Mittwoch, 30. Juni 2021

Lesebiografie und Monatsrückblick Juni 2021

Im Juni war von Himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt alles mit dabei:

Lockerungen betreffend den Corona-Massnahmen, stark sinkende Fallzahlen, ich habe die zweite Impfung erhalten (und bin den Tag danach mit Fieber flach gelegen). Dann, kaum ihr neuestes Buch "Die verschwundene Schwester" ausgelesen, der überraschende Tod von Autorin Lucinda Riley. Ich kann es jetzt noch kaum fassen und bin sehr traurig über diese schockierende Nachricht. 

Hitzetage wechselten sich mit vielen Unwettern inkl. Hagel ab (wobei wir hier noch viel Glück hatten und nicht viele Schäden im Vergleich zu anderen Regionen). Die gute Nachricht, dass sich nun auch Kinder ab 12 impfen lassen dürfen und ein paar Tage drauf freudig den Impftermin für die Tochter zu erhalten (morgen ist es soweit). Für uns Schweizer Emotionen pur bei der EM: zuerst ein lahmes Spiel gegen Wales, im nächsten standen unsere Tschütteler nur auf dem Platz rum und bewegten sich 90 Minuten nicht, und schlussendlich vor zwei Tagen das historische Hammerspiel, bei dem sie den Weltmeister Frankreich nach quälend langen 120 Minuten beim Penaltyschiessen aus dem Cup schmissen. An Emotionen war in diesem Monat also alles, und alles querbeet, dabei. 


Bei meinen gelesenen Büchern war es zum Glück nicht so extrem aufregend. Wie erwartet konnte mich der neueste "Tee? Kaffee? Mord!"-Band nicht überzeugen. Da ist seit den letzten drei, vier Bänden die Luft raus und die Fällen dermassen konstruiert und an den Haaren herbei gezogen, dass es keinen Spass mehr macht, sie zu lesen und deshalb gab es auch nur drei Punkte. "Madame le Commissaire und die panische Diva" war mir ebenso zu konstruiert, bekam aber noch 3.5 Punkte. Da sind die einzigen Ausreisser, aber eben schon fast erwartet und deshalb nicht überraschend. Alle anderen Bücher haben mich gut bis super gut unterhalten.

Mit diesen Büchern war ich im Juni an Orten unterwegs, an denen ich bisher weder literarisch noch real war. In Kroatien und Tokio zum Beispiel. Beides Romane von Julie Caplin, diese Reisen waren toll! Ansonsten "bereiste" ich die üblichen Destinationen wie England, Frankreich, Italien und Deutschland. 

Insgesamt war ich also 14x in der Weltgeschichte unterwegs: 

3 Punkte:
- Die gestohlene Braut von Ellen Barksdale (TKM 18)

3.5 Punkte:
- Madame le Commissaire und die panische Diva von Pierre Martin (Isabelle Bonnet 8) 

4 Punkte:
- Sommerlese von Marie Matisek (Capri 3) 
- Mord au Vin von Sandrine Albert (Claire Molinet 1) 
- Mord in Parma von Dani Scarpa 
- Bretonische Idylle von Jean-Luc Bannalec (Dupin 10) 
- Wildblütenzauber von Anne Töpfer 
Der heilige Sünder von Helena Marchmont (Bunburry 10)

5 Punkte:
- The Secret Cove in Croatia von Julie Caplin (Romantic Escapes 5) 
- Der kleine Teeladen in Tokio von Julie Caplin (Romantic Escapes 6) 
- Die Glücksschneiderin von Ulrike Sosnitza 
- Kaputte Herzen kann man kleben von Kristina Günak 


Die Fussball-EM-Spiele waren teilweise so spannend, dass ich ganze Abende nicht eine Seite las, und sie gingen manchmal auch so lang, dass ich danach nur noch ins Bett fiel, ohne zu lesen. Dabei dachte ich Anfang Monat noch, aufgrund der EM würde ich mehr lesen - aber zum Glück waren nicht alle Spiele so langweilig wie am Anfang einzelne, dann lieber spannende Matches wie die beiden von Montagabend, das macht einfach mehr Spass. 

Morgen zeig ich euch meine Juli-Vorschau. Dort werde ich euch auch meine bevorstehende Blog-Sommerpause ankünden. Also schaut morgen schnell rein, damit ihr nicht total überrascht seid, wenn es hier ruhiger wird in den kommenden Wochen. 

Wie war euer (Lese-)Juni? 
Wie hat die EM euer Leseverhalten beeinflusst? 


Wildblütenzauber von Anne Töpfer

Klappentext:
Sarah kann den Schmerz kaum ertragen. Ihre Mutter ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Halt findet Sarah bei Doreen, mit der sie schon seit der Kindheit eine tiefe Freundschaft verbindet. Sarah entscheidet sich dazu, in die Nähe ihrer Freundin zu ziehen, die in einem kleinen Ort in der Vorpommerschen Boddenlandschaft lebt. Hier möchte Sarah noch einmal ganz von vorne anfangen. Doch dann findet sie im Nachlass der Mutter ein altes Herbarium. Es gehörte Großtante Rosa, von deren Existenz Sarah bisher nichts wusste. Sarah begibt sich auf Spurensuche nach Nürnberg. Hier erfährt sie etwas über ihre Herkunft, das alles verändert. 


Anders als der Klappentext verlauten lässt, geht es im Roman erst gegen Ende um den Nachlass von Sarahs Mutter. Das Herbarium hingegen spielt gar keine Rolle - man hätte es auch weglassen können. Ich war nämlich sehr neugierig deswegen, aber es ging um alles andere, nur leider nicht um ein altes Herbarium.

Und dies, obwohl Sarahs Mutter viel mit frischen und getrockneten Kräutern arbeitete. Ihre Tees, ihr Hustensirup und anderes sind den beiden jungen Frauen, Sarah und Doreen, noch bestens in Erinnerung. Doreen ist Sarahs beste Freundin, und fast ein bisschen wie eine Schwester für sie. Doreen kümmert sich liebevoll um Sarah, die vom Unfalltod ihrer Mutter überrascht wurde und nun verständlicherweise stark trauert. 

In der Geschichte geht es neben der ganzen Trauerbewältigung um Sarahs Wunsch umzuziehen. Soll sie ins Haus ihrer Mutter ziehen, in die Nähe von Doreen, in eine Wohnung, in ein Haus, und falls ja, in welches? 

Dabei lernt sie neue Menschen kennen, die vielleicht bald zu Freunden werden könnten. Mandy aus dem "Brombeerzimmer" etwa, Konstantin, Doreens Nachbar Bernd, aber auch Leonie mit ihrem Vater Florian oder Ruth. Spannend empfand ich dabei, wie einige sehr unterschiedliche Charaktere miteinander harmoniert haben und auf der anderen Seite sich einige der Figuren weiter entwickelt, fast schon ein anderes Gesicht gezeigt haben. 

Den Roman hatte ich schnell ausgelesen. Einerseits weil er "nur" 304 Seiten aufweist, andererseits weil der Schreibstil von Anne Töpfer (bekannt auch als Anne Barns und Andrea Russo) wie immer so gefällig und flüssig zu lesen ist. 

Die Handlung erschien mir aber nicht so perfekt durchdacht, wie in ihren anderen Romanen. Es waren mir zu viele Themen nur angerissen. Am besten war die Trauer- und Freundeskreis-Thematik ausgearbeitet. Bei der Herbarium- und Erbsache und der Häuserfrage hätte es aber noch mehr Seiten gebraucht, um alles stimmig rüber zu bringen. Das ging mir alles zu schnell und war mir zu wenig intensiv.

Fazit: Netter und ruhiger Roman für Zwischendurch.
Knappe 4 Punkte. 



Montag, 28. Juni 2021

Kaputte Herzen kann man kleben von Kristina Günak

Klappentext:
Hebamme Luisa ist alleinerziehend. Ihr Ex entzieht sich seinen Verpflichtungen, wo er kann. Als Luisas Rücken die Notbremse zieht, muss sie mit ihrer kleinen Tochter eine Auszeit nehmen: bei der exzentrischen Tante in St. Peter-Ording. Die geschickten Hände des verschlossenen Physiotherapeuten Tom helfen ihr wieder auf die Beine, doch die Seele will nicht recht nachziehen. Bis sie am Strand auf ein Grüppchen Frauen trifft, das es sich zum Motto gemacht hat, fünfe gerade sein zu lassen. Und auch Tom ist auf einmal nicht mehr so verschlossen.



"Kaputte Herzen kann man kleben" ist in typischer Günak-Schreibe verfasst - ein Roman mit Tiefgang und ernsten Themen, die in einem witzigen Schreibstil verfasst nicht so schwer daherkommen wie sie real sind, so dass wir einen überhaupt nicht oberflächlichen Wohlfühlroman in der Hand haben. 

Luisa erwartet gar nicht, dass in ihrer Auszeit, die sie bei ihrer Tante auf St. Peter-Ording verbringt, ihr kaputter Rücken oder ihr schweres Herz geklebt oder repariert werden kann - sie ist zwar krankgeschrieben, doch sie bräuchte so viel mehr als nur wieder ein Rücken, der nicht zwickt. 

Luisa ist alleinerziehend, Mutter einer achtjährigen Tochter, arbeitet als Hebamme in einer Klinik, bekommt äusserst selten die nötigen Alimente vom Kindsvater bezahlt. Zwischen ständigem Pleitesein, Aufforderungen von Supermüttern un Lehrerinnen zu erhalten, und zu wenig Zeit für ihre Tochter und keine Zeit sich selbst zu haben, ist sie in ihrem Job immer unzufriedener. Null Zeit für die Gebärenden, die fast schon wie Nummern abgearbeitet werden, so hatte sie sich ihren Beruf als Hebamme nicht vorgestellt. 

Die Zeit bei ihrer Tante Mimi bringt ein wenig Entlastung, denn Tochter Amelie ist zumindest auf dem Hof beschäftigt. Da Luisa aber seit einigen Jahren aufgrund eines Streites kaum mehr Kontakt hatte zu Mimi hatte, ist auch auf dem Hof die Lage angespannt. Luisa kommt in Kontakt mit einigen Frauen, die sich Freitags jeweils zusammen am Strand treffen und erlebt, dass auch andere Frauen ihre Bürden zu tragen haben, doch nur schon das gemeinsame Klönen hilft viel - eine Freundin in München hatte Luisa bisher nie. 

Der von den neuen Bekannten als Weiberheld verschrieene Osteopath Tom nimmt sich Luisas Rücken an. Durch ihn merkt Luisa, dass nicht nur Frauen oft 200% geben, sondern es auch Männerexemplare gibt, die Verantwortung übernehmen. 

In diesem Szenario spielt sich der Roman von Kristina Günak ab. Ihre Figuren sind toll beschrieben, sie alle passen in ihrer Unperfektheit perfekt zusammen. 

Wie schon in vorherigen Romanen verpackt die Autorin auch in "Kaputte Herzen kann man kleben" gekonnt mehrere aktuelle Themen zusammen in einen lockeren Roman, der einerseits prickelnd leicht daher kommt, süffig flüssig geschrieben ist und dennoch viel Charakter hat. 

Fazit: Ein wunderbarer Wohlfühlroman mit extra Tiefgang.
5 Punkte. 


Donnerstag, 24. Juni 2021

Dora Maar und die Gesichter der Liebe von Bettina Storks (MFzKuL 18)

Klappentext:
Paris, 1936: Die erfolgreiche Fotografin Dora ist das Herz des surrealistischen Kreises um André Breton und Man Ray. Dann begegnet die exzentrische junge Frau Pablo Picasso – und zwischen den beiden entfaltet sich eine so leidenschaftliche wie abgründige Liebe. Doras düstere Sinnlichkeit prägt fortan die Malerei Picassos, auch inspiriert sie ihn zu seinen ersten politischen Werken, allen voran „Guernica“. Doch er kann neben sich keinen anderen Künstler gelten lassen, und ihre kreative Entwicklung stockt. Immer größer werden die Konflikte. Bis Picasso der jüngeren Françoise Gilot begegnet – und Dora zur Kunst zurückfinden muss, um ihre Liebe zu vergessen.


Von Dora Maar hab ich nie bewusst als eigenständige Künstlerin gehört, mir war sie immer nur im Zusammenspiel mit Pablo Picasso begegnet. Höchste Zeit also für einen Roman, der uns das Leben der Fotografin und Malerin in "Dora Maar und die zwei Gesichter der Liebe" näher bringt. 

Aufgewachsen in Bueno Aires und zurück in Paris, wo sie geboren ist, studierte Dora erst Fotografie und Malerei. Später arbeitet Dora eng mit Man Ray und Paul Elouard zusammen und lernt dabei Pablo Picasso kennen. Es ist von Anfang an eine gefährliche, flammende Beziehung und auch wenn Dora wusste, dass Picasso nur mit seiner Kunst verheiratet war, die Kunst das einzig Stabile in seinem Leben ist und seine Frauenbeziehungen kommen und gehen, konnte sie am Ende doch nicht wirklich gut damit umgehen. 

Nach acht intensiven Jahren an der Seite von Picasso ähnelt Dora am Beziehungsende zeitweise ihrer krankhaft eifersüchtigen Mutter Julie. Wie schon viele berühmte Künstlerinnen vor ihr bleibt auch Dora ewig im Schatten ihres Geliebten - kommt dem Wahnsinn sehr nahe, aber grad noch knapp vorbei. 

Diese zwei Gesichter der Dora Maar zeigt uns Autorin Bettina Storks in diesem Roman ganz genau: auf der einen Seite das Bewusstsein, nie Nummer eins, nicht die erste und letzte Frau im Leben Picassos zu sein und dennoch als starke Frau und Künstlerin da zu stehen. Auf der anderen Seite das Dunkle der Depression, die Dora befiel, als sie merkte, dass es nun tatsächlich so weit ist und Françoise Gilot nicht nur eine Affäre ist, sondern Doras Nachfolge an Picassos Seite antrat. 

Er ist der Leuchtturm, allen anderen schenkt er kurz mal sein Licht. Picasso nahm nicht nur Doras Hand, der Egomane wollte die ganze Dora Maar, jedenfalls solange er sie als Muse sah und sie nicht teilen musste mit ihrer Kunst. Dass Dora ihn künstlerisch weit brachte, indem sie zum Beispiel sein Jahrhundertwerk "Guernica" fotografisch begleitete, las ich mit grossem Interesse.

Doch die Autorin hat nicht nur Dora Maars Leben und ihre Beziehung mit Picasso eindrücklich porträtiert, sondern auch die Kriegszeit in Paris geschildert. Viele Künstler haben Paris in dieser Zeit verlassen, nur wenige sind geblieben oder zurück gekommen, so wie Picasso und Dora Maar, so dass man bisher nicht viel "Augenzeugenberichte" zu lesen bekam. Storks beschreibt, wie Picasso ausser einem Ausstellungsverbot nicht viel von den Besatzern merkte, sein ausschweifendes Leben beibehielt und im Gegensatz dazu, andere sich darum kümmerten, dass "entartete" Kunst versteckt werden konnte und nicht alle Gemälde geraubt werden konnten. Wer davon mehr lesen möchte, kann dies in Storks Roman "Leas Spuren" tun.

Später im Roman berichtet die Autorin von Dora Maars Jahren in Ménerbes - sehr gut gefallen hat mir, wie sie am Ende im Epilog nochmals mit besonderen Augen kurz darauf zurückblickte.

Nun, nach der Lektüre von "Dora Maar und die zwei Gesichter der Liebe", mag ich Picasso noch weniger, werde aber bewusster nach Doras Einfluss in seinem Werk schauen und ebenso nach Doras Kunst Ausschau halten. 

Fazit: Lebendig geschriebener Einblick in eine aussergewöhnliche Liebe, die mit Haut und Haar gelebt wurde. 
4 Punkte.



Reihenfolge der "Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe"-Serie:
Band 1: Madame Picasso von Anne Girard - Eva Gouel
Band 2: Die Tochter des Malers von Gloria Goldreich - Ida Chagall
Fiktionaler Zwischenband: Rendezvous im Café de Flore von Caroline Bernard
Band 3: Die Tänzerin von Paris von Annabel Abbs  - Lucia Joyce
Band 4: Die Malerin von Mary Basson - Gabriele Münter
Band 5: Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe von Michelle Marly - Coco Chanel
Band 6: Die Muse von Wien von Caroline Bernard - Alma Mahler
Band 7: Die Dame in Gold von Caroline Trierweiler - Adele Bloch-Bauer 
Band 8: Marlene und die Suche nach Liebe von C.W. Gortner - Marlene Dietrich 
Band 9: Madame Piaf und das Lied der Liebe von Michelle Marly - Edith Piaf
Band 10: Die Malerin des Nordlichts von Lena Johannson - Signe Munch
Band 11: Frida Kahlo und die Farben des Lebens von Caroline Bernard - Frida Kahlo
Band 12: Die Diva von Michelle Marly - Maria Callas
Band 13: Grace und die Anmut der Liebe von Sophie Benedict - Grace Kelly
Band 14: Die Tochter des Zauberes von Heidi Rehn - Erika Mann
Band 15: Miss Guggenheim von Leah Hayden - Peggy Guggenheim
Band 16: Romy und der Weg nach Paris von Michelle Marly - Romy Schneider
Band 17: Die Frau von Montparnasse von Caroline Bernard - Simone de Beauvoir
Band 18: Dora Maar und die Gesichter der Liebe von Bettina Storks - Dora Maar
Band 19: Nico - die Sängerin der Nacht von Mari Roth - "Nico" Christa Päffgen
Band 20: Die Künstlerin der Frauen von Pia Rosenberger - Nikki de Saint Phalle (ET 6.12.21)

Top Ten Thursday 24.06.21 - Zehn Bücher aus deinem Regal, die einen besonders langen Buchtitel haben

"Top Ten Thursday" ist eine Aktion von Aleshanee von Weltenwanderer. Jeden Donnerstag stellt sie eine Frage, zu der man als Antwort Bücherlisten mit 10 Buchtiteln, Buchcovern oder ähnlichem erstellt. 



Zehn Bücher aus deinem Regal, die einen besonders langen Buchtitel haben

Diese Frage ist leichter, als die nach dem kürzesten Titel im Regal. Vor einigen Jahren kam ja die Unsitte auf, und es gibt sie bis heute, die Titel mit "kleiner Laden" und einer nachfolgenden Bezeichnung, wo die Läden, Cafés, Gärten etc. alle zu finden sind. Oft wurde ganz schlecht aus dem Englischen übersetzt, bzw. eben nicht übersetzt, sondern einfach einen ganz neuen deutschen, viel zu langen Titel erfunden. Noch schlimmer, wenn für Bücher deutscher Autorinnen dann auch solche Titel herhalten müssen.

Ein paar dieser Beispiele finden sich auch in meiner Liste, aber ich hab auch noch andere gefunden. Dazu noch zwei ganz aktuelle Titel, beide diese Woche erschienen ("Dora Maar" und "Juno Browne"). Der längste Titel, mit 15 Wörtern, liegt aber noch immer auf meinem SuB. 

Zwischen sieben und 15 Wörtern hab ich folgende Auswahl getroffen (es sind wieder zwölf Titel geworden, aber es geht auch viel besser auf damit):






- Dora Maar und die zwei Gesichter der Liebe von Bettina Storks
- Wie Arthur Pepper sich vor seiner Nachbarin versteckte und am Ende doch sein Herz fand von Phaedra Patrick
- Die aussergewöhnlich ungewöhnlichen Vorsätze des Oliver Clock von Jane Riley

Und nun bin ich gespannt, wie lange die längsten Titel von euch sind!


Dienstag, 22. Juni 2021

Krimi: Juno Browne und der Tote im Antiquitätenladen von Stephanie Austin (Juno Browne 1)

Klappentext:
Juno Browne ist Reinigungskraft und Hundesitterin, da macht man in jedem Fall einiges mit. Doch als sie eines Morgens in den Antiquitätenladen ihres guten Bekannten kommt und diesen dort erschlagen vorfindet, hört der Spaß auf. Dass der schlitzohrige ältere Herr in nicht ganz saubere Geschäfte verwickelt war, wusste sie – aber wer würde ihn dafür gleich umbringen? Juno krempelt die Ärmel hoch und ermittelt auf eigene Faust. Doch bald schon muss sie sich selbst in Acht nehmen, denn Old Nick hat ihr den Laden vermacht – sehr zum Missfallen seiner Kinder. Schnell findet Juno sich zwischen den erzürnten Erben und der Antiquitäten-Mafia in einer äußerst misslichen Lage wieder.


Neu auf Deutsch erschienen ist der erste Band der Juno Browne-Reihe. Im englischen Original gibt es bisher bereits vier Bände. Wir dürfen uns also freuen - denn dieser erste Band macht Lust, die weiteren Teile auch noch zu lesen.

Juno ist in göttlicher Mission unterwegs - als Haushaltshilfe, Hundesitterin, je nach dem, wo man sie gerade braucht. Zum Beispiel ganz neu bei Mr. Nick, bei dem sie Antiquitäten putzt und einiges über das Thema lernt. Bis sie Nick eines Tages tot auffindet.

Der Roman rollt die Sache erstmal von hinten auf und erzählt danach, wie es kam, dass Juno auch noch beim kurligen alten Nick arbeitet, obwohl sie schon genug zu tun hat. Wen sie dabei kennenlernte, nette Personen wie Paul, weniger nette wie Vlad und Igor. Und später Inspector Ford und seine zickige Kollegin DeVille. 

Die Leser bekommen auch einen Einblick in Junos Arbeit und begegnen dabei einigen ihrer Auftraggeber: sympathische wie Maisie oder hochnäsige wie Verbena Clarke. Lernen aber auch ihre Vermieter Kate und Adam und väterlichen Freunde Ricky und Morris kennen. Ich denke, die werden in den weiteren Bänden Juno teilweise noch weiter begleiten. 

Stephanie Austin hat ihrer Protagonistin tolle Figuren zur Seite gestellt. Juno muss man einfach mögen mit ihrer offenen Art, aber noch viel mehr die beiden vom Theaterkostümverleih, die sich kümmernden und trotzdem neugierigen Männer, Ricky und Morris. Aber auch die anderen, oben erwähnten, können sich sehen lassen.

Der Kriminalfall ist interessant, und zwar schon lange bevor Nick tot aufgefunden wurde. Nick hatte mit schmierigen Typen zu tun, wurde bedroht, wovon Juno Zeuge wurde und deshalb eh auf Zack (aber deswegen nicht wirklich vorsichtiger) war. Aber auch andere nutzen die Hintertüre oft und wollen dabei nicht gesehen werden. Wer also hat Nick auf dem Gewissen? Könnte es eventuell sogar seine Familie gewesen sein, die erst nach seinem Tod auftaucht und sich in Lügen verstrickt?

Witzige Szenen wechseln sich mit Verfolgungsjagden ab, Hilfe kommt oft von unerwarteter Seite, die Dialoge sind geprägt von britischem Humor - ein Cosy Krimi, der toll unterhält und immer wieder überraschende Wendungen nimmt.

Nach den Ereignissen in "Juno Browne und der Tote im Antiquitätenladen" bin ich gespannt, in welchem Umfeld Juno im nächsten Band ermitteln wird. 

Fazit: Juno Browne macht Lust auf mehr! Unterhaltender Cosy-Krimi mit tollen Charakteren.
4 Punkte. 




Montag, 21. Juni 2021

Die Glücksschneiderin von Ulrike Sosnitza

Klappentext:
Clara hat sich ihren Traum erfüllt und in Würzburg ein Nähcafé eröffnet. Dort gibt sie Nähkurse, verwandelt alte Kleidungsstücke in neue und macht die Menschen mit maßgeschneiderten Röcken, Jacken und Hosen glücklich. Auf einem Flohmarkt findet sie eines Tages ein ganz besonderes Vintage-Kleid aus den Zwanzigerjahren. Als sie es anprobiert, steht plötzlich Finn, ihre erste große Liebe, vor ihr und behauptet, dass dieses Kleid ein Familienerbstück von ihm sei. Mit einem Schlag kehrt das Gefühlschaos von damals wieder. Was will er mit diesem Kleid? Und warum hat er sie vor vielen Jahren ohne ein Wort verlassen? Fragen, die Claras Leben von Jetzt auf Gleich völlig durcheinander wirbeln.


Als Clara auf dem Flohmarkt ein tolles Vintage-Kleid entdeckt, dass sich nicht nur im Schaufenster ihres Nähcafés gut machen würde, ist sie happy. Vielleicht lockt dieses Kleid ja mehr Kunden an! Doch mit dem Mann, der plötzlich in der Türe steht, hätte sie nie gerechnet. Es ist Finn, ihr Ex-Freund, der sie vor einigen Jahren sang- und klanglos verliess. 

Finn ist auf der Suche nach dem Kleid seiner Urgrossmutter, das seine aktuelle Ex-Freundin von seiner Familie ausgeliehen, aber niemals zurück geben hat, sondern nach ihrer Trennung und ihrem Auszug zum Secondhand-Laden brachte. Auch Finn ist überrascht, als er Clara mit Mimis Kleid sieht. 

Beide sind erstmal überfordert, reden dann aber doch einige Sätze miteinander. So empfindlich wie Spitzenstoff ist ihr aktueller Umgang miteinander, trotzdem wollen sie gemeinsam heraus finden, wie Urgrossmutter Mimi zu diesem Kleid kam und wieso sie es all die Jahre aufbewahrt hatte - dies heraus zu finden, ist der rote Faden des Romans.

Neben der erneuten Annäherung haben die beiden auch in ihrem jeweiligen Umfeld einiges zu klären. Finn mit seiner Ex und seiner Schwester. Clara mit ihrer Cousine Merle, die im Nähcafé aushilft, aber das "Näh-" davor aus irgendeinem unerfindlichen Grund immer ausklammert. Sonja, Merles Mutter und Claras Tante sowie Geschäftspartnerin, versucht Clara von ihren Treffen mit Finn abzuhalten. 

Zum Glück hat Clara ihre WG. Helena, die Gärtnerin fand ich einfach toll, aber auch die beiden jungen Studenten mochte ich. Claras Nähkundinnen waren ebenso vielseitig und interessant gezeichnet. Mit Lea aus "Die Novemberschokolade" gibt es sogar ein kurzes Wiedersehen. Die Charaktere sind der Autorin gelungen. Keiner zu viel, keiner zu wenig, alle haben ihre berechtigten Plätze.

Wer die bisher erschienenen Romane von Ulrike Sosnitza kennt, weiss, dass man sich auf einen tollen Schreibstil freuen darf. Die Autorin schafft es, auch schwere Themen seidenleicht zu verpacken, ohne das Schmerzliche daran zu verheimlichen. 

Der Roman ist nicht nur für Hobbyschneiderinnen ein Lesegenuss, sondern auch ein Gewinn für alle Leserinnen, die gerne interessante Geschichten lesen, die federleicht daherkommen und trotzdem das gewisse Etwas haben. 

Fazit: "Die Glücksschneiderin" war viel zu schnell ausgelesen - von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung für diese sehr schöne Geschichte.
5 Punkte. 


Der kleine Teeladen in Tokio von Julie Caplin (Romantic Escapes 6)

Klappentext:
Die angehende Fotografin Fiona ist überglücklich, als sie zu einer Reise nach Japan eingeladen wird. Es ist ein Stipendium, und ihre Bilder sollen anschließend in einer angesehenen Londoner Galerie gezeigt werden. Doch in Tokio stellt sich heraus, dass der Engländer Gabriel Burnett ihr Tutor sein wird. Ausgerechnet Gabe! Für ihn hat Fiona lange und unerwidert geschwärmt. Und Gabe hat sichtlich kein Interesse an einer Zusammenarbeit. Zum Glück wohnt Fiona bei einer warmherzigen Gastfamilie, die einen traditionellen Teeladen führt und ihr die japanische Kultur näherbringt. Dank Zen-Garten und Teezeremonie blüht Fiona auf. Aber kann sie auch einen Zugang zu Gabes Herzen finden?


Ihr habt Lust auf eine zweiwöchige Reise nach Tokio? Dann begleitet Fiona, die bereits in Kopenhagen dabei war, auf ihrer Reise. Die junge Fotografin hat ein Stipendium erhalten. In diesen 14 Tagen wird ihr als Mentor der japanische Professor Araki zur Seite gestellt. Doch der hat einen Trauerfall in der Familie und wird von Gabriel Burnett, einem erfolgreichen englischen Fotografen und mehrfacher Preisgewinner, vertreten.

Gabe hat sichtlich nicht gross Lust - und merkt erst noch nicht, dass er Fiona eigentlich kennen müsste. Fiona ist gelinde gesagt genervt, macht aber das Beste aus der Situation. Obwohl sie scheu ist, auf den Mund gefallen ist sie nicht. Sie bringt Gabe aus der Reserve, zeigt auf seine negativen Punkte, die er theoretisch kennt, aber bisher nichts dagegen unternahm. Er selbst ermuntert Fiona ihrer manipulativen Mutter Gegenwehr zu geben. So helfen sie sich gegenseitig, was beide zwar anfänglich nicht als Hilfe sehen, und trauen ihren erneut aufgewallten Gefühlen dennoch nicht. 

Die Charaktere sind liebenswürdig, haben aber alle ihre Ecken und Kanten, egal ob die Briten oder Japaner. Die scheue Fiona will unbedingt fotografieren, sucht sich viele Sujets aus, denn am Ende soll sie ihre japanischen Bilder in London ausstellen, doch die finale Idee fehlt ihr noch. Gabe hat sich aufgegeben, nimmt aber noch Kundenaufträge an, ihm fehlt seit einigen Jahren aber das Feuer für seinen Job. Haruka ruht in sich selbst, kann aber auf ihre Art gut zeigen, wenn sie mit einer Verhaltensweise nicht einverstanden ist. Teenager Mayu fand ich super gut gezeichnet: einerseits teenietypisch rebellisch, macht sie es ihrer Mutter und Grossmutter nicht leicht, gesteht Fiona aber, dass sie beide liebt und später in die Fussstapfen ihrer Grossmutter treten möchte. 

Fionas Gastfamilie (Teemeisterin und Grossmutter Haruka, Mutter Setsuko, Teenietochter Mayu) und auch Gabe zeigen Fiona Tokio und bringen ihr und allen Leserinnen die japanische Kultur ein wenig näher. "Der kleine Teeladen in Tokio", im Original der sechste Band der "Romantic Escapes"-Serie, macht deshalb Lust auf eine Reise nach Tokio und erzählt zeitgleich eine schöne Liebesgeschichte. Fotografiert wird natürlich au.ch. 

Nach 2020 bin ich ein wenig ausgehungert nach Reisen und Kulturen entdecken. So genoss ich es total, mit Fiona zusammen Tokio zu entdecken: mit einem Hochgeschwindigkeitszug fahren, an einer Teezeremonie teilnehmen, einen Schrein besuchen, Tempura und Ramen essen, Karaoke singen und noch ganz vieles mehr. Obwohl mich eine Reise nach Tokio nie reizte, gebe ich nach diesem tollen Roman von Julie Caplin Japan eine Chance. Falls es die Gelegenheit dazu gäbe, würde ich mich nicht mehr dagegen sperren. 

Dieser Geschichte bin ich von der ersten Seite an verfallen. Julie Caplin hat so einen leichten, aber doch intensiven Schreibstil, so dass man erst nach der letzten Seite wieder zurück in der Realität ankommt. 

Fazit: Diese schöne Lovestory macht auch aus Japan-Skeptikern Japan-Fans!
5 Punkte. 


Reihenfolge:
Band 5: The Secret Cove in Croatia (wird vorerst nicht auf Deutsch übersetzt)
Band 6: Der kleine Teeladen in Tokio  
Band 7: Das kleine Chalet in der Schweiz (ET 19.10) 
Band 8: The Cosy Cottage in Ireland (ET in England am 29.09) 

Donnerstag, 17. Juni 2021

Top Ten Thursday 17.06.21 - Zehn Bücher, die an von mir besuchten Orten spielen

"Top Ten Thursday" ist eine Aktion von Aleshanee von Weltenwanderer. Jeden Donnerstag stellt sie eine Frage, zu der man als Antwort Bücherlisten mit 10 Buchtiteln, Buchcovern oder ähnlichem erstellt. 



Zehn Bücher, die an Orten spielen, an denen du selbst schon gewesen bist

Ich mag Städtetrips, deshalb war ich schon in vielen Städten dieser Welt: in Paris, Colmar, London, Oxford, Rom, Florenz, Siena, Venedig, Stockholm, Barcelona, Athen, Istanbul, Wien, Chicago, Hamburg, München, usw. In den Schweizer Städten wie Genf, Bern, Basel, Lugano, Locarno sowieso.

Auch auf grossen Inseln wie Kreta, Rhodos, Zakynthos, Kos, auf vielen kleineren griechischen Inseln, aber auch auf spanischen Inseln wie Ibiza, Mallorca, Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote und Urlaubsgebiete wie der Algarve in Portugal, in Tunesien, Ägypten, Südfrankreich, in der Toskana, in der Cinque Terra, war ich bereits - an einigen Orten davon sogar öfters. Meine zweite Heimat an der Südwestküste der Türkei hab ich natürlich fast jedes Jahr, manchmal mehrmals pro Jahr, besucht. 

So hatte ich heute die Qual der Wahl und ich hab einfach mal drauf los gesucht, die Liste war sehr schnell übervoll und ich musste wieder einige Destinationen streichen, obwohl ich mit der Suche noch nicht durch war. 

Geblieben sind diese zwölf, die auf ihren Covern auch je noch eine Sehenswürdigkeit zeigen:






 

Algarve:
- Mord an der Algarve von Carolina Conrad
- Lost in Fuseta von Gil Ribeiro

Barcelona:
Spanische Delikatessen von Carolina Ferrera 

Paris:
- Der Hut des Präsidenten von Antoine Laurain
- Frühling in Paris von Fiona Blum 

London:
- Geister auf der Metropolitan Line von Ben Aaronovitch (sogar mit Foto aus der U-Bahn!)
- Covent Garden im Schnee von Jules Wake

Oxford:
Die Toten vom Magdalen College von Katharina M. Mylius

Rom:
Tödliche Sonate von Natasha Korsakova

Venedig:
Nachts nach Venedig von Veronica Henry

Kreta: 
-Tödliche Feindschaft von Nikos Milonas
 
Wien: 
- Lottes Träume von Beate Maly 

Durch die heutige Frage hab ich Fernweh bekommen - das wird heute wohl andauern, wenn ich mich durch eure Beiträge wühle! 





Mittwoch, 16. Juni 2021

The Secret Cove in Croatia von Julie Caplin (Romantic Escapes 5)

Klappentext:
When no-nonsense, down-to-earth Maddie Wilcox is offered the chance to work on a luxury yacht for the summer, she can’t say no. Yes she’ll be waiting on the posh guests… But island-hopping around the Adriatic sea will more than make up for it – especially when Nick, her best friend Nina’s brother, is one of them. Sparks fly when they meet on board and Maddie can’t believe self-entitled jerk Nick is really related to Nina. But in a secret, picture-perfect cove, away from the real world, Maddie and Nick discover they might have more in common than they realise.



Der fünfte Band der Romantic Escapes-Serie von Julie Caplin wird leider nicht auf Deutsch übersetzt. Schade, denn ich fand genau diese Destination total interessant und viel zu untervertreten in der Romanwelt. Deshalb hab ich ihn auf Englisch gelesen. Ich kann jedem nur empfehlen, es mir nachzutun und den Band zu lesen - es lohnt sich!

Nicht jedes Wort habe ich wortwörtlich verstanden, vor allem nicht die diversen Modebezeichnungen, die hier öfters mal vorkommen, gehören doch zwei Models zu den Gästen auf der Yacht, auf der Nina knapp drei Wochen aushilfsweise arbeitet. Noch gefrustet von der Absage eines Galeristen, muss Maddie weiter jobben, um Geld zu verdienen: Mit ihrer Kunst schafft sie es ja anscheinend nicht. 

Wie gut, dass im Wissen darum Nina Maddie angefragt hat, ob sie nicht für einige Wochen auf einer Yacht in Kroatien arbeiten will, putzen und kochen für die sechs Gäste. Kochen hat Maddie ja bei Sebastian, Ninas Freund, in Paris gelernt - ihr erinnert euch an den Kochkurs aus Band 3, "Die kleine Patisserie in Paris"?

Ninas Bruder Nick wird Gast auf der Yacht sein, zusammen mit seiner neuen Freundin Tara, einem bekannten Model. Der Partner ihrer Model-WG-Kollegin Cory, Douglas, hat die beiden Models und Nick auf die Yacht eingeladen, dazu noch Simon, eine ehemalige Tennishoffnung, und Siri, Douglas beste Freundin. 

Inmitten diesen reichen Yuppies halten sich Maddie und Nick gut. Für beide ist die Welt der Mondänen und Reichen aber enorm fremd. Oft schämen sie sich auch für die Verhaltensweisen der anderen. Douglas ist zwar trotz enormen Reichtum fast noch am bodenständigsten neben Stylistin Siri. Aber Simon ist ein Kotzbrocken sondergleichen, doch die Schlimmste von allen ist die selbstverliebte Tara. Sie lässt Nick links liegen, "braucht" ihn nur, wenn es ihre gerade danach ist - eine arrogante, nervige Zicke. Man fragt sich, was Nick an ihr findet.

Auch Maddie fragt sich das, sieht sie doch hinter die Fassade von Tara, bzw. hinter ihre Kabinentüre. Je länger je mehr merkt Nick, dass er sich in dieser High Society Welt, mit diesen unmöglichen Umgangsformen nicht wohl fühlt und sich nach Hause, nach der Schaffarm sehnt. Immer öfter sucht er die Gesellschaft von Maddie. Zusammen schaffen sie es sogar dorthin, wo Tara und Cory am liebsten wären - und man merkt, nicht alle Reiche sind so egozentrisch wie die beiden unreifen Mädels und freut sich schon auf die Gesichter der Möchtegern-Prinzessinnen, wenn sie dies irgendwann erfahren.

Es macht unheimlich Spass Maddie und Nick auf der Chartertour zu begleiten, die dalmatische Inselwelt zu entdecken, Maddies Kochkünste zu geniessen und sich die ganze Geschichte einzuverleiben. 

Ich war so gebannt von den Ereignissen, dass ich sogar vergessen hatte, dass es laut Titel ja um eine geheime Bucht gehen soll und merkte es erst, als diese Bucht dann auch vorkommt. Hach, in dieser Bucht würde ich auch gerne einige faule Bootstage verbringen! 
 
"The Secret Cove in Croatia" ist ein must-read in diesem Sommer. Die Story mit den gegensätzlichen Charakteren, ihren Abenteuer auf der Reise, geprägt von dem gefälligen und humorvollen Schreibstil der Autorin Julie Caplin ist einfach lesenswert.

Fazit: Macht definitiv Lust auf Urlaub in Kroatien! 
5 Punkte. 

Reihenfolge:
Band 5: The Secret Cove in Croatia (wird vorerst nicht auf Deutsch übersetzt)
Band 6: Der kleine Teeladen in Tokio  
Band 7: Das kleine Chalet in der Schweiz (ET 19.10) 
Band 8: The Cosy Cottage in Ireland (ET in England am 29.09) 

Dienstag, 15. Juni 2021

Krimi: Bretonische Idylle von Jean-Luc Bannalec (Dupin 10)

Klappentext:
Die Hitzewelle hat in diesem August sogar die Bretagne fest im Griff, keine Aussicht auf Abkühlung für Kommissar Dupin. Und zu allem Überfluss plant Nolwenn auch noch die große Feier seines zehnjährigen Dienstjubiläums. Doch dann wird eines Morgens ein Toter an der Küste bei Concarneau aus dem Meer gefischt, ein Bewohner der legendären Belle-Île – und ehe sich Dupin versieht, befindet er sich an Bord eines Schnellbootes auf dem Weg zur »schönsten Insel der Welt«.





Mit "Bretonische Idylle" feiert die Krimiserie um Georges Dupin den 10. Geburtstag. Oder anders gesagt: das zehnjährige Dienstjubiläum an seiner nun nicht mehr neuen Arbeitsstelle in der Bretagne. 

Wer erinnert sich auch noch an den ersten Band, als Georges strafversetzt wurde und neu beginnen musste? Sein eigenwilliges Ermitteln ist mittlerweile für seine Untergebenen ganz normal geworden. Dass er nur mit Café im Blut richtig nachdenken kann und ab und an seine Ruhe braucht um sich Notizen zum jeweils aktuellen Fall zu machen, ist schon fast normaler Alltag. Auch ist jedem bekannt, dass Georges nicht gerne Schiff fährt. 

Doch dies muss Dupin in seinem zehnten Fall, einige Tage vor dem grossen Fest, erneut tun. Hinüber auf die Belle-Île geht es kaum anders. Der an einem schönen Morgen aufgefundene Tote stammt von dort. Patric Provost, Schafzüchter von der schönen Insel, hat die Belle-Île nur einmal jährlich verlassen, zum Geburtstag seines Onkels. Genau diesen Tag hat der Mörder erwischt - bewusst oder zufällig?

Patric war bei allen unbeliebt. Es gibt keinen, der ihn mochte, nicht mal sein Onkel. Alle innovativen Ideen der Inselbewohner hat Patric sabotiert. Er war niemandes Freund, ein schlechter Arbeitgeber und ein Nein-Sager, der niemandem etwas gönnte oder auch nur zwei Zentimeter entgegen kam. In diesem Umfeld ermittelt Dupin mit seinem Team, unterstützt vom Insel-Commandant Cosqueric.

Rival stammt von der Insel und hat Heimvorteil. Er erzählt wie immer bretonische Sagen, diesmal solche, die sich um die Belle-Île ranken. Nolwenn hingegen lässt keine Anrufe an Dupin vergehen, ohne ihm nicht noch mindestens einen bretonischen Sätze abzuverlangen. 

Zusammen mit dem Team erleben die Leser die Belle-Île, und wie so oft beim Lesern der Dupin-Bände, bekommt man sofort Lust, den Schauplatz zu besuchen. Ein Café oder Whisky im Garten des Goulou zu trinken oder ein Essen beim Leuchtturm, bei dem auch Vegetarier in Versuchung geraden könnten, das berühmte Salzlamm der Insel zu degustieren und dabei über die Möglichkeit einer autarken Energiegewinnung zu diskutieren. 

Dieser Fall ist interessant, obwohl ich mir bald sicher war, wie er ausgehen wird. Bis dahin passiert aber noch einiges Unvorhergesehenes und wie immer ist das Ermittlungs- und Erzähl-Tempo extrem hoch. Apropos Erzählen: einige Verdächtige würde man am liebsten knebeln, damit sie nicht so viel reden, Madame Corbel zum Beispiel. Riwal ist fast schon stumm dagegen. 

Mir hat es Spass gemacht, Dupin und sein Team bei ihrem Jubiläum zu begleiten. 

Den Fall hab ich in weniger Tagen ausgelesen, als er gelöst wurde. Ich staunte dabei über einige tolle Ideen betreffend Alibiüberprüfungen, und freue mich, wenn der nächste Fall - hoffentlich ohne Schifffahrt für Dupin - ansteht. 

Fazit: Mit "Bretonische Idylle" feiert die Serie ein würdiges Jubiläum!
4 Punkte.