Freitag, 16. November 2018

Die Mondschwester von Lucinda Riley (Sieben-Schwestern Band 5)

Klappentext:
Tiggy d’Aplièse hatte schon als Kind die Begabung, mit der Kraft ihrer Hände kranke Tiere zu heilen. Auch jetzt, als junge Zoologin, ist die Arbeit mit Tieren ihre Erfüllung. Als sie das Angebot von Charlie Kinnaird erhält, auf seinem weitläufigen Anwesen in den schottischen Highlands Wildkatzen zu betreuen, zögert sie nicht lange. Dort trifft sie auf Chilly, einen weisen, alten Zigeuner aus Andalusien – eine schicksalshafte Begegnung. Denn er hilft dem Adoptivkind Tiggy, das Geheimnis ihrer Herkunft zu lüften. Die junge Frau reist nach Granada, wo sie dem ebenso glamourösen wie dramatischen Lebensweg ihrer Großmutter Lucia folgt, der berühmtesten Flamenco-Tänzerin ihrer Zeit. Und Tiggy versteht endlich, welch großes Geschenk ihr zur Stunde ihrer Geburt zuteil wurde.


Der fünfte Band der Sieben Schwestern Serie führt uns Leser nach Schottland, Spanien, Südamerika und New York. 

Tiggy hat gerade eine neue Stelle auf dem Kinnaird-Anwesen angenommen, sie ist zuständig für die Wildkatzen. Doch die Finanzen sehen nicht gut aus, wie es mit dem Anwesen weiter geht, steht in den Sternen. Tiggy gefällt ihre Arbeit, freundet sich mit Wildhüter Cal und Haushälterin Beryl an. Ihr Chef Charlie, Arzt in Inverness, bereitet ihr immer mehr ein Kribbeln im Bauch. Doch er ist mit Ulrika verheiratet und hat eine 16jährige Tochter, Zara. Für Zara wird Tiggy zur Vertrauten. Die renovierte Lodge wird von einer Gruppe Gutbetuchter gebucht, nach deren Abreise bleibt ein einzelner Gast zurück: Zed Eszu. Er ist hinter Tiggy her und bringt Unruhe aufs Anwesen. Wie auch Fraser, der überhaupt nicht willkommen ist. 

Auf dem Anwesen lebt in einem kleinen Verschlag Chilly, ein Gitano. Alt und krank wird ihm Essen von der Lodge gebracht. Er scheint Tiggy zu kennen, was ihr erst unheimlich ist, bis sie erkennt, dass er ein Brujo, ein Weiser, ist. Er erzählt Tiggy ein wenig über Granada, von hier soll ihre Familie herkommen.

Die Vergangenheitsgeschichte beginnt auch dort, in Sacromonte, in Felshütten vis-à-vis der Alhambra. Hier leben Gitanos, die von den Payos ("Nicht-Zigeuner") unterdrückt werden. Viel Geld haben sie nicht, aber sie haben den Flamenco im Blut. José nimmt seine zehnjährige Tochter Lucia mit, um bei einem Wettbewerb zu tanzen. Das Schicksal nimmt seinen Lauf, Lucia wird bekannt und zieht umher. Ihre bodenständige Mutter Maria versteht das nicht, sie hängt sehr an Sacromonte. Dann beginnt der Krieg auch in Spanien und die Familie wird noch weiter auseinander gerissen als schon zuvor.

"Die Mondschwester" ist eine intensive Geschichte, ja ich würde sagen, die intensivste der Serie. Beide Erzählebenen sind faszinierend, in der Tiggy-Geschichte haben Maia und Ally einen kurzen Auftritt, zudem erfährt man noch mehr über den Sohn von Pa Salts Konkurrenten Kreeg Eszu und auch über Pa Salt selbst. Die Erzählungen verweben sich immer mehr ineinander und werden von Mal zu Mal spannender.

Da ich selbst einige Jahre lang Flamenco getanzt habe, kannte ich die Hintergründe der Gitano- und Flamencohistorie bereits. Ich kann mir vorstellen, dass einigen Leser dies alles ein wenig zu viel ist, weil man im Roman in eine komplett fremde Welt eintaucht. Dieses Mal ist es keine echte Person, die Lucinda Riley in die Geschichte eingeflochten hat, sondern sie bastelte aus historischen Vorbildern eine Familie, die es in dieser Art aber auf jeden Fall hätte geben können. Die Tanzszenen und der Duende hat die Autorin so wiedergegeben, dass man sie als Laie versteht und auch für Tänzer als echt durchgehen können.

Lucia - die sich als Grossmutter von Tiggy entpuppt - ist für mich die bisher unsympathischste Person der ganzen Reihe (mal abgesehen von Zed Ezsu). Sie lebt nur für den Tanz (und Geld), ist entweder zu Tode betrübt oder Himmelhoch jauchzend drauf. Lucias Charakter ist der Autorin extrem gut gelungen, auch wenn ich Lucia nicht mag. Dafür mochte ich Maria, Pepe und Angelina. Wie auch Fiona, Cal und Charlie.

Lucinda Riley enttäuscht auch mit dem fünften Teil der Serie nicht. Sie brachte uns Leser einen - für viele wohl eher unbekannten - Teil der europäischen Weltgeschichte näher: diesmal das Leben der Gitano in Spanien; vor, während und nach der Kriegszeit.

Wie immer toll recherchiert und wie immer würde man am liebsten gleich weiterlesen. Doch wir Leser sind ja sehr geduldig. Müssen es sein, erst 2019 geht es weiter mit Elektra, der sechsten Schwester.

Fazit: Die bisher intensivste Geschichte innerhalb der Sieben Schwestern-Reihe. Wunderbar zu lesen! 
5 Punkte.


Reihenfolge:
Vorstellung/Überblick über die Sieben-Schwestern-Serie
Band 1: Die Sieben Schwestern
Band 2: Die Sturmschwester
Band 3: Die Schattenschwester
Band 4: Die Perlenschwester
Band 5: Die Mondschwester
Band 6: (Elektra) erscheint voraussichtlich im Herbst 2019
Band 7: (Merope) erscheint voraussichtlich im Herbst 2020

Musiktipps - Hintergrundmusik beim Lesen:
Gerado Nunez: "Flamenco en Nueva York", insbesondere der Titel "Canaveral"
Paco de Lucia: diverse CD's
Guillermo Cano: "Rincon del Pensamiento"
Joaquin Rodrigo: "Concierto de Aranjuez"- zum Beispiel von Paco de Lucia eingespielt
Nina Pastori: "Erez luz"  - und weitere CD's von ihr (manchmal auch jazzig angehaucht)

Filmtipp:
Vengo von Tony Gatlif
Carmen von Carlos Saura

Mittwoch, 14. November 2018

Der Buchladen der verlorenen Herzen von Elisabetta Lugli

Klappentext:
Die 35-jährige Anna führt ein ruhiges, unaufgeregtes Leben: Sie schätzt ihre Arbeit in der feinen, stilvollen Buchhandlung „Stella Polaris“ im Herzen Turins, kocht in ihrer Freizeit für ihre Freunde und ist mit einem treuen, zuverlässigen Mann zusammen. Bis eines Tages ihre ehemalige große Liebe Luca auftaucht – frisch geschieden und so charmant wie eh und je. Kurz darauf steht „Stella Polaris“ vor einem Umbruch. Anna muss sich entscheiden: Soll sie sich einfach weiter treiben lassen oder die Dinge in die Hand nehmen und endlich herausfinden, was sie sich wirklich wünscht?




Der Titel verspricht eine Geschichte über einen Buchladen. Wer nun eine Geschichte wie "Ein Buchladen zum Verlieben" erwartet, wird nicht glücklich. Dieser Roman entpuppt sich als einfach gestrickter Liebesroman. 

Anne steht zwischen zwei Männern, ihrer ersten Liebe und der aktuellen Beziehung. Und eigentlich dreht sich alles darum. Dass Anna in einem nicht rentierenden Buchladen arbeitet und deren mürrische Chefin Adele keine Ohren hat für Neuerungen, ist nur Nebensache.

Ich stand kurz davor das Buch abzubrechen, weil es so langweilig war. Ich war in der Mitte des Buches angelangt, doch nichts passierte, alles drehte sich nur um Annas Gefühle gegenüber Edoardo und Luca. Doch ich war unterwegs und dachte, jetzt fange ich kein neues Buch an bis ich zuhause bin, lese ich jetzt halt einfach weiter. Eine gute Entscheidung, denn auf einmal öffnet sich die Buchladenbesitzerin und erzählt ihre Lebensgeschichte, die ein neues Licht auf alles wirft und spannend ist.

Der Roman wurde minim besser, der Buchladen spielte endlich eine Rolle. Leider nur kurz, im weiteren Verlauf steht bis zum Schluss immer noch Annes Leben ausserhalb des Buchladens im Vordergrund. Annes Gefühle habe ich abgenommen, und auch die anderen Charaktere sind der Autorin gelungen. Doch für meinen Geschmack legte Elisabetta Lugli den Schwerpunkt ihrer Geschichte an den falschen Ort und bleibt sehr oberflächlich. Dazu wählte der Vertrieb schlichtweg einen falschen Titel für diese Lovestory. Es sind zwar nur zwei andere Wörter, aber dieser Unterschied zum italienischen Originaltitel "La libreria degli amori impossibili" würde so einiges erklären.

Es wäre schön gewesen, wenn anfangs vielleicht kurz mal Adele zu Wort gekommen wäre, man schon dann etwas über sie erfahren hätte. Ich verstehe jeden der abbricht - wäre es kein Rezensionsexemplar, hätte ich schon viel früher aufgegeben. Wenn ein Buch erst nach der Hälfte interessant wird, hat der Autor etwas falsch gemacht. Auch konnte die Spannung danach nicht aufrecht erhalten werden. Überraschungen in Büchern sind gut, sogar erwünscht, aber dazu muss dann auch der Anfang und der Schluss stimmen, nicht nur der Mittelteil.

Fazit: Zu wenig Buchladen, zu viel Liebe - und ein enttäuschender Abschluss. Leider so gar nicht meins. 
2.5 Punkte.

Dienstag, 13. November 2018

Vom Zmorgä bis zum Znacht nur Bücher oder: Die lit.Love 2018 in München


Im letzten Jahr hörte ich zum ersten Mal von der lit.Love, die jeweils im November in München stattfindet. Organisiert wird das gemütliche Bücherfestival von Randomhouse, in dessen Gebäude die Veranstaltung abgehalten wird. Am zweiten Novemberwochenende hat Randomhouse ein grosses Programm auf die Beine gestellt. 


Es gab Talks mit Autorinnen zu einem bestimmten Thema, Lesungen der Autorinnen zu ihren aktuellen Büchern, Workshops für (angehende) AutorInnen (Schreibblockaden / Wie aus Ideen ein Plot besteht / Durchhalten beim Schreiben / und viele mehr), Meet & Greets, dazu ein feines Rahmenprogramm.




Die "Starautorinnen" dieses Jahr waren Sophie Kinsella, Kate Morton und Rosie Walsh. Sophie Kinsella und Kate Morton sind Romanleserinnen seit Jahren bekannt und Rosie Walsh überraschte im Frühling mit ihrem ersten Roman "Ohne ein einziges Wort" fast die ganze Welt. Alle drei waren in Lese- und Plauderlaune und stellten dem interessierten Publikum ihre neuen Werke vor. Ich selbst habe einzig einen Teil der sehr lustigen Lesung von Sophie Kinsella habe ich mitbekommen, da mich dieses Jahr die deutschen Autorinnen viel mehr interessiert haben.



Mein Samstagmorgen begann bereits beim Frühstück "buchig", ich unterhielt mich mit einem Mutter-Tochter-Gespann, die zum Abschluss ihrer Barcelonareise die lit.Love besuchten. 



Nachdem Heike von Frau Goethe liest und ich uns beim Empfang gemeldet, dabei den prall gefüllten pinken Goodiebag entgegen nehmen durften und schnell alles in der Garderobe abgegeben haben, ging es zur Bloggerlounge, bei der etwa acht Bloggerinnen den beiden Autorinnen Sylvia Lott und Anna Paulsen Fragen stellen durften. 






Um 11:00 Uhr stand nur ein Programmpunkt zur Auswahl - ein Talk mit Sophie Kinsella auf der grossen Bühne. Bis auf den letzten Stuhl war die ganze Halle schon lange vorher besetzt, auch die auf dem Foto nicht sichtbaren Plätze vorne rechts. 

Ich machte mich dann bereits ein bisschen früher auf den Weg in Richtung Grosser Saal, und kam dabei am Skoobe-Stand vorbei. Dort plauderte ich kurz mit den Mitarbeiterinnen, bin ja schon lange und begeisterte Skoobe-Abonnentin. Für alle mit Tablets eine tolle Onleihe-Alternative. 



Im grossen Saal las und erzählte Petra Durst-Benning aus ihrem neuen historischen Roman "Die Fotografin". Wie eigentlich immer bei ihren historischen Romanen, überrascht uns die sympathische Autorin auch hier mit toll recherchierten und aussergewöhnlichen Themen. Ihr erinnert euch sicher an die Velofahrerinnen in "Solange die Welt noch schläft" oder die Champagnerwitwen aus dem zweiten Teil der Trilogie, und an die Glasbläser? Der Titel des neuen Buches sagt bereits viel aus, aber auch Leinenweber werden eine Rolle spielen; und auch bei den weiteren Bänden der Serie - der zweite wird 2019 erscheinen - dürfen wir spannt sein.



Um 13:00 war der Hunger gross, in der Kantine standen zwei Menus und ein Salatteller zur Auswahl; in der Cafeteria daneben gab es Sandwiches. Gestärkt ging es eine Stunde später zum Insel-Talk, bei dem Sylvia Lott, Anne Sanders und Tanja Voosen mit zwei Verlagsmitarbeiterinnen ins Gespräch kamen. Es ging um das Insel-Feeling, das Besondere am Insel-Setting.





Maria Nikolai und Frauke Scheuermann stellten sich um 14:00 Uhr den Fragen von Moderator Günter Keil beim Binge Reading-Talk. Unter "Wenn Serien süchtig machen" stellte ich mir etwas anders vor, als vor Ort diskutiert wurde. Vielleicht wäre "Serienjunkies" ein besserer Talktitel gewesen, denn andere Besucher erzählten mir, dass sie unter "Binge Reading" nochmal etwas anderes, eher negatives verstehen. 




Während Estelle Maskame und Duygu Maus die wohl eher jüngeren Besucher mit Talk & Popcorn auf der grossen Bühne unterhielten, freute ich mich auf das Treffen mit Fiona Blum. Durch meinen Schauplatz-Spaziergang-in-Rom zu ihrem Roman "Liebe auf drei Pfoten" standen wir immer mal wieder in Mailkontakt und freuten uns darauf, uns nun persönlich kennen zu lernen. Beim Reden vergassen wir die Zeit, so dass ich den "Wer, wie, was?"-Talk verpasste. Aber das war sowas von egal, es war so schön mit Fiona. Ihre Lektorin Barbara Heinzius gesellte sich auch noch zu uns. Dank ihr weiss ich nun, dass Schweizerdeutsch älter als Hochdeutsch ist, aber sich nicht mehr weiter entwickelte (Wieso auch, wenn die Sprache schon schön genug ist? 😁). 

Ja, wir hatten es lustig zusammen und es ist schön, dass an der lit.Love immer wieder genug Zeit und Raum ist, um sich jenseits des angebotenen Programms zu unterhalten - an dieser Stelle auch ein grosses Dankeschön an alle Verlagsmitarbeiter, die freiwillig, freundlich und fröhlich zum Gelingen der lit.Love mitgetragen haben, wie zum Beispiel das Team an der Garderobe oder beim Empfang! 

Auch ein grosses Dankeschön an die rasende Reporterin Claudia Winter, sonst bekannt als Autorin bestens unterhaltender Romane wie "Aprikosenküsse", "Die Wolkenfischerin" und "Glückssterne"! Claudia berichtete für den Goldmann-Verlag zwei Tage live auf Instagram. Durch Claudia bekamen alle, die nicht dabei sein konnten oder sich bei den vielen interessanten Angeboten auf der lit.Love nicht aufteilen konnten, einen schönen Einblick ins gesamte Programm. Auch auf ihrem eigenen Instagram-Account hat Claudia einige lit.Love-Augenblicke festgehalten, schaut mal nach! Oder sucht gleich nach den lit.Love Hashtags: #litlove2018 und #litlove 

Das offizielle Program war nun zu Ende, auf dem Rückweg zum Hotel traf ich beim Rossmann an der Kasse auf Frauke Scheuermann (meine Tochter mag ihre Kater Winston-Serie!) Ich sags ja: Autoren überall! 

Nach kurzem Frischmachen im Hotel trieb uns der Hunger zu zehnt in eine Pizzeria. Beim netten Abendessen wurde weiter über Bücher diskutiert. Der Tag klang später in der Hotelbar gemütlich aus. Okay, ich geb es zu - der bequeme Lesesessel im Hotelzimmer verlockte dann doch noch ein paar Seiten zu lesen...



Umgeben von sieben Autorinnen und Elisa von RoRezepte beim Frühstück begann für mich der Sonntagmorgen erneut "buchig". Ich sass Maria Nikolai und Bettina Storcks gegenüber, kannte bisher weder die Autorinnen noch ihre Bücher - bloss die Cover und Titel. Sie erzählten über die Recherchen und über Stuttgart, ein gemeinsamer Schauplatz ihrer Romane. Spätabends zuhause angekommen befreite ich deshalb gleich "Die Schokoladenvilla" und "Das geheime Lächeln" von der Merkliste, und stellte sie auf meine Wunschliste. 


Mit dem Time-Wrap-Talk (Fiktion und Wahrheit im historischen Liebesroman) startete kurze Zeit später der Sonntag auf der lit.Love. Petra Durst-Bennig, Maria Nikolai, Bettina Storks und Catherine Aurel (auch bekannt als Julia Kröhn oder Sophia Cronberg) diskutierten über den Rechercheaufwand in diesem Genre. Sie waren sich einig, dass meist nur 10% ihrer Recherchearbeit in den Roman einfliesst - aber manchmal aus den restlichen 90% die Idee für weitere Bücher entsteht. Bei Bettina Storks und Catherine Aurel sind diesbezügliche Projekte bereits im Entstehen. 






Um 11:00 Uhr traf ich mich mit Anna Paulsen zum Interview. Als Vorbereitung darauf, wollte ich bei meiner Anreise nur schnell in "Liebe M., du bringst mein Herz zum Überlaufen" reinlesen. Doch der Roman nahm mich von der ersten Seite an gefangen und noch weit vor München hatte ich ihn schon ausgelesen. Das Gespräch mit ihr war sehr nett. Übrigens erschien erst gerade gestern ihr zweiter Roman "Wirf dein Herz voraus und spring hinterher" bei Penguin - ich bin schon so gespannt!


Die Lesung mit Sophie Kinsella, zu der ich mich daraufhin setzte, sorgte für Stimmung und viel Gelächter, v.a. dank der deutschen Stimme von Anouk Schollähn. Mittendrin wollte ich weiter zum Meet & Greet mit Petra Durst-Benning, doch dabei lief ich in Sylvia Lott hinein, die gerade Zeit für ein kurzes Interview hatte.


Mit Sylvia Lott stand ich früher auch schon mal im Kontakt und daher freuten wir uns, nun gegenüber sitzen zu können. Ich nehme an, ihr kennt ihre Bücher und wenn nicht, kann ich sie euch nur ans Herz legen! Sylvia gelingt es immer wieder Themen aufzugreifen, die es so noch nicht gab. Der Cheesecake, die Rhododendren, die Musik und anderes in "Die Inselfrauen", der Hemingway-Contest, das Wasserballett und der Dünenschutz in "Die Inselgärtnerin". Ende Mai erscheint "Die Rosengärtnerin", Chansons und Rosen erwarten uns Leser da. Die Liebe zur Recherche merkt man ihr und ihren Büchern einfach an.




Vor lauter Hunger in der Mittagspause verpasste ich das Buch-Yoga, leider gab es heute keinen Salat. Sicherheitshalber habe ich mir eh was eingepackt, als Allergiker geh ich da immer auf Nummer sicher. Um 14:00 Uhr setzte ich mich kurz zu Bettina Storcks Lesung aus ihrem Roman "Das geheime Lächeln". Frauen, die so begeistert über ihre Bücher sprechen, muss man einfach mögen - und lesen! 









Gerne hätte ich noch weiter zugehört, doch mein Termin mit Anne Sanders stand bevor. Ich hab zwar erst "Sommer in St. Ives" gelesen, die beiden anderen habe ich vor der lit.Love nicht mehr geschafft. Doch ich wollte die Gelegenheit nutzen Anne einige Fragen zu stellen. Sie ist ein bisschen wie ihr Buch "Sommer in St. Ives": witzig, interessant und tiefgründig. Auch von ihr wird es im Mai 2019 Lese-Nachschub geben: "Wild at Heart - Willkommen im Hotel der Herzen".






Um 15:00 Uhr stand wieder nur ein Programmpunkt zur Verfügung, ein Talk mit Kate Morton. Schade, denn nur eine Stunde später standen vier interessante Talks und Lesungen zur Auswahl. Im Vorfeld wurde 16:00 Uhr als Schlusspunkt angegeben, schlussendlich überraschte das Programm mit einer Stunde mehr. Von Eventim kam erst ein paar Tage vorher der Hinweis, dass die Zeit falsch angegeben wurde. Nicht nur ich habe meine Heimreise Monate früher schon gebucht, und so war ich nicht die einzige, die die lit.Love nun verliess. 



Im Foyer fand zu bestimmten Zeiten ein Rahmenprogramm statt. Elisa von RoRezepte kochte Rezepte aus den Roman der anwesenden Autorinnen nach. Leider stand der Zeitplan erst kurz vor der lit.Love fest, so dass das Rahmenprogramm zu wenig zur Geltung kam, bzw. von vielen Teilnehmenden verpasst wurde. Ich selbst schaffte es auch erst und leider nur kurz am Sonntagnachmittag hin, als Maria Nikolai und Elisa Schokopralinen präsentierten, passend zu Marias Roman "Die Schokoladenvilla". 








Dies waren aber meine einzigen zwei Wermutstropfen an diesem tollen und gut organisierten Wochenende. Andere Besucherstimmen schliessen sich dem an, es waren sogar einige "Nur-"Leserinnen (also weder Buchbloggerinnen noch angehende Autorinnen) aus weit entfernten Orten wie z.B. Berlin vor Ort, die sich an der lit.Love wohler fühlen als auf dicht gedrängten Buchmessen. Sonst reisen ja eher nur die Buchmenschen von weither an, Leser eher nicht. Auch Krimileserinnen reisten zum wiederholten Male an, weil einfach die Atmosphäre so einzigartig und entspannt ist. Und auch ich kann sagen: es war meine erste, aber nicht meine letzte lit.Love. 



Wann und in welcher Form ich die lit.Love-Autorinnen-Kurzinterviews veröffentlichen werde, habe ich noch nicht entschieden. Ihr werdet es sicherlich auf einem meiner Social Media Kanälen mitbekommen, falls ihr eh nicht schon Leser meines Blogs seid. 

Für alle, die bis jetzt durchgehalten haben: ich verlose ein Programmheft, in dem ich fleissig Autogramme fast aller anwesenden Autorinnen (inklusive Claudia Winter, Fiona Blum und Manuela Inusa) gesammelt habe. 

Kein Autogramm dabei ist von: Sophie Kinsella, Estelle Maskame, Amelie Fried, Frieda Bergmann, Anika Landsteiner und Michel Birbaek; sowie von Micaela Jary und Adriana Popescu, die beide krankheitshalber abwesend waren. 

Wenn ihr das unterschriebene Programmheft inklusive der tollen Stofftasche gewinnen wollt, hinterlasst bitte einen Kommentar bis Sonntag 18. November. Am Montag, 19. November, lose ich aus und editiere hier den Namen der Gewinnerin. Falls ich bis zum 20. November kein Mail mit der vollständigen Adresse der Gewinnerin erhalte, lose ich ein zweites Mal aus. 

Ich hoffe, der Bericht hat euch Spass gemacht und so "glustig", so dass wir uns bei der nächsten lit.Love vielleicht sogar vor Ort sehen!






Mittwoch, 7. November 2018

Monsieur Jean und sein Gespür für Glück von Thomas Montasser

Klappentext:
Lange Jahre hat Monsieur Jean als Concierge im berühmten Grandhotel Tour au Lac in Zürich gearbeitet. Als er plötzlich in den Ruhestand verabschiedet wird, fragt er sich, was er mit dem Rest seines Lebens noch anfangen soll. Doch dann nimmt er sein kleines Notizbuch in die Hand, in das er die Wünsche und Geheimnisse der Hotelgäste und Angestellten stets sorgfältig und diskret notierte – und plötzlich hat er einen großartigen Plan. Zu viele Dinge, die noch nicht an ein gutes Ende geführt wurden, warten auf jemand, der dies ändern könnte. Unauffällig, wie es seine Art ist, beginnt Monsieur Jean die Fäden zu ziehen: Mit dem ihm eigenen Gespür für Menschen greift er in das Schicksal jener ein, denen das besondere Talent für Glück bisher fehlte. 


Dieser Roman spielt in Zürich, hier lebe ich. Der Name des Hotels "Tour au Lac" wurde einem hiesigen sehr ähnlich tönenden Hotelname entlehnt. Beim Lesen war es denn auch schön zu lesen, welche Orte und lokalen Geschäfte der Autor beschreibt oder zu seinen Gunsten zweckentfremdete: einiges wurde unbenannt oder gar an einen anderen Ort "gestellt" oder sogar gänzlich erfunden. Der Roman spielt sich hauptsächlich rund ums Seebecken und rechts und links der Limmat ab.

Monsieur Jean, wie sich der Concierge des "Tour au Lac" gerne nennen liess, wird pensioniert. Als bliebe ihm keine Zeit, will er Schicksal spielen - alles, was er in all den Jahren im Tour au Lac heimlich mitbekommen hat, will er nun für gute Zwecke nutzen. Er wird zum Verkuppler, zum Job-Verhelfer, Karriere-Antreiber und Friedensstifter. Monsieur Jean selbst könnte aber auch eine Spur Glück vertragen, doch vorerst kümmert er sich um alle anderen. 

Sprachlich schön und nett charakterisierte Figuren, ebenso toll die Idee eines heimlichen Wohltäters, der selbst ein Geheimnis hat. Doch trotz allem Positiven konnte mich der Roman zu wenig für sich einnehmen, er erreichte mich emotional nicht. Irgendwie überschattete das Geheimnis von Monsieur Jean, von dem man immer wieder ein wenig mehr erfährt, das ansonsten interessante Geschehen. Glaubwürdig fand ich das "Geheimnis" auch nicht. Ich weiss, was der Autor aussagen wollte, doch hätte er darauf verzichtet und stattdessen den Charakteren mehr Tiefe gegeben, hätte es ein Lieblingsbuch werden können. 

Fazit: Nett erzählte Geschichte über einen pensionierten Concierge, der sein geheimes Wissen über die Hotelbewohner endlich brauchen kann, um anderen Gutes zu tun. 
3.5 Punkte. 

Dienstag, 6. November 2018

Der Mönch von Mokka von Dave Eggers

Klappentext:
Ein junger Mann aus San Francisco, als Kind aus dem Jemen eingewandert, entdeckt die uralte Kaffeetradition seiner Heimat wieder. Mokhtar Alkhanshali möchte unter fairen Bedingungen im Jemen Kaffee anbauen und in die USA exportieren. Als 2015 die Bomben der Saudis sein Leben bedrohen, muss Mokhtar einen Weg aus dem Land finden. Er schafft es unter dramatischen Umständen zu entkommen und kann schließlich in den USA seine Firma eröffnen, die heute weltweit einen der besten Kaffees produziert, der zu fairen Preisen für alle an der Produktion Beteiligten verkauft wird und seinen Landsleuten zu einem besseren Leben verhilft.



Ich liebe Kaffee - deshalb war ich gleich vom Klappentext fasziniert und freute mich, das neue Buch von Dave Eggers zu lesen. 

Er erzählt in "Der Mönch von Mokka" die wahre Geschichte eines jungen Amerikaner mit jemenitischen Wurzeln, der sich 2012 die Aufgabe stellte, Kaffee aus dem Jemen in Amerika zu verkaufen. Bis Mokhtar Alkhanshali auf diese Idee kam, zogen einige Jahre des Herumtreibens, bzw. Einjahresjobs, ins Land. Schlussendlich halfen ihm diese Jobs jedoch dabei, zu dem Mann zu werden, der es schaffen will, seiner zweiten Heimat zu einem blühenden Kaffeehandel zu verhelfen.

So einfach war das aber nicht - erst musste er sich ins Kaffee Einmaleins einarbeiten, Finanzgeber suchen, im Jemen nach Kaffeebauern suchen und dies während widrigster Umstände; denn wie allgemein bekannt ist, ist der Jemen kein sicheres und friedliches Land. Aber da im Klappentext von Mokhtars Firma die Rede ist, muss es ihm schliesslich gelungen sein.

Wie das geschah, und welche Abenteuer Mokhtar dabei erlebte, beschreibt der Autor spannend und lebendig. Es ist ein Leben zwischen zwei Welten, das Mokhtar meistert. Mit enorm viel Glück und der Begabung, sich der jeweiligen Situation blitzschnell anzupassen und dementsprechend zu agieren. 

Eigentlich bin ich - nach Lesen des Klappentexts wie auch nach dem Prolog - davon ausgegangen, dass Mokhtar ein älterer Mann ist. Doch er entpuppte sich als gerade mal knapp 25jähriger junger Mann. Es ist ein wenig die typisch amerikanische Geschichte "vom Tellerwäscher zum Millionär". Vielleicht war Alkanshali anfangs ein wenig blauäugig, interessierte er sich ja überhaupt nicht für Kaffee. Aber der Autor schreibt seine Geschichte so fesselnd, dass man mit ihm bangt, wenn er durch die von Huthi Rebellen besetzten Landesteile reist, damit er mit einem Koffer voller Kaffee möglichst schnell aus dem Land ausreisen kann, und sich tierisch mit ihm freut, als er an dem Ort, an dem alles angefangen hat, das langersehnte Schiff endlich in den Hafen einfahren sieht. 

Dave Eggers hat Mokhtar über 300 Stunden interviewt, das Endergebnis ist dieses Buch. Gespickt mit wissenswerten Informationen über den Kaffeepflanzenanbau, die toll in den Roman verpackt sind. So hat man einen Roman, der gleichzeitig Biografie wie auch Sachbuch ist.

Ein wirklich tolles Buch - wobei mir fast am meisten gefallen hat, wie es Mokhtar gelungen ist, vielen Jemeniten aufzuzeigen wie schön und vielfältig die Natur in ihrer Heimat eigentlich ist. 

Fazit: Eine wahre und spannend erzählte abenteuerliche Geschichte, die (nicht nur) jedem Kaffeeliebhaber empfohlen sei. 
5 Punkte.



Montag, 5. November 2018

Montagsfrage 05.11.2018



Montagsfrage #10 (bei Lauter und Leise)

Unterhalten dich Biografien, oder findest du die non-fiction Geschichten anderer Menschen eher öde?

Biografien las ich früher sehr gerne, mittlerweile bevorzuge ich sie in Form von "Romanen nach einer wahren Geschichte". 

Zum Beispiel wie das neue Buch von Dave Eggers "Der Mönch von Mokka", in dem der Autor die Geschichte von Mokhtar erzählt (Rezension folgt diese Woche), einem jungen Amerikaner mit jemenitischen Wurzeln, der sich die Aufgabe stellte, Kaffee aus dem Jemen in Amerika zu verkaufen. Gespickt mit wissenswerten Informationen über den Kaffeepflanzenanbau, die toll in den Roman verpackt sind. So hat man einen Roman, der gleichzeitig Biografie wie auch Sachbuch ist. 

Oder die Romane über nicht so berühmte Frauen an der Seite berühmter Männer, wie sie in der Serie des Aufbau Verlags regelmässig erscheinen, wie etwa "Madame Picasso" oder "Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe"

Von Biografien bin ich hauptsächlich aus zwei Gründen weg gekommen. Zum einen, weil ich im Laufe der Jahre einfach gesehen habe, dass damit fast inflationär umgegangen wird. Viele - besonders die Cervelatprominenz - meinen, sie hätten ein so aufregendes Leben, dass sie bereits mit 25 Jahren ihre Memoiren schreiben (lassen) müssen. Und dann folgt mit 40 Jahren die nächste Biografie. 

Oder, mein zweiter Grund, wenn es eine wirklich interessante Person war, wird dessen Geschichte oft langweilig präsentiert (ich sage nur Reclam-Biografien über Komponisten...) oder in eine bestimmte Richtung gedrängt, wo man nicht weiss, was nun wirklich stimmt oder was auf die Kappe (bzw. die Phantasie) des Biografie-Schreibers geht.

Deshalb lese ich lieber gleich fiktive Geschichten über reale Personen. Oft sind deren Autoren genauer oder geben zumindest am Ende an, was sie an der Biografie geändert haben.

Wie ist das bei euch? Welche Variante bevorzugt ihr, falls ihr Biografien liest?


Und sonst so:
Meine (Rezensions-)Bibliothek ist auf dem neuesten Stand! Zudem habe ich sie in Romane und Krimis aufgeteilt, weil die Liste sonst einfach zu lang war und unübersichtlich wurde. Falls ihr also mal nach einer Rezension sucht, sollte es nun schneller gehen.

Am Freitag reise ich nach München zur lit.Love. Ich freue mich sehr, es ist meine erste lit.Love! Nachdem ich dieses Jahr nicht zur Frankfurter Buchmesse gehen konnte, ist das nun mein "Ersatz" dafür :-) Wer von euch wird denn auch alles in München sein? 

Habt eine gute neue Woche!


Sonntag, 4. November 2018

Krimi: Wie Madame Hortense eine Million fand und verschwand von Ricardo Salvador

Klappentext:
Eine Million Euro im Mülleimer finden – wer träumt nicht davon? Für Putzfrau Hortense wird dieser Traum wahr. Ihr Problem: Das Geld hat der korrupte Kasinochef Monsieur Lecroc verloren, dem es gar nicht gehörte. Für Hortense wird es nun brenzlig, denn Lecroc ist jedes Mittel recht, um die Million zurückzubekommen. Für die 70-Jährige heißt das: Nix wie weg. Mit Freundin Katia macht sie sich aus dem Staub und nutzt die Flucht, um sich einen lang gehegten Traum zu verwirklichen: Crêpes in Étretat in der Normandie mit Blick auf die Klippen zu essen. 





Der Dryas-Verlag veröffentlichte im September diesen französischen Krimi von Ricardo Salvador. Der Namen des Autors hört sich so gar nicht französisch an, er soll aber Franzose sein - auch sein Krimi spielt sich in Frankreich ab. 

Der Klappentext lässt auf einen witzigen Krimi schliessen, denn wer gibt sich schon mit Crêpes essen zufrieden, wenn er plötzlich eine Million in den Fingern hält?

Hortense Habenix! Sie möchte wirklich nur Crêpes essen gehen in Etretat, der Erinnerung wegen. Aber eigentlich würde Hortense das Geld lieber zurückschaffen, denn wohl ist ihr dabei nicht. Ihre Freundin Katia Kleingeld hält sie davon ab - endlich mal viel Geld zu haben, ein Traum! Doch nur allzu bald wird das Fehlen des Geldes bemerkt und Gangster, Polizei und der Gerichtsvollzieher sind hinter den beiden älteren Frauen her. Die grosse Frage ist: wie kommen die zwei aus der Geschichte raus?

Soviel sei verraten: Das Ende ist nett. Der Krimi ist Slapstick pur und würde sich gut verfilmen lassen. Sogar als Stummfilm, denn die Figuren sind alle durch spezifisches Aussehen und spleenige Charaktere ausgestattet. 

Wir haben einen zwielichtigen Casinochef, der für alles seine zwei Gorillas beauftragt. Beide nicht die hellsten Leuchten: Alphonse vergisst bei seinen Auftragen immer etwas (meistens das Wichtigste) und liebt Crêpes;  Frankie ist viel zu grob. Weiter geht es mit einem lispelnden Kartellchef und einem Büroklammer-zählenden Polizisten, der sich vor dem Aussendienst drückt. Die beiden schrulligen Heldinnen, zwei ältere Putzfrauen - deren Nachnamen in der deutschen Fassung passend dem Charakter angepasst wurde - sind Katia Kleingeld und Hortense Habenix. Die eine hat den Gerichtsvollzieher am Hals, die andere eine Million Euro. 

Der Sprachstil ist - trotz den vielen Gaunern - gewählt kultiviert und humorvoll. Der Krimi an sich ist eine Karikatur per excellence, aber mir war das alles eine Spur zu viel von allem. Wer gerne lacht und die alten witzigen Stummfilme mag, ist mit diesem urkomischen Krimi aber gut beraten.

Fazit: Verrückte nette Geschichte im Slapstickformat, mir war es zu viel davon.
3 Punkte.