Dienstag, 21. Mai 2019

Krimi: Taxi criminale von Nora Venturini (Ein Taxi für alle Fälle 1)

Klappentext:
Die Italienerin Debora lebt in Rom und wollte schon immer Polizistin werden. Aber nach dem Tod ihres Vaters muss sie die Familie als Taxifahrerin über Wasser halten. Eines Tages nimmt sie eine elegante Dame im Taxi mit. Als diese kurz darauf ermordet aufgefunden wird, ist Deboras Neugier geweckt. Sie will den Mörder dieser Frau fassen! Commissario Eduardo ist nicht gerade begeistert von der impulsiven Hobbyermittlerin, die ihm mit eigenwilligen Methoden immer wieder in die Ermittlungen pfuscht. Doch Debora lässt sich nicht abschütteln, denn sie will ihre Fähigkeiten endlich unter Beweis stellen – und den charmanten Commissario beeindrucken.


Siena23 ist Debora Camillis Taxi-Kürzel. Die 25jährige erbte die Taxilizenz nach dem Tod ihres Vaters vor zwei Jahren. Eigentlich hatte sie bereits die Ausbildung zur Polizistin zu Ende gebracht, aber um die Familie zu unterstützen, verzichtete sie auf ihren Traumberuf und ist nun als Taxifahrerin in den Strassen Roms unterwegs.

Eines Morgens liest sie in der Zeitung über den Mord an einer Römerin. Die Frau auf dem Foto kennt Debora, sie hatte sie am Mordtag gefahren. Debora fühlt sich schuldig und geht schnurstracks zum Polizeidezernat um eine Zeugenaussage zu tätigen. Der zuständige Kommissar Eduardo Raggio schüttelt zuerst den Kopf über diese forsche Zeugin, die ihm Fragen stellt anstatt umgekehrt. Er wird sie schnell los, doch nur zu bald treffen sie erneut aufeinander - denn beide bleiben am Fall dran.

Raggio kommt nicht vom Fleck und Debora braucht Infos um weiter zu forschen und beide sind fasziniert vom jeweils anderen. So beginnt eine sehr formlose und sehr inoffizielle Zusammenarbeit, die schlussendlich zum Ziel - zum Täter - führt.

"Taxi criminale" ist ein typischer Auftakt-Krimi, in dem sehr ausgiebig über das Privatleben der Protagonisten erzählt wird. Raggio ist Wochenaufenthalter und pendelt zwischen Rom und seiner Familie - Frau Cecilia und Sohn Giulio - in der Toskana. Die Ehe steht nicht zum Besten, und so fernab von zuhause kann er theoretisch tun was er will. Kein Wunder also, dass ihm Debora gefällt und sich da etwas Scheues anbahnt. Raggio als Charakter war für mich nicht zu fassen: er war nett, aber er weiss nicht, was er will.

Debora lebt mit ihrer Mutter und ihrem Medizin studierenden Bruder zusammen, und fährt jeden Tag von Ostia nach Rom rein, um zu arbeiten. Aus Deborah wurde ich nicht ganz schlau. Mir fehlt eine gescheite Begründung, wieso sie nach dem Tod ihres Vaters nicht als Polizistin arbeiten konnte, sie war ja kurz davor. Damit hätte sie ebenso Geld verdient.

Die beiden Ermittler und alle anderen Buchfiguren waren mir viel zu oberflächlich gezeichnet. Die Beschreibungen ihrer Charaktere haben völlig lieblos immer etwas mit der Statur zu tun: "magersüchtig", "kleine Tonne", "stämmige Polizistin", "mehr breit als hoch", "Walküre", "rund wie ein Osterei", "ein Schlumpf" - und das war längst nicht alles. Zudem setzt die Autorin Debora die ganze Zeit auf Diät, obwohl sie in Grösse 36 passt. Sämtliche dieser Bezeichnungen hatten null und nichts mit dem Mordfall zu tun. Ich fand sie in der Menge fast schon beleidigend, als ob Nora Venturini ihre eigenen Figuren allesamt nicht mag. Es sind plumpe und negative Seitenfüller, die nicht nötig wären.

Auch die Angehörigen des Opfers werden nach diesem Muster beschrieben. Selbst Deboras Freundin Jessica interessiert sich nur für Diäten, Männer und Mode. Debora sich immerhin für Diäten, Männer und Morde.

Es ist kein Wunder, dass vor diesem Kontext der Mordfall vor lauter Privatleben in den Hintergrund tritt. Der Mordplot wäre eigentlich nicht mal so schlecht, bis am Ende kann man miträtseln, aber er geht leider in den Befindlichkeiten ein wenig unter. 

Fazit: Der Mordfall wäre okay, aber die Autorin sollte dringend an ihren oberflächlichen Figuren arbeiten. Einen halben Punkt mehr als Auftakt-Bonus. 
3.5 Punkte.



Montag, 20. Mai 2019

Ein Sommerhaus in Cornwall von Debbie Johnson

Klappentext:
Pippa hat alle Hände voll zu tun, seit sie nach dem Tod ihrer Eltern deren Farm, die Ferienhausvermietung und die Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister übernommen hat. An ein Date hat Pippa schon seit langem nicht einmal mehr gedacht. Doch dann spaziert Ben Retallick auf den Hof und fragt nach einer Unterkunft, und sofort ist Pippa klar: Für diesen Mann lohnt es sich definitiv, die Gummistiefel wieder einmal gegen etwas Schickeres zu tauschen und vielleicht sogar eine Sommerromanze zu riskieren. Doch Bens Vergangenheit droht sie einzuholen, und Pippa muss ihre Gefühle in den Griff bekommen.  


Von Debbie Johnson kenne ich die "The Comfort Food Café"-Serie, die mir sehr gut gefällt. Deshalb war ich auf ihren aus dem Jahr 2015 stammenden Roman, der aber erst jetzt auf Deutsch übersetzt wurde, gespannt.

Autor Ben Retallick mietet sich in einem Cottage auf Pippas Hof ein. Ben möchte hier in Ruhe einige Wochen an seinem neuen Roman schreiben. Doch schon bei seiner Ankunft muss er erst mal eine Kuh bändigen und sieht sich drei kleinen Kindern gegenüber sowie Pippa, die nicht die Klempnerin vom Dienst ist, wie es für Ben zuerst aussieht. 

Wie es sich für eine Protagonistin aus der Feder von Debbie Johnson gehört, ist Pippa schlagfertig und in keinster Weiser wortkarg. Aber sie trägt auch viel Verantwortung für eine junge 21jährige Frau. Seit ihre Eltern vor drei Jahren bei einem Autounfall ums Leben kamen, kümmert sie sich um ihre vier Geschwister. Neben den neunjährigen Zwillingsmädchen ist da noch der vierjährige Scott und der siebzehnjährige Patrick. Alleine stemmt sie die Ferienhausvermietung, zieht ihre Geschwister auf und sorgt für die noch übrigen Tiere auf dem Bauernhof. Pippa fühlt sich vom 32jährigen Ben fast sofort angezogen, umgekehrt auch, doch da ist so vieles, was gegen die zwei spricht. 

Eigentlich hätte die Geschichte unglaublich viel Potential. Auch die Charaktere wären sehr interessant, Ben mit seiner Vergangenheit und Pippa als Mutterersatz für ihre Geschwister. Doch leider macht Debbie Johnson nicht viel draus. 

Anstatt wie sonst eine einfühlsame Geschichte daraus zu zimmern, wird es zu einem Roman, der besser in der Erotikecke platziert werden sollte. Es geht in der Geschichte  vor allem um die sexuelle Anziehungskraft der beiden und plötzlich spielt die Zeit, die Pippa neben ihren Aufgaben (wie oft beschrieben) gar nicht hat, keine Rolle mehr und sie hat plötzlich alle Zeit der Welt für den gemeinsam Spass im Bett mit Ben. Das wäre das eine, aber was ich total daneben fand, ist die sehr vulgäre Bettsprache, die nicht zu den sehr sensibel beschriebenen Figuren passt. 

Leider bleibt somit der ganze interessante Teil mit dem alten Jensen, der dem pubertären Patrick Halt gibt und einiges anderes auf der Strecke. Es ist anscheinend auch kein Problem mehr, dass Ben ins Pub geht - kein Ton mehr darüber, dass er dort erkannt werden könnte und ob er sich dort sicher fühlt oder nicht. Oft beschreibt er sich als arrogant, aber das ist er nicht. 

Man merkt leider deutlich, dass "Ein Sommerhaus in Cornwall" einer der ersten Romane der Autorin ist - es liest sich mehr wie ein Übungsstück als ein durchdachter Plot.

Fazit: Der Rahmen hat einiges Potential, doch es wurde nicht genutzt und schlecht umgesetzt. 
3 Punkte.


Freitag, 17. Mai 2019

Die Kirschen der Madame Richard von Tania Schlie

Klappentext:
185 Einwohner zählt das Dorf Montbolo in den französischen Pyrenäen. Als die Hamburgerin Miriam auf der Durchreise ein verwunschenes altes Haus inmitten eines verwilderten Kirschhains entdeckt, steht der Entschluss für sie fest: Sie bricht alle Zelte ab und wird Montbolos Einwohnerin Nummer 186. Miriam nimmt sich vor, ihr Haus im Alleingang zu renovieren und von nun an von der Kirschernte zu leben. Doch sie hat nicht mit der skurrilen Dorfgemeinschaft und den Eigenarten uralter Kirschsorten gerechnet – und schon gar nicht mit dem unverschämt charmanten Nachbarn Philippe, der ihr Herz höherschlagen lässt.


Das Cover ist bezaubernd - aber ich mag ja auch Kirschen und Geschichten, die sich in Gärten abspielen. Da kam der neue Roman von Tania Schlie gerade richtig, auch passend zur baldigen Kirschenernte in einem Monat. 

Nicht nur ein grosser Garten, sondern auch um die 50 Kirschbäume gehören zu dem kleinen Haus, in das Miriam Richard sich auf ihrer Reise in Frankreich spontan verliebt. Miriam liebt Blumen und Pflanzen und hat genug von ihrem Bürojob auf dem Hamburger Blumengrossmarkt. Als sie das Haus in den Pyrenäen sieht, ist es um sie geschehen und kauft es spontan. 

Naiv und blauäugig, ja, das weiss Miriam selbst, aber es musste einfach sein. Der Roman berichtet wie sie sich einlebt in Montbolo, das Haus und den Garten auf Vordermann bringt und sich um die Kirschbäume kümmert. Denn künftig möchte sie vom Verkauf der Kirschen leben. Einfacher gesagt als getan, die ersten Schwierigkeiten warten schon hinter der nächsten Hecke. Hält sie durch oder gibt sie auf? Einige Bewohner wetten bereits darauf. Und gelingt es Miriam, ihre Freundin Fredo in Hamburg zu überzeugen, dass es ihr gut geht, auch wenn es manchmal schon ein wenig einsam ist, oberhalb des Dorfes zu leben? 

"Die Kirschen der Madame Richard" ist ein ruhiger Roman. Um sich auf die gemütliche Geschichte einzulassen, müssen ungeduldige Leser die Spannung aushalten können, dass hier eben gar nicht so viel passiert. Das Ziel, Miriams Leben von der hektischen Grossstadt ins ländliche, kleine Dorf zu verlagern und dieses neue,  Leben zu beschreiben, ist der Autorin Tania Schlie gelungen.

Pflanzenliebhaber, die sich gerne in Gärten aufhalten und das gemächliche Leben mit der Natur lieben, werden auf ihre Kosten kommen. Die Beschreibungen von den Wahrnehmungen im Garten, sei es der kleine Steinkauz oder die Fledermäuse, mit denen Miriam sich das Haus teilt, sowie die Einschübe des Gartentagebuchs vom Vorbesitzer Gaston Bonnefoi sind wunderschön. Auch Miriams Marktbesuche und -käufe, bei denen sie schon daran denkt, was sie aus den Leckereien alles kochen möchte, konnte ich absolut nachvollziehen.

Die Begegnungen mit den Dorfbewohnern und den daraus entstehenden Freundschaften habe ich mit stillem Vergnügen gelesen. Hinter den unauffälligen Frauen und Männern stecken so einige Überraschungen. Egal ob ihr Nachbar, der Geologe Philippe, die Bäckereiverkäuferin Pauline, Gärtnerhilfe Paul, Makler Oscar Poulenc, der Bürgermeister Frochot, zugleich einziger Hotelbesitzer (mit 3 Zimmern), Micheline Guilmette und Madame Gravelotte, deren Auto Miriam kauft - sie alle erobern Miriams und auch des Lesers Herz. 

Fazit: Der Alltagshektik entfliehen kann man bestens mit diesem Roman, der mich teilweise an "Vom Glück mit der Natur zu leben" von Edith Holden erinnerte. 
4 Punkte.


Montag, 13. Mai 2019

Krimi: Kretische Feindschaft von Nikos Milonas (Charisteas 1)

Klappentext:
Wenn Kommissar Michalis Charisteas morgens den Blick auf den malerischen Hafen seiner Heimatstadt Chania genießt, kann er sich nicht vorstellen, an einem anderen Fleck der Erde zu leben. Von den Bergen weht der Duft von blühenden Olivenbäumen herüber und vom Meer der Geruch von Salz und Muscheln. Alles wäre perfekt, könnte in diesem Moment seine Freundin Hannah bei ihm sein. Aber Hannah ist Deutsche und kommt nur alle paar Monate nach Kreta, was für Michalis und seine große Familie jedes Mal ein besonderes Ereignis ist. So auch an diesem Tag Ende April. Doch noch vor Hannahs Ankunft steckt Michalis mitten in einem neuen Fall. Der Bürgermeister des Nachbarorts wird vermisst und kurz darauf tot in einem Autowrack an der Felsenküste gefunden. Ein tragischer Unfall, wie es schnell heißt. Doch im Gegensatz zu seinen Kollegen gibt sich Michalis nicht mit einfachen Erklärungen zufrieden. Bei seinen nicht immer ganz offiziellen Ermittlungen stößt er auf alte Feindschaften, die weitere Opfer fordern werden.


Ich mag Krimis, die in Griechenland spielen - es gibt nur so wenige davon. Deshalb freute ich mich, als ich von diesem neuen Kriminalroman aus dem Fischer Verlag hörte. 

Der Ermittler dieser Serie ist der 30jährige Kommissar Michalis Charisteas. Er ist auf Kreta aufgewachsen, seine ganze Familie lebt hier. Nach einigen Jahren in Athen kehrte er wieder zurück und arbeitet nun in Chania unter seinem Onkel Jorgos, dem Leiter der Mordkommission.

Zu Michalis Team gehört Assistentin Myrta, IT-Spezialist Christos und Pavlos Koronaios, sein Partner. Die zwei ergänzen sich gut, auch wenn das nicht immer sichtbar ist. Michalis hat den ultimativen Riecher wenn etwas faul ist, ist ruhig und hat den Überblick. Koronaios ist der forsche Typ, der sich öfters ärgert über angeblich unwissende Zeugen, aber auch wenn Michalis mal wieder das Gefühl hat, dass an der Situation was nicht stimmt; insgeheim bewundert er ihn dafür.

Dieses unstimmige Gefühl hat Michalis, als sie aufgeboten werden, den verschwundenen Bürgermeister von Kolymbari zu suchen. Die Kollegen vor Ort nerven sich über die Einmischung, die vom Gouverneur der Insel angeordnet wurde. Koronaios ist selbst nicht begeistert, denn es kam öfters vor, dass Bürgermeister Stellos mal für einen Tag verschwand und dessen Frau Fehlalarm auslöste. Doch dieses Mal ist Michalis sich sicher, dass etwas passiert sein muss. Erst recht, als am Tag darauf Stellos in seinem Wagen an einem Felsvorsprung aufgefunden wird und das Team vor Ort die Spurensicherung nicht aufbietet und das Ganze als Unfall betitelt. Michalis legt sich mit Jorgos und dem Polizeivorsteher an, die den Fall abschliessen. Was Michalis nur noch mehr motiviert auf eigene Faust zu ermitteln.

Doch der Zeitpunkt ist äussert schlecht. Denn seine deutsche Freundin Hanna landet am Tag als Stellos vermisst wird in Heraklion. Die ganze Charisteas-Familie - bestehend aus den Eltern Loukia und Takis, Bruder Sotiris und Schwester Elena - sie  alle rufen alle paar Stunden an und fragen nach, ob er es schafft sie abzuholen. Und als sie dann endlich da ist, haben die zwei kaum eine ruhige Minute vor lauter Familie. Die erst noch nicht versteht, wieso Hannah in Ruhe in ihrem Zimmer arbeiten will und dies nicht unten in der Taverna tut. Aber Hannah ist sympathisch, selbstständig und weiss die Griechen zu nehmen, was für viele Schmunzler sorgt.

Familie ist das Top-Thema in "Kretische Feindschaft" - privat und auch in Michaelis aktuellem Fall. Ich kann mir vorstellen, dass das Thema für einige Leser zu ausführlich behandelt wird. Doch das braucht es, einerseits ist Familie für Griechen wichtig und dann ist es der erste Teil einer Serie, in dem üblicherweise alle Beteiligten vorgestellt werden. Familie Charisteas mit ihrer Taverne im Hafen wird sicher auch in den weiteren Fällen eine grosse Rolle spielen. Andererseits ist es für den Fall interessant, dass eine funktionierende, gut miteinander arbeitende Familie charakterisiert wird und daneben eine Familiengemeinschaft gezeigt wird, die aufgrund vieler Geheimnisse ausser Kontrolle gerät.

So wie Michalis dargestellt wird - freundlich, aber stur wenns drauf ankommt und mit einem geschulten Auge für Details - freue ich mich auf weitere Fälle mit ihm und seinem Partner Koronaios.

Fazit: Der tolle Auftakt hat mich unterhalten und amüsiert, der Krimi gehört nicht nur in den Griechenland-Urlaub-Koffer gepackt. Neben viel Lokalkolorit und Raki erwartet den Leser auch einen spannenden, undurchsichtigen Fall. 
5 Punkte. 


Reihenfolge:
Band 1: Kretische Feindschaft  

Sonntag, 12. Mai 2019

Ein Haus fürs Herz von Veronica Henry

Klappentext:
Das kleine Anwesen „Hunter`s Moon“ ist ein Haus wie aus dem Bilderbuch. Gut versteckt und eingebettet im sanften Tal von Peasebrook war es über fünfzig Jahre das geliebte Zuhause der Familie Willoughby. Hier schrieb die Autorin Margot Willoughby ihre bekanntesten Romane. Nun ist es die Aufgabe der erfolgreichen Jung-Immobilienmaklerin Belinda, neue Besitzer zu finden. Auf der Suche nach der perfekten Familie offenbart das Haus lang gehütete Geheimnisse – und bringt Belinda dazu, sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen.



Wie bereits in "Liebe zwischen den Zeilen" ist auch "Ein Haus fürs Herz" in Peasebrook angesiedelt.

Ausserhalb dieser Ortschaft liegt das Anwesen der Familie Willoughby, das verkauft werden soll. Die jetzigen Besitzer Sally und Alex müssen aus gesundheitlichen Gründen umziehen. Es fällt ihnen enorm schwer, das Haus loszulassen. Denn "Hunter's Moon" ist das Haus von Alex Familie. Hier ist er mit seinen beiden Schwestern Annie und Phoebe aufgewachsen und er hätte das Haus eigentlich gerne seinen Kindern vermacht. 

Mit einer schönen, detaillierten Beschreibung von Hunter's Moon beginnt Veronica Henry ihren Roman in der Gegenwart. 

Der zweite Erzählstrang spielt 1967, als Sally Haushälterin auf Hunter's Moon wird. Sie ist fasziniert von der Ungezwungenheit der Familie Willoughby und gibt dem chaotischen Haushalt und der Familie ein bisschen Struktur. Dafür wird sie von allen geliebt. Insbesondere von Alex. 

Seine Mutter Margot ist eine berühmte Schriftstellerin und verdient das Geld in ihrer Familie. Sie ist extravagant, vergisst dabei aber ihren Mann Dai und verliert das reale Leben immer mehr aus den Augen.

50 Jahre später soll nun Belinda das erinnerungsträchtige Haus auf den Markt bringen. Belinda hat sich nach einer grossen Enttäuschung nicht unterkriegen lassen und ihr eigenes Maklerbüro in Peasebrook eröffnet. Belinda ist beliebt bei den Kunden und äusserlich stark, aber innerlich tief verletzt. Mit ihren zerplatzten Träumen kann sie deshalb Sally und Alex, aber auch deren Sohn Leo, besser verstehen, als diese ahnen.

"Ein Haus fürs Herz" schildert die Familiengeschichte der Willoughbys, und erzählt die Geschichten der drei Frauen eindrücklich. Mit Veronica Henrys spezieller liebevollen Art, ihre Figuren darzustellen, lernt man die Beteiligten schnell kennen und mögen. Wer ihre Bücher kennt, weiss, dass immer mehr hinter ihren Charakteren und dem Plot steckt, als auf den ersten Blick ersichtlich. 

Veronica Henry ist nicht umsonst eine meiner Lieblingsautorinnen, sie begeisterte mich auch mit diesem Roman wieder. 

Fazit: Eine wunderbare, emotionale Geschichte über ein Haus, dessen Schicksal in den Händen von Frauen liegt. 
5 Punkte.

Freitag, 10. Mai 2019

Krimi: Letzte Spur Algarve von Carolina Conrad (Anabela Silva 2)

Klappentext:
Auf einem abgelegenen Gehöft in der Algarve wird die Leiche einer Tierschützerin gefunden - unter den Hufen ihres eigenen Pferdes. Ein Unfall? Nein, meint Kommissar João Almeida. Doch mit seiner Mordtheorie ist er allein. Er bittet die deutsche Journalistin Anabela Silva, die vor einigen Wochen ins Dorf ihrer Eltern gezogen ist, verdeckt unter den Tierschützern zu recherchieren, darunter viele Deutsche. Anabela lässt sich darauf ein. Denn erstens fühlt sie sich zu Almeida hingezogen, und zweitens braucht sie seine Hilfe. Sie sucht die Spur eines Kindes, das während eines finsteren Kapitels portugiesischer Geschichte verschwunden ist.


In meiner Rezension des ersten Teils der Anabela-Silva-Reihe wünschte ich mir mehr Krimi und mehr Spannung für allfällige Nachfolgebände. Der zweite Teil ist gerade erschienen - meine Wünsche wurden erfüllt.

Die 42jährige Anabela wohnt seit nunmehr sechs Wochen wieder in Portugal im ehemaligen Haus ihrer Grosseltern und kann ihre Mutter bei der Pflege ihres an Alzheimer erkrankten Vaters unterstützen. Da Anabela als Journalistin keinen festen Job findet, und ihr das Übersetzen bei der Polizei in ihrem ersten Fall Spass machte, absolviert sie gerade eine Online-Ausbildung zur Dolmetscherin.

Kommissar Almeida hat erneut Arbeit für Anabela, allerdings inoffiziell: eine Dänin wurde tot in ihrem Stall aufgefunden. Im Gegensatz zum Staatsanwalt glaubt Joao an einen Mord, aber der Fall wird eingestellt. Deshalb soll Anabela inkognito in einem Tierheim als Freiwillige mitarbeiten und für ihn die Ohren offen halten. Die Tote arbeitete im Tierheim mit und Joao hofft, durch Anabela an interne Informationen über Frau Steen ranzukommen. 

Anabela bittet Joao im Gegenzug, ihr Infos zu ihrem als Baby verschollenem Cousin zu besorgen, denn sie möchte den letzten Wunsch ihrer verstorbenen Tante erfüllen. Almeida findet eine Spur, der die beiden folgen.

Während Anabela oft - journalistisch und charakterlich geprägt - aufmüpfig und forsch Fragen stellt, ist Joao ganz der ruhige Kommissar, der sich mit undurchsichtiger Miene mit Zeugen unterhält. Beide sind sympathische Zeitgenossen und ergänzen sich prima. Dies sieht Paulo Pinto ein wenig anders, es wird erzählt, wieso Pinto die Deutsche nicht mag. Vielleicht ändert er seine Meinung im dritten Band ja noch...

Interessant ist das Setting der Serie. Während andere Portugalkrimis in Lissabon, Porto oder in Fuseta angesiedelt sind, spielt diese Reihe an der Ostalgarve, im Grenzland zu Spanien. Dieser geografische Begebenheit baut Carolina Conrad geschickt in ihre Krimis mit ein. 

Der Autorin ist es in "Letzte Spur Algarve" perfekt gelungen, eine Symbiose zwischen journalistischem Stil und polizeilichen Ermittlungen zu schliessen. Somit ist der zweite Band schlüssiger und um einiges spannender als der erste Band. In den Fall um die tote Dänin hat Carolina Conrad diverse Themen eingepackt. Auch durch die unterschiedlichen Ermittlungsansätze kommt Pfupf in die Geschichte, so dass es Spass macht den Krimi zu lesen. 

Fazit: Toller zweiter Band, um einiges packender und interessanter als der Vorgänger. 
4 Punkte. 

In diesem kurzen Video erzählt die Autorin ein wenig über sich selbst und über die Anabela-Silva-Serie: 



Wer sich für Spaniens geraubte Kinder interessiert, dem empfehle ich den Roman "Julias Geheimnis" von Juliet Hall, er behandelt die Thematik ausführlich. 

Reihenfolge:
Band 2: Letzte Spur Algarve

Donnerstag, 9. Mai 2019

Krimi: Madeirasturm von Joyce Summer (Avila 2)

Klappentext:
Ein Sturm zieht auf. Im Hafen von Funchal wird die Leiche eines Touristen angespült. Madeira rüstet sich, um eine Katastrophe und weitere Tote zu verhindern. Leticia Avila hat dagegen andere Pläne. Sie überredet ihren Mann, mit ihr das Wochenende in einem romantischen Hotel in den Bergen zu verbringen. Aber der scheinbar so idyllische Ort wird bald gestört: Eine Leiche treibt am morgen im Hotelpool. Abgeschnitten von der Zivilisation versucht Comissario Avila, dem Sturm und den Machenschaften des Mörders zu trotzen. Wird es ihm gelingen, seine Familie zu beschützen? 



Kommissar Avila lernte ich in "Mord in der Levada" kennen, später in "Madeiragrab" war seine Frau schwanger. Und nun, in seinem zweiten Fall ist Avila stolzer Vater eins fünf Monate alten Mädchens.

Nachdem seine Schwiegermutter über drei Wochen bei den Avilas zu Besuch war, steht der Besuch des Schwiegervaters bevor. Avila graut es davor, er hätte einfach gerne wieder Ruhe. Als eine Wasserleiche gefunden wird, hofft er sich mit den Ermittlungen beschäftigen zu können. Aber diese werden eingestellt. Pech für Avila, nun muss er mit Frau, Kind, Schwiegervater und seinem Chef und dessen Frau für ein Wochenende in ein Hotel fahren. Eigentlich sollte es dort entspannter sein als zuhause, doch durch ein heftiges Unwetter werden sie von der Umwelt abgeschnitten. Und dann treibt auch noch eine Leiche im Pool.

Während Avila und sein Chef Lobo alles Mögliche versuchen, um herauszufinden, was mit der toten Person im Pool passierte, werden unten im Tal die Ermittlungen betreffend der Wasserleiche durch Vasconcellos, Baroso und die Gerichtsmedizinerin Souza wieder aufgenommen. Neu zum Team stösst Sargento Fonseca mit seinem Spürhund Galina.

Der Leser wird nun Zeuge davon, dass beide Fälle irgendwie zusammen hängen. Doch da die Teams nicht miteinander kommunizieren können, wissen sie selbst nichts davon. Die jeweils fehlenden Teile der Ermittlungen werden erst gegen Ende herausgefunden, als sie zumindest zeitweise wieder telefonieren können. Damit bleibt der Fall spannend bis zum Schluss.

Der Hotelteil erinnert an klassische Whodunit-Krimis - einer von den sich im Hotel aufhaltenden Personen muss etwas mit den Morden zu tun haben. Bloss wer? Motive hätten einige der Anwesenden. Avila arbeitet unter Hochdruck, Lobo ist keine grosse Hilfe. Und je näher sie der Lösung auf die Spur kommen, je stärker sind sie alle in Gefahr. 

Die Atmosphäre oben im Hotel ist aufgrund des Unwetters sehr düster. Irgendwie wollte mir das nicht so recht passen, auch wenn mir klar ist, dass auf Madeira nicht immer die Sonne scheint. Leticia, Ines und ein paar andere Charaktere fand ich teilweise sehr blauäugig und naiv - das mussten sie zum Gelingen der Geschichte leider sein.

Die Zusammenarbeit im Tal-Team fand ich gelungen, Vasconcellos und Souza zeigen Eigeninitiative und nutzen ihre Kontakte. Insgesamt ein interessanter und fesselnder Krimi.

Fazit: Stimmiger und packender zweiter Fall für Commissario Avila! 
4 Punkte.


Reihenfolge:
Band 1: Madeiragrab
Band 2: Madeirasturm