Montag, 9. Februar 2026

Histo: Traum und Schicksal von Marie Lacrosse (Montmartre 2)

Klappentext:
Paris 1889: Elise Lambert und Valérie Dumas wurden am selben Tag geboren. Sonst haben die beiden Frauen nicht viel gemeinsam. Nach der Eröffnung des Moulin Rouge steigt Elise Lambert rasch zum Star des Tanz-Ensembles auf. Darunter leidet ihre Freundschaft mit der Tänzerin La Goulue. Obwohl der Maler Toulouse-Lautrec sie durch seine Werke immer bekannter macht, betrachtet La Goulue Elise zunehmend als Konkurrentin. Die Situation eskaliert, als sich ein reicher Adeliger für Elise interessiert. Unterdessen heiratet die aus gutem Hause stammende Valérie Dumas auf Drängen ihres Vaters den konservativen Künstler Baptiste Germain. Sie findet sich nur mühsam in den engen Schranken dieser Ehe zurecht und kämpft weiter um ihre eigene Zukunft als Malerin. Können Elise und Valérie ihre großen Träume verwirklichen?


Wie es im Leben von Elise und Valérie weitergeht, erzählt Marie Lacrosse im zweiten Band ihrer "Montmartre"-Reihe hier nahtlos weiter. Valérie Dumas muss heiraten, um das Ansehen ihrer Familie zu retten und Elise beginnt nach ihrer schweren Verletzung wieder zu arbeiten.

Die Arbeit im Moulin Rouge wird nicht nur durch ihren Neuanfang geprägt, sondern auch durch den neuen Chef, der neue Programme und Programmpunkte einführt, welches die Konkurrenz der Tänzerinnen anstachelt. Besonders Louise wird immer eifersüchtiger und lässt sich so manche Gemeinheit einfallen. Elise überfällt die Angst vor einer erneuten Verletzung und somit vor der Zukunft, denn in wenigen Jahren sind ihre Tage als Tänzerin aufgrund ihres Alters gezählt. Wie soll sie ihre Familie dann ernähren? Andere Tänzerinnen werden als Kurtisane reich, ein Lebensentwurf über den sie nachdenkt, aber noch fehlt Elise die dafür nötige Einstellung, denn ihre moralischen Werte sind hoch angesetzt. 

Nach dem ersten Erstarrtsein im Gefängnis ihrer Ehe mit Baptiste ist die erneute Begegnung mit Vincent van Gogh ein Lichtblick für Valérie. Seine Nachtbilder ermutigen sie, anders zu malen, ihrem Instinkt zu folgen. Sie entpuppt sich als geschickte Verhandlerin und hat Baptiste damit in der Hand. Doch wie lange?

Des Weiteren begleiten wir auch Simone, Elises Schwester, die ganz unten angelangt ist. Man hofft mit ihr, dass ihr die Flucht aus ihrem Elend gelingen wird. Auch mit André, Elises Ex-Freund, gibt es ein Wiedersehen. In diesem Band bewegt er sich in der politischen Szene. Der Maler Henri de Toulouse-Lautrec spielt weiterhin eine verbindende Rolle zwischen den Welten der beiden Protagonistinnen, die sich diese Mal zwar nicht persönlich begegnen, nur von weitem, sie haben aber trotzdem sehr viele Berührungspunkte.

Marie Lacrosse lässt den zweiten Band in den Jahren 1889 bis 1895 spielen. Jahre, in denen in Frankreich vieles passiert: die zehnte Weltausstellung 1889 in Paris; am 1. Mai 1890 wird zum ersten Mal der Tag der Demonstration gefeiert, ein Jahr später werden Demonstranten getötet; in der Sacré Coeur wird die achtgrösste Glocke der Welt, die "Savoyarde" eingesetzt; der Panama-Skandal wird öffentlich bekannt; Alfred Dreyfus wird ungerechtfertigt verurteilt; spürbar auch das Aufkeimen eines aggressiver werdenden französischen Nationalismus. Dieses Zeitgeschehen wird eingebunden in diese Fortsetzungsgeschichte von Elise und Valérie. 

Dicht gewebt erzählt die Autorin natürlich auch von der Geschichte der Moulin Rouge und der Künstlerszene in Paris. Dies alles hat sie sehr gründlich recherchiert. Am Ende des Buches geht sie noch darauf ein, was alles fiktiv oder gegebenenfalls passend für den Roman umdatiert wurde. Durch so viele verschiedene, aber sehr gut und passend eingebundene Elemente wurde auch "Traum und Schicksal" wieder ein seitenstarkes Buch. Im Gegensatz zu Band 1 wurde ich hier stärker gefesselt vom Schicksal der Protagonistinnen und der anderen Charaktere. 

Dennoch kam das Ende für mich sehr abrupt. Im eBook wird man davon aus heiterem Himmel überrascht und merkt erst, dass die vorherige Seite schon das Ende war, wenn man auf Seite 475/491 plötzlich merkt, dass dies kein neues Kapitel, sondern bereits das Nachwort ist. Das Ende jedoch lässt jedem offen, wie er sich die Biografien der Protagonistinnen zu Ende denken möchte, es gibt aber auch der Autorin die Gelegenheit, irgendwann vielleicht doch noch die Leben von Elise und Valérie weiter zu spinnen. 
 
Fazit: Eine intensiv erzählte Geschichte zwischen Tanz, Kunst, Kirche, Puff und Politik. Lesenswert!  
4 Sterne.


Dienstag, 3. Februar 2026

Liebesrausch von Charlotte von Feyerabend

Klappentext: 
Paris, 1931. Als Anaïs Nin den zwölf Jahre älteren Henry Miller trifft, wird ein Feuer entfacht: Beide inspirieren sich nicht nur literarisch, zwischen ihnen brennt auch eine ungezügelte Leidenschaft. Das Leben mit allen Sinnen zu fassen, alle Schranken zu sprengen und dafür die perfekten Worte zu finden, das streben beide an – koste, was es wolle. Sie tanzen auf den rauschendsten Festen und lassen ihrer Fantasie freien Lauf. Doch während sich Henry voll und ganz den Exzessen hingibt, führt Anaïs auch eine konventionelle Ehe mit Hugo, der sie über alles liebt und finanziell für sie und ihre Künstlerfreunde sorgt. Den emotionalen Spagat zwischen Hemmungslosigkeit und Konventionen kann Anaïs nur in ihren berühmt-berüchtigten Tagebüchern verarbeiten: Gehören Erotik und Sinnlichkeit in den Mittelpunkt des Lebens? Und darf man dafür die Menschen belügen, die einen lieben?


Charlotte von Feyerabend hat sich der anspruchsvollen Aufgabe gestellt, eine Romanbiografie über zwei schwierige Charaktere zu schreiben. Die Autorin zeichnet in "Liebesrausch" eine schonungslos ehrliche Anaïs Nin und einen oft sehr wütenden und gefrusteten Henry Miller. 

Von ihm hab ich in meinen Jugendjahren "Das Lächeln am Fusse der Leiter" gelesen und ich dachte, ich hätte auch von Anaïs etwas gelesen, bin mir aber aktuell gar nicht mehr sicher - und nach "Liebesrausch" werde ich nichts mehr von ihr lesen, das reicht nun völlig aus. 

Im Roman wird zwar viel über die Vergangenheit von Anaïs erzählt, er spielt aber ausschliesslich in ihren Pariser Jahren, von 1931 bis 1936, und stellt neben Anaïs Innenleben auch ihre Beziehung zu Henry Miller in den Mittelpunkt. Anaïs war verheiratet, aber trotzdem mit Henry liiert, ausserdem war sie fasziniert von Henrys Frau June, die sich - zum Glück für alle Beteiligten - nur selten in Paris aufhielt, und unterhielt weitere Affären mit ihrem Therapeuten. 

Trotz ihres unkonventionellem Liebesleben und trotz ihrer Unfähigkeit Missbrauch festzustellen - gerade sie, die sich für Psychoanalyse interessierte und später zeitweise als Therapeutin arbeitete - kommt sie meistens sympathisch daher. Im Gegensatz zu Henry bleibt Anaïs Ehemann, Hugo Guiler, immer eine Nebenfigur. Dennoch lag ihr viel Wert an ihm, was die Autorin auch gut vermittelte. Besonders eine Szene fand ich bezeichnend, als Anaïs zwecks Aufklärung mit ihm gemeinsam ein Bordell aufsuchte.  

Die Lektüre war aber leider nicht durchgehend fesselnd, was wahrscheinlich den fast immer gleichen, repetitiven Tätigkeiten (Diskutieren und Liebe machen) und Örtlichkeiten geschuldet ist. Man trifft sich entweder im Haus von Anaïs und Hugo in Louveciennes oder bei Henry in Paris. Viel mehr gibt das Leben der beiden Protagonisten nicht her, obwohl dieser Satz jetzt auch missverständlich klingen könnte. Natürlich hatten sie aufregende Leben, das hier aber auf oben Genanntes zusammen geschoben wurde. Zudem ist es aus heutiger Sicht unvorstellbar, dass man damals ohne richtige Ausbildung Therapien durchführen konnte, vor allem, wenn man selbst unter Traumata leidet. 

Die Printausgabe ist sehr schön aufgemacht, auf dem Innenumschlag ist der Stadtplan von Paris abgedruckt und die verschiedenen Wohnorte eingezeichnet. Am Ende des Buches finden sich noch einige Rezepte. Nette Idee, aber für diesen Roman eigentlich überflüssig. 

Fazit: Einerseits ist diese Romanbiografie ein interessanter Einblick ins Leben von Anaïs Nin und Henry Miller, andererseits machen einem es die Charaktere nicht leicht, ihre Geschichte nachzuvollziehen.  
3.5 Sterne.




Sonntag, 1. Februar 2026

Neuerscheinungen und Monatsvorschau Februar

Büchermässig beginnt der Frühling bereits im Februar - die Anzahl der Neuerscheinungen sind wieder gestiegen und so ist auch meine Februar-Auswahl mit 20 Titeln für Anfangs Jahr relativ hoch ausgefallen. 


Neben einigen Krimis stehen viele zeitgenössische plus zwei historische Romane auf meiner Liste. Wer jetzt genau zählt, kommt auf einen Titel mehr. 

Dieser Titel ist nämlich schon länger erschienen, aber da Band 2 im Februar rauskommt und die beiden Bücher die einen oder andern von euch auch interessieren könnten, zeige ich ihn euch auch jetzt. Es ist das Sachcomic "Die Frau als Mensch" und äusserst empfehlenswert für alle geschichtlich Interessierten. Band 2 zieht nach Erscheinungstermin bei mir ein. Vielleicht rezensiere ich die beiden im Februar dann noch. 

Ähnlich verhält es sich mit "Prep". Dies ist keine Neuerscheinung, sondern eine Neuauflage. Grund dafür dürfte wohl sein, dass in "Mittelalte Frauen" von Curtis Sitterfield eine Protagonistin auftaucht, die aus "Prep" bekannt sei. Von der Autorin hab ich mal "Vermählung" (eine Jane Austen "Stolz und Vorurteil"-Adaption) gelesen, das hatte ich damals abgebrochen, deshalb werde ich in ihre andern Bücher nur unverbindlich reinlesen. 






  


Einziehen dürfen einige Titel von der Februarliste, doch die lege ich erst mal zur Seite, da ich noch einiges von den letzten Monaten abzulesen habe und deshalb für diesen Monat keine Rezi-Exemplare angenommen habe.

Heute bereits eingezogen ist der Auftakt der neuen Reihe von Julie Caplin, der erste Band der "Vintage Kleiderträume" - ich mag die Autorin (von der "Bloomsbury"-Reihe) - und dann hörte sich "Sommer, Glück und Ringelblumen", Schweden und Blumen, einladend an. Im Laufe des Monats werden ausserdem "Hold me in Summer" und auch "Das Salz in der Luft" einziehen. Beides sind Reihen-Fortsetzungen. 

Lesen werde ich zusätzlich, ebenso nicht zeitnah, auf jeden Fall die drei Krimis und bei Gelegenheit vielleicht auch die anderen noch nicht genannten Titel. Die beiden historischen Bücher irgendwann ebenso, aber "Der Rosenhof" hat über 600 Seiten, und da ich nicht gerne so dicke Bücher lese - davon hatte ich im Winter eh grad zu viel - kommen deshalb erst mal die unter 450-seitigen Bücher zum Zug.

Zwischendurch ein dickes Buch ist okay, aber zu viele davon in einem Monat mag ich nicht lesen. Was mir aber im Februar bevorsteht und ich im gestrigen Januar-Rückblick schon durchblicken liess. Auch ein Grund, wieso ich auf den den 2026 Neuerscheinungsliste kaum Bücher mit mehr als 500 Seiten zeigen werde, weil ich weiss, dass die einfach auf dem SuB liegen bleiben.

Wie sieht es bei euch im Februar aus? Welche Neuerscheinungen ziehen bei euch ein, welche werdet ihr irgendwann lesen und welche SuB-Bücher möchtet ihr im Februar davon befreien?

Samstag, 31. Januar 2026

Lesemonat und Monatsrückblick Januar 2026

Anfang Januar war ich noch gar nicht parat für das neue Jahr. Erst nach etwa 10 Tagen, als ich in meiner neuen Agenda 2026 (Print, nicht digital!) die wichtigsten Daten nachgetragen habe und die Zeit bis zu den Schulferien im Februar geplant habe, plus "Weihnachten" verräumt habe, war ich dann langsam ready. 


Das Wetter war in diesen ersten Tagen eisig kalt, leider waren nur die Wiesen noch ein wenig mit Schnee bedeckt und durch den Kiesweg konnte man wegen - abwechslungsweise - Eisflächen oder See bis fast Ende Monat nicht mehr laufen. 

Der Januar ist immer so ein Winterschlafmonat für mich, der schlimmste Monat im Jahr: kalt, eisig, oft neblig, keine Feiertage, keine Ferien, bloss Geburtstag und den mag man im Januar auch nicht feiern. Deshalb war ich gar nicht unterwegs und mit einer Freundin abgemacht hab ich auch nur einmal. 

Dafür haben meine Tochter und ich die Eiskunstlauf-EM verfolgt und freuen uns schon auf die Olympischen Spiele im Februar, um erneut die Wettkämpfe auf den Kufen zu schauen. Gerne würde ich mal so eine Kür choreografieren! 

Gelesen hab ich 6 Bücher im Januar. Bis auf eins waren sie gut bis sehr gut. Das eine, mit dem ich ein wenig kämpfte, war "Liebesrausch", eine Romanbiografie über Anaïs Nin und Henry Miller. Ich tue mich auch schwer mit einer endgültigen Bewertung, denn über so schwierige Charaktere zu schreiben, ist sicher nicht einfach. Über der Rezension brüte ich noch, die kommt nächste Woche. 

3.5 Sterne 
- Liebesrausch von Charlotte von Feyerabend

4 Sterne
- Wie ein Mann nichts tat und so die Welt rettete von Lukas Maisel 
- Wolkenschiffe tragen dich von Patricia Koelle (Glückshafen 2) 
- Verhängnisvoller Champagner von Tom Hillenbrand (Xavier Kieffer 8) 

5 Sterne
- Wohin die Wünsche fliessen von Patricia Koelle (Glückshafen 3) 



Somit bin ich nun nach mit Rezensionen schreiben, ich habe auch noch einige zu den Dezember-Bücher geschrieben und die Rezensionen in den entsprechenden Lesemonaten verlinkt. Etwas, was ich sonst im Dezember tue, brauchte in der letzen Januarwoche auch noch viel Zeit: die Frühlingsvorschauen durchackern. Ich sag euch, meine Neuerscheinungslisten werden im 2026 schon ab Februar lang! 

Dafür fehlte mir dann die Zeit, um weitere Bücher zu lesen. Deshalb stehen noch immer Rezi-Exemplare auf meiner Leseliste. Bis Ende Februar werde ich auf jeden Fall durch sein damit und dann kann ich ab März erst mal keine Bücher mit über 400 Seiten mehr sehen. Denn fast alle, die warten, sind dick: 415, 432, 480, 496, 560, 576 und zweimal 378 Seiten. Im Januar waren auch schon drei ü400-seitige, eins davon hatte knapp 500 Seiten, dabei. 

Inhaltlich war ich sehr zufrieden, bis eben auf "Liebesrausch", mit dem kam ich beim Lesen dann leider auch nicht so voran. Teil 2 und 3 der "Glückshafen"-Reihe waren perfekt, um sich gedanklich dem Winter zu entziehen, die beiden Krimis waren spannend. Von "Wie ein Mann nichts tat und so die Welt rettete" hab ich letztes Jahr an der LBM gehört und war neugierig drauf, weshalb ich es in der Onleihe ausgeliehen hatte. Es ging quasi darum, dass einer den Alarmknopf nicht drückte und so wahrscheinlich den dritten Weltkrieg verhinderte, war interessant.

Jetzt muss ich aber erst mal den Kopf lüften und werde dies mit dem neuesten Cherringham-Band tun und danach zu "Das Wintermärchen von Kerry" greifen, bevor es dann mit den jeweils zweiten Bänden der "Montmartre"- und der "Lindt & Sprüngli"-Reihe weitergeht. 

Wie habt ihr den Januar erlebt?





Freitag, 30. Januar 2026

Wohin die Wünsche fliessen von Patricia Koelle (Glückshafen 3)

Klappentext:
Rixa ist auf dem alten Gulfhof an der ostfriesischen Küste aufgewachsen, doch lange hält sie es dort nicht aus. Ihrer Mutter Feeke nimmt sie die Trennung zu ihrem Vater übel und außerdem hat sie dessen Wanderlust geerbt und möchte etwas von der Welt entdecken. Erst als sie über Umwege erfährt, dass es dem Hof und ihrer Mutter nicht gut zu gehen scheint, überkommt sie das schlechte Gewissen und sie möchte helfen, das Zuhause ihrer Kindheit zu retten. Sie begibt sich auf die Suche nach einem weiteren Flaschenschiff und wird dabei von Rufus unterstützt, zu dem sie gleich eine tiefe Verbindung spürt. Die beiden geben sich Halt, beflügeln gegenseitig ihre Kreativität und entdecken in Cuxhaven nicht nur einige Geheimnisse, sondern gewinnen vor allem Erkenntnisse über sich selbst.


Rixa möchte eigentlich gerne mal wieder nach Hause auf den Filapperhof, der vom ersten Band dieser "Glückshafen"-Reihe her bekannt ist. Doch sie traut sich nicht, denn sie denkt, dass nun Pixie bei ihrer Mutter Feeke und ihrem Bruder Sebo ihren Platz eingenommen hat. Die Annäherung an ihr Zuhause macht sie auf eine unübliche Art und Weise: Rixa meldet sich bei Remy und bietet ihr an, sich auf die Suche nach weiteren Lebensstationen von Kapitän Flömer zu machen. Unkompliziert wie Remy ist, lässt sie sich darauf ein, lässt die Vertrage aber ihren Bruder Rufus überbringen. 

Obwohl Rufus als Schreiner einen Möbelrenovationsauftrag hat, hilft er Rixa bei ihrer Suche nach einem weiteren Flaschenschiff von Kapitän Flömer. Rufus und Rixa stecken beide gerade in Fernbeziehungen, beide Partner befinden sich zur Zeit im Ausland. Die Frage nach der Zukunft ist bei ihnen deshalb sehr aktuell. Schnell fassen sie Vertrauen ineinander und freuen sich, im jeweils andern einen guten Gesprächspartner gefunden zu haben. 

Rixa, die keine Ausbildung hat, aber gerne Mobiles gestaltet, trifft auf Glaskünstlerin Kira, deren Werke Rixa beeindrucken und die sie gerne auch herstellen würde. Die zur Zeit am Arm verletzte Kira nimmt Rixa bei sich auf und weiht sie in ihre Kunst ein. Die eigentliche Flömer-Suche gerät in den Hintergrund, doch dann stossen Rixa und Rufus bei einem Ausflug eher zufällig auf seine Spur. Und die ist heiss!

Der Teil von Flömers Lebensgeschichte, der hier in "Wohin die Wünsche fliessen", enthüllt wird, ist sehr spannend geschildert und höchst interessant. Man bekommt einen ganz neuen Blick auf den sympathischen Kapitän, den man gerne persönlich kennengelernt hätte. 

Das Setting in diesem dritten Band ist wie immer in Patricia Koelles Bücher toll ausgewählt. Der Wunsch, einmal eine Reise zu all diesen Schauplätzen zu unternehmen, wird von Buch zu Buch grösser. 

Der Roman erzählt von Begegnungen, die zur rechten Zeit kommen. Menschen, die die Protagonisten - sowie in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit - einen Teil des jeweiligen Lebens begleiten. Es sind eher zufällige Begegnungen, die unerwartet in so was wie Lebensabschnittsgefährten münden. 

Fazit: Ein mehr als gelungener dritter Band, der durch überraschende Begegnungen besticht und bestens unterhält. 
5 Sterne.


Reihenfolge:
Band 4: Der Wind in unseren Segeln (ET: 25.03.26)

Wolkenschiffe tragen dich von Patricia Koelle (Glückshafen 2)

Klappentext:
Elin ist vom Leben gefrustet: Ihre berufliche Karriere will einfach nicht in Gang kommen und außerdem hat sie schrecklichen Liebeskummer. Aus diesem Grund flüchtet sie auf den alten Gulfhof mit der Hoffnung auf Erholung und trifft dort auf den eigenbrötlerischen Tede Tönjes. Der wurde von seinen Geschwistern beauftragt, auf Usedom ein wichtiges Flaschenschiff zu finden, wofür er sich zunächst verweigert. Doch die temperamentvolle Elin bringt ihn schließlich dazu, sich mit ihr zusammen auf die Suche zu machen. Das gemeinsame Abenteuer und die aufkeimenden Gefühle füreinander beflügeln die beiden, bis ein entscheidender Hinweis sie dann in das malerische Wolgast führt. Dort müssen sie auf den Spuren der Vergangenheit Entscheidungen für ihre Zukunft treffen. 


Elin liebt Wolken, ausserdem träumt sie davon, beruflich Ökologie und Tourismus zu verbinden. Sie hat einige Monate auf dem Filapperhof verbracht und soll nun Tede dabei unterstützen, ein weiteres Flaschenschiff zu suchen. Tede ist ein ruhiger, sensibler junger Mann, ein Fassadenmaler, der Gärten liebt. Zusammen mit Elin reist er nach Usedom, beide sind gespannt auf ihr Hotel. 

Ich war es auch. Als treue Leserin von Patricia Koelles Bücher weiss man bereits im Voraus, dass da was Spezielles kommen wird. Und so war es dann auch. 

Zusammen erkundigen die beiden nicht nur weitere besondere Unterkünfte, sondern auch kreative Gärten. Was sie noch nicht wissen: bald bekommen sie die Chance, beides selbst zu gestalten. 

Die Suche nach Kapitän Fiete Flömers zweitem Flaschenschiff gestaltet sich dagegen ein bisschen schwieriger. Die Suche nach dem Schiff ist für beide eine Art Jakobsweg. Beide nehmen sich aber immer wieder Zeit in den Himmel zu schauen, und die Wolken zu betrachten. Auch sogenannte "Luchtwieven" sichten sie.

Diese "Lichtweiber" kannte ich bisher noch nicht, ebenso lehrreich waren die Beschreibungen und Namen der Wolken. Die konnte ich mir wie Elin bisher auch nicht gut merken. Am Boden hingegen finden sich immer wieder neue Worte. Geschrieben mit Kreide. Wer Flömer kennt, weiss weshalb.  

Auch alles was sich zwischen Himmel und Erde abspielt war interessant zu lesen. Deutlich macht die Autorin in diesem Band, dass Flömer zwischen Dasein und Fortsein hin- und hergerissen war, klar ersichtlich auch an seiner Lebensgeschichte, von der in jedem Band mehr herausgefunden wird. 

Fazit: "Wolkenschiffe tragen dich" ist erneut eine schöner Roman, bei dessen Lektüre man zur Ruhe kommt. Er schenkt den Leserinnen, v.a. den Städterinnen, einen langen Blick aufs Meer - und natürlich auf den Himmel mit all seinen Wolkenspielen. 
4 Sterne.

Reihenfolge:
Band 4: Der Wind in unseren Segeln (ET: 25.03.26)

Mittwoch, 28. Januar 2026

Krimi: Verhängnisvoller Champagner von Tom Hillenbrand (Xavier Kieffer 8)

Klappentext: 
Seine Lehre hat der Luxemburger Koch Xavier Kieffer einst in der Champagne absolviert. Als er dort einen alten Freund besucht, der inzwischen ein Champagnerhaus leitet, wird er Zeuge eines schrecklichen Unfalls. Oder war es Mord' Kieffer beginnt zu ermitteln und muss feststellen, dass sich hinter den luxuriösen Fassaden der großen Champagnerhäuser allerlei Geheimnisse verbergen – und dass nicht alles, was perlt und moussiert, auch tatsächlich den Namen Champagner verdient. Während seiner Recherchen in Paris, Reims und Luxemburg lernt der Koch, dass manchen jedes Mittel Recht ist, um im globalen Milliardengeschäft mit Schaumwein mitzumischen.



Als Xavier im Lager seines Restaurants einige spezielle Kisten Champagner entdeckt, erinnert er sich an früher, an seine Ausbildungszeit in der Champagne. Kurz darauf sieht er einen von seiner damaligen Clique, Luc Reiser, in Paris an einem Gabin-Event. Sie verabreden, dass Xavier Luc bald mal besuchen kommen wird. Als dies dann geschieht, findet Xavier Luc schwer verletzt auf, Luc verstirbt noch vor Ort. Spätestens einige Tage später, als Xavier in Luxemburg unerwarteten Besuch erhält, ist ihm klar, dass es sich um einen gezielten Mordanschlag auf Luc gehandelt haben muss. 

Während in Rückblicken immer wieder Details von früher erzählt werden, von Boudier, Xaviers Chef und seinen damaligen Kollegen, darunter Paul, der exzentrische Argentinier Leonardo, Yves Colrier, neben Luc Reiser der zweite Champagnerprinz in der Gruppe, und Fabienne, die erst mit Xavier anbandelte, dann mit anderen und nun mit Luc verheiratet ist, ermittelt in der Gegenwart Xavier auf Bitte von Fabienne auf eigene Faust. Er informiert sich über das Champagnergeschäft und stösst dabei auf viele legale und illegale Mauscheleien.

Zum Glück mag ich keinen Champagner und auch keinen Sekt, sonst wäre mir die Lust darauf wohl tatsächlich vergangen. Verschnittenes Blubberwasser - ein Millionengeschäft. Xavier kommt dem allen auf die Spur und ermittelt am Ende auch die Täterschaft.

Dieser achte Band ist wie bereits der siebte Fall wieder echt gut geschrieben. Es macht wieder richtig Spass, die Reihe zu verfolgen, besonders nachdem ich nach der Lektüre von Band 5 und 6 eigentlich keine Lust mehr dazu hatte. Xavier raucht noch immer viel, aber auch das ist längst nicht mehr so schlimm wie den vergangenen Bänden. 

Neben der Champagner-Mord-Geschichte geht es nebenbei auch um einen Vorfahren von Xavier, um den sich Legenden ranken, das war nett zu lesen. 

In "Verhängnisvoller Champagner" trifft die Leserschaft auf altbekannte Figuren wie der Finne Pekka, Xaviers Freundin Valérie und der ganze "Deux Eglises"-Staff, der dieses Mal sehr oft auf Xavier verzichten muss und natürlich auch noch kurz seine Polizei-Bekanntschaften. 

Ein Fall mit hohem Spannungsbogen und interessanten Details zur Champagner-Herstellung. Mir gefielen auch die Rückblicke in die 80er-Jahre, so lernte man Xavier gleich noch ein bisschen besser kennen. Wie immer kommt auch das Lokalkolorit nicht zu kurz.

Fazit: Ein gelungener achter Band, der mit viel Spannung und Hintergrundwissen zur Champagner-Herstellung auftrumpft. 
4 Sterne.



Reihenfolge:
Band 1: Teufelsfrucht
Band 2: Rotes Gold
Band 3: Letzte Ernte
Band 7: Goldenes Gift