Dienstag, 21. Mai 2019

Krimi: Taxi criminale von Nora Venturini (Ein Taxi für alle Fälle 1)

Klappentext:
Die Italienerin Debora lebt in Rom und wollte schon immer Polizistin werden. Aber nach dem Tod ihres Vaters muss sie die Familie als Taxifahrerin über Wasser halten. Eines Tages nimmt sie eine elegante Dame im Taxi mit. Als diese kurz darauf ermordet aufgefunden wird, ist Deboras Neugier geweckt. Sie will den Mörder dieser Frau fassen! Commissario Eduardo ist nicht gerade begeistert von der impulsiven Hobbyermittlerin, die ihm mit eigenwilligen Methoden immer wieder in die Ermittlungen pfuscht. Doch Debora lässt sich nicht abschütteln, denn sie will ihre Fähigkeiten endlich unter Beweis stellen – und den charmanten Commissario beeindrucken.


Siena23 ist Debora Camillis Taxi-Kürzel. Die 25jährige erbte die Taxilizenz nach dem Tod ihres Vaters vor zwei Jahren. Eigentlich hatte sie bereits die Ausbildung zur Polizistin zu Ende gebracht, aber um die Familie zu unterstützen, verzichtete sie auf ihren Traumberuf und ist nun als Taxifahrerin in den Strassen Roms unterwegs.

Eines Morgens liest sie in der Zeitung über den Mord an einer Römerin. Die Frau auf dem Foto kennt Debora, sie hatte sie am Mordtag gefahren. Debora fühlt sich schuldig und geht schnurstracks zum Polizeidezernat um eine Zeugenaussage zu tätigen. Der zuständige Kommissar Eduardo Raggio schüttelt zuerst den Kopf über diese forsche Zeugin, die ihm Fragen stellt anstatt umgekehrt. Er wird sie schnell los, doch nur zu bald treffen sie erneut aufeinander - denn beide bleiben am Fall dran.

Raggio kommt nicht vom Fleck und Debora braucht Infos um weiter zu forschen und beide sind fasziniert vom jeweils anderen. So beginnt eine sehr formlose und sehr inoffizielle Zusammenarbeit, die schlussendlich zum Ziel - zum Täter - führt.

"Taxi criminale" ist ein typischer Auftakt-Krimi, in dem sehr ausgiebig über das Privatleben der Protagonisten erzählt wird. Raggio ist Wochenaufenthalter und pendelt zwischen Rom und seiner Familie - Frau Cecilia und Sohn Giulio - in der Toskana. Die Ehe steht nicht zum Besten, und so fernab von zuhause kann er theoretisch tun was er will. Kein Wunder also, dass ihm Debora gefällt und sich da etwas Scheues anbahnt. Raggio als Charakter war für mich nicht zu fassen: er war nett, aber er weiss nicht, was er will.

Debora lebt mit ihrer Mutter und ihrem Medizin studierenden Bruder zusammen, und fährt jeden Tag von Ostia nach Rom rein, um zu arbeiten. Aus Deborah wurde ich nicht ganz schlau. Mir fehlt eine gescheite Begründung, wieso sie nach dem Tod ihres Vaters nicht als Polizistin arbeiten konnte, sie war ja kurz davor. Damit hätte sie ebenso Geld verdient.

Die beiden Ermittler und alle anderen Buchfiguren waren mir viel zu oberflächlich gezeichnet. Die Beschreibungen ihrer Charaktere haben völlig lieblos immer etwas mit der Statur zu tun: "magersüchtig", "kleine Tonne", "stämmige Polizistin", "mehr breit als hoch", "Walküre", "rund wie ein Osterei", "ein Schlumpf" - und das war längst nicht alles. Zudem setzt die Autorin Debora die ganze Zeit auf Diät, obwohl sie in Grösse 36 passt. Sämtliche dieser Bezeichnungen hatten null und nichts mit dem Mordfall zu tun. Ich fand sie in der Menge fast schon beleidigend, als ob Nora Venturini ihre eigenen Figuren allesamt nicht mag. Es sind plumpe und negative Seitenfüller, die nicht nötig wären.

Auch die Angehörigen des Opfers werden nach diesem Muster beschrieben. Selbst Deboras Freundin Jessica interessiert sich nur für Diäten, Männer und Mode. Debora sich immerhin für Diäten, Männer und Morde.

Es ist kein Wunder, dass vor diesem Kontext der Mordfall vor lauter Privatleben in den Hintergrund tritt. Der Mordplot wäre eigentlich nicht mal so schlecht, bis am Ende kann man miträtseln, aber er geht leider in den Befindlichkeiten ein wenig unter. 

Fazit: Der Mordfall wäre okay, aber die Autorin sollte dringend an ihren oberflächlichen Figuren arbeiten. Einen halben Punkt mehr als Auftakt-Bonus. 
3.5 Punkte.



Montag, 20. Mai 2019

Ein Sommerhaus in Cornwall von Debbie Johnson

Klappentext:
Pippa hat alle Hände voll zu tun, seit sie nach dem Tod ihrer Eltern deren Farm, die Ferienhausvermietung und die Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister übernommen hat. An ein Date hat Pippa schon seit langem nicht einmal mehr gedacht. Doch dann spaziert Ben Retallick auf den Hof und fragt nach einer Unterkunft, und sofort ist Pippa klar: Für diesen Mann lohnt es sich definitiv, die Gummistiefel wieder einmal gegen etwas Schickeres zu tauschen und vielleicht sogar eine Sommerromanze zu riskieren. Doch Bens Vergangenheit droht sie einzuholen, und Pippa muss ihre Gefühle in den Griff bekommen.  


Von Debbie Johnson kenne ich die "The Comfort Food Café"-Serie, die mir sehr gut gefällt. Deshalb war ich auf ihren aus dem Jahr 2015 stammenden Roman, der aber erst jetzt auf Deutsch übersetzt wurde, gespannt.

Autor Ben Retallick mietet sich in einem Cottage auf Pippas Hof ein. Ben möchte hier in Ruhe einige Wochen an seinem neuen Roman schreiben. Doch schon bei seiner Ankunft muss er erst mal eine Kuh bändigen und sieht sich drei kleinen Kindern gegenüber sowie Pippa, die nicht die Klempnerin vom Dienst ist, wie es für Ben zuerst aussieht. 

Wie es sich für eine Protagonistin aus der Feder von Debbie Johnson gehört, ist Pippa schlagfertig und in keinster Weiser wortkarg. Aber sie trägt auch viel Verantwortung für eine junge 21jährige Frau. Seit ihre Eltern vor drei Jahren bei einem Autounfall ums Leben kamen, kümmert sie sich um ihre vier Geschwister. Neben den neunjährigen Zwillingsmädchen ist da noch der vierjährige Scott und der siebzehnjährige Patrick. Alleine stemmt sie die Ferienhausvermietung, zieht ihre Geschwister auf und sorgt für die noch übrigen Tiere auf dem Bauernhof. Pippa fühlt sich vom 32jährigen Ben fast sofort angezogen, umgekehrt auch, doch da ist so vieles, was gegen die zwei spricht. 

Eigentlich hätte die Geschichte unglaublich viel Potential. Auch die Charaktere wären sehr interessant, Ben mit seiner Vergangenheit und Pippa als Mutterersatz für ihre Geschwister. Doch leider macht Debbie Johnson nicht viel draus. 

Anstatt wie sonst eine einfühlsame Geschichte daraus zu zimmern, wird es zu einem Roman, der besser in der Erotikecke platziert werden sollte. Es geht in der Geschichte  vor allem um die sexuelle Anziehungskraft der beiden und plötzlich spielt die Zeit, die Pippa neben ihren Aufgaben (wie oft beschrieben) gar nicht hat, keine Rolle mehr und sie hat plötzlich alle Zeit der Welt für den gemeinsam Spass im Bett mit Ben. Das wäre das eine, aber was ich total daneben fand, ist die sehr vulgäre Bettsprache, die nicht zu den sehr sensibel beschriebenen Figuren passt. 

Leider bleibt somit der ganze interessante Teil mit dem alten Jensen, der dem pubertären Patrick Halt gibt und einiges anderes auf der Strecke. Es ist anscheinend auch kein Problem mehr, dass Ben ins Pub geht - kein Ton mehr darüber, dass er dort erkannt werden könnte und ob er sich dort sicher fühlt oder nicht. Oft beschreibt er sich als arrogant, aber das ist er nicht. 

Man merkt leider deutlich, dass "Ein Sommerhaus in Cornwall" einer der ersten Romane der Autorin ist - es liest sich mehr wie ein Übungsstück als ein durchdachter Plot.

Fazit: Der Rahmen hat einiges Potential, doch es wurde nicht genutzt und schlecht umgesetzt. 
3 Punkte.


Freitag, 17. Mai 2019

Die Kirschen der Madame Richard von Tania Schlie

Klappentext:
185 Einwohner zählt das Dorf Montbolo in den französischen Pyrenäen. Als die Hamburgerin Miriam auf der Durchreise ein verwunschenes altes Haus inmitten eines verwilderten Kirschhains entdeckt, steht der Entschluss für sie fest: Sie bricht alle Zelte ab und wird Montbolos Einwohnerin Nummer 186. Miriam nimmt sich vor, ihr Haus im Alleingang zu renovieren und von nun an von der Kirschernte zu leben. Doch sie hat nicht mit der skurrilen Dorfgemeinschaft und den Eigenarten uralter Kirschsorten gerechnet – und schon gar nicht mit dem unverschämt charmanten Nachbarn Philippe, der ihr Herz höherschlagen lässt.


Das Cover ist bezaubernd - aber ich mag ja auch Kirschen und Geschichten, die sich in Gärten abspielen. Da kam der neue Roman von Tania Schlie gerade richtig, auch passend zur baldigen Kirschenernte in einem Monat. 

Nicht nur ein grosser Garten, sondern auch um die 50 Kirschbäume gehören zu dem kleinen Haus, in das Miriam Richard sich auf ihrer Reise in Frankreich spontan verliebt. Miriam liebt Blumen und Pflanzen und hat genug von ihrem Bürojob auf dem Hamburger Blumengrossmarkt. Als sie das Haus in den Pyrenäen sieht, ist es um sie geschehen und kauft es spontan. 

Naiv und blauäugig, ja, das weiss Miriam selbst, aber es musste einfach sein. Der Roman berichtet wie sie sich einlebt in Montbolo, das Haus und den Garten auf Vordermann bringt und sich um die Kirschbäume kümmert. Denn künftig möchte sie vom Verkauf der Kirschen leben. Einfacher gesagt als getan, die ersten Schwierigkeiten warten schon hinter der nächsten Hecke. Hält sie durch oder gibt sie auf? Einige Bewohner wetten bereits darauf. Und gelingt es Miriam, ihre Freundin Fredo in Hamburg zu überzeugen, dass es ihr gut geht, auch wenn es manchmal schon ein wenig einsam ist, oberhalb des Dorfes zu leben? 

"Die Kirschen der Madame Richard" ist ein ruhiger Roman. Um sich auf die gemütliche Geschichte einzulassen, müssen ungeduldige Leser die Spannung aushalten können, dass hier eben gar nicht so viel passiert. Das Ziel, Miriams Leben von der hektischen Grossstadt ins ländliche, kleine Dorf zu verlagern und dieses neue,  Leben zu beschreiben, ist der Autorin Tania Schlie gelungen.

Pflanzenliebhaber, die sich gerne in Gärten aufhalten und das gemächliche Leben mit der Natur lieben, werden auf ihre Kosten kommen. Die Beschreibungen von den Wahrnehmungen im Garten, sei es der kleine Steinkauz oder die Fledermäuse, mit denen Miriam sich das Haus teilt, sowie die Einschübe des Gartentagebuchs vom Vorbesitzer Gaston Bonnefoi sind wunderschön. Auch Miriams Marktbesuche und -käufe, bei denen sie schon daran denkt, was sie aus den Leckereien alles kochen möchte, konnte ich absolut nachvollziehen.

Die Begegnungen mit den Dorfbewohnern und den daraus entstehenden Freundschaften habe ich mit stillem Vergnügen gelesen. Hinter den unauffälligen Frauen und Männern stecken so einige Überraschungen. Egal ob ihr Nachbar, der Geologe Philippe, die Bäckereiverkäuferin Pauline, Gärtnerhilfe Paul, Makler Oscar Poulenc, der Bürgermeister Frochot, zugleich einziger Hotelbesitzer (mit 3 Zimmern), Micheline Guilmette und Madame Gravelotte, deren Auto Miriam kauft - sie alle erobern Miriams und auch des Lesers Herz. 

Fazit: Der Alltagshektik entfliehen kann man bestens mit diesem Roman, der mich teilweise an "Vom Glück mit der Natur zu leben" von Edith Holden erinnerte. 
4 Punkte.


Montag, 13. Mai 2019

Krimi: Kretische Feindschaft von Nikos Milonas (Charisteas 1)

Klappentext:
Wenn Kommissar Michalis Charisteas morgens den Blick auf den malerischen Hafen seiner Heimatstadt Chania genießt, kann er sich nicht vorstellen, an einem anderen Fleck der Erde zu leben. Von den Bergen weht der Duft von blühenden Olivenbäumen herüber und vom Meer der Geruch von Salz und Muscheln. Alles wäre perfekt, könnte in diesem Moment seine Freundin Hannah bei ihm sein. Aber Hannah ist Deutsche und kommt nur alle paar Monate nach Kreta, was für Michalis und seine große Familie jedes Mal ein besonderes Ereignis ist. So auch an diesem Tag Ende April. Doch noch vor Hannahs Ankunft steckt Michalis mitten in einem neuen Fall. Der Bürgermeister des Nachbarorts wird vermisst und kurz darauf tot in einem Autowrack an der Felsenküste gefunden. Ein tragischer Unfall, wie es schnell heißt. Doch im Gegensatz zu seinen Kollegen gibt sich Michalis nicht mit einfachen Erklärungen zufrieden. Bei seinen nicht immer ganz offiziellen Ermittlungen stößt er auf alte Feindschaften, die weitere Opfer fordern werden.


Ich mag Krimis, die in Griechenland spielen - es gibt nur so wenige davon. Deshalb freute ich mich, als ich von diesem neuen Kriminalroman aus dem Fischer Verlag hörte. 

Der Ermittler dieser Serie ist der 30jährige Kommissar Michalis Charisteas. Er ist auf Kreta aufgewachsen, seine ganze Familie lebt hier. Nach einigen Jahren in Athen kehrte er wieder zurück und arbeitet nun in Chania unter seinem Onkel Jorgos, dem Leiter der Mordkommission.

Zu Michalis Team gehört Assistentin Myrta, IT-Spezialist Christos und Pavlos Koronaios, sein Partner. Die zwei ergänzen sich gut, auch wenn das nicht immer sichtbar ist. Michalis hat den ultimativen Riecher wenn etwas faul ist, ist ruhig und hat den Überblick. Koronaios ist der forsche Typ, der sich öfters ärgert über angeblich unwissende Zeugen, aber auch wenn Michalis mal wieder das Gefühl hat, dass an der Situation was nicht stimmt; insgeheim bewundert er ihn dafür.

Dieses unstimmige Gefühl hat Michalis, als sie aufgeboten werden, den verschwundenen Bürgermeister von Kolymbari zu suchen. Die Kollegen vor Ort nerven sich über die Einmischung, die vom Gouverneur der Insel angeordnet wurde. Koronaios ist selbst nicht begeistert, denn es kam öfters vor, dass Bürgermeister Stellos mal für einen Tag verschwand und dessen Frau Fehlalarm auslöste. Doch dieses Mal ist Michalis sich sicher, dass etwas passiert sein muss. Erst recht, als am Tag darauf Stellos in seinem Wagen an einem Felsvorsprung aufgefunden wird und das Team vor Ort die Spurensicherung nicht aufbietet und das Ganze als Unfall betitelt. Michalis legt sich mit Jorgos und dem Polizeivorsteher an, die den Fall abschliessen. Was Michalis nur noch mehr motiviert auf eigene Faust zu ermitteln.

Doch der Zeitpunkt ist äussert schlecht. Denn seine deutsche Freundin Hanna landet am Tag als Stellos vermisst wird in Heraklion. Die ganze Charisteas-Familie - bestehend aus den Eltern Loukia und Takis, Bruder Sotiris und Schwester Elena - sie  alle rufen alle paar Stunden an und fragen nach, ob er es schafft sie abzuholen. Und als sie dann endlich da ist, haben die zwei kaum eine ruhige Minute vor lauter Familie. Die erst noch nicht versteht, wieso Hannah in Ruhe in ihrem Zimmer arbeiten will und dies nicht unten in der Taverna tut. Aber Hannah ist sympathisch, selbstständig und weiss die Griechen zu nehmen, was für viele Schmunzler sorgt.

Familie ist das Top-Thema in "Kretische Feindschaft" - privat und auch in Michaelis aktuellem Fall. Ich kann mir vorstellen, dass das Thema für einige Leser zu ausführlich behandelt wird. Doch das braucht es, einerseits ist Familie für Griechen wichtig und dann ist es der erste Teil einer Serie, in dem üblicherweise alle Beteiligten vorgestellt werden. Familie Charisteas mit ihrer Taverne im Hafen wird sicher auch in den weiteren Fällen eine grosse Rolle spielen. Andererseits ist es für den Fall interessant, dass eine funktionierende, gut miteinander arbeitende Familie charakterisiert wird und daneben eine Familiengemeinschaft gezeigt wird, die aufgrund vieler Geheimnisse ausser Kontrolle gerät.

So wie Michalis dargestellt wird - freundlich, aber stur wenns drauf ankommt und mit einem geschulten Auge für Details - freue ich mich auf weitere Fälle mit ihm und seinem Partner Koronaios.

Fazit: Der tolle Auftakt hat mich unterhalten und amüsiert, der Krimi gehört nicht nur in den Griechenland-Urlaub-Koffer gepackt. Neben viel Lokalkolorit und Raki erwartet den Leser auch einen spannenden, undurchsichtigen Fall. 
5 Punkte. 


Reihenfolge:
Band 1: Kretische Feindschaft  

Sonntag, 12. Mai 2019

Ein Haus fürs Herz von Veronica Henry

Klappentext:
Das kleine Anwesen „Hunter`s Moon“ ist ein Haus wie aus dem Bilderbuch. Gut versteckt und eingebettet im sanften Tal von Peasebrook war es über fünfzig Jahre das geliebte Zuhause der Familie Willoughby. Hier schrieb die Autorin Margot Willoughby ihre bekanntesten Romane. Nun ist es die Aufgabe der erfolgreichen Jung-Immobilienmaklerin Belinda, neue Besitzer zu finden. Auf der Suche nach der perfekten Familie offenbart das Haus lang gehütete Geheimnisse – und bringt Belinda dazu, sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen.



Wie bereits in "Liebe zwischen den Zeilen" ist auch "Ein Haus fürs Herz" in Peasebrook angesiedelt.

Ausserhalb dieser Ortschaft liegt das Anwesen der Familie Willoughby, das verkauft werden soll. Die jetzigen Besitzer Sally und Alex müssen aus gesundheitlichen Gründen umziehen. Es fällt ihnen enorm schwer, das Haus loszulassen. Denn "Hunter's Moon" ist das Haus von Alex Familie. Hier ist er mit seinen beiden Schwestern Annie und Phoebe aufgewachsen und er hätte das Haus eigentlich gerne seinen Kindern vermacht. 

Mit einer schönen, detaillierten Beschreibung von Hunter's Moon beginnt Veronica Henry ihren Roman in der Gegenwart. 

Der zweite Erzählstrang spielt 1967, als Sally Haushälterin auf Hunter's Moon wird. Sie ist fasziniert von der Ungezwungenheit der Familie Willoughby und gibt dem chaotischen Haushalt und der Familie ein bisschen Struktur. Dafür wird sie von allen geliebt. Insbesondere von Alex. 

Seine Mutter Margot ist eine berühmte Schriftstellerin und verdient das Geld in ihrer Familie. Sie ist extravagant, vergisst dabei aber ihren Mann Dai und verliert das reale Leben immer mehr aus den Augen.

50 Jahre später soll nun Belinda das erinnerungsträchtige Haus auf den Markt bringen. Belinda hat sich nach einer grossen Enttäuschung nicht unterkriegen lassen und ihr eigenes Maklerbüro in Peasebrook eröffnet. Belinda ist beliebt bei den Kunden und äusserlich stark, aber innerlich tief verletzt. Mit ihren zerplatzten Träumen kann sie deshalb Sally und Alex, aber auch deren Sohn Leo, besser verstehen, als diese ahnen.

"Ein Haus fürs Herz" schildert die Familiengeschichte der Willoughbys, und erzählt die Geschichten der drei Frauen eindrücklich. Mit Veronica Henrys spezieller liebevollen Art, ihre Figuren darzustellen, lernt man die Beteiligten schnell kennen und mögen. Wer ihre Bücher kennt, weiss, dass immer mehr hinter ihren Charakteren und dem Plot steckt, als auf den ersten Blick ersichtlich. 

Veronica Henry ist nicht umsonst eine meiner Lieblingsautorinnen, sie begeisterte mich auch mit diesem Roman wieder. 

Fazit: Eine wunderbare, emotionale Geschichte über ein Haus, dessen Schicksal in den Händen von Frauen liegt. 
5 Punkte.

Freitag, 10. Mai 2019

Krimi: Letzte Spur Algarve von Carolina Conrad (Anabela Silva 2)

Klappentext:
Auf einem abgelegenen Gehöft in der Algarve wird die Leiche einer Tierschützerin gefunden - unter den Hufen ihres eigenen Pferdes. Ein Unfall? Nein, meint Kommissar João Almeida. Doch mit seiner Mordtheorie ist er allein. Er bittet die deutsche Journalistin Anabela Silva, die vor einigen Wochen ins Dorf ihrer Eltern gezogen ist, verdeckt unter den Tierschützern zu recherchieren, darunter viele Deutsche. Anabela lässt sich darauf ein. Denn erstens fühlt sie sich zu Almeida hingezogen, und zweitens braucht sie seine Hilfe. Sie sucht die Spur eines Kindes, das während eines finsteren Kapitels portugiesischer Geschichte verschwunden ist.


In meiner Rezension des ersten Teils der Anabela-Silva-Reihe wünschte ich mir mehr Krimi und mehr Spannung für allfällige Nachfolgebände. Der zweite Teil ist gerade erschienen - meine Wünsche wurden erfüllt.

Die 42jährige Anabela wohnt seit nunmehr sechs Wochen wieder in Portugal im ehemaligen Haus ihrer Grosseltern und kann ihre Mutter bei der Pflege ihres an Alzheimer erkrankten Vaters unterstützen. Da Anabela als Journalistin keinen festen Job findet, und ihr das Übersetzen bei der Polizei in ihrem ersten Fall Spass machte, absolviert sie gerade eine Online-Ausbildung zur Dolmetscherin.

Kommissar Almeida hat erneut Arbeit für Anabela, allerdings inoffiziell: eine Dänin wurde tot in ihrem Stall aufgefunden. Im Gegensatz zum Staatsanwalt glaubt Joao an einen Mord, aber der Fall wird eingestellt. Deshalb soll Anabela inkognito in einem Tierheim als Freiwillige mitarbeiten und für ihn die Ohren offen halten. Die Tote arbeitete im Tierheim mit und Joao hofft, durch Anabela an interne Informationen über Frau Steen ranzukommen. 

Anabela bittet Joao im Gegenzug, ihr Infos zu ihrem als Baby verschollenem Cousin zu besorgen, denn sie möchte den letzten Wunsch ihrer verstorbenen Tante erfüllen. Almeida findet eine Spur, der die beiden folgen.

Während Anabela oft - journalistisch und charakterlich geprägt - aufmüpfig und forsch Fragen stellt, ist Joao ganz der ruhige Kommissar, der sich mit undurchsichtiger Miene mit Zeugen unterhält. Beide sind sympathische Zeitgenossen und ergänzen sich prima. Dies sieht Paulo Pinto ein wenig anders, es wird erzählt, wieso Pinto die Deutsche nicht mag. Vielleicht ändert er seine Meinung im dritten Band ja noch...

Interessant ist das Setting der Serie. Während andere Portugalkrimis in Lissabon, Porto oder in Fuseta angesiedelt sind, spielt diese Reihe an der Ostalgarve, im Grenzland zu Spanien. Dieser geografische Begebenheit baut Carolina Conrad geschickt in ihre Krimis mit ein. 

Der Autorin ist es in "Letzte Spur Algarve" perfekt gelungen, eine Symbiose zwischen journalistischem Stil und polizeilichen Ermittlungen zu schliessen. Somit ist der zweite Band schlüssiger und um einiges spannender als der erste Band. In den Fall um die tote Dänin hat Carolina Conrad diverse Themen eingepackt. Auch durch die unterschiedlichen Ermittlungsansätze kommt Pfupf in die Geschichte, so dass es Spass macht den Krimi zu lesen. 

Fazit: Toller zweiter Band, um einiges packender und interessanter als der Vorgänger. 
4 Punkte. 

In diesem kurzen Video erzählt die Autorin ein wenig über sich selbst und über die Anabela-Silva-Serie: 



Wer sich für Spaniens geraubte Kinder interessiert, dem empfehle ich den Roman "Julias Geheimnis" von Juliet Hall, er behandelt die Thematik ausführlich. 

Reihenfolge:
Band 2: Letzte Spur Algarve

Donnerstag, 9. Mai 2019

Krimi: Madeirasturm von Joyce Summer (Avila 2)

Klappentext:
Ein Sturm zieht auf. Im Hafen von Funchal wird die Leiche eines Touristen angespült. Madeira rüstet sich, um eine Katastrophe und weitere Tote zu verhindern. Leticia Avila hat dagegen andere Pläne. Sie überredet ihren Mann, mit ihr das Wochenende in einem romantischen Hotel in den Bergen zu verbringen. Aber der scheinbar so idyllische Ort wird bald gestört: Eine Leiche treibt am morgen im Hotelpool. Abgeschnitten von der Zivilisation versucht Comissario Avila, dem Sturm und den Machenschaften des Mörders zu trotzen. Wird es ihm gelingen, seine Familie zu beschützen? 



Kommissar Avila lernte ich in "Mord in der Levada" kennen, später in "Madeiragrab" war seine Frau schwanger. Und nun, in seinem zweiten Fall ist Avila stolzer Vater eins fünf Monate alten Mädchens.

Nachdem seine Schwiegermutter über drei Wochen bei den Avilas zu Besuch war, steht der Besuch des Schwiegervaters bevor. Avila graut es davor, er hätte einfach gerne wieder Ruhe. Als eine Wasserleiche gefunden wird, hofft er sich mit den Ermittlungen beschäftigen zu können. Aber diese werden eingestellt. Pech für Avila, nun muss er mit Frau, Kind, Schwiegervater und seinem Chef und dessen Frau für ein Wochenende in ein Hotel fahren. Eigentlich sollte es dort entspannter sein als zuhause, doch durch ein heftiges Unwetter werden sie von der Umwelt abgeschnitten. Und dann treibt auch noch eine Leiche im Pool.

Während Avila und sein Chef Lobo alles Mögliche versuchen, um herauszufinden, was mit der toten Person im Pool passierte, werden unten im Tal die Ermittlungen betreffend der Wasserleiche durch Vasconcellos, Baroso und die Gerichtsmedizinerin Souza wieder aufgenommen. Neu zum Team stösst Sargento Fonseca mit seinem Spürhund Galina.

Der Leser wird nun Zeuge davon, dass beide Fälle irgendwie zusammen hängen. Doch da die Teams nicht miteinander kommunizieren können, wissen sie selbst nichts davon. Die jeweils fehlenden Teile der Ermittlungen werden erst gegen Ende herausgefunden, als sie zumindest zeitweise wieder telefonieren können. Damit bleibt der Fall spannend bis zum Schluss.

Der Hotelteil erinnert an klassische Whodunit-Krimis - einer von den sich im Hotel aufhaltenden Personen muss etwas mit den Morden zu tun haben. Bloss wer? Motive hätten einige der Anwesenden. Avila arbeitet unter Hochdruck, Lobo ist keine grosse Hilfe. Und je näher sie der Lösung auf die Spur kommen, je stärker sind sie alle in Gefahr. 

Die Atmosphäre oben im Hotel ist aufgrund des Unwetters sehr düster. Irgendwie wollte mir das nicht so recht passen, auch wenn mir klar ist, dass auf Madeira nicht immer die Sonne scheint. Leticia, Ines und ein paar andere Charaktere fand ich teilweise sehr blauäugig und naiv - das mussten sie zum Gelingen der Geschichte leider sein.

Die Zusammenarbeit im Tal-Team fand ich gelungen, Vasconcellos und Souza zeigen Eigeninitiative und nutzen ihre Kontakte. Insgesamt ein interessanter und fesselnder Krimi.

Fazit: Stimmiger und packender zweiter Fall für Commissario Avila! 
4 Punkte.


Reihenfolge:
Band 1: Madeiragrab
Band 2: Madeirasturm


Mittwoch, 8. Mai 2019

Ein Tropfen vom Glück von Antoine Laurin

Klappentext:
Um den Schreck eines Einbruchs zu verdauen, trinken vier Nachbarn eines Pariser Mehrfamilienhauses zusammen eine Flasche Wein aus dem Jahr 1954. Ein fröhlicher Abend mit überraschenden Folgen: Am nächsten Morgen erkennen sie ihre Stadt nicht wieder – sie sind zurückversetzt ins Jahr, aus dem der Wein stammt! Das Paris der fünfziger Jahre wartet mit Überraschungen auf: Julien, der Barmann, lässt in der legendären Harry's Bar Audrey Hepburn seine neueste Kreation kosten, die er wohlgemerkt nicht nach der Schauspielerin, sondern nach seiner mitzeitreisenden Nachbarin Magalie benennt. Magalie wiederum wird für Juliens Ehefrau gehalten und begegnet ihrer Großmutter als junger Frau. Hubert isst Boeuf Bourgignon mit Édith Piaf und löst ein Familiengeheimnis. Und Bob, der amerikanische Tourist, hat die Mona Lisa ganz für sich allein. Für alle vier wird die Zeitreise zu einer Gelegenheit, sich über ihre Gefühle klar zu werden. Doch wie kommen sie zurück in die Zukunft?

Drei Bewohner des Hauses an der Rue Edgar-Charellier 18 dürfen wir Leser in "Ein Tropfen vom Glück" auf einer kurzen Zeitreise erleben:

Zum einen ist da die junge Restauratorin Magalie, die ihren Laden im Erdgeschoss und ihre Wohnung im 6. Stock hat und von allen, an Anlehnung an die TV-Serie Navy CSI, nur Abby genannt wird. Neben ihrem Geschäft wohnt Barmann Julien, der ein Auge auf Magalie geworfen hat. Hubert Larnaudie, der im dritten Stock zur Strassenseite wohnt, wohnt seit 1868 in der Nummer 18 - nicht ganz, aber seine Familie hat das Haus damals auf den Ruinen einer Abtei erbaut. Oben neben Magalie, wohnt Madame Merlino, die ihre Wohnung bei Airbnb vermietet.

Der Amerikaner Bob ist einer ihrer Gäste. Seine Frau liegt sterbenskrank im Spital, die zusammen lang ersehnte Reise nach Paris muss er alleine antreten. An seinem ersten Abend in Paris wird er zusammen mit Julien und Magalie auf ein Glas Wein in Huberts Wohnung eingeladen.

Diese Flasche Wein ist speziell -  sie stammt vom Weingut in Charmally-les-Vignes, wurde 1954 gekeltert. Zu der Zeit sei ein Ufo über dem Weinberg gesichtet worden, erzählt Jules an diesem Abend den anderen. Und auch, dass 1978 sein Urgrossvater, kurz nachdem er den Ufo-Film von Spielberg gesehen hat, verschwand. Als die drei am Morgen drauf erwachen, weiss noch keiner, dass sie eine Reise in die Vergangenheit angetreten haben.

Alle erleben sie zuerst getrennt voneinander das alte Paris. Bob ist begeistert von der Stadt, bis er merkt, dass etwas nicht stimmt. Auch die anderen realisieren recht schnell, was Sache ist. Sie sind nicht in einer Historienveranstaltung gelandet, sondern im Paris anno 1954. So staunen sie über den Verkehr, über alte Geschäfte und finden Gefallen an zufälligen Begegnungen mit Künstlern wie Salvador Dali, Edith Piaf oder Audrey Hepburn.

Auch der Leser taucht ein in die Atmosphäre der 50er Jahre. Antoine Laurain baut zudem viel Wissenswertes zur damaligen Geschichte mit ein, so dass der Leser vor Augen hat, was sich alles verändert hat. Versuchen sie zum Beispiel im Jahre 1954 mit Euros zu zahlen! Der Autor hat die Probleme seiner Figuren in der Vergangenheit stimmig gelöst. Seine Charaktere sind allesamt sympathisch, so dass ich am Ende keine Lieblingsfigur hatte, sondern einfach nur glücklich über den bezaubernden Roman war. 

Laurain erzählt wie bereits in seinen früheren Büchern beschwingt und leicht seine Geschichte, die immer wieder zum Schmunzeln verlockt. 

Fazit: Wie gewohnt sehr charmante Geschichte, die den Leser mit ins Paris der 50er Jahre nimmt. 
5 Punkte. 


Dienstag, 7. Mai 2019

Die Zigarette danach von Antoine Laurain

Klappentext:
Wie weit würde ein Raucher gehen, um eine Zigarette genießen zu können? Für Fabrice Valantine, erfolgreicher Headhunter, ist die Antwort klar: weit, sehr weit. Als in seinem Unternehmen ein Rauchverbot in Kraft tritt, lässt er sich von seiner Frau überreden, einen Hypnotiseur aufzusuchen, der ihn von seinem Laster heilen soll. Die Behandlung ist ein voller Erfolg: Fabrice vergeht jede Lust am Rauchen. Doch als Fabrice die versprochene Beförderung nicht erhält, wird er rückfällig. Zu seinem großen Entsetzen bleibt jede Wirkung aus: Die Zigarette schmeckt nicht mehr. Fabrice ist verzweifelt – bis er durch einen Zufall entdeckt, dass die Lust am Rauchen zurückkehrt, wenn er einen Menschen umgebracht hat.


Antoine Laurain ist bekannt für seine besonders ideenreichen Geschichten. Der vorliegende Roman beweist es einmal mehr.

Fabrice Valantine sitzt im Gefängnis und erzählt den Lesern, wieso er wegen einer Zigarette zum Mörder geworden ist. Seine Geschichte beginnt eigentlich mit seiner ersten Zigarette, doch das Rauchen wird erst zum Problem, als ein blondes Model, das grauhaarige Anzugsträger nicht mag, das Rauchverbot in der Firma umsetzt.

Valantine ist ein Headhunter. Er und zwei Arbeitskollegen sind dem höchsten Boss der Firma unterstellt. Ihnen allen ist das allgemeine Rauchverbot total egal, sie rauchen in ihren Büros und in der Kantine. Als das Verbot auch bei ihnen in Kraft tritt, schickt seine Frau Sidonie ihn zum Hypnotiseur und siehe da - er raucht nicht mehr. Dies bringt neue Probleme mit sich, die ihn mit der Zeit zum Morden bewegen.

Man darf kein Krimi erwarten, Spannung kommt kaum auf. Da die Handlung bereits bekannt ist, werden nur die fehlenden Details erzählt. Und die haben es in sich. Teilweise bitterböse, aber immer mit einem satirischen Unterton. Die Geschichte mutet makaber an, dennoch finde ich die Idee originell. Den Autor mag man eh für seine besonderen Plots, die immer wieder überraschen.

Die Erzählung ist stellenweise aber ein wenig langatmig geworden, besonders wenn Forschungen zum Thema Rauchen herbei gezogen werden oder Valantine sich an Erinnerungen an die erste Zigarette ergeht. Hierbei merkt man, dass es eins der ersten Bücher des Autors ist, welches aber erst jetzt ins Deutsche übersetzt wurde.

Man muss sich vorurteilsfrei einlassen auf Valantines Geschichte. Valantine selbst ist eine Figur, der man nicht böse sein kann, die man irgendwie versteht und die einem am Ende fast leid tut, obwohl Valantine nicht auf Mitleid aus ist.

Fazit: Eine freche, zynische Erzählung - grau vor Rauch und schwarz vor Humor.
4 Punkte. 


Montag, 6. Mai 2019

Ein Cottage für deinen Sommer von Viola Shipman

Klappentext:
Ein wunderbar herzerwärmender Roman über einen neuen Anfang, zweite Chancen und über den Mut, den es braucht, das Leben zu leben, das man sich erträumt hat: Adie Lou verbrachte die Sommerferien als Kind im Cottage ihrer Eltern am Michigansee. Damals waren Schwimmreifen und Angeln genug für das Glück endlos scheinender Tage am Wasser. Auf der Suche nach diesem Gefühl gibt sie nach ihrer Scheidung ihre Stelle in Chicago auf und zieht an den See. Wird es ihr gelingen, das Ferienhaus ihrer Familie in ein stylisches und gemütliches Inn umzubauen? Und wer wird ihr helfen, ihren Traum zu verwirklichen?




Da mir mein erster Roman von Viola Shipman - ein Pseudonym für den amerikanischen Autor Waden Rouse - gut gefiel, griff ich auch gerne zu der neuesten Geschichte aus seiner Feder. 

Adie Lou hat ihre Scheidungspapiere schon fast unterschrieben, als sie merkt, dass sie nicht einfach auf das Cottage ihrer Eltern verzichten kann, auch wenn ihr das viel Geld einbringen würde. Von ihrem Grossvater gekauft, und von ihr und ihren Eltern geliebt, möchte sie zukünftig drin wohnen und es zu einem Bed & Breakfast auszubauen. 

Dies kostet mehr als sie eigentlich hat, aber aufgeben kommt nicht in Frage -  das steht ja bereits in den zehn Regeln des Cottages. Jedes Kapitel wird mit einer dieser Regeln überschrieben und man kann sicher sein, dass die jeweilige Regel sehr gut zum Inhalt des Kapitels passt. 

Natürlich läuft nicht alles konfliktlos ab: einige schöne, aber leider auch viele negative Überraschungen erwarten Adie Lou beim Umbau. Sie trifft beispielsweise auf Scooter, ihren Freund aus Kindertagen, mit dem sie die Kettenfähre bediente; trifft auf Stadtoriginale und bekommt einen Antrittsbesuch der historischen Gesellschaft, allen voran die gefürchtete Drachenlady. Doch Adie wird von Tag zu Tag mutiger, kämpft mit ihrem Sohn Evan an ihrer Seite gegen das Unliebsame an und findet endlich ihren Platz im Leben. 

Der Autor ist ein Garant für Wohlfühlbücher, so auch in "Ein Cottage für deinen Sommer". Vielleicht schreibt Rouse/Shipman ein wenig mit dem Blick durch eine rosarote Brille, aber das braucht es manchmal halt einfach auch. So wie man früher gezielt nach einem Buch von Nora Roberts griff, greift man heute zu Viola Shipman, weil die Romane einfach schön geschrieben sind.

Liebevoll wird von der Kraft der Frauen und einem Neuanfang berichtet, zeigt auf wie wichtig es ist, Traditionen aufrecht zu erhalten und das Familienerbe zu pflegen. Die Location am Michigansee bezaubert, gerne würde man Adie Lou in ihrem Bed & Breakfast Cottage besuchen und den Roman gleich an Ort und Stelle lesen.

Fazit: Manchmal braucht es nicht mal Wunderkerzen, sondern nur einen Wohlfühlroman wie "Ein Cottage für deinen Sommer" um es sich gut gehen zu lassen. 
5 Punkte. 


Sonntag, 5. Mai 2019

Komme, was Wolle von Steffi Hochfellner

Klappentext:
Die 34-jährige Franzi ist begeistert, als sie das Haus ihrer Großtante Gerlinde erbt, nebst dazugehörigem Kurzwarenladen und einem vorlauten Entenpaar. Mit Sack und Pack zieht sie von Nürnberg nach Ostfriesland – und stellt fest, dass erstmal gründlich saniert werden muss. Zum Glück kann sie auf die Hilfe einer patenten Rentner-Truppe und ihrer neuen Freunde Rieke und Joost zählen. Schnell rückt der Termin zur Neueröffnung der „Wunderkiste“ näher, doch immer wieder kommt es zu gemeinen Sabotageakten. Missgönnt jemand Franzi ihren Traum? Eins ist jedoch klar: Aufgeben gilt nicht!




Das sehr pinke Cover wird der Geschichte um Franzi und der Neueröffnung der Wunderkiste nicht gerecht. Das Cover ist zwar auffällig, aber stellt euch eine Reihe Fachwerkhäuser vor, die im Erdgeschoss Geschäfte beherbergen. Vor dem Haus mit dem Kurzwarenladen steht eine einladende Bank, auf dem sich Protagonistin Franzi oft mit Jan, dem Coiffeur von nebenan, hinsetzt und den Arbeitstag ausklingen lässt. So das Setting in diesem netten Roman.

Das Haus, das Franzi von ihrer Grosstante Gerlinde erbte, liegt eine Strassenzeile hinter der Einkaufsstrasse von Westersum. Mit der Bäckerin versteht Franzi sich gut, nur nicht mit der Besitzerin des altmodischen Herrenausstatters. Ob diese Hinrichsen wohl etwas mit den Farbanschlägen und den aufgeschlitzten Autopneus zu tun hat?

Wer etwas gegen Franzis Einzug hat, ist nicht klar; auch auf die Lauer legen bringt keine Erkenntnisse. Schade, denn bis auf die Geldsorgen gefällt es Franzi immer mehr in Westersum. Sie wird unterstützt von Jan, von Gerlindes Freunden und findet selbst welche in Joost und Rieke, die ihr beim Umbau helfen. Mit Sönke, der im Auftrag seiner Firma das Haus kaufen wollte, trifft sie sich gerne privat zum Auswärts essen zu gehen oder Ausflüge zu unternehmen.

Es ist ein Abenteuer, auf dass sich Franzi einlässt - fast täglich sieht sie sich neuen Überraschungen und Herausforderungen ausgesetzt. Und genau deshalb ist "Komme, was wolle" nicht nur ein sehr passender Titel, sondern auch viel mehr als nur ein "Häkelroman".

Vielfältige und originelle Figuren, wie etwa der griesgrämige Onno mit seinen Eseln, warten in diesem Roman auf. Sie tragen viel zum Gelingen der Geschichte bei, dessen Ende mir fast ein wenig zu abrupt kam.

Am Schluss warten einige Ideen auf die bastelwütigen Leser, auf die auch am Ende eines jeden Kapitel hingewiesen wird. Mich störten diese Hinweise im eBook, sie passten nicht zu den spannenden Kapitelenden. Bei Stellen wie "Sie wollte gerade zum Auto laufen, als eine knochige Hand sie kräftig an der Schulter packte und zurückriss" wollte ich nur weiterlesen und nicht nach zwei Zeilenumbrüchen mit "Flip-Flops kann man nicht genug haben. Im Anleitungsteil des Buches erfahren sie, wie...." aufgehalten werden.

Besonders in der ersten Hälfte störten mich auch die vielen "selbstgemacht"-Hinweise im laufenden Text, sie wirkten aufgesetzt, zu betont DIY. Auch gehe ich davon aus, dass ein "Müesli mit frischem Obst" zubereitet wird. Interessanter wäre die konkrete Bezeichnung ihrer Fruchtwahl gewesen: "sie machte sich ein Müesli und schnitt einen Apfel mit rein" hätte sich normaler angehört. Nach der Hälfte passen die Hinweise viel besser, da sie mit der Ladengestaltung oder mit dem Laden zu tun haben.

Ohne die von mir kritisierten Stellen ist der Roman schnell, fliessend und spannend zu lesen. Steffi Hochfellners erster Roman gefällt und unterhält.

Fazit: Lustig und packend erzählte Geschichte um eine Ladenrenovierung, die mich positiv überrascht hat.
4 Punkte.


Samstag, 4. Mai 2019

Rückkehr nach Mandalay von Juliet Hall

Klappentext:
Es waren für Eva immer die schönsten Stunden, wenn ihr Großvater von Myanmar erzählte - dem Land der brennenden Hitze und der goldenen Tempel. Obwohl er nach England zurückkehrte, um ihre Großmutter zu heiraten, ahnt Eva, dass sein Herz immer dort geblieben ist. Doch erst jetzt, als sie selbst nach Mandalay reisen will, bricht ihr Großvater sein Schweigen - und bittet sie, eine kleine Löwenstatue zu seinem rechtmäßigen Besitzer zurückzubringen.






Ich liebe die Romane von Juliet Hall - der Name ist übrigens ein Pseudonym der englischen Autorin Rosanna Ley ist, welcher anscheinend aber nur im deutschsprachigen Raum verwendet wird. Ihre ersten Bücher sind in Italien angesiedelt, eins in Kuba und zwei in Asien, wie der vorliegende Roman, der hauptsächlich im faszinierenden Land Burma (Myanmar) spielt. 

In "Rückkehr nach Mandalay" soll Eva anstelle ihrer Chefin nach Myanmar reisen und dort die Antiquitätengeschäfte überprüfen, die ihre Bristoler Firma mit einheimischen Unternehmen abschliesst. Evas Grossvater bittet sie eine kleine Statue, einen Chinthe, mitzunehmen, und sie einer bestimmtem Familie zurückzubringen. Der Chinthe birgt ein Geheimnis, und Grossvater Lawrance ebenso.

Lawrence und Mayas Geschichte wird in einem zweiten Erzählstrang erzählt und erklärt die wichtige Bedeutung des Chinthes. Es liest sich wie eine Reise in Burmas Vergangenheit, die kurz vor dem zweiten Weltkrieg beginnt.

Mit Eva erlebt der Leser das aktuelle Geschehen in Myanmar mit, macht Sightseeing mit Eva und Mayas Neffen Ramon und erhält Einblicke in die reiche burmesische Kultur und dem leider damit verbundenen Schmuggel einheimischer Kulturgüter. Eva weiss oft nicht, wem sie wirklich trauen kann und gibt sich in grosse Gefahr. 

Es ist eigentlich eine sehr schön und liebevoll erzählte Geschichte. Doch zwischendurch passiert lange nicht viel, ein bisschen Geplänkel hier und da. Wahrscheinlich wollte die Autorin die Leser damit noch ein wenig auf die Folter spannen, aber es bewirkte bei mir das Gegenteil: es zog sich in die Länge und ich wartete sehnsüchtig auf das Finale. 

Trotzdem überzeugte mich die facettenreiche und geheimnisvolle Familiengeschichte über Traditionen, Lebensentscheidungen und Schicksalsschlägen. Der wunderschöne Schauplatz im Land der Edelsteine und des Teak-Holzes ist Exotik pur. 

Fazit: "Rückkehr nach Mandalay" ist trotz Langatmigkeit im zweiten Drittel spannend und lässt den Leser mit Fernweh zurück. 
4 Punkte. 

Mittwoch, 1. Mai 2019

Spätsommerliebe von Petra Durst-Benning (Maierhofen 4)

Klappentext:
Im Genießerdorf blühte im letzten Sommer nicht nur das Geschäft, sondern auch die Liebe. Magdalena und Christine sind glücklich, doch der Alltag holt sie schnell ein. Der Gastwirt Apostoles bringt Feuer in Magdalenas Leben, aber sie ist von den neuen chaotischen griechischen Verhältnissen überfordert. Auch Christine kann sich nur schwer auf Reinhards Fürsorge einlassen und ihre alten Muster aufgeben. Als sich dann eine Autorin von Liebesromanen in ihre Pension einmietet, knistert regelrecht die Luft in Maierhofen. Sich zu verlieben ist einfach – aber wird es den Maierhofen-Frauen gelingen, ihre Gefühle in den Spätsommer hinüberzuretten?



Ganz so gemütlich ist es gerade nicht mehr im Geniesserdorf Maierhofen. Während die Besucher nach wie vor begeistert sind, schlägt der Alltag bei den bereits bekannten Paaren aus den ersten drei Bänden gnadenlos zu. 

Bei Magdalena und Apostoles läuft es nicht rund. Es kommt soweit, dass Magdalena ihn aus der Wohnung schmeisst, was sie schon am nächsten Morgen bereut, aber den ersten Schritt tun? Fehlanzeige. Auch Apostoles wagt es nicht, doch dann hat er eine Idee, wie er Magdalena zurück gewinnen könnte. 

Vincent bekommt Post von seiner Ex-Freundin aus Kanada, ein gemeinsames Grundstück kann endlich verkauft werden. Doch dazu muss er nach Kanada fliegen um die Verträge zu unterschreiben. Greta ist eifersüchtig. 

Michelle, eine neue Figur, nimmt sich eine Auszeit um einen Roman zu schreiben. So einfach wie sie denkt, ist das nicht. Michelle wohnt bei Christine, die ihre Zeit mit der Pension, der Betreuung einer älteren Nachbarin und Reinhard aufteilen muss und an den Anschlag kommt. Reinhards Hilfe will sie nicht annehmen. 

Die Autorin wollte mit diesem vierten Band aufzeigen, dass das Leben auch nach einem Happyend weitergeht und es weit mehr Arbeit ist, dass die Liebe im Alltag überlebt. Leider scheitert es oft an Kleinigkeiten - aus Liebe wird schnell Kleinkrieg.

Mir kamen die Differenzen zwischen den Paaren zu rasch. Ich verstehe aber den Ansatz, diese zeitlich ziemlich unmittelbar nach dem dritten Band anzusetzen und mag auch die "Der-Alltag-holt-die-Liebe-ein"-Idee. Dennoch habe ich die Charaktere, nach allem was sie schon durchgemacht haben und wie sie in den ersten drei Büchern dargestellt wurden, anders eingeschätzt: bewusster, einsichtiger, nicht so stur - sodass es eben gar nicht so weit gekommen wäre oder zumindest noch nicht so schnell.

Abgesehen davon ist es Petra Durst-Benning gut gelungen, auf wenigen Seiten verschiedene Beziehungskiller anzusprechen. Toll ist, dass die Autorin es trotz den vielen Streitigkeiten schafft, eine heitere Atmosphäre zu bewahren.

Der Roman ist relativ kurz gehalten, dafür gibt es am Ende ganz viele Rezepte. 

Fazit: Aus dem Leben gegriffen - ein netter und unterhaltender Abschluss der Maierhofen-Serie. 
4 Punkte.

Reihenfolge der Maierhofen-Serie:
Band 3: Die Blütensammlerin
Band 4: Spätsommerliebe 

Dienstag, 30. April 2019

Lesebiografie April 2019

Diesen Monat konnte ich viel lesen und rezensieren. Bei den wenigen Krimis, die ich im April las, hatte ich kein gutes Händchen - zwei musste ich abbrechen, da hab ich mich nur genervt und die beiden anderen, beides Debütkrimis noch Entwicklungspotential haben. 

Deshalb habe ich Ende letzte Woche entschieden, den Rest des Monats nur noch Romane zu lesen und mir die Krimis für den Mai aufzuheben. Da sind nämlich einige dabei, die mich sicher nicht enttäuschen werden. Welche das sind, liest ihr weiter unten. 

Hier also meine im April gelesenen Bücher:

Abgebrochen:
- Tote kriegen keinen Sonnenbrand von Hike Sellnick (Henni von Kerchenstein 1)  (nach 138 Seiten abgebrochen)
- Der Papst, die Prophezeiung und das Nest der Waschbären von Peter Simon (in der Hälfte abgebrochen)

3.5 Punkte:
- Ein Espresso für den Commissario von Dino Minardi (Pellegrinis 1. Fall) 
- Lago Mortale von Giulia Conti (Simon Strasser 1) 
- Der Weg ist das Glück von Judy Leigh 

4 Punkte:
- Der Herr der Raben von Christopher Skaife 
- Die Glücksagentur von Lorraine Fouchet 
- Ein Sommer voller Himbeereis von Persephone Haasis 
Veranda zum Meer von Debbie Johnson (Comfort Food Café 4) 
Sommer der Versöhnung von Darcie Chan (Mill River 2)

5 Punkte: 
- Marlene und die Suche nach Liebe von C.W. Gortner 
- Der Rosengarten am Meer von Nele Jacobsen 
Das Café der guten Wünsche von Marie Adams 
- Sommer in Villefranche von Birgit Hasselbusch 
- Honigduft und Meeresbrise von Anne Barns 
Ein Cottage für deinen Sommer von Viola Shipman 

Ich habe alle fertig gelesenen Bücher bereits rezensiert, mit dem Klick auf den Titel kommt ihr zur Rezension. Neben einigen anderen Rezensionen von im März gelesenen Büchern, habe ich noch drei Artikel geschrieben: "Müssen die denn nie aufs Klo?" handelt von Protagonisten, die scheinbar eine riesige Blase haben. In "Ein Honigschlecken" berichtete ich über ein Honig-Tasting-Workshop, den ich besucht habe und gebe euch Buchtipps, die passenderweise alle etwas mit Honig und Bienen zu tun haben. Dann könnt ihr in meinem Musicalbericht lesen, wie mir das Musical "Edith Piaf und Marlene Dietrich" gefallen hat, selbstverständlicherweise auch mit Buchtipps unterlegt. 

Ausblick auf den Mai:
Wie oben erwähnt, werde ich einige Krimis lesen. Den neuen Cherringham zum Beispiel und den zweiten Band der Anabel Silva-Serie. Nochmals nach Portugal an die Algarve geht es mit dem dritten Band der Lost in Fuseta-Serie. Nach Frankreich zur spanischen Grenze reise ich mit dem dritten Band von Yann Sola und nach Madeira mit dem ebenfalls dritten Teil der Kommissar Avila-Serie von Joyce Summer. Sind grad ein bisschen viele dritte Teile, das fiel mir erst jetzt beim Schreiben auf! Nach Rom fahre ich mit "Taxi criminale". Zu guter Letzt reise ich mit "Kretische Feindschaft" nach Kreta und vielleicht versteckt sich hinter "Die Zigarette danach" von Antoine Laurain ja auch ein bisschen Krimi, makaber jedenfalls hört es sich an ;-) 


Aber auch Romane stehen auf meiner Leseliste für den Mai: "Die Rosengärtnerin" von Sylvia Lott (erscheint am 20. Mai) wartet bereits auf meinem SuB, wie auch die neuen Romane von Veronica Henry und Debbie Johnson sowie einige andere - welche das sind und ob ich tatsächlich alle lesen konnte, die ich hier aufgezählt habe, erfährt ihr dann in einem Monat :-) 


Es wird auf jeden Fall international mit meinen Mai-Büchern und ich hoffe, dass das Wetter einige Sonnentage bringt, damit ich das eine oder andere Buch auf meinem inzwischen sommerlich und bienenfreundlich bepflanzten Balkon lesen kann!  





Montag, 29. April 2019

Honigduft und Meeresbrise von Anne Barns

Klappentext:
Geliebte Martha, von dir zu lesen, gibt mir unendlich viel Kraft! - So beginnt der Brief, den Anna in den Händen hält. Die mit Tinte auf das vergilbte Papier geschriebenen Buchstaben sind noch immer gut sichtbar. Trotzdem fällt es Anna schwer, die geschwungene Schrift zu entziffern. Nur am Datum gibt es keine Zweifel: Dezember 1941. Vor fast achtzig Jahren wurde dieser Brief an ihre Urgrossmutter adressiert, und doch hat Anna ihn eben erst gemeinsam mit ihrer Oma geöffnet. Sein Inhalt lässt ein Familiengeheimnis vermuten und Anna beschliesst, nach Ahrenshoop zu fahren und dem auf den Grund zu gehen. 



Als Honigliebhaberin war ich beim Lesen des Titels zunächst ein wenig skeptisch, doch als ich hörte, dass tatsächlich geimkert wird, musste ich das Buch lesen. Mit Bienen beginnt der gemütliche Roman auch gleich.

Schon mit den ersten Sätzen war ich mittendrin in der Geschichte, beobachtete wie Oma Johanna und Anna Honig ernten und war Zeuge, als Postbote Achim ihnen einen achtzig Jahre alten Brief überreicht, der Johannas Mutter Martha nie erreichte.

Sein Inhalt stellt die Familiengeschichte der beiden Frauen auf den Kopf. Die Nachforschungen über den Briefschreiber lenken Anna von ihren eigentlichen Problemen ab. Vor einem halben Jahr hat Anna ihre beste Freundin Mona verloren und fühlt sich schuldig, muss die Freundschaft zu ihr überdenken, die Beziehung mit Jens ist am Scheitern und dann steht auch noch Peggy, ihre Freundin vor Mona mit eigenem Kummer vor der Türe.

Herrlich leicht zu lesen ist "Honigduft und "Meeresbriste" mit dem flüssigen Schreibstil der Autorin. Es ist der erste Roman, den ich von Anne Barns (alias Andrea Russo) gelesen habe - und sicher nicht mein letzter!

Ihre Figuren geben viel her. Anna zum Beispiel, die ihre Liebe zur Malerei wieder entdeckt und Peggy, die trotz eigenem Kummer nicht nachtragend ist und generell dem Leben positiv entgegenblickt. Johanna mochte ich ebenso, wie auch die aufgestellten Damen in Arenshoop, die mich zum Schmunzeln brachten.

Mir gefiel zudem die unaufgeregte Verbindung der beiden Schauplätze in Lüdinghausen auf dem Land und Ahrenshoop an der Ostsee. Zu gerne wäre ich aber noch mit der Familie nach Jersey gereist, um Grace und ihre Bienen kennen zu lernen.

Es ist ein wunderbar behagliche Geschichte, die Anne Barns uns zum Lesen anbietet und die sich innert ein paar Stunden wie von alleine wegliest.

Am Ende warten einige Rezepte von Leckereien, die im Buch gegessen oder getrunken werden, aufs Nachmachen. Einen Honigschnaps werde ich mir diese Woche nach ansetzen! 

Fazit: Ein herzerwärmender, wohliger Roman über Liebe und Freundschaft, den ich sehr gerne weiter empfehle.
5 Punkte. 



Sonntag, 28. April 2019

Sommer in Villefranche von Birgit Hasselbusch

Klappentext:
Insa Nicolaisen befindet sich gerade in einer Phase im Leben, in der man sich für a) Durchhalten oder b) die Flucht nach vorn entscheiden kann. Insa entscheidet sich für Variante b) und flüchtet kurzerhand dorthin, wo das Meer blauer leuchtet als irgendwo sonst: an die Côte d’Azur. Der Neustart gestaltet sich jedoch wesentlich turbulenter als gedacht – und wird auch zur Reise in die Vergangenheit: Hier hat Insa einst die glücklichste Zeit ihres Lebens mit Mathieu verbracht. Und hier wartet seit 16 Jahren ein Brief auf sie, der ihre Welt komplett aus den Angeln hebt.




Das frische Cover macht Lust auf Meer, Frankreich und Baguette. All das bekommt man in der unterhaltenden Geschichte über Insa und ihr neues Leben in Villefranche. 

Sie soll für den frisch getrennten Daniel Richez die Villa vermieten und quasi als Gastgeber fungieren. Wohnen kann sie daneben im kleinen Gästehaus. Doch als Insa ankommt ist die Villa nicht leer. Véro, die Noch-Ehefrau, will ihr Haus in Villefranche nicht verlassen, will nicht abgeschoben werden ins Hinterland in ihr zweites Haus. Schroff verdächtigt sie Insa das Flittchen zu sein, mit dem ihr Mann sie betrügt. 

Insa und Véro haben keinen guten Start, doch bald bessert sich ihr Verhältnis und sie verbrüdern sich gegen Monsieur Richez. Véro belebt ihre alte Event-Firma, Insa wird angestellt. Eine Hochzeit zu organisieren ist ihr erster Auftrag, die Trauzeugin eine furchtbar hochnäsige Schnepfe, die alle paar Minuten wieder etwas anderes will.  

Soweit die Rahmenhandlung, doch es geht noch um so viel mehr: Insas Schwester Jana ist unglücklich, fühlt sich von ihrem Mann alleingelassen zuhause mit ihrem Kleinkind. Unerwartet taucht sie in Nizza bei Insa und Véro auf. Letztere scheint ein Geheimnis zu haben und für Insa ist nicht klar, wer rechtlich gesehen in der Villa wohnen darf. Insa selbst denkt fast ununterbrochen an Mathieu, ihre grosse Liebe, die sie vor 16 Jahren verlassen hat. Noch ist sie nicht so weit ihn zu suchen, doch nahezu alles vor Ort erinnert an ihn. 

Mit viel Witz erzählt die Autorin Birgit Hasselbusch von Insas aufregendem Sommer in Villefranche. Sofort ist man in der packenden Geschichte drinnen, und bald schon würde man am liebsten alles stehen und liegen lassen und sich zu den drei Frauen dazu gesellen und gemeinsam mit ihnen alles Mögliche aushecken. 

"Sommer in Villefranche" ist eins jener Bücher, die man bedauert bereits gelesen zu haben - ungelesen hätte man das Lesevergnügen noch vor sich. 

Fazit: Herrlich amüsant erzählte Sommerunterhaltung - perfekt zum Abschalten und sich bei einem Glas Rosé über die Erlebnisse von Insa, Véro und Jana zu freuen. 
5 Punkte.

Vielen Dank an den dtv Verlag!

Samstag, 27. April 2019

Musicalbesuch: Edith Piaf und Marlene Dietrich - Der blaue Engel und der Spatz von Paris

Anfang April besuchte ich das Musical "Edith Piaf und Marlene Dietrich" in der Maag Halle in Zürich. Es kam gerade zur rechten Zeit, denn kurz zuvor hatte ich zwei Romane über die beiden Frauen gelesen. 


Im Februar erschien im Aufbau Verlag "Marlene und die Suche nach Liebe" von C.W. Gortner, im März von Michelle Marly "Madame Piaf und das Lied der Liebe". Beide Romane geben einen tollen Einblick in das Leben der zwei aussergewöhnlichen Künstlerinnen und begeisterten mich. Sie enden ca. 1946, noch bevor sich Edith und Marlene kennenlernten.


Hier beginnt das Musical - auf dem Klo. Edith und Marlene sollen sich auf einer Toilette kennen gelernt. Edith weinte vor sich hin, sie fühlte sich alleine und nicht verstanden von dem amerikanischen Publikum. Marlene nimmt sich ihrer an und spricht ihr Mut zu. So beginnt eine jahrelange Freundschaft, die später leider durch Ediths Alkohol- und Drogensucht zu bröckeln begann.

Das Musical wurde als "Spatz und Engel" im Jahr 2013 in Wien uraufgeführt, kam 2015 zum ersten Mal in die Schweiz auf die Walensee-Bühne und wurde im Frühling 2019 neu weiter entwickelt und als "Edith Piaf und Marlene Dietrich - Das Musical" inszeniert.

©Antonin Kratochvil

In eindrücklichen Szenen erleben die Musicalbesucher mit, wie die zwei unterschiedlichen Frauen gelebt, geliebt und gelitten haben. Während Edith tiefgläubig war und nur Männer - aber dafür viele - liebte, tragischerweise aber ihre allergrösste Liebe aufgrund eines Flugzeugabsturz verlor, liebte Marlene Männer wie Frauen, war ihren engen Vertrauten aber trotzdem ein Leben lang treu. Die Legende sagt, sie wäre auch in Edith verliebt gewesen und neidisch auf Cerdan und andere. Im Musical wird das sehr gut dargestellt: man merkt, dass Marlene liebt, beschützt und gleichzeitig leicht eifersüchtig ist. Die tiefe Freundschaft wird aber trotz aller Differenzen und jahrelangem Ignorieren nicht kaputt gehen.

Die zweieinhalb Stunden Musical werden von nur gerade sechs Schauspielern gemeistert. Marlene wird dargestellt von Sylvia Heckendorn, Edith von Eveline Suter. Die vier Nebendarsteller übernehmen die restlichen Rollen: Hans Neblung spielt Marlenes Mann Rudi. Adrian Burri spielt Marcel Cerdan, Jaques sowie einen Kellner. Vanessa Finja Rudolf und Eveline Bürgi spielen Rudis Geliebte Tamara und Ediths Freundin Momone (Simone Berteaut), wie auch zwei Krankenschwestern und übernehmen wie die die beiden Männer auch Statistenrollen.

©Antonin Kratochvil
Beeindruckend wie die vier in kürzester Zeit in all die verschiedenen Rollen schlüpften und sich dazu noch als Bühnenarbeiter betätigen, in dem sie mit wenigen, aber gut geübten Handgriffen das Bühnenbild fix verändern.

Aus nur zwei grossen Stehkoffern, einem Bett und einigen Stühlen wird je nach Szene in Sekundenschnelle eine passende Kulisse drapiert. Von meinem Sitzplatz aus hatte ich zudem einen perfekten Blick auf die fünfköpfige Band, die für die passende Instrumentalmusik gesorgt und die Sängerinnen begleitet haben.

Das gebotene Schauspielstück war ja schon eindrücklich - tolle und witzige Dialoge - doch am meisten begeistert haben mich die Stimmen von "Edith" und "Marlene". Während Marlene das ganze Stück hindurch als "Marlene" herrlich selbstsicher wirkte und mit ihren treffenden ironischen Antworten für viele Lacher sorgte, faszinierte mich Ediths Singstimme. Mit geschlossenen Augen hatte ich das Gefühl die echte Edith Piaf, wie ich sie von CD-Aufnahmen her kenne, zu hören. Eine Wahnsinnsstimme, ich war und bin noch immer beeindruckt.

©Antonin Kratochvil


"Non, je ne regrette rien" sorgte am Ende für stehende Ovationen. Wäre das Musical noch länger gelaufen, ich hätte es mir noch einmal angesehen, um das Stück ein zweites Mal zu geniessen. 

Falls das Musical in eurer Umgebung aufgeführt wird, gönnt euch dieses bemerkenswerte Erlebnis!


Wer nach dem Musicalbesuch ein wenig mehr in Ediths und Marlenes Leben eintauchen möchte, dem empfehle ich die oben genannten Romane zur Lektüre.

Ende Jahr, am 2. Dezember 2019, erscheint im Droemer Knaur Verlag der Roman "Mademoiselle Edith - Hymne an die Liebe" von Christine Girad. Dieser neue Roman schliesst zeitlich an die zwei bereits genannten Bücher aus dem Aufbau Verlag an. Laut Klappentext soll es von Ediths Freundschaft zu Marlene und ihrer Liebe zu Marcel Cerdan erzählen und passt somit hervorragend zu "Edith Piaf und Marlene Dietrich - Das Musical".