Montag, 22. Juli 2019

Winter im kleinen Brautladen am Strand von Jane Linfoot (Wedding Shop 2)

Klappentext:
Vor den Fenstern des kleinen Brautladens fällt Schnee, während Sera in ihrem gemütlichen Atelier Brautkleider entwirft. Zwischen ihren Fingern werden weiße Träume wahr. Nur ihre große Schwester Alice hat Sera noch nicht einmal nach einem Kleid gefragt. Doch dann geht in deren Hochzeitsplanung so einiges schief und Sera beschließt, ihrer Schwester zu der Winterhochzeit zu verhelfen, die sie verdient - auch wenn das bedeutet, dass sie sich mit gleich zwei attraktiven Trauzeugen herumschlagen muss.




Obwohl mir Band 1, "Der kleine Brautladen am Strand", wegen Poppys ewiger Plauderei nicht gefiel, griff ich zum zweiten Band. Die Idee mit dem Brautmodeladen gefällt mir und Sera fand ich im ersten Band schon sehr interessant und geheimnisvoll - ich wollte mehr über sie erfahren. 

Seras Schwester Alice heiratet. Alice plant ihre Hochzeit bereits seit drei Jahren aufs genaueste. Doch zwei Wochen zuvor kann sie ihre Arbeit nicht liegen lassen und beauftragt Alice, die Vorbereitungen der beiden Trauzeugen zu beobachten und zu helfen. 

Schnell wird klar, dass vieles nicht so machbar ist wie Alice das gerne hätte. Sera muss nun viel organisieren, zusammen mit dem einen Trauzeugen Quinn. Ein Womanizer, der nur zu oft verpeilt ist. Sera hingegen muss ihr Rückzugsort, ihr Atelier, verlassen und ihm unter die Arme greifen. Sie ist hin- und hergerissen von Quinn. Aber der zweite Trauzeuge Johnny macht einen Strich unter Quinns Vorhaben und mischt sich die ganze Zeit ein. Sera ist genervt, denn Johnny und sie kennen sich von früher. Damals hätte mehr draus werden können, aber Johnny hat sich nicht mehr gemeldet. Er ist also genau der richtige, der über Quinns Unzuverlässigkeit lästert.

Neben dieser Dreiecksgeschichte geht es aber immer noch um die Hochzeitsvorbereitungen, die sehr turbulent ablaufen. Ausserdem fehlt auch kurz vor der Hochzeit noch der Bräutigam, das Hochzeitskleid passt nicht mehr und und und... Alle stehen kurz vor dem Verrücktwerden, doch die Hochzeit muss über die Bühne gebracht werden. 

Dieses Mal ist es Jane Linfoot gelungen, eine schlüssige Geschichte zu verfassen, die mir gefiel. Sera ist ein toller Charakter. Stimmig wird ihr Leben erzählt, nicht nur ihr Liebesleben, auch die bisher schwierige Schwester-Beziehung wird geklärt.

Poppy hält sich hier angenehm zurück, redet zum Glück nur das Nötigste. So wie sie hier daherkommt, ist sie mir viel sympathischer als im ersten Band. Rafe und die Feuerwehrmänner springen auch hier wieder überall ein, wo Hilfe benötigt wird und auch Jess beweist, wieso ihr kleiner Brautladen so erfolgreich ist.

Wer mit dem ersten Band nicht klar kam, so wie ich, dem kann ich den zweiten Band empfehlen. Auch wenn man mit pompösen Hochzeitsgeplane nichts anfangen kann, liest sich die Story doch locker und lustig weg.

Ein bisschen Cottage, ein bisschen englisches Herrenhaus - für alle ist was da. 

Fazit: Ein turbulenter Weihnachtsroman, der auch im Sommer total erfrischend ist. 
4 Punkte. 

Reihenfolge: 
Band 2: Winter im kleinen Brautladen am Strand
Band 3: Sommer im kleinen Brautladen am Strand
Band 4: Weihnachten im kleinen Brautladen am Strand (erscheint am 11. September)

Sonntag, 21. Juli 2019

Krimi: Madame le Commissaire und der tote Liebhaber von Pierre Martin ( Bonnet 6)

Klappentext:
Untermalt vom Summen der Zikaden und Lavendelduft gleiten die Tage in Fragolin in der Provence friedlich vorüber. Bis das Undenkbare geschieht und das Städtchen jäh aus dem sanften Sommerschlummer reißt: Eines Morgens findet man den Bürgermeister Thierry – tot, mit durchschnittener Kehle. Zwar waren er und Kommissarin Isabelle Bonnet schon länger kein Paar mehr, dennoch trifft sein Tod Isabelle zutiefst. Dabei werden gerade jetzt die Fähigkeiten von Madame le Commissaire gebraucht, denn am Tatort gibt es keine brauchbaren Spuren. Und wer sollte schon einen Grund gehabt haben, den beliebten Bürgermeister zu ermorden? Ihre Nachforschungen führen Isabelle zum Tatort nach Sanary-sur-Mer, jenem Küstenort, in dem in den Dreißiger und Vierziger Jahren viele deutsche Künstler und Intellektuelle Zuflucht gefunden haben. 


Der Klappentext verrät es bereits - Bürgermeister Thierry überlebt den sechsten Band nicht. Ich war schon ein wenig geschockt, als ich das las. Ein zentraler Charakter, der aus der Serie geworfen wird. Das ist fast ein wenig so, wie wenn bei TV-Serien Schauspieler, die die Serie verlassen wollen, verunfallen oder ermordet werden.

Madame le Commissaire, Isabelle Bonnet, ist auch geschockt. War Thierry doch längere Zeit ihr Geliebter. Alles in diesem Band dreht sich um die Frage, wer Thierry auf dem Gewissen hat. Natürlich hat auch Balancourt wieder einen kleinen Auftrag für Isabelle parat.

"Madame le Commissaire und der tote Liebhaber" kommt eher gemütlich als spannend daher, gerade wenn man als aufmerksamer Leser schnell merkt, in welche Richtung Isabelle und Apollinaire eigentlich ermitteln sollten. Trotzdem wurde ich gut unterhalten, mich störte nur folgendes wirklich:

Gegen gelegentliche französische Ausrufe habe ich nichts, aber etwas dagegen, wenn mit französischen Begriffen nur so um sich geworfen wird, wie in diesem sechsten Band. Wenn man der Sprache mächtig ist, liest man beides hintereinander, einmal auf französisch, einmal auf deutsch - das nervt, weil es hier die ganzen 352 Seiten hindurch so geht.

Es empfiehlt sich, die Serie in der richtigen Reihenfolge zu lesen, da jeder Fall auf den anderen aufbaut. Einiges aus den ersten Bänden wird zwar am Anfang wiederholt, was für Neueinsteiger hilfreich sein kann, dennoch bleiben ihnen viele Wissenslücken. Für treue Leser, die die Serie seit dem ersten Band an verfolgen, ist solch eine Zusammenfassung nicht notwendig.

Fazit: Ein sehr emotionaler Fall für Isabelle Bonnet - gut, aber die viel zu oft verwendeten französischen Begriffe sind unnötig.
4 Punkte.

Reihenfolge:
Band 6: ...und der tote Liebhaber 

Samstag, 20. Juli 2019

Krimi: Je kälter die Asche von Mary Ann Fox (Mags Blake 3)

Klappentext:
Mags Blake hat schlechte Laune. Sie vermisst ihren Freund, der in Oxford arbeitet, und ihr Transporter hat den Geist aufgegeben. Da kommt ihr eine Ausschreibung gelegen: Eine alte Zinnmine soll in ein Gartenparadies verwandelt werden. Mags ist sogar bereit, mit einem exzentrischen Londoner Landschaftsarchitekten zusammenzuarbeiten. Doch bevor sie ihre Pläne vorlegen können, brennt das Gebäude der alten Mine ab - und in den Trümmern wird eine Leiche gefunden. Schnell ist klar, dass es kein Unfall gewesen sein kann. Welche Geheimnisse birgt die alte Mine, für die es sich zu töten lohnt?



Ende des dritten Bandes hat es mit Sam und Mags endlich geklappt. Doch ihr Besuch bei ihm in Oxford verläuft nicht so wie geplant und Mags vermisst zudem Rosehaven.

Wieder zurück zu Hause erfährt sie von einem Gartenbau-Wettbewerb. Auf dem stillgelegten Geländer einer Zinnmine soll ein Besucher-Garten eröffnet werden. Kaum weiss Mags davon, hat sie tolle Ideen und beschliesst, sich anzumelden. Hilfe wird ihr auch gleich angeboten - von einem zurück gezogen lebenden Mann, der noch nicht so lange in Rosehaven wohnt und dessen Identität Mags noch überraschen wird.

Plötzlich brennt es in der alten Mine, eine Leiche wird gefunden. Und auch die Wettbewerbsteilnehmer leben gefährlich. Wer in Drabstock will verhindern, dass das Areal für Besucher zugänglich gemacht wird? Mags beginnt nachzuforschen, ein wenig sogar im Auftrag der Polizei, doch wer sie kennt, weiss, dass Mags sich nicht immer an die Auflagen hält.

"Je kälter die Asche" an sich ist stimmig und interessant und lädt zum Miträtseln ein.

Es hat nichts mit dem Fall an sich zu tun, der kommt nämlich gut ohne Sam aus. Aber mich störte, dass ein Vorfall, der ihn betrifft, hätte diskutiert werden müssen, damit die Sache in Oxford Sinn macht. Leider blieb die Erklärung aus.

Ich freue mich bereits auf den vierten Teil, in dem dann hoffentlich endlich die Geschichte um Mags Mutter erzählt wird.

Fazit: Ein gefährlicher, aber schlüssiger dritter Fall für Mags Blake. 
4 Punkte.

Reihenfolge:
Band 3: Je kälter die Asche

Freitag, 19. Juli 2019

Krimi: Der Kommissar und die Toten von der Loire von Maria Dries (Lagarde 10)

Klappentext:
Nach einem Ritterturnier auf einem Schloss an der Loire machen die Gäste einen grausamen Fund: Ein Mann wurde von Pferden zu Tode getrampelt. Doch der vermeintliche Unfall entpuppt sich schnell als Mord, das Opfer wurde mit einem Pfeil erschossen. Die örtliche Polizei ist überfordert und holt sich Hilfe von Commissaire Philippe Lagarde. Kurz darauf ereignet sich auf dem Areal eines anderen Schlosses ein ähnlicher Fall. Zwischen den Opfern scheint es keine Verbindung zu geben, doch Lagarde hat einen Verdacht, der ihn an seine Grenzen bringt.




"Der Kommissar und die Toten von der Loire" ist bereits der zehnte Fall der Krimiserie von Maria Dries.

Auch hier ermittelt Lagarde nicht in seiner Wohngemeinde, sondern wird als Einsatzleiter an einen Tatort geschickt. Einerseits gibt sich die Autorin so mehr Möglichkeiten die Fälle abwechslungsreich zu gestalten, andererseits vermisse ich als Leser das alte, bewährte Team von Barfleur. Es ist schade, nicht zu wissen, wie es den lieb gewonnenen Figuren aus den ersten Bänden ergeht. 

Nichtsdestotrotz ist auch der zehnte Fall sehr spannend geschrieben und zum Miträtseln geeignet. Wie so oft verstecken sich einige persönliche Dramen in der Geschichte, was die Fälle interessant macht. Auch wenn man zu Beginn denkt, die eine oder andere Person könnte verdächtig sein - was genau dahinter steckt und ob sie überhaupt mit dem Fall zu tun haben, erfährt man erst gegen Ende des Kriminalromans.  

In "Der Kommissar und die Toten von der Loire" freut sich die diensthabende Polizistin vor Ort, Yvonne Martel, gar nicht darüber, dass sie einen auswärtigen Kommissar vor die Nase gesetzt bekommt und will erst gar nicht mit ihm zusammen arbeiten. Als sie Lagarde kennenlernt, tut sie es dann aber doch, denn sie ist schnell von seinem wohlwollenden Wesen überzeugt. 

Der Fall ist happig: ein Bogenschütze tötet auf Schlössern an der Loire. Zuerst gehen die Ermittler von einer Einzeltat aus, doch als auf einem benachbarten Schloss jemand auf dieselbe Art ums Leben kommt, wird nach Verbindungen gesucht, die es aber kaum gibt. Erst durch aufmerksame Zeugen nähern sich Philippe und Yvonne der Lösung des Falles.

Fazit: Ein - wie immer - interessanter und unterhaltender Fall für Philippe Lagarde.
4 Punkte.

Reihenfolge:
Der Kommissar...
Band 9: ... und das Biest von Marcouf
Band 10: ... und die Toten von der Loire

Samstag, 13. Juli 2019

Krimi: Der Kommissar und das Biest von Marcouf von Maria Dries (Lagarde 9)

Klappentext:
Auf der einsamen Vogelinsel Île de Terre wird ein ermordetes Liebespaar aufgefunden. Jemand hat ihnen die Kehlen durchgeschnitten und mit dem Blut der Opfer eine Botschaft hinterlassen. Commissaire Philippe Lagarde tappt im Dunkeln, jede Spur scheint ins Leere zu führen. Kurz darauf werden zwei skelettierte Leichen gefunden. Auch an diesem Tatort entdecken die Ermittler eine zynische Botschaft des Mörders. Als ein weiteres Liebespaar plötzlich nicht mehr erreichbar ist, muss der Commissaire sich fragen: Ist er auf der Jagd nach einem Serienmörder?




Einmal mehr wird Kommissar Lagarde zu einer Ermittlung herbei gezogen. Immer öfter muss er nun in der ganzen Normandie die Polizei vor Ort unterstützen. 

Zusammen mit Gendarmin Annie Lucas soll er aktuell in Sainte-Mère-Eglise herausfinden, wieso ein Liebespaar auf einer kleinen, unbewohnten Insel ermordet wurden. Könnte der unbekannte Mann auf der Insel, der von einer Zeugin gesehen wurde, etwas mit dem Doppelmord zu tun haben?

Leider bleibt es nicht nur bei dem einen Mordfall und Lagarde und die Gendarmen suchen zwischen Pains au Chocolat bei den Wache-Besprechnungen und an der Küste in Hafenkneipen nach dem Täter. 

Lagarde ermittelt wie immer gründlich, er geht jeder Spur nach. Die jungen Gendarmen können jeweils viel von ihm lernen, Lagarde ist aber auch auf ihre Hinweise angewiesen und zählt auf Teamarbeit.

Die Suche nach dem Mörder ist packend geschildert. Wenn ich in der Gegend Ferien machen würde, ich würde glaub alle bisherigen Fälle noch einmal lesen.

Fazit: Spannender Fall inmitten einer schön beschriebenen Gegend.
4 Punkte.

Reihenfolge:
Der Kommissar...
Band 9: ... und das Biest von Marcouf
Band 10: ... und die Toten von der Loire 
Band 11: ... und die Tote von Saint-Georges (erscheint am 6. Dezember)

Donnerstag, 11. Juli 2019

Die Rosengärtnerin von Sylvia Lott

Klappentext:
Frankreich 1958: Jeanne verzaubert in den Fünfzigerjahren ganz Paris mit ihren Chansons. Nun lebt sie mit ihrem Mann in einem Château im malerischen Loire-Tal und widmet sich leidenschaftlich ihrer großen Liebe, der Rosenzucht. Doch ein Schatten liegt über ihrem Glück, denn Jahre zuvor musste sie das, was sie am meisten liebte, zurücklassen, um zu überleben.   
Hamburg 2017: Die Journalistin Ella erbt ein verfallenes Anwesen in Frankreich. Sie ahnt nicht, dass das Vermächtnis ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen wird. Und dass es ein Geheimnis birgt, das zu Ellas Wurzeln an der ostfriesischen Küste zurückreicht. 



Ich freute mich sehr auf den neuen Roman von Sylvia Lott, der zu einem grossen Teil im französischen Loire-Tal angesiedelt ist. Eine wunderschöne Gegend mit einem grossen Weinanbau-Gebiet und vielen Châteaus. 

Ein solches Schlösschen erbt die 37-jährige Ella aus Hamburg. Sie hat keine Ahnung, wieso gerade sie die Erbin einer Chanson-Sängerin sein soll. Ella macht sich aber bald auf den Weg ins Loire-Tal, um das heraus zu finden. Ihr Erbe ist an eine Bedingung geknüpft: Ella muss genau ein Jahr in Cremont-sur-Crevette wohnen und darf nicht mehr als zwei Wochen abwesend sein, sonst erbt der unsympathische Neffe des Barons. Ella lässt sich schnell auf das Abenteuer ein und verfällt in ihrem Frankreich-Jahr nicht nur dem Charme des Manoirs. 

Da Ella in dieser Zeit eine Biografie über Jeanne schreiben will, bildet die Gegenwartsgeschichte den Rahmen um Jeannes Lebensgeschichte. Diese beginnt in den ersten Kriegsjahren um 1942 im Bordelais und endet in der ersten Hälfte mit Jeannes Rückkehr aus Ostfriesland, wo sie während des Krieges einige Jahre als Fremdarbeiterin auf dem Südmarschhof verbrachte. 

Der erste Teil von Jeannes Geschichte ist enorm vorhersehbar. Spannender und interessanter wurde es erst in der zweiten Hälfte des Romans, in dem Jeanne in Paris als Chansonsängerin berühmt wird und später an der Seite des Barons in Cremont-sur-Crevette in der Arbeit in ihrem Rosengarten Entspannung findet. 

Jeanne führte ein interessantes Leben, emotional blieb sie mir aber fern. Jeannes Figur war spannender als die von Ella, die - einfach mal so, um Leben in die Bude zu bringen - ihre Künstler-Freunde zu sich einlädt. Dies um einerseits nicht alleine zu sein, andererseits in der Hoffnung, dass die Künstler vielleicht das Dorf ein wenig verschönern. Anna, Ellas Freundin, mochte ich zwar gar nicht, aber in einem muss ich ihr recht geben: dass solch ein Zusammenleben wie in einer WG ohne jegliche Regeln nicht funktioniert. Ella lernt dies nur allzu bald.

Obwohl ich sonst immer begeisterte Sylvia-Lott-Romane-Leserin bin, wurde ich in "Die Rosengärtnerin" mit den Figuren nicht warm. Mit Jeanne im zweiten Teil konnte ich grad noch ein bisschen mitfiebern, aber zu Ella konnte ich keine Beziehung aufbauen, sie blieb sehr blass. Die Nebenfiguren - einige der Dorfbewohner, Sina und Annas Tochter - fand ich fast interessanter.

Eventuell lag es auch daran, dass mir die Geschichte insgesamt zu vorhersehbar war. Einige unerwartete Verbindungen waren vorhanden, es gab auch nette Wiedersehen mit gewissen Figuren, aber zum mich richtig wohl zu fühlen fehlte mir etwas.

Dafür stimmte die Atmosphäre, die genauen geschichtlichen Recherchen und die schönen Landschaftsbeschreibungen. 

Fazit: Schöne Geschichte, die mich emotional aber nicht mitnehmen konnte.
3.5 Punkte.





Freitag, 5. Juli 2019

Das Heinrich-Problem von Alexandra Holenstein

Klappentext:
Berti Fischer ist mit ihrer eher mittelmäßigen Beziehung zu ihrem Ehemann Heinrich eigentlich zufrieden. Als er ihr eröffnet, dass er sich von ihr trennen will, ist Berti zunächst schockiert und wie betäubt. Als sie dann jedoch herausfindet, dass Heinrich sie jahrelang betrogen hat, beginnt sie einen Rache-Plan zu schmieden, um das Heinrich-Problem auf kreative Weise zu lösen. Eine differenziert und mit Witz erzählte Geschichte, deren Schauplätze so reizvoll sind wie die Eskalation der Ereignisse.




Die Schweizer Autorin Alexandra Holenstein legt mit "Das Heinrich-Problem" ihren ersten Roman vor. Wer aber ist Heinrich und was das Problem?

Heinrich ist Anwalt, er lebt und arbeitet in Zürich. Das Problem ist er selbst, nur sieht er es selbst überhaupt nicht so. Probleme verursachen seiner Meinung nach nur Frauen. Sie wollen Kinder, einen auf Familie machen, grössere Wohnungen, und und und.

Berti Fischer, Heinrichs Ehefrau, hat auch bald eins: ein Problem. Mit zwei Sätzen hakt Heinrich während eines Abendessen zuhause ab, dass er bald ausziehen will. Danach sagt er nichts mehr. Wochenlang. Hat sie richtig gehört? Ja, hat sie. Bald findet Berti heraus, dass Heinrich sie betrügt. Betrogen hat. Immer noch. Und abhauen will. Ha, da hat Heinrich aber die Rechnung ohne den Wirt bzw. ohne Berti gemacht! 

Nachdem Berti aus ihrem ersten Schock erwacht, findet sie Unglaubliches über ihren Ehemann heraus. Sie ist nämlich längst nicht die einzige Frau, die von ihm betrogen wird. Berti merkt, dass die Tipps, die sie als Beziehungscoach ihren Kunden in ihrer kleinen Praxis gibt, nicht alle so leicht zu befolgen sind. 

Nach dem Motto "läck du mir am Tschöppli" plant Berti jetzt Heinrichs Pläne zu sabotieren. Wenn der wüsste! Aber Heinrich ist zu stark damit beschäftigt, sich selbst zu bedauern: er nervt sich, dass er etwas gesagt hat, denn seither kann er zuhause keine warmen Abendessen mehr erwarten.

Überspitzt erzählt die Autorin die witzige Geschichte über eine Frau, die nach vielen Ehejahren aus ihrem Alltagstrott erwacht und die unleidige Sache selbst in die Hand nimmt und aus einem grossen Chaos das Beste macht. 

Die Leser sind leicht im Vorteil, denn einige Dinge erahnt man schon lange, bevor Berti sie erfährt. Das sorgt für Spannung, denn man weiss nicht, wie Berti oder andere darauf reagieren. 

Der Roman ist nicht nur amüsant zu lesen, sondern auch sehr gut recherchiert. Die Geschichte enthält viel Lokalkolorit, sie ist hauptsächlich in Zürich und zum Teil im Raum Locarno angelegt. Als Zürcher kann man die Wege der Charaktere in der Stadt deshalb sehr gut nachvollziehen. 

Gestört haben mich nur zwei Dinge: in einem Roman, der in der Schweiz angesiedelt ist und passenderweise von Helvetismen strotzt, schmerzt es mir in den Ohren, wenn jemand beim Flanieren zwischen den Luxemburgerli an der Bahnhofstrasse und dem Seefeld in "die Tram" anstatt in "das Tram" einsteigt. Auch passt zu einem Schweizer Roman absolut kein deutsches Bushaltestelle-Schild auf dem Cover.

Fazit: Liebhaber von lustigen Romanen, bei denen man lachen muss, kommen voll auf ihre Kosten. 
4 Punkte.