Montag, 13. Juli 2020

Café mit Meerblick von Caroline Roberts

Klappentext:
Rachel liebt es, nach einer anstrengenden Nacht bei den Schafen in die nach Kuchen duftende Farmküche zu kommen und gemeinsam mit ihrer Mutter Jill und kleinen Tochter Maisy zu frühstücken. Und genau dieses Gefühl bringt sie auf eine grandiose Idee: Um die Familienfarm zu retten, will sie ein gemütliches Landcafé in der ungenutzten Scheune eröffnen. Hier sollen ihre Kunden sich genauso wohlfühlen wie zu Hause auf Omas Ofenbank. Auch Jill ist sofort Feuer und Flamme, und so stürzen sich die beiden Frauen ohne zu zögern in die Vorbereitungen. 



Nach dem Tod von Rachels Vater steht die Primrose Farm nicht gut da. Rachel und ihre Mutter Jill müssen sich überlegen, wie sie die Farm halten können. Kuchenverkauf und ein Café in der Scheune sollen es richten. Doch übernehmen sich Rachel und Jill damit nicht? Denn Rachel hat ja noch ihre kleine Tochter Maisy und die Arbeiten auf der Farm mit den Rindern, Schafen, Hühnern und Weiden wird ja auch nicht weniger, obwohl Nachbar Tom sie oft unterstützt.

Die Geschichte um Rachel erinnerte mich stark an Cathy Bramleys "Wie Himbeeren im Sommer". Doch im Gegensatz zu Bramleys Appleby Farm konnte mich Roberts mit ihrer Primrose Farm nicht überzeugen. 

Wie schon in "Die kleine Chocolaterie am Meer" schreibt Caroline Roberts zwar auch hier detailreich und verschweigt auch Niederlagen nicht. Man merkt, dass die Autorin sich mit dem Thema auseinander gesetzt hat und sich gut auskennt. Trotzdem erschien mir Rachel mit ihrer Farm-Retten-Idee einerseits zu blauäugig, andererseits schildert sie zu ausführlich, was in anderen Romanen zu wenig detailgetreu und ungenau erzählt wird. Das zieht den Roman in die Länge und ermüdet beim Lesen. Ausserdem fehlt es bei der deutschen Übersetzung eindeutig an Motivation, das merkte man ja bereits im Chocolaterie-Roman an ständigen Wortwiederholungen - und hier leider schon wieder.

Es bräuchte nicht sehr viel, dass die Romane von Caroline Roberts richtig lesenswert wären, doch dann müsste sie auf solche Drehs, wie es hier gegen Ende einen gibt und bei dem Rachel überreagiert, verzichten. Diese Szene war total unnötig und nervte mich sehr. Ausserdem fehlt es bei der deutschen Übersetzung eindeutig an Motivation, das merkte man ja bereits im Chocolaterie-Roman an ständigen und sehr umständlichen Wortwiederholungen - und hier leider schon wieder.

Schön fand ich, dass Emma von der kleinen Chocolaterie am Meer kurz in Erscheinung tritt. Im Gegensatz zur Chocolaterie bietet das Café aber kein Meerblick, da ist der deutsche Verlag viel zu sehr vom Originaltitel abgewichen - etwas, was das "Café mit Meerblick" mit Bramleys "Wie Himbeeren im Sommer" gemeinsam haben. 

Fazit: Eine theoretisch nette Liebesgeschichte, weist aber zu viele Längen auf, was aber eventuell auch bei der schlechten Übersetzung liegt.  
3 Punkte. 

Donnerstag, 9. Juli 2020

Das Meer in deinem Namen von Patricia Koelle (Ostseetrilogie 1)

Klappentext:
Ein Buch wie warmer Sand am Meer. Wie das Rauschen der Wellen im Ohr. Wie Sonne auf unserer Haut. Niemand redet darüber, wie Carlys Eltern ums Leben kamen. Der Tod ist für sie ebenso tabu wie alles, was mit dem Meer zusammenhängt. Da bekommt sie ein Angebot. Sie soll ein altes Reetdachhaus an der Ostsee ausräumen und für den Verkauf vorbereiten. Vier Sommerwochen hat sie dafür Zeit. Für Carly die Chance, sich ihrer Angst vor dem Meer zu stellen und Abstand von ihrer unmöglichen Liebe zu gewinnen. Doch schon bald fühlt sie sich der Frau, die in dem Haus gewohnt hat und der sie sehr ähnlich sieht, seltsam nahe.


Nachdem ich von "Die Zeit der Glühwürmchen" so begeistert war, hab ich mir vorgenommen, nun endlich alle anderen Romane der Autorin auch noch zu lesen und nicht noch länger zu zu warten. Also griff ich zum ersten Teil der Ostseetrilogie, die im Ostseebad Ahrenshoop und Umgebung angesiedelt ist. 

"Das Meer in deinem Namen" nimmt nur langsam Fahrt auf, am Anfang brauchte es Zeit, bis ich in den Roman einfand. Es war zäh, denn Carly wirkt anfangs sehr statisch, sie lebt im Schatten anderer. Doch als sie die Gelegenheit bekommt, zwei Monate nach Ahrenshoop zu ziehen und ein Haus auszuräumen, lebt sie endlich selbst und taut auf. In Hennys Haus fühlt Carly sich total wohl und zuhause - ich wurde neugierig und wollte wissen wieso. 

Auf den weiteren der insgesamt 544 Seiten erfahren die Leser*innen alles über Carly und ihre Familientragödie und erleben ebenso Hennys interessante Lebensgeschichte mit und kommen immer mehr dessen Freund Joram Gafunder auf die Schliche, der spurlos verschwunden ist.  

Gerne hätte ich mit Carly zusammen Hennys Haus erkundschaftet, Tee bei Daniel gekauft und ihn in Hennys Garten getrunken. Obwohl die Charaktere einige tragische Vorkommnisse aus der Vergangenheit verarbeiten müssen, fühlte es sich ein wenig als Heile-Welt-Roman an. Aber auf eine gute Weise. 

Am Ende fand ich sogar Thore sympathisch, den ich zuvor nicht wirklich fassen konnte und ihn ausbeuterisch empfand. Alle andern fand ich nett, die neu entstandenen Freundschaften gefielen mir und ich gönnte so einigen ihr Glück.

Nun bin ich aber sehr gespannt wie es weiter geht, denn noch lange ist nicht alles aufgelöst. Und zum Glück geht es weiter, denn auch mich hat Naurolokki verzaubert.

Patricia Koelles Schreibstil hat mir in "Das Meer in deinem Namen" erneut super gefallen: all die poetischen Briefe und all die Kleinigkeiten, auf die sie Wert legt und die sie gefühlvoll beschreibt - einfach toll. Was mir in diesem Roman auch gefallen hat, ist, dass er ohne grosse Lovestory auskommt. Schliesslich gibt es im Leben mehr wichtige Themen als nur Liebe und Beziehungen. 

Fazit: Zum Glück geht es noch weiter - denn ich will unbedingt mehr Naurolokki! 
5 Punkte. 

Reihenfolge:
Band 1: Das Meer in deinem Namen
Band 2: Das Licht in deiner Stimme
Band 3: Der Horizont in deinen Augen 

Dienstag, 7. Juli 2020

#litlovetalk Juli 2020

Wir stellen euch von Januar bis November 2020, bis zur lit.love 2020, monatlich an jedem 7. Tag (also 7. Juni, 7. Juli, 7. August, etc.) eine Frage zu Romanen, die von lit.love-AutorInnen geschrieben wurden. 

Wir freuen uns, wenn ihr sie gemeinsam mit uns beantwortet. Entweder per Kommentar, auf euren Blogs oder Social Media Kanälen. Verwendet dabei den Hashtag #litlovetalk - so heisst unsere Aktion, die die Wartezeit zur nächsten lit.Love verkürzen soll. Die Links zu euren Antworten auf euren Blogs dürft ihr gerne in den Kommentaren verlinken. 


Hier ist die Juli-Frage: 


Keine!

Denn man kann sie fast alle gut am Strand lesen. Und ich hab sie per eReader eh alle immer dabei und könnte sie spontan auch ein zweites Mal lesen, wenn ich gerade Lust darauf hätte.

Wenn ich in die Ferien fahre/fliege, hab ich gerne Bücher dabei, die vor Ort spielen. Das geht aber nicht immer. Zum Beispiel weil es keine Bücher gibt, die vor Ort spielen. Zum Beispiel letzten Sommer in Lanzarote: kaum war ich zurück, erschien "Die Gärten von Monte Spina", das hätte gepasst oder Anna Levins Romane von den Nachbarinseln, aber die hatte ich schon gelesen. Als zweites Beispiel meine regelmässigen Türkei-Ferien: sämtliche Türkei-Krimis hab ich schon vor Jahren gelesen und aktuelle Romane, deren Handlung im Land spielt, gibt es von deutschen Autor*innen leider nicht. 

Deshalb vergnüge ich mich einfach mit Romanen, die anderswo angesiedelt sind, am Strand oder Pool. Was ich dann immer gerne lese, ist, wenn auch im Roman ein wenig Ferienstimmung herrscht wie teilweise bei Romanen von Frieda Bergman, Sylvia Lott oder Anne Sanders. Oder wenn es an schöne Destinationen geht wie bei Lucinda Riley, Manuela Inusa oder Constanze Wilken. Kommt auch immer darauf an, welche neuen Romane gerade erscheinen und was ich noch auf dem SuB habe. Denn eins geht nicht in den Sommerferien im Ausland: Romane, die zur Zeit der Weltkriege spielen oder die dies als Nebenthema haben. Auch sehr selten lese ich am Strand historische Romane, das passt für mich irgendwie nicht (Ausnahmen bestätigen die Regel). 

Welchen lit.Love-Roman ich dieses Jahr zu Strandferien mitnehmen würde? 


Den zweiten Band der Mühleschwestern "Die Hoffnung wird dich finden", weil der gerade zur Ferienzeit erscheint und mir der erste Band gut gefallen hat!

Und, hätte ich nicht eh noch einen grossen SuB mit Nicht-lit.Love-Autor*innen, dann käme vielleicht auch noch der neue Claudia Winter Roman mit. Beziehungsweise käme er mit, wenn er sein ursprüngliches Verlagsvorschau-Cover behalten hätte. Damit gefiel es mir äusserlich viel besser, weil das blaue Cover mit den Azulejos zeigte, dass die Geschichte in Portugal spielt und so auch Lust machte ihn zu lesen. Und auch Lust, ihn als Ferienlektüre mitzunehmen. Mit dem neuen gelben Cover hab ich aber so gar kein Verlangen ihn zu lesen. Der Roman könnte mit dem nichtssagenden Cover überhalb stattfinden, man sieht damit, nicht in welchem Land er handelt. 


Für mich muss also die Ferienlektüre wenn möglich nicht nur zum Ferienort passen und mich auch nicht nur inhaltlich ansprechen, nein, auch das äussere Erscheinungsbild muss ansprechend sein und Lust auf Ferien im Aus- oder Inland machen. 

Wie sieht es bei euch aus? Wie wählt ihr eure Ferienlektüre? Welche Romane und speziell welche Romane aus den Federn der lit.Love-Autorinnen packt ihr in eure Koffer? 

PS: Falls ihr euch wundert, dass ich immer von "Ferien" schreibe: bei uns in der Schweiz gibt es das Wort "Urlaub" nicht. Bei uns gibt es nur "Ferien", egal ob wir die zuhause auf Balkonien verbringen oder anderswo. 



Damit es für euch einfacher ist passende Bücher zu finden, findet ihr hier die Autorennamen:





Hier findet ihr weitere Antworten auf die heutige #litlovetalk-Frage:

Mittwoch, 1. Juli 2020

Vorschau: Neuerscheinungen und Neuzugänge im Juli 2020

In zwei Wochen stehen schon die Sommerferien vor der Türe. Was wir in diesen fünf Wochen Schulferien machen werden, wissen wir noch nicht - ausser dass wir (bis vielleicht auf Tagesausflüge kurz über die Grenze) in der Schweiz bleiben. Die Corona-Situation hat sich nicht wirklich beruhigt und ich denke, spätestens im August, wenn alle von ihren Ferien zurückkommen, haben wir die zweite Welle auf sicher. Einige Hotspots gibt es ja bereits jetzt. Deshalb werden wir spontan von Woche zu Woche entscheiden. 

Geplant wären Ferien am Mittelmeer gewesen. Theoretisch wäre das sogar wieder möglich, aber ich möchte mich aktuell nicht in ein Flugzeug setzen und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ich die Ferientage im Ausland geniessen könnte. Deshalb werde ich literarisch reisen - das macht ja schliesslich auch Spass. Und auf meinem SuB befinden sich Destinationen wie Frankreich, England, Italien, Australien, Spanien, Amerika und die Türkei. Mal sehen, wohin es mich dann verschlägt - real und literarisch.  


Meine letzten Neuzugänge:




Interessante Neuerscheinungen im Juli 2020:





Die jeweils ersten Titel der drei Reihen ("Die Hoffnung wird dich finden", "Miss Kelly und der Zauber von Monaco" und "Je höher die Flut") werde ich wahrscheinlich im Juli lesen, dazu sicher noch "Madeira Schweigen", der dritte Fall für Kommissar Avila.

Die anderen Titel entscheide ich spontan. Bei "Liebe, die nach Kirschen schmeckt" handelt es sich eh um den dritten Teil einer Serie, deren die beiden Vorgängerbände auf meinem SuB warten, da müsste ich zuerst die zwei lesen. "Bilder der Frauen" ist laut Verlagsvorschau ein Stand Alone und nicht der Nachfolgeband von "Die Kleider der Frauen", welches im Februar erschien. Inspektor Cabral konnte mich nicht ganz überzeugen in seinem ersten Band, deshalb bin ich auf "Die schwarzen Tränen von Sines" gespannt. Da entscheide ich aber wie gesagt spontan.

Denn im Juli möchte ich mich hauptsächlich meinem SuB widmen und mich endlich mal durch die angesammelten Romane und Krimis lesen. Davon nenne ich jetzt keine Titel, sondern wähle daraus dann einfach super spontan nach Lust und Laune - ist ja quasi mein Juli/August-Motto, auch was unsere Ferien betreffen :-)

Welche Bücher wollt ihr im Juli lesen und wie sehen eure Ferienpläne aus?

Dienstag, 30. Juni 2020

Lesebiografie Juni 2020

Es ist Sommer geworden in der Schweiz. Immerhin darf man jetzt wieder an und auf den See und in die Badis, aber gerade für letztere habe ich noch so gar keine Lust - das kann sich aber im Juli noch ändern, wenn die Temperaturanzeige konstant hoch bleiben wird. 


Über den Juni mag ich nicht reden (können wir das Jahr 2020 bitte ausradieren?), nur über meine gelesenen Bücher. 

Gelesen habe ich in diesem Juni 14 gesamthaft doch recht gute Bücher:

3.5 Punkte:
- Der Duft von Sommerregen von Tania Schlie 

4 Punkte:
- Auszeit bei den Abendrots von Alexandra Holenstein 
- Das Haus am Ende des Fjords von Kiri Johansson
- Bretonisches Vermächtnis von Jean-Luc Bannalec (Dupin 8) 
Tödliche Algarve von Caroline Conrad (Anabela Silva 3) 
- Leuchtturmnächte von Debbie Macomber (Cedar Cove 1) 

4.5 Punkte:
- Signora Sommer tanzt den Blues von Kirsten Wulf 

5 Punkte: 
- Träume in Meeresgrün von Miriam Covi  
- Tod in Saint Merlot von Serena Kent 
- Der geheime Schwimmclub von Mary Kay Andrews 
- Sophias Träume von Corina Bomann (Die Farben der Schönheit 2) 
Bretonische Spezialitäten von Jean-Luc Bannalec (Dupin 9) 
Die Liebe kommt auf Zehenspitzen von Kristina Günak 



Solche Romane, die mir gar nicht gefallen haben, waren keine dabei - yeah! Nur bei "Der Duft von Sommerregen" hat mir das gewisse Etwas gefehlt. Total überrascht hat mich "Der geheime Schwimmclub" von Mary Kay Andrews. Zweifelsfrei ihr bester Roman! Der zweite Teil der "Farben der Schönheit"-Serie konnte genauso wieder punkten, wie der dritte Roman von Miriam Covi. Lesetechnisch soweit ein guter Monat!

Aktuell lese ich gerade die 544 Seiten von "Das Meer in deinem Namen" von Patricia Koelle. Das werde ich heute aber nicht mehr beenden und so bleibt es bei den vierzehn Büchern.  

Morgen erzähle ich euch, welche Bücher ich im Juli lesen möchte und welche neu bei mir eingetroffen sind. Aber nun nimmt es mich erst mal Wunder, ob eurer Lese-Juni auch von mehrheitlich guten Büchern geprägt war?


Time to Love - Tausche altes Leben gegen neue Liebe von Beth O'Leary

Klappentext:
Zwei Monate Sabbatical: Nach einer katastrophalen Präsentation im Job wird Leena eine Auszeit verordnet. Ausgerechnet Leena, die Tag und Nacht arbeitet, um ihre verstorbene Schwester nicht zu vermissen. Zuflucht findet sie bei ihrer Großmutter Eileen in Yorkshire. Eileen wünscht sich mit Ende 70 eine neue Liebe, nur leider ist die Auswahl an interessanten Kandidaten in ihrem kleinen Dorf begrenzt. Die Lösung: Leena kommt auf dem Land zur Ruhe, und Eileen stürzt sich in die Londoner Dating-Szene. Doch ist es wirklich so einfach, die Leben zu tauschen?



Auch der zweite Roman von Beth O'Leary hat mit dem Thema Wohnen zu tun. Dieses Mal wird keine Wohnung geteilt, sondern die Wohnung geteilt. 

Leena tauscht ihr Leben in London mit dem ihrer Grossmutter Eileen in einem kleinen Dorf. Eileen will wieder Liebe in ihrem Leben, doch geeignete Männer sind in ihrem Dorf knapp. London müsste doch sicher mehr Auswahl bieten. Und Leena, die eine zweimonatige Jobpause verschrieben bekomm will raus aus der Stadt, wo sie doch nur ans Arbeiten denkt. Also verschieben die beiden ihren Lebensmittelpunkt für die nächsten zwei Monate. 

Doch auch in Hamleigh-in-Harksdale geht Leena die Arbeit nicht aus. Sie übernimmt alle Jöblis ihrer Grossmutter. Das wöchentliche Nachbarschaftstreffen, das Organisieren des Maifestes, einmal in der Woche spazieren gehen mit einem Hund, etc. Leena möchte sich selbst beweisen, dass sie diese eigentlich einfachen Dinge bewältigen kann und nimmt dafür einiges auf sich. Ganz langsam muss sie sich eingestehen, dass ihr das Leben hier sogar gefallen könnte - auch wenn ihre Mutter im gleichen Dorf lebt, und sie mit ihr seit dem Tod ihrer Schwester im Streit liegt. 

Derweil lebt Eileen sich in London ein. Sie teilt die grosse Wohnung mit Leenas Mitbewohnern: eine lesbische Schwangere und ein gutaussehender zuvorkommender junger Mann, der sich mit Nebenjobs über dem Wasser hält. Doch was ist das für ein Haus, bei dem man die Nachbarn nicht kennt und sich nicht mal grüsst? Schnell sorgt Eileen mit ihren Ideen für Abhilfe. Ausserdem hat sie eine Dating-App auf das Smartphone geladen und getraut sich sogar, einige davon zu daten. 

Beide Ladys haben Abenteuer in ihrem neuen Lebensabschnitt zu bestehen. Die zu verfolgen machte Spass. Denn beide begegnen schrulligen, liebenswerten oder missmutigen Menschen und erweitern dabei ihren Horizont. Die meisten der Charaktere muss man einfach gern haben. Bei anderen wiederum verstand man nicht, was Leena oder Eileen an ihnen fanden, oder wieso sie gewisse Leute nicht mochten. Doch am Ende sehen auch unsere beiden Protas hinter die Fassade jener Leute. 

Eileen in London hat mir dabei besser gefallen als Leena in Yorkshire. Wie Eileen die Grossstadt aufwirbelte war fantastisch zu lesen, da kam Leena mit ihrer Landentschleunigung kaum dagegen an, auch wenn wir dabei viele witzige Szenen miterleben.

"Time to Love" vermochte es aber nicht mich so stark zu begeistern, wie es "Love to Share" tat. Vielleicht hatte ich unbewusst zu viele Erwartungen, denn ein klitzekleines bisschen enttäuscht war ich schon, obwohl es erstens ein Wunder wäre, auf solch eine geniale Geschichte wie "Love to Share" nochmals eine Schippe drauf zu hauen, und zweitens ist auch "Time to Love" schlicht und einfach gut und bietet alles was ein Roman braucht. Es ist halt einfach nicht "Time to Love". Wobei auch Leena und Eileen ihre Zeit zum Lieben bekommen - lasst euch überraschen! 

Fazit: Schlicht und einfach: ein guter und gelungener Rollentausch!
4 Punkte. 

Montag, 29. Juni 2020

Die Liebe kommt auf Zehenspitzen von Kristina Günak

Klappentext:
Ganz unverhofft erben Autorin Lucy, die an einem Liebesroman schreibt, und Klinikarzt Ben, der an Panikattacken leidet, einen alten Bauernhof. Nur dumm, dass sie sich eigentlich nur flüchtig kennen. Aber weil Lucy dringend eine Bleibe und Ben eine Auszeit braucht, ziehen sie in die ländliche Idylle eines kleinen Dorfs. Gemeinsam, aber nur als Freunde, versteht sich, und bloß auf Zeit. Doch das Leben hat andere Pläne mit ihnen.





Während ich an einem schwülwarmen Juniabend auf dem Balkon vor mich hin schwitzte, trotz eisgekühltem Getränk in der einen und dem eReader in der andern Hand, wurde es plötzlich Weihnachten. Und ich mitten drin in einem Schneesturm. 

Denn so beginnt "Die Liebe kommt auf Zehenspitzen", der neue Roman von Kristina Günak. Als ich mich frage, ob ich da nicht was falsch verstanden habe - ein Weihnachtsroman, der im Sommer erscheint? - switcht die Szenerie im Buch drei Monate weiter, in den Frühling, es wird März. Ben und Lucy, die ein paar Seiten zuvor eben noch in ihrem Auto auf der Autobahn von dem Schneesturm überrascht wurden, erben einen Hof - der Hof ihrer damaligen Gastgeberin. 

Da Lucy eh aus ihrer Wohnung rausmuss und Ben seine Stelle als Spitalarzt gekündigt hat, weil er sich mit seinem Chef im Spital nicht versteht, wagen die zwei das Abenteuer, ziehen in das kleine Dorf und gründen eine Wohngenossenschaft, zu der auch noch Helmut, der Hund der Vorbesitzerin, gehört. 

Obwohl die Gegend kaum bewohnt ist, sind sie fortan selten mehr allein. Was gerade für Lucy speziell ist, da sie sich in der Stadt sehr einsam fühlte. Doch Lucy hat noch immer eine Schreibflaute, und der Abgabetermin für ihren Roman rückt immer näher. Ben hingegen offenbart ihr, dass er unter Panikattacken leidet und sich deshalb nicht sicher ist, ob er die Arztpraxis im Nachbardorf übernehmen soll. 

In der Story um Lucy und Ben, um Millie, Fredo und all die anderen, wird weder das Landleben verklärt noch beschönigt, es geht vielmehr um Freundschaft, die unsere Hauptfiguren so noch nie erlebt haben. Ich bewunderte die zwei, wie sie sich so schnell so wohl fühlten und erfrischend genügsam sind. Auch wie beide mit den Problemen des anderen umgegangen sind: total unkompliziert.

Die Geschichte, die Kristina Günak hier erzählt, ist einfach nur toll. "Die Liebe kommt auf Zehenspitzen" ist schön erzählt, humorvoll und tiefgründig, wie all die Szenen um den Fuchs Tausendschön, den autistischen Hund Helmut, die blau angemalte Bank, mintgrünen Nagellack und die Story um den Vampirsex beweisen. 

Fazit: Mich hat der Roman wunderbar unterhalten, viel zu schnell war die schöne Zeit in Brederhofe vorbei.
5 Punkte.