Mittwoch, 17. Juni 2026

Ein Wiedersehen im Sommer von Julie Caplin (Country Escapes 2)

Klappentext:
Im beschaulichen Wilsgrave verlassen sich alle immer auf Bets, die selbstlose Tierarzthelferin mit dem großen Herzen. Doch dieses Herz wurde gebrochen. Von Jack, mit dem sie seit Jugendtagen zusammen war und der jetzt in Bristol Karriere machen will. Das ganze Dorf fühlt mit ihr. Manche reagieren empört und möchten Jack nie wieder sehen, andere versuchen Bets abzulenken oder – noch schlimmer – sie zu verkuppeln. Aber anstatt in ihrer Trauer zu versinken, besinnt sich Bets auf die Dinge, die sie immer schon tun wollte, und entdeckt dabei vollkommen neue Seiten an sich. Sie ahnt nicht, welche Überraschungen dieser Sommer noch für sie bereit hält. Besonders als Jack zurückkehrt.


Beth, die sich im ersten Band der "Country Escapes"-Reihe so gut um Neuling Ella gekümmert hat, hat Herzschmerz. Jack, der jüngere Sohn des Tierarztes Geoffrey, hat Schluss gemacht. Niemand weiss davon, bis Jack urplötzlich doch in Wilsgrave aufschlägt. Nun kann sie es nicht mehr für sich behalten und das Dorf weiss schneller Bescheid, als ihr lieb ist. Bei Beth, die eh schon kein gesundes Selbstwertgefühl hat, dreht sich nun das Gedankenkarussell pausenlos. Soll sie kündigen, wird ihr gekündigt und wer ist sie eigentlich, wenn sie nicht die beliebteste Tierarztassistentin in Wilsgrave ist?

Grund für ihre Selbstzweifel und ihr ständiges Gefühl, nur geduldet zu sein, liegt in ihrer Kindheit. Der Vater weg, die Mutter krank und egoistisch, wächst sie in keiner guten Umgebung auf. Sie denkt, sie hätte die Lehrstelle nur durch Mitleid erhalten und sei in der Praxis auch nur geduldet, so lange sie mit Jack liiert ist. Auch ihr gemeinsames Häuschen gehört eigentlich seinen Eltern, also muss sie dort wohl auch raus - und Tiggy aus dem Tierheim zu sich zu holen, geht somit auch nicht. 

Was alles nicht stimmt, denn Beth ist sehr beliebt in Wilsgrave. Sie selbst kann das nicht sehen. Als ihre Wohn- und Jobsituation geklärt ist, überlegt sie sich, was sie selbst aktiv, nach ihren Wünschen, an ihrer Lebenssituation ändern könnte. "Erst mal ich", ist bald ihre neue Devise. 

Damit stösst sie Jack vor den Kopf, der bald merkt, was er an Beth hatte. Aber auch er beschäftigt sich mit ähnlichen Fragen wie Beth. Beide sind eigentlich nie aus Wilsgrave rausgekommen, ausser Jack während seinem Studium. Und so fühlt sich alles gerade sehr eingefahren an, während beide, jeder für sich, überlegen, wie sie vielleicht doch noch dem Dorfleben entfliehen könnten. 

Während sie dies tun und Pläne schmieden, läuft das Leben weiter und auch die jahrelangen Gefühle füreinander lassen sich nicht einfach abstellen. War ihre Beziehung vielleicht doch nicht nur eine Jugendliebe, von der man sich aus Bequemlichkeit nicht verabschieden wollte, sondern eine viel tiefere Liebe als angenommen? Doch da ist noch Jamie, ein Journalist, der gerade einen Artikel über das "Land- versus Stadtleben" schreibt, was thematisch perfekt zu dieser Reihe passt.  

Beth ist eine total sympathische Frau, während Jack meine Sympathie erst noch verdienen musste. Allerdings fand ich das "Selbstmitleid" der beiden zu repetitiv. Einige Male weniger darauf aufmerksam zu machen, hätte gereicht. Dafür ist das Setting in Wilsgrave wie schon im ersten Band gut gelungen, der Zusammenhalt im Dorf ist gross. Mit bekannten Figuren aus Band 1 gibt es ein Wiedersehen und viele neue Charaktere im Umfeld von Beth machen den Roman interessant. 

Der heimliche Star in "Ein Wiedersehen im Sommer" ist aber klar Tiggy, Beths Hündin, die schnell zeigt, wen sie mag und wen nicht. 

Fazit: Ein kurzweiliger zweiter Band. Nur leider muss man sich nun einige Zeit gedulden, bis der nächste Band erscheint ;-)
4 Sterne.



Reihenfolge: 
Band 3: Der Originaltitel " An Autumn Country Escape" erscheint in UK voraussichtlich am 02.12.27
Band 4: Der Originaltitel "A Christmas Country Escape" erscheint in UK voraussichtlich am 02.12.27 

Ein Zuhause im Frühling von Julie Caplin (Country Escapes 1)

Klappentext:
Die Londoner Illustratorin Ella braucht dringend eine Auszeit – von ihrem aufreibenden Großstadtleben, von ihrer On-Off-Beziehung und von ihrer künstlerischen Krise. Zum Glück kann sie für ein halbes Jahr das kleine Cottage ihrer verreisten Patentante in Wilsgrave hüten. Hier in der englischen Countryside versucht Ella zu sich zu finden. Allerdings hat sie die Rechnung ohne die quirligen Dorfbewohner gemacht. Auch von einem vierbeinigen Mitbewohner im Cottage war nicht die Rede – aber die schwarze Labradorhündin Tess hält Ella ziemlich auf Trab. Und leider merkt der grummelige Dorftierarzt Devon sofort, dass sie eigentlich keine Ahnung von Hunden hat. Doch bei ausgiebigen Spaziergängen entdecken die beiden, dass sie mehr gemeinsam haben als erwartet.


Ella soll das Cottage ihrer Patentante Magda für einige Monate hüten. Die Stadtpflanze auf dem Land. Juhui. 

Doch Ella ist so verzweifelt, dass sie sich das freiwillig antut. Damit ihr nicht langweilig wird und sie nicht nur mit Nachdenken beschäftigt ist, wurde sie von Magda mit diversen Aufgaben bedacht. Ebenso kümmern sich einige Nachbarn und Dorfbewohner mehr um Ella, als ihr lieb ist. Mit Tierarztassistentin Beth freundet sie sich auf den gemeinsamen Spaziergängen mit den Hunden an. Beth ist auch diejenige, die Ella das Dorfleben in Wilsgrave erklärt. 

Ella ist lebensunfähig. Das denkt man sich auf jeden Fall beim Lesen der ersten Seiten, in denen erzählt wird, wie sie mit dem Haushalt überfordert ist. Ganz zu schweigen vom Hund, den sie betreuen soll. So kommt Ella zu Beginn sehr unsympathisch rüber, was wohl die volle Absicht der Autorin war. Doch je mehr man Ella kennenlernt und sie die Dorfbewohner, je besser versteht man sie. Das Landleben ist doch nicht so schlimm, wie sie es erwartet hat und so macht Ella im Laufe der Geschichte eine grosse und glaubhafte Wandlung durch. 

Der Kontrast zwischen der quirligen und aufgeblähten Kunstwelt in London und dem behäbigen Dorfleben in Wilsgrave könnte nicht grösser sein. Hier kommt Ella endlich zum Luft holen und entdeckt, was in London alles falsch gelaufen ist. 

Auch der junge Tierarzt Devon, der für seinen Vater in dessen Praxis einspringt und sich überlegt, wieder nach Wilsgrave zu ziehen, hat in London ähnliche Erfahrungen machen müssen wie Ella. Als die beiden sich kennenlernen, zoffen sich beide an. Erst langsam bröckeln bei beiden die Mauern, die sie um ihr Inneres gezogen haben, dann unterstützen sie sich gegenseitig in ihrem Bemühen um faire finanzielle Belange. Doch erst müssen die beiden lernen, Hilfe anzunehmen. 

Im Laufe des Romans lernt man auch andere Dorfbewohner*innen kennen: Nachbar George, der gerne bei Ella Kaffee trinkt - oder eher trinken möchte; die ehemalige Tänzerin Doris; die Organisatorin Aubrey, die die Fäden des Dorfes zusammenhält; Greta vom Pub und viele weitere Figuren, die wir sicher auch in den kommenden Bänden begleiten werden. Für die meisten Schmunzler und Eskapaden im Roman sorgen aber nicht die Zweibeiner, sondern deren vierbeinige Mitbewohner. Es sind die Hunde der beiden Protagonisten: Tess und Dexter, ohne die der Roman nur halb so gut wäre ;-)

Diesen ersten Band der "Country Escapes"-Reihe hab ich, abgesehen vom Anfang, als Ella sich schwierig verhielt, sehr gerne gelesen. Julie Caplins Schreibstil ist wie immer flüssig und die Geschichte mit viel Humor, aber dennoch auch ernsteren Themen versehen, wie aus dem realen Leben gegriffen. 

Spätestens am Ende von "Ein Zuhause im Frühling" fühlt man sich heimisch in Wilsgrave und freut sich, dass noch weitere Bände geplant sind, damit man wieder "nach Hause kommen kann" und miterleben, welche anderen Wilsgraver und Wilsgraverinnen ihre Probleme angehen werden. 

Fazit: Ein unterhaltsamer Auftakt zur neuen Reihe "Country Escapes" von Julie Caplin.
4 Sterne.

Reihenfolge: 
Band 3: Der Originaltitel " An Autumn Country Escape" erscheint in UK voraussichtlich am 02.12.27
Band 4: Der Originaltitel "A Christmas Country Escape" erscheint in UK voraussichtlich am 02.12.27

Montag, 1. Juni 2026

Neuerscheinungen und Monatsvorschau Juni 2026


Wie schon mit anderen Bloggerinnen festgestellt, reissen die Neuerscheinungstitel im Sommer 2026 nicht ab, sonst gab es im Juni eine mittellange Liste, im Juli und August jeweils nur ganz kurze Listen. Heuer ist schon die Juni-Liste länger als üblich und jeder Titel macht für sich alleine glustig. 

Bereits eingetrudelt ist der finale dritte Band der "A Taste of Cornwall"-Trilogie von Katharina Herzog, "Kein Sommer ohne August" von Lucy Astner und "People in Love" von Claire Daverley. 










Sicher zeitnah einziehen dürfen der 50. Band der Cherringham-Reihe sowie "Bretonischer Glanz", dann der neue Roman von Sharon Gosling, natürlich Karen Swan und Sophie Hénaff. Den Rest werde ich je nach Gelegenheit früher oder später mal lesen. 

Vom Mai habe ich ja noch zwei Bücher mit in den Juni rüber genommen ("Ein Wiedersehen im Sommer" und "Ein Ort, der bleibt"), dann hab ich noch zwei Krimis aus der Onleihe zu lesen und auf dem SuB würden u.a. noch Soraya Lane warten wie auch der zweite Band der "A Taste of Cornwall"-Reihe. Mal sehen, wie viele Bücher schlussendlich von mir gelesen werden, da der Juni sehr arbeitsintensiv wird. 

Welche Bücher nehmt ihr euch für den Juni vor? 


Sonntag, 31. Mai 2026

Lesemonat und Monatsrückblick Mai 2026

Mein Lesemonat Mai begann schon mal gut, bereits in den ersten zehn Tagen hatte ich mehr Bücher gelesen, als in den beiden Monaten zuvor. 


Nach einem sehr trockenen April gabs am 6. Mai das erste Mal den ersehnten Regen. Der hielt zwei Wochen lang an, recht kühl wars auch. Rechtzeitig am Sonntag nach Auffahrt blieb es zum Glück trocken, so dass die Exkursion mit Jugendlichen ins KZ Natzweiler im Elsass trocken blieb. Die Besichtigung war eindrücklich für alle. Am Abend war ich seeeeehr müde - hatte ich doch nur wenig geschlafen, weil ich gefühlt mitten in der Nacht aufstehen musste für die Exkursion und am Vorabend der ESC Final stattfand. Dieses Jahr gefielen mir fast keine Songs, nur vier Lieder (Portugal, Italien, Zypern und Israel) hab ich mir auf meiner Playlist gespeichert. Der Siegertitel hatte eine schwierige Choreo und dazu zu singen, ist anspruchsvoll, der Song selbst kann man mal hören, das wars dann auch schon. 

Kurz darauf war plötzlich Hochsommer - und weil der so früh und unerwartet eintraf, hab ich mir dieses Jahr mal wieder das Badi-Abo gekauft und war auch schon einmal zum Schwimmen dort. Leider erst einmal, da ich Wochenenden und Feiertage in den dann total überfüllten Badis meide. Es war schon krass: an einem Tag stellst du Getränke und Co noch auf den Balkon als Kühlschrankerweiterung, am nächsten ist der Kühlschrank überfüllt, weil alles da rein soll...

Ich war froh, dass ich bereits in den ersten beiden Mai-Wochen den Balkon sommertauglich gemacht und alle Pflanzen gesetzt habe. Die Tomätli haben die ersten Blüten bekommen, die Kiwi wächst einfach mal nur, aber Lavendel, Thymian, Rosmarin, Passionsblume und der Jasmin blühen kräftig und auch beim Granatapfel zeigen sich die ersten Blüten. 

Dann war ich im Mai an einer sehr schönen Impressionisten-Ausstellung in einer ebenso schönen Villa in Winterthur, habe mich mit zwei Freundinnen zum Kaffi bzw. Nachtessen getroffen, war unerwartet oft für oder mit andern unterwegs, wie zum Beispiel mit meiner Tochter, um Dinge zu erledigen oder besorgen. Schlussendlich habe ich noch ein wenig die Eishockey-WM mitverfolgt, nur am TV, obwohl sie vor Ort stattfand. Die Stimmung war toll und sehr friedlich, wie ich immer wieder feststellte, wenn ich auf dem Heimweg mit der Bahn am Stadion-Gelände vorbei fuhr. Die Schweiz hat seither drei neue Lieblingslieder, wovon das eine vielleicht dann auch bei der Fussball-WM gesungen wird - so wie heute Nachmittag beim Freundschafts-Länderspiel. Es war alles in allem also ein sehr abwechslungsreicher Mai!  

Auch was meine Lektüre betrifft: gelesen hab ich 10 Bücher im Mai und bin nun endlich wieder "normal" unterwegs. Nur mit Rezensionen schreiben kam ich nicht nach, weil die Tage halt auch nur 24 Stunden haben. Kommende Woche hole ich das nach. 

Eher zufällig gesehen, aber enorm gefreut hat mich, dass die "Richter Antoine Verlaque"-Reihe endlich weiter übersetzt wird. Ab 2019 hätte man meinen können, dass die Reihe zu Ende ist, weil es keine deutschen Übersetzungen mehr gab. Ich hab dann aber mal gegoogelt und gesehen, dass drei weitere Bände im Original erschienen sind. Keine Ahnung, wieso es so lange dauerte, bis die nun übersetzt wurden. Im Juni und September erscheinen die restlichen beiden Bände auf Deutsch, zumindest als eBook. 

Up to date bin ich jetzt auch mit "Kommissar Lagarde", gelesen hab ich die zwei neuesten Bände 14 und 15, hab mich aber ein wenig genervt, da sie genau gleich aufgebaut waren. Auch nicht überzeugt hat mich "Au revoir und tschüss": ein toller Titel, ein schönes Cover, der Schreibstil aber war mir zu kühl und inhaltlich war es eine 08/15-Story, die man schon oft gelesen hat. Leider hat mir "Das Lavendelkloster" auch nicht so gut gefallen wie erwartet. Meiner Meinung nach wäre mehr drin gewesen, wenn den beiden Protagonisten mehr wortlose und weniger körperliche Kommunikation gestattet worden wäre.

Gut gefallen haben mir der dritte Amrum-Band von Anne Barns, der erste "Country Escapes"-Band von Julie Caplin (auch wenn ich ein wenig brauchte, um die Protagonistin Ella zu mögen), und für einen japanischen Roman war "Richtig gutes Essen" ganz okay ;-) 

Begeistert war ich von "Mit anderen Augen" von Jane Tara. Das Buch würde ich aber nur Frauen über 45 empfehlen, darunter ist man wahrscheinlich noch zu jung, um die Gefühle der im Buch vorkommenden Frauen wirklich zu verstehen, weil die Lebensrealitäten einfach ganz andere sind. Richtig toll war der Auftakt zur neuen Krimireihe "Léon und die Frau im blauen Kleid" von Alexander Oetker. Ich hätte ja so gerne gleich im zweiten Band weiter gelesen - doch das muss erst noch geschrieben werden, es erscheint im Frühling 2027. 


3.5 Sterne
- Das Lavendelkloster von Alexander Oetker
- Der Kommissar und der Tod auf Cotentin von Maria Dries (Philippe Lagarde 14) 
- Der Kommissar und der Mord von Valognes von Maria Dries (Philippe Lagarde 15) 
- Au revoir und tschüss von Gudrun Lochte 



4 Sterne
- Richtig gutes Essen von Junko Takase
- Stille Nacht in Saint-Sauveur von Mary L. Longworth (Richter Antoine Verlaque 8)
- Der Geschmack von Sommer und Karamell von Anne Barns (Amrum 3) 
- Ein Zuhause im Frühling von Julie Caplin (Country Escapes 1) 



5 Sterne
- Mit anderen Augen von Jane Tara
- Léon und die Frau im blauen Kleid (Cavallier und Bentaleb 1) 


Mein Lesemonat Mai war also auch sehr abwechslungsreich. Mit in den Juni nehme ich zwei Bücher: "Ein Wiedersehen im Sommer", der zweite "Country Escapes"-Band, den ich heute Abend zu lesen beginne, und "Ein Ort, der bleibt" von Sandra Lüppkes. Welche Bücher ich mir für den Juni ausserdem vorgenommen habe, erzähle ich euch dann morgen in der Juni-Vorschau. Nun freue ich mich aber auf das Eishockey-Finale heute Abend, bei einem Schweizer Weltmeistertitel gäbe es bei uns in der Stadt eine Freinacht - von der ich aber nicht Gebrauch mache ;-) 

Fast vergessen: eine Frage für die, die auch mit Blogpost arbeiten: bei mir werden seit etwa zwei Wochen die bearbeiteten Post-Entwürfe nicht mehr nach dem Zeitpunkt der Bearbeitung abgespeichert, sondern bleiben einfach irgendwo in der Entwurf-Liste. Das empfinde ich total mühsam. Habt ihr das auch und wisst ihr, wie man das wieder ursprünglich herstellen kann? 

Mittwoch, 20. Mai 2026

Das Lavendelkloster von Alexander Oetker

Klappentext:
Julien, erfolgreicher Geschäftsführer und innerlich leer, zieht sich in ein abgelegenes Schweigekloster zurück. Hier in der Provence, wo nur der Sommerwind durch den Lavendel streicht, sucht er nach Versöhnung mit sich selbst und den Schatten der Vergangenheit. Inmitten der Stille begegnet er einer jungen Frau, schön, geheimnisvoll – und völlig ohne Worte entsteht zwischen den beiden etwas, das tiefer geht als Sprache: eine Liebe, geboren im Schweigen. Doch welche Chance hat diese Verbindung, wenn die Rückkehr in das alte Leben unvermeidlich ist?



Kurz gesagt: der Schreibstil ist wie immer toll, inhaltlich ging es mir aber zu schnell voran.

Im Kloster Saint-Benoît findet eine Schweigeretraite statt, deren Teilnehmer:innen wir im Roman "Das Lavendelkloster" begleiten. Vor allem aber schauen wir genauer auf Emma und Julien. Während Julien bereits eingecheckt hat und sich nicht sehr wohl fühlt, ist Emma noch auf der Anreise. Am liebsten würde sie umkehren, aber sie will sich selbst beweisen, dass sie das kann. Sie beobachtet bei ihrer Ankunft die andern Kursteilnehmer:innen und überlegt für sich, wer diese Menschen sein könnten und weshalb sie hier sind. Zum Beispiel der Mann mit dem Wollpullover, die ältere Frau mit dem vielen Schmuck. Auch Julien beobachtet, wie wohl alle, die anderen. Vor allem die junge Frau, die zu spät kam. 

Durch die Augen der Protagonisten beobachtet man die anderen Gäste genau, der scharfe Blick des Autors kommt zum Zuge. Ich hätte gerne weiter beobachtet und auch die Sicht der anderen Teilnehmer:innen mitbekommen. Wer sie sind und aus welchem Grund sie sich für die Retraite entschieden haben, wird am Ende beschrieben. 

Speziell in diesem Roman ist, dass fast bis zuletzt nicht gesprochen wird. Kein Reden, nur Beobachtung, nur eine Handvoll Sätze zu Beginn und am Ende. Es finden keine Dialoge statt, jedenfalls keine mit Worten. Das war mal was anderes. Der Clou ist das Kennenlernen ohne Worte, auch das Innere wortlos spüren und erspüren, was zwischen beiden Personen läuft, wie es matcht. Fragen stellen, die Worte, das alles kommt erst später. Dieses Setting hat mir sehr gut gefallen. 

Zumindest zu Beginn, doch die Lovestory zwischen Emma und Julien entwickelte sich in meinen Augen viel zu schnell. Bei Emma und Julien war es vor allem ein körperliches Kennenlernen. Die körperliche Anziehungskraft musste enorm sein - nur leider kam das gar nicht so richtig rüber. Gefühlt waren es gerade mal zwei Blicke, bis die beiden in der Horizontale landen. Man verliert die Entwicklung der beiden aus den Augen, weil sich alles nur noch um die Sehnsucht nach einem nächsten Treffen dreht. Gegen Ende sagt Julien etwas, das bis dahin nie sichtbar war - dass er sich mit seiner Geschichte auseinander gesetzt haben soll in den letzten Tagen. Doch da er praktisch kaum Zeit alleine verbracht hat, hab ich ihm seine Läuterung nicht abgenommen. 

Für mich hätte die Geschichte besser funktioniert, wenn der Fokus nur auf Emma und Julien gelegen wäre und ihre Geschichte ein bisschen langsamer und detailhafter erzählt worden wäre. Oder aber ihre Story gekürzt neben derjenigen der anderen Klostergäste geschildert worden wäre, das wär dann aber kein Liebesroman geworden.

Fazit: Mich hat zwar das Setting im Kloster in der Provence abgeholt, nicht aber die Lovestory von Emma und Julien. Der meist sehr einfühlsame Schreibstil des Autors macht den Roman aber dennoch lesenswert.
3.5 Sterne.



Dienstag, 5. Mai 2026

Mit anderen Augen von Jane Tara

Klappentext:
Tilda Finch glaubt, sie sieht nicht richtig: Mit einem Mal ist ihr kleiner Finger verschwunden. Es folgen die Nase und das Ohr. Sie wird unsichtbar werden, sagt ihre Ärztin, doch das will Tilda auf keinen Fall zulassen. Schließlich hat sie eine Menge, wofür es sich lohnt, sichtbar zu bleiben: ihre wunderbaren Töchter, ein erfolgreiches Business und fantastische Freundinnen. Tilda nimmt all ihren Mut zusammen und beginnt, sich selbst mit anderen Augen zu sehen.





Ein Roman für fast alle Frauen über 50! 

Tilda, mit 52 noch nicht alt, aber auch nicht mehr jung, geschieden, erfolgreich als Fotografin mit ihrer eigenen kreativen Firma, zwei tolle 20jährige Töchter, zwei ebenfalls tolle, langjährige Freundinnen, ein Haus in der Nähe des Strandes, ein Hund. Eigentlich hat sie alles. 

Alles, ausser ihren kleinen Finger. Also, da ist er schon noch, sie spürt ihn, sieht ihn aber nicht mehr. Als weitere Körperteile verschwinden, Tilda sich zur Ärztin wagt, und ihr die Diagnose "Unsichtbarkeit" gestellt wird, ist sie erst mal am Boden zerstört, denn sie hat noch nie davon gehört. 

In einer Selbsthilfegruppe, lernt sie weitere betroffene Frauen kennen und stellt fest, dass diese ihr bisher unbekannte Krankheit weitaus verbreiteter ist, als angenommen. Es gibt sogar Literatur dazu und sie bekommt einen Termin bei einer Spezialistin, die aber umstritten ist.

Während sie selbst versucht, soviel wie möglich über die Krankheit herauszufinden, auch ob sie heilbar ist (Wissenschaftlerin Selma sagt ja, Selbsthilfegruppeleiterin Brenda nein), muss sie und ihr Umfeld erst mal lernen, damit umzugehen. Soll sie Handschuhe tragen, damit der fehlende Finger nicht auffällt? Neben solchen äusserlichen Fragen geht es auch ums Innere, ums Eingemachte. 

Ausgerechnet jetzt lernt Tilda einen Mann kennen, der sich für sie interessiert. Kann und will sie sich auf Patrick einlassen, solange sie selbst noch nicht weiss, wie mit der Diagnose umgehen? Was, wenn sie eines Tages gar nicht mehr zu sehen ist, wie Carol aus der Gruppe? 

Autorin Jane Tara hat mit "Mit anderen Augen" einen unglaublich kreativen Roman vorgelegt. Ein wichtiges und ernstes Thema hat sie in eine humorvolle Geschichte verpackt. Nur schon die Charaktere: alle absolut gelungen. Allen voran Tilda, die sich auf Selmas Therapieideen einlässt. Dicht gefolgt von Patrick, der mit seiner Persönlichkeit und seinem Beruf überrascht. Aber auch Paula, die wir alle kennen und Carol, Erica, Leith, Yumiko. Gurinder erinnerte mich an eine frühere Ärztin von mir. Wirklich toll gezeichnete Figuren, keine zu wenig, keine zu viel. 

Genau so die Seitenzahl: obwohl hoch mit fast 500 Seiten, ist keine zu wenig und keine zu viel. Es kommen keine Längen auf. Im Gegenteil: diese Geschichte, im Stil des magischen Realismus gehalten, kommt wunderbar leicht, witzig und ironisch daher und verliert trotzdem nie die Ernsthaftigkeit. Dieser kluge Roman regt zum Nachdenken über die eigene Lebenssituation und "Un-/Sichtbarkeit" an und wird sicher noch lange nach hallen. "Mit anderen Augen" könnte ein Kandidat für die Jahreshighlight-Liste sein.  

Fazit: Ein grossartiger Roman, dem ich ganz viele Leserinnern wünsche! 
Solche, die nicht mehr jung, aber auch noch nicht wirklich alt sind 😉





Montag, 4. Mai 2026

Richtig gutes Essen von Junko Takase

Klappentext:
Eine angepasste Bürokarriere, eine zuvorkommende Frau, richtig gutes Essen – Nitani weiß, worauf es im Leben ankommen sollte. Die Regeln sind klar, doch Nitani, dessen größtes Glück der Verzehr von Instantramen ist und der am liebsten seine gesamte Nährstoffzufuhr über eine Tablette beziehen würde, tut sich schwer mit ihnen. In seinem Büro ist Ashikawa die Art von Frau, die er wahrscheinlich heiraten wird: liebenswürdig und entschlossen, ihn von seiner Sucht nach Instantnudeln zu befreien. Aber es fällt ihm immer schwerer, sie zu respektieren – oder die süßen Leckereien, die sie verteilt und mit denen sie sich die Zuneigung ihrer Kollegen durch Backen statt durch harte Arbeit sichert.  Seine Kollegin Oshio ist unkonventioneller – sie ist Nitanis Trinkpartnerin. In der starr reglementierten Welt des Büros kommen sich die beiden näher. Und ihr offenbart Nitani auch seine geheime Leidenschaft: die Literatur.


Nitanis "Leidenschaft für Literatur", wie es am Ende im Klappentext steht, kommt im Roman gar nicht rüber. Er erzählt davon einmal. Dass er ein Buch liest, das wird auch nur einmal erwähnt - irgendwann über die Neujahrsfesttage scheint er gelesen zu haben. Ansonsten ist Nitanis Leben eintönig: er arbeitet viel, isst Instant-Nudeln, und spielt zuhause am Handy oder Computer rum. Mit seinem "Frauenbesuch" geht er entweder essen (Oshio) oder lässt sich bekochen (Ashikawa). Letzteres ist ihm lästig, aber genauso wie im Büro, getraut er sich nichts zu sagen, ausser dass es "lecker" ist.

Mit dieser japanischen Mentalität des "nicht sagen, was man denkt, nur nett nicken" kann ich gar nichts anfangen. Das ist mir zwar jeweils von Vornherein schon bewusst, wenn ich Romane von asiatischen Autor:innen lese - weshalb ich diese auch nur selten in die Hand nehme, ich muss aber innerlich jedes Mal den Kopf schütteln darüber. Auch dieser Roman von Junko Takase trieft von dieser speziellen Mentalität, aber er war trotzdem unterhaltend und auf eine gewisse Weise auch subtil humorvoll.

Die soziale Dynamik am Arbeitsplatz ist in "Richtig gutes Essen" zentral, wie es auch in hiesigen Breitengraden der Fall ist, aber halt eben zusätzlich mit diesem oben genannten grossen kulturellen Unterschied. Dennoch hätte ich hier der Büromannschaft eins um andere Mal gerne zugerufen: seid doch endlich mal offen und ehrlich! Sagt dem Chef, dass ihr nicht zum Essen mitkommen wollt und sagt Ashikawa, dass sie euch mehr unterstützen würde, wenn sie wie ihr abends länger arbeiten würde, anstatt so oft zu fehlen. Sagt ihr, dass sie viel zu oft Selbstgebackenes mitbringt. Dass sie ihre vielen Fehlstunden nicht mit Zucker und Mehl aufwiegen kann. Dass sie als Konditorin vielleicht glücklicher wäre als bei ihrer Arbeit im Büro.

Hinter die Fassaden der Charaktere sieht man nur bis zu einem gewissen Grad, aus unserer europäischer Sicht zumindest, vielleicht ist es ja für japanische Verhältnisse schon sehr offen geschildert. Das Ende des Romans lässt verschiedene Überlegungen zu, so dass man nicht weiss, ob Nitanis letzter Satz ernst gemeint ist und er das Gesagte umsetzen will oder nicht. (Falls ja: selbst Schuld!) Oshio fand ich von allen Figuren am ehrlichsten, obwohl ich ihr Benehmen auch nicht ganz verstand.

Was das richtig gute Essen angeht, erging es mir ein wenig wie Nitani: egal, was aufgetischt wurde, es liess mich erstaunlicherweise kalt, die Instantnudeln - eigentlich nur was für den Notfall - machten genauso wenig den Mund wässrig wie Ashikawas Torten, von zu Hause mitgebrachtes Bento oder das Essen in den Izakayas und anderen Restaurants. Das einzig Kulinarische, was mich neugierig gemacht hat: was ist das für ein Grüntee, der sogar spätabends getrunken wurde? 

Fazit: "Richtig gutes Essen" ist ein für mich typisch japanischer Roman: er ist zwar unterhaltend, aber distanziert und beobachtend erzählt. Wäre der Roman eine Speisekarte im Restaurant: ich würde mir nur etwas zu trinken bestellen und beobachten, was die anderen so essen. So lässt sich der Roman gut lesen, wer mehr erwartet, soll doch lieber Zuhause bleiben und selbst kochen - oder sich wie Nitani Wasser für seine Instannudeln aufsetzen. 
4 Sterne.