Dienstag, 30. Juni 2020

Lesebiografie Juni 2020

Es ist Sommer geworden in der Schweiz. Immerhin darf man jetzt wieder an und auf den See und in die Badis, aber gerade für letztere habe ich noch so gar keine Lust - das kann sich aber im Juli noch ändern, wenn die Temperaturanzeige konstant hoch bleiben wird. 


Über den Juni mag ich nicht reden (können wir das Jahr 2020 bitte ausradieren?), nur über meine gelesenen Bücher. 

Gelesen habe ich in diesem Juni 14 gesamthaft doch recht gute Bücher:

3.5 Punkte:
- Der Duft von Sommerregen von Tania Schlie 

4 Punkte:
- Auszeit bei den Abendrots von Alexandra Holenstein 
- Das Haus am Ende des Fjords von Kiri Johansson
- Bretonisches Vermächtnis von Jean-Luc Bannalec (Dupin 8) 
Tödliche Algarve von Caroline Conrad (Anabela Silva 3) 
- Leuchtturmnächte von Debbie Macomber (Cedar Cove 1) 

4.5 Punkte:
- Signora Sommer tanzt den Blues von Kirsten Wulf 

5 Punkte: 
- Träume in Meeresgrün von Miriam Covi  
- Tod in Saint Merlot von Serena Kent 
- Der geheime Schwimmclub von Mary Kay Andrews 
- Sophias Träume von Corina Bomann (Die Farben der Schönheit 2) 
Bretonische Spezialitäten von Jean-Luc Bannalec (Dupin 9) 
Die Liebe kommt auf Zehenspitzen von Kristina Günak 



Solche Romane, die mir gar nicht gefallen haben, waren keine dabei - yeah! Nur bei "Der Duft von Sommerregen" hat mir das gewisse Etwas gefehlt. Total überrascht hat mich "Der geheime Schwimmclub" von Mary Kay Andrews. Zweifelsfrei ihr bester Roman! Der zweite Teil der "Farben der Schönheit"-Serie konnte genauso wieder punkten, wie der dritte Roman von Miriam Covi. Lesetechnisch soweit ein guter Monat!

Aktuell lese ich gerade die 544 Seiten von "Das Meer in deinem Namen" von Patricia Koelle. Das werde ich heute aber nicht mehr beenden und so bleibt es bei den vierzehn Büchern.  

Morgen erzähle ich euch, welche Bücher ich im Juli lesen möchte und welche neu bei mir eingetroffen sind. Aber nun nimmt es mich erst mal Wunder, ob eurer Lese-Juni auch von mehrheitlich guten Büchern geprägt war?


Time to Love - Tausche altes Leben gegen neue Liebe von Beth O'Leary

Klappentext:
Zwei Monate Sabbatical: Nach einer katastrophalen Präsentation im Job wird Leena eine Auszeit verordnet. Ausgerechnet Leena, die Tag und Nacht arbeitet, um ihre verstorbene Schwester nicht zu vermissen. Zuflucht findet sie bei ihrer Großmutter Eileen in Yorkshire. Eileen wünscht sich mit Ende 70 eine neue Liebe, nur leider ist die Auswahl an interessanten Kandidaten in ihrem kleinen Dorf begrenzt. Die Lösung: Leena kommt auf dem Land zur Ruhe, und Eileen stürzt sich in die Londoner Dating-Szene. Doch ist es wirklich so einfach, die Leben zu tauschen?



Auch der zweite Roman von Beth O'Leary hat mit dem Thema Wohnen zu tun. Dieses Mal wird keine Wohnung geteilt, sondern die Wohnung geteilt. 

Leena tauscht ihr Leben in London mit dem ihrer Grossmutter Eileen in einem kleinen Dorf. Eileen will wieder Liebe in ihrem Leben, doch geeignete Männer sind in ihrem Dorf knapp. London müsste doch sicher mehr Auswahl bieten. Und Leena, die eine zweimonatige Jobpause verschrieben bekomm will raus aus der Stadt, wo sie doch nur ans Arbeiten denkt. Also verschieben die beiden ihren Lebensmittelpunkt für die nächsten zwei Monate. 

Doch auch in Hamleigh-in-Harksdale geht Leena die Arbeit nicht aus. Sie übernimmt alle Jöblis ihrer Grossmutter. Das wöchentliche Nachbarschaftstreffen, das Organisieren des Maifestes, einmal in der Woche spazieren gehen mit einem Hund, etc. Leena möchte sich selbst beweisen, dass sie diese eigentlich einfachen Dinge bewältigen kann und nimmt dafür einiges auf sich. Ganz langsam muss sie sich eingestehen, dass ihr das Leben hier sogar gefallen könnte - auch wenn ihre Mutter im gleichen Dorf lebt, und sie mit ihr seit dem Tod ihrer Schwester im Streit liegt. 

Derweil lebt Eileen sich in London ein. Sie teilt die grosse Wohnung mit Leenas Mitbewohnern: eine lesbische Schwangere und ein gutaussehender zuvorkommender junger Mann, der sich mit Nebenjobs über dem Wasser hält. Doch was ist das für ein Haus, bei dem man die Nachbarn nicht kennt und sich nicht mal grüsst? Schnell sorgt Eileen mit ihren Ideen für Abhilfe. Ausserdem hat sie eine Dating-App auf das Smartphone geladen und getraut sich sogar, einige davon zu daten. 

Beide Ladys haben Abenteuer in ihrem neuen Lebensabschnitt zu bestehen. Die zu verfolgen machte Spass. Denn beide begegnen schrulligen, liebenswerten oder missmutigen Menschen und erweitern dabei ihren Horizont. Die meisten der Charaktere muss man einfach gern haben. Bei anderen wiederum verstand man nicht, was Leena oder Eileen an ihnen fanden, oder wieso sie gewisse Leute nicht mochten. Doch am Ende sehen auch unsere beiden Protas hinter die Fassade jener Leute. 

Eileen in London hat mir dabei besser gefallen als Leena in Yorkshire. Wie Eileen die Grossstadt aufwirbelte war fantastisch zu lesen, da kam Leena mit ihrer Landentschleunigung kaum dagegen an, auch wenn wir dabei viele witzige Szenen miterleben.

"Time to Love" vermochte es aber nicht mich so stark zu begeistern, wie es "Love to Share" tat. Vielleicht hatte ich unbewusst zu viele Erwartungen, denn ein klitzekleines bisschen enttäuscht war ich schon, obwohl es erstens ein Wunder wäre, auf solch eine geniale Geschichte wie "Love to Share" nochmals eine Schippe drauf zu hauen, und zweitens ist auch "Time to Love" schlicht und einfach gut und bietet alles was ein Roman braucht. Es ist halt einfach nicht "Time to Love". Wobei auch Leena und Eileen ihre Zeit zum Lieben bekommen - lasst euch überraschen! 

Fazit: Schlicht und einfach: ein guter und gelungener Rollentausch!
4 Punkte. 

Montag, 29. Juni 2020

Die Liebe kommt auf Zehenspitzen von Kristina Günak

Klappentext:
Ganz unverhofft erben Autorin Lucy, die an einem Liebesroman schreibt, und Klinikarzt Ben, der an Panikattacken leidet, einen alten Bauernhof. Nur dumm, dass sie sich eigentlich nur flüchtig kennen. Aber weil Lucy dringend eine Bleibe und Ben eine Auszeit braucht, ziehen sie in die ländliche Idylle eines kleinen Dorfs. Gemeinsam, aber nur als Freunde, versteht sich, und bloß auf Zeit. Doch das Leben hat andere Pläne mit ihnen.





Während ich an einem schwülwarmen Juniabend auf dem Balkon vor mich hin schwitzte, trotz eisgekühltem Getränk in der einen und dem eReader in der andern Hand, wurde es plötzlich Weihnachten. Und ich mitten drin in einem Schneesturm. 

Denn so beginnt "Die Liebe kommt auf Zehenspitzen", der neue Roman von Kristina Günak. Als ich mich frage, ob ich da nicht was falsch verstanden habe - ein Weihnachtsroman, der im Sommer erscheint? - switcht die Szenerie im Buch drei Monate weiter, in den Frühling, es wird März. Ben und Lucy, die ein paar Seiten zuvor eben noch in ihrem Auto auf der Autobahn von dem Schneesturm überrascht wurden, erben einen Hof - der Hof ihrer damaligen Gastgeberin. 

Da Lucy eh aus ihrer Wohnung rausmuss und Ben seine Stelle als Spitalarzt gekündigt hat, weil er sich mit seinem Chef im Spital nicht versteht, wagen die zwei das Abenteuer, ziehen in das kleine Dorf und gründen eine Wohngenossenschaft, zu der auch noch Helmut, der Hund der Vorbesitzerin, gehört. 

Obwohl die Gegend kaum bewohnt ist, sind sie fortan selten mehr allein. Was gerade für Lucy speziell ist, da sie sich in der Stadt sehr einsam fühlte. Doch Lucy hat noch immer eine Schreibflaute, und der Abgabetermin für ihren Roman rückt immer näher. Ben hingegen offenbart ihr, dass er unter Panikattacken leidet und sich deshalb nicht sicher ist, ob er die Arztpraxis im Nachbardorf übernehmen soll. 

In der Story um Lucy und Ben, um Millie, Fredo und all die anderen, wird weder das Landleben verklärt noch beschönigt, es geht vielmehr um Freundschaft, die unsere Hauptfiguren so noch nie erlebt haben. Ich bewunderte die zwei, wie sie sich so schnell so wohl fühlten und erfrischend genügsam sind. Auch wie beide mit den Problemen des anderen umgegangen sind: total unkompliziert.

Die Geschichte, die Kristina Günak hier erzählt, ist einfach nur toll. "Die Liebe kommt auf Zehenspitzen" ist schön erzählt, humorvoll und tiefgründig, wie all die Szenen um den Fuchs Tausendschön, den autistischen Hund Helmut, die blau angemalte Bank, mintgrünen Nagellack und die Story um den Vampirsex beweisen. 

Fazit: Mich hat der Roman wunderbar unterhalten, viel zu schnell war die schöne Zeit in Brederhofe vorbei.
5 Punkte.



Dienstag, 23. Juni 2020

Leuchtturmnächte von Debbie Macomber (Cedar Cove 1)

Klappentext:
Im idyllischen Küstenstädtchen Cedar Cove ist Olivia zu Hause. Das Wohl der kleinen Gemeinde und ihrer Familie liegen ihr am Herzen. Umso mehr schmerzen sie die Entscheidungen, die sie als Richterin manchmal vor Gericht fällen muss. Doch diesmal kann sie nicht anders: Olivia verweigert Ian und Cecilia die Scheidung. Denn sie spürt, dass die Liebe, die diese beiden verbindet, größer ist als die Probleme, die zwischen ihnen stehen. Sie glaubt fest daran, dass sie nur eine Chance brauchen, um wieder zueinander zu finden. Und wo könnte das besser gelingen, als in Cedar Cove, wo alle füreinander einstehen und niemand auf sich alleingestellt ist.


Erinnert ihr euch an Rose Harbor? Das nette B&B, das Jo Marie renoviert hat? Hier, in der Cedar Cove-Serie lernt man einige Charaktere aus der Rose Harbor-Reihe ein bisschen besser kennen, etwa Bob und Peggy vom Thyme & Tide, oder Richterin Olivia, Bibliothekarin Grace, Privatermittler Roy und seine Frau Corrie und einige andere. Denn Cedar Cove spielt zeitlich vor Rose Harbor - und wurde auch früher geschrieben und veröffentlicht. Im englischen Original ist dieser erste Band bereits im Jahr 2001 erschienen. Nur auf Deutsch erscheint er erst jetzt, 19 Jahre später. 

Und das merkt man - einerseits an fehlenden technischen Errungenschaften wie Smartphones, was absolut nicht stört. Andererseits merkt man es an der 22jährigen Cecilia, die erst einige Monate mit Ian verheiratet ist, nach dem Verlust ihres neugeborenen Babys die Scheidung will. Alle Schuld wirft sie auf Ian, der weder von der verfrühten Geburt noch vom Tod Allisons etwas mitbekam, denn er war als Marinesoldat weit weg und erfuhr erst bei seiner Rückkehr davon. 

Dass eine solche sehr junge Fernbeziehung nicht wirklich Boden hat, erstaunt nicht. Aber Cecilias Umgang damit, trotz allem Verständnis für ihre Trauer. Richterin Olivia merkt zum Glück, dass den beiden mit einer Scheidung nicht gedient ist, zumindest noch nicht und verweigert ihnen eine schnelle Scheidung. Cecilia ist noch wütender als zuvor, obwohl Ian alles tut, um es ihr recht zu machen. 

Olivia hat mit ihrer Entscheidung die Medien aufmerksam gemacht, allen voran der neue Zeitungsredakteur Jack Griffin. Er bemüht sich sehr um Olivia und bald gibt sie seinem Werben nach, doch als gebranntes Kind ist sie nach ihrer Scheidung sehr vorsichtig und mag keine Männer mit Geheimnissen. 

Ihre Tochter Justine lebt in einer Beziehung mit einem Mann, der gleich alt ist wie Olivia selbst. Sie mag ihn nicht und hat keine Ahnung, was Justine in Warren sieht. Dann stehen die Vorbereitungen für ein Klassentreffen an und Justine muss sich endlich selbst ihre Beweggründe eingestehen. 

Zeitgleich macht sich Olivias Freundin Grace Sorgen um ihre Ehe, es kriselt und ihr Mann Dan verschwindet urplötzlich. 

Es sind viele Geschichten, die Debbie Macomber uns in diesem Band erzählt. Beim Lesen überlegte ich die ganze Zeit, was ich von bestimmten Personen vielleicht schon aus "Rose Harbor" weiss. Bei einigen gelang es mir, meine Erinnerungen wach zu rufen, bei anderen nicht. Die wurden dort ja meist auch nur in einem Nebensatz erwähnt, aber interessiert hat es mich dennoch.

Ich fand es sehr schön, wieder nach Cedar Cove zurück zu kehren, auch wenn die jetzigen Geschichten vor den bekannten "Rose Harbor"-Storys statt gefunden habe. Schon dort fühlte ich mich in Cedar Cove wohl, und tat dies auch jetzt. 

Leider fiel mir der Einstieg aber ein wenig schwer. Dies, weil Cecilia einfach viel zu jung und unreif und unsympathisch rüber kam und zuallererst ihre Geschichte angerissen wurde. Cecilia ändert sich im Laufe des Romanes noch, was dringend nötig ist, aber diesbezüglich merkt man halt einfach auch, dass der Band vor knapp 20 Jahren geschrieben wurde und auch die Autorin sich in diesen Jahren weiter entwickelt hat. 

Nichtsdestotrotz ist Cecilia und Ian oder auch Cathy und Andrews Geschichte etwas sehr typisch Amerikanisches und gut wurde dies thematisiert: früh heiraten zu wollen, weil der Partner in der Army und monatelang weg von zu Hause ist. Oder heiraten zu "müssen", weil sie schwanger geworden sind. Oder beides zusammen. Doch zum Glück gab es ja noch andere Erzählstränge, die mir besser gefallen haben.

Nun bin ich sehr gespannt auf den zweiten Band, denn dort werden wir Leserinnen hoffentlich erfahren, weswegen und wohin Grace Ehemann verschwunden ist. Darüber hab ich nämlich in "Rose Harbor" mal was gelesen, aber genau daran kann ich mich natürlich nicht mehr erinnern. Fies. Und nein, ich gehe dort jetzt nicht nachlesen, sondern warte brav auf die "Rosenträume". 

Fazit: Unterhaltender Auftakt zur Cedar Cove-Serie. Für "Rose Harbor"-Fans ein Muss! 
4 Punkte. 


Reihenfolge:
Band 1: Leuchtturmnächte
Band 2: Rosenträume (ET 25.8.2020)
Band 3: Winterglühen (ET 27.10.2020)
Band 4: Frühlingsmagie (26.01.2021

Montag, 22. Juni 2020

Krimi: Tödliche Algarve von Claudia Conrad (Anabela Silva 3)

Klappentext:
Auf einem uralten Pilgerweg verschwinden innerhalb kurzer Zeit drei Wanderer. Für Chefinspektor João Almeida besonders heikel: Eine der Vermissten ist seine Halbschwester Liliana. Dann wird eine Leiche gefunden, von Wildschweinen verstümmelt. Doch es ist nicht Liliana. Almeida übernimmt die Ermittlungen, bekommt aber einen Maulkorb. Um den Tourismus in der Region nicht zu gefährden, heißt die Devise: Kein Wort von Mord. Er bittet seine Freundin, die deutsche Journalistin Anabela Silva, um Unterstützung. Nicht ahnend, dass sie so ins Visier eines kaltblütigen Mörders gerät.



Geschafft! Anabela hat nun endlich ihr Übersetzungsdiplom - und kann es schneller brauchen, als ihr lieb ist. Denn nicht nur Joao Almeidas Halbschwester verschwindet spurlos, sondern auch eine englische Touristin und ein Deutscher, der in der Gegend arbeitete.

Alle drei waren vermutlich auf einem Wanderweg unterwegs - und auf diesem wird schon bald eine Leiche gefunden. Bevor sich Angst unter der Bevölkerung und den Touristen breit machen kann, soll der Fall lieber heute als morgen gelöst sein. 

Joao Almeido, Paulo Pinto und die neue Polizeipraktikantin Samanta Soares lassen sich aber nicht unter Druck setzen. Vor allem Almeido will verhindern, dass bekannt wird, dass eine der Vermissten seine Halbschwester ist. Dann wäre er den Fall los, und das will er unter keinen Umständen. Obwohl er von ihr nichts wissen und auch nicht über sie reden will.

Doch Anabela lässt nicht locker, weder bei Joao und seinen unterdrückten Gefühlen betreffend Liliana noch bei ihrem Übersetzungsdienst. Nein, wer Bela kennt, weiss, dass sie auch auf eigene Faust recherchiert. Und so kommt es, dass sogar Pinto sich dieses Mal bei ihr bedanken muss. Ihm würde einiges entgehen, wenn Belas Hartnäckigkeit weitere Fragen zu stellen, abhanden käme.

In diesem dritten Teil der Anabela Silva-Reihe ist alles ein bisschen eingespielter - man kann sich sogar vorstellen, dass Pinto und Bela irgendwann sogar miteinander auskommen. Der Fall wirkt fliessender, Bela wirkt wie der externe Teil der PJ. 

Das erweiterte Team wirbelt Staub auf, so dass man gespannt ist, in welchem der aufgewirbelten Bereiche der oder die Täter zu suchen ist/sind. "Tödliche Algarve" ist zwar immer noch gemächlich - ausser auf den letzten Seiten, da wird die Spur heiss -  aber sehr interessant. 

Fazit: Ein gelungener dritter Band. 
4 Punkte.


Reihenfolge:

Donnerstag, 18. Juni 2020

Krimi: Bretonische Spezialitäten von Jean-Luc Bannalec (Dupin 9)

Klappentext:
Diese ersten schönen Sommertage im Juni wären perfekt für einen heiteren Ausflug nach Saint-Malo. Aber zu seinem Leidwesen muss Kommissar Dupin dort ein Polizeiseminar besuchen, es geht um die engere Zusammenarbeit zwischen den bretonischen Départements. Als Dupin in einer Pause durch die Markthallen der Altstadt schlendert, ereignet sich unmittelbar vor seinen Augen ein Mord. Die Täterin flieht. Sie ist die Schwester des Opfers, beide Frauen sind berühmte Küchenchefinnen der Region. Schnell stellt sich heraus: Das war bloß der Anfang einer heimtückischen Mordserie. Gemeinsam mit den Kommissaren der anderen Départements ermittelt Dupin in einem Wettlauf gegen die Zeit. In der Austernstadt Cancale, im hochherrschaftlichen Seebad Dinard und in der einzigartigen Restaurantszene Saint-Malos stoßen sie dabei auf haarsträubende Familiengeheimnisse, tragische Verwerfungen und unglaubliche Geschichten.

Seine schlimmsten Befürchtungen sind eingetroffen - Dupin muss mit zwei anderen Kommissaren unter genauer Aufsicht der Präfekten am anderen Ende der Bretagne ermitteln. 

Dupin sollte eigentlich an einer Weiterbildung in Saint-Malo teilnehmen, doch bei seinem mittäglichen Marktbesuch wird eine Frau erstochen, die Täterin flüchtet, aber sie ist bekannt. Es ist die Schwester des Opfers und auch wenn die beiden miteinander konkurrenzierten, fehlt das Mordmotiv. Die Täterin verweigert jegliche Aussage, das ist das eine, aber dass es nicht bei einem Mord bleibt, das verkompliziert die Sache ungemein.

Die Kommissare ermitteln zu dritt, zu Dupins Erleichterung relativ autonom, aber es wird ein harter Fall für die drei. Sie kurven in der Gegend herum und so  lernt man das Gebiet um Saint-Malo, besonders Cancale und Dinard, auch ein wenig kennen. Ebenso kommen die titelgebenden Spezialitäten der Gegend ins Spiel und auf den Tisch, kein Wunder, denn hier geht es um zwei Köchinnen und die Weiterbildung wird von gemeinsamen abendlichen Dinners gekrönt. 

Riwal und Kadeg agieren für einmal nur minim im Hintergrund, doch ihr Wissen und ihre Recherchen sind wie immer gefragt und sorgen für neue Anhaltspunkte. 

Dieser andere Blickwinkel macht den neunten Fall sehr interessant, so dass mich "Bretonische Spezialitäten" sehr gut unterhalten hat. Unweigerlich rätselt man mit. Macht sich Gedanken über ein mögliches Motiv und Täter, und fragt sich, ob die Kommissare eventuell etwas übersehen

Es ist einer der besten bretonischen Fälle, wenn man von einigen unterlassenen Nachforschungen/Fragen rund um den Tatort am Anfang absieht. 

Fazit: Dupin ermittelt ausserhalb seiner Komfortzone, aber ebenso erfolgreich wie immer. 
5 Punkte. 


Krimi: Bretonisches Vermächtnis von Jean-Luc Bannalec (Dupin 8)

Klappentext:
Concarneau, die »blaue Stadt« am Meer, kurz vor den Pfingsttagen. In der berühmten Altstadt Ville Close feiern die Bretonen mit Musik und Tanz den Auftakt des Sommers, und alles könnte so wunderbar heiter sein. Gäbe es nicht plötzlich einen Toten – genau vor Kommissar Dupins Lieblingsrestaurant, dem Amiral. Doch damit nicht genug: Ausgerechnet in diesen Tagen sind Dupins Inspektoren beurlaubt und Nolwenn unerreichbar. Gemeinsam mit zwei neuen Kolleginnen widmet sich der Kommissar der alles entscheidenden Frage: Wer hatte es auf Docteur Chaboseau abgesehen? Einen Arzt, der großes Ansehen genoss und aus einer der einflussreichsten Familien der Gegend stammte. Weder dessen Frau noch seine engsten Freunde, ein stadtbekannter Apotheker und ein Weinhändler, können sich einen Reim darauf machen. Könnte es etwas mit den Vorlieben des Arztes zu tun haben, der nicht nur Kunstsammler war, sondern auch in bretonische Brauereien und traditionelle Fischkonservenfabriken investierte? Während Dupin noch fieberhaft nach Anhaltspunkten sucht, kommt es zu einem Anschlag, der die gesamte Stadt in Aufruhr versetzt.


Drei Freunde - so könnte man das (Arbeits-)Verhältnis von Dupin, Riwal und Nolwenn bezeichnen. Da fehlt natürlich noch Kadeg, doch der ist gerade noch weiter weg als die andern. Der einzige, der die Stellung hält ist gerade Kommissar Dupin, der seine Mitarbeiter und Freunde vermisst, als in Concarneau plötzlich der Arzt aus seinem Haus stürzt und stirbt. Dupin muss mit den neuen Mitarbeiterinnen Le Menn und Nevou die Ermittlungen beginnen.

Der Tote hinterlässt nicht nur seine Arztpraxis, seine Frau und einen erwachsenen Sohn, sondern auch seine Freunde - ebenfalls ein Dreiergespann. Zusammen mit dem Apotheker und dem Weinhändler investierte der Arzt in einige Unternehmen vor Ort. Machte er sich damit Feinde?

Man hat fast ein bisschen Mitleid mit Dupin, der sein Team vermisst und gleichzeitig die Fast-Schwiegereltern am Hals hat. Der Fall ist extrem knifflig und wiedermal ist es Riwal, der mit seinen geschichtlichen Exkursen die zündende Idee hervorbringt, der den Fall in ein ganz neues Licht stellt.

Ich fand es toll, dass hier ein Fall um eine alte Geschichte, die bereits in einem anderen sehr bekannten Krimi von Georges Simenon erzählt wird, aufgebaut wird. Das ist mal was anderes, und passt hervorragend zu Concarneau. 

Fazit: Unterhaltend, kurzweilig und spannend. 
4 Punkte. 

Mittwoch, 17. Juni 2020

Signora Sommer tanzt den Blues von Kirsten Wulf

Klappentext:
Sie kennen sich nicht, aber der Zufall würfelt sie in Rom zusammen: die trauernde deutsche Lehrerin, die italienische Blues-Sängerin und die Austausch-Studentin aus Amerika. Una storia italiana. Einmal in ihrem Leben hat Laura alles riskiert. Sie folgte Fabio, ihrer italienischen Liebe, nach Rom. Sein plötzlicher Tod stürzt sie in ungekannte Abgründe. Bis mitten in der Nacht die neue Nachbarin klingelt. Ein Wasserrohrbruch. Sie übernachtet auf dem Sofa – und bleibt. Bis der Schaden behoben ist, das kann dauern. Und dann taucht auch noch eine Studentin auf, die in Lauras große Wohnung einziehen will. Unterschiedlicher könnten die drei Frauen nicht sein. Laura will ihre neuen Mitbewohnerinnen so schnell wie möglich wieder loswerden, aber zu spät: Die beiden machen keine Anstalten wieder auszuziehen. Aber vielleicht ist das gar nicht so schlecht? Ein wundervoller Roman über Neuanfänge wider Willen, den Mut, im richtigen Moment zu lieben, und Musik, die wie das Leben spielt.

Ich kenne die Apulien-Krimis von Kirsten Wulf. Da es davon gerade keinen Nachschub gibt, war ich neugierig auf ihren neuen Roman, in der die Autorin einen ganz anderen Weg beschreitet. 

Wem wollt auf diesem Weg begegnen? Wollt ihr die trauernde Laura, die in einem inneren Loch lebt, aber in einer grossen, schönen Wohnung mitten in Rom? Oder lieber Samy, die gerne aufräumt und putzt, aber nach einem strengen Stundenplan lebt und ihr ganzes Leben auf Instagram zeigt? Oder doch die bunte, wilde, singende, tanzende und oft einen über den Durst trinkenden Fra(ncesca)? 

Ihr bekommt sie alle drei in "Signora Sommer tanzt den Blues". Und dies, obwohl Fra zu Beginn die einzige der drei Frauen ist, die tanzt. Als sie eines Nachts besoffen nach Hause kommt, irrt sie sich in der Türe. Nur um einige Minuten später wieder an der falschen Tür zu klingeln. Ein Wasserrohrbruch macht ihre Wohnung unbewohnbar, sie hofft auf Asyl bei Laura, die in der Etage oberhalb von Fra wohnt. Fra ist begeistert von deren Wohnung und möchte gar nicht mehr weg. Bald darauf sind sie zu dritt, denn Fra's Untermieterin, die amerikanische Studentin Samy braucht auch einen Schlafplatz. 

Laura, in ihrer Trauer gefangen, lässt es widerwillig geschehen, muss sich erst wieder an Menschen gewöhnen. Seit vor fünf Monaten ihr Partner starb, verliess sie das Haus nur noch zu Arztterminen und dem sonntäglichen Mittagessen bei ihrer Fast-Schwiegermutter. Fra findet es an der Zeit, dass Laura wieder am Leben teilnimmt, zu leben beginnt und unternimmt so einiges, um Laura aus ihrem Loch hervor zu locken. 

Die drei unterschiedlichen Frauen tun einander gut, denn alle hinterfragen den Lebensstil der jeweils anderen. Es wird so manches Mal explosiv, oft humorvoll und bleibt dennoch meistens melancholisch. 

Diese Melancholie - die übrigens hervorragend zu Trastevere passt - überkommen auch die Leser, wenn sie im zweiten Erzählstrang die Geschichte der Vormieterinnen ab 1945 verfolgen. Auch damals wurde getanzt, heimlich. 

Irgendwann am Ende finden die beiden italienischen Geschichten zusammen. Bis es soweit ist, leben die Leser als viertes WG-Mitglied mit unseren römischen Frauen zusammen, fühlen Lauras Schwere, spüren, dass Fra nicht so stark ist, wie sie immer tut, freuen und nerven sich gleichzeitig über Samys Erfolg, lernen den Blues tanzen und Rom von einer anderen Seite kennen. 

Kirsten Wulf ist mit "Signora Sommer tanzt den Blues" eine eindrückliche Geschichte über Neuanfänge, Freundschaften und Vergangenheitsbewältigung gelungen. Die Story bezaubert auf eine spezielle Weise, gerade eben auch durch die hier nicht erwähnten männlichen Figuren und besonders durch Fra's Vermieterin, die dem Roman Würze geben. 

Fazit: Una storia italiana - besser könnten sie die Italiener auch nicht schreiben. 
4.5 Punkte. 


Donnerstag, 11. Juni 2020

Das Haus am Ende des Fjords von Kiri Johansson

Klappentext:
Mit ihrem Bed & Breakfast und dem kleinen Café in den malerischen Westfjorden Islands hat sich Isving ihren Lebenstraum erfüllt. Doch dann erhält sie eine niederschmetternde Diagnose und weiß nicht mehr, wie es weitergehen soll. Da steht eines Tages der attraktive Thór vor ihrer Tür. Nach Jahren, in denen er mit seiner Band Konzerte überall auf der Welt gespielt hat, sucht der Komponist in der Abgeschiedenheit und der rauen Natur seiner Heimat nach neuer Inspiration für seine Musik. Die schüchterne Isving, die nichts von seinem internationalen Ruhm ahnt, erobert mit ihrem Gefühl für Melodien und Texte sein Herz im Sturm. Doch wird ihre Liebe auch die Wahrheit über ihre Krankheit verkraften?


Die Dänin Isving führt zusammen mit ihrer Schwägerin Gabrielle ein B&B in Kopavik. Alles ist gut. Doch dann wird Isving krank, die Ärzte diagnostizieren eine Multiple Sklerose und Gabrielle verlässt Kopavik. Nichts mehr ist gut. Isving hat einige Probleme vor sich liegen, sie sieht schwarz und weiss nicht, wie sie sie das alleine mit ihrer Krankheit schaffen soll. Und im Winter, ausserhalb der Touristenzeit, verdient sie sowieso nichts. Sie plant das zugehörige Café nächstes Jahr zu verkaufen, möchte das aber nicht, denn ihre Mitarbeiterinnen brauchen ihre Jobs ja auch. Noch hat Isving Bedenkzeit. 

Einer ihrer Gäste ist Jon, der eigentlich Thor heisst und ein bekannter Musiker ist. Er hat sich eine Auszeit genommen und ist froh, dass er hier in seiner Heimat, auf Island, Ruhe hat und nicht jeder ihn kennt - mit Sonnenbrille und Bart getarnt ist das auch nicht schwer. Ihm fehlt seit einiger Zeit die Kreativität, um neue Lieder zu schreiben. Die schöne Frau, die er in einem Hot Pot beobachtet, wird zu seiner neuen Muse. 


Eine Stimme, so glockenrein und klar, wie es sie selten gab, wehte zu ihm herüber. Fasziniert lauschte Thór in den Abend. Die Melodie war ihm nicht fremd, aber auf diese Weise hatte er sie noch nie gehört. Wie gebannt folgte er der Stimme und fand eine Elfe. Sie lag mit geschlossenen Augen im Wasser, die herrlichen Haare ausgebreitet wie ein Fächer. Von ihrem einzigartigen Gesang vollkommen verzaubert ließ er sich auf einem Felsen nieder. Im schwachen Licht der Laternen glaubte er, rotes Haar zu erkennen und ein blasses, sommersprossiges Gesicht, aber das konnte ebenso gut Einbildung sein, denn sie glich auf erstaunliche Weise der seiner Fantasie entsprungenen Muse, für die er all die Songs geschrieben hatte, bis sie im letzten Jahr über Nacht einfach aus seinem Leben verschwunden war.

Schnell merkt Thor, dass es sich bei seiner unbekannten Muse aus dem Wasser um seine Gastgeberin Isving handelt. Es entwickelt sich eine schöne Liebesgeschichte, in der beide Geheimnisse voreinander haben - er weiss nichts von ihrer MS, sie nicht, dass er Mitglied der Splendid Pirates ist. Oder doch? 

Island ist ein Dorf und so ist es kein Wunder, dass die Leserinnen im Laufe der Story auf Bekannte aus "Islandsommer" treffen, etwa bei einem Besuch in Aki's Kaffi Berlin oder gegen Ende bei einem Zusammentreffen mit Merit und Krjstian. 


"Das Haus am Ende des Fjords" hat mir gut gefallen, obwohl das letzte Drittel ein wenig lang gezogen wirkte, auch wenn ich weiss, dass gewisse Dinge ihre Zeit brauchen. 

Das aktuelle grau-nasse Wetter war als Lesebegleitung äusserst passend. Es hat mich grad noch mehr in die Geschichte eintauchen lassen, beides machte Lust auf heisse Schokolade und ein Bad, wenn auch nicht in einem Hot Pot, dann halt in der Badewanne - natürlich immer mit dem Buch in der Hand, bis es ausgelesen war.  


Thematisch hat Kiri Johansson einiges reingepackt. Neben Isvings Krankheit, ein Musiker ohne Muse, allgemein das Leben in Island, wurde auch der Walfang thematisiert. Alles floss wunderbar in die Geschichte mit ein. 


Am Ende der Lektüre möchte man am liebsten einen Island-Urlaub buchen, und diesen in Isvings Bed & Breakfast verbringen, sich von Katla oder Isving bekochen lassen, mit Jökull zu den Seehundstränden fahren und sich vielleicht sogar auf eins von Kristins Pferden setzen. 

Fazit: Liebe in schwierigen Zeiten, aber an einem wunderbaren Ort mit netten Bewohnern - das bekommt ihr in dem unterhaltenden "Das Haus am Ende des Fjords". 
4 Punkte.


Mittwoch, 10. Juni 2020

Sophias Träume von Corina Bomann (Die Farben der Schönheit 2)

Klappentext:
New York, 1932. Sophia hatte nicht erwartet, je wieder so glücklich zu sein. Nachdem sie in Paris ihr Kind verloren hatte, glaubte sie sich auf ein einsames, liebloses Leben einstellen zu müssen. Doch in New York blüht sie auf: Ein Angebot von Elizabeth Arden bietet ihr eine unerwartete Chance. Sie soll die erste Schönheitsfarm der Welt aufbauen. Und auch die Liebe tritt wieder in ihr Leben, als sie dem Designer Darren begegnet. Unversehens gerät Sophia damit mitten in den „Puderkrieg“, der zwischen Elizabeth Arden und Helena Rubinstein tobt. Plötzlich stehen ihre Liebe, ihre Zukunft und ihr Glück auf dem Spiel.


Corina Bomann erzählt Sophias Geschichte nahtlos dort weiter, wo sie in Band 1, in "Sophias Hoffnung", geendet hat. Sophia reist nach Paris, um nach ihrem angeblich toten Kind zu suchen, kommt aber dabei nicht viel weiter und macht sich erst noch Sorgen um Henny, die von ihrem Geliebten Monsieur Jouelle offensichtlich opiumabhängig gemacht wurde. Lange kann sie aber nicht in Paris bleiben und reist unverrichteter Dinge zurück nach Amerika.

In New York wird Sophie bei der Konkurrenz von Helena Rubinstein, von Elizabeth Arden höchstpersönlich, eingestellt. Nicht in deren Labor wie gehofft, sondern in Ardens Schönheitssalons soll Sophia von der Pike auf alles lernen - sie hat keine Ahnung, was Miss Arden mit ihr vor hat. Überraschend trifft Sophia Darren wieder - und bald stellt sich bei ihr erneut die Frage, ob Liebe und Arbeit vereinbar sind.

Denn da haben die beiden Grandes Dames der Kosmetikwelt eine ähnliche Ansicht. Im ersten Band erlebte man Helena Rubinstein, hier im zweiten Band Elizabeth Arden. Die beiden Kosmetik-Koryphäen können sich nicht leiden und sind sich trotzdem viel ähnlicher als ihnen bewusst ist. Dies stellt Autorin Corina Bomann deutlich dar. 

Obwohl die beiden Frauen jeweils auch verletzlich charakterisiert werden, wird kaum eine Leserin sie wirklich mögen. Sophia hingegen muss man einfach mögen, in ihrer Ehrlichkeit und mit all ihren Talenten und Emotionen. Wie sie sich Sorgen um Henny macht, und ihren Umgang mit dem Gefühl, nicht zu wissen, ob ihr Kind tatsächlich bei der Geburt starb oder ob der Junge lebt. 

Ein weiterer Schicksalsschlag führt Sophia kurz nach Berlin. Ich empfand es enorm eindrücklich, wie die Autorin den mal etwas anderen Blick skizzierte, nämlich den von aussen, von jemand, der die Stadt früher kannte und jetzt angesichts der neuen Regierung geschockt ist vom Anblick des neuen Hitler-Berlins.

Und so fliegt man mit Sophias Erlebnisse durch die Seiten, denn auch dieser zweite Band ist unheimlich spannend geschrieben.

Aber dann ist der Roman urplötzlich zu Ende. Bis zur letzten Seite fehlten mir laut der eBook-Seitenanzeige noch 73 Seiten und so war ich sehr überrascht, als ich nach einer gerade wieder extrem fesselnden Stelle umblätterte und auf der neuen Seite eine Leseprobe angezeigt wurde. Da war ich erst mal verwirrt, bis ich merkte, dass der zweite Band zu Ende ist. Nahtlos hätte ich gerne weiter gelesen.

Nun heisst es wieder warten, bis zum 30. November, wenn "Sophias Triumph" erscheint - ich bin schon jetzt mächtig gespannt! 

Fazit: Mitreissender zweiter Teil der "Die Farben der Schönheit"-Trilogie, man möchte am liebsten sofort weiter lesen. 
5 Punkte. 


Reihenfolge:
Band 2: Sophias Träume
Band 3: Sophias Triumph

Dienstag, 9. Juni 2020

Der Duft von Sommerregen von Tania Schlie

Klappentext:
Lena liebt ihre Arbeit für einen Kunstsammler, ihre gemütliche Wohnung in Hamburg und die kleinen Glücksmomente des Alltags. Doch ständig muss sie sich rechtfertigen, warum es keinen Mann an ihrer Seite gibt. Sie solle sich doch endlich einmal binden, predigen Familie und Freunde. Dann steht plötzlich Jonas vor ihr. Er entführt sie mit seinem jugendlichen Charme in eine völlig neue Welt und nimmt sie ganz für sich ein. Ist das Liebe, fragt sich Lena. Und wenn ja, was ist dann dieses sehnsuchtsvolle Gefühl, das sie empfindet, sobald sie abends am Fenster ihren neuen, unergründlichen Nachbarn Georg Klavier spielen hört? Sollte sie ihrem Herzen folgen und es herausfinden?


Tania Schlies "Die Kirschen der Madame Richard" hat mir gut gefallen, ebenso einige ihrer Bücher, die unter dem Pseudonym Caroline Bernard geschrieben sind. Deshalb nahm ich mir vor, auch die anderen Romane von Tania Schlie zu lesen. Begonnen hab ich mit dem Roman mit dem schönsten Cover, "Der Duft von Sommerregen".

Darin geht es um Single-Frau Lena, die eigentlich ganz glücklich mit ihrem Leben wäre, wenn ihr nicht immer die Frage nach ihrem Zivilstand gestellt würde. Manchmal wünschte sie sich zwar schon, sich wieder zu verlieben. Aber dafür müsste erst mal wieder ein interessanter Mann auftauchen.

Und dann sind da plötzlich zwei interessante Männer in ihrem Leben. Jonas, der Autohändler, ein erfolgreicher und witziger Mann, mit dem es nicht langweilig wird. Und Georg, der Klavierspieler in ihrer Nachbarschaft, der sehr spontan sein kann, aber meistens zurückhaltend ist. Doch halt: da ist noch der dritte Mann in ihrem Leben, Lenas Chef, Walter Cordes. 

Lenas Leben spielt sich nun hauptsächlich zwischen dem ersten und dem letzten der oben genannten Männern ab. Tagsüber liebt sie ihre interessante Arbeit bei Herr Cordes, der seine Sammlung gerne in einem Museum wissen würde. Abends Jonas. Aber Lena macht sich Sorgen um ihren Chef, der immer gebrechlicher wird. Schafft sie es, die Zukunft seiner Sammlung zu sichern bevor es Walter Cordes schlechter geht?

Mir gefiel gut, dass die Protagonistin mit über 40 Jahren Single ist - und von mir aus hätte sie es auch bleiben können, das wäre mal ein anderes Ende für einen Liebesroman. Aber es zeigt auch, dass die grosse Liebe immer gefunden werden kann, sie vielleicht erst kommt, wenn man gar nicht damit rechnet oder sie vielleicht bereits näher ist, als man sich vorstellen kann. 

Der Titel "Der Duft von Sommerregen" macht Sinn und bald ist klar, was er bedeutet. Kleinigkeiten, die jemandem wichtig sind, sollten von dem, der diese Person liebt, verstanden werden. Zum Glück merkt Lena dies, bevor es zu spät ist. Das Ende ist stimmig, es kam nur sehr, sehr abrupt. 

Der Roman ist gut und interessant geschrieben, aber durch die vielen Probleme, die sich durch die ganze Geschichte ziehen, fühlt es sich an, als ob ein bedrückender Schleier darüber liegt. Leider hat die Story es nie geschafft, diesen Schleier wegzuziehen und konnte mich deshalb nicht vollständig in ihren Bann ziehen. 

Fazit: Eigentlich eine wichtige und aussagekräftige Geschichte, der das gewisse Etwas fehlt. 
3.5 Punkte. 


Montag, 8. Juni 2020

Der geheime Schwimmclub von Mary Kay Andrews

Klappentext:
Sie waren jung, als sie ihren geheimen Schwimmclub auf der verwunschenen Insel Talisa gründeten: Josephine, Millie, Ruth und Varina. In den langen Sommernächten gingen sie nachts schwimmen, vertrauten einander ihre Geheimnisse und Lebenswünsche an – bis ein schicksalhaftes Ereignis die Frauen trennte. Jetzt, viele Jahrzehnte später, ist Josephine schwer erkrankt, und sie möchte ihre Freundinnen unbedingt noch einmal wiedersehen. Also beauftragt sie die junge, alleinerziehende Anwältin Brooke, sie zu finden und nach Talisa zu bringen, um dann das Rätsel von damals zu lösen.



Bis auf einen (der wartet auf dem SuB) habe ich alle auf Deutsch übersetzten Romane von Mary Kay Andrews gelesen. Darunter sind einige ganz nett, einige sehr süss, sehr amerikanisch, einige toll, zwei davon schlecht, und dann gibts diesen, der hier mit dem unscheinbaren Cover einer Sanddüne, er ist einfach nur wow, wow, wow. 

Dieser wow-Roman ist einerseits typisch für Mary Kay Andrews und andererseits gänzlich was Neues, und bringt viel mehr Tiefgang als ihre bisherigen Romane mit. "Der geheime Schwimmclub" hat mich total begeistert. Die Geschichte um die Insel Talisa und ihre Bewohner ist der Autorin absolut gelungen, sowas von und geht unter die Haut. 

Die 99jährige Josephine, die auf einem Anwesen auf der Düneninsel Talisa vor der Küste Georgias wohnt, kommt reichlich spät in ihrem Leben auf die Idee, ihr Testament zu machen. Dazu möchte sie ihre ehemals besten Freundinnen noch einmal sehen und beauftragt die Anwältin Brooke damit. Brooke ist um jeden Auftrag froh, aber sie gerät in einen Interessenkonflikt und muss einen Teil ihres Auftrags abgeben. Aber es gelingt ihr, die gesuchten Frauen oder deren Nachkommen aufzuspüren. Alle sind gespannt, was Josephine ihnen noch sagen will und ob es gelingt einen Teil der Insel Talisa, Oyster Bluff, den Geechees zu übertragen und der Rest der Insel in eine Stiftung einzubinden, so dass der Staat sie nicht bekommt. 

Im zweiten Erzählstrang werden die Ereignisse der Vergangenheit, die Erlebnisse der vier Mitglieder des geheimen Schwimmclub ab 1932, geschildert. Die Leser  - wie auch Brooke, Marie, Lizzy, Varina und Felizia und ebenso Josephines Hausangestellte Louette und Shug - verstehen dadurch immer mehr, was damals alles passierte. Selbst gehen sie auch einigen Hinweisen nach. Nach und nach ergibt sich ein Bild, das spannender nicht sein könnte. 

Mehr zum Inhalt, der immer wieder überrascht, möchte ich nicht verraten. Für die Leserinnen vorhersehbar waren nur zwei Begebenheiten, die Beteiligten vor Ort mussten lange warten, bis sie der Wahrheit auf die Schliche kommen. Ständig treten neue Rätsel auf oder es passiert etwas Unerwartetes. So wurde es auf keiner der knapp 600 Seiten langweilig. Die Story ist derart spannend, dass ich den Roman nicht aus den Händen legen konnte und in einem Tag ausgelesen habe - er hat seinen Platz auf meiner Jahreshighlight-Liste 2020 sicher. 

Der Schauplatz ist äusserst bezaubernd, trotz allen Spuren, die die Zeit auf der Insel hinterlassen hat, und liegt - natürlich - in Georgia, die Insel Talisa und die Stadt St. Ann sind aber fiktiv. 

Viele Charaktere bevölkern die Geschichte, doch das stört überhaupt nicht, alle haben ihre Berechtigung und sind gut gezeichnet, so dass man nicht durcheinander kommt. Durch die zahlreichen Figuren sind auch viele Themen eingearbeitet, doch auch hier: es passt alles wunderbar zusammen. 

Fazit: "Der geheime Schwimmclub" ist unglaublich fesselnd und eindrücklich - überzeugt euch selbst davon! 
5 Punkte. 



Sonntag, 7. Juni 2020

#litlovetalk Juni 2020


Wir stellen euch von Januar bis November 2020, bis zur lit.love 2020, monatlich an jedem 7. Tag (also 7. Juni, 7. Juli, 7. August, etc.) eine Frage zu Romanen, die von lit.love-AutorInnen geschrieben wurden. 

Wir freuen uns, wenn ihr sie gemeinsam mit uns beantwortet. Entweder per Kommentar, auf euren Blogs oder Social Media Kanälen. Verwendet dabei den Hashtag #litlovetalk - so heisst unsere Aktion, die die Wartezeit zur nächsten lit.Love verkürzen soll. Die Links zu euren Antworten auf euren Blogs dürft ihr gerne in den Kommentaren verlinken. 

Hier ist die Juni-Frage: 


Die Romane der lit.Love-AutorInnen zieren oft interessante Titel. Einige wenige davon stossen mich ab, weil sie sich uninteressant oder gar kitschig anhören. Manche sind ganz okay, sagen aber nicht wirklich etwas über den Inhalt aus. Andere sprechen mich an, bringen mich zum Lachen oder Schmunzeln, lösen Sehnsucht aus. Viele Titel machen neugierig - man schaut sich deswegen die Bücher genauer an -  und machen im besten Fall Lust die Romane zu lesen. Und auch zu entdecken, was hinter dem Titel steckt - fischt "Die Wolkenfischerin" tatsächlich Wolken? 

Leider passen nicht immer alle Titel zum Inhalt, doch das ist kein Thema für heute. 

Ich bin alle lit.Love-Titel durch gegangen, auch die von den Autorinnen und Autoren, von denen ich keine Bücher gelesen habe. Sieben Titel hab ich mir herausgepickt, obwohl es noch mehr gibt, die ich cool oder einfach nur schön finde und die ich mag. 

Grundsätzlich gefallen mir Wortspiele wie "Time to Love", "Love to Share", "Pasta d'Amore" oder personenbezogene wie "Dich schickt der Himmel" oder sehnsuchtsvolle wie "Nicht weg und nicht da".

Andere wiederum lösen eine Sehnsucht aus. Bei mir braucht es dafür das Stichwort "Meer". Deshalb gefallen mir Titel wie "Das Meer so nah", denn das würde ich gerne immer sagen können. Und darum will ich nicht nur "Manchmal will man Meer" - sondern immer.  

Und etwas anderes möchte ich auch immer: den Zauber zwischen den Seiten der Bücher, die ich lese, spüren. Nicht immer passiert das. Leider fand ich ihn auch nicht vollständig in dem Roman mit genau diesem Titel: "Der Zauber zwischen den Seiten". Doch wenn ihr auf den Link klickt und euch die Rezension durch liest, werdet ihr sehen, wo ich den Zauber dann doch noch gefunden habe. 


Dies ist also der lit.Love-Romantitel, den ich am schönsten finde. "Der Zauber zwischen den Seiten". Diesen Zauber gehe ich auch gleich wieder suchen, in meiner aktuellen Lektüre -  ich gebe nicht auf, immer wieder darf ich mich darauf freuen, auch wenn ich ihn nicht in allen Romanen finde. 

Verratet ihr mir, welchen lit.Love-Romantitel ihr am schönsten findet?



Damit es für euch einfacher ist passende Bücher zu finden, findet ihr hier die Autorennamen:





Hier findet ihr weitere Antworten auf die heuteige #litlovetalk-Frage:

Samstag, 6. Juni 2020

Krimi: Tod in Saint Merlot von Serena Kent

Klappentext:
Bei einem Urlaub in der Provence verliebt sich die Britin Penelope Kite in einen alten Bauernhof. Kurzerhand erwirbt die Frührentnerin das Gehöft und zieht um. Doch kaum angekommen, erlebt sie den Schreck ihres Lebens: Im Swimmingpool schwimmt eine Leiche! Es ist Manuel Avore, der ehemalige Besitzer des Hofes, der diesen wegen Spielschulden verkaufen musste. Die Polizei geht von einem Unfall aus, doch Penelope ist sich da nicht so sicher. Sie beginnt auf eigene Faust zu ermitteln.





Eine Britin in der Provence - das erinnert mich doch sehr an Peter Mayle. Deshalb war ich gespannt, vielleicht auch ein wenig skeptisch, auf das, was mich in "Tod in Saint Merlot" erwarten wird. 

Doch schon von Anfang an war mir Penelope Kite sympathisch. Die ehemalige Assistentin eines forensischen Pathologen im britischen Innenministerium lässt sich mit 50 Jahren frühpensionieren und kauft sich ein Häuschen in der Provence. 


Weit weg von ihrem Ex-Mann und dessen erwachsenen Kinder, die beide total entsetzt sind, dass Penelope so weit weg zieht, weil sie nun niemanden mehr haben, der ihre Kleinkinder hütet. Ihre angeheiratete Familie kommt nicht wirklich gut weg und man versteht sofort, wieso Penelope aus Surrey fortziehen will. Was sie beruflich genau gemacht hat, wird mit der Zeit erläutert. Wer hätte gedacht, dass ihre Berufserfahrung ihr so bald helfen wird? Sie wohl am allerwenigsten. 


Kaum hat sie die erste Nacht in ihrem renovationsbedürftigen Haus namens Le Chant d'Eau, verbracht, wird eine Leiche in ihrem Pool aufgefunden. Der Bürgermeister identifiziert die Leiche und die Polizei gibt sich schnell damit zufrieden. Doch etwas an der Leiche kam Penny komisch vor und als sie dies mit ihrer Immobilienhändlerin Clémence Valencourt und der Poliziei besprechen will, tun sie Pennys Einwand ab.

Leider kehrt auch später keine Ruhe ein: es wird eingebrochen, es wird geschossen, gemauschelt und der Bürgermeister wie auch die Immobilienhändlerin verhalten sich teilweise sehr auffällig. Kann Penny ihnen vertrauen oder haben die beiden etwas mit all diesen Vorkommnissen zu tun?

Penny ist sich bis zum Schluss nicht sicher - und auch ich hatte nicht die geringste Vermutung, wer zum Täterkreis gehören könnte. Serena Kent, ein Pseudonym für das schreibende Ehepaar Deborah Lawrenson und Robert Rees, macht es enorm interessant. Immer wieder passiert etwas Unerwartetes, was für den Leser sehr spannend, für Penny aber vor allem nervenaufreibend ist.

Neben all der Aufregung kommt das Provence-Flair dennoch nicht zu kurz. Penelope kann über sich selbst lachen, wenn sie sehr britisch sehr viel Rosé trinkt und Croissants isst. Ihre Freundin Frankie, die zwischendurch auf Besuch kommt, und die anderen Charaktere - egal ob Einheimische wie der Gärtner, der Bäcker oder Zugezogene wie Bürgermeister Laurent oder Clémence - bringen das gewisse Etwas mit. Die Kombination der Figuren tragen viel zum Gelingen des Krimis bei. 


"Tod in Saint Merlot" hat mich wunderbar unterhalten, ich musste oft lachen und war enorm gespannt, was noch alles kommt und wie es am Ende ausgeht. Ein immer wieder überraschender und total stimmiger Fall! 


Fazit: S(aus)pannender und sehr unterhaltender erster Fall für Penelope Kite - den zweiten Fall darf ich mir nicht entgehen lassen! 
5 Punkte.