Freitag, 14. August 2020

eReader: erster Eindruck des neuen Pocketbook Color

Jahrelang schon lese ich meine Bücher auf elektronisch und praktisch ausschliesslich auf eReadern. Angefangen habe ich mit einem ausgeliehenen Kindle Keyboard, hab mir dann beim Erscheinen direkt aus Amerika den allerersten Kindle Paperwhite (Generation 5) mitbringen lassen und weil wir in der Familie zwei eReader brauchten, mir später den PW Paperwhite 2 (Generation 6) gekauft. Mittlerweile benutze ich den neuesten Paperwhite (Generation 10). Doch da man mit Kindle an Amazon gebunden ist, und es früher Rezensionsexemplare nur als epub gab und ich ausserdem die Onleihe nutzen wollte, habe ich mir einen Tolino ins Haus geholt. Auch da zogen mehrere in unseren Haushalt ein: zuerst zweimal den Vision 3 HD, dann der 4 HD.






Mein erster Vision funktionierte erst gar nicht und statt ihn umkompliziert im Laden umzutauschen, hätte ich ihn, ohne dass sich hier vor Ort ihn jemand ansah, nach Deutschland einschicken und wochenlang auf einen Ersatz oder eine Reparatur warten müssen, ganz zu schweigen von den Zollgebühren, die ich bei Erhalt berappen hätte müssen. Kundenservice geht anders! Da war das eine Mal in all den Jahren bei Amazon - etwas bei FreeTime funktionierte einmal nicht - doch wirklich unkompliziert, ein freundlicher Anruf und gut war. Irgendwie brachte ich den Tolino dann doch noch zum laufen, aber glücklich war ich mit dem Tolino nie. Die Handhabung war komplizierter, ausserdem zicken die Geräte ständig herum, stürzen ab und und und... 

Deshalb schaute ich mich nach anderen eReadern um, Kobo gabs hier nicht und gehörte dann ja bald zu Tolino, von daher war das auch keine Option. Und obwohl Pocketbook angeblich eine Schweizer Firma ist, bekam man ihn bis vor wenigen Jahren hierzulande ebenfalls nicht. Mittlerweile hat das Buchhaus Lüthy die eReader des Schweizer Herstellers nun im Sortiment und auch über andere Elektrik-Onlinehändler kann man Pocketbook-Geräte bestellen.

Also schaute ich mir die PB-Reader im Buchhaus mal an. Sie schienen dem Tolino ähnlich zu sein, und ich nahm mir vor, wenn der Tolino schlapp macht, kauf ich mir einen PB. Mein Tolino läuft noch, aber gerade ist der Pockebook Color erschienen - ein Reader mit Farbdisplay!

Endlich mal die Cover in Farbe sehen oder Abbildungen in Büchern, Comics, Bilderbücher - das wäre ja wirklich schön! Kurzentschlossen, ohne ihn live gesehen zu haben, hab ich ihn mir bestellt und teste ihn nun seit vorgestern. Das Gerät samt Hülle ist leichter als meine beiden anderen Lesegeräte.


Für Leser, die bereits einen PB haben, kommt es sicherlich zugute, dass man sich keine neue Hülle kaufen muss, sondern die bestehende vom Touch Lux 4, Touch HD 3 und Basic Lux 2 verwenden kann. So ein Shell Cover habe ich mir gekauft. Sie kommt im Stoffdesign daher, ist aber nur Kunststoff - könnte besser sein, aber es genügt meinen Ansprüchen vorerst. 

Als Erstes muss ich sagen, dass die Handhabung bei weitem nicht so intuitiv ist wie beim Kindle oder Tolino. Dazu trägt auch das komische Vokabular bei: Mit "Vordergrundbeleuchtung" ist einfach die Beleuchtung des Geräts gemeint. Es gibt nicht noch eine versteckte im Hintergrund, wie das Wort mir suggeriert. Das Handbuch ist in einem schlechten Deutsch verfasst, zudem gibt es etliche unschöne Übersetzungsfehler, da müssten die Verantwortlichen unbedingt noch einmal drüber schauen.



Die Hülle versetzt den Color Lux nur in den Sleepzustand, wenn man das Gerät auf nie abstellen einstellt. Das Ein-/Ausschalten des Readers funktioniert durch den Ein/Aus-Knopf am unteren Ende des Geräts, da kommt man nur schlecht ran. Für mich ein negativer Punkt. An der oberen Leiste würde das viel mehr Sinn machen, nur schon von der Handhaltung her. 



Voreingestellt sind extrem viele Klassiker in diversen Sprachen drauf. Gut gemeint, aber was soll ich mit polnischen Büchern? Immerhin muss man sie nicht einzeln löschen, sondern man kann die nichtgewollten Bücher "auswählen" und gemeinsam vom Reader löschen. Leider funktioniert genau das "auswählen" mehrerer Bücher leider gar nicht, wenn man diese in eine selbsterstellte Sammlung legen will. Ich hatte zwar nur 72 Bücher - habe nur meine ungelesenen eBooks draufgetan - aber auch das braucht seine Zeit, wenn man die alle einzeln in die Sammlungen aufteilen will. Und: es geht nur von der Bibliothek aus, nicht vom Home-Bildschirm - dort würde das einzelne zuteilen ja wenigstens noch Sinn machen, wenn nur ein oder zwei neue Bücher dazu kommen. Wenn man die Cover auswählt, werden sie verblasst dargestellt. 


Das vorherige Übertragen der Bücher vom Computer (ADE) auf den PB Color läuft gut, man muss beim Einstöpseln allerdings sagen, ob man das Gerät aufladen oder Bücher draufladen will. Beim Entfernen erscheint im Gegensatz zum Tolino kein Extra-Fenster, das einem auf die neuen Bücher aufmerksam macht. Erst wenn man den PB abstöpselt, sieht man nach einigen Sekunden die neu zugefügten Bücher. Toll ist, dass man auch andere Formate als epub auf dem PB lesen kann, ich habe es mit einem mobi-Format probiert und es klappte perfekt. Es ist also ein perfekter Reader für jemand, der Amazon-Bücher plus Onleihe und alle anderen Buchhändler haben möchte.



Die Tastatur des PB Color Lux ist um einiges besser als bei den Tolinos. Kein Vertippen mehr! Somit wird das Einrichten des Readers und der Onleihe einfach. Aber bei der Onleihe gelang es dem Browser nicht, die zweite Onleihe zu öffnen. Für mich ist die andere nicht so wichtig, ich kann sie auch auf dem Tolino öffnen, von daher spielt das für mich keine grosse Rolle, für andere User hingegen schon. Eigentlich müsste der Browser die zwei doch unterschiedlichen Adressen erkennen. Ich werde es irgendwann nochmals versuchen, indem ich mich bei der einen, die ich als Web-Startseite einstellte, vollständig abmelde.

Was ich doof finde, sind die Tasten am unteren Bildrand. Je nachdem wie ich den Reader halte, kommt mein Daumen oft unten auf die Tasten. Vielleicht brauch ich da etwas Umgewöhnungszeit. Für mich braucht es keine Tasten, ausser die Taste zum Rückwärtsblättern - denn das funktioniert beim Lesen mit nur links tippen nicht. Da ist die Taste zuverlässiger. 

Super einfach ist die Lichteinstellung. Wenn man tagsüber an der Sonne liest und dann erst am Abend im Bett wieder, kann man mit einer einfachen Wischbewegung die Helligkeit anpassen. Das find ich prima. 

Auch toll finde ich, dass man den Shop ausblenden kann und man nur die eigenen Bücher auf dem Home-Bildschirm hat. 

Der Bildschirm allerdings ist äusserst heikel. Er reagiert eigentlich schnell, nur wenn man aus dem Buch heraus will wird es schwierig. Das Mitten-ins-Buch-tippen klappt nicht wirklich, entweder tippt man zu wenig oder zu lang/stark. Da fehlt mir noch das nötige Fingerspitzengefühl, welches sich hoffentlich in den nächsten Wochen einstellt. Während man bei Kindle und Tolino Fingerabdrücke nur bei sehr genauem Hinschauen sieht, fallen sie beim PB Color sofort auf. Der Bereich erscheint dann heller und streifig, zumindest wenn man die Covers betrachtet, bei Nur-Text ist es nicht so. Total unschön ist der untere Rand, da sind dunkle Schatten sichtbar. 


Die Farben der Cover zu sehen ist toll, aber ich hätte sie ehrlich gesagt kräftiger erwartet. Beim Scrollen durch die Bibliothek braucht es jeweils ein paar Sekunden, bis die Farben richtig eingestellt sind, aber auch dann bleiben sie trotz allem doch immer matter als die echten Cover. Auf den Fotos unten mit dem grünen Tischtuch kann man vergleichen wie dasselbe Cover auf dem PB Color aussieht und wie auf dem iPad mini. Die matte Farbe vom PB ist deutlich sichtbar. 


Anbei eines Romans "This is (not) a Love Song" habe ich weitere Vergleichsfotos gemacht. Alle drei Geräte (Tolino Vision 4 HD, Pocketbook Color, Kindle PW Gen.10) sind von der Helligkeit in der Mitte eingestellt. Man sieht hier klar, dass der Bildschirm des PB Color eher bläulich daher kommt.





Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass der Hintergrund irgendwie gräulich aussieht, weiss mit vielen kleinen grauen Pünktchen drauf, was wohl wie eine Buchseite aus Papier ausschauen soll. Da das aber nicht einfarbig ist, hebt sich die Schrift nicht gut vom Hintergrund ab. Deshalb wäre es wünschenswert, dass man die Schriftdicke selbst einstellen könnte. Das geht nicht, angeboten werden nur "Normal" oder "Fett" - nichts zwischendrin. Aber auch "Fett" funktioniert nicht bei jeder Schriftart, die auf dem Color angeboten werden. Ein grosser Minuspunkt für mich. Auch die Schriftarten-Auswahl könnte besser sein. Wie sich das auf mein Leseverhalten auswirkt, ob meine Augen dadurch müder werden oder nicht, kann ich noch nicht sagen, dazu muss ich erst noch ausgiebig auf dem PB lesen.

Absolut toll ist, dass man nun Fotos oder Zeichnungen in Büchern auch richtig und farbig sehen kann. Das hat man gleich noch mehr Spass beim Lesen als sonst. Hier einige Fotos davon: 






Soweit mal meine ersten Eindrücke zum Pocketbook Color. Ich muss mich an diesen Reader sicherlich noch gewöhnen, einige Funktionen brauche ich nicht oder habe ich noch nicht ausprobiert, wie zum Beispiel Hörbuch hören. Ich lese lieber als dass ich Hörbücher höre, aber dass ein Reader beides kann, ist natürlich toll. Wie ich langfristig mit dem PB Color klarkomme, kann ich erst in einigen Wochen erzählen.

Wie gefällt euch der Pocketbook Color? Wäre das ein eReader für euch?














Donnerstag, 13. August 2020

Lehrerin einer neuen Zeit von Laura Baldini

Klappentext:
Rom, 1896. Die junge Maria Montessori ist erschüttert, als sie den vermeintlich schwachsinnigen Kindern in der Psychiatrie begegnet: Gespenstische Stille herrscht in dem nackten Raum, und sie blickt in todtraurige Gesichter. Als Maria darauf besteht, den Kindern Spielzeug zu geben, erwachen sie zum Leben. Die Klinikärzte können nicht fassen, welche Verwandlung sich vor ihren Augen abspielt. Für Maria ist es einer ihrer größten Glücksmomente und der Beginn einer beispiellosen pädagogischen Karriere. Bald jedoch stellt die Liebe zu einem Kollegen sie vor die schwerste Entscheidung ihres Lebens.



Laura Baldini alias Beate Maly lässt uns in "Lehrerin einer neuen Zeit" am Leben von Maria Montessori teilhaben. 

Die Lernmethoden, die die berühmte Pädagogin damals anwandte, sind heute nichts Spezielles und ganz normal. Wie z.B. der Test beim Kinderarzt, wenn Kleinkinder eine Form in die richtige Formbox stecken müssen. Doch um 1895 waren solche "Begreif"-Methoden nicht bekannt. Kinder mit Traumata, oder solche, die sich einfach langsamer entwickelten, wurden in eine psychiatrische Klinik gesteckt und vegetierten dort vor sich hin - ohne jegliche Beschäftigung. 

An diesem Punkt griff Maria Montessori ein. Den Kindern zu helfen, wurde ihr, die kurz zuvor als eine der ersten Frauen als studierte und ausgebildete Ärztin die Universität verliess, immens wichtig. Man machte es ihr schwer, das Studium abzuschliessen, doch sie gab nicht auf und war erfinderisch, um gewisse Dinge auszuhalten.

Marias Streben beeindruckt zwar, doch sie stellte ihre Arbeit über alles andere und wird im vorliegenden Roman auch als sehr eitel und stur dargestellt. Auf der einen Seite versteht man sie, andererseits wirkt sie dadurch nicht so sympathisch. Auf jeden Fall war Maria eine Vorreiterin, tatsächlich eine "Lehrerin einer neuen Zeit" wie der Titel passend sagt und zog damit in die Geschichts- und Pädagogikbücher ein. 

Der Roman gibt einen realitätsnahen Einblick, wie man mit angeblich hoffnungslosen Kindern umging. Obwohl das italienische Bildungssystem diesbezüglich auch heute noch Schwächen aufweist, wird es so wie beschrieben, damals wohl nicht nur in Italien gewesen sein. Als anschauliches Beispiel, wie ein Kinderleben vor und wie mit Montessoris Methoden (die sie von französischen Pädagogen übernahm und weiter entwickelte) war, zeigt uns die Autorin anhand Luigis Leben, welches in Zwischenkapitel erzählt wird und mir sehr gut gefiel. 

Auch dieses Buch von Laura Baldini/Beate Maly habe ich sehr gerne gelesen. Ihr Schreibstil fesselt, so dass ich schnell weiterlesen und wissen wollte, wie es weitergeht, obwohl mir die Eckdaten aus Montessoris Leben bereits bekannt waren. 

Fazit: Eindrückliche Romanbiografie über eine der bekanntesten Pädagoginnen weltweit. 
5 Punkte. 



Dienstag, 11. August 2020

Wo dich das Leben anlächelt von Jenny Colgan (Happy Ever After 2)

Klappentext:
Das Leben ist kein Streichelzoo für die alleinerziehende Mutter Zoe. Als Betreuerin in einer Londoner Luxus-Kita machen ihr die verwöhnten Sprösslinge und deren Eltern gleichermaßen das Leben zur Hölle. Ihre Miete ist schon wieder gestiegen, und ihr vierjähriger Sohn weigert sich zu sprechen. Das Angebot, eine fahrende Buchhandlung im idyllischen Schottland zu übernehmen und die drei Kinder eines Schlossherrn zu betreuen, scheint da ein wahrer Traum. Doch die Realität sieht anders aus: Die Kinder wollen Zoe schnellstmöglich wieder loswerden, ihr Arbeitgeber ist zwar attraktiv, aber scheint sie nicht zu mögen, und das Schloss in einem beklagenswerten Zustand. Erst eine geniale Geschäftsidee, ein dramatisches Ereignis und eine Liebeserklärung machen Schottland zum Land von Zoes Träumen.

Der Bücherbus fährt wieder! Allerdings sitzt nun nicht Nina, sondern Zoe am Steuer. Nicht nur das Fahren des Ungetüms, auch alles andere besitzt seine Tücken. 

Da wäre das Huhn, das immer im Wege sitzt; die schwierige Kundschaft, die sich nur von Nina bedienen lassen will; dann ihre andere neue Stelle als Au-Pair in einem Herrenhaus mit drei unerzogenen Kindern. Zudem ihr ständiges Ärgernis: der Vater ihres Sohnes, der sein Geld für sich selbst und eine mögliche DJ-Zukunft ausgibt, anstatt seinen Sohn zu unterstützen. Hari ist vier und spricht nicht. Doch im gleichaltrigen Patrick findet er in seinem neuen Zuhause einen Freund. Immerhin, denn Zoe fühlt sich fast noch einsamer als in London. 

Aber ihr bleibt nichts anderes übrig und so dreht Zoe das Steuer um: sie gibt den Kindern Regeln vor und sucht sich mit dem Bücherbus eine andere Nische. Wird Zoe damit Erfolg haben oder ist "Nanny Sieben", wie sie von den Kindern genannt wird, auch bald Geschichte und muss zurück in die Grossstadt?

Dieser zweite Teil der Happy Ever After-Serie hat mir ausgesprochen gut gefallen. Viel besser als der erste Teil, der sehr märchenhaft und manchmal ein wenig abgehoben daher kam. Denn "Wo dich das Leben anlächelt" ist bodenständig und zeigt echte Probleme auf - und Lösungsansätze.

Gemeinsam haben die beiden Teile die Liebe zu Büchern, die hier - neben dem Bücherbus - in Form von Leseratte Zoe und Antiquar Ramsay auftreten.

Ramsay gewährt aber niemandem Zugang zu seiner Bibliothek. Diesbezüglich kommt Zoe auf tolle Ideen, mit der sie das Leben für alle einfacher und lebenswerter machen kann. Denn die Herrenhaus-Geschichte basiert auf traurigen Begebenheiten, die anstatt verarbeitet, aus Niedergeschlagenheit tot geschwiegen wurden, mit tragischen Folgen für die ganze Familie.

Das Setting ist toll, vor allem weil das Herrenhaus am Loch Ness liegt. Aber auch die Geschichte überzeugt total und spätestens nach dem Lesen dieses Romans möchte ich das Loch Ness mal mit eigenen Augen sehen. 

Fazit: Viel zu schnell ausgelesen war die emotionale Geschichte mit Nanny Sieben am Steuer des Bücherbusses.  
5 Punkte.


Reihenfolge:
Band 1: Wo das Glück zuhause ist
Band 2: Wo dich das Leben anlächelt

Freitag, 7. August 2020

#litlovetalk August 2020


Wir stellen euch an jedem siebten Tag im Monat eine Frage zu Romanen, die von lit.love-AutorInnen geschrieben wurden.

August-Frage: 


Am liebsten alle! 

Aber so einfach ist das ja nicht, in Zeiten von Corona sowieso nicht. Sehr gerne würde ich aber mal nach Cornwall reisen und mir die Schauplätze von Anne Sanders Romanen anschauen, St. Ives zum Beispiel. Oder an die Nordsee fahren, wo u.a. Sylvia Lotts Bücher spielen, und dort Cheesecake essen oder gleich nach Norderney. Und dann war diesen Mai Persephone Haasis Schuld daran, dass ich total Lust gehabt hätte, einige Wochen in Aprikosenhainen der Provence zu verbringen.

Irgendwann wird das klappen. Vielleicht kann ich euch dann auch wieder mit einem Bericht, wie in diesem hier von meinem "Liebe auf drei Pfoten"-Spaziergang in Rom, beglücken. Fiona Blum hat mir dazu einige Tipps und genaue Strassenangaben gegeben, so dass es uns leicht fiel, alles zu entdecken. Liest ihn euch gut durch, vielleicht bekommt ihr dadurch auch Lust, euer nächstes Urlaubsziel mit einem Buch zu verbinden. Das macht mein Spaziergang doch, nicht? Und Rom ist sowieso immer eine Reise wert.

Auch Susanne Edelmann verrät euch heute auf ihrem Blog, wo sie die Gegenden, die in den Büchern beschrieben werden, genauer ansehen möchte. 

Wie sieht es bei euch aus - an welchen Roman-Schauplatz wollt ihr unbedingt irgendwann einmal hin? 




Damit es für euch einfacher ist passende Bücher zu finden, findet ihr hier die (bisherigen) lit.Love-Autorennamen:




Unter #litlovetalk findet ihr alle bisherigen Fragen und Antworten auch auf Instagram. 

Mittwoch, 5. August 2020

Die Dirigentin von Maria Peters

Klappentext:
New York, 1926: Für Antonia Brico gibt es nur die Musik. Unermüdlich übt sie an dem alten Klavier, das ihr Vater, ein Müllmann, auf der Straße gefunden hat. Ihr großer Traum: Dirigentin zu werden. Doch noch nie hat eine Frau in dieser Rolle auf der Bühne stehen dürfen. Als sie sich als junge Frau zu einem Konzert ihres Idols Willem Mengelberg schleicht, und sich auf einem Klappstuhl in den Mittelgang setzt, wird sie herausgeworfen und verliert dabei auch noch ihren Job im Konzerthaus. Sie steht vor dem Nichts. Doch sie gibt nicht auf und reist nach Europa, um für ihren Traum zu kämpfen. Sie verlässt sogar ihre große Liebe Frank, um nicht in dessen Schatten zu stehen. Unermüdlich klopft sie an die Türen der großen Musiker. Karl Muck, der legendäre Dirigent in Berlin, zerreißt vor ihren Augen ihr Empfehlungsschreiben. Antonia sieht letztlich nur einen Weg: Ein Orchester nur mit Frauen, von ihr selbst dirigiert. Mit dem Eröffnungskonzert ist klar: Es wird Antonia befreien – und die Musikwelt für immer verändern.

Dicht gedrängt wird in "Die Dirigentin" die Geschichte von Willy, Wilhelmina Wolthius, erzählt. Angefangen bei ihrer furchtbaren Mutter, der sie noch mit 23 Jahren ihr ganzes Geld aus zwei Jobs abgeben musste. Wie sie es schaffte, trotz allen Widrigkeiten zum Trotz Musikunterricht zu bekommen, ans Konservatorium zu gehen, in einer Band zu spielen, ihre Familiengeschichte zu enthüllen, und und und. 

Nicht ganz alles davon ist wahr. Maria Peters nahm sich fiktionale Freiheiten heraus und so ist dieser Roman zum gleichnamigen Film extrem spannend geraten. Ich empfehle deswegen den Roman zu lesen ohne zuerst (oder mittendrin, so wie ich) Antonia Brica und ihr wahres Leben zu googeln. Man macht sich sonst vielleicht zu viele Gedanken darüber, wie gewisse Buchszenen in Willys Leben ohne diese Zusätze gewesen wären, was von der spannenden Lektüre ablenkt. Das Lesen ohne Vorab-Info ist in diesem Fall einiges entspannender, obwohl alle Ereignisse eng aneinander gereiht die Seiten füllen und man als Leser*in kaum zum Luft holen kommt. 

Auch dann noch, als Willy es schafft und sie als Antonia Brico als erste Frau am Dirigentenpult steht. Denn nun steht die Frage im Vordergrund, ob die Musikwelt bereit ist, in dieser Männerdomäne eine Frau vor einem Orchester akzeptieren, ob die Musiker die Frau vor ihnen respektieren. Aber auch, ob die Menschen bereit sind, ihr überhaupt zuzuhören.

Das erste Konzert mit einem "Dirigenten, der zufällig eine Frau ist" - so Antonia Brico über sich selbst - war damals ein aufsehenerregendes Ereignis. Für uns heutzutage theoretisch total normal, auch wenn es immer noch eine Seltenheit ist, wenn eine Frau die Leitung eines Orchesters innehat. 

Es ist ein Roman über eine Frau, die hart arbeitete, um ihren Lebenstraum Wirklichkeit werden zu lassen. Eine Frau, die aber nie ganz aus sich heraus kommen konnte, was ihrer fast schon gefängnismässigen Kindheit in der sie sich immer fügen musste, anzurechnen ist. So jedenfalls wirkt Antonia in "Die Dirigentin", mit der ihrer Landsfrau Maria Peters ein eindrücklicher Einblick in die starre Männer-Musikwelt der 20er, 30er und 40er Jahre gelingt. 

Doch nicht nur die Frage nach der Stellung der Frau, auch die allgemeine Toleranzfrage wird in einigen Figuren-Beispielen sehr gut eingearbeitet, teilweise fast ein wenig zu klischeehaft überzogen. Auch hier wieder vielleicht etwas zu komprimiert, aber die Leser*innen bekommen einen guten Eindruck der damaligen Zeit. So ist "Die Dirigentin" nicht nur für Klassik-Interessierte ein toller Roman.

Fazit: Spannende und interessante Geschichte über eine willensstarke Frau, die sich ihren Platz vor dem Orchester durch entbehrungsreiche Jahre erobert.
4 Punkte. 


Samstag, 1. August 2020

Vorschau: Neuerscheinungen und Neuzugänge im August 2020

Heute am 1. August feiern wir in der Schweiz unseren Nationalfeiertag. Es ist heiss, 32°, aber bis vor drei Stunden wehte immerhin ein kleines Lüftchen, so dass es Mittags auf dem Balkon doch noch angenehm war. Ich bin froh, haben wir unsere kleine traditionelle Hausfeier auf Montag vorverlegt. Da war es wesentlich angenehmer draussen. 

Deshalb sitze ich jetzt auch wieder drinnen, aber nicht mehr lange vor dem Computer. Ich möchte meinen aktuellen Krimi, den neuesten Brunetti, "Geheime Quellen" noch auslesen, bevor ich nach dem Abendessen ein neues Buch beginne. Habe mir gerade in der Onleihe einige Krimis ausgeliehen - ja, ich weiss, so wird das nie was mit dem SuB-Abbau - aber ich hatte grad Lust darauf. Ausserdem hatte ich mir dort "Die Seidenvilla" vorgemerkt, das Ausleihdatum war auf März 2021 datiert und so staunte ich nicht schlecht, als ich gestern per Mail informiert wurde, dass es bereits schon erhältlich ist. Wollte damit eigentlich wirklich warten, um dann bei Gefallen alle drei Bände hintereinander zu lesen. 


Meine letzten Neuzugänge:

  



Heute ist dann auch ein vorbestellter neuer Roman bei mir eingetroffen: "Der Duft von weissem Burgunder". Hört sich nach einem schönen Spätsommerroman an. Den leg ich aber mal noch auf die Seite, denn es ist ja noch nicht Spätsommer und es warten vier Rezensionsexemplare, die in den nächsten Tagen, bzw. in 18 Tagen erscheinen, es handelt sich dabei um die ersten vier Cover:

Interessante Neuerscheinungen im August 2020:








Wie ihr seht, stehen im August auch einige Fortsetzungen an, der zweite Happy Ever After-Band, der dritte Teil der Kalifornischen Träume und der zweite Band der Cedar Cover-Reihe. Neben einigen historischen Romanen über bekannte Frauen, kommt Ende Monat auch schon der erste Weihnachtsroman 2020! "Eisblumenwinter" hört sich auch eher nach kühler Jahreszeit an. Der wäre vielleicht aktuell nicht schlecht um ein wenig abzukühlen, doch vielleicht passt er Ende August dann auch 😉 Ob ich "Der geheime Code der Frauen" lesen werde, glaube ich aktuell noch nicht. Es hört sich interessant an, aber ich befreie stattdessen lieber mal meine historischen Romane vom SuB.

Auf welche neuen und alten Bücher freut ihr auch im August?



Freitag, 31. Juli 2020

Lesebiografie Juli 2020

Zum Ende hin hat der Juli nochmals alles gegeben - in Sachen Temperaturen zumindest. Bis vor einigen Tagen war ich mit dem Sommerwetter noch sehr glücklich, doch diese Woche wurde es wieder sehr heiss. Zu heiss für mich, zumindest wenn ich solche heissen Tage zuhause verbringen muss und nicht am Meer bin. Am Meer sind 35° einfach angenehmer auszuhalten! 


Wir sind noch mitten in den Sommerferien, drei Wochen sind vorbei, zwei liegen noch vor uns. Bisher waren wir viel unterwegs. Da meine Familie nicht in ein Hotel in die Berge wollte, machten wir viele Tagesausflüge. Für mich sind diese Tage anstrengend, denn die Arbeit zuhause muss ja auch noch getan werden. Abends war ich nach all den Ausflügen, bei denen wir stundenlang mit Maske unterwegs waren (wir fahren ÖV, da ist auch auf Aussendeck von Schiffen Maske Pflicht), schlicht und einfach nur noch müde. Ich kann mich ganz mit dem folgenden Spruch identifizieren, den ich letzthin online gesehen habe:


Zurück nach Hause und Maske ab ist das neue "auf die Couch und BH ausziehen". 

So hatte ich weder auf dem Heimweg noch spätabends Lust gross zu lesen. Auch die Zeit zum Rezensionen schreiben fehlte mir weitgehend. So war auf dem Blog nicht so viel los wie sonst. Gelesen habe ich 14 Bücher, darunter vier Kurzkrimis. 

Nun bin ich wieder up to date mit der Cherringham- und auch der "Tee? Kaffee? Mord!"-Reihe. Drei Bücher konnten mich im Juli nicht überzeugen. "Dolce Vesuvio" ging noch, war im Grossen und Ganzen okay. Es hatte zwar einige Schwächen, war aber unterhaltend. Doch "Café mit Meerblick" wies zu viele Längen und Wortwiederholungen (Unlust beim Übersetzen? Dasselbe fiel mir bereits bei einem anderen Buch der Autorin auf) auf und bei "Madeiraschweigen" nahm das Privatleben der Polizistengattinnen viel zu viel Raum ein und wurde sehr schlecht mit dem Fall verbunden, weil es zwei unterschiedliche Themen waren. Auch aus demselben Grund gelang der Bezug zu Kaisern Sissi nicht und so war der neue Avila-Fall leider sehr langweilig und wird von mir nicht rezensiert. 

3 Punkte:
- Café mit Meerblick von Caroline Roberts
- Madeiraschweigen von Joyce Summer (Avila 3) 

3.5 Punkte:
- Dolce Vesuvio von Astrida Wallat 

4 Punkte:
- Miss Rittinghouse und die sprechenden Bücher von Ellen Barksdale (Tee? Kaffee? Mord! 13)
- Ein Doppelgänger zuviel von Ellen Barksdale (Tee? Kaffee? Mord! 14) 
- Giulias Geschichte von Constanze Wilken (Die Frauen der Villa Fiore 1)
- Die Hoffnung wird dich finden von Jana Lukas (Die Mühleschwestern 2) 
- Je höher die Flut (Mags Blake 5) 
- Hochzeit mit Hindernissen von Neil Richards und Matthew Costello (Cherringham 36)
- Das vergessene Haus von Neil Richards und Matthew Costello (Cherringham 37)
- Azurblau für zwei von Emma Sternberg 

5 Punkte: 
- Das Meer in deinem Namen von Patricia Koelle (Ostseetrilogie 1) 
- Miss Kelly und der Zauber von Monaco von Heather Webb und Hazel Gaynor 


Dann habe ich den ersten Teil der Villa Fiore-Reihe gelesen. Ursprünglich sollten drei Bände erscheinen, doch anscheinend will der Verlag nun doch keinen dritten Teil veröffentlichen. Schade, denn für die Leser*innen fehlt dann halt die Geschichte der dritten Schwester. Ebenfalls vom SuB erlöst habe ich "Azurblau für zwei" - eine nette, leichte Geschichte. Noch schöner fand ich "Das Meer in deinem Namen", der erste Teil der Ostseetrilogie. Hätten die Folgebände beide nicht je um die 600 Seiten hätte ich die gleich auch noch gelesen - die wären ideal gewesen, um am Strand oder Pool zu lesen, was vor Corona theoretisch für diesen Sommer geplant war.

Als Rezensionsexemplare hab ich den fünften Fall der Mags Blake-Krimireihe  "Je höher die Flut" gelesen und rezensiert: solid, aber nach dem rasanten vierten Fall fast ein wenig langweilig. Der zweite Teil der Mühleschwestern hat mir bis auf den Twist am Schluss gut gefallen, da freue ich mich auf den dritten Teil im Herbst. Die Reihe kommt sicher auf meine Highlight-Liste Ende Jahr! Total überzeugt hat mich aber "Miss Kelly und der Zauber von Monaco"! Die Rezension dazu ging gestern online. 


Wer jetzt mitgezählt hat, wird feststellen, dass ein Buch fehlt. Denn Anfang Juli habe ich einen Roman testgelesen, der im März 2021 erscheint. Ihr dürft euch darauf freuen, aber ich muss dazu noch schweigen... 😀

Mit welchen Büchern ich mich im August befassen werde, erfährt ihr im morgigen Beitrag. Und ich geh jetzt mal schauen, welchen neuen Roman ich heute zu lesen beginne, ich bin mir noch nicht sicher...