Posts mit dem Label Skandinavien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Skandinavien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 18. Dezember 2019

Winterglück am Meer von Julie Larsen

Klappentext:
Mit Leib und Seele kümmert sich Olivia Adamsen um das Familienunternehmen. Ob sie leckeren Cider aus der eigenen Kelterei ausschenkt oder die Gäste des kleinen Bed and Breakfast »Hotel Hygge« auf der dänischen Insel Mandø umsorgt, Olivia hat ihre Berufung gefunden. Darum trifft es sie völlig unvorbereitet, als sie erfährt, dass der Betrieb vor dem Aus steht. Doch der nächste Schock folgt sogleich, denn der attraktive Jesper, in dessen Nähe sie zum ersten Mal seit Langem wieder Schmetterlinge im Bauch hat, ist nach Dänemark gekommen, um den Kauf des Geschäfts voranzutreiben. Olivia ist bereit, für ihren Traum zu kämpfen. Doch bleibt die Liebe dabei auf der Strecke?

Romane, die in Dänemark spielen, hab ich noch nicht viele gelesen. Dies, das hübsche, winterliche Cover und Stichworte aus dem Klappentext wie "Cider"  und "Hotel Hygge" haben mich neugierig auf den Roman von Julie Larsen, ein Pseudonym einer deutschen Autorin, gemacht. 

Jesper arbeitet in einer Investmentfirma und hätte eine Beförderung verdient, doch sein Chef Ulrich macht kurzfristig ein Wettbewerb draus. Ulrich nimmt ihm nicht nur sein aktuelles Projekt weg und gibt es seiner Konkurrentin, sondern schickt Jesper in die dänische Pampa. 

Hier, auf einer kleinen Insel vor Dänemark, lebt und arbeitet Olivia bei ihrer Tante und ihrem Onkel und arbeitet im Familienunternehmen. Dies umfasst eine Kelterei, ein Pub sowie ein B&B auf dem Hofgelände auf der Gezeiteninsel. Ihre Cousine liefert Obst für den selbstgebrauten Cider - alle helfen wo es gerade nötig ist. Keiner hat eine Ahnung, wie schlecht es um die Firma steht. 

Jedes Jahr trifft sich die ganze Familie  - ein Stammbaum zum besseren Überblick der Familie befindet sich auf den ersten Seiten - im Dezember zuhause, zu diesem Zeitpunkt beginnt der Roman. Cousin Mads will Olivia ein Date verschaffen. Als sie am selben Abend Jesper kennenlernt, denkt sie, dass er dieses Blind Date sei. Dieses Missverständnis klärt sich, als Onkel Per der versammelten Familie endlich sagt, dass er verkaufen muss. Welch ein Drama für alle, insbesondere für Olivia, die nicht nur ihren Lebensinhalt verlieren wird, sondern nun auch von der Liebe einmal mehr enttäuscht wurde.

Diese winterliche, kurzweilige Geschichte bietet ein bisschen Spannung, Familiengeschichten und auch romantische Szenen. Denn wenn der Traktor unter dem Mondlicht im Meer stillsteht, wird es nicht nur Olivia und Jesper warm ums Herz. Bis sie das auch richtig geniessen können, muss aber noch einiges geschehen.

Fazit: "Winterglück am Meer" ist ein leichter Liebesroman mit einem tollen Setting, mir fehlte aber das gewisse Etwas
3.5 Punkte. 


Freitag, 13. Dezember 2019

Das Funkeln einer Winternacht von Karen Swan

Klappentext:
Bo und ihr Freund Zac führen ein Leben, von dem andere nur träumen können: Als Social-Media-Stars reisen sie um die Welt und teilen ihre Abenteuer mit Millionen von Fans. Für Weihnachten haben sie sich ein spektakuläres Ziel ausgesucht: eine abgelegene Farm in den norwegischen Fjorden, die dem faszinierenden Bergführer Anders und seiner Großmutter Signy gehört. Doch umgeben von schneebedeckten Gipfeln und gefrorenen Wasserfällen spürt Bo ein wachsendes Unbehagen über die permanente Inszenierung ihres Lebens. Und Anders ist der Einzige, der ihr zuhört.



In der Adventszeit ist es für mich zur Tradition geworden, einen Weihnachtsroman von Karen Swan zu lesen. Ihr aktueller, "Das Funkeln einer Winternacht" passt zeitlich perfekt in den Dezember, denn in diesem Monat spielt sich die Geschichte um Bo, Zac, Lenny, Anna, Anders und Signy ab. 

Bo und Zac sind ein erfolgreiches Influencerpaar, moderne Nomaden, die nirgends mehr zuhause sind. Sie fliegen um die Welt, bleiben jeweils einige Wochen an einem Ort und ziehen dann wieder weiter. Der Roman beginnt mit ihren letzten Tagen in der Südsee, bevor sie nach Norwegen reisen. Dies ist nicht nur wettermässig ein Kulturschock. Die Hütte, die Fotograf Lenny angemietet hat, liegt nämlich extrem abgelegen.

Zac ist auf spektakuläre Fotos aus, immer spezieller und gefährlicher sollen sie sein. Lenny knipst fast durchgehend, um ja nichts zu verpassen. Bo hingegen ist immer unzufriedener, sie sehnt sich nach ungestörter Zeit, die sie mit Zac verbringen kann. Sie will ihr Privatleben zurück, sie mag nicht jede private Minute mit der ganzen Welt teilen, doch Zac und Lenny sehen das anders. Bereits in der Südsee kriselte es zwischen den dreien. In Norwegen spitzt sich nun alles zu, denn Bo entdeckt Fotos von ihr, die sie nicht online stellen wollte und dann gesellt sich noch Anna dazu. 

Anna ist die Vertreterin der Modefirma, für die "Die Waldlusters" wie sie sich auf Instagram nennen, Werbung machen, indem sie deren Kleidung tragen. Deshalb müsste auf dem Cover eigentlich eine Frau in einer gelben Winterjacke abgebildet sein anstatt in einer roten Jacke.

Viel Platz haben sie nicht in ihrem gemieteten kleinen Häuschen. Einzig ihre Vermieterin, die alte Signy, wohnt nebenan. Über Signys Leben wird in einem zweiten Erzählstrang berichtet. Diese Geschichte zieht sich ein wenig dahin. Sie wurde gebraucht, um die Gegenwart zu untermalen, aber nötig gewesen wäre sie meiner Meinung nach nicht.  

Wer der Bösewicht der Geschichte ist, war mir viel zu schnell klar, die Spannung war daher nicht mehr hoch. Dafür fand ich die Instagram-Story sehr glaubhaft, obwohl es kein Thema ist, das mich gross interessiert.

Viel schöner hingegen fand ich die Szenerie in Norwegen - die Beschreibungen der Fjorde, der viele Schnee, die Abgeschiedenheit und das einfache Leben in der kleinen Hütte sind toll beschrieben. Gerne hätte ich auch mehr von dem wortkargen Anders erfahren, bzw. viel früher etwas von seinem Leben gelesen, hätte gewünscht mehr in seine Gedankenwelt integriert zu werden. Er kümmert sich total lieb um seine Grossmutter Signy und hilft den drei Instagramer mehr als sie verdient hätten.

Ansprechend war, dass der Roman fast ausschliesslich mit diesen sechs, oben erwähnten, Figuren auskam und man nicht mit vielen Nebenfiguren abgelenkt wurde.

"Das Funkeln einer Winternacht" ist jetzt nicht der allerbeste Swan-Roman, doch er ist durch das Norwegen-Setting interessant und zeigt auch Gefahren der übermässigen Social Media Nutzung auf. Dabei wurde ich gut unterhalten und verbrachte gemütliche Lesestunden, die mich gedanklich in Norwegens Fjorde versetzten. 

Fazit: Ein wahrhafter winterlicher und schneereicher Winterroman, der sich schnell lesen lässt. 
4 Punkte. 

Donnerstag, 28. November 2019

Krimi: Venner von Franziska Hidber und Christian Ruch

Klappentext:
Der Auslandschweizer Reto Anrig wird tot auf der nördlichsten Landzunge Europas gefunden. War es wirklich ein Unfall auf der Nordkap-Insel Magerøya? Ja, sagen Polizei und Rechtsmedizin. Doch Selina, die Tochter des Toten, und ihr Kindheitsfreund, der junge Dorfpolizist Einar, folgen ihrem Instinkt und entdecken Ungereimtheiten und dunkle Geheimnisse – im hohen Norden ebenso wie in Retos Heimat, dem Sarganserland.






Schiefer - dieses Gestein haben beide Spielorte des ersten Kriminalromanes vom Autorenduo Franziska Hidber und Christian Ruch gemein. Das Nordkapp in Norwegen ist ein Schieferplateau, dasselbe Gestein kommt ebenso im Sarganserland, im Südosten der Schweiz, vor. 

Auf der menschenleeren Insel Mageroya im Norden von Norwegen ist es oft dunkel. Hier in Honningsvag lebt der Schweizer Reto Anrig mit seiner Tochter, Studentin Selina. Als er eines Tages nach einer Wanderung nicht zurück kommt, sondern tot aufgefunden wird, ist Selina sicher: ihr Vater wurde ermordet. 


Nur Einar, der Dorfpolizist, teilt Selinas Meinung - und nicht nur, weil er in Selina verliebt ist - und beginnt inoffiziell zu ermitteln. Dabei tritt er in ein paar Fettnäpfchen, dafür kann er aber mit brisanten Neuigkeiten aufwarten. Derweil reist Selina in die Schweiz, um das geerbte Haus in der Schweiz auf sie überschreiben zu lassen. Auch sie bleibt nicht untätig und erfährt einiges, ihr bis dahin unbekannte Dinge, über die Jugendjahre ihres Vaters. Selina bekommt nicht nur Post von der Gemeinde, sondern auch Drohbriefe - anscheinend passt es jemandem nicht, dass Selina im Städtli, in der Altstadt von Sargans, Fragen stellt. 


Obwohl mir schon bald klar war, welche Figuren verdächtig sind, war der Krimi interessant zu lesen. In Einars Erzählstrang lernt man das Polizeiteam um Chef Olav Dunderland kennen, sowie einige Dorforiginale, aber auch den Immobilienhai Knut Halvorsen, mit dem sich Reto angelegt hat. In der Schweiz stehen die Begegnungen mit Schulfreunden von Reto im Vordergrund, wie auch zwei Ausflugsziele in der Gegend, die nicht nur der Dekoration dienen, sondern auch für die Auflösung des Falles wichtig sind. 


Die Stimmungen an beiden Orten sind glaubhaft geschildert. Besonders der Teil in der Schweiz - als Heimweh-Sarganserin kann ich das bezeugen. Lokalkolorit wird gross geschrieben, auch die Namen sind gängig in der Gegend. Des Weiteren werden viele regionstypische Begriffe erwähnt. Diese zu verstehen, war für mich als Einheimische natürlich kein Problem. Auch andere Schweizer sollten keine Verständnisprobleme haben damit. 

Aber so wie ich viele deutsche Leser kenne, wird das für deutsche Ohren zu viel des Guten sein. Mich hingegen irritierte das norwegische "Mamma" und "Pappa" - jedesmal hatte ich das Gefühl, sie wären falsch geschrieben. Bei richtigen Kosewörtern wäre es wohl anders, aber bei der Nennung der Eltern kam mir diese Schreibweise komisch vor. 


Mehr störte mich allerdings, dass die Gedanken der Figuren in Gänsefüsschen gesetzt wurde. Die Kapitel werden ja eh von den entsprechenden Charakteren, abwechselnd von Einar und Selina, erzählt, und sind demzufolge auch Gedanken. Dass die wortwörtlichen dann eben anders gehandhabt werden, fand ich erschwerend um flüssig weiter zu lesen. 

Der Titel hingegen macht viel Sinn, er wird im Laufe der Geschichte erläutert, und passt in vielerlei Hinsicht perfekt zur Geschichte.

Insgesamt ist "Venner" ein unterhaltender, wenn auch recht vorhersehbarer Krimi. Ein bisschen mehr Spannung hätte der Handlung gut getan. Durch den lokalen Bezug machte es aber viel Spass ihn zu lesen. 

Fazit: Ausbaufähiger, aber solider Erstlingskrimi mit einer interessanten Handlung und viel Lokalkolorit. Nicht nur für Norwegen und Schweiz-Fans!
4 Punkte. 

Vielen Dank an den Driftwood Verlag! (www.dbooks.ch)

Dienstag, 25. Juni 2019

Krimi: Das vergessene Haus von Marianne Cedervall (Anki Karlsson 3)

Klappentext:
Auf Gotland sind endlich die ersten Frühlingsboten angekommen. Anki Karlsson lernt bei einem mehrtägigen Ausflug die Journalistin Ninni Weström kennen, die für einen Artikel die Geschichte eines alten Frauenhauses recherchiert. Schnell wird klar, dass mit diesem Haus viele gemischte Gefühle und ein dunkles Geheimnis verbunden sind. Und plötzlich verschwindet Ninni spurlos! Anki verbeißt sich in den Fall und bittet ihren Nachbarn, Ex-Kommissar Tryggve, um Unterstützung bei den Ermittlungen. Überrascht stellen die beiden fest, dass Ninnis Mutter für einige Zeit im Frauenhaus gelebt hat. Offenbar ist Ninnis Verschwinden kein Zufall und war erst der Anfang.


Endlich wurde der dritte Teil der Anki Karlsson-Serie übersetzt! Das rote Haus auf dem Cover sieht gemütlich aus, und gerne würde man das als Ferienhaus nutzen. Doch nach dem Lesen des Krimis würde man sich wohl erst genauer über das Haus informieren, bevor man seine Ferien dort verbringt.

Denn in "Das vergessene Haus" geht es um eine ehemalige Ferienlager-Siedlung für Mütter und Kinder, in der es leider nicht so idyllisch wie auf dem Cover aussah.

Kerstin Weström kam vor Jahren mit ihrer kleinen Tochter Ninni nach Smissarve. Für Ninni waren es schöne Tage, die abrupt endeten, da ihre Mutter mit ihr unverzüglich nach Hause fuhr. Was war damals geschehen? 

Kerstin leidet mittlerweile an Demenz, zuckt aber bei Fotos aus Smissarve zusammen. Journalistin Ninni will wissen, was damals passierte und plant eine Reportage über die "Stiftung Mütterhaus" zu schreiben. Kurz nachdem sie vor Ort zu recherchieren beginnt, wird sie bedroht. Einige Tage nachdem Ninnis zweiter Artikel in der Zeitung gedruckt wird, verschwindet sie urplötzlich. 

Anki, die sich ebenfalls für die Geschichte von Smissarve interessiert, forscht nach Ninnis Verschwinden selbst nach und kann der Polizei einige Hinweise geben. Auch Tryggve hat ein grosses Interesse an der Story, denn er nahm damals eine Anzeige von Kerstin auf, doch der Fall blieb ungelöst. 

Der Fall spielt sich in der kirchlichen Umgebung von Smissarve ab, ein wenig entfernt von Mullvald, dem Dorf, in dem Anki und Tryggve wohnen. Leider gab es kein Wiedersehen mit anderen Dorfbewohnern, was ich ein wenig bedauerte. Immerhin bekommt Anki Besuch von ihrer Enkelin Maja, die für einige Wochen bei ihr wohnt.

Das Thema ist (leider) immer wieder aktuell, eher bekannt aus dem irischen Raum und gibt dem Kriminalroman einen ernsten Touch. Einige Dinge waren mir zu wenig genau beschrieben, fast vernachlässigt worden - zum Beispiel als man nach Ninni suchte, hätte die Polizei ganz leicht herausfinden können, wann sie in Schweden eingereist ist.

Trotzdem konnte mich auch dieser Gotlandkrimi fesseln und ich hatte ihn in einem Tag ausgelesen. 

Fazit: Solider und ruhiger Kriminalfall, in dem ein Cold Case nach Jahren endlich gelöst wird. 
4 Punkte. 


Reihenfolge:
Band 2: Trüffeltod
Band 3: Das vergessene Haus

Freitag, 31. Mai 2019

Jetzt noch mal von vorn von Peter Barlach

Klappentext:
Caroline hat sich den Traum von ihrer eigenen Tapas-Bar in Stockholm erfüllt. Sie und ihre beste Freundin Bente führen das gemütlichste Restaurant der ganzen Stadt. Doch leider bleibt kein Geld übrig, und Caroline hat noch ein anderes Problem. Der neue Vermieter will sie raushaben und versucht mit allen Mitteln, Caroline zu vertreiben. Aber sie holt sich Hilfe bei dem charmanten Anwalt Oscar. Und dann passiert etwas, mit dem niemand rechnen konnte: Sie erbt eine große Summe Geld. Anscheinend sind alle Probleme gelöst, doch plötzlich steht die Polizei vor der Tür.



"Jetzt noch mal von vorn" ist anscheinend der zweite Teil der Geschichte um Caroline und ihre Tapas-Bar. Leider wusste ich dies noch nicht, als ich das Buch zu lesen begann. 

Vielleicht könnte man die Beziehungen von Caroline besser verstehen, wenn man den ersten Teil gelesen hat, aber es ging auch ohne gut. Mich lockte die Tapas-Bar in Stockholm, das hörte sich gut an.

Doch schnell war ich enttäuscht, es ist eine komische Geschichte.

Carolines neuer Vermieter will sie aus dem Haus werfen, damit er das gesamte Gebäude sanieren kann und später teurer vermieten. Doch er hat nicht mit Carolines Widerstand gerechnet. Obwohl finanziell nicht viel herausschaut und sie deswegen keinen weiteren Raum mieten kann, um zusätzlich einen Cateringservice aufzubauen, will sie ihre Tapas-Bar nicht hergeben. 

Die neue Vermieter ist nicht das einzige Problem in Carolines Leben. Ihre ältere Nachbarin Nancy liegt nach einem Schlaganfall in einem Pflegeheim, Caroline ist die einzige, die sie besucht. Nancy will nicht mehr leben, und bittet Caroline ihr zu helfen. 

Der Roman spielt sich zwischen diesen beiden Problemen und dem Umstand, dass sich Caroline in ihren Anwalt Oscar verliebt hat, ab. Es könnte eine nette Geschichte sein, wenn die Charaktere besser ausgearbeitet wären. Doch alle sind blass, man kann sie nicht mal sympathisch oder unsympathisch finden, denn dafür ist zu wenig da. 

Man weiss auch nicht, in welches Genre man die Story packen soll. Es ist weder Fisch noch Vogel, von allem ein bisschen, aber nichts richtiges. 

Fazit: Schwache Geschichte mit oberflächlichen Charakteren.
2 Punkte. 

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Das Mädchen, das Weihnachten rettete von Matt Haig

Klappentext:
Die achtjährige Waise Amelia fristet ein kärgliches Dasein als Kaminkehrermädchen und hofft inständig auf Rettung durch den Weihnachtsmann. Der hat jedoch alle Hände voll zu tun: Aufruhr im Wichtelreich, Rentiere, die vom Himmel fallen, der Weihnachtszauber, der schwächer wird – wenn das so weitergeht, droht Weihnachten auszufallen. Aber Amelia ist kein gewöhnliches Mädchen: Nur mit ihrer Hilfe kann der Weihnachtszauber gerettet werden!





Weihnachten steht vor der Türe und der Weihnachtsmann freut sich, dass er die Geschenke, die die Wichtel liebevoll gefertigt haben, bald verteilen kann. Doch dann erlischen die Polarlichter im Hoffnungsbarometer und im Wichteldorf passiert Ungeahntes - Trollalarm! Zeitgleich hofft in London, anno 1840, Amelia auf den erneuten Besuch des Weihnachtsmann. Doch auch ihre Hoffnung erlischt, denn Mister Creeper will sie in sein Arbeitshaus mitnehmen. Kann der Weihnachtsmann Weihnachten und Amelia retten?

In dieser Geschichte begegnen wir Queen Victoria und Charles Dickens und ich habe sehr bedauert, dass die beiden nur kurze Auftritte hatten. Dafür hat Chris Mould die Begegnungen mit diesen Berühmtheiten - und natürlich auch alle anderen Zeichnungen - wundervoll illustriert. Er gibt den Trollen und Wichteln ein Gesicht, vertieft die eh schon tollen Beschreibungen des Autors. 

Es ist eine liebevolle Geschichte voller Zauber, Hoffnung, Humor und Wärme. Matt Haig vermittelt zwei bedeutsame Botschaften "Nichts ist unmöglich" und "Ohne Hoffnung keine Wunder", die nicht nur für Kinder wichtig sind. 

Die diversen Figuren wie die Wahrheitselfe Pixie, die Wichtelfrau Nusch oder die Trolle - "Nachdenken macht Kopfweh" - sind wahnsinnig schön charakterisiert. Ja, gerne möchte man sich in Wichtelgrund umsehen, und sei es nur weil man da mit Schokoladentaler bezahlen kann. Aber auch die Szenen in London können sich sehen lassen und Amelia ist ein sehr starker Charakter, die immer zu ihrer Grundüberzeugung steht. Mein Lieblingscharakter war aber Mary, die mit einer kleinen Geste unbemerkt vielen Mitmenschen ihr hartes Leben ein wenig versüsste.

Auch ohne den ersten Band zu kennen, kann dieses Buch gelesen werden. "Ein Junge namens Weihnachten" lohnt sich aber trotzdem zu verschlingen, um die gesamte spannende und genauso einfühlsame Vorgeschichte zu kennen. Ich bin versucht, den dritten Teil jetzt schon auf Englisch zu lesen - die beiden Bücher sind so schön und wunderbar geschrieben, dass ich nicht auf die Fortsetzung warten mag.

"Das Mädchen, das Weihnachten rettete" ist ein Buch für Kinder und Erwachsene, zum Vorlesen, selber lesen und Verschenken. Auch wenn in der eigenen Stube der Weihnachtsmann unbekannt ist, weil wie bei uns in der Schweiz an Heiligabend das Christkind die Geschenke bringt, sind die drei Weihnachtsbücher von Matt Haig ein Muss, den sie bringen uns die Mär rund um den Weihnachtsmann und seinen Helfer auf eine ganz liebevoll humorige Art näher.

Fazit: Eine zauberhafte Fortsetzung von "Ein Junge namens Weihnachten"! Wer auf Weihnachtsmärchen steht, darf sich diese Bücher nicht entgehen lassen. 
5 Punkte.


Reihenfolge:
Band 1: Ein Junge namens Weihnachten
Band 2: Das Mädchen, das Weihnachten rettete
Band 3: Father Christmas and me (erscheint wahrscheinlich im Herbst 2018 auf Deutsch)

Sonntag, 8. Oktober 2017

Hygge: Wie dänische Gemütlichkeit dein Leben glücklicher macht von Jonny Jackson & Elias Lorsen

Klappentext: 
Die Dänen sind eines der glücklichsten Völkchen der Erde. Ihr Geheimrezept zum Glücklichsein? Hygge!Hygge ist kein Wort, das sich leicht übersetzen lässt. Hygge ist ein Lebensgefühl, das die Magie der kleinen Dinge feiert. Es bedeutet Gemütlichkeit, Zusammensein, Picknicks an Sommerabenden und heiße Schokolade in Winternächten. Hygge ist schlicht ein kleines Gegengewicht zu unserer schnellen Welt. Dieses kleine Wohlfühlbuch gibt einen Einblick in die dänische Lebensphilosophie und bietet viele praktische Rezepte, Basteltipps und Anleitungen zum Glücklichsein.


Hygge - diesem Wort begegnete ich in letzter Zeit sehr oft. Es soll aus dem Dänischen kommen und so viel wie Gemütlichkeit oder Wohlbefinden heissen. Oder: Das Glück in den einfachen Freuden des Alltags finden. Mittlerweile gibt es einige Bücher und auch Zeitschriften zu diesem Thema.

Braucht es denn wirklich Bücher zum Thema Gemütlichkeit? Weiss man heutzutage denn nicht mehr, wie man es sich gemütlich machen kann? Um mir diese Fragen zu beantworten, hatte ich mir vorgenommen, mir nächstens eine Zeitschrift ("Hygge") zum Thema zu kaufen und ein Buch dazu an anzuschauen. Beim Verlag Ars Edition entdeckte ich ein gerade neu erschienenes Buch und erhielt es netterweise zur Rezension. Nun konnte ich mich ins Thema vertiefen. 

Das Buch von Jonny Jackson ist zum richtigen Zeitpunkt erschienen - im Herbst. Klar kann man es sich auch im Sommer gemütlich machen, doch der Herbst ist die Zeit, in der die meisten von uns sich gerne aufs Sofa zurück ziehen mit einem guten Buch, vielleicht etwas stricken, öfters Kuchen backen oder vermehrt wieder Warmes essen und trinken. Letzteres besonders nach einem Spaziergang im Wald, bei dem man die farbigen Blätter von den Bäumen fallen sah. 

Vielleicht gibt es Menschen, die Anleitungen oder Ideen brauchen, um sich nach hektischen Arbeitstagen fallen lassen zu können. Vielleicht haben sie es verlernt, wie man sich entspannt. Für all jene und aber auch für Menschen, die es von Natur aus gerne gemütlich und bereits ein kuscheliges Zuhause haben, ist dieser kleine Bildband ein ideales Geschenkbuch. Es besticht mit schönen Fotos und vielen Ideen, wie man es sich (noch) gemütlicher machen kann - und entspannen.  

Man liest von spannenden Spaziergängen und Ideen für saisongerechte Dekorationen, bekommt Tipps für das richtige Kaminfeuerholz und den Kauf umweltbewusster Kerzen. Eine Liste mit Wohlfühlfilmen und Anleitungen für Handarbeiten wie Filzpantoffeln oder Tassenwärmer folgen. Des weiteren sind Rezepte enthalten für viele warme Getränke und Speisen, unter anderem erfährt man wie man ein Lebkuchenhaus selber backen und bauen kann. 

Aus dem Buch nehme ich für mich die Tassenwärmer-Anleitung mit. Man könnte natürlich selbst zu den Stricknadeln greifen, aber die beschriebene Idee geht schnell: man braucht dafür nur einen alten Socken. 

Und dies ist genau das, was mir so gut gefallen hat, nämlich dass sämtliche Ideen ganz einfach umgesetzt werden können. Die Leser müssen also nicht per se bereits ein Profi im Backen und Basteln sein, auch Anfänger werden alles ohne viel Vorkenntnisse  realisieren können. Dies entspricht meiner Meinung nach dem Hygge-Gefühl: unkompliziert und ohne grossen Aufwand - damit man auch wirklich Zeit zum entspannen hat und sich nicht an schwierigen Instruktionen die Zähne ausbeisst und deswegen gestresst wird. Somit empfinde ich das Buch als gelungen!

Fazit: Ein durchaus hyggeliges Buch - ideal zum Verschenken, auch an sich selbst! 
4 Punkte.


Montag, 10. April 2017

Sherry für drei alte Damen oder wer macht hier das Licht aus? von Minna Lindgren (Drei alte Damen 3)

Klappentext:
Die Freundinnen Siiri, Irma und Anna-Liisa ziehen aus ihrer WG zurück ins frisch renovierte Altersheim. Dort glaubt man offenbar an die Wunder der Technik bei der Altenpflege. Da scheinbar nichts mehr ohne EDV und Computer geht, brauchen die drei Freundinnen eine gehörige Portion Humor und viel gesunden Menschenverstand, um das alles überleben zu können. Siiri, Irma und Anna-Liisa freuen sich, nach ein paar Monaten in ihrer Alten-WG in ihre Seniorenresidenz zurückziehen zu können. Doch die ähnelt mehr einem Versuchslabor. »Computerbasierte Altenpflege« ist der neueste Schrei – und die drei alten Freundinnen könnten wirklich den lieben langen Tag nur noch schreien. Da braucht es schon viel Selbstironie, um auch diese neue, allzu neue Situation souverän meistern zu können.


Sprechende Wände und Kühlschränke - das erwartet die drei alten Damen im renovierten Altersheim Abendhain. Essen gibt es nur noch aus dem Automaten, und zwar ausschliesslich von 8 bis 16 Uhr. Pflegepersonal ist Mangelware, die einzigen Betreuer scheinen einer Sekte anzugehören. Bekehrungsversuche sind an der Tagesordnung, nicht ohne die Bitte Spenden sofort und online zu überweisen. 

Irgendwas läuft gehörig schief im Abendhain und Siiri wird immer misstrauischer. Massagestühle im Aufenthaltsraum sind ja ganz angenehm, aber Sport nur noch über Spielkonsolen zu treiben und eine Rattenplage bringen das Fass zum Überlaufen und die Freundinnen auf eine Idee.

Fast könnte man Angst bekommen, dass die beschriebene Technik in ein paar Jahren überall einzieht und hofft, dass man selbst möglichst lange alleine leben kann, um solch einem Leben zu entgehen. 

Siiri ist zum Glück noch mobil genug um ihre geliebten Tramfahrten wahrzunehmen und freut sich sehr, als sie Mika wieder sieht. Auch mit Muhi aus Band 2 gibt es ein Wiedersehen - ein schöner Abschluss dieser finnischen Serie. 

Wie in den ersten beiden Büchern wird auch hier nicht mit Humor gegeizt, viel Neues - ausser der ganzen modernen Technologie, die im Abendhain Einzug gehalten hat - gibt es im vorliegenden dritten Band aber nicht. 

Fazit: Wie die Vorgängerbände humorvoll und herrlich ironisch und ein guter Abschluss der "Drei alte Damen"-Serie.
3.5 Punkte.


Reihenfolge:
Band 3: Sherry für drei alte Damen oder Wer macht hier das Licht aus?

Mittwoch, 22. Februar 2017

Gustaf alter Schwede von Claus Vaske

Klappentext: 
Heja, hier ist Gustaf: der fröhlichste Schwedenimport seit ABBA! Wo ist bloß der Haken? Das fragt sich Familie Baumann noch, als der Möbelwagen vor ihrer jüngst zum Schnäppchenpreis erstandenen Traumvilla im rheinischen Rotthoven vorfährt. Zu Recht: Hätte sie gewusst, dass ihr fortan Gustaf, der 411 Jahre alte Schwede, Hausgeist, Trunkenbold und Schwerenöter, das Leben zur Hölle macht, hätte sie ihre großen und kleinen Krisen sicher anders zu lösen versucht. Aber wenn Gustaf nicht gewesen wäre, hätten sie vielleicht beinahe ihr Glück verpasst …




Geschrieben aus Sicht von Mama Saskia, berichtet sie, wie die Familie ihr neues Haus gesucht, gefunden und schlussendlich darin eingezogen ist. Weiter erzählt wird von ihrem Familienalltag: von der pubertierenden 14jährigen Kim, die gerade ihren ersten Freund hat, was Vater Achim an den Rand der Verzweiflung bringt und vom 10jährigen Lukas, dessen Lehrerin Saskia zu sich zitiert. Als hätte sie nicht schon genug los mit ihrem Job als Krankenhauspsychologin, dem attraktiven Dr. Sittler und der Tatsache, dass sie zum Haus gratis und franko einen Hausgeist namens Gustaf mit dazu bekommen haben! 

Auf ihn aufmerksam werden sie erst mit der Zeit, als unerklärlicherweise Saskias Käse aus dem Kühlschrank und Achims Bier aus dem Keller verschwinden und jenste nicht bestellte Amazonpakete bei ihnen ankommen. Eines Abends stellt sich Gustaf ihnen vor - ab da geht so einiges schief. Sie müssen Gustaf schnellstens los werden, bloss wie?

Die Geschichte ist witzig aufgemacht, der Leser lernt ganz nebenbei einige schwedische Vokabeln, doch hauptsächlich geht es um "Knulla", das schwedische Wort für Sie-wissen-schon. Worauf auch Gustaf anspringt, und öfters auf diese und andere Schwachstellen des Familienlebens hinweist.


Wo ist bloss der Haken? Das fragten sich nicht nur die Baumanns beim Hauskauf, sondern auch ich mich während dem Lesen. Überzeugt hat mich die Geschichte nämlich nicht. Mir fehlte das gewisse Etwas, vielleicht auch ein wenig mehr Tiefgründigkeit. Obwohl viele Alltagsprobleme angesprochen werden, wird auf die nicht wirklich eingegangen, sondern mit einem ironisch-humorvollen Stempel versehen. Dies zieht sich konsequent durch bis zur letzten Seite. Zwar lustig zu lesen, aber nur lustig ist mir zu wenig. 


Während dem Lesen dachte ich, dass die beiden Erzählstränge am Ende zusammengeführt werden. Beide wurden zwar "aufgelöst", aber sie blieben sauber getrennt, für mich unbefriedigend, ich habe mehr erwartet. 

Das Cover hingegen gefällt mir sehr gut, leider hat es der Inhalt nicht geschafft mich zu überzeugen. 


Nach dem Schluss folgte ein Epilog, der fast das Aufregendste an "Gustaf alter Schwede" war - denn man könnte nun darüber diskutieren, ob es sich dabei um ein witziges Finale oder einen womöglichen Cliffhanger handelt, mit dem sich der Autor ein Hintertürchen für einen möglichen zweiten Band offen lässt. 

Fazit: Humorvoll, aber ohne Tiefgang wird der Alltag einer Familie erzählt, die in Form von einem Geist erweitert wird. Ein Roman, den ich so schnell vergessen werde, wie ich ihn gelesen habe. 
2 Punkte.


Montag, 6. Februar 2017

Lesung von Minna Lindgren

Am Montagabend erlebte ich die finnische Autorin Minna Lindgren im Kaufleuten in Zürich. Die Lesung war sozusagen der Auftakt zum Festjahr "100 Jahre Unabhängigkeit Finnland". Die schweizerische Vereinigung der Freunde Finnlands und die finnische Botschaft der Schweiz organisierten und ermöglichten die Lesung der in Finnland sehr bekannten Autorin. Unter anderem veröffentlichte sie die Romanserie "Drei alte Damen" - Band 1 (Rotwein für drei alte Damen) und Band 2 (Whisky für drei alte Damen) sind bereits auf Deutsch erschienen, Band 3 (Sherry für drei alte Damen) folgt im April.


Sprachwissenschaftlerin Carmela Ahokas Houben moderierte die Lesung, auf Deutsch gelesen hat die Schauspielerin Satu Blanc - ihr seht, alles war in finnischer Hand! Auch das Publikum (circa 100 Personen) setzte sich zum grossen Teil aus finnischen Landsleuten, die in der Schweiz leben, zusammen. Nur einzelne Besucher waren wie ich "Nur-Schweizer" und "einfach-so-Leserinnen". Das waren alle die, die nicht (oder an den falschen Stellen) gelacht haben, als Minna Lindgren gegen Schluss selbst noch einige Szenen auf Finnisch vorlas 😄. Ich verstand nicht mal "Bahnhof", sondern nur "Irma". Die Lacher hatte Minna auch auf ihrer Seite, als sie das serientypische "Döden, döden, döden" und "Kikeriki" nachmachte, zweiteres hörte sich auf Finnisch ein wenig anders an als auf Deutsch und hat sie von ihrer Grossmutter geklaut. Das "Döden" stammt von Astrid Lindgren, was aber im ersten Band genau erklärt wird. 

Ihr seht, diese Finnin, die so humorvoll, ironisch und dennoch sehr alltagsnah und real über das Leben in einem finnischen Altersheim schreibt, kommt selbst genauso rüber. 

Minna Lindgren ist studierte Musikwissenschaftlerin und Journalistin, sie arbeitete beim öffentlich rechtlichen Rundfunk, der im ersten Band  einmal zur Sprache kommt. Sie besticht durch ihren Humor und lacht gerne und laut. Diesen Humor merkt man in ihren Büchern gut und obwohl die Thematik eigentlich nicht zum Lachen ist, versieht sie ihre Protagonisten mit einer grossen Portion Satire und nimmt somit das traurige (nicht nur) finnische Gesundheitssystem aufs Korn. 


Ihre Protagonisten haben viel von Minnas eigener Familie abbekommen. So erzählt sie ein wenig über ihre Charaktere: Irma erinnert, eine typische Grande Dame aus der Upper Middle Class von Helsinki, mit ihrem schwedisch-finnischem Dialekt sehr an Minnas Mutter, ihre Cousins und Schulfreundinnen. 
Anna-Liisa, wie auch Minna, hat eine Leidenschaft für die finnische Grammatik. Anna-Liisa erwartet, dass die Leute ihre Korrekturen ernst nehmen. Sie weiss alles über alle - genau wie Minnas Vater.

Inspiriert zur Serie wurde die Autorin einerseits, weil ihre Eltern selbst in einem Altersheim leben, andererseits schrieb Minna während ihrer Zeit als Journalistin Artikel über Seniorenpflege und das finnische Gesundheitssystem. 

Die ganzen Diskrepanzen
- über Ärzte, die Leben verlängern wollen, egal wie alt ihre Patienten sind (Herzschrittmacher einsetzen mit 94? In diesem Alter warten viele Senioren auf den erlösenden Schlaganfall)
- über Medikamente, die zusammen eingenommen Demenz auslösen; 
- über Senioren, die mit 95 wegen normalem Fieber per Ambulanz ins Spital eingeliefert werden; 
- und die nicht verstehen, wieso sie in ihrem hohen Alter plötzlich auf ihre Ernährung achten sollen, sie könnten wegen Diabetes ja sterben...; 
- über Pflegekräfte, die anstatt Zeit mit den Senioren zu verbringen, sie in 8 Minuten abfertigen und allgemein die nicht funktionierende Spitex in Finnland. 
- über die in Finnland nicht erlaubte Sterbehilfe. 

Diese ganzen Widersprüche führten schlussendlich zu ihren drei Romane, die all die kritischen Zustände satirisch betrachtet. 
Hauptthema im dritten Band sollen die hochtechnischen Gadgets sein, so werden die Bewohner im Altersheim unter der Bettnummer und nicht mehr mit dem Namen verzeichnet sein. 

Gegen Ende der Lesung wurde dann noch Irmas Lieblingsdessert erwähnt: "Mämmi". Die finnische Spezialität aus Malz und Roggenmehl soll aussehen wie Kuhscheisse. Das zustimmende Gelächter im Saal lässt darauf schliessen, dass Mämmi einige Kindheitserinnerungen weckte. Falls ich mal nach Finnland reise, ich schau es mir mal an. Ob ich es probieren werde? Hmm, ich überlasse meine Portion wohl lieber der Protagonistin Irma :-)




Ich genoss den lustigen Abend inmitten all der Finnländer sehr und bedanke mich beim KiWi-Verlag für den Eintrag auf der Gästeliste!

@KiWi: Übrigens gefallen eure Cover der Autorin sehr gut! 



Sonntag, 29. Januar 2017

Whisky für drei alte Damen oder wer geht denn hier am Stock? von Minna Lindgren (Drei alte Damen 2)

Klappentext:
Ein Buch über beste Freundinnen, die trotz ihres hohen Alters weder ihren Humor noch ihren Sinn für das, was im Leben zählt, verlieren und einfach nur wollen, dass man sie so leben lässt, wie sie das gerne möchten. Die aufgeweckten, sehr agilen Witwen Siiri, Irma und Anna-Liisa sind Nachbarinnen in der Seniorenresidenz »Abendhain«. Als das Haus renoviert wird und man die Bewohner mit Krach, abgestelltem Wasser und einer kalten Küche malträtiert, beschließen sie, übergangsweise eine WG zu gründen. Mit dem »Botschafter«, Anna-Liisas Ehemann, und einer weiteren Bewohnerin ziehen sie zusammen. Aber das WG-Leben hat so seine Tücken, und manche Marotten können zu großen Problemen führen. Vor allem, wenn erst nach und nach klar wird, wofür die Wohnung vorher genutzt wurde und wer dort alles verkehrte.


Im zweiten Teil der "Drei alte Damen"-Serie von der finnischen Autorin Minna Lindgren werden wir Leser in das Chaos während dem Umbau im Altersheim Abendhain hineingezogen.

Die Bewohner sollen selbst schauen, ob sie während des Umbaus anderswo eine Unterkunft finden oder sich sonstwie zurecht finden. Sie sind ganz auf sich selbst gestellt ohne Hilfe oder Alternativunterkunft, die von der Heimleitung organisiert wurde, so wie man es eigentlich erwartet. Sämtliche Entscheidungen werden getroffen ohne die Alten miteinzubeziehen. Auch allfällige Verwandte lassen die Betagten alleine und geben höchstens mal kurz Bescheid, wenn zu viel Leistungen auf dem Konto abgerechnet werden. Doch sich mit den Senioren hinsetzen und mit ihnen besprechen was vor sich geht oder sich mal die Heimleitung vorzuknöpfen? Fehlanzeige!

Als bei den Bauarbeiten ein grosses Loch in die Badzimmerwand zwischen Siiri und Irmas Wohnung geschlagen wird und sie durch das Badezimmer in die jeweils andere Wohnung spazieren können, wird es ihnen definitiv zu bunt. Der Botschafter organisiert ihnen allen eine Wohnung und bald ziehen sie um - eine Senioren-WG entsteht! Das Interieur finden sie zwar schon etwas speziell, und auch, dass nicht nur haufenweise Pflegerinnen für Anna-Liisa, die gerade einen Spitalaufenthalt hinter sich hat, sondern auch andere komische unbekannte Leute plötzlich mitten in der Wohnung stehen. Um genau nachzuforschen weswegen das so ist, haben sie keine Lust und nehmen es einfach so hin. 

Das "einfach so Hinnehmen" fand ich unglaubwürdig. Ebenso die abwesenden Angehörigen, die nicht nachhaken, wenn nachweislich falsch abgerechnet wird oder sich für ihre Verwandten einsetzen, wenn es schon nicht von Seiten der Heimleitung getan wird. Vor allem, da das Abendhain schon einmal in den Schlagzeilen war (siehe Band 1). Natürlich wird hier alles extrem überspitzt und satirisch dargestellt, auch wenn das eine oder andere mit Sicherheit im realen Leben vorkommt. Wie zum Beispiel die Pflegekräfte, die entweder völlig lahm oder wie ein Feldweibel ohne irgendwelche Empathie ihre Patienten im 7-Minuten-Takt pflegen. 

Trotzdem haben mir Angehörige gefehlt, die sich nur ein Mü mehr für ihre ungerecht behandelten Verwandten interessieren.

Thematisiert im zweiten Band wird der Umgang, oder anders gesagt, die Mühe der älteren Generation mit der modernen Technik. Abrechnungen werden nur noch per Mail zugeschickt, Bankgeschäfte immer komplizierter, da Abhebungen nicht mehr in allen Bankfilialen möglich sind (ausserdem müsste man sich auch noch an den Code der Bankkarte erinnern können), Billette lösen für die Strassenbahn - keine einfache Sache. Dem gegenüber stellt die Autorin Irma, die sich ein iPad kauft und es fast problemlos bedienen kann. 

Ein weiteres zentrales Thema ist Sterbehilfe, die in Finnland verboten ist. Margrit ist aktuell betroffen und möchte von allen möglichen Leuten deren Meinungen hören. 

Lustig zu lesen sind die Szenen aus dem WG-Leben, die sich kaum unterscheiden zum WG-Leben Anfang 20 - es sind ja doch immer die gleichen Leute die alles stehen lassen und die anderen, die alles aufräumen. Alle Leser, die selbst mal in einer WG wohnten, dürfte einiges sehr bekannt vorkommen.

Siiri hat den WG-Kochjob übernommen und fühlt sich oft ausgenutzt, da sich alle anderen einfach nur bedienen lassen. Dafür hat sie sich in der Markthalle mit den Afrikanern Muhi und Mettaka angefreundet und tauscht mit ihnen Kochrezepte aus. Siiri ist die Einzige in der Serie, die sich mit jüngeren Leuten einlässt. Im ersten Band war es Mika, nun Muhi und Mettaka. Mit den beiden diskutiert sie nicht nur Rezepte, sondern auch kulturelle Unterschiede und das Leben als Flüchtling in einem fremden Land. 

Auch in Band 2 gefallen mir die Tramfahrten mit Siiri durch Helsinki am besten. Laut ihr gibt es nur drei interessante Bauwerke in der Stadt, was mir das Gefühl vermittelt, dass Helsinki keine Reise wert ist. 

Obwohl das Ende von "Whisky für drei alte Damen" dem des ersten Bandes ähnelt - vieles wird nicht konkret abgeschlossen, sondern mehr nur vermutet, dass es so und nicht anders ist - liest es sich einfacher als "Rotwein für drei alte Damen". 

Fazit: Auch im zweiten Band erwartet den Leser höchst ironische Gesellschaftskritik auf den Punkt gebracht. 
3.5 Punkte.


Reihenfolge:
Band 2: Whisky für drei alte Damen oder Wer geht denn hier am Stock?

Ein Bericht über die Lesung der Autorin vom 30. Januar 2017 im Kaufleuten Zürich findet ihr hier

Rotwein für drei alte Damen oder Warum starb der junge Koch? von Minna Lindgren (Drei alte Damen 1)

Klappentext:
Die aufgeweckten, sehr agilen Witwen Siiri, Irma und Anna-Liisa sind Nachbarinnen in der Seniorenresidenz »Abendhain«. Die rüstigen Damen, alle Mitte neunzig, verbringen den Tag mit Kartenspielen und zu viel Rotwein. Um keine Osterhäschen basteln zu müssen, lassen sie sich gerne von der Straßenbahn kreuz und quer durch Helsinki fahren. Die fröhliche Routine endet mit einem Todesfall, doch hat es nicht etwa einen der greisen Mitbewohner dahingerafft, sondern Tero, den jungen Koch. Mit diesem Unglück beginnt eine ganze Reihe zwielichtiger Vorfälle, die das Leben der drei Freundinnen kräftig durchschütteln und alles, was als sicher galt, über den Haufen werfen. Welches böse Spiel treibt die Oberschwester, und hat die Heimleiterin tatsächlich keine Ahnung, was in »Abendhain« vor sich geht?


Kennt ihr das: ihr solltet dringend etwas erledigen, aber ihr drückt euch davor? Macht lauter andere unwichtige Sachen, nur um nicht an dem zu arbeiten, das gerade dran wär?

So ging es mir mit den beiden Rezensionen zu Minna Lindgrens "Drei-alte-Damen"-Serie. Die Covers und Inhaltsangaben haben mich neugierig gemacht und ich erwartete, dass die drei alte Damen im Miss Marple-Stil ermitteln. 

Doch was ich da las, hat nichts viel mit einem Krimi zu tun. Vielmehr handelt die Serie vom Leben in einem finnischen Altersheim namens Abendhain. 

Protagonistin ist Siiri, die am liebsten mit dem Tram quer durch Helsinki fährt, um dem langweiligen Alltag im Altersheim zu entkommen.

Siiri ist befreundet mit Irma, die auch im Alter nicht auf ihren Schmuck verzichtet und der Deutschlehrerin Anna Liisa. Oft verbringen die drei Seniorinnen ihre Zeit jassend im Aufenthaltsraum, zusammen mit Onni, kurz "Botschafter" genannt und anderen Bewohnern. 

Zusammen besuchen sie auch immer wieder Beerdigungen - meistens solche anderer Bewohner des Altersheims, doch am Anfang dieses Romans jene des Koches Tero. Sein Tod und die gleichzeitige Entlassung eines Angestellten sorgt kurz für eine brodelnde Gerüchteküche im Abenhain. Kurz darauf haben die einen die Geschichte bereits wieder vergessen oder werden, wie unsere drei Damen, von diversen Geschehnissen gestört. Ein reklamierender Bewohner wird auf die Demenzstation verlegt und auch Irma wird plötzlich mit Medikamenten ruhig gestellt. Den Gründen dafür will Siiri auf die Spur kommen, zusammen mit Taxifahrer Mika.

Wer Mika wirklich ist, bleibt bis zum Ende unklar. Die Auflösung all der Zwischenfälle wird zwar aufgedeckt, doch passiert dies nicht wie erwartet mit einem finalen Paukenschlag, sondern eher nebenbei und total unaufgeregt. 

Der Abschluss kommt nach all den eintönigen Alltagsbeschreibungen sehr speziell rüber und lässt mich unbefriedigt zurück. Wäre ich nicht zur Lesung der Autorin eingeladen, ich hätte den ersten Band nicht zu Ende gelesen. Es braucht viel Geduld und Ausdauer für diese Lektüre! 

Aber trotz aller Langatmigkeit faszinierte mich die Thematik dennoch. Man muss sich als Leser eingewöhnen und lebt dann praktisch mit den Protagonisten mit, alles geht mit 94 Jahren halt langsamer als wenn man erst 30 oder 50 Jahre "jung" ist. Vieles wirkt auf den Leser verwirrend, da einiges unbeantwortet stehen bleibt - halt genauso wie die betagten Damen sich auf einmal einem anderen Thema zuwenden und das vorherige total vergessen. 

Das Buch macht sehr nachdenklich und erschreckt auch, wenn man von den Auswirkungen liest, die der Umgang mit den Senioren vom Pflegepersonal mit sich bringt. Kostensparen in der Altersarbeit und zu wenig Zeit für die Pflege ist anscheinend weltweit ein Thema; und Ruhigstellung durch Medikamente leider nur zu wahr, wie auch aktuell immer wieder in den Medien berichtet wird.

Fazit: Ein langatmiger, aber dennoch interessanter, humorvoller und ironischer Roman im Altersheim-Milieu. 
3.5 Punkte.

Reihenfolge:
Band 1: Rotwein für drei alte Damen oder Warum starb der junge Koch? 
Band 3: Sherry für drei alte Damen oder Wer macht das Licht aus? 

Ein Bericht über die Lesung der Autorin vom 30. Januar 2017 im Kaufleuten Zürich findet ihr hier

Sonntag, 6. November 2016

Krimi: Pastorin Viveka und das tödliche Kaffeekränzchen von Annette Haaland

Klappentext:
Viveka ist Pastorin in einem beschaulichen schwedischen Vorort. Die alten Frauen ihrer Gemeinde treffen sich wöchentlich in ihrer Kirche zu Kaffee und Kuchen. Doch die Idylle trügt - die Damen lästern, was das Zeug hält. Viveka hat genug, sie will nicht mehr nett zu allen sein. Heimlich rebelliert sie und trägt unter ihrem Pastorinnengewand T-Shirts mit aufmüpfigen Aufschriften. Das Kaffeekränzchen wird allerdings jäh dezimiert: Eine der alten Damen wird vergiftet. Viveka steht plötzlich unter Mordverdacht. Denn ausgerechnet an diesem Tag hatte sie das Shirt »Beihilfe zum Selbstmord legalisieren!« an. Sie selbst hat ja eher ihre Kaffeekranzdamen in Verdacht. Man weiß schließlich nie, was in anderen Menschen vorgeht. Besonders nicht in alten Damen ..

Das fröhliche Cover machte mich neugierig auf diesen schwedischen Cosy Krimi. Inhaltlich war ich sehr gespannt auf Viveka und erhoffte mir, dass es Viveka mit der amerikanischen Pfarrersfrau Mrs. Wilcox von Emilie Richards aufnehmen kann. 

Viveka ist Pastorin in einer schwedischen, freikirchlichen Gemeinde in einem Stockholmer Vorort. Sie ist verheiratet und Mutter von drei Kindern. Zuhause und im Büro hat sie keine Ruhe, deshalb hat sie sich heimlich ein Gartenhäuschen gekauft und geniesst es, dort ab und an ungestört Kaffee zu trinken. Doch auch dieser Rückzugsort hilft ihr in ihrer Krise nicht. Sie hat keine Lust mehr auf ihren Job, keine Lust immer nett und angepasst sein und keine Lust auf all die alten Frauen in der Gemeinde, die Tanten wie sie sie nennt, deren Kekse Viveka immer essen muss. Keine Lust so zu sein, wie ihr Umfeld das aufgrund ihres Jobs eigentlich von ihr erwartet. 

Im idyllischen Enskede ist sie aber nicht die Einzige, die ein Problem mit sich herumträgt. Einige ihrer Kirchenmitglieder, bevorzugt ältere Herrschaften wie Falk, Ake oder Henry, aber auch Viola und Selma sind nicht bester Stimmung. Sogar Abbe, der junge Buchhändler, der seine leiblichen Eltern sucht, wird depressiv. 

Und jetzt kommen wir zum grossen Problem dieses Krimis: er entpuppt sich vielmehr als Gesellschaftsroman ohne grossartige Handlung. Den Gedanken und Ideen der einzelnen Figuren wird so viel Raum gegeben, dass der Krimi zu kurz kommt. Die Lebenskrisen sind womöglich durchaus berechtigt, zum Teil werden treffende Vergleiche angestellt, aber in dieser Menge wird und wirkt es langweilig. Die Gedanken der Figuren schweifen ab und mit ihnen auch ich. Das einzig Unterhaltende sind die Sprüche-T-Shirts von Viveka und Abbe, aber mit der Zeit wirken auch diese Sprüche schläfrig. Ein bisschen Velo fahren und bei Besuchen viel Kaffee trinken und grässliche Kekse essen, viel mehr an Handlung geschieht nicht. 

Ein Lichtblick in der schwedischen Geschichte ist der kleine Julius, der immer mal wieder in Erscheinung tritt. Doch auch dieser holt weder Wärme noch Spannung aus dem Schreibstil von Annette Haaland heraus. 

Die Umgebungsbeschreibungen, die Gärten und Häuser konnte ich mir gut vorstellen. Vivekas Probleme ebenso, aus eigener Erfahrung - ja, manchmal können tatsächlich nur die falschen Ohrringe oder die falsche Pulloverfarbe Gemeindemitglieder verstimmen; man glaubt es kaum. Aber mit allem anderen hat sich die Autorin übernommen. "Das tödliche Kaffeekränzchen" ist eine eintönige Sozialstudie, in der die Kriminalhandlung und der Humor auf der Strecke bleibt. In diesem Kontext wirkt das plötzliche Finale zu übertrieben. 

Fazit: Zuwenig Tempo und zuviel Abschweifungen, die die teilweise guten Ansätze übertrumpfen. Nein, Viveka kann es nicht mit Mrs. Wilcox aufnehmen, definitiv nicht. 
3 Punkte.


Donnerstag, 16. Juni 2016

Krimi: Bis der Tod dich findet von Bernadette Olderdissen (Globetrotter-Krimi 2)

Klappentext:
Elna Närhi verbirgt ein schreckliches Geheimnis. Doch jemand ist ihr auf der Spur. Eine Einladung zur Krimilesung an einer deutschen Kulturstiftung in Turku – da packt Autorin und Reisejournalistin Kira Tolle schnell ihren Koffer. Dann die böse Überraschung: Im Haus von Gastgeberin Elna starb vor wenigen Monaten eine Frau. Selbstmord, behauptet die Polizei, nur Elna glaubt nicht daran. Bevor sie Kira um Rat bitten kann, steht der Tod zum zweiten Mal auf der Matte. Elnas Umfeld erweist sich als so düster und kalt wie der finnische Winter, und mehr als eine Person fühlt sich durch Kiras Nachforschungen in die Enge getrieben. 



Von Finnland weiss ich nicht viel, nur dass es oft dunkel ist und die Finnen dem Alkohol nicht abgeneigt sind und Saunägänge lieben. Meine Vorurteile werden allesamt bedient in Kiras neuestem Fall. Sie ermittelt wieder, diesmal mitten im kalten finnischen Winter. 

Eigentlich war Kira ja wegen einer Lesung in Finnland. Eingeladen von einer Bekannten, die sie von Schweden her kennt. Doch zuhause in Turku ist Elna ganz anders - hochnäsig, zickig und launisch. Ihre Mitarbeiter leiden unter ihr und alle möchten sie am liebsten weg haben. Manche vermuten sogar, dass Elna für den Tod ihrer Partnerin zuständig war. Elna selbst verdächtigt die anderen. Aber Elna verschweigt etwas - genau wie sämtliche Mitarbeiter und Freunde von ihr hütet auch sie ein Geheimnis. Kira merkt schnell, dass Elna sie wohl nicht wegen der Lesung nach Finnland geholt hat. Weswegen sonst?

Ich brauchte beim Lesen viel "Sisu" (finnisch für Geduld, Durchhaltevermögen, Selbstüberwindung - wird im Buch oft erwähnt), denn mir waren alle Beteiligten unsympathisch, absolut jeder hat ein Geheimnis: Lenni, der stellvertretende Geschäftsleiter, der ein Problem mit Frauen hat und eifersüchtig auf Elna war; Sorja, Elnas Sekretärin; Markus, der deutsche Dozent, der sich finnischer gibt, als sämtliche Finnen; Joonas, der Informatiker; Gabriel, der Hausabwart; Raili, die Putzfrau; sowie Elnas Freunde Olivia und Anton.

Bald verdächtigte ich zwei Personen, doch irgendwann dachte ich, ich liege komplett falsch - die Autorin gibt allen Mitarbeitern ausreichend Motive für die Taten und je mehr Geheimnisse ans Licht kommen, füllt sich die Waagschale für die ein oder andere Person wieder mehr. Trotzdem lag ich am Ende richtig :-)

Mir waren es insgesamt aber zu viele Geheimnisse und alternierende Schuldzuweisungen. Es ist ein hin und her an gegenseitigen Verdächtigungen und so wurde ich der Lektüre langsam müde, auch die finnische Mentalität und der finnische Winter sind nicht so meins. Zudem nervte mich auch Kira ein wenig: sie passt sich der neuen Situation zwar gut an, aber als sie von Yoan Besuch bekommt, hat sie sich schon dermassen in den Fall verbissen, dass sie ihn schäbig behandelt. 

Ich bin mir sicher, dass die Autorin die finnische Stimmung gut rüber bringt, auch erklärt sie einiges über die Mentalität der Finnen. Skandinavien-Fans könnten diesen Krimi also lieben! Ich mag diese eher kühle Stimmung nicht und lese deshalb normalweise auch keine nordischen Krimis. Doch ich wollte wissen, wie es mit Kira (und Yoan) weitergeht, nur deshalb liess ich mich auf diese finnische Folge ein.

Fazit: Wer nordische Krimis mag, wird mit "Bis der Tod dich findet" sicher glücklich. Ich fühl mich im Süden eindeutig wohler. 
3 Punkte. 

Wenn ihr auf den Link klinkt, kommt ihr zu Band 1 der Globetrotter-Serie  und zum Interview mit der Autorin