Montag, 18. Februar 2019

Liebe ist ein Bauchgefühl von Victoria Brownlee

Klappentext:
Als Ellas Beziehung nach acht Jahren in die Brüche geht, will die junge Australierin ganz neu anfangen. Sie kündigt ihren Job und fliegt einem spontanen Impuls folgend nach Paris. Als sie die Fromagerie von Serge betritt, ist es sofort um sie geschehen – sowohl was den Käse, als auch Serge betrifft. Ella beschließt, ein Jahr lang jeden Tag eine neue Käsesorte zu probieren und darüber einen Blog zu schreiben. So trifft sie auch den charismatischen und unverschämt attraktiven Restaurantkritiker Gaston. Doch zwei Männer sind bekanntlich einer zu viel, und während ihr turbulentes Jahr in der Stadt der Liebe sich dem Ende zuneigt, muss Ella sich entscheiden.



Wenn Käse dein Leben verändert.

Die Idee, die Protagonistin 365 Tage lang 365 verschiedene Käsesorten zu probieren, fand ich so genial, dass ich diesen Roman sofort lesen musste. 

Eine Warnung voraus: wer die französische Sprache und Käse nicht mag, sollte die Hände vom Buch lassen. Alle anderen lesen das Buch bitte erst, nachdem ihr euch direkt nach dem Buchkauf in einem guten Käseladen mit Käse eingedeckt und eine Flasche Wein aus dem Keller geholt habt. Das Buch macht Hunger auf Käse. Garantiert. 

Nach der überraschenden Trennung von ihrem Partner Paul entschliesst sich Ella dort weiter zu machen, wo sie Paul kennen lernte. In Paris, bei einem Picknick mit Käse. Dass diese eine Sorte, die Paul damals in den Himmel lobte, zwar gut, aber nicht das Nonplusultra ist und es in Frankreich unzählige verschiedene und viel bessere Käsesorten gibt, wird der Australierin Ella erst bewusst, als sie einen Käseladen betritt und Inhaber Serge ihr vorschwärmt. Ella ist begeistert von Serges Wissen und lässt sich auf eine Wette ein - ein Jahr lang jeden Tag eine ihr bisher unbekannte Käsesorte zu geniessen.

Die Idee gefällt ihr; mir, wie oben schon geschrieben, auch. Zeit genug hat Ella sowieso, denn mit ihrem Wochenendjob ist sie nicht ausgelastet. Eine Arbeitsstelle und eine Wohnung zu finden, scheint in Paris ein Ding der Unmöglichkeit zu sein und so nimmt sie erstmal was sich ihr auf die Schnelle anbietet. Ich fand es toll, wie Ella sich nicht zu schade ist, Hilfsjobs anzunehmen und bereit ist, sich auf Neues einzulassen und dabei nicht zu jammern, sondern das Jahr Auszeit geniessen will, so gut wie möglich.

Wir erleben Ella bei ihrer Arbeits- und Wohnungssuche, bei Spaziergängen durch die Stadt, sehen wie sie Freundschaften schliesst und sich verliebt. In Käse. Und in einen Mann, der kaum etwas über sich erzählt - das wird interessant...

"Liebe ist ein Bauchgefühl" ist eine Geschichte über Paris, Käse und die Liebe. Gespickt mit gut ausgearbeiteten Charakteren, die gerade nur das Nötigste verraten wie Gaston oder Clothilde, und vielen Nationalitäten wie Barrista Chris, ein Australier wie Ella, oder Chef Tom, ein Schotte. 

Der Roman ist flott zu lesen und macht Spass und gute Laune. Ein "easy and funny reading" wie die Australier wohl sagen würden. 

Ich mag Bücher mit ungewöhnlichen Ideen, das hier ist so eins. Der französische Titel, "Fromage a Trois" ist ein Wortspiel und damit zwar schwer übersetzbar, aber ein bisschen mehr "Käse" hätte es ruhig auch im deutschen Titel haben dürfen. Nur vom Cover und Titel allein wird niemand auf die Idee kommen, dass hier alles Käse ist. Pardon, dass es um Genuss geht, um die Liebe zu Käse und die Entdeckung der richtigen, echten Liebe zwischen zwei Menschen. 

Fazit: Leichte lockere histoire d'amour - die ideale Wohlfühllektüre für frankophile Käsefans. 
5 Punkte. 


Freitag, 15. Februar 2019

Die Oleanderschwestern von Cristina Caboni

Klappentext:
Wenn Iris inmitten ihrer Blumen ist, ist sie glücklich. Doch als eines Tages eine Frau vor ihr steht, die ihr bis aufs Haar gleicht, gerät ihre Welt ins Wanken. Wer ist sie und was hat das zu bedeuten? Wie Iris liebt es Viola, sich mit Blumen und ihren Düften zu umgeben. Die beiden sind Zwillinge und wussten bislang nichts von der Existenz der jeweils anderen. Um mehr über ihre Familiengeschichte zu erfahren, reisen die Frauen in die Toskana, wo sich der Landsitz der Donatis inmitten eines prachtvollen Blumengartens befindet. Die Schwestern werden bereits von ihrer Großmutter erwartet – und nur sie kann den beiden helfen, das Rätsel ihrer Herkunft zu lösen.



Sie hörte sich so gut an, diese Geschichte über die beiden Zwillingsmädchen, die sich und ihre Familie in einem Garten in der Toskana kennen lernen sollten.

Iris lebt mit ihrem Vater in Amsterdam. Er ist oft unterwegs in fremden Ländern, Iris dagegen schreibt eine Blumen-Kolumne bei einer Zeitschrift und bepflanzt heimlich Gärten in der Nacht. Viola studiert in London und hilft ihrer Mutter in deren Blumenladen. Iris und Viola wissen nichts voneinander, bis sie sich an einer Gartenshow über den Weg laufen. 

Beide erschrecken und fragen in Folge ihre Eltern aus. Antworten bekommen die jungen Frauen nur zögerlich. Kurz bevor Iris mit ihrem Vater Francesco nach London zu Viola und Claudia reist, bekommt er eine Nachricht aus Italien. Giulia, seine Mutter, sei schwer krank. Die Reisepläne ändern sich, man reist nach Volterra auf das Anwesen "La Spinosa". Die Zwillinge sind beeindruckt von diesem grossen Garten, doch darin blüht nichts, bis auf eine einzelne versteckte Rose.

Grossmutter Giulia tut geheimnisvoll und spricht immer davon, dass der Garten die Zwillinge braucht und die Tradition aufrecht erhalten werden muss. Auch meint sie, es sei ihre Schuld, dass die Pflanzen im Garten nicht mehr gedeihen. Geheimnisvoll sind ausserdem die schräg gedruckten Eindrücke einer Bianca. Bei ihren nächtlichen Erkundungen durch die angeblich einsturzgefährdete Villa kommen Iris und Viola dieser Bianca ein wenig auf die Spur. Doch auch hier bleibt alles schwammig.

Im Grossen und Ganzen bleibt es genau so für den Rest des Buches. Weder die Eltern äussern sich gross über ihre Trennung, noch spricht die Grossmutter Klartext. Bei jedem neuen Versuch wird abgebrochen, bevor das Wichtigste gesagt wird. Ebenso fehlte mir das Gespräch zwischen den beiden Schwestern. Das Interesse füreinander beschränkte sich auf "ich weiss, was du gerade denkst". Womöglich wollte die Autorin zu viele Themen auf einmal im Roman unterkriegen, doch keins wird wirklich richtig aufgearbeitet. 

So erfahren die Leser kaum etwas und werden immer wieder auf später vertröstet. Und das nervt. Besonders da am Schluss alle Geheimnisse quasi in einer Handvoll Sätzen aufgelöst werden. Geheimnisse sind gut und recht, aber die sollten stückweise aufgedeckt werden und nicht erst am Schluss in einer Art Kurzfassung. Ausserdem war vieles davon schon zu erahnen. Man konnte es sich zusammen reimen, deshalb war die langatmige Geschichte weder überraschend noch spannend. 

Leider gab es auch keine Sympathieträger bei den Charakteren, am ehesten noch die beiden aussenstehenden Gärtner Stefan und Gabriel. Am schlimmsten fand ich Giulia und Viola: beide schroff und öfters arrogant. Aus der Donati-Familie mochte ich Iris am besten, doch auch sie bleibt blass wie ihre Eltern. 

Ich bin enttäuscht von dem Roman, den Cristina Caboni ist sonst ein Garant für interessant geschriebene Bücher. Der deutsche Titel hat keinen Bezug zum Inhalt, "Rosenschwestern" wäre vielleicht die bessere Wahl gewesen. Der riesige Blumengarten hätte so viel Potential gehabt! 

Fazit: Eine tolle Idee langweilig umgesetzt. Der bisher schwächste Titel der sonst überzeugend und spannend schreibenden Autorin. 
3 Punkte. 

Donnerstag, 14. Februar 2019

Glückssterne von Claudia Winter

Klappentext:
Karriere, Heirat, Kinder. Die Anwältin Josefine weiß genau, was sie vom Leben erwartet. Doch kurz vor der Hochzeit brennt Josefines Cousine mit einem Straßenmusiker nach Schottland durch, den legendären Familienring im Gepäck, den die Braut bei der Trauung tragen sollte. Als ihre abergläubische Großmutter daraufhin der Ehe ihren Segen verweigert, bleibt Josefine keine Wahl: Wutentbrannt reist sie dem schwarzen Schaf der Familie hinterher und gerät in den verregneten Highlands von einem Schlamassel in das nächste. Nicht nur einmal muss der charismatische Konditor Aidan der Braut in spe aus der Patsche helfen – dabei ist dieser Charmeur der Letzte, vor dem sie sich eine Blöße geben möchte. Aber der Zauber Schottlands lässt niemanden unberührt, und schon bald passieren seltsame Dinge mit Josefine, die so gar nicht in ihren Lebensplan passen. 

Hilfe, der Ring ist weg! Nach der Reise mit der Urne in "Aprikosenküsse" trumpft Autorin Claudia Winter auch diesmal mit einer witzigen Geschichte auf.

Josefine kann und darf nur heiraten, wenn sie bei der Hochzeit den traditionsreichen Familienring trägt. Doch dieser ist verschwunden, zusammen mit ihrer Cousine Charlie. Kurz entschlossen reist Josefine Charlie hinterher, in Schottland wird sie vermutet. Im Gepäck hat Josefine zwar keine Urne wie damals Hanna in Italien, aber andere Altlasten. Dies sorgt für viele witzige Szenen und gute Gespräche.

Josefine bekommt unfreiwillig Unterstützung bei der Suche nach Charlie und ihrem Freund. Unter anderem von Aidan, ein Schotte, der ihr immer irgendwie über den Weg läuft. Ohne ihn scheint sie nicht vorwärts zu kommen. Aidan ist gleichermassen frech wie charmant, aber Josefines Vorurteile sind zu gross und sie interpretiert so ziemlich alles falsch. Sie kann auch nicht über ihren eigenen Schatten springen, was die Suche nach dem Ring nicht einfacher macht. Herrlich, wie das Ganze sich entwickelt und ausgeht!

Für viel Schmunzeln sorgen dabei die Grosstanten Bri und Li. Die beiden wirken neben der aristokratischen Grossmutter Adele von Meeseberg fast schon wie unkonventionelle Hippies. Schlussendlich mag man dann alle drei, aber Bri und Li  eben schon ein grosses Stück mehr - sie sind die guten Seelen des Romans. Noch nicht erwähnt habe ich den unterkühlten Justus, Josefines Verlobter, aber mehr Worte über ihn braucht es wirklich nicht.

Ich liebe in Schottland angesiedelte Geschichten. Aber ehrlich, bei solch tollen Charakteren ist es mir egal, wo der Ring zu suchen ist. Regnen tut es auch an anderen Orten ;-) Die Reise durch Schottland wird am Ende eh für alle Beteiligten eine Reise zu sich selbst. 

Claudia Winter hat ein Füllhorn voller Humor, Romantik, Zuneigung und Liebe in die immer wieder überraschende Geschichte gepackt. So liest sich "Glückssterne" nur allzu schnell weg.

Fazit: Die gelungene, romantisch-witzige Story "Glückssterne" zu lesen macht glücklich unnd richtig viel Spass. 
5 Punkte. 


Weitere Rezensionen von:
Alexandra von Lesebuch 

Mittwoch, 13. Februar 2019

Am Anfang des Weges von Petra Durst-Benning (Die Fotografin 1)

Klappentext:
Minna Reventlow, genannt Mimi, war schon immer anders als die Frauen ihrer Zeit. Es ist das Jahr 1911, und während andere Frauen sich um Familie und Haushalt kümmern, hat Mimi ihren großen Traum wahr gemacht. Sie bereist als Fotografin das ganze Land und liebt es, den Menschen mit ihren Fotografien Schönheit zu schenken, genau wie ihr Onkel Josef, der ihr großes Vorbild ist. Als dieser erkrankt, zieht sie in das kleine Leinenweberdorf Laichingen, um ihn zu pflegen und vorübergehend sein Fotoatelier zu übernehmen. Ihm zuliebe verzichtet sie nicht nur auf ihre Unabhängigkeit, sondern sieht sich in Laichingen zunächst auch den misstrauischen Blicken der Dorfbewohner ausgesetzt, da sie mehr als einmal mit ihrem Freigeist aneckt. Und als bald ein Mann Mimis Herz höher schlagen lässt, muss sie eine Entscheidung treffen.

Ich weiss noch, wie ich mir nach "Winterwind" wünschte, Autorin Petra Durst-Benning würde einmal Gegenwartsromane schreiben - was sie kurz darauf mit der Maierhofen-Serie auch tat. So schön die Serie ist, trotzdem vermisste ich mit den Jahren ihre historischen, immer toll recherchierten Romane. 

Auch hier ging mein Wunsch in Erfüllung und nun gelang mit der Veröffentlichung ihres neuestes Werkes der Start einer fünfteiligen Saga über eine junge Frau, die sich nicht mit der Zukunft als Pfarrfrau begnügen will.

Mimi, die Heldin der Serie, sieht am Leben ihrer Mutter was auf sie wartet, wenn sie Heinrich heiraten würde. Sie entscheidet sich für das harte Leben als Wanderfotografin, worin Onkel Josef Mimi anfänglich tatkräftig protegiert. Ihre Mutter unterstützt Mimi einerseits, andererseits hegt sie grosse Bedenken. Der Vater scheint Mimi zu vertrauen, von ihm hört man aber nicht viel.

Die ersten Monate sind nicht leicht für Mimi und trotzdem bereut sie ihren Entscheid nicht. Nachdem Mimi durch einen Zufall eine berühmte Person fotografieren kann, floriert das Geschäft und allerorten wird nach ihr gefragt. Da erreicht sie plötzlich eine Nachricht, dass es, ihrem inzwischen im Weberdorf Laichingen sesshaft gewordenen, Onkel Josef schlecht geht. Keine Frage, dass Mimi auf dem Weg zu einem weiteren Auftrag in Laichingen Halt macht. 

Josef geht es gesundheitlich gar nicht gut und braucht jemand der ihn pflegt. Mimi übernimmt vorläufig - denkt sie zumindest. Ihr Aufenthalt verlängert sich immer weiter, wobei Mimi die Gemeinde mit ihrer Art und ihren modernen Ansichten aufwirbelt. Fast schon als Ketzerin verschrien, wird sie von wenigen Bewohnern gemobbt. Andere hingegen sind fasziniert und wollen der weit herum gereisten Mimi glauben.  

Die Szenen in Laichingen machten mich traurig. Denn nur allzu gut hat Petra Durst-Benning das karge Leben der Dorfbewohner, deren Träume und Sorgen sowie die Zukunftsaussichten der Jugendlichen beschrieben. 

Geschickt webt die Autorin in die Einzelschicksale der Menschen viel Wissenswertes mit ein, zum Beispiel der Einblick in die Arbeit eines Fotografen - besonders gelungen sind die Abschnitte über die Bildretusche, quasi Photoshop vor 100 Jahren - wie auch die schwere Arbeit der Weber und die Weiterentwicklung der Stoffbearbeitung. Erneut zeigt sie mehrere Berufszweige auf, die sich nicht nur durch die Industrialisierung weiterentwickeln und lässt uns diese Umwälzungen in ihren Charakteren miterleben. 

Petra Durst-Benning porträtiert wie gewohnt starke Frauen, lässt aber die ganze Gefühlspalette über Eifersucht und Neid, wie auch das Bedauern über eigene, vielleicht vorschnelle Entscheidungen nicht zurück.

Ein wenig enttäuscht war ich, als Mimi - zwar verständlicherweise - immer länger in Laichingen blieb und nicht mehr auf Reisen ging. Ja, ich weiss, das kann sich in den vier weiteren Büchern noch ändern, aber dennoch hätte ich Mimi gerne mehr unterwegs begleitet. Ihr Aufenthalt im Leinenweberdorf dauerte mir zu lange, einiges wiederholte sich schon fast - aber vielleicht bin ich auch einfach nur zu ungeduldig.

Leider bricht das Buch gefühlt mittendrin ab, ist nicht in sich abgeschlossen, was ich bedauerte. Mir fehlt ein schlüssiger und würdiger Abschluss des ersten Teils dieser Saga. 

Sehr schön fand ich den Bezug zu "Bella Clara", denn Mimi lernt Clara Berg kennen. Wer historische Romane mag und die Jahrhundertwind-Trilogie noch nicht kennt, sollte dringend mal einen Blick darauf werfen. Den frischen Wind aus der Trilogie hat die Autorin auch in "Die Fotografin" mitgenommen und deshalb ich bin gespannt, wie Mimi und die Laichinger sich weiter entwickeln. Insbesondere nimmt mich Wunder, ob sich die Träume von Alexander und Anton erfüllen.  

Fazit: Fesselnder und interessanter Auftakt zu der fünfteiligen Serie über eine Fotografin anfangs des 19. Jahrhunderts. 
4 Punkte.


Reihenfolge:
Band 1: Am Anfang des Weges
Band 2: Die Zeit der Entscheidung 
Band 3-5: folgen in den nächsten Jahren 

Dienstag, 12. Februar 2019

Mein Jahr mit dir von Julia Whelan

Klappentext:
Es soll das Jahr ihres Lebens werden. Mit einem Stipendium erfüllt sich Ella endlich ihren lang ersehnten Traum von einem Auslandsjahr in Oxford. Doch gleich am ersten Tag stößt sie dort mit dem arroganten Jamie Davenport zusammen, der zu allem Übel auch noch ihren Literaturkurs leitet. Als Ella und Jamie eines Abends gemeinsam in einem Pub landen, kommen sie sich viel näher als geplant. Und obwohl sie sich dagegen wehrt, spürt Ella, dass sie sich in ihn verlieben wird. Sie ahnt nichts von Jamies tragischem Geheimnis und davon, dass diese Liebe sie vor die größte Entscheidung ihres Lebens stellen wird. 



Als mir das Buch das erste Mal begegnete, dachte ich nicht, dass ich diesen Roman lesen werde. Zu jung erschien mir dieser Studenten-Roman. Nachdem ich später nochmals drüber stolperte, nahm ich mir die Leseprobe vor - und war begeistert! Die erfrischenden Dialoge im altehrwürdigen Oxford überzeugten mich. Die Lektüre eignet sich durchaus für Leser, die der Studentenzeit schon lange entwachsen sind. 

Kaum in Oxford angekommen, läuft Ella Durran Jamie Davenport über den Weg. Sie weiss noch nicht, dass sie ihn bald schon wieder sehen wird - als Dozent in ihrem Literaturkurs. Jamies Ruf eilt ihm voraus und doch ist da etwas, was Ella an Jamie fasziniert. Neben ihrem Studium und ihren neuen Freunden Charlie und Maggie ist immer Zeit für Jamie, eine lockere Beziehung entsteht. Doch Ella merkt, dass Jamie ihr etwas verschweigt.  

Als Jamie sein Geheimnis endlich lüftet, wird es nach all den witzigen Szenen trauriger. Dadurch war plötzlich vieles nicht mehr wie zuvor - die lustig-spassige Studentenstory wird plötzlich unerwartet emotional. Die zentrale Geschichte einer amerikanischen Studentin an einer englischen Uni wird nun nebensächlich. Alles was vorher wichtig war, ist es jetzt nicht mehr. So tritt im zweiten Teil vieles, was vorher den Roman ausgemacht hat, in den Hintergrund. 

Der Grund für diesen abrupten Stilwechsel liegt wahrscheinlich darin, dass die Autorin den Auftrag hatte, aus einem Drehbuch einen Roman zu schreiben - normal läuft es umgekehrt und ich denke, genau das ist hier das Problem. Wenn man ein Drehbuch in einen Roman konvertiert, geht der natürliche Flow einer Geschichte, die erzählt werden will, verloren. Die schwarz-weisse Drehbuch-Dramatik wurde in "Mein Jahr mit dir" nicht geglättet.

Wenn der Sprachwitz im zweiten Teil nicht verloren gegangen wäre, Ellas Studien und Job nicht in den Hintergrund getreten wären, wäre es ein tolles Buch. Vielleicht sogar ein Highlight, so ist aber irgendwie der Wurm drin. 

Denn nach der Lektüre weiss ich noch immer nicht, was Ella genau in ihrem Politikjob machte, weshalb sie pausenlos telefonisch erreichbar sein musste und bedaure, dass die Professorin, weswegen Ella ihr Oxfordjahr angetreten hat, im späteren Verlauf nicht mehr auftauchte. Das alles blieb leider extrem oberflächlich. Schade, denn das war ja ursprünglich das Interessante an der Story. Ich vermisste vor allem die amüsanten, schlagfertigen, mit historischen Bezügen verzierten Wortgefechte, in denen sich besonders Charlie hervor tat.

Aber alles in allem hat mir "Mein Jahr mit dir" gut gefallen. Das Setting in Oxford konnte man bildlich miterleben, die Zitate zur Kapiteleinleitung wurden sehr passend ausgewählt. Auch die Aufarbeitung von Familienbeziehungen sind positiv zu werten. Alleine schon für die tollen Dialoge lohnte sich für mich das Lesen von "Mein Jahr mit dir". 

Fazit: Ein lebendiger Roman, der einem zum Lachen und zum Weinen bringt. 
4 Punkte. 

Sonntag, 10. Februar 2019

Die Fliederinsel von Sylvia Lott

Klappentext:
In ihrem Ferienhäuschen auf der idyllischen dänischen Insel Fünen entdeckt die Urlauberin Celia ein wunderschönes Fliedergemälde, das seit Jahrzehnten als verschollen galt. Ihre Vermieterin ist beim Anblick des Bildes tief bewegt und erzählt Celia die Geschichte ihrer Mutter, der jüdischen Malerin Ruth Liebermann. Im Jahr 1938: Das frisch verheiratete Paar Ruth und Jakob Liebermann muss aus Berlin fliehen, auf Fünen finden die beiden im ehemaligen Sommerhaus von Ruths Familie Zuflucht. Trotz der schwierigen Situation erleben sie glückliche Jahre, Ruth kann mit ihrer Passion, dem Malen, sogar die Familie ernähren. Als sie erneut zur Flucht gezwungen sind, müssen Ruth und Jakob die folgenschwerste Entscheidung ihres Lebens treffen. 


"Dieser verdammte Rotwein!" - selten habe ich solch einen coolen ersten Satz gelesen wie in diesem Roman!

Dieser Ausruf stammt von Celia, die für einige Tage zum Arbeiten auf die dänische Ostseeinsel Fünen in ein hübsches Ferienhaus zieht. Gleichzeitig möchte sie gerne mehr über ihren Grossvater erfahren. Alles was sie von ihm hat, ist ein altes Foto einer Fliederallee. Genau so eine, wie in ihrem Feriendomizil. Doch zuerst bringt Celia das in einem Hausversteck gefundene Bild zu ihrer Vermieterin Inger Olsen - die ist erstaunt, erfreut und betroffen zugleich und erzählt Celia nach und nach was es mit diesem Bild auf sich hat.

Ingers Erzählung handelt von Ruth und Jacob Liebermann, die nach dem Auftauchen der Nazis aus Berlin fliehen wollen. Ihre aufregende Lebensgeschichte ist zentraler Teil dieses Romans und berichtet vom Leben jüdischer Flüchtlinge in Dänemark und Schweden. 

Eigentlich wollen die beiden nach Amerika, vor allem Jacob hofft so sehr darauf. Aber die Einreiseerlaubnis trifft einfach nicht ein und auch kein positiver Bescheid aus Kopenhagen, wo Ruth Verwandte hat. Doch dann ist höchste Eile angesagt und sie dürfen zumindest temporär nach Dänemark ausreisen.

Beide hadern auf ihre Weise mit dem kargen neuen Leben im Exil, dass sie sich aufbauen müssen. Kein Vergleich zu der offenen Theater- und Künstlerwelt in Berlin in der sie sich beide wohl gefühlt haben. Besonders Jacob zerbricht fast an dem eintönigen Leben, auch neue Bekanntschaften aus der Künstlerszene lassen seinen Wunsch, nach Amerika zu reisen, nicht vergessen. Ruth hingegen packt an, kann mit der Situation sehr viel besser umgehen und sorgt für ihren gemeinsamen Lebensunterhalt.

Die Autorin zeigt uns in diesem erneut top recherchierten Roman wie unterschiedlich die Menschen mit ihrem Los umgegangen sind. 

Jacob war mir sehr unsympathisch in seinem Festhalten an seinem Beruf als Schriftsteller, ihn hätte ich öfters schütteln können. Ruth mochte ich sehr und ich konnte auch ihre späteren Ängste verstehen. Bald stehen sie vor einer wichtigen Entscheidung, die ihnen niemand abnehmen kann und bleiben mit der Frage zurück, ob sie richtig oder falsch entschieden haben. 

Sylvia Lott hat nicht nur diese eine wichtige Entscheidungsfrage und den Konflikt darüber berührend geschildert, sie nimmt auch die Leser emotional mit auf die Reise von Ruth und Jacob, lässt mitbangen und mithoffen, lässt die gemalten Bilder und die ganze Atmosphäre - nicht nur die auf Fünen - mitsehen und miterleben. Trotz der traurigen Thematik liest sich "Die Fliederinsel" schnell und fliessend, man möchte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. 

Fazit: Ein bewegender und hoffnungsvoller Pageturner über ein düsteres Stück Zeitgeschichte, der uns stellvertretend die Schicksale der Menschen, die das Grauen miterlebt haben, näher bringt.
5 Punkte.


Weitere Rezension von:
Heike von Frau Goethe liest
Susanne von Susanne Edelmann

Freitag, 8. Februar 2019

Die Lilie von Bela Vista von Sylvia Lott

Klappentext:

Als die Hamburger Modedesignerin Josie das antike Collier ihrer Großtante erbt, ahnt sie nicht, dass dieses auf eine dramatische Liebesgeschichte zurückgeht – und ihr Leben verändern wird. Idar-Oberstein, 1830. Sophies Verlobter ist wie so viele Männer nach Brasilien ausgewandert – und entdeckt dort Edelsteine. Als Karl nicht kommt, um Sophie wie versprochen in die neue Heimat zu holen, ahnt sie, dass er ihre Hilfe braucht. Kurzentschlossen reist sie ihm hinterher und wird in einem Indiodorf im Dschungel fündig. Doch Karls langes Schweigen hat Gründe, die Sophie erst langsam durchschauen wird.



Lange habe ich mich davor gedrückt diesen Roman zu lesen. Sylvia Lotts Bücher sind ja immer toll, aber ich lese nicht gerne Geschichten, die sich in Südamerika abspielen. Das Cover hat mich auch nicht wirklich überzeugt und so lag "Die Lilie von Bela Vista" fast schon jahrelang auf meinem SuB. Doch im Rahmen der #litlovehistory hab ich es hinter mich gebracht - und nicht bereut!

Irgendwann im Buch taucht zwar schon eine Hängematte auf, aber dort, wo sie hängt, ist es längst nicht so idyllisch und sauber wie auf dem Coverbild. Bela Vista ist ein kleiner Flecken im grossen Brasilien und die junge Sophie aus Idar-Oberstein möchte dorthin reisen. Sie vermutet ihren Verlobten Karl dort. Welche Strapazen die junge Sophie mit der Reise nach Brasilien auf sich nimmt, ob sie fündig wird und was das alles mit dem geerbten Halsschmuck zu tun hat, erzählt Ada der 38jährigen Josie.

Das wunderschöne und völlig überraschend geerbte Collier mit Amethysten ist der Grund, wieso Josie ihren Verwandten in Idar-Oberstein einen Besuch abstattet. Sie weiss zwar, dass ihr Onkel Reinhard in der Edelsteinbranche arbeitet, aber viel mehr auch nicht. Der Besuch bei ihren Verwandten ist sehr aufschlussreich und Josie überlegt sich, selbst nach Brasilien zu reisen und sich mehr mit Edelsteinen zu beschäftigen. Ihr kommt der Tapetenwechsel gelegen, denn sie fragt sich, ob ein Häuschen in Hamburg wirklich ihr Lebenstraum ist, oder nur der Traum ihres Partners, der das Collier so schnell wie möglich zu Geld machen will.

Zwei Frauen, zwei Zeitepochen, zwei Länder, zweimal die Suche nach dem Lebensglück. Ich mochte beide Frauen gleich gerne. Bedeutend schwerer als Josie hatte es jedoch Sophie. Ihre Geschichte war natürlich viel spannender und überraschte oft mit unerwarteten Wendungen - darüber vergass ich total meine Abneigung gegen Brasilien-Geschichten!

Feinfühlig und erzählerisch stark beschreibt Sylvia Lott wie erstaunlich gut sich Sophie geschlagen hat, auch in bedrohlichen Situationen. Durchzuhalten war oft sehr schwer, doch immer hatte sie ihr Ziel vor Augen. Sophies Entschlossenheit hat schlussendlich auch Auswirkungen auf Josies Lebensglück. Auch ihre Geschichte wird glaubhaft geschildert.

Enorm interessant sind die ganzen Hintergrundinfos über die damals beliebte Auswanderung nach Brasilien, aber auch die Details über die damalige und heutige Edelsteingewinnung und -bearbeitung. Die Autorin platziert diese Infos gut eingebunden in die sehr bewegende Geschichte. Wie gern hätte ich mir an Josies Seite Onkel Reinhard Edelsteinsammlung angesehen!

Fazit: Ein spannender und mitreissender Roman über eine couragierte junge Frau aus Idar-Oberstein, der den Lesern das Brasilien von 1830 näher bringt und beim Lesen die Zeit vergessen lässt. 
5 Punkte.