Dienstag, 7. April 2020

#litlovetalk April 2020

Wir stellen euch von Januar bis November 2020 - bis zur lit.love 2020 - monatlich an jedem 7. Tag (also heute am 7. April, am 7. Mai, am 7. Juni, etc.) eine Frage zu Romanen, die von lit.love-AutorInnen geschrieben wurden. 

Wir freuen uns, wenn ihr sie gemeinsam mit uns beantwortet. Entweder per Kommentar, auf euren Blogs oder Social Media Kanälen. Verwendet dabei den Hashtag #litlovetalk - so heisst unsere Aktion, die die Wartezeit zur nächsten lit.Love verkürzen soll. Die Links zu euren Antworten auf euren Blogs dürft ihr gerne in den Kommentaren verlinken. 


Die Aprilfrage lautet:



Nicht gelesen nicht - aber vielleicht einfach viel später. Zum Beispiel las ich Anna Paulsens "Liebe M. du bringst mein Herz zum Überlaufen" im Zug nach München an meine erste lit.Love 2018. Da ich wusste, dass ich als ersten Programmpunkt ein Bloggermeeting mit Anna Paulsen alias Heike Abidi in der Bloggerlounge habe, wollte ich das Buch "schnell" noch lesen, damit ich weiss, was die Autorin erzählt oder um passende Fragen zu stellen. Der Roman war so toll, ein Jahreshighlight, und so hab ich auch ihren zweiten Roman Anfang 2019 mit Vergnügen gelesen. 

An derselben lit.Love sass ich am Sonntag beim Hotelfrühstück neben Bettina Storks und Maria Nikolai, haben uns dabei nett unterhalten, so dass ich später am Tag ihre Lesungen besuchte. Die haben mich dann so neugierig gemacht, dass ich eineinhalb Monate später während #mitlitloveüberdiefeiertage ihre Romane gelesen habe. Bettinas erster Roman "Das geheime Lächeln" überzeugte mich schlussendlich nicht so ganz, dafür umso mehr ihr zweiter, "Leas Spuren". Von Marias "Schokoladenvilla" erscheint im Herbst der dritte Teil, im März der dritte Roman von Bettina, "Klaras Schweigen" - klar, dass ich die beiden Bücher natürlich auch lesen werde!

2019 stellten wir litlove-Bloggerinnen über unseren Countdown, der elf Wochen vor der lit.Love begann, einige der Gastautorinnen vor. Dafür habe ich auch ein oder zwei Titel gelesen, die ich wahrscheinlich nicht gerade zu der Zeit, sondern vielleicht erst einige Monate später oder erst in diesem Jahr, gelesen hätte.

Für die Osteraktion 2019 durfte ich den ersten Roman von Persephone Haasis bereits an Ostern (anstatt erst im Mai) lesen. Eventuell hätte ich Persephone ohne die lit.Love nicht entdeckt. Nach "Ein Sommer voller Himbeereis" ist mir klar, dass ich auch ihren zweiten Roman "Küsse im Aprikosenhain", der als eBook am 1. April erschienen ist und als Printausgabe ab dem 13. April erhältlich ist, schon bald lesen werde.


Danke lit.Love - ich bin froh, alle diese Autorinnen entdeckt zu haben!

Wie ist es bei euch, welche Autorin habt ihr der lit.Love zu verdanken?   


Damit es für euch einfacher ist passende Bücher zu finden, findet ihr hier die Autorennamen auf einen Blick:





Hier findet ihr weitere Antworten auf die heutige #litlovetalk-Frage:
- Caroline von Marie's Salon du Livre
- Ute von Scarlett59

Montag, 6. April 2020

Mord in Barcelona von Isabella Esteban (Jaume & Montse Soler 1)

Klappentext:
Auf dem Friedhof Montjuïc in Barcelona wird eine Tote gefunden, die dort nicht hingehört: Die Frau, eine deutsche Touristin, wurde ermordet und nur stümperhaft versteckt. Comissari Jaume Soler von der Kriminalpolizei übernimmt den Fall, aber für ihn und sein Team gibt es nur wenig Anhaltspunkte. Daher beschließt Jaumes Schwester Montse, die die Tote zufällig kannte, ihrem Bruder bei der Aufklärung zu "helfen." Zwischen pittoresken Gräbern, engen Gassen und der Brandung am Meer bringt das unfreiwillige Ermittlerduo nach und nach ein tödliches Drama ans Licht, das noch lange nicht zu Ende ist.



Der Einstieg in diesen Krimi fiel mir schwer. Nach einem Prolog folgen vier kurze Kapitel, die je aus der Sicht einer anderen Person erzählt werden. Somit wurde ich jedes Mal wieder auf Anfang gesetzt. Ausser diesen Bruchstücken hat man noch nichts und weiss zu diesem Zeitpunkt auch nicht, wer welche Rolle inne hat. Erst als Jaume etwas länger ins Spiel kommt, kam ich langsam in die Geschichte rein. 

Sie handelt von einer tot aufgefundenen deutschen Fotografin, deren Kamera fehlt; einem Zimmermädchen, dem auffällt, dass an der Türe eines Hotelzimmers seit einigen Tagen das Schild auf "nicht stören" steht und dies nicht sofort meldet; dem Sohn des Opfers, der sich komisch verhält und einigem mehr. 

Jedes Kapitel ist mit Datum, Uhrzeit und Person, von der es handelt, überschrieben. Man weiss deshalb zwar um wen es gerade geht, aber sympathisch finde ich das nicht. So wirkt es eher wie ein Beschattungsbericht. Leider macht der ganze Krimi diesen Eindruck - ich fand den Zugang auch nachher nicht. 

Potential wäre vorhanden, besonders Jaume Soler hat was. Aber nur schon der Grund wieso seine Schwester Montse ermittelt, scheint sehr konstruiert. Ebenso einige Witze, die auf dem Kommissariat gerissen wurden, sie kommen mehr gewollt als gekonnt rüber. Die Figuren wirken alle kühl, egal ob Montse, die Polizisten oder der Sohn des Opfers. Selbst bei Doris, dem Opfer, ist nicht klar, weshalb genau sie nach Barcelona reiste. Nicht schlüssig erzählt empfand ich die Sache mit der Kamera, da bleiben einige Fragezeichen zurück. 

Dem Krimi fehlt es an Emotionen und Leidenschaft und wirkt extrem kühl, man merkt nicht einmal, dass "Mord in Barcelona" von Isabela Esteban (ein Pseudonym der deutschen Autorin Brigitte Pons) im Sommermonat August spielt - höchstens vielleicht wegen der Flipflops, die einer der Charaktere trägt. 

Einzig die Location, die Stadt Barcelona, wurde gut eingefangen. Barcelonakenner wissen jederzeit, wo sich die Figuren gerade aufhalten. 

Der Fall an sich kann nicht wirklich überzeugen, und ich glaube nicht, dass ich dem zweiten Fall eine Chance geben werde. 

Fazit: August in Barcelona - doch davon merkt man nichts. Kühle durchzieht diesen Krimi und begeistert mich nicht. 
3 Punkte. 

Mittwoch, 1. April 2020

Krimi: Tante Poldi und der Gesang der Sirenen von Mario Giordano

Klappentext:
Es ist so weit: Die Poldi heiratet Montana. So jedenfalls der Plan. Die Hochzeitsvorbereitungen laufen auf vollen Touren, bei manchen liegen die Nerven bereits blank. Aber - man kennt das - Sizilien ist kompliziert, immer kommt was dazwischen. Ein unbeliebter Unternehmer verschwindet. Fiel er etwa in die Hände der Mafia? Und auf der Isola Bella vor Taormina wird die Leiche einer jungen Frau angespült. Die schöne Slowakin ist an einer Überdosis Ketamin gestorben. War es Selbstmord? Ein Unfall? Für die Poldi steht bereits fest: Mord. Zwei gute Gründe, die strapaziösen Vorbereitungen einer sizilianischen Hochzeit erst mal ad acta zu legen und stattdessen dem Jagdinstinkt zu folgen.


Wenn in China ein Reissack umfällt, sind die Auswirkungen bis nach Italien zu spüren. Das sieht man nicht nur jetzt in der Corona-Krise, sondern auch bei Tante Poldi auf Sizilien. 

Auch dort ziehen bestimmte Vorkommnisse ihre Kreise. Poldi wird von einem windigen Geschäftsmann um Hilfe gebeten - es geht um Poldis Schwester Maria, Lügen, Drogen und enorm viel Geld. 


Der Neffe bekommt erst mittendrin was mit, kann aber mit hilfreichem Wissen beitragen. Er wird dafür von den Hochzeitsvorbereitungen für Montana und Poldi befreit. Und wie es so kommt: auch die Ermittlungen von Poldis Team haben Konsequenzen und alles kommt anders als erwartet. 


Es gibt Überraschungen en masse, kaputte Handys, defekte Autos und auch der eine oder andere Tote bis zum allumfassenden und stimmigen Happy End für alle. 


Wie immer temperamentvoll und temporeich verfasst, die Italianità tropft aus allen Poren - danke lieber Neffe für die tolle Zeit, die wir mit euch in Torre Archirafi bisher verbringen durften. Wir Leser fühlen uns fast dort schon so heimisch wie du dich. 

Fazit: Temporeich und witzig wie immer - ein tolles Finale mit viel Grandezza! 
4.5 Punkte. 

Dienstag, 31. März 2020

Lesebiografie März 2020

Was für ein Monat! Wer hätte Ende Februar gedacht, dass innert zwei, drei Wochen die ganze Welt still steht! 

Und nun sind wir schon in unserer dritten Woche Home Office - ich bin es mich ja gewohnt, nur eben ohne Familie zuhause. Wir haben das Glück, das jeder sich in ein eigenes Zimmer zurück ziehen kann, so dass wir uns bisher nicht mehr nervten als sonst auch ;-) Ausserdem sind wir und unsere Angehörigen alle gesund, uns geht es also gut. Ich hoffe, euch allen auch! 


Zu lesen haben ich und meine Tochter dank eReader (beide) und vollem SuB (ich) genug. Mein Mann hat seine Filme. Es fehlt uns an nix (höchstens Blumen!), ausser halt spontane oder geplante Treffen mit Freunden, die man vermisst, oder die Freiheit schnell mal irgendwo einen Kaffee trinken zu gehen. Aber es geht ja der ganzen Welt gleich. Den April schaffen wir auch noch und dann schauen wir, wie es weiter geht. 

Im März habe ich 18 Bücher gelesen. Leider waren nur wenig wirklich tolle dabei. Darüber hab ich mich mit einer Bloggerfreundin ausgetauscht, auch ihr ging es ähnlich - wir mussten letzte Woche lange überlegen (und nachsehen gehen), als es darum ging, welche Bücher uns im März wirklich vom Hocker hauten und eben besser als "nur" gut (= 4 Punkte) sind. Bei mir war es "Sophias Hoffnung" von Corina Bomann und der (bei der Diskussion noch nicht gelesene) Krimi "Der tote Carabiniere" von Dino Minardi.

Enttäuscht war ich vor allem von "Ich erfinde dir Paris". Letztes Jahr erschien das Hardcover und eigentlich wollte ich den Roman schon da lesen, kam aber nicht dazu. Deshalb griff ich jetzt, da die Taschenbuchausgabe am 4. April erscheint, zu diesem Titel. Die Story konnte mich nicht überzeugen, sie war seltsam komisch und langweilig. Immerhin wollte ich noch das Ende wissen und habe bis zum Schluss durchgehalten. Bei "Das Beste kommt noch" war ich so gelangweilt, dass ich nicht mal mehr das Ende erfahren wollte. Auch jetzt noch, zwei Wochen später, ist mir das Ende total egal, auch wenn einige andere das Buch toll finden. Dass mich an einem Buch das Ende null interessiert, kommt wirklich selten bis gar nicht vor - dabei war der Anfang recht gut. Item. 

Meine März-Leseliste im Überblick:

1 Punkt:
- Ich erfinde dir Paris von Liam Callanan

2 Punkte:
Das Beste kommt noch von Richard Roper (nach 250 Seiten abgebrochen) 

3 Punkte:
Zu wahr, um schön zu sein von Gabrielle Engelmann  
- Emilie und das kleine Restaurant von Annie L’Italien 

3.5 Punkte:
Dear Oxbridge von Nele Pollatschek 
- Ein Sommer im Alten Land von Julie Peters 
Die verschwundene Braut von Bella Ellis (Brontë-Schwestern 1) 

4 Punkte:
- Der Schmetterlingsgarten von Marie Matisek (Capri 1)
- Wo das Glück in Büchern wohnt von Jenny Colgan (Happy Ever After 1)
Der Gin des Lebens von Carsten Sebastian Henn
Comisaria Fiol und der Tod im Tramuntana-Gebirge von Lucia de la Vega (Comisaria Fiol 1)
- Islandsommer von Kiri Johansson 
- Elsässer Intrigen von Jean Jacques Laurent (Jules Gabin 5) 
Liebe ist tomatenrot von Ursi Breidenbach 
- Tante Poldi und der Gesang der Sirenen von Mario Giordano (Tante Poldi 5) 

5 Punkte: 
- Sophias Hoffnung von Corina Bomann (Die Farben der Schönheit 1)
- Rückkehr nach Capri von Marie Matisek (KG Capri) 
- Der tote Carabiniere von Dino Minardi (Pellegrini 2) 

Im März habe ich zu allen gelesenen Büchern Rezensionen geschrieben und veröffentlicht, zudem die Rezension zu "Mitten im August" von Luca Ventura. Den Krimi hab ich bereits im Herbst gelesen, durfte da aber noch nichts verlauten lassen, da das Buch erst jetzt Ende März erschien. Die Rezension zu "Tante Poldi" kommt morgen, diesen fünften Poldi-Band lese ich heute Abend noch aus - er gefällt mir bisher gut und bekommt mindestens vier Punkte, deshalb habe ich den Titel dort eingetragen.  

Mitte März haben meine Tochter und ich einige Buchtipps für Teenager gesammelt. Letzte Woche erschien in meiner Heimatzeitung ein Artikel mit Lesetipps, die ich in einem dazu passenden Blogbeitrag ("Wie wärs mit einem Buch?") noch weiter erläuterte, bzw. mit den Rezensionslinsk versah. Denn auch wenn die Läden geschlossen sind: Bücher könnt ihr bei euren lokalen Buchhandlungen bestellen. Und wenn ihr schon länger mit einem eReader liebäugelt: viele Buchhandelsketten bieten gerade eReader-Aktionen an. 

Das Lesen geht weiter - so sehen es auch viele Verlage, die online Lesungen anbieten, wie zum Beispiel der dtv Verlag

Auch bei mir geht das Lesen weiter. Von den Neuerscheinungen warten folgende Bücher kommende Woche aufs Gelesen werden: 



Danach stehen noch einige April-Neuheiten auf meiner Leseliste. Ich hoffe schwer, dass ich mich im April ein wenig um meinen SuB kümmern kann, denn das habe ich im März leider nicht mehr geschafft. Da hier ab Ostern Schulferien sind, geht morgens der Wecker nicht und ich kann Nachts noch das eine oder andere Kapitel anhängen, ihr wisst schon "nur noch eins..." ;-) Von daher sehe ich das positiv, der SuB-Abbau könnte klappen, auch wenn es dann nur drei oder vier SuB-Bücher werden. 

Wie erging es euch im März? Konntet ihr euch auf eure Bücher konzentrieren, waren mehr gute oder enttäuschende dabei? Und welche Bücher habt ihr euch für April vorgenommen? 


Ich wünsche euch einen schönen April - bleibt gesund und bleibt zuhause! So ganz nach dem Motto:

Stay home and read a book or two or more... 





Montag, 30. März 2020

Émilie und das kleine Restaurant von Annie L'Italien

Klappentext:
Das Rezept für eine perfekte Geschichte: Man nehme drei Frauen, die wissen, was sie wollen, gebe eine gehörige Portion Gefühl dazu, vermische das Ganze mit dem unbändigen Wunsch nach Selbstbestimmung und garniere alles mit einer Prise Spitzzüngigkeit. Nicht zu vergessen, die Geheimzutat: der Inhalt des rätselhaften grünen Koffers aus der Vergangenheit. Voilà! Davon kann man nicht genug bekommen. Nachschlag, bitte!





Erst als ich das Buch in der Hand hielt, merkte ich, dass es sich um eine Zeitebenengeschichte handelt, denn die drei Frauen aus der Kurzbeschreibung -  Émilie, Hélène und Marie-Juliette - leben zu unterschiedlichen Zeiten: 2016, 1967 und 1934.

Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich den Roman jetzt wohl nicht gelesen, denn ich hatte Lust auf eine Freundinnen-Geschichte. Ich war als sehr gespannt auf den Inhalt.

Der Roman spielt im französichen Teil von Kanada, in Saint-Henri, einem Quebecer Vorort und beginnt 2016, als Émilie sich einen bekannten Koch als Mentor sucht. Sie träumt von ihrem eigenen Restaurant und wird von ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn unterstützt.
Hélène trennt sich 1967 von ihrem Mann, zu einer Zeit, in der man sich noch nicht so leichtfertig trennte. Um für ihre Kinder zu sorgen, baut sie sich ein Catering-Service auf.
Marie-Juliette hat 1934 tolle Eltern, die sie unterstützen in ihrem Bestreben Chefkoch zu werden - in der Zeit, in der "man" erwartete, dass eine Frau so schnell wie möglich heiratet.

Was die drei Frauen miteinander verbindet, ist die Liebe zum Kochen. Zudem wirkt ein in Émilies Küchenschrank gefundener grüner Koffer wie ein roter Faden und bringt am Ende die drei Zeiten und Geschichten der Frauen zusammen.

Der Erzählstil ist speziell. Es ist, als ob ein Aussenstehender die Geschichte einem Publikum erzählt und die Zuschauer immer mal wieder etwas fragt, ebenso auch die Protagonistinnen anspricht. Es wirkte mehr beobachtend als richtig mit Herz und Seele erzählt, ein wenig wie aus der Zeit gefallen.

So fiel es mir schwer, eine Verbindung zu den drei Frauen aufzubauen. Die Idee ist nicht schlecht. Selbst die Figuren wie auch deren Geschichten waren nett, aber sie wirkten zu brav und man kam durch diese Erzählweise nicht wirklich an sie ran. "Émilie und das kleine Restaurant" wirkt dadurch viel zu einfach, um zu überzeugen. Am besten gefiel mir noch die freche Marie-Juliette, Maju.

Zu einfach empfand ich auch die Rezepte. Es muss nicht immer Sterneküche oder irgendwas Besonderes sein, aber sie sollten ansprechend sein. Hier waren sie so einfach, dass man sich manchmal wundert - denn auch 1967 hat Schnittlauch und Petersilie anstatt viel Dill und einige Prisen Minze in einem Zaziki nichts zu suchen.

Die Rezepte stehen jeweils zwischen den einzelnen Kapiteln. Ebenso wird jedes Kapitel mit einem kleinen Rezept wie "1 Unze Neugier, 1 Prise Mut, 6 Tassen Dreistigkeit" überschrieben. Das ist nicht so meins, störte zwar nicht sehr, müsste aber auch nicht sein.

Fazit: Alles ein bisschen zu einfach und zu nett gehalten - "1 Prise Schärfe, 2 Tassen anderer Schreibstil" und schon würde der Roman gefälliger sein. 
3 Punkte. 



Sonntag, 29. März 2020

Krimi: Der tote Carabiniere von Dino Minardi (Pellegrini 2)

Klappentext:
Ein toter Carabiniere ist Angelegenheit der Carabinieri. Commissario Marco Pellegrini von der Polizia di Stato darf nicht ermitteln. Und das, obwohl er den Mann kannte. Salvatore Bianchi, vierzig Jahre im Dienst in Brunate hoch über den Dächern Comos, wurde von der Standseilbahn überrollt, die Touristen und Einheimische in das beschauliche Dorf befördert. Und Pellegrini saß auch noch in genau dieser Bahn! Ein tragischer Unfall? Oder wurde Bianchi auf die Gleise gestoßen? Ausgerechnet die Ehefrau des Verstorbenen legt ein Geständnis ab. Aber hat wirklich sie ihrem Mann nach dem Leben getrachtet? Zwar ist Pellegrini von den Ermittlungen ausgeschlossen, aber dass er in der "Bar della funicolare" Augen und Ohren offen hält, kann ihm niemand verbieten. Zufällig liegt die Bar nur wenige Meter vom Fundort der Leiche entfernt, und bei einem "caffè" gerät so mancher ins Plaudern.


Fünf Monate ist seit dem Mord an einem Studenten, Pellegrinis 1. Fall vergangen. Commissario Marco Pellegrini ist frühmorgens, nach dem obligaten ersten Caffé in der Bar, auf dem Weg nach Como runter. 

Doch die Funicolare fährt nicht weit - ein toter Mann liegt auf den Gleisen. Marco kennt ihn, es ist Carabiniere Bianchi. Am liebsten würde Marco selbst direkt anfangen zu ermitteln, doch dies ist Sache der Carabinieri - und Maggiore Visconti und Pellegrini sind sich gar nicht grün. 

Als Visconti die Ermittlungen schleifen lässt, wächst Pellegrinis Unruhe. Da er zum untätigen Zuschauen verdonnert ist, spürt man diese richtiggehend. Irgendwann hat er genug. Als Brunatesi hat er eh das Gefühl etwas machen zu müssen, und so tauscht er das Kommissariat mit der Bar - jetzt kommt Leben in die Sache. 

Von Marcos Team tritt diesmal nur Claudia Spagnoli auf, dafür verstärken sich die im ersten Band bereits angesprochenen Familienprobleme. Doch am Ende des Krimis hat Marco nicht nur selbige fürs Erste entschärft, sondern auch den Fall souverän gelöst.

Dieser Fall machte Spass. Dino Minardi legt einige Motive vor, so dass es an Pellegrini ist, allen Fährten nachzugehen und die richtige Spur zu erwischen. Auch die Leser werden zum Miträtseln animiert.

Die Unstimmigkeiten, die ich im vorherigen Band kritisierte, sind hier nicht vorhanden, so dass man sich auf einen runden und ausgewogenen Fall mit einer Prise Galgenhumor am Ende freuen kann. Somit konnte sich Dino Minardi mit "Der tote Carabiniere" enorm steigern.

Fazit: Dieser zweite Band hat mich überzeugt -  er ist bedeutend stimmiger und interessanter als der erste Band. 
5 Punkte.


Reihenfolge:
Band 1: Ein Espresso für den Commissario
Band 2: Der tote Carabiniere

Samstag, 28. März 2020

Liebe ist tomatenrot von Ursi Breidenbach

Klappentext:
Dolce Vita und Amore – warum nicht? Die 40-jährige Nelli fährt spontan mit ihrem Freund Luca für einen romantischen Kurzurlaub nach Italien. Dort verliebt sie sich sofort in das kleine sonnengeküsste Dorf, durch dessen Gassen der Duft der köstlichsten Tomatensoße zieht, die Nelli je gegessen hat. Auch wenn sie bezweifelt, dass Luca der Mann für den Rest ihres Lebens ist, freut sie sich auf ein paar ruhige Tage an diesem idyllischen Ort. Neugierig streift sie über die umliegenden Felder, wo die saftig glänzenden Tomaten unter azurblauem Himmel in der Sonne reifen. Doch als sie dabei dem attraktiven Halbitaliener Roberto begegnet, der sie in die Geheimnisse der Tomatenernte einweiht, stehen Nellis Gefühle noch mehr kopf.


Der Anfang des Romans fand ich ein wenig langweilig, da er mich recht klischeehaft dünkte - ganz nach dem Motto verfasst: "Die Welt geht unter wenn man 40 wird".

Doch dann steigert sich die Geschichte enorm. Sie wird an dem Zeitpunkt "interessant", als Nelly und Luca in Italien ankommen. Nelly bereut, dass sie nicht besser hin gehört hat, als Luca ihr davon erzählte. Statt Urlaub zu zweit, gibt es Familienurlaub par Excellence, denn Lucas gesamte Verwandtschaft ist vor Ort.

Nelly hat Gewissensbisse, als sie mit ihrer Affäre, dem 16 Jahre jüngeren Luca vor seiner sympathischen Sippe auftaucht. Probleme hat aber eigentlich nur Nelly damit. Erst recht als sie dem attraktiven Mittvierziger Roberto begegnet. Noch mehr, als sie erfährt, wer er ist.

Ursi Breidenbach hat mit "Liebe ist tomatenrot" eine unterhaltende Geschichte geschrieben, die mit einem Thema aufwartet, über das man in Romanen nicht sehr oft liest: ältere Frau mit jüngerem Lover. Die Autorin hat die Generationenkonflikte gut aufgezeigt - und ebenso gut gelöst. Auch Nellys Gedanken über ihre Situation, das Pro und Contra, ja halt die ganze Auseinandersetzung mit so einer Beziehung, und schlussendlich das sich-selbst-finden haben mir gut gefallen.

Das Setting, ein kleines italienisches Dorf, Tomatenfelder und ein kleines verfallenes Häuschen, bezaubern. Mit einem liebevollen Blick für Details werden Kleinigkeiten wie zum Beispiel die Möbel und die Pflanzen vor der Cassata beschrieben.

Glaubhafte Missverständnisse sorgen für nötige Spannung und Überraschungen. Gekrönt wird die Geschichte mit einem angenehmen, humorvollen Schreibstil. Begleitet wird sie mit einem grossen Hunger auf Spaghetti mit ganz viel Tomatensauce.

Fazit: Ab der Reise nach Italien macht es Spass, den Roman zu lesen. So dass am Ende wohl alle LeserInnen dasselbe wollen: Urlaub in der Cassata in Tabbio verbringen. 
4 Punkte.