lesbar) «Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe» tiefe Einblicke in einen bestimmten Lebensabschnitt berühmter Frauen wie Maria Callas, Edith Piaf, Coco Chanel, Eva Gouel, Marlene Dietrich, Signe Munch, Frida Kahlo, Lucia Joyce und einige mehr. Spannend, diese Frauen mal von einem anderen Blickwinkel aus zu sehen!
Bisher sind 12 Bände erschienen, mindestens zwei weitere (über Grace Kelly und Erika Mann) kommen im Laufe des Jahres noch dazu.



"Lottes Träume" von Beate Maly
Dass wir uns alle auf den Skipisten beim Skifahren vergnügen können, war vor 116  Jahren noch längst nicht selbstverständlich. Erst recht nicht für Frauen – und noch weniger in Hosen! Wie das damals in Wien anno 1904 war, schildert uns Beate Maly in ihrem spannenden Roman «Lottes Träume».








- "Effi liest" von Anna Moretti
Effi liest! Charmant und humorvoll packt Anna Moretti gesellschaftliche und medizinische Lehrmeinungen des 19.Jahrhunderts in eine kurzweilige Geschichte. Herrlich!




Für Liebesroman-Fans - Liebe geht durch Papier:


Ein überraschender Liebesroman, in dem eine leise, sehr schön erzählte Geschichte mit liebenswerten und schrulligen Charakteren steckt.









- "Love to Share" von Beth O’Leary
Tiffy und Leon teilen sich eine kleine Wohnung und das Bett – sie schläft nachts, er tagsüber. Sie kennen sich nicht und kommunizieren ausschliesslich über Post-it’s, was für witzige Szenen sorgt. Die Autorin lässt die beiden abwechselnd über ihr Leben erzählen und sorgt für viel Tiefgang. Ein grossartiger Liebesroman, der zu Recht gehypt wurde.




Tolle Unterhaltung 

- bei der es nicht langweilig wird, fürs Herz und fürs Gemüt, in Zeiten, in denen wir uns nur lesend in andere Länder bewegen können, kurz - Reisen in andere Länder:

-  Florida/USA: In «Shark Club» (bzw. dem neuen Titel "Mit dir am Meer") kehrt  Meeresbiologin und Haifischflüstern Maeve nach Hause auf eine Insel vor Florida zurück. Anna Kidd Taylor erzählt fesselnd weswegen Maeve trotz eines Haibisses als Kind immer noch von den Tieren fasziniert ist.








- Halifax/Kanada: Nach der Lektüre von «Sommer in Atlantikblau» von Miriam Covi will man so schnell wie möglich ein Flugzeug nach Kanada besteigen – die Geschichte um den letzten Willen von Grosstante Charlie in dem tollen Setting in Novia Scotia ist wunderschön umgesetzt und blitzschnell ausgelesen.




- Alba, Piemont, Italien: Julia Fischer erzählt in «Der Geschmack unseres Lebens» berührend und intensiv über eine tragische Familiengeschichte inmitten einer Haselnussplantage – und macht trotz aller Tragik Lust auf Schokolade!







- Paris, Frankreich: «Der Hut des Präsidenten» François Mitterand macht die Runde – er kreuzt die Wege bzw. die Köpfe diverser Figuren und vollbringt Wunder bei seinen unterschiedlichen Kurzzeit-Besitzer – wundervoll amüsant, mit eine Prise Nostalgie und Melancholie versehen und verfasst von Antoine Laurain.
Vom selben Autor empfehle ich die bezaubernde Geschichte um eine liegen gelassene Handtasche, mit einem doof übersetzten Titel "Liebe mit zwei Unbekannten", im Original heisst es "Le carnet rouge", das rote Notizheft, und passt perfekt, die Story ist total schön! 




Für Kinder ab 6 und Teenies ab 10:


- Winston – Ein Kater in geheimer Mission von Frauke Scheuermann
Ein Katzenleben ist herrlich – und aufregend! Kater Winston erlebt einige kriminalistische Abenteuer.

- Die Schule der magischen Tiere von Margrit Auer
Von der tollen Kinderserie gibt es bereits 10 Bände, denn jedes Kind der Klasse von Miss Cornfield soll ein magisches, sprechendes Tier erhalten mit dem sie viele Abenteuer meistern. Wer immer noch nicht genug hat, kann sich mit den «Endlich Ferien»-Bänden vergnügen.

- Für Leseratten und solche, die es werden wollen - mit diesen Teenie-Lese-Tipps zusammengestellt von meiner 13jährigen Tochter, denn diä chunnt drus.



Ratgeber-Bücher - Ein guter Ratschlag:


Die Bücher wurden von den Verlagsmitarbeiterinnen empfohlen, deshalb führen die Links direkt auf die Verlagsseite

- Rutger Bregman erhält aktuell eine Menge Aufmerksamkeit und ist ein gefragter Interviewgast, denn er sagt: "Katastrophen und Krisen bringen das Beste in uns zum Vorschein.", sein Titel: "Im Grunde gut".
- Eine Anleitung zum Menschsein in einer beschissenen Welt: "Shit happens" von Tim Desmond.
- Wer nicht mehr lesen, dafür lieber die Wohnung entmisten will - für den ist vielleicht die Magic Cleaning-Methode von Marie Kondo etwas.
- Spazieren gehen dürfen wir ja noch, deshalb: "Gehen und heilen" - Emotional Gesund durch Geh-Therapie in der Natur. 
- Und noch ein Buch zum Thema Achtsamkeit und vom Mut glücklich zu sein in "Du bist genug".



Viel Spass beim Lesen und bliibäd gsund!





Donnerstag, 26. März 2020

Krimi: Die verschwundene Braut von Bella Ellis (Die Brontë-Schwestern 1)

Klappentext:
Yorkshire, 1845: Ein mysteriöser Vorfall erschüttert das Anwesen Chester Grange. Die junge Gemahlin des Besitzers ist über Nacht spurlos verschwunden. Ihr Hausmädchen findet das Schlafzimmer verwüstet und voller Blut vor. Alles weist auf ein schreckliches Verbrechen hin. Als Charlotte, Emily und Anne Brontë von dem furchtbaren Ereignis hören, sind sie entsetzt – aber auch fasziniert. Die drei Töchter eines Landpfarrers sind sofort fest entschlossen, das Rätsel zu lösen. Unbeirrt und allen gesellschaftlichen Konventionen zum Trotz setzen sie ihre Nachforschungen fort, auch als sie selbst in Gefahr geraten.


Matilda French, die ehemalige Mitschülerin zweier Brontë-Schwestern, arbeitet auf Chester Grange. Als eines Morgens das Zimmer der zweiten Frau von Mr. Chester, Elizabeth Honeychurch, leer, dafür voller Blut vorgefunden wird, spekuliert der ganze Bezirk. Hat Chester seine junge Frau getötet? Jedenfalls weist vieles daraufhin, dass ein schlimmes Verbrechen stattgefunden hat, auch wenn die Leiche der Frau verschwunden bleibt.

Den neugierigen und mutigen Brontë-Schwestern ist langweilig zu Hause im Pfarrhaus. Als sie vom Verbrechen hören, beginnen sie inkognito zu ermitteln und wollen Mr. Chester überführen - ermitteln statt schreiben ist ihre Devise. 


Ich war sehr gespannt, was Bella Ellis (ein Pseudonym der Autorin Rowan Coleman) sich einfallen liess. Die Idee, die berühmten Brontë-Schwestern ermitteln zu lassen, finde ich nämlich klasse. Das Tempo hat die Autorin der Zeit angepasst. Gespräche über tagsüber neugewonnenes Wissen wurden zum Beispiel erst abends zuhause in der guten Stube geführt, Reisen in nahe oder weiter entfernte Ortschaften wurden zu Fuss, auf einem Karren oder in der Kutsche zurück gelegt. Einerseits klar, dass die Ermittlungen so auch länger dauern, andererseits habe ich schon viele historische Krimis gelesen, deren Ermittlungen bedeutend schneller vonstatten gingen. Deshalb fand ich den Krimi im Tempo schon recht reduziert und langatmig. 


Die Figuren sind Bella Ellis gut gelungen: die drei, sich stichelnden Schwestern Charlotte, Emily und Anne, die sich um ihren Bruder Branwell kümmern und ihren Vater zwischendurch nicht die ganze Wahrheit betreffend ihrer Ausflüge anvertrauten ebenso wie die Nebenfiguren.


Nicht ganz überzeugen konnte mich der Ermittlungsfall. Zum einen waren zwar viel gut eingestreute, neuzeitliche Themen dabei, über die man damals entweder zu wenig wusste oder komplett ignorierte, weil es sich schlicht nicht gehörte. Zum anderen fragte ich mich leider zu oft, was da noch kommen mag - beziehungsweise wusste ich bald, auf was es hinauslaufen wird, so dass es mir irgendwann langweilig wurde, weil ich nur noch auf die Enthüllung der Hintergründe wartete, die bis zum Ende aufgespart wurde. 


Eine tolle Idee, aber der Fall wirkt nach der ersten Hälfte zu konstruiert. Alles in allem hat "Die verschwundene Braut" gute Ansätze, die Spannung fehlt jedoch gänzlich. Dem zweiten Band gebe ich aber sicher eine Chance.

Fazit: Ermitteln anstatt Schreiben - reduziertes Tempo mit einem guten Ansatz, der unbedingt weiter entwickelt werden sollte. 
3.5 Punkte.


Reihenfolge: 
Band 1: Die verschwundene Braut
Band 2: Der namenlose Tote (ET noch nich bekannt) 

Mittwoch, 25. März 2020

Krimi: Mitten im August von Luca Ventura (Capri-Krimi 1)

Klappentext:
Enrico Rizzi hat es als Inselpolizist auf Capri zumeist mit kleineren Delikten zu tun. Der relativ ruhige Job erlaubt es ihm, nebenher seinem Vater im Obst- und Gemüsegarten hoch über dem Golf von Neapel zu helfen. Doch plötzlich ist er ganz anders gefordert: Ein Toter wird an den felsigen Strand gespült - ein junger Kerl aus einer Industriellenfamilie. Es ist der erste Mordfall für Rizzi, ein Fall, der das Paradies aufrüttelt, denn es geht dabei auch um das Fortleben der Insel. 




Romane, die auf Capri spielen, gibt es zuhauf. Nun gibt es endlich auch eine Krimiserie mit Capri als Handlungsort. Die Polizei auf Capri hat normalerweise vor allem mit Diebstählen, Eigentumsdelikten und Drogenmissbrauch zu tun. Von Morden sind sie bisher verschont geblieben. Bis jetzt. Als ein junger Mann erstochen auf einem Boot in Strandnähe gefunden wird, hat Capri sein erstes Mordopfer.

Agente Enrico Rizzi und seine neue Kollegin Antonia Cirillo werden mit dem Fall betraut, doch für Mord ist nach wie vor Neapel zuständig. So müssen sie Neapel Fakten liefern, warten jedoch lange, bis sie wichtige Infos aus Neapel erfahren - die Zusammenarbeit könnte besser laufen.

Auch Antonia Cirillo ist nicht zufrieden mit den Bedingungen auf der Insel. Sie wurde strafversetzt, niemand weiss weshalb. Über ihr Privatleben werden zwischendurch mal einige Details eingestreut, ebenso über jenes von Enrico Rizzi. Der sympathische Agente stammt aus Capri, lebt mit Gina und deren Tochter Francesca zusammen, und würde Gina gerne heiraten. In diesem ersten Band werden die "Steine" für eine zukünftige Zusammenarbeit von Cirillo und Rizzi gelegt. Auch darauf, wie sich ihre private Zukunft entwickelt, darf man gespannt sein.

Jack, der tote Norditaliener aus dem Boot, bewohnte das Ferienhaus seiner Familie zusammen mit Freundin Sofia, die von der Nachbarinsel Sorrent stammt. Beide haben ein Praktikum im Institut für Meeresbiologie auf Ischia begonnen. Sofia ist seit der Todesnacht verschwunden. Rizzi setzt alles daran, Sofia so schnell wie möglich zu finden. Ist sie tot oder noch am Leben, war sie Tatzeugin oder ist sie etwa die Mörderin?

Nur Stück für Stück kommen die Ermittler weiter. Würde das Kommissariat von Neapel zügiger arbeiten, würden auf Capri bedeutend schneller Fortschritte zu verzeichnen sein. Rizzi macht dies wütend und gerät bei seinen Besuchen in Neapel schon mal mit den Beamten vor Ort zusammen.

Mir gefiel "Mitten in August", der Auftakt zu dieser Capri-Krimiserie, gut. Das Spezielle daran ist, dass Capri mit der Nachbarinsel Ischia zu Neapel gehört, auch Sorrent in der Bucht von Neapel ist unmittelbar mit Capri verbunden und deshalb wird das Boot von Insel zum Festland oder von Insel zu Insel als Transportmittel so wichtig wie andernorts das Auto.

Neben dem Mord geht es um Klimaschutz, um dazu gehörige Meeresforschungen und um Möglichkeiten den Klimawandel aufzuhalten. Die Thematik hat mir gefallen, das Ambiente ist toll, die Ermittler interessante Figuren und deshalb bin ich auf weitere Fälle gespannt - und ich freu mich schon darauf, die zu lesen.

Fazit: Capri mal anders - ein spannender erster Teil! 
4 Punkte. 

Vielen Dank an den Diogenes Verlag!

Reihenfolge:
Band 1: Mitten im August

Montag, 23. März 2020

Krimi: Elsässer Intrigen von Jean Jacques Laurent (Major Jules Gabin 5)

Klappentext:
Jules Gabin wird befördert und in das wunderschöne Colmar versetzt. Doch es bleibt keine Zeit für einen Spaziergang durch die malerische Idylle. Sein Chef, Capitaine Debré, nimmt ihn direkt mit zum nächsten Fall: In einem Hotelzimmer wurde eine tote Prostituierte gefunden, ein Tötungsdelikt kann nicht ausgeschlossen werden. Für Debré ist die Lage klar: Der Geschäftsmann, der das Zimmer mietete, ist der Täter. Gabin bezweifelt dies, denn das zeitgleiche Verschwinden des ehemaligen Innenministers Eric Duval kommt ihm reichlich merkwürdig vor. Da gibt es doch garantiert eine Verbindung. 



Im fünften Band der Serie um Major Jules Gabin ist fast alles neu: Jules verlässt Rebenheim, zieht zu Joanna und arbeitet nun in der hübschen Kleinstadt Colmar. Wie schon in Rebenheim bei seinem Amtsantritt, wird er auch hier gleich zu einem Mord gerufen, zusammen mit seinem neuen Chef Capitaine Debré. 

Dessen Stellvertreter Benoît fürchtet die neue Konkurrenz, aber mit Yvonne arbeitet Jules gut zusammen, was bei Joanna für Eifersucht sorgt. Der Mord scheint einfach zu lösen sein, doch Jules Bauchgefühl sagt etwas anderes. Als es dann bei einem Essen mit seinem Fast-Onkel, dem ehemalige Minister Eric, zu Komplikationen kommt, ist Jules bald auf der richtigen Spur - oder doch nicht?

Meine Wünsche, die ich nach dem vierten Band hatte, wurden erfüllt: alte Fälle werden weg gelassen und Jules hat sich klar (zumindest aktuell) für Joanna entschieden. Zwar tauchen auch altbekannte Rebenheimer wie Lino in Colmar auf und auch mit einigen anderen gibt es ein kurzes Wiedersehen, aber auf eine sehr angenehme Art und Weise. Dieser Einbezug hat mir sehr gut gefallen.

Der aktuelle Fall in Colmar ist total spannend. Es scheint eine undichte Stelle zu geben, die heraus zu finden nicht leicht ist. Auch ich schwankte wie Jules mit meiner Meinung hin und her. 

"Elsässer Intrigen" ist fesselnd geschrieben und es lässt dem Leser keine Ruhe, bis der Band ausgelesen ist, in meinem Fall an einem Sonntagnachmittag! 

Da ich bisher ja immer so ein bisschen zwischen den Bänken stand, was Jules Ermittlungen betraf, kann ich nun sagen, dass jetzt alle Schwächen ausgeräumt sind und ich mich total auf weitere Fälle freue. 

Fazit: Spannend bis zum Schluss! 
4 Punkte.

Vielen Dank an den Piper Verlag!

Reihenfolge:
Band 1: Elsässer Erbschaften
Band 2: Elsässer Sünden
Band 3: Elsässer Versuchungen
Band 4: Elsässer Verfehlungen
Band 5: Elsässer Intrigen

Sonntag, 22. März 2020

Das Beste kommt noch von Richard Roper

Klappentext:
Andrews Beruf ist der Tod. Seine Arbeit als Nachlass-Verwalter für die Londoner Stadtverwaltung ist nichts für Zartbesaitete, aber zum Glück wartet auf ihn zuhause eine liebevolle Familie, die ihn aufheitert - glauben zumindest seine Kollegen. Aber das ist eine Notlüge, die Andrew selbst in die Welt setzte und die irgendwann ein Eigenleben entwickelte. In Wahrheit wohnt Andrew allein in einem Ein-Zimmer-Apartment und führt ein genauso einsames Dasein wie seine Verstorbenen kurz vor ihrem Tod. Das ändert sich, als eine neue Kollegin in der Abteilung anfängt. Peggy bringt frischen Wind in Andrews Welt und sein Herz schlängt in ihrer Nähe schneller. Das Problem: Peggy ist verheiratet, hat zwei Kinder und glaubt, Andrew wäre in der gleichen Situation.

Der Anfang war gut und macht neugierig auf die Geschichte. Doch dann wird es von Seite zu Seite langweiliger. So extrem, dass ich nach 210 von 416 Seiten nicht mehr weiter lesen mochte. Ab Seite 100 war mir klar, dass die Geschichte wohl nicht mehr stärker wird, doch ich habe mich durch gequält, bis ich vor Langeweile fast eingeschlafen bin - nicht abends im Bett, nein, tagsüber. 

Andrew arbeitet als Nachlass-Verwalter, geht in die Wohnungen von kürzlich verstorbenen Menschen und sucht nach Andeutungen von Hinterbliebenen. Sein Chef Cameron ist sehr speziell, versucht extrem einen auf Teambildung zu machen, wovon weder Andrew noch Meredith und Keith begeistert sind. Auch Peggy, die Neue im Team, mag das auch nicht. 

Neben den ganzen brodelnden Schwierigkeiten im Team geht es um Andrews Vergangenheit, seine Kindheit und seine Schwester Sally. Was da genau dahintersteckt wird bis zur Mitte nicht verraten, sondern es wird immer noch mysteriöser und komischer. Dazu denkt Cameron, dass Andrew verheiratet ist und mit zwei Kinder ein glückliches Familienleben führt. Andrew kommt nicht dazu die Lüge klarzustellen und reitet sich immer weiter rein. Aber auch Camerons Privatleben ist nicht so rosig, wie er es durchscheinen lässt. 

In der Kurzbeschreibung hörte sich das mit der Verheiratet-Lüge interessant an. Doch was Autor Richard Roper daraus macht ist viel zu langweilig. Vielleicht wäre es gegen den Schluss hin besser geworden, aber wenn mich ein Buch bis zur Mitte hin so extrem langweilt, dann haut es auch ein noch so gutes Ende nicht heraus. Ich hatte nicht mal Lust, die restlichen Seiten zu überfliegen, um zu sehen wie es ausgeht. 

Deshalb:

Fazit: Das Beste kommt tatsächlich erst noch. Es ist jedenfalls nicht in diesem Roman zu finden. 
2 Punkte. 


Samstag, 21. März 2020

Ein Sommer im Alten Land von Julie Peters

Klappentext:
Alice ist Parfümeurin, aber nach einem Unfall kann sie ihren Beruf nicht mehr ausüben. Als auch noch ihre Beziehung kriselt, flieht sie in die Provence. Doch in Grasse, der Stadt der Düfte, erinnert sie zu viel an das, was sie verloren hat. Da kommt die Einladung ihrer Tante auf den Apfelhof im Alte Land mehr als recht. Könnte sie hier nicht eine Seifenmanufaktur errichten, wie in Südfrankreich? Ihre Tante ist alles andere als begeistert, außerdem steht der Hof kurz vor dem Ruin. Nur der benachbarte Ökobauer Johann unterstützt ihre Idee. Oder hat er eigene Interessen?



Als Parfümeurin den Geruchsinn zu verlieren ist schon sehr schwer. Da hinterfragt man schon mal sein ganzes Leben - wie Alix aktuell. Statt zuhause Däumchen zu drehen, fährt sie nach Grasse, wohin sie immer schon mal wollte. Nur macht die Reise ohne jeglichen Geruchsinn nicht viel Spass. Sie lernt die Seifensiederin Agnes kennen und ist fasziniert von deren Arbeit.

Zurück zuhause, wird sie von Eltern, Schwestern, ihrem Geschäftspartner Dennis und ihrem Freund Max bestürmt. Deshalb flieht sie, nicht wie im Klappentext beschrieben auf Einladung der Tante, ganz im Gegenteil, auf deren Hof. Hannes nimmt sie mit, und zeigt ihr dort alles. Alix kommt auf die Idee, ein Gebäude auf dem Hof zu renovieren und dort ein Seifenatelier einzurichten.

Derweil ärgert Alix sich nach wie vor über ihren Verlust, denkt über ihre Beziehung zu Max nach, versucht Hannes und ihre schrullige Grosstante Barbara zu verstehen. In all dem verliert Alix sich manchmal und ihr Verhalten, aber auch das der anderen fand ich nicht immer schlüssig und nachvollziehbar.

Bis auf die faule und, auch hier, oberflächliche Art von Alix, die einige Seifenrezepte von Agnes bekam, anstatt sich selber damit auseinander zu setzen - so kann man kein Geschäft eröffnen - fand ich, die seit Jahren Seifen siedet, die Abläufe gut beschrieben, wenn auch stark vereinfacht.

Der Anfang des Romans hat mir sehr gut gefallen, doch dann wird einiges zu einfach dargestellt. Der Sommer aus dem Titel spürte ich zwischen all den Problemen nicht sehr.

Meine Hauptkritikpunkte sind, wie ihr wohl schon herausgelesen habt, die Oberflächlichkeit und Vereinfachung gewisser Situationen, die quer durch den ganzen Roman immer wieder auftauchen. Insgesamt las sich "Ein Sommer im Alten Land" jedoch flüssig. 

Fazit: Stellenweise oberflächlich und zu einfach gehaltene, aber nette Geschichte. 
3.5 Punkte. 



Mittwoch, 18. März 2020

Islandsommer von Kiri Johansson

Klappentext:
Als Merit von ihrem Freund verlassen wird, muss die chaotische Lebenskünstlerin sich ein neues Zuhause suchen. Da kommt ihr das Angebot, den Sommer über ein Haus samt Kater zu hüten, gerade recht. Die Sache hat nur einen Haken: Das Haus steht in Reykjavík. Kurz entschlossen verlässt sie Berlin, um in Islands quirlige Hauptstadt zu reisen. Von der Liebe will die talentierte Künstlerin vorerst nichts mehr wissen. Kristján will das auch nicht, denn er hat mit einer anhänglichen Ex und den Dämonen seiner Vergangenheit genug zu tun. Doch nun wirbelt die neue Nachbarin aus Deutschland das ruhige Leben des ordnungsliebenden Piloten mit ihren eigenwilligen Ideen ziemlich durcheinander.


Bisher habe ich erst einen Roman gelesen, der in Island spielt. Mir war der Roman von einer isländischen Autorin viel zu zu melancholisch und düster. Deshalb freute ich mich, als ich den Roman "Islandsommer" entdeckte, der mir mit dem farbigen und einladenden Cover einen freundlich gestimmten Roman versprach. Genau das bekam ich auch!

Auf den ersten Seiten habe ich mich gewundert, weshalb Merit mit dem Schiff nach Island fährt. Der Grund dafür wird erst viele Seiten später erklärt, aber es war auf jeden Fall ein sehr schöner und stimmiger Einstieg auf diesem Wege nach Island und gleichzeitig in den Roman rein zu kommen.

Es ist kein Köter, sondern Köttür, der Kater, weswegen Merit nach Reykjavik kommt. Sie soll den Sommer über auf ihn acht geben und darf dafür gratis im Haus von Isrun wohnen. In einem Sprachkurs lernt Merit einige Frauen kennen, die Freunde werden, auch ein Job hat sie bald in der Tasche. Dass sie Kristjan kennenlernt, bleibt nicht die einzige Überraschung, die Merit auf der Insel erlebt.

Merit ist nett, aber nicht so die Figur, mit der man extrem mitfiebert oder die man super mag. Sie ist zwar keine Kratzbürste, aber ihre Borsten ausfahren kann sie schon. Der Sommer auf Island ist für sie die Chance nicht nur ihr Trauma aufzuarbeiten, sondern auch ihr Talent zu entfalten, das von ihrem Ex-Freund immer klein geredet wurde.

Neben Merit lernt man den Norweger Kristjan kennen, der als Helikopterpilot auf der Insel arbeitet. Er leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung, die er aber auf die leichte Schulter nimmt. Zudem hat er eine ehemalige Affäre im Gepäck, die ihren Unmut an Merit raus lässt.

All diese Geschichten lässt Autorin Kiri Johansson zusammen mit viel Island-Feeling - Baden in heissen Quellen, Fahrten durch die Gegend, Elfengeschichten etc. - in ihrem Roman aufleben und sorgt dabei für unterhaltende Lesestunden. Die nette Island-Story ist auch einfach mal etwas anderes, als immer nur Frankreich, Italien oder Deutschland, und macht nur schon deswegen Spass zu lesen. Nun habe ich definitiv Lust, Island selbst mal zu besuchen. 

Fazit: Schöner Roman, mit dem man sich nach Island weg träumen kann. 
4 Punkte.