Mittwoch, 4. Dezember 2019

Die Sonnenschwester von Lucinda Riley (7-Schwestern 6)

Klappentext:
Reich, berühmt und bildschön: das ist Elektra d’Aplièse, die als Model ein glamouröses Leben in New York führt. Doch der Schein trügt – in Wahrheit ist sie eine verzweifelte junge Frau, die im Begriff ist, ihr Leben zu ruinieren. Da taucht eines Tages ihre Großmutter Stella auf, von deren Existenz Elektra nichts wusste. Sie ist ein Adoptivkind und kennt ihre Wurzeln nicht. Als Stella ihr die berührende Lebensgeschichte der jungen Amerikanerin Cecily Huntley-Morgan erzählt, öffnet sich für Elektra die Tür zu einer neuen Welt. Denn Cecily lebte in den 1940er Jahren auf einer Farm in Afrika – wo einst Elektras Schicksal seinen Anfang nahm.



Elektra kam bei ihren bisherigen Erwähnungen in den ersten fünf Büchern der Serie nicht sehr sympathisch rüber, deshalb war ich sehr gespannt, ob sie wirklich solch ein Biest ist. Als weltbekanntes Model ist sie die erfolgreichste der Schwestern, aber auch die unglücklichste. Elektra lässt niemand wirklich an sich ran, von ihren Schwestern am ehesten noch Maia. 

Unter Pa Salts Tod leidet Elektra heftig, sie hat das Gefühl, ihn schwer enttäuscht zu haben. Auch ihn liess sie nicht nahekommen, als es noch möglich war. Ihr Leben ersäuft sie in Alkohol. Um wach zu sein konsumiert sie Kokain. Sie ist hochgradig süchtig, benimmt sich daneben, kein Wunder hält es weder ein Partner noch Angestellte bei ihr aus. Ihr Weg ist nicht leicht, doch Elektras Leben ändert sich, als ihre neue Assistentin Mariam in ihr Leben tritt und zeitgleich ihre Grossmutter Stella sich bei ihr meldet. 

Letztere erzählt ihr, passend zu Elektras Leitspruch "Man kann das Leben nur rückwärts verstehen, leben muss man es aber vorwärts" laufend die Geschichte ihrer Herkunft. Diese beginnt am Silvester 1938 und führt die Leser vom Grossstadtdschungel Manhattan in den Pflanzen- und Tierwelt-Dschungel Kenias. Die junge Amerikanerin Cecily Huntley-Morgan wurde von ihrem Verlobten verlassen. Nun nimmt sie sich eine Auszeit und reist zu ihrer Patentante Kiki Preston, die vorwiegend am Naivasha See in Kenia lebt. 

Kiki ist eine historische Figur, die mit ihren Problemen hervorragend zu der Thematik in "Der Sonnenschwester" passt. Kiki ist für Cecily das Verbindungsglied und führt ihre Patentochter in die britische Gesellschaft im "Happy Valley" ein. Der Vergangenheitsstrang um Cecily ist nahe an die historische Vorlage verknüpft. Cecilys Geschichte fand ich total interessant und spannend. 

Lucinda Riley bringt uns die englische Kolonialmacht in Kenia, die leider auch trotz grosser Entfernung vom zweiten Weltkrieg betroffen war, näher. Ebenso die Stammeskultur und damit herein, das Zusammenleben der verschiedenen Kulturen. Herausragend beschreibt die Autorin auch die faszinierende Landschaft von diesem facettenreichen ostafrikanischen Staat.

In Elektras Geschichte geht es um Süchte, Abhängigkeiten und Menschenrechte. Ebenso ist die Rassentrennung ein grosses Thema, welches im Jahre 2008, in dem der Gegenwartsstrang spielt, in der Hoffnung eines möglichen ersten schwarzen Präsidenten gipfelt (und wie wir wissen, auch Realität wurde). Elektra öffnet sich langsam. Tief in ihr vergrabene Erlebnisse erklären, wieso sie so unausstehlich wurde. Ihre Entwicklung ist sehr positiv, sie findet endlich echte Freunde und ihren Platz im Leben. 

"Die Sonnenschwester" ist auf keiner ihrer 832 Seiten langweilig, sondern durchgehend fesselnd, so dass ich ihn innert zweieinhalb Tagen ausgelesen hatte. Der Roman ist enorm intensiv und behandelt Themen, über die man ausgiebig diskutieren könnte. Meine Lieblingsfigur ist Mariam, die straight ihren Weg geht und sich nicht beeindrucken lässt.

Elektras Geschichte heizt die Vorfreude auf den letzten Band um die verlorene Schwester Merope enorm an. Ich bin wahnsinnig gespannt, was uns im siebten Band alles erwartet!

Fazit: Inhaltlich stark und berührend, erneut brillant geschrieben.
5 Punkte. 


Reihenfolge:
Band 6: Die Sonnenschwester
Band 7: The Lost Sister

Montag, 2. Dezember 2019

Unter den hundertjährigen Linden von Valérie Perrin

Klappentext:
Violette Toussaint ist Friedhofswärterin in einem kleinen Ort in Burgund. Denn nur so kann sie den ganzen Tag bei ihrer kleinen Tochter sein. Seit Violette sie durch einen schrecklichen Unfall verloren hat, ist sie innerlich erstarrt. Doch die Gräber zu pflegen und für Menschen da zu sein, die Ähnliches erlebt haben wie sie, spendet ihr Trost. Bis Julien auf ihren Friedhof kommt: Seine Mutter ist gestorben und möchte neben einem Mann beerdigt werden, den Julien nicht kennt. Juliens Geschichte weckt Violettes Interesse, und bald verbringen sie immer mehr Zeit miteinander, während das Tagebuch von Juliens Mutter eine anrührende Liebesgeschichte preisgibt. Kann Violette trotz aller Trauer zurück ins Leben finden?


Als Friedhofswärterin bekommt Violette so einiges mit - über die Toten und über die Lebenden. Bereits seit zwanzig Jahren arbeitet sie hier. Wie sie zu dem Job als Friedhofswärterin kam, wird von der Gegenwartsgeschichte rückblickend in vielen Episoden erzählt. 

Die Geschichte wird von Valérie Perrin ruhig erzählt, die Idee dahinter finde ich grandios und auch die Charaktere sind interessant gestrickt.

Mir gefielen die Storys rund um die Friedhofsbesucher, auch Violettes Lebensgeschichte ist eindrücklich. Von Geburt an ist sie mit Schicksalsschlägen belastet. Dennoch scheint sie zufrieden mit ihrem ruhigen Leben zu sein. Sie trägt die Ruhe in sich selbst und gibt sie aufgewühlten Besuchern mit, die in ihrer Küche immer eine Tasse Tee oder Kaffee erwarten dürfen. 

Was im Klappentext betreffend Violettes Tochter verraten wird, wird im Buch erst spät erwähnt. Die Story darüber wird gegen Schluss aufgelöst und erstaunt. Leider blieb das der einzige Clou in der sehr ruhigen, aber trotzdem enorm ereignisreichen Geschichte. 

Mir ist die Erzählung trotz feinfühligem, sprachlich schönem Schreibstil zu flach geraten. Wenn ich euch also die Rahmenhandlung erzählen würde, würde ich die Glanzpunkte und Überraschungen des Romanes vorwegnehmen.

Nach den ersten 150 Seiten begann ich mich zu fragen, was da noch kommen wird auf den restlichen 412 Seiten - theoretisch passiert viel Emotionales, aber wahrscheinlich aufgrund Violettes ruhiger Art wird alles zu emotionslos geschildert und macht das Lesen des Romans zäh.

"Unter den hundertjährigen Linden" entpuppte sich als "Eigentlich, aber"-Buch: eigentlich super schön, aber leider auch super langweilig.

Fazit: Toller Schreibstil, schöne Sprache, und eigentlich auch eine interessante Geschichte, aber mit 512 Seiten zu lang und zu monoton. 
3 Punkte.


Sonntag, 1. Dezember 2019

Lesebiografie November 2019

Heute morgen habe ich die erste Kerze an meinem, zwar etwas anderen, aber zumindest katzensicheren Adventskranz angezündet. Die Adventszeit hat nun definitiv begonnen, auch wenn bei uns in der Stadt die Adventsbeleuchtung und der Christchindlimarkt schon vor 8/9 Tagen eröffnet bzw. angestellt wurden. Den ersten Markt haben wir somit auch gleich am Samstag vor einer Woche besucht, und da traf ich lustigerweise den Zürcher Bögg in einer Kutsche an.



Bei mir hat die Adventszeit am Mittwoch begonnen, das erste Mal wieder Christmas FM eingestellt und bin bei Feliz Navidad um den Esszimmertisch getanzt. Jetzt fehlt bloss noch der Song Last Christmas - den höre ich heute garantiert im Radio. Obwohl ich vor zwei Wochen den gleichnamigen Film gesehen habe, ist es doch was Besonderes ihn jährlich Anfangs Advent im Radio zu hören. Dann weiss man: Weihnachten ist nahe. 



Doch bevor die adventliche Vorfreude auf Weihnachten mich ganz in Beschlag nimmt, gibt es meinen Rückblick auf den November mit zwölf gelesenen Büchern:

2 Punkte:
- Ein Sohn ist uns gegeben von Donna Leon (Brunetti 28) 

3 Punkte:
- Der Sprung von Simone Lappert
- Unter den hundertjährigen Linden von Valérie Perrin (Rezension folgt)

4 Punkte:
- Ich bin Circe von Madeline Miller 
- Venner von Franziska Hidber und Christian Ruch 

5 Punkte: 
- Winteraustern von Alexander Oetker 
- Ein Jahr voller Wunder von Clemency Burton-Hill 

- Unter einem guten Stern von Minnie Darke 


Der Titel "Ein Sohn ist uns gegeben" passt zwar zu Weihnachten, aber nicht wirklich zum Brunetti-Krimi. Langsam wärs wirklich Zeit für gewisse Erneuerungen im Brunetti-Kosmos, denn so langweilig war er noch nie. 

Das für den Schweizer Buchpreis Nominierte "Der Sprung" von Simone Lappert habe ich genau 3x begonnen und zweimal davon wieder auf die Seite gelegt. Beim dritten Mal habe ich länger durchgehalten, doch mir waren die vielen Probleme der Figuren zu deprimierend, das zog mich runter und ich hatte keine Lust mir mehr davon anzuhören. Deshalb überflog ich den Rest des Buches. 

Eine Rezension zu "Unter den hundertjährigen Linden" von Valérie Perrin kommt in den nächsten Tagen. Eigentlich super geschrieben, aber leider auch super langweilig, deshalb nur drei Punkte. 

Vier Punkte vergab ich für vier Bücher, und fünf Punkte gab es für fünf Bücher - ich mag solche Zahlenspiele, auch wenn das hier völlig zufällig zustande kam. Hier verweise ich gerne auf die entsprechenden Rezensionen. 

Mitnehmen in den Dezember tue ich "Die Sonnenschwester" von Lucinda Riley. Vielleicht lese ich es heute aus, ansonsten spätestens am Montag. Ich habe mir Montag und Dienstag frei behalten, um die 832 Seiten des neuesten und sechsten Teils der Sieben-Schwestern-Serie zu lesen, bekam das eBook aber erst am Donnerstagabend. Doof, denn Freitag und Samstag hatte ich Termine und kam jeweils erst am Abend zum Lesen.

Aber was für ein Unterschied zwischen meinen "dicken" November-Büchern: während ich bei Perrin auf Seite 160 von 512 schon gelangweilt war und mich fragte, was da noch kommen mag, um die Story rauszuholen und auch bei den 528 Seiten von "Ich bin Circe" lieber nur in Etappen über zwei, drei Wochen verteilt gelesen hätte, war ich bei "Unter einem guten Stern" mit 576 Seiten blitzschnell durch. Bei der "Sonnenschwester war ich auf Seite 160 voll dabei und voller Vorfreude auf das was noch kommt - es ist also extrem unterschiedlich, wie lange man, an einem dicken Buch liest. Der Inhalt macht es aus!


Nach so vielen seitenstarken Büchern freue ich mich auf einen Roman mit nur 352 Seiten: "Mademoiselle Edith - Hymne an die Leibe von Christine Girard. Dieser Roman beginnt zeitlich dort, wo "Madame Piaf und das Lied der Liebe" von Michelle Marly aufhört. Danach werde ich wohl einige Bücher von meinem SuB befreien, bevor ich dann zu dem alljährlichen Weihnachtsroman von Karen Swan greife. "Leider" sind Swans Romane auch nicht ohne: 580 Seiten! 

Toppen wird dies der zweite Teil der Schokoladenvilla-Serie von Maria Nikolai, "Goldene Jahre" mit 720 Seiten. Lesen werde ich ihn um den 21. Dezember rum, da startet unsere #litlovelesen - Aktion. Bis zum 6. Januar lesen wir Bücher von lit.Love-Autorinnen, egal ob historisch oder nicht. Wer Lust hat, ist herzlich dazu eingeladen mitzulesen. Schaut mal auf eurem SuB, welche Romane passen würden. Bald gibt es weitere Informationen zur Aktion. 

Wie geht es euch mit den dicken Büchern? Habt ihr euch für den Advent spezielle Bücher vorgenommen oder habt ihr Lust bei uns über die Festtage mitzulesen und euch mit uns auszutauschen (auf FB und Instagram)? 

Euch allen einen friedlichen Adventszeit!