Montag, 30. November 2020

Lesebiografie November 2020 - Monatsrückblick

War der November anfangs noch so wie wir uns hier den Oktober eigentlich wünschten, nämlich sonnig und relativ warm, endet der November grau und eisig kalt. Ich würde sagen, der Winter ist definitiv angekommen bei uns in der Schweiz! 


Der November war aber nicht nur durchs Wetter, sondern auch von den Wahlen in Amerika und Mini-Lockdowns in Europa geprägt - nur nicht in der neutralen (Deutsch-)Schweiz.

Und dann war da noch die lit.Love dieses Jahr in digitaler Form. Ich war nicht mit dabei, aber Susanne Edelmann hat einen tollen Bericht geschrieben. Für alle "Daheimgebliebenen" gibt ein kleines Video einen kurzen Überblick über die digitale Veranstaltung. 

Diesen Monat kam ich wieder mehr zum Lesen als noch im Oktober und so wurden es gar nicht mal so schlechte 16 Bücher im November:

3.5 Punkte: 
- Der verschwundene Gärtner von Gitta Edelmann (MacTavish & Scott 1) 
- Friesenherzen und Winterzauber von Tanja Janz
- Zu tot, um schön zu sein von Helena Marchmont (Bunburry 5) 

4 Punkte: 
- Ein weisser Schwan in Tabernacle Street von Ben Aaronovitch (Peter Grant 8) 
- Das Glück wartet auf dich von Jana Lukas (Die Mühleschwestern 3)  
- Weihnachten am Ku’damm von Brigitte Riebe 
- Mein Glück mit dir von Marie Force (Greenmountain 10) 
- Dünenwinter und Lichterglanz von Tanja Janz 
- Mord in guter Gesellschaft von Helena Marchmont (Bunburry 6) 
- Rache ist süss von Helena Marchmont (Bunburry 7) 
- Nur das Schaf war Zeuge von Helena Marchmont (Bunburry 8)

5 Punkte:
- Das Lächeln der Libellen von Patricia Koelle (Inselgärten 2) 
- Die Sünden der Gerechten von Peter Tremayne (Schwester Fidelma 31) 
- Teatime mit Lilibet von Wendy Holden 
- Sophias Triumph von Corina Bomann (Die Farben der Schönheit 3) 


Natürlich sind alle mein 5-Punkte-Bücher ganz toll, trotzdem habe ich einen klaren Favoriten. Es ist "Teatime mit Lilibet", weil es einen Einblick in die Kindheit der Queen gibt und einfach mal was ganz anderes ist. 

Ein Flop war zum Glück im November nicht dabei. Unterwegs war ich im November auch nicht gross, zwar mehr als im realen Leben (da war ich praktisch nur zum Einkaufen draussen), hauptsächlich in England und Deutschland und nur einmal in Frankreich, dafür zweimal in Amerika. Dieses Jahr hab ich für mich Monat für Monat interessehalber aufgeschrieben, in welchen Ländern ich literarisch war und bin nun auf das Endergebnis Ende Jahr gespannt.

Der Winter ist da, die Adventszeit ebenso und gerade ertönt - für mich aus nostalgischen Gründen immer ein spezielles Erlebnis - das erste Mal "Feliz Navidad" im Radio. Die Weihnachtszeit beginnt nun für mich auch ganz offiziell :-) und morgen kommt nicht nur der Schnee, sondern auch die Vorschau auf meinen Bücherdezember. 

Kommt gut in die Adventszeit!

Sophias Triumph von Corina Bomann (Die Farben der Schönheit 3)

Klappentext:
New York, 1942. Für Sophia bricht eine Welt zusammen, als ihr Mann sich nach einem Streit freiwillig an die Front meldet. Der Krieg in Europa schien so fern, auch wenn Sophia immer noch Freunde in Paris und Familie in Berlin hat. Sophia stürzt sich in die Arbeit, so gerne würde sie für die erfolgsverwöhnte Elizabeth Arden eine eigene Pflegeserie entwickeln. Oder ist für Sophia der Moment gekommen, sich selbstständig zu machen? Als ihr Mann in Frankreich als verschollen gilt und die Nachrichten aus der alten Heimat immer schlimmer werden, stellt sie alle Pläne zurück. Sie wird ihren Traum nicht aufgeben, aber für die große Liebe ist sie bereit, alles Erreichte zu opfern.

Es ist, als hätte man den zweiten Band erst gerade vor ein paar Minuten beendet und sich nur schnell einen frischen Kaffee aus der Küche geholt. Sofort ist man wieder drin in der Geschichte, an dem Punkt, als Henny ins Spital kommt und um ihr Überleben kämpft. 

Bis es zu den im Klappentext geschilderten Dingen kommt (wobei ich mich frage, ob der Name Arden nicht etwa eine Verwechslung ist), vergeht aber einige Zeit. Erst muss Henny genesen und Sophia überlegen, was sie nun beruflich machen will. Zu Ende studieren am liebsten - doch dazu braucht sie Geld und einen Job. Um einen Job zu bekommen greift Sophia tief in die Trickkiste. Ob das reicht, um endlich in einem Labor zu arbeiten und endlich Cremes zu entwickeln? 

Das Leben der sympathischen Sophia ist und bleibt nicht einfach. Doch sie macht immer das Beste draus. Sophia könnte man schon fast als Kosmopolitin bezeichnen. Die Deutsche, die in Amerika wohnt, aber immer mal wieder in Frankreich nach dem Rechten schaut oder aus familiären Gründen kurz mal nach Deutschland reist.

Schlag auf Schlag folgen die Ereignisse in "Sophias Triumph" aufeinander, manchmal vergehen aber auch einige ruhige Jahre. Interessant ist die Geschichte um Sophia durchgehend, nicht nur wegen den einbezogenen historischen Details wie beispielsweise die Weltausstellung in New York anno 1939/1940. Wie bereits in den ersten beiden Bänden, konnte ich auch diesen Teil kaum aus der Hand legen, weil ich wissen wollte, wie sich alles entwickelt. Und in diesem "alles" ist so viel drin und nie weiss man, in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt. 

Genau das ist ein Grund, wieso mir diese Trilogie so gut gefällt: sie ist nicht voraussehbar. Es könnte alles passieren oder nichts. So wird man als Leserin immer wieder überrascht. 

Toll fand ich ausserdem, dass die Autorin gewisse Themen auf eine gute Art und realitätsnah vertiefte, ohne dass die jeweiligen Figuren sich im Selbstmitleid wälzten.

Zudem gefiel mir, dass alle drei Bände im selben Jahr erschienen sind, so dass man nicht jahrelang auf den nächsten Band warten muss, sondern sie alle in einem Jahr lesen kann. 

Fazit: Absolut schönes und starkes Finale, das mit einigen Überraschungen daher kommt. 
5 Punkte. 


Reihenfolge:
Band 3: Sophias Triumph

Mittwoch, 25. November 2020

Mein Glück mit dir von Marie Force (Greenmountain / Lost in Love 10)

Klappentext:
Sie sind ein Herz und eine Seele – die eineiigen Zwillinge Lucas und Landon Abbott. Doch dann tauchte Amanda in dem kleinen Städtchen Butler auf, und plötzlich interessieren sich beide für die coole New Yorkerin. Nach einem ersten Date mit ihr ist Lucas begeistert. Dummerweise scheint sein Zwilling Landon genau das gleiche zu fühlen. Lucas ist nicht nur eifersüchtig, sondern zum ersten Mal wütend auf seinen Bruder. Kurz entschlossen fährt er für drei Tage in ein Ferienhaus in den Bergen. Doch statt den Kopf frei zu bekommen und Ski zu fahren, taucht das Schicksal in Form einer wunderschönen jungen Frau und ihres Babys auf: Dani ist mit ihrer vier Monate alten Tochter ebenfalls auf dem Weg in die Berge. Doch während eines Sturms kommt ihr Auto von der Straße ab. Lucas sieht den Unfall und hilft Dani. Da springt der Funke über: Lucas kann nicht fassen, wie schnell er sich für Dani interessiert und wie rasch er Amanda vergisst, und auch Dani fühlt sich von Anfang an fast unwiderstehlich zu Lucas hingezogen. Die beiden kommen sich näher – doch kann aus der zarten Verbindung wirklich etwas Ernstes entstehen?

Was habe ich mich auf die Geschichten der Zwillinge Lucas und Landon gefreut! So richtig konnte man sich das bisher ja nie vorstellen, denn die beiden Clowns schienen weder am Erwachsenwerden noch an richtigen Beziehungen interessiert. Am Ende des neunten Bandes gehen aber beide mit Amanda aus und man merkt: Ärger ist programmiert.

Und so nervt sich Lucas am Anfang des zehnten Bandes dermassen, dass er die traditionelle gemeinsame Geburtstagsfeier bei seinen Eltern früher verlässt, nur damit er Amanda und Landon nicht länger zusammen sehen muss. Zum Glück hat er einige Tage frei und so fährt er spontan nach Stowe ins Haus eines Freundes. Auf dem Weg dorthin wird er Augenzeuge eines Autounfall und rettet die Insassen. Es ist Dani mit ihrem viermonatigen Baby Savannah. 

Auch Dani ist geflüchtet - von ihrer sie erdrückenden Eltern, die zwar nach einem Schicksalsschlag alles für Dani getan haben, aber ihr keinen Raum geben um wieder am Leben teilzunehmen. Stowe oder Butler scheinen ihr weit weg genug zu sein, um ein neues Leben zu beginnen. Jetzt braucht sie nur noch Glück bei ihren Vorstellungsgesprächen. 

Es kommt wie es kommen muss. Lucas wird schneller erwachsen, als alle denken und plötzlich hat er auch Amanda vergessen, denn Dani fasziniert ihn und die kleine Savannah stiehlt ihm sein Herz. Doch ist es der richtige Zeitpunkt für Dani und Lucas oder geht alles viel zu schnell? 

Hach, es ist eine tolle Geschichte um Lucas und sie hätte fünf Punkte verdient, wenn nicht die vielen Wiederholungen wären um Danis Trauer. 

Diese Wiederholungen, die sich immer auf die Vergangenheit der Figuren beziehen bzw. um die Erinnerung daran, ziehen sich durch alle Bände hindurch. Es ist immer in etwa dasselbe Muster und das nun bereits zum zehnten Mal. Klar wären zu wenig dieser Gedankenspiralen nicht glaubwürdig, aber zu viel davon eben auch nicht. Immerhin sind die horizontalen Szenen weniger geworden, aber auch hier finde ich nach wie vor: weniger ist mehr. 

Obwohl Marie Force in diesen beiden Punkten hartnäckig ihrem Schema treu bleibt, ist sie jedoch eine Meisterin in interessant verpackten Cliffhanger. Die Aussicht auf Landons Sommergeschichte ist jedenfalls vielversprechend.

Fazit: Trotz meiner Kritikpunkte, die aber auf alle Bände zutreffen, ist "Mein Glück mit dir" ist einer der schönsten Bände der Serie. 
4 Punkte. 


Reihenfolge:
Band 2: Kein Tag ohne dich
Band 3: Mein Herz gehört dir
Band 4: Schenk mir deine Träume
Band 5: Sehnsucht nach dir
Band 6: Öffne mir dein Herz
Band 7: Jede Minute mit dir
Band 8: Ein Traum für uns
Band 10: Mein Glück mit dir
Band 11: Nur Augen für dich (ET 28. April 2021)

Dienstag, 24. November 2020

Weihnachten am Ku'damm von Brigitte Riebe (Die Schwestern vom Ku'damm)

Klappentext:
Berlin, 1946: Es ist der "Hungerwinter", der kälteste Winter des Jahrhunderts. Bei erbarmungslosen Temperaturen erfrieren die Menschen sogar in ihren Wohnungen. Das Kaufhaus Thalheim am Ku’damm liegt nach dem Krieg in Trümmern, dennoch geht es der Familie noch vergleichsweise gut. Als Rike eines Abends das provisorisch eingerichtete Modegeschäft am Savignyplatz zuschließt, sitzt ein Junge vor der Tür, in Lumpen gehüllt. Mit seinem weizenblonden Haar sieht er aus wie Oskar als Kind, ihr im Krieg verschollener Bruder. Kurzentschlossen nimmt sie den Jungen mit nach Hause. Er spricht kaum und scheint von weit her zu kommen - und er soll ein Weihnachtsfest haben, das er nie vergisst, da sind Rike, Silvie und Florentine sich einig. Doch woher einen Weihnachtsbaum nehmen, wenn sogar der Tiergarten abgeholzt ist? Jede der drei Schwestern hat eine eigene Idee.

Was gehört unbedingt zu Weihnachten?

Diese Frage stellen sich gerade viele Leute, denn sie ist sehr aktuell in diesem Dezember 2020. Durch die gegenwärtige Pandemie überlegt man sich, wie man das kommende Weihnachtsfest gestalten soll. Was gehört dazu, damit Weihnachten Weihnachten ist? Soll nur der eigene Haushalt, nur die engsten Verwandten oder doch wie üblich mehrere Familien oder Freunde zusammen feiern? Und was kommt auf den Tisch, wenn viele traditionelle Weihnachtsessen wie die diversen Fondues wegfallen? Immerhin stellt sich nicht die Frage nach dem Christbaum, denn der stellt Weihnachten 2020 kein Problem dar. 

Doch nicht anno 1946, als sich Flori in "Weihnachten am Ku'damm" unbedingt einen Weihnachtsbaum wünscht. Weihnachten ohne Christbaum geht für Flori nunmal nicht. Alle Familienmitglieder versuchen auf ihre eigene Weise Floris Wunsch zu erfüllen, und kreuzen dabei Wege von alten Bekannten oder lernen neue Personen kennen. Die Suche nach einem Baum, nach eventuellen kleinen Geschenken und nach genügend Essen ist gar nicht so leicht, denn eine grosse Lebensmittelkrise und ein extrem kalter Winter kamen im Dezember 1946 zusammen. 

Die Zeit zwischen November 1946 bis März 1947 ging als Hungerwinter in die Geschichte ein. In der durch Krieg gebeutelte und zerstörte Stadt froren und hungerten die Bewohner Berlins - sie mussten selbst schauen, wie sie zurecht kamen. 

Ob das mit dem Christbaum und der Weihnachtsfreude doch noch was wurde oder nicht, erzählt uns Brigitte Riebe hier auf 160 Seiten. Der kurze Roman nimmt "Die Schwestern vom Ku'damm"-Leserinnen wieder mit zu der Familie Thalheim. 

Man kann die Geschichte aber auch einfach so lesen, auch wenn man die Trilogie nicht kennt. Sie eignet sich deshalb gut zum Verschenken. Vielleicht kommt die eine oder andere Leserin dann auf den Geschmack und möchte mehr von den Thalheims wissen und gönnt sich daraufhin die Trilogie. 

Fazit: Ein Weihnachtsfest voller Entbehrungen, aber mit viel Nächstenliebe - so in etwa kann man diese berührende Geschichte umschreiben. 
4 Punkte. 


Reihenfolge:
Weihnachtsspecial: Weihnachten am Ku'damm 
 

Montag, 23. November 2020

Madame Clicquot und das Glück der Champagne von Susanne Popp

Klappentext:
Reims, 1805: Die junge Witwe Barbe-Nicole Clicquot übernimmt gegen den Widerstand ihrer Familie die Champagnerproduktion und den Weinhandel ihres verstorbenen Mannes – und stellt sich als talentierte Winzerin heraus. Doch es ist die Zeit der napoleonischen Kriege und die Geschäfte laufen nicht gut. Unterstützt von ihrem Mitarbeiter Louis Bohne und dem deutschen Buchhalter Christian Kessler bringt Barbe-Nicole ihr Unternehmen dennoch durch, entwickelt ein neues Herstellungsverfahren und schenkt dem Champagner damit sein verführerisches Prickeln. Angetan von ihrem Esprit entwickeln beide Männer Gefühle für sie – doch nur als Witwe kann Barbe-Nicole ihr Unternehmen unter ihrem Namen weiter führen. 

Obwohl ich das Prickelzeug selbst nicht trinke, bin ich, seit ich "Die Champagnerkönigin" von Petra Durst-Benning gelesen habe, fasziniert von den Champagner-Witwen - also jenen Frauen, die das Geschäft ihrer verstorbenen Männern weiter führten. Frauen in Männerberufen haben es auch heute noch immer nicht leicht, aber stellt euch das mal vor 200 Jahren vor. 

Eindrücklich erzählt Susanne Popp von Barbes mutigen Ideen und vor allem von ihrer Geduld und ihrer Beständigkeit trotz etlichen Schwierigkeiten. Die Kriegs- und Belagerungsjahre mussten überstanden werden, das Hoffen auf bessere Zeiten war die Durchhalteparole - und da ihr Name, Veuve Clicquot, und ihr Champagner auch 200 Jahre nach diesen harten Zeiten immer noch in aller Munde ist, scheinen sich alle Entbehrungen gelohnt zu haben. 

Der Schwerpunkt von "Madame Clicqout und das Glück der Champagne" liegt aber weniger auf den Entbehrungen, dafür viel mehr auf Barbes Ideen und ihrem Dilemma zwischen Witwe sein oder doch wieder heiraten (die Firma wäre dann an ihren neuen Ehemann übergegangen) oder zumindest einfach nur lieben und geliebt werden. Auch in diesem Bereich war sie ihrer Zeit weit voraus. 

Obwohl die junge Witwe sympathisch und grossherzig rüberkommt, Bekanntschaft mit Napoleon und Josephine macht und mit anderen politischen Grössen ihrer Zeit handelt, fehlt mir ein wenig die Nähe. Als Leser fühlt man sich mehr als Beobachter als mittendrin im Geschehen, dennoch fand ich den Roman sehr lesenswert. 

Neben den geschichtlichen Begebenheiten hat die Autorin viel Wissenswertes rund um den Weinanbau mit eingewebt, zum Beispiel die Entwicklung zum Klären des Champagner, die laut Roman Barbe zusammen mit ihrem Kellermeister erfunden hat. 

Fazit: Interessanter historischer Roman über eine Wegbereiterin in einem von Männern dominierten Beruf.
4 Punkte. 

Freitag, 20. November 2020

Azurblau für zwei von Emma Sternberg

Klappentext:
»Ein Sommer auf Capri. Persönliche Assistentin für Recherche- und Schreibarbeiten gesucht« Als Isa diese Anzeige liest, ist sie gerade an einem seelischen Tiefpunkt angekommen. Also packt sie kurzentschlossen ihre Koffer, fliegt nach Capri und findet sich in einer wunderschönen Villa am Meer wieder. Hier lebt die glamouröse Schriftstellerin Mitzi, die mit über 80 ihre Erinnerungen aufzeichnen möchte. Während der Arbeit an dem Buch kommt Isa zur Ruhe - und Mitzi wird immer aufgewühlter. Denn tief in ihrer Erinnerung verbirgt sich eine große Liebe, die nie erfüllt wurde.



Das knallige Cover kann man nicht übersehen und die Zitronen rufen die Leser laut nach Capri. 

Auf diese sonnige italienische Insel reist Isa, um für einige Monate bei der 75jährigen Autorin Mitzi als Assistentin zu arbeiten. Mitzi diktiert, Isa schreibt auf. Auf diese Weise erfährt Isa viel aus dem Leben der bekannten Schriftstellerin, die unerkannt auf der Insel Capri lebt. Während Mitzi dabei merkt, dass sie jemand aus ihrer Jugend gerne wiedersehen würde, vergleicht Isa ihr Leben mit dem von Mitzi und erkundet in ihren freien Stunden die Insel. 

Polizist Luca ist nur zu gerne behilflich, und auch Mitzis Nachbar Massimo, dem der Schalk in den Augen sitzt. Dank den beiden fühlt sich Isa wohl auf Capri und sieht ihrem baldigen Abschied mit einem lachenden und tränenden Auge entgegen. Doch dann wird es auf einmal turbulent.

Isas Geschichte fand ich am Anfang gut und vor allem witzig erzählt, der Schreibstil gefällt. Doch ab einem gewissen Punkt auf Capri beginnt sie sich zu sehr im Selbstmitleid zu suhlen. Anstatt das Thema "keine Kinder zu bekommen" zu vertiefen oder halt mal wirklich ernsthaft darüber zu reden, denkt Isa nur. Der Plot hätte meiner Meinung nach auch ganz ohne das Thema Unfruchtbarkeit funktioniert - die Trennung von Alex allein hätte gereicht - es gab genug andere. Deswegen wundert es nicht, dass Mitzi Isa das Scheinwerferlicht nimmt, denn Mitzis Lebensgeschichte ist einfach viel interessanter. 

Es ist eine nette, leichte Geschichte, aber "Fünf am Meer" hat mir deutlich besser gefallen, da dort die Story viel spezieller war. Dennoch lässt sich "Azurblau für zwei" gut im Liegestuhl beim Sonnenbaden lesen, aber auch an einem trüben Wintertag. 

Fazit: Kurzweilig, aber nicht so speziell wie "Fünf am Meer". 
4 Punkte. 

Mittwoch, 18. November 2020

Das Glück wartet auf dich von Jana Lukas (Die Mühleschwestern 3)

Klappentext:
Antonia, die älteste der drei Mühlenschwestern, ist der Wirbelwind der Familie. Nachdem vor vielen Jahren ihre erste Beziehung traumatisch endete, lässt sie sich nur noch auf oberflächliche Affären ein. Dafür geht sie ganz in ihrem Beruf als Hebamme auf – und neuerdings in der Aufgabe als Treuzeugin für ihre beste Freundin Anna, die in der Mühle am Sternsee eine große Hochzeit plant. Doch als Antonia erkennt, dass ausgerechnet Xander, arroganter Sohn eines skrupellosen Hoteliers, den Trauzeugen gibt, möchte sie am liebsten davonrennen. Wenn Xander nur nicht so entsetzlich attraktiv wäre. 



Es hat sich ja bereits in den Vorgängerbänden angedeutet, dass Antonia und Xander irgendetwas miteinander verbindet, dass etwas geschehen sein muss, weswegen Antonia den netten und gutmütigen (und absolut nicht arroganten, wie es im Klappentext heisst) Xander auf dem Kieker hat. 

Und man merkt auch, dass gewisse Anziehungspunkte bestehen, gegenseitig. Dass sie nun aber viel Zeit miteinander verbringen sollen, weil sie beide die Trauzeugen ihrer Freunde Anna und Hias sind, passt besonders Antonia nicht. Doch ihre Härte schmilzt immer mehr und langsam erfahren die Leserinnen was die Älteste der Mühleschwestern Xander vorwirft. 

Ebenfalls Licht ins Dunkel kommt in Louisas Geschichte. Denn da war noch mehr, damals mit Brandl. Ob die fragile Beziehung zu ihrer Schwester Rena dadurch noch mehr belastet wird?

Viele Geheimnisse und turbulente ernste wie auch sehr witzige Szenen sind Kennzeichen dieses dritten Bandes. Rena mochte ich im Verlaufe der Serie immer weniger, Louisa und Xander hingegen mehr. Antonia ist diejenige der Schwestern, die für mich am unnahbarsten war. 

In meiner Rezension zum ersten Band freute ich mich darüber, dass die Autorin auf unnötige Twists und doofe Missverständnisse verzichtete. Im zweiten Teil kamen solche bereits vor - leider ist dieser dritte Teil nun komplett darauf aufgebaut. Jana Lukas ist natürlich bei weitem nicht die einzige Autorin, die sich dieses Stilmittels bedient, und wie der erste Band beweist, kann sie durchaus tolle Romane ohne diese nervenden Missverständnisse schreiben. Ich hätte gerne mehr davon! 

Trotz dem alles zu Grunde liegenden Problem ist "Das Glück wartet auf dich" eine nette Geschichte, bei der man die Figuren der ersten beiden Bände weiter begleitet, und die so kurzweilig daherkommt, dass die 512 Seiten schnell ausgelesen sind. 

Toll fand ich, dass alle drei Bände im selben Jahr erschienen sind. So kann man entweder alle nacheinander lesen oder im ET-Modus, aber man hat in einem Jahr die Serie komplett abgeschlossen und muss nicht jahrelang warten, um die Serie zu Ende zu lesen. 

Fazit: Unterhaltender letzter, aber nicht bester Teil der Mühleschwestern-Serie. 
4 Punkte. 


Reihenfolge: