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Mittwoch, 20. März 2024

BookLove Festival Zürich von Orell Füssli


Dienstag, 19. März 2024, Sonnenschein - alle zieht es nach Feierabend draussen auf Plätze, Café-Terrassen und an den See. Und einige zieht es ins Bernhard Theater. Einen letzten Blick noch zum See, dann rein ins ausverkaufte Theater. Das erste BookLove Festival, ausgerichtet von der Buchhandlungskette Orell Füssli, findet statt. 


Von 19:00 bis 22:00 Uhr werden hochkarätige Autor*Innen auf der Bühne interviewt. Ein heimeliges und ansprechendes, perfekt zum Anlass passendes Bühnenbild, drei Sessel. Jenny Colgan und Charlotte Wood werden als Erste von Podcasterin und SRF-Produzentin Sarah Christen mit Fragen gelöchert. Übersetzt wird nicht, die Gespräche finden auf Englisch statt. Die beiden Autorinnen beantworten Christens Fragen, diskutieren darüber, wie sie ihre Bücher schreiben, das Eigenleben ihrer Figuren und erzählen unter anderem, welche Bücher sie gerne lesen. Nun darf das Publikum Fragen stellen, anschliessend geht es in die erste Pause.


Um 20:00 Uhr geht es auf Schweizerdeutsch bzw. Züridütsch weiter. Yvonne Eisenring (mir noch als Moderatorin von Tele Züri bekannt) und Nelio Biedermann sind dran, dieses Gespräch wird als Podcast aufgenommen. Es geht um Debüts - das erste Mal einen Roman veröffentlichen, den ersten Satz und vieles mehr. Der perfekte erste Satz ist für Nelio Biedermann mittlerweile sehr wichtig, für Yvonne Eisenring nicht. Das Schwierigste daran, ein Buch zu schreiben? Über das zweite Drittel hinauszukommen, da sind sie sich einig. Wie schon bei der ersten Runde auch hier die Frage, wo am liebsten geschrieben wird - alle vier geben unterschiedliche Antworten, Nelio kann gut auf Reisen schreiben und schreibt täglich vier Stunden, Yvonne schreibt am besten in der Nacht, Jenny und Charlotte schreiben gerne in Cafés. Apropos: Kaffee gibt es im Bernhard Theater keinen, den hätte ich jetzt in der zweiten Pause gebraucht. 


Nach der Kaffee-losen Pause betritt ein sehr grosser Mann die Bühne, Richard Osman - mir als Autor des "Donnerstagsmordclub" bekannt, anderen Gästen auch als Produzent und Moderator im britischen Fernsehen. Osman spricht davon, wie er auf eine Seniorenresidenz als Setting kam und gibt einige Anekdoten zum Besten. Auch erzählt er über den Unterschied der Schreibarbeit als Autor und als Produzent. Letzteres geht schneller und ist schneller bei den Leuten, beim Buch schreiben dauert es viel viel länger und oft ist man, wenn das Buch endlich erscheint, selbst schon wieder an einem anderen Buch dran. 


Nach der letzten Fragerunde kamen nochmals alle fünf Autoren und Autorinnen auf die Bühne und teilten sich anschliessend auf Bühne und im Foyer auf, um Bücher zu signieren. Jenny Colgans neuer Roman "Sommerhimmel über dir und mir", der am 28. März erschien, war am Büchertisch übrigens bereits zum Kauf erhältlich. Wer lieber Prints als eBook liest, wäre hier zum Zuge gekommen. Auf denselben bin ich und habe die Signierstunde sausen lassen, der fehlende Kaffe ist Schuld, ausserdem lassen sich eBooks schlecht signieren ;-) Wie lange man für ein Autogramm angestanden ist, weiss ich deshalb nicht. 


Schön wars dieses erste BookLove Festival! Eine tolle, positive Atmosphäre, gut gelauntes Publikum und interessante Gäste, ausserdem eine sympathische Moderatorin, viel Humor, eine gute Organisation - die Fotos im Rückblick zeigen was Sache ist. Von mir aus darf das Booklove Festival gerne in eine zweite Runde gehen. 


Freitag, 12. Januar 2024

Winterträume in der kleinen Buchhandlung von Jenny Colgan (The Christmas Bookshop 2 / Happy-Ever-After 5)

 Klappentext: 
In Edinburgh naht der Winter! Höchste Zeit, die Christbaumkugeln zu entstauben, Plätzchen zu backen und die Schaufenster festlich zu dekorieren – eigentlich. Stattdessen aber wird die Buchhandlung, in der Carmen arbeitet, zum Drehort eines kitschigen Weihnachtsfilms, ihre Schwester setzt sie glatt vor die Tür, und die Liebe ihres Lebens hat dringende Verpflichtungen auf der anderen Seite der Welt. Fast könnte man da den Glauben an die Magie der Weihnacht verlieren … Doch dann verrät ihr schrulliger älterer Chef Carmen einen Herzenswunsch, der vielleicht nie mehr in Erfüllung gehen wird. Carmen braucht all ihre Fantasie, die Hilfe aller Nachbarn und Freunde und die Liebe zu Büchern, um diesen und noch viele andere Winterträume wahr werden zu lassen.


Mir hat der erste Band um Carmen und die Buchhandlung in Edinburgh gefallen, weshalb ich mich auf diesen zweiten Band freute. Doch schnell war ich ernüchtert, denn Carmen ist gefrustet: der Laden schreibt immer noch keine schwarzen Zahlen, und wenn, dann viel zu wenig, um evt. eine Lohnerhöhung zu bekommen. Die wär nötig damit sie sich eine Wohnung suchen kann - sie muss bei ihrer Schwester ausziehen, da diese nach dem Mutterschaftsurlaub wieder zu arbeiten beginnt und ein Babysitter eingestellt wird. Dieser ist eine coole Socke und bleibt leider das einzige Highlight im Roman.

In der Liebe sieht es auch nicht gut aus, da Oke anscheinend nicht weiter gehen will in ihrer Beziehung und dann quasi aussteigt: er nimmt sehr spontan an einer Expedition teil. Auf eine solche, aber zum Nordpol, möchte Carmens Chef McCredie; aber es fehlt natürlich wie immer an Geld. Dieses ist auch der Grund wieso der Eisenwarenhandel in der Nachbarschaft von einer Kette übernommen und zum kitschigen und billigen Souvenir-Shop umfunktioniert wird. 

Von Seite zu Seite nur negative Vibes. Mir war das viel zu viel Schwarzmalerei und ich hätte deswegen das Buch fast abgebrochen, bis mir klar wurde, dass die Autorin hier mit dem Begriff "Weihnachtsgrinch" spielt (und ihn leider aufs Äusserste strapaziert). In diesem Fall muss die Storyline ja irgendwann wieder ins Positive schwenken, dachte ich mir, und so las ich weiter. 

Die Wende kam leider erst sehr spät und sie hat zwar für eine bessere Bewertung meinerseits geführt, aber begeistert bin ich von diesem zweiten Band leider nicht. Hätte die deprimierte Protagonistin ganz einfach nur das Gespräch mit ihrem Partner gesucht (Obe ist diesbezüglich ebenfalls schuldig), dann wär wenigstens dieses Paar halbwegs glücklich gewesen. Aufregungen und Probleme gab es ohne ihre Beziehungsschwierigkeiten schon zuhauf. 

Beim letzten Band hätte ich mich am liebsten sofort nach Edinburgh aufgemacht - hier war ich froh, dass ich da nicht hin muss. 

Fazit: Nur das Ende rettet die Story und deshalb doch noch knapp 3.5 Punkte. 


Reihenfolge:
Band 2: Winterträume in der kleinen Buchhandlung 

Samstag, 4. Februar 2023

Ein neuer Sommer in der kleinen Bäckerei von Jenny Colgan (Strandweg 4)

Klappentext:
Kleine Häuschen in Hellblau oder Zitronengelb, unberührte Natur überall – als Marisa Rossi auf der zauberhaften Insel ankommt, nimmt sie das alles kaum wahr. Seit dem Tod ihres geliebten Großvaters steht sie neben sich. Selbst das Kochen köstlicher italienischer Gerichte, sonst ihre Leidenschaft, ist ihr jetzt zu viel. Hier, am Ende der Welt, will sie sich neu erfinden. Doch das erweist sich als schwierig, denn ihr Nachbar ist ein attraktiver russischer Klavierlehrer, der lautstark bis in die Nacht komponiert. Nur zaghaft knüpft Marisa neue Freundschaften. So zu Polly, deren kleine Bäckerei am Strandweg dringend neue Ideen bräuchte. Mehr Pepp ist gefragt, mehr Leichtigkeit, mehr ... dolce vita?


Unerwartet für mich ging es mit der kleinen Bäckerei am Strandweg weiter. Dieses Mal stehen aber andere Charaktere im Vordergrund. Deshalb könnte man diesen Band auch ohne Vorkenntnisse der Vorgänger lesen. Interessanter ist es aber auf jeden Fall, wenn man die Hintergründe der Bäckerei, die Geschichte mit dem Leuchtturm, die diversen Turbulenzen auf der Gezeiteninsel und "Neil, the Puffin" bereits kennt. 

Marisa Rossi, die sich nach dem Tod ihres Grossvaters in einem Loch befindet, lässt sich auf einen Tausch mit ihrem WG-Genossen ein. Marisa soll nach Cornwall in einen Bungalow ziehen, der seiner Familie gehört, damit seine Freunde bei ihm in der Londoner WG wohnen können. Marisa lässt sich darauf ein. Da sie kaum mehr rausgeht, kommt es ja nicht drauf an, wo sie wohnt. 

Die Ruhe, die sie wollte, findet sie in Mount Polbearne allerdings nicht, denn nebenan wohnt der laute russische Klavierlehrer Alexei. Tagsüber spielen seine Schüler, abends und nachts er selbst. Marisa getraut sich nicht, etwas zu sagen, nur langsam nimmt sie Kontakt zu ihm auf. Und dies auch nur auf Druck ihrer italienischen Grossmutter, mit der sie oft telefoniert.

Es war schön zu sehen, wie Marisa langsam wieder Lebensmut erlangt und auch Alexei sich anderen gegenüber öffnet. Dazu trägt natürlich auch die kleine Bäckerei teil. Polly arbeitet wie immer zu viel und könnte Hilfe gebrauchen.

Langweilig wird es hier nicht - nicht nur bei den neuen Nachbarn läuft viel, auch bei Polly zuhause. Ein Leuchtturm ist ja nur bedingt geeignet um Kinder grosszuziehen, und so erleben Polly und Huckles Kinder Avery und Daisy zusammen mit Papageientaucher Neil einige Abenteuer. 

Für einmal gebührt aber nicht Neil die Ehre als geheimen Star des Romans, sondern Marisas Grossmutter. 

Jenny Colgan schreckt nie davor zurück, Charaktere mit wirklichen Problemen, hier eine Angststörung, einzubauen und präsentiert uns einen Roman über unterschiedliche Kulturen, Freundschaft und on the top: gutem Essen. Die Seiten sind gefüllt mit einer schönen, herzerwärmenden Story und wie immer ist alles charmant mit einer grossen Portion Humor verpackt.

Fazit: Wer eine aufmunternde Geschichte lesen möchte, und die Welt da draussen für einige Stunden vergessen will, sollte hier unbedingt zugreifen. 
4 Punkte. 

Reihenfolge:


Mittwoch, 9. November 2022

Weihnachten in der kleinen Buchhandlung von Jenny Colgan (Happy Ever After 4 / The Christmas Bookshop 1)

Klappentext:
Als das Londoner Kaufhaus, in dem Carmen gearbeitet hat, kurz vor Weihnachten seine Pforten schließt, zieht sie widerstrebend zu ihrer Schwester nach Edinburgh. Sie soll dort eine kleine Buchhandlung übernehmen. Der Laden hat jedoch schon bessere Tage gesehen, es droht der Verkauf – wenn nicht ein Wunder geschieht.  Carmen will schon alles hinwerfen, doch dann lässt sie sich bezaubern: von den verschneiten Straßen der Stadt, vom Charme der altmodischen Buchhandlung – und von dem attraktiven Star-Autor, der dort plötzlich auftaucht. Ob die Magie der Weihnacht ein Wunder wahr werden lässt?



"Weihnachten in der kleinen Buchhandlung" gehört zwar zur "Happy Ever After"-Reihe, kann aber unabhängig von der Reihe gelesen werden. Gemeinsam haben sie nur die Buchhandlung und Schottland - und einige kurze Auftritte von Ramsay, einmal sogar mit den Jungs Patrick und Hari. 

Was könnte besser zur Adventszeit passen als eine Buchhandlung und einen anwesenden, aber doch abwesenden Besitzer, hier in der Gestalt von Mister McCredie, der lieber selbst die Bücher behält, als sie verkauft. 

Die Autorin stellt ihm Carmen zur Seite, die, nachdem sie ihren Job in einem Kaufhaus verliert, ein Jobangebot ihrer Schwester Sofia in Schottland missbilligend annimmt. Als Kurzwaren-Verkäuferin hat Carmen zwar keine Ahnung über die Arbeit in einer Buchhandlung, doch als sie eben jene betritt, sieht selbst sie, dass es kein Wunder ist, dass die Kunden fern bleiben. Mit viel Elan, aber trotzdem mit einem Groll im Magen gegen ihre Schwester, versucht sie das Beste aus der Situation zu machen und Schwung in den Laden zu bringen. 

Nicht nur in den Laden bringt sie Schwung mit, sondern auch ins gestylte Haus ihrer erfolgreichen Schwester Sofia, die schon immer ganz anders war als Carmen. Jene ist mit dem vierten Kind schwanger, der Ehemann gerade beruflich im Ausland, wird durch eine Nanny, die yogagestählte Studentin Skylar, mit den Kindern unterstützt. Chips essen kommt nicht in Frage und auch die Fernsehzeit ist für die Kids streng begrenzt, und was sie sehen wird sowieso von Skylar und Sofia zensiert. Für die beiden ist das kein Schwung, sondern Chaos, das Carmen verströmt. 

Da wundert es niemanden, dass Carmen sich in der Buchhandlung und deren Nachbarschaft in der Edinburgher Altstadt immer wohler fühlt. Sie freundet sich mit einem Dendrologen (Baumforscher) an, aber auch mit einem sehr speziellen Ratgeber-Autoren, deren Absichten Carmen schnell klar wird. Aber witzig ist der Typ halt doch!

Die schöne Geschichte um Carmen und die Buchhandlung wird durch das tolle Setting, das adventliche Edinburgh im Schneegestöber, unterstützt. Diesem Zauber kann man sich als Leserin kaum entziehen und nur zu gerne würde man durch die Strassen Edinburghs flanieren und sich eine heisse Schokolade gönnen und sich die Nase am Schaufenster von Carmens Buchhandlung platt drücken. Gefolgt von einem Besuch im Innern der Buchhandlung natürlich. 

Jenny Colgan hat eine tolle weihnachtliche Geschichte aufs Papier gebracht, humorvoll, aber auch mit vielen tiefergehenden Inputs. 

Den Hexenladen nebenan hätte es für mich nicht gebraucht, ein Dekoladen hätte meiner Meinung nach besser gepasst. Aber das ist ein Detail, das nicht so viel Raum einnimmt. Weniger zur Seite schieben konnte ich Okes Herkunft Brasilien und seinem Weltbild als Quäker, also seinem Glauben (den er dann doch nicht so richtig hat, sondern mehr traditionell so denkt weil er so aufgewachsen ist). Quäker und Brasilien passt für mich nicht zusammen, die Autorin hätte beides weglassen und ihn einfach nur einen Baumforscher sein lassen können. Colgan geht es mit seiner Herkunft wohl einfach nur um die Rituallosigkeit, doch das hätte sie sicher auch anders hinbekommen. 

Wenn man diese beiden Kritikpunkte zur Seite legt, ist es ein sehr schöner Weihnachtsroman, der mit seiner Atmosphäre und den unterschiedlichen Figuren überzeugt. Wer sich nach Schnee und Christkindlimarkt-Feeling sehnt, weil beides zu Weihnachten einfach dazu gehört, der muss sich "Weihnachen in der kleinen Buchhandlung" unbedingt schnappen und lesen. Damit man sich u.a. Mister McCredie in (vererbter, uralter) Rentierfellkleidung nicht verpasst - ich konnte ihn mir bildlich vorstellen, perfekter geht ein britischer Buchhändler-Weihnachtsmann nicht. 

Der beste Zeitpunkt um den Roman zu lesen ist im November, denn dann startet er auch. Und endet an Weihnachten rum, aber da verrate ich ja nicht etwas Überraschendes. 

Fazit: Weihnachtsatmosphäre in Edinburgh erleben? Spart euch das Flugticket und liest stattdessen diesen bezaubernden Roman. 
4 Punkte. 



Donnerstag, 28. Oktober 2021

Weihnachten im kleinen Inselhotel von Jenny Colgan (Floras Küche 4)

Klappentext:
Ein festlich geschmückter Kamin mit prasselndem Feuer, ein köstliches Weihnachtsmenü und glückliche Gäste – so soll „The Rock“, das neue Hotel auf der kleinen schottischen Insel Mure, an den Feiertagen erstrahlen. Doch wenige Wochen vor dem Fest ist das Hotel noch weit von dieser Idylle entfernt, und zwischen dem Hotelpersonal kracht es gewaltig. Denn mit einem launischen französischen Chefkoch, der schüchternen Isla aus dem kleinen Café der Insel und einem norwegischen Küchengehilfen, der nichts anderes ist als ein waschechter Prinz, prallen Welten aufeinander. Cafébesitzerin Flora und ihr Bruder Fintan müssen alle Register ziehen, damit „The Rock“ rechtzeitig eröffnen und ihre Familie wahres Weihnachtsglück erleben kann.

Eigentlich sollte das Hotel auf Mure an Weihnachten eröffnen, doch Fintan steckt knietief in seiner Trauer und hat keine Lust auf nichts. Immerhin hat er sich um einen Küchenchef gekümmert. Gaspard, ein ziemlich spezieller Franzose, ein Drama-King - aber wer will schon freiwillig auf eine abgelegene Insel ziehen? 

Fintan will doch bloss wieder Käse herstellen, kein Hotel führen, doch sein verstorbener Ehemann Colton hat es ihm vermacht. Flora kann die Null-Bock-Mentalität ihres Bruders nicht mitansehen und nimmt die Sache in ihre Hand, obwohl sie noch in Elternzeit wäre. Flora lässt Isla anstatt im Café am Hafen in der Hotelküche mitarbeiten, Joel verhilft zu einer Küchenhilfe. Es ist ein junger total verwöhnter Norweger, Konstantin, von seinem schwerreichen Vater zum Arbeiten verdonnert. Vom Playboy zum Tellerboy - welch Karriere!

Joel hingegen sollte sich um eine Weihnachtsbeleuchtung für Mure kümmern, ebenfalls ein Vermächtnis von Colton. Aber so kurz vor der Weihnachtszeit ist in ganz England nichts mehr zu bekommen.

Ihr seht, auf Mure schlagen sich also gerade alle irgendwie durch. Auch andere Bekannte aus den vorherigen Bänden kommen wieder vor, Agot oder auch Jan, natürlich Lorna und Saif und einige mehr.

Bis zu der Eröffnung am ersten Weihnachtstag gibt es mehr als genug zu tun. Wir Leserinnen haben nicht nur das Vergnügen, das vorprogrammierte Chaos zu verfolgen, sondern auch einige Verwandlungen zu erleben und eine kleine, süsse Lovestory zu begleiten. Wenn ihr gerade selbst im Chaos versinkt: dieser Ausflug nach Mure ist der ideale Zeitvertreib um euch davon abzulenken!

"Weihnachten im kleinen Inselhotel" fühlt sich an wie ein Nachhausekommen. Es ist die perfekte Lektüre für einen grauen Herbsttag - immer im Hinterkopf, dass es auf Mure noch dunkler und vor allem viel kälter sein könnte als bei uns. Jenny Colgan bringt die Insel-Atmosphäre auf den Punkt und ihre vielfältigen Charakter sorgen immer wieder für Überraschungen. 

Es hörte sich am Ende ein wenig an, als ob man mit noch einem Roman rechnen dürfte - ich würde mich jedenfalls freuen, von Zeit zu Zeit die Entwicklungen auf Mure weiter verfolgen zu können. 

Fazit: Herzerwärmend und gemütlich - lasst euch von der kleinen Insel Mure und seinen Bewohnern bezirzen.
5 Punkte. 

 

Mittwoch, 10. März 2021

Wo Geschichten neu beginnen von Jenny Colgan (Happy Ever After 3)

Klappentext:
Die Londoner Krankenschwester Lissa kümmert sich um alle, nur zu wenig um sich selbst. Erst ein traumatisches Erlebnis macht ihr klar, dass sie eine Auszeit braucht: irgendwo, wo es ruhig ist, alle nett zueinander sind und der Himmel unendlich scheint. Das schottische Heimatdorf des Ex-Soldaten Cormac ist Idylle pur, aber ihm fehlen neue Impulse. So tauschen die beiden für drei Monate ihre Wohnungen. Per Mail helfen sie einander, sich in der jeweils neuen Heimat zurechtzufinden. Anfangs geht es um ganz alltägliche Fragen, doch aus dem leichten Geplauder wird nach und nach mehr: Was als kleine Atempause startet, wird zum Beginn einer ganz neuen Geschichte.


Der Bus ist wieder unterwegs! Allerdings nicht der Bücherbus, obwohl es natürlich ein Wiedersehen mit Nina und Zoe aus den ersten beiden Bänden gibt, sondern der Sanitätsbus - naja, ehrlich gesagt ist es ein ganz normales Auto, mit dem Lissa zur Arbeit fährt, aber die vier Räder hat ihr Auto mit dem Bus gemeinsam. 

Lissa ist mobile Krankenschwester, macht Nachbehandlungen und somit Hausbesuche. Als sie nach einem traumatischen Ereignis nicht mehr dieselbe ist und ihre Arbeit darunter leidet, wird sie vom NHS angefragt, ob sie nicht für drei Monate einen Jobtausch machen möchte, um zur Ruhe zu kommen. 

Tauschen soll sie mit dem Schotten Cormac, der ihr Berufszwilling ist. Er lebt im, den Lesern bekannten und, sehr beschaulichen schottischen Kirrinfief und macht den gleichen Job wie Lissa. Nur in der viel ruhigeren Landleben-Atmosphäre als Lissa im hektischen London. Auch er braucht dringend mal einen Tapetenwechsel und so geht es sehr schnell, bis die beiden ihre Plätze und Wohnungen tauschen. 

Die Gegenüberstellung zwischen dem urbanen London und dem schottischen Hochland ist der Autorin gut gelungen. Es gibt kein besser oder schlechter, nur ein anders. Wie sich Cormac in London schlägt und wie es Lissa in Schottland gefällt, und wie die beiden sich per Chat austauschen, erst misstrauisch, dann immer offener, wird sehr schön erzählt.

Der Schreibstil von Jenny Colgan gefällt mir wie immer sehr gut. Mal schreibt sie aus Lissas, mal aus Cormacs Sicht und manchmal auch aus der von beiden und spricht die Leserinnen direkt an. Letzteres mag ich normalerweise nicht, aber bei Colgan passt es einfach, wenn sie dies als Stilmittel benutzt. So flog ich fast durch die 512 Seiten. Die erzählte Geschichte war auch einfach viel zu interessant, um lange Lesepausen einzulegen.

"Wo Geschichten neu beginnen" hat bedingt durch den Beruf der Protagonisten eine viel tiefere Ebene als man sich von früheren Büchern der Autorin gewohnt ist.

Trotzdem kommt der Humor nicht zu kurz. Nur schon die kulturellen Unterschiede zwischen den Engländern und den Schotten sorgen für einige Missverständnisse bei den Beteiligten und viele Lacher bei den Leserinnen. 

Die teilweise schweren Themen werden gut angegangen, so dass dieser Jobtausch-Roman auf eine spezielle und ruhige Art gleichzeitig leicht romantisch und doch sehr real daher kommt. 

Fazit: Dieser emotionale und amüsante schottisch-englische Jobtausch ist seine Lesezeit mehr als wert. 
5 Punkte. 


Man die Serie einzeln lesen, da jede Geschichte in sich abgeschlossen ist, doch es macht viel mehr Spass, sie in der richtigen Reihenfolge zu lesen, denn man begegnet den Protagonisten und Nebenfiguren immer wieder.
Band 4 und 5 haben eigentlich gar nichts damit zu tun, werden vom deutschen Verlag aber als zur Serie zugehörig gehandelt. 

Dienstag, 11. August 2020

Wo dich das Leben anlächelt von Jenny Colgan (Happy Ever After 2)

Klappentext:
Das Leben ist kein Streichelzoo für die alleinerziehende Mutter Zoe. Als Betreuerin in einer Londoner Luxus-Kita machen ihr die verwöhnten Sprösslinge und deren Eltern gleichermaßen das Leben zur Hölle. Ihre Miete ist schon wieder gestiegen, und ihr vierjähriger Sohn weigert sich zu sprechen. Das Angebot, eine fahrende Buchhandlung im idyllischen Schottland zu übernehmen und die drei Kinder eines Schlossherrn zu betreuen, scheint da ein wahrer Traum. Doch die Realität sieht anders aus: Die Kinder wollen Zoe schnellstmöglich wieder loswerden, ihr Arbeitgeber ist zwar attraktiv, aber scheint sie nicht zu mögen, und das Schloss in einem beklagenswerten Zustand. Erst eine geniale Geschäftsidee, ein dramatisches Ereignis und eine Liebeserklärung machen Schottland zum Land von Zoes Träumen.

Der Bücherbus fährt wieder! Allerdings sitzt nun nicht Nina, sondern Zoe am Steuer. Nicht nur das Fahren des Ungetüms, auch alles andere besitzt seine Tücken. 

Da wäre das Huhn, das immer im Wege sitzt; die schwierige Kundschaft, die sich nur von Nina bedienen lassen will; dann ihre andere neue Stelle als Au-Pair in einem Herrenhaus mit drei unerzogenen Kindern. Zudem ihr ständiges Ärgernis: der Vater ihres Sohnes, der sein Geld für sich selbst und eine mögliche DJ-Zukunft ausgibt, anstatt seinen Sohn zu unterstützen. Hari ist vier und spricht nicht. Doch im gleichaltrigen Patrick findet er in seinem neuen Zuhause einen Freund. Immerhin, denn Zoe fühlt sich fast noch einsamer als in London. 

Aber ihr bleibt nichts anderes übrig und so dreht Zoe das Steuer um: sie gibt den Kindern Regeln vor und sucht sich mit dem Bücherbus eine andere Nische. Wird Zoe damit Erfolg haben oder ist "Nanny Sieben", wie sie von den Kindern genannt wird, auch bald Geschichte und muss zurück in die Grossstadt?

Dieser zweite Teil der Happy Ever After-Serie hat mir ausgesprochen gut gefallen. Viel besser als der erste Teil, der sehr märchenhaft und manchmal ein wenig abgehoben daher kam. Denn "Wo dich das Leben anlächelt" ist bodenständig und zeigt echte Probleme auf - und Lösungsansätze.

Gemeinsam haben die beiden Teile die Liebe zu Büchern, die hier - neben dem Bücherbus - in Form von Leseratte Zoe und Antiquar Ramsay auftreten.

Ramsay gewährt aber niemandem Zugang zu seiner Bibliothek. Diesbezüglich kommt Zoe auf tolle Ideen, mit der sie das Leben für alle einfacher und lebenswerter machen kann. Denn die Herrenhaus-Geschichte basiert auf traurigen Begebenheiten, die anstatt verarbeitet, aus Niedergeschlagenheit tot geschwiegen wurden, mit tragischen Folgen für die ganze Familie.

Das Setting ist toll, vor allem weil das Herrenhaus am Loch Ness liegt. Aber auch die Geschichte überzeugt total und spätestens nach dem Lesen dieses Romans möchte ich das Loch Ness mal mit eigenen Augen sehen. 

Fazit: Viel zu schnell ausgelesen war die emotionale Geschichte mit Nanny Sieben am Steuer des Bücherbusses.  
5 Punkte.

Freitag, 6. März 2020

Wo das Glück zu Hause ist von Jenny Colgan (Happy ever After 1)

Klappentext:
Bibliothekarin Nina weiß genau, was ihre Kundinnen lesen sollten, was gegen Liebeskummer hilft oder Trübsal vertreibt. Doch als die Bibliothek geschlossen und Nina arbeitslos wird, helfen Bücher ihr auch nicht weiter. Oder vielleicht doch? Nina eröffnet ihre ganz besondere eigene Buchhandlung: Mit einem Bücherbus kutschiert sie durch die schottischen Highlands, um Leser mit Lektüre zu versorgen – nur um festzustellen, dass das Happy End im wahren Leben komplizierter ist als in manchen Romanen. Glücklicherweise gibt es da den zwar etwas mürrischen, aber dafür extrem attraktiven Farmer von nebenan, der sie aus so mancher Notlage rettet.   


Fast wie ein Märchen mutet Jenny Colgans neuer Roman an. Denn wo gibt es noch Züge, die nachts einfach irgendwo anhalten können ohne den Fahrplan minutiös einhalten zu müssen?

So ein bisschen Märchen und heile Welt vermittelt "Wo das Glück zu Hause ist" ja auch. Wenn man das Cover betrachtet, entdeckt man ganz viel - ein Bus, zwei Häuser, Schafe, Hügel, Bäume, Bücher und eine lesende Frau. Um all das geht es in der Geschichte. Wer sich wundert, was der Stempel "Happy ever after" auf dem Cover neben dem Titel soll: auch der passt dazu, denn Ninas mobile Buchhandlung wird so heissen. 

Doch bevor es soweit ist, muss Nina erst die ganze Neustrukturierung ihrer Bibliothek, in der sie in Birmingham arbeitet, durchlaufen. Sie ahnt, dass sie danach im neuen Zentrum keinen Job erhält. Auch zuhause in der WG läufts nicht gut - ihre vielen Bücher könnten die Decke zusammen stürzen lassen. Aber ihr kleines Auto ist bereits voller Bücher. Wohin damit? Sie sucht einen Bus, in dem sie für alle Bücher Platz hätte. So einen findet sie, doch der Bus steht in Schottland. Und der ist so gross, dass sie eine verwegene Idee hat: eine Bus-Bücherbuchhandlung, mit dem sie von Markt zu Markt fahren kann. 

Doch da Nina sich das Fahren mit dem Ungetüm noch nicht zutraut und auch ihre Bücher alle noch in Birmingham sind, mietet sie sich kurzfristig in die Ferienwohnung auf dem Hof von Bauer Lennox ein und gewöhnt sich ans Landleben. Natürlich gibt es einige Auf und Abs bis endlich alles so ist, wie Nina es sich wünscht.

Im Roman gibt es scheue, biestige, herzensgute, misstrauische, kratzbürstige, brummlige, romantische, hochnäsige, unsichere, gemütliche und einfach nur nette Charaktere. Leider werden die einen im Verlaufe der Geschichte links liegen gelassen, was ich sehr schade finde. Am Ende vermisste ich die einen oder anderen, da hätte ich zu jedem noch einige Sätze erwartet, um den Roman wirklich rund enden zu lassen. 

Und irgendwie hätte ich mir noch mehr "Baumszenen" gewünscht (die, die es schon gelesen haben wissen was ich meine) - ich fand diesen Schauplatz soooooo toll! - oder zumindest am Schluss eine Verbindung, denn wenn ich nun an den Roman zurück denke, erinnere ich mich vor allem an die Baumszenen (lasst euch überraschen!) und an Nina, wie sie auf den Stufen ihres Buses sitzt und aus ihrem Lieblingsbuch vorliest. 

Dennoch hat Jenny Colgan mit "Wo das Glück zu Hause ist" ein Wohlfühlbuch geschrieben, ein Buch für BücherliebhaberInnen. Und alle, die das Romantik-Gen in sich tragen, werden beim Lesen glücklich werden. 

Fazit: Märchenhaft anmutende BücherliebhaberInnen-Story.
4 Punkte.


Donnerstag, 10. Oktober 2019

Weihnachten in der kleinen Sommerküche am Meer von Jenny Colgan (Floras Küche 3)

Klappentext:
Winterzeit auf der schottischen Insel Mure ist wunderbar! Während draussen Stürme toben, kuschelt man sich vor dem Kamin so richtig ein, mit Menschen, die man liebt, und geniesst regionale Köstlichkeiten von Weihnachts-Shortbread bis Whiskypunsch. Doch der Zauber der Vorweihnachtszeit kann sich nicht so recht entfalten, wenn man ungeplant vom Ex-Boss und heutigen Liebsten schwanger ist und nicht weiß, wie man es ihm sagen soll. Für Flora, in deren Café die Vorweihnachtszeit eigentlich ein Fest voller Wärme, Düfte und Atmosphäre sein könnte, beginnt ein Ringen mit sich selbst und ein Warten auf den richtigen Moment.




Nach all den Hochzeiten im zweiten Band sind wir nun zurück auf der kleinen schottischen Insel Mure. Diesmal ist es bitter kalt, Weihnachten steht vor der Türe. Die Weihnachtsvorbereitungen laufen auf Hochtouren, insbesondere in der Schule. Lorna probt mit ihren Schülern wie jedes Jahr das Krippenspiel. Dabei plant sie auch Ash und Ib ein. Saif hat keinen Schimmer, was in der Schule läuft, da er sich von Lorna fern hält. Ausserdem hat er ganz schön viel zu tun. Neben der Arbeit in der Praxis fährt er täglich mehrmals nach The Rock raus um Colton beizustehen, der immer schwächer wird und von der Krankheit gezeichnet ist.

Fintan weicht kaum mehr von Coltons Seite, und Joel ist weiterhin im Auftrag von Colton unterwegs, so dass die beiden nicht mitbekommen, wie es um Flora steht. Sie ist schwanger und hat Angst vor Joels Reaktion. Deshalb weiss auch nur Lorna davon. Lorna ist zuerst ein wenig eifersüchtig, aber mehr weil sie so hoffnungslos in Saif verliebt ist und ihn meidet.

Eines Tages trifft Tripp auf der Insel ein. Er ist Coltons Bruder und will ihn im Namen der Familie eigentlich um Geld anpumpen, doch weiss er weder, dass Colton verheiratet noch dass er sehr krank ist. Tripps unüberlegte Aussagen im Dorf sorgen dafür, dass er in einigen Geschäften nicht mehr bedient wird. Da sind sie hart, die Murer!

Die Weihnachtsstimmung könnte ob all der Probleme fast flöten gehen, doch Jenny Colgan schafft es zum Glück diese beizuhalten.

Trotzdem muss ich einige Kritik äussern. Flora und Joel haben noch immer eine komische Beziehung und Joel ist weitgehend abwesend. Joels (oder besser gesagt, seine nicht-)Reaktion fand ich übertrieben dargestellt, das wirkte wenig glaubhaft. Zudem nervte er mich, weil er nur an sich dachte. Flora hält sich leider sehr zurück. 

Probleme hatte ich auch mit der Reaktion von Ib und Saif über das Krippenspiel. Irgendjemand hätte doch fähig sein müssen, mit Saif und den Kindern darüber zu reden. Dann hätten Ib oder auch Saif Ideen beitragen können, so dass am Ende alle etwas gelernt hätten. Dieser Clinch fand ich zu oberflächlich, obwohl eine ganz andere Szene von Saif in Glasgow sehr gut beschrieben war.

Ausser Tripp waren auch noch einige Russen auf der Insel, die es vor allem Isla und Iona angetan haben. Ich bin nicht drausgekommen, was die Russen nun wirklich sind oder sein sollten. Diese Episode hätte es nicht gebraucht. Mir wäre es lieber gewesen, wenn die Autorin anstatt dem Russenvergnügen mehr Sorgfalt auf andere Erzählstränge gelegt hätte.

Das Ende ist sehr weihnachtlich und versöhnlich. Aber da einiges offen bleibt, ist es ist nicht klar, ob die Serie nun zu Ende ist oder nicht. Eigentlich dachte ich, dass "Weihnachten in der kleinen Sommerküche am Meer" der letzte Teil ist, aber die Autorin lässt sich zumindest noch einige Türen offen für weitere Bände. 

An diesem dritten Band gefiel mir vor allem die Einleitung, in der Hund Bramble die Leser über Mure führt. Das war wunderschön und ist Jenny Colgan super gelungen. Die Beschreibungen, wie die Murer die Wege für die Schulkinder mit Lichter und Laternen geschmückt haben, sind auch sehr atmosphärisch. Ebenso hat Tripps Figurentwicklung viel mit der Ruhe und dem Wetter auf der kleinen Insel zu tun. Nicht nur er, auch Mark und Marsha lassen sich vom Zauber der Insel zur Weihnachtszeit gefangen nehmen. 

Fazit: Nicht mehr so emotional wie der zweite Band, aber nett. Die Geschichte gewinnt vor allem durch die Landschaftsschilderung und Brambles Spaziergänge durchs Dorf. 
4 Punkte.


Freitag, 7. Juni 2019

Hochzeit in der kleinen Sommerküche am Meer von Jenny Colgan (Floras Küche 2)

Klappentext:
Mit ihren hellrosa Wänden, der Theke voller duftender Scones, Kuchen und Quiches sowie den urigen Steingutbechern für den Tee ist Floras kleine Sommerküche auf der Insel Mure inzwischen ein beliebter Treffpunkt von Einheimischen und Touristen. Neben ihrem Café, ihrem Hof und der Wettervorhersage, gehört jedoch auch Joel, ihr ehemaliger Chef und heutiger Freund zu Floras Universum. Nur ist er beruflich allzu oft in der Welt unterwegs – und während Flora unter diesen ständigen Trennungen leidet, scheint er davon unberührt. Es braucht einen ganzen Sommer, eine Hochzeit und eine Beinahe-Katastrophe, bis er erkennt, dass er kurz davor ist, Flora zu verlieren.



Die Hochzeitsglocken läuten auf Mure, gleich zweimal - bloss nicht für Flora. Denn Joel muss als Coltons Anwalt an dessen Seite reisen und hält sich auch noch länger als geplant in New York auf. Beide sind unglücklich damit und geben sich ihren Gedanken hin, beide denken, dass sie den andern nicht verdient haben.

Während Flora denkt, dass sie ja nur eine unglamouröse Inseltochter ist, und eine Beziehung mit dem ehemaligen Chef doch nicht gutgehen kann, denkt derweil Joel, dass eine Person mit einer solchen Kindheit wie er keine Beziehung aufrecht erhalten kann und sich die Liebe von Flora nicht verdient hat. Ausserdem quält ihn ein Geheimnis, über das er aufgrund seiner anwaltlicher Schweigepflicht nicht reden darf. Es hat etwas mit einem Vertrag zu tun, den er für Colton aufsetzen muss.

Ja, und nun denkt der Leser - was das alle sein könnte, ob Colton ein falsches Spiel spielt oder oder... Das Gedankenkarussell dreht sich also auch beim Leser, bis am Ende das Geheimnis aufgelöst wird.

Lorna fühlt sich immer mehr zu Saif hingezogen, er auch zu ihr. Doch dann bekommt er die Nachricht, dass wohl seine Kinder gefunden wurden. Das ändert alles.

Der bis über beide Ohren verliebte Fintan denkt nicht mehr nur ausschliesslich an Käse, sondern auch an Colton. Colton kommt teilweise fast wie Reuben (aus der anderen Serie) sehr egoistisch rüber. Und alle warten auf die hoffentlich baldige Eröffnung von The Rock.

An den Nebenschauplätzen haben sich prominent Jan und Charlie hingesetzt. Jan versprüht wie eh und je ihre Giftigkeit, Charlie hat nicht mehr viel zu sagen. Agot verbringt viel Zeit bei Innes, ich hoffe, dass sich da dann noch etwas ändert im dritten Teil. Das Kind gehört fix auf die Insel.

Jenny Colgan hat viel reingepackt in "Hochzeit in der kleinen Sommerküche am Meer". Das Buch ist vielschichtig, auch wenn mir die vielen Wiederholungen explizit von Joels schwerer Kindheit völlig unnötig erschienen, da sie ja schon im ersten Band erwähnt werden. Dafür fand ich es sehr glaubwürdig, wie die Autorin das Einleben von Einwandererkinder beschrieben hat.

Dieser zweite Band schliesst sich direkt an den ersten Band an, die Geschichte wird tiefer und komplexer und kommt mit all den traumatischen Aufarbeitungen eher traurig daher. Gegen Ende wird der Roman spannend und liebend gern hätte ich gleich im dritten Band weiter gelesen, der leider erst im Oktober erscheint.

Fazit: Viel los auf Mure - emotional tiefer und trauriger als der erste Band. 
4 Punkte.


Dienstag, 30. Oktober 2018

Begegnung in der kleinen Sommerküche am Meer von Jenny Colgan (Floras Küche 1.5)

Klappentext:
Lorna lebt auf der kleinen schottischen Insel Mure, die sie über alles liebt, auf der sie aber auch ein wenig einsam ist. Und: Mure braucht dringend einen neuen Arzt, da sich der örtliche Arzt zur Ruhe setzt - aber niemand will auf die abgelegene Insel. In einem weit entfernten überfüllten Flüchtlingscamp wird man auf Saif aufmerksam, der sich hochprofessionell um die schwer verletzte Hand eines kleinen Jungen kümmert. Saif ist ein Flüchtling und Arzt: Er soll die Lücke auf Mure füllen. Bei einer tragischen Begegnung lernen sich Lorna und Saif besser kenen. Und nun schlägt Lornas Herz schneller, wenn Saif in der Nähe ist. Doch kann er seine tragische Vergangenheit verarbeiten und sein Herz für sie öffnen?


Diese Kurzgeschichte soll uns Leser die Wartezeit auf den zweiten Teil der Sommerküche verkürzen. 

Auf diesen 100 Seiten Unterhaltungslektüre steht Lorna, die Insellehrerin im Vordergrund. Die Insel braucht dringend einen jungen Arzt, aber welcher Arzt gibt schon sein Leben auf dem Festland auf, um auf dieser abgelegenen Insel immer die gleichen vier, fünf Handvoll Patienten zu behandeln? So schicken die Behörden Saif, ein aus Syrien geflüchteter Arzt, nach Mure. 

Saif will sich nie wieder in ein Schiff setzen - doch einen anderen Weg als nach Mure zu kommen, gibt es nicht. Und wenn er da nicht hin geht, wird er abgewiesen. Jetzt heisst es sich seinen Schatten zu stellen.

Auch die Einwohner auf Mure müssen an ihren Vorurteilen arbeiten, denn nicht jeder will sich von einem "ausländischen" Arzt behandeln lassen. Lorna, die ihren Vater zum Arzt begleitet, macht zum Glück den ersten Schritt.

Sympathisch erzählt Jenny Colgan, wie beide Seiten langsam aufeinander zugehen und einander Zugeständnisse machen.

Fazit: Das mit dem "Wartezeit überbrücken" klappt nicht wirklich. Denn nach dieser kurzweiligen Lektüre will ich noch schneller wissen, wie es auf Mure weitergeht. 
4 Punkte.


Reihenfolge: 

Dienstag, 19. Juni 2018

Die kleine Sommerküche am Meer von Jenny Colgan (Floras Küche 1)

Klappentext:
Vom quirligen London zur entlegenen Insel Mure? Nein – nur widerwillig kehrt die junge Flora in ihre schottische Heimat zurück. Weder die unberührte Landschaft noch das glitzernde Meer können sie aufmuntern, während sie ihren geschwächten Vater und ihre Brüder versorgt. Doch dann entdeckt sie das alte Kochbuch ihrer verstorbenen Mutter, und als sie ein Rezept nach dem anderen ausprobiert, öffnet sich ihr Herz: für die Sinnlichkeit des Essens, für die Schönheit der Natur und für einen neuen Anfang.




Ein neuer Colgan-Roman auf Deutsch? Schottland, Kochbuch? Muss ich lesen!

Nach dem Tod ihrer Mutter zog die 26jährige Flora von der Insel Mure nach London, wo sie als Anwaltsgehilfin arbeitet. Sie ist mehr oder weniger zufrieden mit ihrem Leben, doch dann wird sie zurück geschickt. Ein Kunde der Kanzlei hat nämlich ein grosses Problem - Windanlagen sollen vor sein Anwesen auf der Insel hingestellt werden; das muss mit Hilfe der Anwaltskanzlei verhindert werden. Der Chefsekretärin fällt ein, dass sie eine Angestellte haben, die von dort kommt - Flora - und somit Heimvorteil hat. Doch Flora hat Bedenken und vermutet, dass die Bewohner sie seit ihrem abrupten Weggang nach der Beerdigung ihrer Mutter nicht mehr mögen. Während sie auf Mure darauf wartet, dass sich ihr Kunde Colton Rodgers endlich meldet, schlägt sie sich mit ihrem wortkargen Vater und ihren drei neidischen Brüdern herum. Flora würde am liebsten wieder abreisen. Immerhin freut sich Lorna, Lehrerin auf der Insel, dass ihre Freundin Flora wieder zurück ist. Dann taucht aber noch Joel Rodgers, Floras Chef, in den sie heimlich verliebt ist, auf. 

Der passt mit seinem feinen Anzug so gar nicht auf die Insel. Joel ist ein interessanter und fast der spannendste Charakter der Geschichte. Aber auch die anderen Figuren können sich sehen lassen, insbesondere Floras Bruder Fintan. Flora mochte ich sehr, ihre innere Zerrissenheit (fort von Zuhause - in der Grossstadt leben, dort aber auch nur arbeiten und nicht viel mehr anderes machen - Zuhause eingeengt sein, trotzdem die Umgebung und Freunde vermissen - das Gefühl nicht verstanden zu werden von ihrer Familie - Geschwisterstreit -etc.) wie auch die Umweltproblematik (Windpark ist einerseits nötig, andererseits verschandelt er die Umgebung) werden glaubhaft geschildert. Eigentlich könnte die Autorin über alle vorkommenden Figuren einzeln ein Buch füllen - soviel geben sie her! 

Ein wenig schade fand ich, dass hier auch wieder amerikanische Millionäre auftauchen müssen - okay, sie sind zumindest beide sympathischer als Reuben aus Jenny Colgans anderer Serie. Mir gefielen die vielen unterschiedlichen Figuren, die alle etwas anders vom Leben erwarten und andere Überlebensprobleme haben, aber trotzdem miteinander umgehen können und auch ihre Vorurteile abbauen.

Die schottische Insel Mure ist erfunden, aber die Autorin fängt die Atmosphäre der Insel wunderbar ein und lässt sie echt erscheinen. Sie beschönigt nichts, und lässt auch die Probleme auf einer abgeschiedenen Insel nicht aus: wenig Kinder, wenig Arbeitsmöglichkeiten, karges Land. 

Dieser Roman gefällt mir fast besser als der erste Teil der kleinen Strandbäckerei. Die Gemeinschaft auf Mure ist enger als in Polbearne miteinander verwebt. Und es wäre kein Colgan-Roman wenn keine Tiere auftauchen würden - im wahrsten Sinne des Wortes! Gern würde man nach der Lektüre sofort nach "Mure, der aus Wolken gewobene Ort" (Kindle, Pos. 3028) reisen und all die leckeren Speisen probieren, die im Roman vorkommen. Kulinarisch kommt der Leser total auf seine Kosten; am Ende finden sich wie immer einige Rezepte zum Nachkochen. 

"Die kleine Sommerküche am Meer" ist kein grosses Drama, aber eine schöne runde Story. Die vielen, toll ausgearbeiteten Details und Wendungen sorgen für kurzweilige Lesestunden. 

Fazit: Kühlschrank füllen, Telefon ausschalten und sich für die nächsten Stunden von der Umwelt zurückziehen - klappt mit diesem lesenswerten Roman bestens.
4.5 Punkte.


Mittwoch, 8. November 2017

Weihnachten in der kleinen Bäckerei am Strandweg von Jenny Colgan (Band 3)

Klappentext:
Es weihnachtet sehr an Cornwalls Küste, und Polly hat nur ein Ziel: Dieses Fest der Liebe muss das Beste aller Zeiten werden. Aber wann verläuft das Leben schon nach Plan? Prompt schneit ihre Freundin in der Bäckerei vorbei und vertraut ihr ein heikles Geheimnis an, das bald nicht mehr zu verbergen sein wird. Außerdem ist da noch die leidige Frage, wer die Bäckerei weiterführen darf. Wird es Polly trotzdem gelingen, mit ihrem Freund Huckle und Papageientaucher Neil das fröhlichste aller Feste zu feiern?




Der dritte und letzte Band der Strandbäckerei-Serie erschien im Oktober 2017 als einer der ersten Weihnachtsromane der Saison. Das Cover vermittelt eine gemütliche und ruhige Weihnachtszeit. Ganz so ruhig wird es aber nicht.
  
Polly freut sich auf ruhige Feiertage mit Huckle in ihrem Leuchtturm. Doch kaum haben sie einander ihre Vorfreude mitgeteilt, wird Polly zur Teilnahme des ersten karitativen Weihnachtsbazar von Mount Polbearne verpflichtet. Der Bazar wäre nicht das grösste Problem, doch die Standbetreiber müssen sämtliche Einnahmen abgeben. Das bedeutet Lohnausfall für Polly, die jeden Penny spart zur Renovation ihres Leuchtturms. Um Huckles Finanzen steht es auch nicht gut, der Honigverkauf wirft zu wenig ab und die Papageientaucher-Kolonie muss wohl schliessen, die Regierung muss sparen und streicht die Zuschüsse. 

Der Einzige, der gut bei Kasse ist, ist Reuben. Er möchte, dass Polly an den Weihnachtstagen seine Gäste bei ihm in der Villa verköstigt. Leider hat Polly zu wenig Schneid um ihm Paroli zu bieten und sich freie Tage zu gönnen. Die Bezahlung lockt und so wäre sie wenigstens bei Kerensa, die ein folgenschweres Geheimnis mit Polly teilt. Alsdann bekommt Polly einen Anruf von einer ihr fremden Frau - die Frau von Pollys unbekanntem Vater, der im Sterben liegt - von wegen also ruhige Weihnachtszeit.

Im Vorwort erklärt die Autorin, wie sie auf die Idee zu den Büchern gekommen ist. Im ersten Kapitel werden die zwei ersten Romane zusammengefasst - und auch im Rest des Buches wird immer wieder mal auf Vergangenes zurück geblickt. Somit kann das Buch gut ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Vielleicht ist es sogar besser, wenn man die Vorgänger nicht kennt. Denn dann fällt nicht auf, dass grosse Diskrepanzen zwischen Aussagen aus Band 1 und Band 3 bestehen und kann drüber hinweg lesen. 

Im ersten Band hiess es, dass Pollys Eltern nicht reich waren (Kindle Pos 678 bei 12%), dass ihr Vater ihr oft vorgelesen hätte und an einem Herzinfarkt starb als Polly Zwanzig war (Kindle Position 529 bei 9%). Im vorliegenden Band ist Pollys Mutter Doreen alleinstehend. Aus einem Kind mit Eltern wird ein Kind mit einer alleinerziehenden verbitterten Mutter - ja was denn nun? Es bleibt der Eindruck, die Autorin hätte Pollys Biografie vergessen und einfach noch schnell umgeschrieben, damit sie in die neue Story reinpasst, zu ihren Ideen zum Thema Familie. Kleinere Differenzen kann man einem Autoren ja noch verzeihen, aber so Grundlegendes wie hier - da werden die treuen Leser echt für blöd verkauft.

Auch zwischen Klappentext und Inhalt gibt es einen Fauxpas: "Außerdem ist da noch die leidige Frage, wer die Bäckerei weiterführen darf." Nein, diese Frage wird nicht gestellt - jedenfalls nicht im dritten Band, dies war Thema im zweiten Buch.

Jenny Colgan wollte hier das Thema Familie und Heirat in den Vordergrund stellen, was sie mit Biegen und Brechen geschafft hat. 

Polly ist aufgrund ihrer (neuen) Biografie unsicher, ob sie Huckle heiraten will. Sie hat Angst. Doch anstatt, dass sie darüber redet, verschliesst sie sich und packt sich einen Haufen zusätzlicher Arbeit auf. Huckle interpretiert alles falsch und dies führt logischerweise zu Missverständnissen, die schlussendlich den eigentlichen Plot dieses Weihnachtsromans ausmachen. 

Polly stellt das Wohlergehen anderer über das ihrige, was man nicht immer verstehen kann. Vermeidungstaktik - sonst müsste sie sich ja erklären. Mich hat es tierisch genervt, es las sich sehr substanzlos. 

Dazu kommt, dass Kerensa und  - viel mehr noch - Reuben alles dirigieren. Reuben finde ich in diesem dritten Teil einfach nur zum Kotzen, über alle Massen verwöhnt und noch überheblicher als früher. Kein Wunder bei seinen Eltern, die zu Besuch kommen. Wie Reuben hier mit Kerensa umgeht und wie er sie betitelt, macht ihn zu einem extrem unsympathischen Menschen. Ich frage mich, ob die Geschichte nicht viel stärker von einem nicht ganz so egoistischen, weniger übertrieben dargestellten Reuben profitiert hätte?

Abgesehen von den Diskrepanzen in Pollys Familienbeschreibungen hat mir die Geschichte rund um Pollys nun unbekanntem Vater und ihrer zurückgezogen lebenden Mutter gut gefallen und wirkte ehrlich.

Trotzdem empfand ich "Weihnachten in der kleinen Bäckerei am Strandweg" sehr oberflächlich. Emotionen - ausser negative Reuben gegenüber - konnten mir nicht vermittelt werden. Es wirkte, als ob Reubens gedankenlose Art auf die anderen Figuren übertragen wurde und vieles angeschnitten, aber nicht zu Ende gedacht wurde. 

Und dann wäre da ja noch Papageientaucher Neil - ihn bekommt man, wie auch die Bewohner von Mount Polbearne, kaum zu Gesicht, da das gesamte Buch entweder im Leuchtturm, in Reubens Villa, bei Doreen zuhause oder in einem Spital spielt. Für den letzten Band hätte ich von Mount Polbearne und auch Neil gerne ein wenig mehr mitbekommen. Immerhin ist das Ende süss und vereint was zusammengehört. 

Fazit: Ein sich zwar flüssig lesender, aber insgesamt oberflächlicher Abschluss der Bäckerei-am-Strandweg-Serie. 
3 Punkte.