Mittwoch, 3. Juni 2020

Träume in Meeresgrün von Miriam Covi

Klappentext:
Amelie Ludwig freut sich sehr auf den Familienurlaub im malerischen Nova Scotia. Was gibt es Schöneres, als mehrere Wochen in der wilden Natur zu verbringen, umgeben von kilometerlangen Stränden und kunterbunten Holzhäusern? Der perfekte Ort, um ihr gebrochenes Herz und die Erinnerung an einen schweren Schicksalsschlag für eine Weile zu vergessen. Doch kaum an der kanadischen Atlantikküste angekommen, begegnet Amelie dem attraktiven Callum, der zusammen mit seinem verrückten Hund alles daran setzt, ihr Herz zu erobern. Amelie zögert: Ist sie schon bereit, sich neu zu verlieben? Als sie ganz überraschend auf ein Geheimnis aus der Vergangenheit ihrer Familie stößt, ist ihr Gefühlschaos perfekt – und Amelie muss sich entscheiden, wo ihr Herz hingehört.

Bereits zum zweiten Mal nimmt uns Miriam Covi mit nach Nova Scotia. Dieses Mal ist die Geschichte nicht "Atlantikblau", sondern faszinierend "Meeresgrün". 

In derselben Farbe ist das gemietete Ferienhaus der Ludwigs gestrichen und auch die Augen von Amelie Ludwig, der Protagonistin dieses Romans, strahlen in dieser Farbe: meeresgrün. Strahlen tun ihre Augen aber schon seit längerem nicht mehr. Seit einem Unglück vor vielen Jahren. 

Nun ist Amelie in Lars verliebt. Doch den hat ihr ihre forsche Schwester Nele weggeschnappt. Nicht nur deswegen ist das Verhältnis der Schwestern angespannt, es war es schon immer. Aber Amelie beschwert sich nicht, sie ist ängstlich und harmoniesüchtig. Amelie war mir stellenweise etwas zu übertrieben scheu und wortkarg dargestellt. Deshalb hat sie auch nicht viel gesagt, als ihr Vater Otto die beiden Schwestern samt Lars zum Familienurlaub nach Kanada mitgenommen hat. 

Die Voraussetzungen zu einem erholsamen Urlaub sind also nicht wirklich gegeben. So geht Amelie vor Ort ihren eigenen Weg und lernt dabei Skipper und sein Herrchen Callum kennen. Immer öfters begegnen sie sich, obwohl Amelie sich weigert mit Callum auszugehen. Langweilig wird es ihr nicht, denn das hübsche Lunenburg bietet viel.

Und auf einmal bekommt Amelie wieder Lust Schmuckstücke, am liebsten aus Silber und Meerglas, zu entwerfen - etwas, das sie 13 Jahre nicht mehr tat. Was damals geschah, wird in der Story nach und nach aufgerollt. Und es kommt noch viel mehr zutage, was bisher in der Familie Ludwig totgeschwiegen wurde. Erzählt werden diese Familiengeheimnisse auf eine tolle Art. Was wäre wenn - ist dabei die zentrale Frage.

Miriam Covi hat einen wunderbaren Schreibstil, der die Leser gefangen nimmt. Mit Überraschungen ist jederzeit zu rechnen. Und dann schreibt sie derart gefühlvoll, interessant und spannend, dass ich jeweils so tief in ihren Geschichten drin stecke, dass ich mir manchmal wünschte, ich könnte einfach weiter lesen.

Über die letzte Seite hinaus und vor Ort bleiben und zum Beispiel Bonnies Story erfahren. Denn in jedem von Covis Romanen gibt es Figuren, die mir ans Herz wachsen und deren Lebensweg ich gerne weiter verfolgen würde, wie im vorliegenden Roman eben zum Beispiel Bonnie oder auch Fiona. Meine absolute Lieblingsfigur ist aber Skipper, wen wundert's? Dieser Hund hat mein Herz erobert, und zwar schon da, als er noch für einen Bären gehalten wurde. Na, neugierig geworden auf diesen Bär von Hund und die anderen Figuren wie Otto, Knuth, Rose und Eloise?

Noch nicht? Dann kann ich euch sagen, dass das Setting, wie schon in "Sommer in Atlantikblau", einfach bezaubernd ist. Man joggt mit Amelie an der Küste entlang, kann mit ihr das Hafenstädtchen bewundern und ist mit ihrer Familie Gast beim Folk Harbour Musikfestival. Und wenn man sich aus den Musiktiteln, die im Roman vorkommen, eine Playlist erstellt, hat man auch gleich die passende musikalische Begleitung für die Lektüre von "Träume in Meeresgrün" - ein perfektes Ambiente, um sich in die Geschichte zu vertiefen.

Fazit: Was wäre wenn - ihr diesen schönen Pageturner, der zum Träumen einlädt und bei dem die Romantik nicht zu kurz kommt, bald liest? 
5 Punkte. 



Dienstag, 2. Juni 2020

Kann Spuren von Fernweh enthalten von Birgit Hasselbusch

Klappentext:
Laue Sommernächte, Tapas im Park und Tortilla um Mitternacht: Alexandra kommt ins Träumen, als sich ihre Tochter Lou nach dem Abitur auf ein Auslandsjahr in Madrid vorbereitet. Vor vielen Jahren hat auch Alexandra als Au-pair dort gearbeitet und die süße Freiheit kennengelernt - aber dann eine bittere Erfahrung gemacht. Nun steht Lou vor einem großen Abenteuer und Alexandra fällt es schwer, loszulassen. Auch aus Angst vor dem, was nun unweigerlich folgt: die leeren vier Wände, die Veränderung als Paar, die Lous Auszug mit sich bringt. Mit vielem hätte Alexandra gerechnet. Nur nicht mit dem unerwarteten Neuanfang, der plötzlich möglich wird.


Nachdem ich letztes Jahr von "Sommer in Villefranche" begeistert war, freute ich mich, als ich diesen neuen Roman der Autorin sah. Der geniale Titel (Stichwort "Fernweh") und der Klappentext (Stichwort "Laue Sommernächte in Madrid") liessen mich auf ein Villefranche.2 hoffen. 

Doch es kam anders. Es ist eine Geschichte um ein Ehepaar, deren Tochter für ein Jahr auszieht - als Au-pair an denselben Ort geht, an dem ihre Mutter vor Jahren war. Die Mutter, Alex, ist anfänglich nicht begeistert, doch dann lässt sie Lou los. Alex und ihr Mann Markus kommt es komisch vor, als die Tochter ausser Haus ist. Für Alex geht das Leben eigentlich ziemlich weiter wie zuvor, da sie Seminare gibt und deshalb oft tagelang durch Deutschland tourt und selten zuhause ist. Markus, der Hausmann ist, spürt Lous Abwesenheit bedeutend mehr. Markus ist sympathisch und nett, fast zu nett, er tat mir leid. 

Die Leser erleben nun das Eheleben von Alex und Markus mit, die von den Charakteren abwechselnd erzählt wird und sich hauptsächlich in Deutschland abspielt. Wie sich Alex und Markus kennengelernt haben bis zu dem Punkt, an dem sie jetzt stehen. Erst gegen Ende bekommen die Leser mit, was Alex damals in Madrid erlebt hat. Doch bis es soweit ist, hatte sie bei mir schon alle Sympathiepunkte verloren, mit ihr wurde ich nicht warm. Die Story weist tragische Elemente auf und ist mehr eine Abrechnung mit Alex bisherigem Leben, das eigentlich ganz okay schien.  

Ich hatte zwar keine Lust ein Ehe-in-der-Krise-Roman zu lesen, wäre aber auch für "kein Fernweh offen gewesen", wenn die Geschichte irgendeine Aussage gehabt hätte. Weshalb Alex nicht zufrieden war, konnte ich nicht heraus lesen. Der Roman konnte mich nirgendwo abholen, schon gar nicht begeistern.

Der Roman ist nicht schlecht geschrieben, aber mit solch einer Story, wie die Autorin uns Lesern hier auftischt, hab ich schlicht nicht gerechnet. Es ist auch nicht die Geschichte, die ich mit all den Stichworten und nach "Sommer in Villefranche" erwartet habe. 

Birigt Hasselbuschs Schreibstil ist humorvoll und witzig, die Geschichte leider nicht. Der Titel ist irreführend. Fernweh hab ich keins bekommen, das ist nämlich nicht enthalten. 

Fazit: Fernweh ist nicht mal in Spuren enthalten, deshalb leider enttäuschend.
3 Punkte. 


Montag, 1. Juni 2020

Vorschau: Neuerscheinungen und Neuzugänge im Juni 2020

Der meteologische Sommer hat heute begonnen und somit nehmen die Temperaturen zu, aber die Neuerscheinungen ab - was für meinen SuB nur für Vorteil ist, so komme ich hoffentlich dazu, auch die liegengebliebenen Bücher zu lesen. 

Im Mai liegengeblieben sind zwei Romane, die ich euch schon in der Mai-Vorschau gezeigt habe. Aktuell lese ich "Träume in Meeresgrün", danach gleich die beiden anderen Titel,




Meine Neuzugänge - Rezensionsexemplare:
Folgende Neuerscheinungen sind schon bei mir eingezogen: "Tod in Saint Merlot" erschien am 29.05, "Bretonische Spezialitäten" erscheint am 16.06 und "Sophias Träume als Print ebenfalls, als eBook bereits am 02.06. "This is  not l Love Song" erscheint erst im August. Das hört sich extrem gut an, ich bin gespannt! 






Meine Neuzugänge - neu gekauft oder aus der Onleihe:
Da ich von "Die Zeit der Glühwürmchen" so begeistert war, hab ich mir die Ostseetrilogie von Patricia Koelle ausgeliehen. Ebenso die Titel der untersten Reihe. Die neuesten Titel der "Tee? Kaffe? Mord!" hab ich mir gekauft, ich mag die Serie sehr gerne. 






Neuerscheinungen im Juni 2020, auf die ich mich freue: 






Die Titel der ersten Reihe ziehen als Rezensionsexemplare bei mir ein, die werde ich sicherlich im Juni lesen. Die restlichen Titel stehen auf meiner Wunschliste, der eine oder andere Roman davon wird wohl auch im Juni oder Juli gelesen.

Mein Juni wird auf jeden Fall blau - schaut euch mal die vielen blaugrünen Cover an! 

Wie wird euer Juni - stehen bei euch auch einige der oben gezeigten Titel auf eurer Wunschliste oder sind sie schon bei euch eingezogen, habt ihr einige davon vielleicht sogar schon gelesen? 

Lesebiografie Mai 2020

So ruhig der März und April war, so unruhig der Mai für mich. Mein Mai 2020 hatte Ähnlichkeiten mit meinem Januar 2020, aber ich möchte vom Positiven reden - nach drei Monaten endlich mal wieder ein Kaffi auswärts trinken, was für ein tolles Gefühl!





Und auch Besuche in Buchhandlungen wurden Mitte Monat wieder möglich. Meine Lieblingsbuchhandlung baut um, da blieb das Schneuggen leider aus. Aber dafür konnte ich letzte Woche wieder einmal Bahn fahren, doch da es so ein genial schöner Tag war, schaute ich mehr aus dem Fenster und das Lesen blieb wortwörtlich auf der Strecke.

Dennoch habe ich 19 Bücher gelesen. Von diesen konnten mich sechs nicht so richtig begeistern. Drei davon, die 3-Punkte-Bücher haben mich enttäuscht. Bei Swan weiss man ja nie, das eine Buch ist super, das andere wiederum nicht - jedes Mal eine Überraschung. Generell mag ich die Romane mit ihren reichen-Karriere-Frauen-Protagonistinnen gar nicht, die mit normalen Figuren hingegen meistens. Hénaff lieferte zwei tolle "Kommando Abstellgleis"-Krimis, der dritte überzeugte mich leider nicht. Beim Hasselbusch-Roman fand ich nicht mal Spuren von Fernweh, der Titel hätte viel besser zu ihrem Villefranche-Roman gepasst. Die Rezension dazu liefere ich nach. 

Bei den 3.5-Punkten war Bruno mal wieder besser und nicht so "explosiv", aber auch Band 12 hat so einige Schwächen. Der Roman über Grace Kelly war mir zu emotionslos. Über Monacos ehemalige Fürstin werden dieses Jahr noch zwei weitere Roman erscheinen und bin schon sehr gespannt, wie dort Grace rübergebracht wird. "Das Lächeln um halb acht" hätte Potential gehabt, das aber nicht zur Geltung kam. Genaueres liest ihr in den Rezensionen. 

3 Punkte:
- Mission Blindgänger von Sophie Hénaff (Kommando Abstellgleis 3)
- Das Leuchten eines Sommers von Karen Swan
- Kann Spuren von Fernweh enthalten von Birgit Hasselbusch

3.5 Punkte: 
- Dein Lächeln um halb acht von Laura Jane Williams 
- Grace und die Anmut der Liebe von Sophie Benedict (MFzKuL 13) 
- Connaisseur von Martin Walker (Bruno 12) 

4 Punkte:
- Kretischer Abgrund von Nikos Milonas (Michalis Charisteas 2) 
- Spur der Schatten von Gil Ribeiro (Lost in Fuseta 2) Reread 
- Weisse Fracht von Gil Ribeiro (Lost in Fuseta 3)
- Schwarzer August von Gil Ribeiro (Lost in Fuseta 4) 
- Das kleine Hotel auf Island von Julie Caplin (Romantic Escapes 4) 
- Heidesommerträume von Silvia Konnerth 



5 Punkte:
- Orangenträume von Manuela Inusa
(Kalifornische Träume 2) 
- Die Zeit der Glühwürmchen von Patricia Koelle
(Inselgärten 1)
- Im Garten deiner Sehnsucht von Viola Shipman 
- Küsse im Aprikosenhain von Persephone Haasis 
- Der Dünensommer von Sylvia Lott 
- Provenzalischer Stolz von Sophie Bonnet
(Pierre Durand 7) 
- Wo die Sterne tanzen von Katharina Herzog 






Ein Reread war im Mai mit dabei: der zweite Band der "Lost in Fuseta"-Reihe. Die zwei Nachfolge-Bände hab ich gleich nacheinander gelesen und so habe ich eine schöne Zeit an der Algarve verbracht, wenn auch nicht physisch. Daneben war ich noch auf Kreta, Island und in der Lüneburger Heide. Das waren meine 4-Punkte-Bücher, die mich gut unterhalten haben.

Ein Jahreshighlight findet sich bei den 5–Punkte-Bücher: der Auftakt zu der Inselgärten-Serie von Patricia Koelle fand ich traumhaft schön, so dass ich ihre anderen Romane möglichst noch in den kommenden Monaten lesen will. Aber auch Shipman, Inusa, Lott, Haasis, Herzog und Bonnet haben mir den Mai versüsst!

Aktuell lese ich gerade "Träume in Meeresgrün" von Miriam Covi, da freue ich mich auf den Ausflug nach Novia Scotia. Zwei weitere geplante Bücher (Mary Kay Andrews und Alexandra Holenstein) habe ich leider nicht mehr geschafft, die hole ich aber in den nächsten Tagen nach. Juni-Neuerscheinungen sind auch schon bei mir eingetroffen, weitere werden noch kommen - davon berichte ich euch morgen. 

Erzählt ihr doch mal - wie sah euer Lese-Mai bei euch aus? Konnten euch eure Bücher, die ihr gelesen habt zufrieden stellen, eventuell sogar begeistern oder haben euch einzelne Titel davon enttäuscht? Und habt ihr auch schon wieder Bücher vor Ort in Buchhandlungen geshoppt?

Sonntag, 31. Mai 2020

Wo die Sterne tanzen von Katharina Herzog

Klappentext:
Auf der Nordseeinsel Juist hat Musicaltänzerin Nele einst den ersten Kuss von ihrem besten Freund Henry bekommen, und im Deichschlösschen ihrer Oma hat sie viele zauberhafte Sommertage verbracht - bis eine schicksalhafte Nacht alles veränderte. Vor allem zwischen Henry und ihr. Diesen Sommer fährt Nele ein letztes Mal auf die Insel. Oma Lotte ist gestorben, und Nele will nur noch das Haus ausräumen und sich mit ihrer Mutter aussprechen. Doch dann taucht Henry überraschend auf Juist auf. Mit ihm kommen die Erinnerungen zurück, die schmerzhaften, aber auch die schönen, und auf einmal fragt sich Nele: Ist sie wirklich bereit für die Zukunft, wenn ihr Herz noch immer an der Vergangenheit hängt?

Die Leser begleiten Nele, wie sie auf Juist ankommt und erleben mit, wie schwer es ihr fällt, zusammen mit ihrer Mutter das Deichschlösschen, das Haus ihrer Oma Lotte, zu verkaufen. Hier hat Nele nicht nur jeden Sommer in ihrer Kindheit verbracht, sondern auch Menschen gefunden, die sie noch immer in ihrem Leben begleiten.

Während ihrem aktuellen Aufenthalt läuft ihr Leben an ihr vorbei. Wie Sterne leuchten diese Szenen auf, die Kapitel wechseln ab. Im einen Kapitel ist man in der Gegenwart, im nächsten taucht man ab, erlebt mit, wie Nele Henry, Ben, Jens und andere kennenlernte. Diese drei Jungs, die im Laufe der Geschichte zu gestandenen Männern heranwachsen, sind ihre Wegbegleiter - jeder auf seine eigene Art. 

Wenn man Neles Erinnerungen lauscht, pendelt man zwischen Juist und New York hin und her. Ihren Traum, Tänzerin zu werden, hat sich erfüllt. Aber ein anderer wichtiger Traum von ihr, ein Herzenswunsch, wurde jäh zerstört, daran leidet Nele noch heute leise - kaum kommt sie diesem Traum zwischendurch mal wieder näher, wirft sie es kurz darauf Lichtjahre zurück. Und jetzt, kurz vor dem Verkauf von Omas Haus, sieht es aus, als ab sie damit endgültig abschliessen und einen anderen Weg einschlagen muss. 

Mit einer egoistischen Mutter wie Laura und ohne anwesenden Vater findet Nele in Oma Lotte und deren Freundin Emily und anderen Inselbewohnern Familienersatz. Auch als Erwachsene kann sie nicht fassen, dass sich ihre Mutter immer nur für Männer interessierte und nicht für ihre Tochter. Auch Henry, Ben und Jens stecken in schwierigen Familienkonstellationen. Katharina Herzog charakterisiert diese Familien sehr gut, so dass man schnell die Nöte der Figuren versteht und mit den Heranwachsenden mitleidet. 

Jedem Kapitel wird ein Zitat aus einem Musical hervor gestellt. Die Zitate passen jeweils nicht nur gut, sie nehmen die Leser auch mehr zu Neles Träumen mit. Katharine Herzog gibt einem das Gefühl vor Ort zu sein und alles hautnah mitzuerleben. Den Wind spüren, die Sterne funkeln sehen, durch das Zaubergärtchen zu spazieren, den Aufführungen in Gretas Tanzschule beizuwohnen, nachts durch New York zu laufen und vor allem Neles Zerrissenheit zu spüren. 

"Wo die Sterne tanzen" erzählt eine gefühlsvolle Geschichte über Träume, Hoffnungen, Freundschaft und Liebe, an deren Ende ich ein oder zwei Tränen verdrücken musste. Mir hat sehr gut gefallen, dass die Autorin nicht nur die Sonnenseiten des Lebens, sondern auch die Schattenseiten aufzeigt. Dass man, um sein Ziel zu erreichen, auch mal Umwege gehen muss oder dass sich Träume auch auf dem Weg zu deren Erfüllung ändern können, weil man merkt, dass der Traum doch nicht zu einem passt. Es ist eine realistische, stimmige Geschichte, die uns die Autorin hier erzählt. 

Die Printausgabe von diesem Roman erscheint Ende Juli. Das ist die perfekte Zeit, um diese Geschichte zu lesen, denn vieles daraus spielt sich zwar in verschiedenen Jahren, aber sehr oft im August ab. Auch kann man Sternschnuppen am besten im August beobachten, vielleicht sieht man dabei auch mal wie die Sterne am Himmel tanzen. Nach der Lektüre dieses schönen Romans kann man sich das jedenfalls sehr gut vorstellen. 

Fazit: Beim Lesen von "Wo die Sterne tanzen" konnte ich wunderbar in die Geschichte eintauchen und dabei die Zeit vergessen. Es ist der Sommerroman, den man 2020 gelesen haben muss. 
5 Punkte.


Samstag, 30. Mai 2020

Heidesommerträume von Silvia Konnerth

Klappentext:
Nach einem vernichtenden Gespräch mit ihrer Lektorin ist für Autorin Carolin die Lage klar: Sie braucht einen Ortswechsel, um auf neue Ideen zu kommen. Das Romantikhotel ihrer Schwester Lola in der Lüneburger Heide scheint dafür wie geschaffen. Doch anders als erhofft, treibt Carolins Aufenthalt bei der Verwandtschaft sie nicht zu schriftstellerischen Höchstleistungen an, sondern zur Weißglut. Schlimmer noch: Lola taucht aus heiterem Himmel ab! Allein mit deren überfordertem Ehemann, einem ausgebuchten Hotel und einer schier endlosen Aufgabenliste, bleibt Carolin nichts anderes übrig, als selbst das Ruder in die Hand zu nehmen. Und dann ist da noch der eigenwillige Gast Till, der ungewollt Teil ihrer Mission wird – und der sie mehr berührt, als ihr lieb ist!

Silvia Konnerth nimmt uns wieder mit in die Lüneburger Heide. 

Doch noch müssen sich die Leserinnen ein wenig gedulden und erleben erst ausführlich Carolins Schreibflaute mit, die sie seit der Trennung von Lars erlitten hat. Auf den Rat ihrer Freundin Moni hin reist Carolin spontan zu ihrer Schwester Lola. Diese lebt mit ihrem Mann Paul in der Heide, wo sie zusammen ein kleines Hotel führen. 

Als Carolin vor dem Hotel steht, ist sie enttäuscht: der Garten ist vernachlässigt und der Haussegen steht schief. Paul und Lola zoffen sich an, Lola macht einige komische Andeutungen, die Carolin nicht versteht - am nächsten Tag ist Lola weg, sie braucht eine Auszeit. 

Carolin und Paul versuchen den Hotelbetrieb aufrecht zu erhalten. Dazu haben sie Angst vor dem unbekannten Hoteltester, der sich im Hotel aufhalten soll. Da alle denken, ein gewisser Gast sei der Tester, unternehmen sie alles, um diesem Gast den Aufenthalt so nett wie möglich zu gestalten. Der scheint das aber alles gar nicht zu schätzen.

Immerhin hat Carolin gar nicht so viel Zeit, sich deswegen zu grämen, sie hat viele Baustellen offen. Damit sie vom Fleck kommt, braucht sie öfters mal einen Schubs von Moni. Die leidet unter der Entfremdung von ihrer Teenietochter. Lola und Paul blieben mir zu blass, von ihnen bekam ich nicht so viel mit. Von den Hotelgästen dafür teilweise mehr, die da wären: ein missmutiger Ornithologe; eine Patchworkfamilie, die sich noch aneinander gewöhnen muss; das gemütliche und sympathische Ehepaar Doris und Werner, die schon oft zu Gast im Hotel waren; und Porschefahrer Till. Den lernt Carolin bereits auf dem Weg zum Hotel kennen - bald bahnt sich etwas an zwischen ihnen, aber es bleibt kompliziert.

In "Heidesommerträume" geht es um Familiengeheimnisse, Liebeskummer, berufliche Flauten, um Freundschaft und vieles mehr. Die "Autorin in Schreibflaute" ist ein tolles Thema für einen Roman, das gefiel mir sehr. 

Das Hotel ist in meinen Augen aber eher ein B&B. Die Geschichte darum und anderes ging durch die vielen reingepackten Nebengeschichten unter. Langweilig wurde es nie, aber beim Lesen fühlte sich einiges "unrund" an, mir fehlten einige Erklärungen. 

Dennoch hat mich der diesjährige Roman von Silvia Konnerth gut unterhalten. Die Geschichte um Carolin ist eine schöne Lesebegleitung für einen gemütlichen Sonntag auf dem Liegestuhl im Garten. 

Fazit:  Unterhaltender und kurzweiliger Roman.
4 Punkte. 


Donnerstag, 28. Mai 2020

Krimi: Provenzalischer Stolz von Sophie Bonnet (Pierre Durand 7)

Klappentext:
Die Angst geht um in der Camargue. Während Pierre Durand in einem Hausboot durch das Rhônedelta fährt, um über seine berufliche Zukunft nachzudenken, verbreitet sich ein Kettenbrief mit einer Weissagung, die den Tod dreier Sünder ankündigt. Tatsächlich wird kurz darauf ein Toter mit geschwärztem Gesicht aufgefunden. Es handelt sich um einen Kriminalbeamten, der verdeckt im Milieu der »gens du voyage« ermittelt hatte. Doch es gibt einen Zeugen, der sich an Bord von Pierres Hausboot versteckt und behauptet, sein Gedächtnis verloren zu haben. Der Präfekt bittet den ehemaligen Dorfpolizisten um Unterstützung. Mit Hilfe einer »gitane« versucht Pierre, dem Geheimnis der Kettenbriefe auf die Spur zu kommen. Alles deutet auf einen Konflikt zwischen den Kulturen hin, doch ein weiterer Mord rückt die Verbrechen in ein neues Licht. Pierre erkennt, dass er auf seine Intuition vertrauen muss, um zu verhindern, dass sich auch noch der letzte Teil der Prophezeiung erfüllt.


Den unsympathischen neuen Bürgermeister Marechal haben wir ja schon im sechsten Band kennengelernt. Dieser hat Pierre Durand nun suspendiert - ungerechtfertigt wie alle wissen. 

Pierre denkt, es sei allen seinen Freunden egal. Das zieht ihn ziemlich runter. Ein Streit mit Charlotte verbessert seine Laune nicht, der Krach der Rodungsarbeiten erst recht nicht. Ein Kettenbrief mit religiösen "Verschwörungstheorien", der in Sainte Valérie herum geht, nervt ihn auch. Deshalb ist Pierre froh, ein Hausboot von Saint Giles nach Bézières überführen zu können. 

Es wäre recht idyllisch auf dem Boot, wenn nur der blinde Passagier nicht wäre, der sich auf dem Boot versteckt. Pierre merkt schnell, dass der "Gast" etwas von dem Mord, der am Vorabend in der Gegend verübt wurde, mitbekommen hat. Statt Ruhe auf dem Hausboot zu haben, ist Pierre Durand mitten in einem Fall angekommen und offiziell im Polizeiteam dabei. Der Mord könnte sogar mit dem Kettenbrief zu tun haben, einiges weist darauf hin.

Bei seinen Ermittlungen taucht Pierre ein in das Leben von tiefgläubigen, freikirchlichen Gitanos. Ein spannendes Thema, das mir von meinen Flamenco-Zeiten bekannt ist, über das man aber kaum etwas lesen kann. Daher finde ich es toll, dass sich Sophie Bonnet an das Thema herangewagt und es in einen fesselnden Krimi gepackt hat. 

Bewundernswert wie die Autorin immer wieder regionale Themen aufspürt und sie für ihre Krimis verwendet. Das gibt der Serie einen noch grösseren regionalen Bezug, mehr Lokalkolorit, als "nur" mit gutem französischem Essen oder die Beschreibungen der jeweils typischen Landschaft.

Diese gibt es natürlich auch in "Provenzalischer Stolz". Durch den Ortswechsel erlebt man die Schönheit der Camargue hautnah mit und man bekommt Lust, dort selbst ein Hausboot zu steuern. Nur auf den blinden Passagier könnte man verzichten! 

Während Pierre sich auf seinen neuen Fall, weit ab von Sainte Valérie, einlässt, geht Gisèle, die Sekretärin des Bürgermeisters, einigen Ungereimtheiten, die ihr mit der Suspendierung von Pierre aufgefallen sind, nach. Der Krimi erweist sich somit doppelt spannend!

Fazit: Ein fesselnder siebter Band für Pierre Durand, der durch ein besonderes Thema hervorsticht und ein tolles Lesevergnügen bietet. 
5 Punkte.