Freitag, 6. Dezember 2019

Marzipanküsse von Katharina Herzog (Kurzgeschichte)

Klappentext:
„Traue niemals rothaarigen Männern mit Bart. Sie haben unserer Familie seit Generationen nur Unglück gebracht.“ Wie oft hatte Rosalie diese Warnung schon aus dem Mund ihrer Großmutter gehört! Warum bitte taucht also ausgerechnet jetzt, kurz vor ihrer romantischen Winterhochzeit, ein solches Exemplar von Mann in ihrem Leben auf? Und was noch schlimmer ist: Pat ist auch noch der Trauzeuge ihres Verlobten. Rosalie ist sich sicher, dass der arrogante Kerl nicht nur eine Gefahr für ihre Traumhochzeit darstellt, sondern auch für das schwache Herz ihrer geliebten Oma. Er darf ihr auf keinen Fall begegnen! Gemeinsam mit ihren Freundinnen heckt sie allerlei Pläne aus, um Patrick loszuwerden. Blöd nur, dass ihr eigenes verflixtes Herz in seiner Gegenwart immer wie verrückt pocht – und dass seine Küsse süß wie Marzipan schmecken.

Diese Kurzgeschichte aus der Feder von Katharina Herzog passt bestens in die Vorweihnachtszeit. Denn Rosalie will kurz vor Weihnachten heiraten. Seit einem Jahr plant sie ihre Hochzeit, alles ist bereit und in drei Tagen ist es endlich soweit. 

Doch dann erblickt sie im Buchladen, in dem sie als Aushilfe arbeitet, einen rothaarigen Mann. Sie ist verwirrt - einerseits vermutet sie in ihm einen Ladendieb, andererseits löst er in ihr Gefühle aus, die sie als Braut für einen fremden Mann gar nicht haben dürfte. Hauptsächlich aber denkt sie, dass der Typ Pech bringt. Von ihrer Grossmutter eingeimpft, weiss sie, dass sie um rothaarige Männer einen Bogen machen muss.

Doch das ist einfacher gesagt als getan, denn er hat mehr mit der Hochzeit zu tun, als ihr lieb ist. Der rothaarige Mann namens Pat entpuppt sich nämlich als Trauzeuge, ein Freund von Rosalies Bräutigam Kai-Uwe. Von nun an dreht sich alles darum, Pat von der Hochzeit fernzuhalten.

Rosalie gibt sich alle Mühe damit. Ich schiebe es vor allem auf ihren durcheinander gebrachten Hormonstatus so kurz vor der eigenen Hochzeit, denn sie wirkt durch ihre Aktionen sehr unüberlegt, naiv und jung.

Da ich mir von Katharina Herzogs Romanen einiges mehr an Tiefe gewohnt war,  fand ich den Zugang zu Rosalie nicht wirklich. Erst gegen Schluss kamen die von mir vermissten Gespräche zum Tragen. Potential hat der Plot einiges, aber auf so wenig Seiten bleibt nicht viel Platz, die Situationen und Charaktere besser heraus zu arbeiten. Auf doppelt so vielen Seiten hätte man das alles viel besser zum Ausdruck bringen können. Dann könnte ich über gewisse doofe Aktivitäten wohl auch hinweg sehen.

Die Geschichte bietet aber viel Humor, einige Überraschungen, ein wenig Romantik und Winterfeeling. Das Ende ist schön und sehr stimmig. Für mich hätte es ab jetzt richtig losgehen können mit der Story und dafür würde ich die ersten 150 Seiten einfach als Prolog stehen lassen.

Fazit: Mit einem Hauch Romantik versehene und humorvolle Winterhochzeits-Geschichte, die wahrscheinlich eher jüngere Frauen anspricht.
3 Punkte.

Mittwoch, 4. Dezember 2019

Die Sonnenschwester von Lucinda Riley (7-Schwestern 6)

Klappentext:
Reich, berühmt und bildschön: das ist Elektra d’Aplièse, die als Model ein glamouröses Leben in New York führt. Doch der Schein trügt – in Wahrheit ist sie eine verzweifelte junge Frau, die im Begriff ist, ihr Leben zu ruinieren. Da taucht eines Tages ihre Großmutter Stella auf, von deren Existenz Elektra nichts wusste. Sie ist ein Adoptivkind und kennt ihre Wurzeln nicht. Als Stella ihr die berührende Lebensgeschichte der jungen Amerikanerin Cecily Huntley-Morgan erzählt, öffnet sich für Elektra die Tür zu einer neuen Welt. Denn Cecily lebte in den 1940er Jahren auf einer Farm in Afrika – wo einst Elektras Schicksal seinen Anfang nahm.



Elektra kam bei ihren bisherigen Erwähnungen in den ersten fünf Büchern der Serie nicht sehr sympathisch rüber, deshalb war ich sehr gespannt, ob sie wirklich solch ein Biest ist. Als weltbekanntes Model ist sie die erfolgreichste der Schwestern, aber auch die unglücklichste. Elektra lässt niemand wirklich an sich ran, von ihren Schwestern am ehesten noch Maia. 

Unter Pa Salts Tod leidet Elektra heftig, sie hat das Gefühl, ihn schwer enttäuscht zu haben. Auch ihn liess sie nicht nahekommen, als es noch möglich war. Ihr Leben ersäuft sie in Alkohol. Um wach zu sein konsumiert sie Kokain. Sie ist hochgradig süchtig, benimmt sich daneben, kein Wunder hält es weder ein Partner noch Angestellte bei ihr aus. Ihr Weg ist nicht leicht, doch Elektras Leben ändert sich, als ihre neue Assistentin Mariam in ihr Leben tritt und zeitgleich ihre Grossmutter Stella sich bei ihr meldet. 

Letztere erzählt ihr, passend zu Elektras Leitspruch "Man kann das Leben nur rückwärts verstehen, leben muss man es aber vorwärts" laufend die Geschichte ihrer Herkunft. Diese beginnt am Silvester 1938 und führt die Leser vom Grossstadtdschungel Manhattan in den Pflanzen- und Tierwelt-Dschungel Kenias. Die junge Amerikanerin Cecily Huntley-Morgan wurde von ihrem Verlobten verlassen. Nun nimmt sie sich eine Auszeit und reist zu ihrer Patentante Kiki Preston, die vorwiegend am Naivasha See in Kenia lebt. 

Kiki ist eine historische Figur, die mit ihren Problemen hervorragend zu der Thematik in "Der Sonnenschwester" passt. Kiki ist für Cecily das Verbindungsglied und führt ihre Patentochter in die britische Gesellschaft im "Happy Valley" ein. Der Vergangenheitsstrang um Cecily ist nahe an die historische Vorlage verknüpft. Cecilys Geschichte fand ich total interessant und spannend. 

Lucinda Riley bringt uns die englische Kolonialmacht in Kenia, die leider auch trotz grosser Entfernung vom zweiten Weltkrieg betroffen war, näher. Ebenso die Stammeskultur und damit herein, das Zusammenleben der verschiedenen Kulturen. Herausragend beschreibt die Autorin auch die faszinierende Landschaft von diesem facettenreichen ostafrikanischen Staat.

In Elektras Geschichte geht es um Süchte, Abhängigkeiten und Menschenrechte. Ebenso ist die Rassentrennung ein grosses Thema, welches im Jahre 2008, in dem der Gegenwartsstrang spielt, in der Hoffnung eines möglichen ersten schwarzen Präsidenten gipfelt (und wie wir wissen, auch Realität wurde). Elektra öffnet sich langsam. Tief in ihr vergrabene Erlebnisse erklären, wieso sie so unausstehlich wurde. Ihre Entwicklung ist sehr positiv, sie findet endlich echte Freunde und ihren Platz im Leben. 

"Die Sonnenschwester" ist auf keiner ihrer 832 Seiten langweilig, sondern durchgehend fesselnd, so dass ich ihn innert zweieinhalb Tagen ausgelesen hatte. Der Roman ist enorm intensiv und behandelt Themen, über die man ausgiebig diskutieren könnte. Meine Lieblingsfigur ist Mariam, die straight ihren Weg geht und sich nicht beeindrucken lässt.

Elektras Geschichte heizt die Vorfreude auf den letzten Band um die verlorene Schwester Merope enorm an. Ich bin wahnsinnig gespannt, was uns im siebten Band alles erwartet!

Fazit: Inhaltlich stark und berührend, erneut brillant geschrieben.
5 Punkte. 


Reihenfolge:
Band 6: Die Sonnenschwester
Band 7: The Lost Sister

Montag, 2. Dezember 2019

Unter den hundertjährigen Linden von Valérie Perrin

Klappentext:
Violette Toussaint ist Friedhofswärterin in einem kleinen Ort in Burgund. Denn nur so kann sie den ganzen Tag bei ihrer kleinen Tochter sein. Seit Violette sie durch einen schrecklichen Unfall verloren hat, ist sie innerlich erstarrt. Doch die Gräber zu pflegen und für Menschen da zu sein, die Ähnliches erlebt haben wie sie, spendet ihr Trost. Bis Julien auf ihren Friedhof kommt: Seine Mutter ist gestorben und möchte neben einem Mann beerdigt werden, den Julien nicht kennt. Juliens Geschichte weckt Violettes Interesse, und bald verbringen sie immer mehr Zeit miteinander, während das Tagebuch von Juliens Mutter eine anrührende Liebesgeschichte preisgibt. Kann Violette trotz aller Trauer zurück ins Leben finden?


Als Friedhofswärterin bekommt Violette so einiges mit - über die Toten und über die Lebenden. Bereits seit zwanzig Jahren arbeitet sie hier. Wie sie zu dem Job als Friedhofswärterin kam, wird von der Gegenwartsgeschichte rückblickend in vielen Episoden erzählt. 

Die Geschichte wird von Valérie Perrin ruhig erzählt, die Idee dahinter finde ich grandios und auch die Charaktere sind interessant gestrickt.

Mir gefielen die Storys rund um die Friedhofsbesucher, auch Violettes Lebensgeschichte ist eindrücklich. Von Geburt an ist sie mit Schicksalsschlägen belastet. Dennoch scheint sie zufrieden mit ihrem ruhigen Leben zu sein. Sie trägt die Ruhe in sich selbst und gibt sie aufgewühlten Besuchern mit, die in ihrer Küche immer eine Tasse Tee oder Kaffee erwarten dürfen. 

Was im Klappentext betreffend Violettes Tochter verraten wird, wird im Buch erst spät erwähnt. Die Story darüber wird gegen Schluss aufgelöst und erstaunt. Leider blieb das der einzige Clou in der sehr ruhigen, aber trotzdem enorm ereignisreichen Geschichte. 

Mir ist die Erzählung trotz feinfühligem, sprachlich schönem Schreibstil zu flach geraten. Wenn ich euch also die Rahmenhandlung erzählen würde, würde ich die Glanzpunkte und Überraschungen des Romanes vorwegnehmen.

Nach den ersten 150 Seiten begann ich mich zu fragen, was da noch kommen wird auf den restlichen 412 Seiten - theoretisch passiert viel Emotionales, aber wahrscheinlich aufgrund Violettes ruhiger Art wird alles zu emotionslos geschildert und macht das Lesen des Romans zäh.

"Unter den hundertjährigen Linden" entpuppte sich als "Eigentlich, aber"-Buch: eigentlich super schön, aber leider auch super langweilig.

Fazit: Toller Schreibstil, schöne Sprache, und eigentlich auch eine interessante Geschichte, aber mit 512 Seiten zu lang und zu monoton. 
3 Punkte.


Sonntag, 1. Dezember 2019

Lesebiografie November 2019

Heute morgen habe ich die erste Kerze an meinem, zwar etwas anderen, aber zumindest katzensicheren Adventskranz angezündet. Die Adventszeit hat nun definitiv begonnen, auch wenn bei uns in der Stadt die Adventsbeleuchtung und der Christchindlimarkt schon vor 8/9 Tagen eröffnet bzw. angestellt wurden. Den ersten Markt haben wir somit auch gleich am Samstag vor einer Woche besucht, und da traf ich lustigerweise den Zürcher Bögg in einer Kutsche an.



Bei mir hat die Adventszeit am Mittwoch begonnen, das erste Mal wieder Christmas FM eingestellt und bin bei Feliz Navidad um den Esszimmertisch getanzt. Jetzt fehlt bloss noch der Song Last Christmas - den höre ich heute garantiert im Radio. Obwohl ich vor zwei Wochen den gleichnamigen Film gesehen habe, ist es doch was Besonderes ihn jährlich Anfangs Advent im Radio zu hören. Dann weiss man: Weihnachten ist nahe. 



Doch bevor die adventliche Vorfreude auf Weihnachten mich ganz in Beschlag nimmt, gibt es meinen Rückblick auf den November mit zwölf gelesenen Büchern:

2 Punkte:

- Ein Sohn ist uns gegeben von Donna Leon (Brunetti 28) 

3 Punkte:
- Der Sprung von Simone Lappert
- Unter den hundertjährigen Linden von Valérie Perrin

4 Punkte:
- Ich bin Circe von Madeline Miller 
- Venner von Franziska Hidber und Christian Ruch 

5 Punkte: 
- Winteraustern von Alexander Oetker 
- Ein Jahr voller Wunder von Clemency Burton-Hill 

- Unter einem guten Stern von Minnie Darke 


Der Titel "Ein Sohn ist uns gegeben" passt zwar zu Weihnachten, aber nicht wirklich zum Brunetti-Krimi. Langsam wärs wirklich Zeit für gewisse Erneuerungen im Brunetti-Kosmos, denn so langweilig war er noch nie. 

Das für den Schweizer Buchpreis Nominierte "Der Sprung" von Simone Lappert habe ich genau 3x begonnen und zweimal davon wieder auf die Seite gelegt. Beim dritten Mal habe ich länger durchgehalten, doch mir waren die vielen Probleme der Figuren zu deprimierend, das zog mich runter und ich hatte keine Lust mir mehr davon anzuhören. Deshalb überflog ich den Rest des Buches. 

Eine Rezension zu "Unter den hundertjährigen Linden" von Valérie Perrin kommt in den nächsten Tagen. Eigentlich super geschrieben, aber leider auch super langweilig, deshalb nur drei Punkte. 

Vier Punkte vergab ich für vier Bücher, und fünf Punkte gab es für fünf Bücher - ich mag solche Zahlenspiele, auch wenn das hier völlig zufällig zustande kam. Hier verweise ich gerne auf die entsprechenden Rezensionen. 

Mitnehmen in den Dezember tue ich "Die Sonnenschwester" von Lucinda Riley. Vielleicht lese ich es heute aus, ansonsten spätestens am Montag. Ich habe mir Montag und Dienstag frei behalten, um die 832 Seiten des neuesten und sechsten Teils der Sieben-Schwestern-Serie zu lesen, bekam das eBook aber erst am Donnerstagabend. Doof, denn Freitag und Samstag hatte ich Termine und kam jeweils erst am Abend zum Lesen.

Aber was für ein Unterschied zwischen meinen "dicken" November-Büchern: während ich bei Perrin auf Seite 160 von 512 schon gelangweilt war und mich fragte, was da noch kommen mag, um die Story rauszuholen und auch bei den 528 Seiten von "Ich bin Circe" lieber nur in Etappen über zwei, drei Wochen verteilt gelesen hätte, war ich bei "Unter einem guten Stern" mit 576 Seiten blitzschnell durch. Bei der "Sonnenschwester war ich auf Seite 160 voll dabei und voller Vorfreude auf das was noch kommt - es ist also extrem unterschiedlich, wie lange man, an einem dicken Buch liest. Der Inhalt macht es aus!


Nach so vielen seitenstarken Büchern freue ich mich auf einen Roman mit nur 352 Seiten: "Mademoiselle Edith - Hymne an die Leibe von Christine Girard. Dieser Roman beginnt zeitlich dort, wo "Madame Piaf und das Lied der Liebe" von Michelle Marly aufhört. Danach werde ich wohl einige Bücher von meinem SuB befreien, bevor ich dann zu dem alljährlichen Weihnachtsroman von Karen Swan greife. "Leider" sind Swans Romane auch nicht ohne: 580 Seiten! 

Toppen wird dies der zweite Teil der Schokoladenvilla-Serie von Maria Nikolai, "Goldene Jahre" mit 720 Seiten. Lesen werde ich ihn um den 21. Dezember rum, da startet unsere #litlovelesen - Aktion. Bis zum 6. Januar lesen wir Bücher von lit.Love-Autorinnen, egal ob historisch oder nicht. Wer Lust hat, ist herzlich dazu eingeladen mitzulesen. Schaut mal auf eurem SuB, welche Romane passen würden. Bald gibt es weitere Informationen zur Aktion. 

Wie geht es euch mit den dicken Büchern? Habt ihr euch für den Advent spezielle Bücher vorgenommen oder habt ihr Lust bei uns über die Festtage mitzulesen und euch mit uns auszutauschen (auf FB und Instagram)? 

Euch allen einen friedlichen Adventszeit!









Donnerstag, 28. November 2019

Krimi: Venner von Franziska Hidber und Christian Ruch

Klappentext:
Der Auslandschweizer Reto Anrig wird tot auf der nördlichsten Landzunge Europas gefunden. War es wirklich ein Unfall auf der Nordkap-Insel Magerøya? Ja, sagen Polizei und Rechtsmedizin. Doch Selina, die Tochter des Toten, und ihr Kindheitsfreund, der junge Dorfpolizist Einar, folgen ihrem Instinkt und entdecken Ungereimtheiten und dunkle Geheimnisse – im hohen Norden ebenso wie in Retos Heimat, dem Sarganserland.






Schiefer - dieses Gestein haben beide Spielorte des ersten Kriminalromanes vom Autorenduo Franziska Hidber und Christian Ruch gemein. Das Nordkapp in Norwegen ist ein Schieferplateau, dasselbe Gestein kommt ebenso im Sarganserland, im Südosten der Schweiz, vor. 

Auf der menschenleeren Insel Mageroya im Norden von Norwegen ist es oft dunkel. Hier in Honningsvag lebt der Schweizer Reto Anrig mit seiner Tochter, Studentin Selina. Als er eines Tages nach einer Wanderung nicht zurück kommt, sondern tot aufgefunden wird, ist Selina sicher: ihr Vater wurde ermordet. 


Nur Einar, der Dorfpolizist, teilt Selinas Meinung - und nicht nur, weil er in Selina verliebt ist - und beginnt inoffiziell zu ermitteln. Dabei tritt er in ein paar Fettnäpfchen, dafür kann er aber mit brisanten Neuigkeiten aufwarten. Derweil reist Selina in die Schweiz, um das geerbte Haus in der Schweiz auf sie überschreiben zu lassen. Auch sie bleibt nicht untätig und erfährt einiges, ihr bis dahin unbekannte Dinge, über die Jugendjahre ihres Vaters. Selina bekommt nicht nur Post von der Gemeinde, sondern auch Drohbriefe - anscheinend passt es jemandem nicht, dass Selina im Städtli, in der Altstadt von Sargans, Fragen stellt. 


Obwohl mir schon bald klar war, welche Figuren verdächtig sind, war der Krimi interessant zu lesen. In Einars Erzählstrang lernt man das Polizeiteam um Chef Olav Dunderland kennen, sowie einige Dorforiginale, aber auch den Immobilienhai Knut Halvorsen, mit dem sich Reto angelegt hat. In der Schweiz stehen die Begegnungen mit Schulfreunden von Reto im Vordergrund, wie auch zwei Ausflugsziele in der Gegend, die nicht nur der Dekoration dienen, sondern auch für die Auflösung des Falles wichtig sind. 


Die Stimmungen an beiden Orten sind glaubhaft geschildert. Besonders der Teil in der Schweiz - als Heimweh-Sarganserin kann ich das bezeugen. Lokalkolorit wird gross geschrieben, auch die Namen sind gängig in der Gegend. Des Weiteren werden viele regionstypische Begriffe erwähnt. Diese zu verstehen, war für mich als Einheimische natürlich kein Problem. Auch andere Schweizer sollten keine Verständnisprobleme haben damit. 

Aber so wie ich viele deutsche Leser kenne, wird das für deutsche Ohren zu viel des Guten sein. Mich hingegen irritierte das norwegische "Mamma" und "Pappa" - jedesmal hatte ich das Gefühl, sie wären falsch geschrieben. Bei richtigen Kosewörtern wäre es wohl anders, aber bei der Nennung der Eltern kam mir diese Schreibweise komisch vor. 


Mehr störte mich allerdings, dass die Gedanken der Figuren in Gänsefüsschen gesetzt wurde. Die Kapitel werden ja eh von den entsprechenden Charakteren, abwechselnd von Einar und Selina, erzählt, und sind demzufolge auch Gedanken. Dass die wortwörtlichen dann eben anders gehandhabt werden, fand ich erschwerend um flüssig weiter zu lesen. 

Der Titel hingegen macht viel Sinn, er wird im Laufe der Geschichte erläutert, und passt in vielerlei Hinsicht perfekt zur Geschichte.

Insgesamt ist "Venner" ein unterhaltender, wenn auch recht vorhersehbarer Krimi. Ein bisschen mehr Spannung hätte der Handlung gut getan. Durch den lokalen Bezug machte es aber viel Spass ihn zu lesen. 

Fazit: Ausbaufähiger, aber solider Erstlingskrimi mit einer interessanten Handlung und viel Lokalkolorit. Nicht nur für Norwegen und Schweiz-Fans!
4 Punkte. 

Vielen Dank an den Driftwood Verlag! (www.dbooks.ch)

Dienstag, 26. November 2019

Unter einem guten Stern von Minnie Darke

Klappentext:
Als Justine (Journalistin beim »Alexandria Park Star«, Skeptikerin, Schütze) ihrer Jugendliebe Nick (Romeo-Darsteller im Theater, Idealist, Wassermann) wiederbegegnet, ist das vielleicht Schicksal. Auch dass er sich stets nach dem Horoskop der Zeitschrift richtet, für die Justine arbeitet, könnte Schicksal sein. Justine aber hat Nick immer geliebt und will sich auf keine höhere Macht verlassen. Heimlich nimmt sie Änderungen am Wassermann-Horoskop vor, um ihm ein Zeichen zu senden. Doch Nick missversteht ihre Hinweise völlig – und er ist nicht der Einzige, der sich von den Sternen leiten lässt.




Als mir das Buch an der LBM vorgestellt wurde, wusste ich, ich muss es lesen - denn der "Love Interest" ist Wassermann, genau wie ich. Die Geschichte um Justine und Nick und viele andere Wassermänner spielt in Australien und wird, vielleicht, aus der Sicht des Universums erzählt. 

Es kam mir vor, als ob der Erzähler oder die Erzählerin im Himmel auf einem Stern sitzt und seinen Leuchtstrahl jeweils auf einen Beteiligten hält und dessen aktuelle Situation erzählt. Der Erzähler hat das grosse Ganze im Griff, dem Leser wird es erst am Schluss offenbart.

Die 27jährige Justine trifft eines Tages auf dem Markt ihren Kindergartenfreund Nick. Als Nachbarn aufgewachsen, spielten sie zusammen im Sandkasten, gingen gemeinsam zur Schule. Bis Nick mit seinen Eltern wegzog, als er 11 Jahre alt war. Der Kontakt blieb bis zu dem allerletzten Besuch, der vier Jahre später mit dem ersten Kuss endete.

Mittlerweile arbeitet Justine als Mädchen für alles /Laufbursche bei der Zeitschrift Alexandria Park Star. Nick ist ein brotloser Schauspieler, der sich von Casting zu Casting angelt und zwischendurch in diversen Nebenjobs arbeitet. Der Durchbruch ist ihm noch nicht gelungen, was zu ständigen Reibereien in seiner On/Off-Beziehung mit Model Laura führt.

Justine liebt Nick. Nicht erst seit dem Kuss vor zwölf Jahren. Als sie merkt, dass Nick seine Liebe zum Theater für Laura aufgeben will und auch nicht mehr an sich glaubt, greift sie ein. Sie fälscht das Wassermann-Horoskop in der Zeitung und hofft, dass Nick ihren Tipp befolgt. Nur versteht Nick nicht alles so, wie Justine es gemeint hat - immerhin werden andere Zeitungsleser animiert, ihr Leben neu zu überdenken und entsprechend zu agieren.

Kleine Dinge - wie hier das Horoskop umzuschreiben - haben Auswirkungen auf viele unterschiedliche Menschen. Justine hat mit ihrem Tun nur Nick im Blick, und der vermeintliche Misserfolg damit. Sie weiss nicht, wieviel Lebensqualität sie mit nur zwei, drei ausgewechselten Sätzen anderen Menschen geben wird. Alles hängt hier also irgendwie zusammen.

Wie, erzählt die Autorin ruhig, aber humorvoll auf kurzweiligen 576 Seiten. Es gibt viel zu lachen und mitzufiebern, aber auch sentimentale Stellen. Minnie Darkes Sprachstil gefiel mir total gut. Ihre pointierten Beschreibungen der Figuren fand ich einfach nur genial.

Davon hätte ich noch mehr lesen können. Weniger aber von den Hirn-Justine-Zwiegesprächen, die fand ich nicht so gelungen, passen meiner Meinung nach auch nicht so richtig rein. Die Autorin hätte sie gut weglassen oder anders konzipieren können.

Egal, ob man an Horoskope oder Sternzeichen glaubt oder nicht, der Roman ist sehr unterhaltend und erst in zweiter Linie eine Liebesgeschichte. Ich habe "Unter einem guten Stern" zwar Ende November gelesen, aber er passt auch perfekt in die Zeit um den Jahreswechsel. Oder sonst irgendwann im Jahr - diese Sternengeschichte überzeugt in allen Monaten. 

Fazit: Eine aussergewöhnliche Geschichte in einen tollen Schreibstil verpackt - die Seiten fliegen nur so dahin, so dass man am Ende gar nicht merkt, dass man fast 600 Seiten gelesen hat. 
5 Punkte.



Donnerstag, 21. November 2019

Ich bin Circe von Madeline Miller

Klappentext:
Circe ist Tochter des mächtigen Sonnengotts Helios und der Nymphe Perse, doch sie ist ganz anders als ihre göttlichen Geschwister. Ihre Stimme klingt wie die einer Sterblichen, sie hat einen schwierigen Charakter und ein unabhängiges Temperament; sie ist empfänglich für das Leid der Menschen und fühlt sich in deren Gesellschaft wohler als bei den Göttern. Als sie wegen dieser Eigenschaften auf eine einsame Insel verbannt wird, kämpft sie alleine weiter. Sie studiert die Magie der Pflanzen, lernt wilde Tiere zu zähmen und wird zu einer mächtigen Zauberin. Vor allem aber ist Circe eine leidenschaftliche Frau: Liebe, Freundschaft, Rivalität, Angst, Zorn und Sehnsucht begleiten sie, als sie Daidalos, dem Minotauros, dem Ungeheuer Scylla, der tragischen Medea, dem klugen Odysseus und schließlich auch der geheimnisvollen Penelope begegnet. Am Ende muss sie sich als Magierin, liebende Frau und Mutter ein für alle Mal entscheiden, ob sie zu den Göttern gehören will, von denen sie abstammt, oder zu den Menschen – die sie lieben gelernt hat.

Lange ist es her, seit ich in der Schule eine Prüfung über die griechischen Götter schreiben musste. Der Lehrer hat meine Note auf 7.6 (in der Schweiz ist die beste Note eine 6) angehoben, damit der Rest der Klasse eine zwar immer noch ungenügende, aber nicht mehr ganz so vernichtende Note bekam. Wie gesagt, lange ist es her und höchste Zeit mein Wissen über die griechischen Götter wieder aufzufrischen. 

Das kann man perfekt, indem man "Ich bin Circe" von Madeline Miller liest. Die griechische  Mythologie ist reich an Geschichten und Sagen über die Götter und Helden des antiken Griechenlands. Viele davon nimmt die Autorin in ihren Roman mit auf und erzählt sie neu.

Auf 528 Seiten wird aus Sicht von Circe ihr abenteuerliches Leben geschildert. Angefangen im Palast von Okeanos bis zu ihrer Verbannung auf die Insel Aiaia, erzählt der Roman von Circes Begegnung mit Prometheus, dem Zauber gegen Scylla, ihrer Geburtshilfe für Minotaurus auf Knossos, ihren Gefühlen gegenüber Daidalos, das Aufeinandertreffen mit Odysseus und später seinem Sohn Telemachos und vielem mehr.

Auch als Göttin ist das Leben nicht einfach. Circe, die Ausgestossene, muss einiges erleiden. Sie ist unsterblich - lebt also über die Zeit und überlebt so manchen Menschen, der ihr ans Herz gewachsen ist. 

Mit 528 Seiten ist das Buch schon sehr lang. Es ist wahrscheinlich auch nicht gedacht, es in einem Schnurz durch zu lesen und taugt besser als parallel zu lesendes Buch, aus dem man immer mal wieder einige Kapitel liest. 


Nach der Mitte hatte ich langsam genug, aber Circes Erlebnisse mit anderen Göttern, Halbgöttern und Sterblichen war noch lange nicht vorbei. Circe selbst als Erzählerin bleibt, obwohl sie die Hauptfigur ist, irgendwie halt doch immer nur die Erzählerin und kann ihre eigenen Emotionen oft nicht zum Leser transportieren. 

"Ich bin Circe" war aber auf jeden Fall interessant. Sich auf diese Weise das Leben der griechischen Götter vorzustellen, auch wenn es oft nüchtern daher kommt, macht Spass. Man merkt der Autorin an, dass sie Lehrerin ist, denn sie erzählt sehr viel lebendiger als die trockenen Sagen, die man aus der Schulzeit kennt. Madeline Miller hätte ich gerne als Geschichtslehrerin gehabt. 

Fazit: Ein etwas anderer Streifzug durch die griechische Mythologie - interessant, doch viel zu lang. 
4 Punkte.