Mittwoch, 1. Juli 2020

Vorschau: Neuerscheinungen und Neuzugänge im Juli 2020

In zwei Wochen stehen schon die Sommerferien vor der Türe. Was wir in diesen fünf Wochen Schulferien machen werden, wissen wir noch nicht - ausser dass wir (bis vielleicht auf Tagesausflüge kurz über die Grenze) in der Schweiz bleiben. Die Corona-Situation hat sich nicht wirklich beruhigt und ich denke, spätestens im August, wenn alle von ihren Ferien zurückkommen, haben wir die zweite Welle auf sicher. Einige Hotspots gibt es ja bereits jetzt. Deshalb werden wir spontan von Woche zu Woche entscheiden. 

Geplant wären Ferien am Mittelmeer gewesen. Theoretisch wäre das sogar wieder möglich, aber ich möchte mich aktuell nicht in ein Flugzeug setzen und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ich die Ferientage im Ausland geniessen könnte. Deshalb werde ich literarisch reisen - das macht ja schliesslich auch Spass. Und auf meinem SuB befinden sich Destinationen wie Frankreich, England, Italien, Australien, Spanien, Amerika und die Türkei. Mal sehen, wohin es mich dann verschlägt - real und literarisch.  


Meine letzten Neuzugänge:




Interessante Neuerscheinungen im Juli 2020:





Die jeweils ersten Titel der drei Reihen ("Die Hoffnung wird dich finden", "Miss Kelly und der Zauber von Monaco" und "Je höher die Flut") werde ich wahrscheinlich im Juli lesen, dazu sicher noch "Madeira Schweigen", der dritte Fall für Kommissar Avila.

Die anderen Titel entscheide ich spontan. Bei "Liebe, die nach Kirschen schmeckt" handelt es sich eh um den dritten Teil einer Serie, deren die beiden Vorgängerbände auf meinem SuB warten, da müsste ich zuerst die zwei lesen. "Bilder der Frauen" ist laut Verlagsvorschau ein Stand Alone und nicht der Nachfolgeband von "Die Kleider der Frauen", welches im Februar erschien. Inspektor Cabral konnte mich nicht ganz überzeugen in seinem ersten Band, deshalb bin ich auf "Die schwarzen Tränen von Sines" gespannt. Da entscheide ich aber wie gesagt spontan.

Denn im Juli möchte ich mich hauptsächlich meinem SuB widmen und mich endlich mal durch die angesammelten Romane und Krimis lesen. Davon nenne ich jetzt keine Titel, sondern wähle daraus dann einfach super spontan nach Lust und Laune - ist ja quasi mein Juli/August-Motto, auch was unsere Ferien betreffen :-)

Welche Bücher wollt ihr im Juli lesen und wie sehen eure Ferienpläne aus?

Dienstag, 30. Juni 2020

Lesebiografie Juni 2020

Es ist Sommer geworden in der Schweiz. Immerhin darf man jetzt wieder an und auf den See und in die Badis, aber gerade für letztere habe ich noch so gar keine Lust - das kann sich aber im Juli noch ändern, wenn die Temperaturanzeige konstant hoch bleiben wird. 


Über den Juni mag ich nicht reden (können wir das Jahr 2020 bitte ausradieren?), nur über meine gelesenen Bücher. 

Gelesen habe ich in diesem Juni 14 gesamthaft doch recht gute Bücher:

3.5 Punkte:
- Der Duft von Sommerregen von Tania Schlie 

4 Punkte:
- Auszeit bei den Abendrots von Alexandra Holenstein 
- Das Haus am Ende des Fjords von Kiri Johansson
- Bretonisches Vermächtnis von Jean-Luc Bannalec (Dupin 8) 
Tödliche Algarve von Caroline Conrad (Anabela Silva 3) 
- Leuchtturmnächte von Debbie Macomber (Cedar Cove 1) 

4.5 Punkte:
- Signora Sommer tanzt den Blues von Kirsten Wulf 

5 Punkte: 
- Träume in Meeresgrün von Miriam Covi  
- Tod in Saint Merlot von Serena Kent 
- Der geheime Schwimmclub von Mary Kay Andrews 
- Sophias Träume von Corina Bomann (Die Farben der Schönheit 2) 
Bretonische Spezialitäten von Jean-Luc Bannalec (Dupin 9) 
Die Liebe kommt auf Zehenspitzen von Kristina Günak 



Solche Romane, die mir gar nicht gefallen haben, waren keine dabei - yeah! Nur bei "Der Duft von Sommerregen" hat mir das gewisse Etwas gefehlt. Total überrascht hat mich "Der geheime Schwimmclub" von Mary Kay Andrews. Zweifelsfrei ihr bester Roman! Der zweite Teil der "Farben der Schönheit"-Serie konnte genauso wieder punkten, wie der dritte Roman von Miriam Covi. Lesetechnisch soweit ein guter Monat!

Aktuell lese ich gerade die 544 Seiten von "Das Meer in deinem Namen" von Patricia Koelle. Das werde ich heute aber nicht mehr beenden und so bleibt es bei den vierzehn Büchern.  

Morgen erzähle ich euch, welche Bücher ich im Juli lesen möchte und welche neu bei mir eingetroffen sind. Aber nun nimmt es mich erst mal Wunder, ob eurer Lese-Juni auch von mehrheitlich guten Büchern geprägt war?


Time to Love - Tausche altes Leben gegen neue Liebe von Beth O'Leary

Klappentext:
Zwei Monate Sabbatical: Nach einer katastrophalen Präsentation im Job wird Leena eine Auszeit verordnet. Ausgerechnet Leena, die Tag und Nacht arbeitet, um ihre verstorbene Schwester nicht zu vermissen. Zuflucht findet sie bei ihrer Großmutter Eileen in Yorkshire. Eileen wünscht sich mit Ende 70 eine neue Liebe, nur leider ist die Auswahl an interessanten Kandidaten in ihrem kleinen Dorf begrenzt. Die Lösung: Leena kommt auf dem Land zur Ruhe, und Eileen stürzt sich in die Londoner Dating-Szene. Doch ist es wirklich so einfach, die Leben zu tauschen?



Auch der zweite Roman von Beth O'Leary hat mit dem Thema Wohnen zu tun. Dieses Mal wird keine Wohnung geteilt, sondern die Wohnung geteilt. 

Leena tauscht ihr Leben in London mit dem ihrer Grossmutter Eileen in einem kleinen Dorf. Eileen will wieder Liebe in ihrem Leben, doch geeignete Männer sind in ihrem Dorf knapp. London müsste doch sicher mehr Auswahl bieten. Und Leena, die eine zweimonatige Jobpause verschrieben bekomm will raus aus der Stadt, wo sie doch nur ans Arbeiten denkt. Also verschieben die beiden ihren Lebensmittelpunkt für die nächsten zwei Monate. 

Doch auch in Hamleigh-in-Harksdale geht Leena die Arbeit nicht aus. Sie übernimmt alle Jöblis ihrer Grossmutter. Das wöchentliche Nachbarschaftstreffen, das Organisieren des Maifestes, einmal in der Woche spazieren gehen mit einem Hund, etc. Leena möchte sich selbst beweisen, dass sie diese eigentlich einfachen Dinge bewältigen kann und nimmt dafür einiges auf sich. Ganz langsam muss sie sich eingestehen, dass ihr das Leben hier sogar gefallen könnte - auch wenn ihre Mutter im gleichen Dorf lebt, und sie mit ihr seit dem Tod ihrer Schwester im Streit liegt. 

Derweil lebt Eileen sich in London ein. Sie teilt die grosse Wohnung mit Leenas Mitbewohnern: eine lesbische Schwangere und ein gutaussehender zuvorkommender junger Mann, der sich mit Nebenjobs über dem Wasser hält. Doch was ist das für ein Haus, bei dem man die Nachbarn nicht kennt und sich nicht mal grüsst? Schnell sorgt Eileen mit ihren Ideen für Abhilfe. Ausserdem hat sie eine Dating-App auf das Smartphone geladen und getraut sich sogar, einige davon zu daten. 

Beide Ladys haben Abenteuer in ihrem neuen Lebensabschnitt zu bestehen. Die zu verfolgen machte Spass. Denn beide begegnen schrulligen, liebenswerten oder missmutigen Menschen und erweitern dabei ihren Horizont. Die meisten der Charaktere muss man einfach gern haben. Bei anderen wiederum verstand man nicht, was Leena oder Eileen an ihnen fanden, oder wieso sie gewisse Leute nicht mochten. Doch am Ende sehen auch unsere beiden Protas hinter die Fassade jener Leute. 

Eileen in London hat mir dabei besser gefallen als Leena in Yorkshire. Wie Eileen die Grossstadt aufwirbelte war fantastisch zu lesen, da kam Leena mit ihrer Landentschleunigung kaum dagegen an, auch wenn wir dabei viele witzige Szenen miterleben.

"Time to Love" vermochte es aber nicht mich so stark zu begeistern, wie es "Love to Share" tat. Vielleicht hatte ich unbewusst zu viele Erwartungen, denn ein klitzekleines bisschen enttäuscht war ich schon, obwohl es erstens ein Wunder wäre, auf solch eine geniale Geschichte wie "Love to Share" nochmals eine Schippe drauf zu hauen, und zweitens ist auch "Time to Love" schlicht und einfach gut und bietet alles was ein Roman braucht. Es ist halt einfach nicht "Time to Love". Wobei auch Leena und Eileen ihre Zeit zum Lieben bekommen - lasst euch überraschen! 

Fazit: Schlicht und einfach: ein guter und gelungener Rollentausch!
4 Punkte. 

Montag, 29. Juni 2020

Die Liebe kommt auf Zehenspitzen von Kristina Günak

Klappentext:
Ganz unverhofft erben Autorin Lucy, die an einem Liebesroman schreibt, und Klinikarzt Ben, der an Panikattacken leidet, einen alten Bauernhof. Nur dumm, dass sie sich eigentlich nur flüchtig kennen. Aber weil Lucy dringend eine Bleibe und Ben eine Auszeit braucht, ziehen sie in die ländliche Idylle eines kleinen Dorfs. Gemeinsam, aber nur als Freunde, versteht sich, und bloß auf Zeit. Doch das Leben hat andere Pläne mit ihnen.





Während ich an einem schwülwarmen Juniabend auf dem Balkon vor mich hin schwitzte, trotz eisgekühltem Getränk in der einen und dem eReader in der andern Hand, wurde es plötzlich Weihnachten. Und ich mitten drin in einem Schneesturm. 

Denn so beginnt "Die Liebe kommt auf Zehenspitzen", der neue Roman von Kristina Günak. Als ich mich frage, ob ich da nicht was falsch verstanden habe - ein Weihnachtsroman, der im Sommer erscheint? - switcht die Szenerie im Buch drei Monate weiter, in den Frühling, es wird März. Ben und Lucy, die ein paar Seiten zuvor eben noch in ihrem Auto auf der Autobahn von dem Schneesturm überrascht wurden, erben einen Hof - der Hof ihrer damaligen Gastgeberin. 

Da Lucy eh aus ihrer Wohnung rausmuss und Ben seine Stelle als Spitalarzt gekündigt hat, weil er sich mit seinem Chef im Spital nicht versteht, wagen die zwei das Abenteuer, ziehen in das kleine Dorf und gründen eine Wohngenossenschaft, zu der auch noch Helmut, der Hund der Vorbesitzerin, gehört. 

Obwohl die Gegend kaum bewohnt ist, sind sie fortan selten mehr allein. Was gerade für Lucy speziell ist, da sie sich in der Stadt sehr einsam fühlte. Doch Lucy hat noch immer eine Schreibflaute, und der Abgabetermin für ihren Roman rückt immer näher. Ben hingegen offenbart ihr, dass er unter Panikattacken leidet und sich deshalb nicht sicher ist, ob er die Arztpraxis im Nachbardorf übernehmen soll. 

In der Story um Lucy und Ben, um Millie, Fredo und all die anderen, wird weder das Landleben verklärt noch beschönigt, es geht vielmehr um Freundschaft, die unsere Hauptfiguren so noch nie erlebt haben. Ich bewunderte die zwei, wie sie sich so schnell so wohl fühlten und erfrischend genügsam sind. Auch wie beide mit den Problemen des anderen umgegangen sind: total unkompliziert.

Die Geschichte, die Kristina Günak hier erzählt, ist einfach nur toll. "Die Liebe kommt auf Zehenspitzen" ist schön erzählt, humorvoll und tiefgründig, wie all die Szenen um den Fuchs Tausendschön, den autistischen Hund Helmut, die blau angemalte Bank, mintgrünen Nagellack und die Story um den Vampirsex beweisen. 

Fazit: Mich hat der Roman wunderbar unterhalten, viel zu schnell war die schöne Zeit in Brederhofe vorbei.
5 Punkte.



Dienstag, 23. Juni 2020

Leuchtturmnächte von Debbie Macomber (Cedar Cove 1)

Klappentext:
Im idyllischen Küstenstädtchen Cedar Cove ist Olivia zu Hause. Das Wohl der kleinen Gemeinde und ihrer Familie liegen ihr am Herzen. Umso mehr schmerzen sie die Entscheidungen, die sie als Richterin manchmal vor Gericht fällen muss. Doch diesmal kann sie nicht anders: Olivia verweigert Ian und Cecilia die Scheidung. Denn sie spürt, dass die Liebe, die diese beiden verbindet, größer ist als die Probleme, die zwischen ihnen stehen. Sie glaubt fest daran, dass sie nur eine Chance brauchen, um wieder zueinander zu finden. Und wo könnte das besser gelingen, als in Cedar Cove, wo alle füreinander einstehen und niemand auf sich alleingestellt ist.


Erinnert ihr euch an Rose Harbor? Das nette B&B, das Jo Marie renoviert hat? Hier, in der Cedar Cove-Serie lernt man einige Charaktere aus der Rose Harbor-Reihe ein bisschen besser kennen, etwa Bob und Peggy vom Thyme & Tide, oder Richterin Olivia, Bibliothekarin Grace, Privatermittler Roy und seine Frau Corrie und einige andere. Denn Cedar Cove spielt zeitlich vor Rose Harbor - und wurde auch früher geschrieben und veröffentlicht. Im englischen Original ist dieser erste Band bereits im Jahr 2001 erschienen. Nur auf Deutsch erscheint er erst jetzt, 19 Jahre später. 

Und das merkt man - einerseits an fehlenden technischen Errungenschaften wie Smartphones, was absolut nicht stört. Andererseits merkt man es an der 22jährigen Cecilia, die erst einige Monate mit Ian verheiratet ist, nach dem Verlust ihres neugeborenen Babys die Scheidung will. Alle Schuld wirft sie auf Ian, der weder von der verfrühten Geburt noch vom Tod Allisons etwas mitbekam, denn er war als Marinesoldat weit weg und erfuhr erst bei seiner Rückkehr davon. 

Dass eine solche sehr junge Fernbeziehung nicht wirklich Boden hat, erstaunt nicht. Aber Cecilias Umgang damit, trotz allem Verständnis für ihre Trauer. Richterin Olivia merkt zum Glück, dass den beiden mit einer Scheidung nicht gedient ist, zumindest noch nicht und verweigert ihnen eine schnelle Scheidung. Cecilia ist noch wütender als zuvor, obwohl Ian alles tut, um es ihr recht zu machen. 

Olivia hat mit ihrer Entscheidung die Medien aufmerksam gemacht, allen voran der neue Zeitungsredakteur Jack Griffin. Er bemüht sich sehr um Olivia und bald gibt sie seinem Werben nach, doch als gebranntes Kind ist sie nach ihrer Scheidung sehr vorsichtig und mag keine Männer mit Geheimnissen. 

Ihre Tochter Justine lebt in einer Beziehung mit einem Mann, der gleich alt ist wie Olivia selbst. Sie mag ihn nicht und hat keine Ahnung, was Justine in Warren sieht. Dann stehen die Vorbereitungen für ein Klassentreffen an und Justine muss sich endlich selbst ihre Beweggründe eingestehen. 

Zeitgleich macht sich Olivias Freundin Grace Sorgen um ihre Ehe, es kriselt und ihr Mann Dan verschwindet urplötzlich. 

Es sind viele Geschichten, die Debbie Macomber uns in diesem Band erzählt. Beim Lesen überlegte ich die ganze Zeit, was ich von bestimmten Personen vielleicht schon aus "Rose Harbor" weiss. Bei einigen gelang es mir, meine Erinnerungen wach zu rufen, bei anderen nicht. Die wurden dort ja meist auch nur in einem Nebensatz erwähnt, aber interessiert hat es mich dennoch.

Ich fand es sehr schön, wieder nach Cedar Cove zurück zu kehren, auch wenn die jetzigen Geschichten vor den bekannten "Rose Harbor"-Storys statt gefunden habe. Schon dort fühlte ich mich in Cedar Cove wohl, und tat dies auch jetzt. 

Leider fiel mir der Einstieg aber ein wenig schwer. Dies, weil Cecilia einfach viel zu jung und unreif und unsympathisch rüber kam und zuallererst ihre Geschichte angerissen wurde. Cecilia ändert sich im Laufe des Romanes noch, was dringend nötig ist, aber diesbezüglich merkt man halt einfach auch, dass der Band vor knapp 20 Jahren geschrieben wurde und auch die Autorin sich in diesen Jahren weiter entwickelt hat. 

Nichtsdestotrotz ist Cecilia und Ian oder auch Cathy und Andrews Geschichte etwas sehr typisch Amerikanisches und gut wurde dies thematisiert: früh heiraten zu wollen, weil der Partner in der Army und monatelang weg von zu Hause ist. Oder heiraten zu "müssen", weil sie schwanger geworden sind. Oder beides zusammen. Doch zum Glück gab es ja noch andere Erzählstränge, die mir besser gefallen haben.

Nun bin ich sehr gespannt auf den zweiten Band, denn dort werden wir Leserinnen hoffentlich erfahren, weswegen und wohin Grace Ehemann verschwunden ist. Darüber hab ich nämlich in "Rose Harbor" mal was gelesen, aber genau daran kann ich mich natürlich nicht mehr erinnern. Fies. Und nein, ich gehe dort jetzt nicht nachlesen, sondern warte brav auf die "Rosenträume". 

Fazit: Unterhaltender Auftakt zur Cedar Cove-Serie. Für "Rose Harbor"-Fans ein Muss! 
4 Punkte. 


Reihenfolge:
Band 1: Leuchtturmnächte
Band 2: Rosenträume (ET 25.8.2020)
Band 3: Winterglühen (ET 27.10.2020)
Band 4: Frühlingsmagie (26.01.2021

Montag, 22. Juni 2020

Krimi: Tödliche Algarve von Claudia Conrad (Anabela Silva 3)

Klappentext:
Auf einem uralten Pilgerweg verschwinden innerhalb kurzer Zeit drei Wanderer. Für Chefinspektor João Almeida besonders heikel: Eine der Vermissten ist seine Halbschwester Liliana. Dann wird eine Leiche gefunden, von Wildschweinen verstümmelt. Doch es ist nicht Liliana. Almeida übernimmt die Ermittlungen, bekommt aber einen Maulkorb. Um den Tourismus in der Region nicht zu gefährden, heißt die Devise: Kein Wort von Mord. Er bittet seine Freundin, die deutsche Journalistin Anabela Silva, um Unterstützung. Nicht ahnend, dass sie so ins Visier eines kaltblütigen Mörders gerät.



Geschafft! Anabela hat nun endlich ihr Übersetzungsdiplom - und kann es schneller brauchen, als ihr lieb ist. Denn nicht nur Joao Almeidas Halbschwester verschwindet spurlos, sondern auch eine englische Touristin und ein Deutscher, der in der Gegend arbeitete.

Alle drei waren vermutlich auf einem Wanderweg unterwegs - und auf diesem wird schon bald eine Leiche gefunden. Bevor sich Angst unter der Bevölkerung und den Touristen breit machen kann, soll der Fall lieber heute als morgen gelöst sein. 

Joao Almeido, Paulo Pinto und die neue Polizeipraktikantin Samanta Soares lassen sich aber nicht unter Druck setzen. Vor allem Almeido will verhindern, dass bekannt wird, dass eine der Vermissten seine Halbschwester ist. Dann wäre er den Fall los, und das will er unter keinen Umständen. Obwohl er von ihr nichts wissen und auch nicht über sie reden will.

Doch Anabela lässt nicht locker, weder bei Joao und seinen unterdrückten Gefühlen betreffend Liliana noch bei ihrem Übersetzungsdienst. Nein, wer Bela kennt, weiss, dass sie auch auf eigene Faust recherchiert. Und so kommt es, dass sogar Pinto sich dieses Mal bei ihr bedanken muss. Ihm würde einiges entgehen, wenn Belas Hartnäckigkeit weitere Fragen zu stellen, abhanden käme.

In diesem dritten Teil der Anabela Silva-Reihe ist alles ein bisschen eingespielter - man kann sich sogar vorstellen, dass Pinto und Bela irgendwann sogar miteinander auskommen. Der Fall wirkt fliessender, Bela wirkt wie der externe Teil der PJ. 

Das erweiterte Team wirbelt Staub auf, so dass man gespannt ist, in welchem der aufgewirbelten Bereiche der oder die Täter zu suchen ist/sind. "Tödliche Algarve" ist zwar immer noch gemächlich - ausser auf den letzten Seiten, da wird die Spur heiss -  aber sehr interessant. 

Fazit: Ein gelungener dritter Band. 
4 Punkte.


Reihenfolge:

Donnerstag, 18. Juni 2020

Krimi: Bretonische Spezialitäten von Jean-Luc Bannalec (Dupin 9)

Klappentext:
Diese ersten schönen Sommertage im Juni wären perfekt für einen heiteren Ausflug nach Saint-Malo. Aber zu seinem Leidwesen muss Kommissar Dupin dort ein Polizeiseminar besuchen, es geht um die engere Zusammenarbeit zwischen den bretonischen Départements. Als Dupin in einer Pause durch die Markthallen der Altstadt schlendert, ereignet sich unmittelbar vor seinen Augen ein Mord. Die Täterin flieht. Sie ist die Schwester des Opfers, beide Frauen sind berühmte Küchenchefinnen der Region. Schnell stellt sich heraus: Das war bloß der Anfang einer heimtückischen Mordserie. Gemeinsam mit den Kommissaren der anderen Départements ermittelt Dupin in einem Wettlauf gegen die Zeit. In der Austernstadt Cancale, im hochherrschaftlichen Seebad Dinard und in der einzigartigen Restaurantszene Saint-Malos stoßen sie dabei auf haarsträubende Familiengeheimnisse, tragische Verwerfungen und unglaubliche Geschichten.

Seine schlimmsten Befürchtungen sind eingetroffen - Dupin muss mit zwei anderen Kommissaren unter genauer Aufsicht der Präfekten am anderen Ende der Bretagne ermitteln. 

Dupin sollte eigentlich an einer Weiterbildung in Saint-Malo teilnehmen, doch bei seinem mittäglichen Marktbesuch wird eine Frau erstochen, die Täterin flüchtet, aber sie ist bekannt. Es ist die Schwester des Opfers und auch wenn die beiden miteinander konkurrenzierten, fehlt das Mordmotiv. Die Täterin verweigert jegliche Aussage, das ist das eine, aber dass es nicht bei einem Mord bleibt, das verkompliziert die Sache ungemein.

Die Kommissare ermitteln zu dritt, zu Dupins Erleichterung relativ autonom, aber es wird ein harter Fall für die drei. Sie kurven in der Gegend herum und so  lernt man das Gebiet um Saint-Malo, besonders Cancale und Dinard, auch ein wenig kennen. Ebenso kommen die titelgebenden Spezialitäten der Gegend ins Spiel und auf den Tisch, kein Wunder, denn hier geht es um zwei Köchinnen und die Weiterbildung wird von gemeinsamen abendlichen Dinners gekrönt. 

Riwal und Kadeg agieren für einmal nur minim im Hintergrund, doch ihr Wissen und ihre Recherchen sind wie immer gefragt und sorgen für neue Anhaltspunkte. 

Dieser andere Blickwinkel macht den neunten Fall sehr interessant, so dass mich "Bretonische Spezialitäten" sehr gut unterhalten hat. Unweigerlich rätselt man mit. Macht sich Gedanken über ein mögliches Motiv und Täter, und fragt sich, ob die Kommissare eventuell etwas übersehen

Es ist einer der besten bretonischen Fälle, wenn man von einigen unterlassenen Nachforschungen/Fragen rund um den Tatort am Anfang absieht. 

Fazit: Dupin ermittelt ausserhalb seiner Komfortzone, aber ebenso erfolgreich wie immer. 
5 Punkte.