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Mittwoch, 14. Dezember 2016

Bücher mit Aussicht von Jessica Fox

"Bücher mit Aussicht" bekam nur gerade 2 Sterne von mir. Angepriesen als:


Jessica Fox lässt ihr Leben in Kalifornien hinter sich, um in Schottlands offizieller "Buchstadt" Wigtown in einem Antiquariat zu arbeiten. Sofort ist sie verzaubert von dem windschiefen Dorf, seinen schrulligen Bewohnern und der romantischen alten Buchhandlung. Und auch die Schotten schließen die quirlige Amerikanerin ins Herz, die ihren Ort mit neumodischen Ideen wie Yoga oder ihrem Auftritt als jüdischer Weihnachtsmann aufmischt. 





entpuppte es sich als "junge Amerikanerin, die bei der NASA arbeitet, unvorbereitet von einer Grossstadt in ein schottisches Kaff fliegt, beim Besitzer eines Antiquariats wohnt und dort ein wenig mithilft, vertreibt sich joggend die Zeit und hat die Hoffnung, dass das was wird zwischen Euan und ihr."

Naiv geht es weiter, indem sie nach ihrem einmonatigen Urlaub wieder in die USA zurück fliegt, auf ein Zeichen von Euan hofft, nochmals für ein paar Wochen nach Schottland reist und erneut back to the USA. Dort ihren NASA-Job verliert, bis sie knapp vor dem Happyend nicht mehr in England einreisen darf, weil sie zu oft in zu kurzer Zeit mit Touristenvisa einreiste. Däumchen dreht bei ihren Eltern, bis es dann endlich endlich klappt und sie ganz nach Wigtown ziehen kann. 

Das Buch erschien auch unter dem Titel "Die Frau, die in eine Rakete stieg und in Schottland landete" - was meiner Meinung nach besser passt. Denn statt um Bücher geht es um die 26jährige Autorin selbst, die ihren Job bei der NASA aufgibt und nach Schottland zieht, erstmal nur für einen Monat, dann für länger und in einem Antiquariat zu arbeiten beginnt. Mit Touri-Visum darf sie offiziell gar nicht arbeiten, Jessica hilft bloss mit, und arbeitet theoretisch weiter an ihrer Filmproduktion. 

Bücher dienen lediglich als Accessoires und kommen nur als Einleitung in die Kapitel vor, bei dem jeweils ein Zitat eines Buches steht. Daran gefallen mir nicht die Zitate an sich, sondern die Bezeichnung, wo sich das Buch im Antiquariat befindet, zum Beispiel "vorderer Raum, rechts vom Fenster".

Hauptthema ist Jessicas Geschichte und ihr Leben in Los Angeles, das sich so sehr vom Leben im abgelegenen Dorf in Schottland unterscheidet. 

Eins habe ich nach dieser Lektüre gelernt: bei auf Deutsch übersetzten Büchern werde ich zukünftig immer vorher die englische Kurzbeschreibung lesen, damit ich dadurch nicht mehr irregeführt werde: 

Jessica Fox is 26 years old, lives in Hollywood, and has a high-flying career at NASA. Working late one night, dreaming of another life, she's seized by a moment of madness. She taps "second hand bookshop Scotland" into Google, and clicks on the first link she sees. A month later, she arrives 2,000 miles across the Atlantic in Wigtown, on the west coast of Scotland. When she knocks on the door of the bookshop she will be working in for the next month, she is greeted not by the 80-year-old recluse she was expecting, but by a handsome young bachelor called Euan… The rollercoaster journey that ensues - which takes in Scottish Hanukah, bringing yoga to the West Coast, and a waxing that she will never forget - will ultimately both break and mend her heart. Three Things You Should Know About Rockets is a book for everyone who has ever thought "What if" - a true story about grabbing life by the horns, and taking the plunge.

Aber auch dieser Text lässt nicht vermuten wie amerikanisch und oberflächlich die Geschichte verfasst ist. Die Autorin schreibt zwischendurch zwar humorvoll, aber lässt Gefühle vermissen. Dass sie ihren Chef Euan mehr als nur mag, war die längste Zeit über nicht wirklich erkennbar und hörte sich maximal als unbedeutende Schwärmerei an. 

Witzige Geschichten über Weihnachten feiern wirkten übertrieben, da Jessica zuhause in L.A. nie feierte. 

Fazit: Naive Beziehungsgeschichte mit irreführendem Titel, die mich unzufrieden zurück lässt.
2 Punkte. 

Freitag, 30. September 2016

Krimi: Letzter Kirtag von Herbert Dutzler (Gasperlmaier-Krimi 1)

Klappentext:
So etwas hatte selbst der Gasperlmaier noch nie gesehen. Dabei ist ihm schon vieles untergekommen, schließlich ist Gasperlmaier seit mehr als zwanzig Jahren Polizist in Altaussee. Aber ein Erstochener am Montag in der Früh im Festzelt vom Altausseer Kirtag, das ist auch für ein gestandenes Mannsbild wie ihn zu viel. Und so trifft er eine falsche Entscheidung, nicht die letzte an diesem Tag, und auch der Tote, der in seinem eigenen Blut im Festzelt hockt, wird nicht das einzige Opfer bleiben. 




Der erste Fall für Gasperlmaier, der - man glaubt es kaum - bereits seit 20 Jahren Polizist in Alttaussee ist. Morgens entdeckt er einen toten Mann im Bierzelt und schleift ihn kurzerhand ins Pissoir, damit die Festbesucher in aller Ruhe bzw. Ausgelassenheit weiter feiern können.


An österreichischen Krimis kannte ich bisher nur "Kommissar Rex". Was für Kommissar Rex und sein Team die Wurstsemmel ist, ist für Polizist Gasperlmaier der Schnaps. An Kirtagen geht das ja gerade noch, aber sonst?

Wir haben hier einen dümmlichen, naiven Polizisten mit angeblich über 20 Jahren Berufserfahrung, der meint es falle niemandem auf, wenn man eine Leiche bewegt. Dazu einen peinlichen Gerichtsmediziner, der ausschliesslich schlüpfrige Witze erzählt. Gasperlmaiers Chef ist auch nicht viel besser, er hat wie Gasperlmaier ein grosses Problem mit Frauen. Kaum hat eine einen kurzen Rock an, wissen die Polizisten kaum mehr wo hingucken. Fast auf jeder Seite fällt ihnen zuerst die Oberweite der Frauen oder ihre restliche Kleidung auf, etwa "Unterhose mit Schnürl durch". Nicht mal die aufgebotene Frau Doktor Kohlross von der Bezirkspolizei wird ausgelassen. Von ihr ist Gasperlmaier erotisiert und er setzt "ein etwas blöde wirkendes Lächeln" auf. 

Ich frage mich, wie so einer wie Gasperlmaier Polizist werden konnte. Bringt kaum einen vernünftigen Satz heraus und ist mehr Fremdenführer für die Kohlross als ein selbstbewusster Polizist. Seine Frau Christine ist bei weitem die bessere Ermittlerin als Gasperlmaier selbst, der rein gar kein Fettnäpfchen auslässt.

Ich nehme an, der Autor wollte mit seinem Text humorvoll rüberkommen, aber an solchen geballten sexistischen Äusserungen auf praktisch jeder Seite finde ich nichts lustig.


Ihr seht, ich bin absolut nicht warm geworden mit diesem steirischen Regionalkrimi, der neben oben genannten Attributen mit seitenweise purem Dialekt und dialektdurchzogenem Hochdeutsch glänzt. Klischeegetränkt durch und durch; und voller Vorurteile (die armen Wiener!). 

Fazit:  Eigentlich könnte ich das Gespann Gasperlmaier/Kohlross mögen, wenn nicht alles auf Gedeih und Verderben derart hinterwäldlerisch daher kommen würde. Schade. 
2 Punkte.

Dienstag, 6. Oktober 2015

Ein wunderbares Jahr von Laura Dave

Klappentext:
Giorgia Ford steht kurz davor, den Mann ihrer Träume zu heiraten. Es ist fast zu schön, um wahr zu sein. Bis ihre Welt plötzlich zerbricht – ausgerechnet in dem Moment, in dem sie ihr Brautkleid anprobiert. Kurzentschlossen steigt Giorgia in ihr Auto und fährt an den einen Ort, an dem sie sich geborgen fühlt: auf das Weingut ihrer Familie im Hinterland Kaliforniens. Doch dort schmieden Giorgias Eltern abwegige Zukunftspläne, die ihren Weinberg bedrohen. Giorgia muss um die heile Welt ihrer Kindheit kämpfen – und entdeckt dabei, dass sich das Glück manchmal dort versteckt, wo man es schon lange nicht mehr gesucht hat.


Und schon wieder geht es, zumindest theoretisch, um eine Hochzeit. Das waren ganz schön viel Hochzeitsromane dieses Jahr.

Das schöne Cover passt überhaupt nicht zum Inhalt, es geht um Trauben und nicht um Pfirsiche. Auch der Titel passt nicht. Wieso konnte der Verlag nicht einfach den Originaltitel "800 Grapes" übernehmen? Das hätte Sinn gemacht! Manchmal fragt man sich als Leser ja schon, was den Verantwortlichen bei der Auswahl von Cover, Titel und Klappentext durch den Kopf geht und wieso im Verlag niemand Veto einreicht, wenn es hinten und vorne nicht passt. 

Dafür stimmt hier für einmal der Klappentext - zumindest was die Rahmenhandlung angeht.

Als Giorgia zum letzten Mal ihr Brautkleid im Geschäft probiert, sieht sie wie ihr Bräutigam Ben mit einer Frau und einem Kind in ihrer Mitte die Strasse hinunter gehen. Als sie hört was das Kind zu ihm sagt, ist Giorgia geschockt und kennt nur noch einen Weg: den Weg nach Hause, dorthin wo sie aufgewachsen ist, in den Schoss ihrer Familie. Als sie Stunden später erschöpft und im Hochzeitskleid in der Bar ihres Bruders Finn ankommt, ist sie noch immer in ihrem Elend gefangen. So merkt sie erst Tage später, dass es auch zuhause haufenweise Beziehungen gibt, die zu zerbrechen drohen. Nicht nur ihr Leben hat einen Riss bekommen, sondern auch das Leben ihrer Eltern und Brüder. 

Die Geschichte ist durch extrem viele Rückblicke und Szenenwechsel sehr sprunghaft und verwirrend. Oft musste ich zurück blättern um nachzulesen um was es eigentlich eben gerade noch ging bzw. wo der Cut zum neuen Szenenwechsel war. 

Es ist kein Weinanbau-Roman (wie z.B. bei Fiona Valpy oder die Weinkrimis von Lucy Montgomery), sondern eine Familiengeschichte. Eher schon ein Familiendrama ohne Handlung. Dafür viel Gerede. Es wird geredet und geredet. Über die Vergangenheit und auch, wieso sich wer wofür entschieden hat und warum man das wahrscheinlich nicht mehr so machen würde. Ich hab glaub in keinem Buch bisher so viele Anführungs- und Schlusszeichen gesehen wie hier! 

Zwar erzählt der Vater die eigentlich sehr schöne Geschichte des Weinberges, leider auf eine langweilige Art und Weise. Ich verstand wieso er alles aufgeben möchte. Ihn mochte ich von allen Personen trotzdem fast am liebsten. Giorgia hingegen mochte ich nicht, immer muss sich alles um sie drehen. Ähnliches gilt für ihre Mutter. 

Das Buch hat mich enttäuscht. Die Warmherzigkeit, die Titel und Cover versprechen, fehlte leider ganz. Ich fand auch keinen Zugang zu den Protagonisten. 

Fazit: Statt eine nette Mischung aus Vergangenheitsbewältigung/Ich-packe-selbst-an-Abenteuer/Liebesgeschichte auf dem Weingut habe ich eine öde Familiengeschichte gelesen, in der sich die Mutter bemitleidet und alle andern irgendwie auch. Wunderbar, dauerte das kein ganzes Jahr.  
3 Punkte. 

Mittwoch, 9. September 2015

Die Kleiderdiebin von Natalie Meg Evans

Klappentext:
Paris in den 30er-Jahren: Die junge Telefonistin Alix Gower träumt davon, die glamouröse Welt der Haute Couture zu erobern. Der charmante und gut aussehende Paul verschafft ihr die Chance ihres Lebens – eine Anstellung in einem der berühmtesten Modehäuser der Stadt, allerdings mit dem Auftrag, die Frühjahrskollektion zu kopieren. Alix stimmt zu, ein doppeltes Spiel zu spielen. Dabei setzt sie nicht nur ihre Zukunft, sondern auch ihr Herz aufs Spiel ...





Ich habe mich sehr auf das Buch gefreut. Einzutauchen in die Welt der Mode im Paris der dreissiger Jahre - herrlich. Aber es kam anders. 

Erzählt wird anfänglich die Geschichte von der jungen Alix Grower, die mit ihrer Grossmutter Danielle in einer kleinen Wohnung lebt. Ihre Grossmutter erledigt Näharbeiten zu Hause und Alix arbeitet als Telefonistin, obwohl sie viel lieber auch nähen würde. 

Sie ist mit Paul befreundet, der mit seinen zwei kleinen Schwestern seit dem Tod ihrer Mutter auf einem Hausschiff lebt. Heimlich kopieren Paul und Alix Stoffentwürfe der grossen Designer für ihre Auftraggeberin. Eines Tages bekommen sie den Auftrag die ganze Kollektion zu kopieren. Alix weiss, dass das falsch ist, doch da sie dabei die Möglichkeit bekommt beim Designer Javier zu arbeiten, macht sie mit. Werden sie erwischt oder kommen sie davon?

Nach einem Drittel des Buches hatte ich das Gefühl, dass es nun bald zu Ende sein könnte, doch dann sah ich, dass ich ja noch zwei Drittel vor mir habe und hab mich gefragt, was die Autorin mit der Geschichte noch alles vor hat. Statt jetzt alle Kraft in die Mode-Geschichte zu stecken (damit die zu einem fulminanten Ende kommt), erfindet die Autorin noch weitere Geschichten, die allesamt etwas mit Alix zu tun haben, aber schlussendlich das Buch ganz arg verzetteln. 

Man liest immer wieder vom Tod von Alix Grossvater, Alfred Lutzmann - diese Geschichte hätte als Zusatz vollkommen gereicht. Nicht mal die hätte es gebraucht. Aber dann taucht da noch der Compte de Charembourg auf, der irgendetwas mit Danielle zu tun hatte. 

Dann hüpft das Buch nach Spanien und berichtet vom Krieg und vom englischen Journalisten Verrian Haviland, der nach Paris flüchten konnte. Noch weitere Protagonisten nehmen gewichtige Rollen ein, so dass man sich fragt, was das alles mit Alix zu tun hat und ob das alles auch wirklich wichtig für die Modestory ist. 

Denn man kann sich die vielen Namen und die unterschiedlichen Handlungen kaum merken. Gegen Schluss bekommt die Modegeschichte wieder mehr Raum; von mir aus hätte es die zusätzlichen Handlungen nicht gebraucht. 

Die Autorin wollte meiner Meinung nach zu viel. Sie hätte sich lieber auf die Geschichte in der Modewelt fokussiert, das wäre spannender gewesen als die vielen, teilweise auch dramatischen, Einsprengsel der diversen Protagonisten. 

Fazit: Mich hat das Buch sehr enttäuscht - weil es zu überladen ist. Schade. 
2.5 Punkte. 


Sonntag, 26. Juli 2015

Das Haus hinter dem Maulbeerbaum von Helen Abele

Klappentext:
Architektin Agnes erhält den Auftrag, die Ca’More, ein altes Haus in den Hügeln des Veneto, in Apartments umzuplanen. Während der Arbeit entdeckt sie alte Radierplatten des verstorbenen Vorbesitzers, eines exzentrischen Malers. Die verstaubte Druckerpresse bringt surreale Bilder zutage, die sich wie ein Puzzle zu einer unglaublichen Geschichte zusammensetzen. Immer tiefer verstrickt sich Agnes in die Vergangenheit des Hauses – und in ihre eigenen Gefühle. Denn sie hat sich nicht nur in das Anwesen verliebt, sondern auch in den undurchsichtigen Gärtner Matteo.


Da ich nicht nur Maulbeerbäume mag, sondern auch Maulbeeren selbst, insbesondere schwarzes Maulbeer-Glacé (Wenn ihr in der Türkei seid, unbedingt "Karadut dondurmasi" bestellen, bei Mado z.B.), hat mich das Buch angelacht. Das Cover sieht friedlich aus, der Klappentext tönt nach einer idyllischen Geschichte. 

Weit gefehlt - unmenschliches geschieht. Ich verrate nun ziemlich viel über das Buch, also bitte nicht weiterlesen, wer nicht wissen will, was alles passiert. Spoilern kann ich hier leider nicht. Doch um zu verstehen, wieso das Buch so grausam ist, muss ich das alles erwähnen. 

Vergangenheit: Die Nonna fährt nach dem Tod ihres Mannes zu ihrer Schwester und bringt ihr die Enkelin, Elisa, da sie ihr Haus verkaufen muss und selbst zu anderen Verwandten zu ziehen, die keinen Platz für die Enkelin haben. Elisa soll als Magd bei der Grosstante arbeiten.

Gegenwart: Die Münchnerin Agnes soll in Italien ein altes Haus umbauen, und trifft auf skurrile Männer und alte Radierplatten... Sie freundet sich mit Lidia, der Inhaberin der Pasticcheria an.

Bereits nach den ersten Seiten der Vergangenheitsgeschichte hätte ich das Buch fast weggelegt. Ich mag echt nicht lesen, dass ein fünfzehnjähriger Junge ein elfjähriges Mädchen bedrängt... Aber das war noch nicht mal das Schlimmste: Die Grosstante sperrt bereits am ersten Tag die elfjährige Elisa über Nacht in den dunkeln Keller; ein Vater nimmt seinen 17jährigen Sohn mit zu Prostituierten (der liest der Prostituierten aber lieber ein Buch vor, während sein Vater sich mit einer anderen vergnügt); Elisa wird von einem Familienmitglied vergewaltigt, darauf zwangsverheiratet, ihr Mann ist brutal und bricht einem Hühnchen die Beine; die Grosstante tötet ihren Hund, täuscht den Tod ihres Enkels vor und sperrt ihn in die Psychiatrie, verweigert ihrem Sohn die Liebe seines Lebens und spielt ihm vor, er sei für den Tod des Enkels verantwortlich..... 

In der Gegenwartsgeschichte wird es zwar nicht brutal, aber die vorkommenden Männer sind nicht sonderlich sympathisch. Agnes Mann Hans ist ein arroganter Volltrottel, Michele denkt er sei unwiderstehlich, der Padre hochnäsig, Matteo lass ich grad mal noch durchgehen. Dafür ist seine Mutter ein Räf. 

Einzig Agnes und Lidia sind die netten Gestalten im Buch. Wobei man sich über Agnes manchmal auch den Kopf schütteln muss: Das Handy fliegt in ein Loch in einer Mauer. Statt sich z.B. mit einer Grillzange oder was ähnlichem zu helfen, lässt sie es einfach wo es ist. Ist ein Handy denn nichts mehr wert? 

Ich konnte mich absolut nicht anfreunden mit der Geschichte, habe nach dem ersten Viertel nur noch drübergelesen. Beim Lesen möchte ich abschalten und auch ein wenig die Realität, wie wir sie täglich in den Nachrichten hören, ausblenden. Wenn ich dann ein Buch in der Hand halte, das praktisch Seite für Seite eine geballte Ladung schlechter menschlicher Energie verkündet, kann ich genauso gut auch die Nachrichten weiter hören. 

Fazit: So schön das Cover, so psychothrillermässig der Inhalt. Mein Flop des Monats. 
2.5 Punkte. 


Samstag, 15. November 2014

Not amused: Sie dreht sich um von Angelika Overath

Klappentext:

Anna Michaelis, Journalistin, 50 Jahre, nimmt ihre Scheckkarte, ihr Handgepäck und geht. Gerade hat sie erfahren, dass ihr Mann, Altphilologe an einem Münchner Gymnasium, sie mit einer jungen Kollegin betrügt. Anna will retten, was zu retten ist, also sich. Doch wohin jetzt? Der erstmögliche Flug bringt sie nach Edinburgh, eine Stadt, in der sie nie war. Und da sie sich in der Fremde immer unter Bildern heimisch gefühlt hat, stolpert sie in die Schottische Nationalgalerie. Während sie müde und irritiert vor einem Gemälde von Gauguin sitzt, beginnt eines der bretonischen Mädchen, plötzlich zu sprechen. Es erzählt, wie es damals war in Pont Aven, als die Maler kamen. Anna staunt und versteht, dass weibliche Rückenfiguren wie jene Frau auf dem Gemälde Gauguins ihr etwas sagen können. Ihr verraten wollen, wie es wirklich war: als Modell, als Ehefrau eines Malers, als Künstlerin. Von da an begibt sich Anna, frisch verlassen, auf eine Reise zu Rückenfiguren in aller Welt: von Edinburgh nach Kopenhagen, weiter bis Boston und zurück auf den Kontinent nach St. Moritz; von dort nach Paris und noch einmal bis ins dänische Skagen. Anna begegnet Gemälden von Paul Gauguin, Vilhelm Hammershøi, Edward Hopper, Giovanni Segantini, Ingres, Jacobus Vrel und Anna Ancher. Über die Antworten der Bilder lernt Anna Michaelis, sich und ihre lange Ehe anders zu sehen, und am Ende weiß sie, dass sie neu beginnen kann.


Auf dieses Buch war ich sehr gespannt. Ich wollte sogar zur Lesung, die am "Zürich liest"-Wochenende stattfinden sollte. Doch ich war verhindert und nach dem Lesen des Buches sogar froh darüber: Das Buch hat mich enttäuscht. 

Die Idee, Bilder mit Rückansichten von Frauen sprechen zu lassen, find ich klasse. Das Buch ist bis etwa zum zweiten Bild, zur zweiten Reise recht gut. Doch danach wird das neue Reiseziel nicht mehr wirklich systematisch ausgewählt (die Frau aus dem Bild gab einen Hinweis), sondern extrem konstruiert. So im Sinne von: "Berge? Hhm, erinnert mich an St. Moritz, fahr ich halt mal hin." Ganz zufällig gibt es dort eine Ausstellung… Gähn…

Während die ersten Erzählungen der Bilderfrauen interessant sind, werden sie gegen Schluss belangloser. Trotzdem haben mir diese Erzählungen besser gefallen als die Haupthandlung an sich. Die war ab dem zweiten Bild nur noch langweilig und die Protagonistin macht Dinge, die sie handkehrum ihrem Mann vorwirft. Wenn zwei dasselbe tun ist es halt nicht dasselbe. Dazu meint die Autorin sie müsse alles "sexualisieren", das nervt.

Kann mir jemand sagen, was ein Olm ist/sein soll? Ich kenn den Begriff nur aus der Tierwelt, es ist eine Lurchart. Die Autorin benutzt den Begriff im Buch im Bezug zu einem Mann. Ich hab keine Ahnung was sie damit sagen will. 

Die Autorin möchte mit ihrer Sprache ausdrucksstark rüberkommen, aber ich war von den Beschreibungen eher gelangweilt. Die Sprache ist zu bemüht (wie pack ich möglichst viele Fremdwörter in den Text und wie schreib ich möglichst lange Sätze, die nicht wirklich Sinn ergeben?), oft zu gestelzt, v.a. bei den nachträglichen Bildbetrachtungen. "Ein schwindelsanfter Tod" - was ist das? Schwindel empfinde ich nicht als sanft. Aber vielleicht bin ich einfach zu fantasielos. 

Ich kannte nicht alle der sieben erwähnten Bilder und so fand ich es sehr schade, dass im Ebook (und soviel ich weiss auch in der Hardcoverausgabe) die erwähnten Bilder nicht abgebildet sind. Ich musste jedes einzeln googeln und so die Lektüre unterbrechen. Wenn das Bild direkt im Text abgebildet wäre, hätte man direkt mitbetrachten können. 

Das Buch ist ein Mix zwischen Reise- und Museumsführer, garniert mit einem bisschen Roman, dessen roter Faden zu wenig ausgefeilt ist. Statt an möglichst interessant tönenden Neukreationen von Wörtern hätte die Autorin besser ein wenig mehr in den Inhalt investiert. 

Fazit: Kann man lesen, muss man aber nicht. 
2 Punkte. 

Dienstag, 23. September 2014

Der Ruf der Pflanzen von Jutta Blume

Klappentext:

Ausser Sugar Creek, der Zuckerrohrplantage, auf der sie aufgewachsen ist, mitten im Urwald von Guyana, kennt die Sklavin Ife nicht viel. Als 1761 der schwedische Forschungsreisende Sandquist sie für eine botanische Expedition kauft, wird sie mit der Ideenwelt der Aufklärung konfrontiert. Für die heilkundige Ife sind Pflanzen etwas Spirituelles und Heilbringendes, Teil einer Welt, in der alles miteinander verwoben ist. Doch der Wissenschaftler Sandquist gibt den Pflanzen komische Namen, systematisiert sie und presst sie in Bücher. Durch ihn lernt sie lesen und schreiben - und stellt seine Sicht auf die Dinge infrage. Diese Begegnung mit der Wissenschaft verändert Ifes Leben für immer und ist der Anfang ihres Abenteuers, das sie bis nach Europa am Vorabend der Französischen Revolution führen wird. 


Dieses Buch gewann ich im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks. Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag! 

Das Cover mit einer meiner Lieblingsblumen, der Passionsblume , und dem Text im Hintergrund gefallen mir sehr gut. Noch besser gefallen haben mir aber die Zeichnungen im Buch selbst, mit denen jeweils ein neues Kapitel oder neuer Teil verziert wird. Auch den Klappentext fand ich spannend, obwohl ich eigentlich keine Bücher mag, die in Südamerika spielen. Schon gar nicht sogenannte Plantagengeschichten. Aber da es im vorliegenden Buch um den Zusammenprall von "eher neuer" systematischer Wissenschaft und "alter, überlieferter" Pflanzenheilkunde gehen sollte, hat es mich doch angesprochen.

Die Handlung beginnt somit leider auch gleich auf einer Zuckerrohrplantage und erzählt vom beschwerlichen Leben als Sklave auf Sugar Creek. Der Biologe Sandquist kommt 1761 auf die Plantage um im Dschungel Guyanas eine Expedition zu starten, er will neue Pflanzen entdecken und sie systematisieren. Auf Sugar Creek kauft er eine Sklavin, die Hauptprotagonistin Ife, die dort einerseits als Helferin einer Pflanzenheilkundigen arbeitet und als Wasserträgerin - sie bringt Ochsen und Arbeiter Wasser, damit diese die schwere Plantagenarbeit besser durchhalten und bei Kräften bleiben. Die Beschreibungen des Lebens auf der Plantage fand ich eher langweilig und düster. Sie passen zwar zum Buch, aber halt nicht zu meinen Vorlieben. Doch sobald Ife auf der Flucht war, sich im Dschungel selbst ernährte und zur Buschfamilie fand und einiges von ihnen lernte, fand ich es spannender. 

Doch dann hörte auch schon bald der Zusammenhang des Klappentextes mit dem Buchinhalt auf. Es geht in erster Linie also nicht, wie versprochen, um den Kontrast der traditionellen Pflanzenheilkunst gegenüber der systematischen Wissenschaft nach Linné, sondern um Unterdrückung der Menschenrechte. Wäre der Inhalt klar auf dem Umschlag gestanden, hätte ich mich nicht für diese Leserunde beworben. 

Sklavenhandel, Unterdrückung von Schwarzen und Weissen, etc. - über dies alles habe ich bereits Ende der 80er in Zeiten der Apartheid sehr  ausgiebig gelesen (z.B. Buch und Film über Steve Biko und viele andere mehr). Diese Themen hab ich in den letzten 25 Jahren oft genug durchgekaut und mag sie schlichtweg nicht mehr lesen. Aber ein Buch über die Bedeutung der Pflanzen hätte mir sehr gut gefallen. Doch nein. Am nicht passenden Klappentext ist wohl der "Stift" schuld (sagt man bei uns in der Schweiz so, wenn eine Arbeit nicht zufriedenstellend ausgeführt wurde, die Schuld hat dann immer der Stift = der Lehrling, auch wenn es gar keinen Lehrling gibt). Wer sich für das Thema Sklavenhandel/Menschenrechte interessiert, dem könnte dieses Buch gefallen. 
Mittlerweile steht auf Amazon ein anderer Klappentext als der auf dem Buch. Da wurden wohl meine Kritikpunkte am Klappentext ausgebessert und es steht nun mehr zur politischen Situation da. Aber sorry, das Buch ist ganz und gar nicht poetisch.

Das Buch hat leider noch mehr Schwächen:
- Zeitsprünge:
Es gibt etliche Zeitsprünge, die das Lesen nicht einfach machen, denn in den Rückblenden wird nicht alles Fehlende erzählt. Dazu kommt, dass schlicht zu viel geschrieben wird was keine Verbindung zum weiteren Verlauf hat - viel wird angerissen, aber nicht zu Ende erzählt. Viel wird aneinandergereiht, aber das Verbindende fehlt. Das Buch wirkt oft abgehakt.

- Emotionen:
Neben dem roten Faden und "mehr Pflanzen" fehlte mir auch ganz klar die Wärme. Die Charakter bleiben fast alle schroff und unnahbar und zeigen kaum Gefühle. Z.B. wird kein Wort über die Geburt von Ifes Tochter geschrieben: keine Frau, die je ein Kind zur Welt gebracht hat, wird diese Erfahrung verschweigen - ein, zwei Sätze hätten ja schon gereicht. 

- Unglaubwürdiges oder Unklares:
Vieles ist unglaubwürdig oder macht keinen Sinn: z.B. dass jemand nach einer eingeleiteten Abtreibung trotz extremen Schmerzen in die Felder rennt oder  Ife urplötzlich von einem Wasserfall getroffen wird, obwohl sie im Waldlager sitzt. Einmal macht Ife einen Besuch in London, und es scheint so als ob sie am selben Abend wieder abgereist ist - auf meine Frage hin, sagte mir die Autorin, dass Ife einige Tage in London war. Aha. Aus dem Text ging dies nicht hervor.

- Gleiche Namen:
Was ich allgemein in Büchern nicht mag, wenn unterschiedliche Protagonisten denselben oder ähnliche Namen haben. Auch wenn alle eher kurz vorkommen, so hätte man hier nicht den Sklaven und der Sohn der Familie Harris gleich nennen sollen. Es gibt doch sicherlich noch mehr Auswahl an damals typischen männlichen Namen als nur "Edward"! Und später tauchte nochmals ein weiterer Edward auf. Das müsste doch einfach nicht sein.

Es gab aber auch ein paar schöne Szenen im Buch: 
Eindrücklich beschrieben wird wie Ife zum ersten Mal ein Buch in den Händen hält. Soll sie es wie die Missus halten oder so wie Sandquist? Sie entscheidet sich für letzteres und blättert seine Bücher ehrfürchtig durch. Eine schöne Beschreibung!

Fazit: Für mich hat das Buch zu viele Mängel - und so kann ich maximal 3 Punkte vergeben.

Dienstag, 9. September 2014

Julie weiss, wo die Liebe wohnt von Gilles Legardinier

Klappentext:
Julie Tournelle hat schon viele verrückte Dinge in ihrem Leben getan. Doch als sie sich in das Namensschild ihres neuen Nachbarn verliebt, wirft sie endgültig jede Vernunft über Bord. Tagelang bezieht sie Posten hinter dem Türspion, um einen Blick auf den Unbekannten zu erhaschen. Dumm nur, dass er gerade dann auftaucht, als ihre Hand in seinem Briefkasten festklemmt. Doch Ricardo befreit sie nicht nur aus der misslichen Lage, sondern lädt sie sogar zum gemeinsamen Joggen ein. Julie weiß, sie sollte zugeben, dass sie nur in Notfällen läuft – wenn es brennt, oder ein kleiner böser Köter sie verfolgt – statt zu behaupten, sie sei begeisterte Langstreckenläuferin. Aber eigentlich ist doch in der Liebe alles erlaubt, oder?


Durch das farblich schöne Cover bin ich auf die tollen Bewertungen zum Buch gestossen. Nach einigen Monaten auf meiner Wunschliste hab ich es mir vor den Ferien dann doch noch gekauft. Das hätte ich lieber gelassen. 

Ich fand das Buch enttäuschend: Julie benimmt sich wie eine pubertierende 15-Jährige und nicht wie eine erwachsene Frau. Sich in einen Namen zu vergucken ist das eine, und das ist wohl vielen unter uns auch schon passiert. Aber Julie lässt nichts aus. Nicht nur einmal, nein, immer wieder wieder tritt sie in alle möglichen Fettnäpfchen und wechselt sogar den Beruf um "ihm" nahe zu sein. Das ist schon recht exzessiv.

Ich glaub, ich bin irgendwie zu alt für solch Teeniekram - und nein, ich hab nicht in der falschen Abteilung eingekauft: "Julie weiss wo die Liebe wohnt" ist kein Jugendbuch. Der Autor übertreibt und hat übersehen, dass er mit all den Aktionen übers Ziel geschossen ist.

Obwohl ich weiss, dass wenn Liebe in der Luft ist, Frauen wie Männer oft nicht mehr rationell funktionieren, sind mir Julies Massnahmen um Ricardo Patatras kennenzulernen und ihn für sich zu gewinnen, zu viel, zu anstrengend und zu überspannt.

Eigentlich geht es im Roman auch um das Leben in einem Quartier, wo man - wenn man vor Ort aufgewachsen ist - meistens alle und alles kennt und selbst auch erkannt wird. Dass bei soviel "Kontrolle" niemand Julie zur Seite nimmt, verwundert. 

Gut erzählt ist der Zusammenhalt im Quartier und vor allem die Geschichte mit Julies kranker Nachbarin fand ich sehr schön. Da ging es auch ganz ohne übertriebene rosarote Brille auf den Augen vor lauter Liebe. Davon hätte ich mir mehr gewünscht. 
3 Punkte. 

Mittwoch, 18. Juni 2014

Das Schatzbuch der Köchin von Martine Bailey

Klappentext:
Eine kluge Köchin - Eines weiß Biddy Leigh: Ihrer neuen Herrin ist nicht zu trauen. Sogar das beste Hühnerfrikassee verfüttert Lady Carinna an ihr lästiges Schoßhündchen. Und dieses Biest muss sie nun für ein Jahr nach Italien begleiten! Eine gefährliche Reise - Während der beschwerlichen Kutschfahrt über London, Paris und die schneebedeckten Alpen entdeckt Biddy schon bald den Grund für den überstürzten Aufbruch: Lady Carinna ist schwanger – sicher nicht von ihrem zeugungsunfähigen Gemahl. Ein Netz aus Lügen und Täuschung - Immer weiter wird Biddy in Carinnas Intrigen hineingezogen, bis sie sogar in die Rolle ihrer Herrin schlüpfen soll. Da kann ihr nur ihre Schlagfertigkeit helfen. Und das alte Kochbuch, das ihr eine gute Freundin mit auf die Reise gab …

Biddy arbeitet in in einem Herrenhaus. Viel zu tun gibt es nicht, da der Hausherr nicht mehr der Jüngste ist und auch kaum mehr hier wohnt. Umso grösser die Aufregung bei den Bediensteten als eine neue, junge Hausherrin einzieht. Die Gerüchteküche brodelt. Kurz darauf soll Biddy zusammen mit dem Diener Mr. Loveday Lady Carinna nach Italien begleiten. 

Auf der Reise wie auch in Italien selbst geschieht einiges und Biddy erfährt wieso Lady Carinna so schnell weg wollte von England. Es scheint als ob alle Geheimnisse haben. 

Das "Netz aus Lügen und Täuschung" wie im Klappentext steht, spannt sich tatsächlich immer weiter, bis es durch die Hilfe von Biddy gelöst wird. Doch das allerletzte Geheimnis von Lady Carinna löst sich erst zum Schluss auf.

Die Beschreibung und die Kommentare zum Roman waren verheissungsvoll, aber mich hat es enttäuscht. 

Der Anfang des Buches ist verwirrend. Es ist nicht klar, wer jetzt gerade schreibt, wer die Erzählenden sind. Zugleich wurde ein Teil vom Ende des Buches verraten. So was mag ich ja gar nicht. 

Auch die Geschichte selbst konnte mich nicht überzeugen. Es wirkt alles zu bemüht und betrübt. 

Ich hätte mir vorgestellt, dass die Köchin etwas aus ihrem "Schatzbuch" macht oder es eine grössere Rolle spielt. Doch die Verstrickungen der Figuren nehmen einen zu grossen Stellenwert ein. Erst zum Schluss bekommt das Rezeptbuch einen Sinn. 

Fazit: Und einzig dieser Schlussteil hat mir gefallen. 
3 Punkte. 

Dienstag, 10. Juni 2014

Die Duftnäherin von Caren Benedict

Klappentext:
Deutschland im Jahre 1349. Endlich bietet sich der sechzehnjährigen Anna die Gelegenheit zur Flucht vor ihrem gewalttätigen Vater. Sie macht sich auf den Weg nach Bremen, in die Heimatstadt ihrer verstorbenen Mutter, begleitet von dem jungen Gawin. Hier kommt Anna bei einer Seifensiederin unter. Sie wird Schneiderin und lässt sich etwas ganz Besonderes einfallen: In die Säume der Kleider näht sie Seife ein und erzeugt so wundervolle Düfte. Bald finden ihre außergewöhnlichen Kreationen Anklang bei den hochstehenden Damen der Stadt. Die zwischen Anna und Gawin aufkeimende Liebe muss zunächst geheim bleiben – schließlich haben sie sich als Geschwister ausgegeben.

Leider einmal mehr ein Buch, dessen Klappentext einen andere Geschichte vermuten lässt, als sie es dann tatsächlich ist. Anstatt eine Geschichte übers Seifensieden, Nähen und Verkaufen der Kleider im Mittelalter verbunden mit einer zarten Liebesgeschichte erwartet den Leser Geschichte mit einem brutalen Mann, der Intrigen und eine Judenverfolgung anzettelt, überall für Unruhe sorgt und für grausame Morde verantwortlich ist. 

Dieser Mann ist Annas Vater, der für 2 Tage eingesperrt wird. Diese Abwesenheit nutzt Anna zu ihrer Flucht, auf welcher sie Gawin kennenlernt. Zuerst finden beide in einem Männerkloster Arbeit für einige Tage, dann wird Anna festgehalten. Durch Hilfe eines jüngeren Mönches kann sie und Gawin fliehen. In Bremen lernen sie Margrite kennen, bei der sie wohnen dürfen. Anna lernt hier das Seifensieden. Gawin findet eine Lehrstelle bei einem Schreiner. 

Im zweiten Erzählstrang sucht Annas Vater nach seiner Entlassung nach ihr und landet in Köln. Dieser kranke Typ will sie töten, genau so wie er schon so viele andere vorher getötet hat. In Köln zettelt er oben erwähnte Judenverfolgung an und tötet weiter. 

Die beiden Erzählstränge kommen gegen Ende zusammen und wieder wird/bleibt es gewalttätig. Ein Happyend gibt es schlussendlich zwar schon, aber der Schluss ist extrem kurz geraten. Auch wartete ich beim Lesen des ersten Strangs, der von Anna und Bremen handelt, immer darauf, dass es jetzt endlich wirklich mit dem Nähen und Seifen herstellen los geht und dieses Thema endlich der gebührende Platz bekommt. Doch ich wartete vergeblich. 

Ich frage mich einmal mehr, wer aus den Verlagen zuständig ist für die Buchbeschriebe. Mich ärgert es wenn ich mir ein Buch kaufe, dass sich angeblich um Seifensiederei und Seifenstücke in schöne Kleider einnähen dreht, und ich beim Lesen feststelle, dass dieses angebliche Hauptthema nur am Rande vorkommt. Es wäre extrem spannend gewesen, diesem Thema den Raum zu geben, den es aufgrund des Beschriebs hat - gerade zum Beispiel in Verbindung mit der Pest, die auch ein Teil des Buches einnimmt. 

Und wie fühlten sich wohl die Frauen in diesen Duftkleidern und wer waren die Frauen, die diese Kleider kauften? Dies wurde nicht ein einziges Mal erzählt; es werden auch keine Frauen beschrieben, wie sie sich Kleider auswählen und kaufen, einfach nur "sie kauften die Kleider". Auch das Seifensieden wird im gesamten Buch in nur etwa 7 Sätzen abgehandelt. 

Aus dem Hauptthema wurde eine Nebensache, zum Broterwerb degradiert, damit man die Brutalitäten und Intrigen im Nebenstrang am Schluss dann doch noch irgendwie zusammen führen kann. Irgendwas müssen sie quasi ja arbeiten. Da hätte es auch eine einfache Näherin oder Gewürzhändlerin oder Köchin oder was weiss ich sein können. Frau Benedikt hätte den zweiten Kölner Erzählstrang gänzlich weglassen und mit mehr Augenmerk auf die Beschreibungen eine tolle Geschichte schreiben können. Aber ich wurde getäuscht. 

Hätte es sich beim Buch um ein Joghurt gehandelt, das mit "Zitronenjoghurt" angeschrieben ist und drin wäre ein "Vanillejoghurt" - ich hätte es sofort zurückgebracht und umgetauscht. Das möchte ich mit diesem Buch auch. Ich möchte einen schönen historischen Roman lesen, in dem es ums Seifensieden und Nähen geht. 

Fazit: Ich wollte die versprochene Seife und bekam Totschlag. Deshalb fühle ich mich mit dem Kauf und der Lektüre dieses Buches betrogen. 
2.5 Punkte.


Mittwoch, 4. Juni 2014

Das Haus der verlorenen Wünsche von Mia Löw

Klappentext:
Nach dem tragischen Tod ihrer Mutter reist die 25-jährige Tessa nach Schottland, um herauszufinden, was diese hier erfahren hatte, unmittelbar bevor es zu einer grausamen Familientragödie kam. Doch in Edinburgh stößt sie nicht nur auf ein Familiengeheimnis, sondern auch auf ein Geheimnis um Tessa selber – das ihr Leben komplett verändern wird.






Nachdem Charlotte, Tessas Mutter, spontan für einige Tage nach Schottland ging und direkt nach ihrer Rückkehr von ihrem Vater getötet wird, reist Tessa nach St. Andrews und logiert im Hotel Old Course House um herauszufinden, was ihre Mutter kurz vor ihrem Tod dort gemacht hat. 

Sie lernt Ian, den Sohn des Hauses, kennen und ist kurz davor sich in ihn zu verlieben. Da taucht plötzlich Hamish, ihre alte Jugendliebe, den sie nie vergessen hatte, auf. Doch anstatt im 7. Himmel zu sein, verhält sich Hamish merkwürdig.

Auch Jamie, Ians Schwester scheint Hamish zu kennen. Marta, Ians und Jamies Mutter, verhält sich ebenso komisch, denn nach dem Tod von ihrem Mann möchte sie zum Ärger ihrer beiden Kinder so schnell wie möglich das Hotel und ihr Anwesen Stellmore Castle verkaufen. 

In der Vergangenheit wird die Geschichte von Lady Fiona (deren Bild im Hotel hängt) und die von Mairi Haigs erzählt. Mairi lebt mit ihrer Mutter Murron zusammen und arbeitet in Murrons kleinem Laden. Bis eines Tages Aidan auftaucht und sich in Mairi verliebt. Sie will mit ihm weg, doch die Hebamme Bonnie Chattan sieht die beiden und fängt Murron am Bahnhof ab, ehe Mairi ihr selbst davon erzählen kann. Tags darauf sind Mairi und Murron verschwunden... 

Gleich drei Zeitstränge werden in diesem Roman bedient, das macht die Story sehr kompliziert.

Es gibt haufenweise schwierige und verbitterte Charaktere, dazu ein Zuviel an Geheimnissen und Intrigen. Haufenweise unverständliche Handlungen und nur ganz wenige sympathische Figuren.

Die Autorin wollte in ihrem Erstling wohl mit richtig viel Geschütz auffahren. Doch weniger wäre mehr gewesen. Ich hab mich geärgert über derart viele Bösartigkeiten und habe schlussendlich nur weitergelesen, weil ich wissen wollte, wieso und ob Tessas Vater ihre Mutter tatsächlich getötet hat. 

Aber nachdem das ganze Buch vor Geheimnissen trotzte, hätte ich mir einen überraschenderen Schluss vorgestellt. 

Fazit: Gut gemeinte Unterhaltung, aber nervig und übertrieben.
Knappe 3.5 Punkte.

Dienstag, 27. Mai 2014

Die verborgene Sprache der Blume von Vanessa Diffenbaugh

Klappentext:
Victoria Jones kennt von Geburt an nur Waisenhäuser und Pflegefamilien. Wie ein Gegenstand wurde sie von einer Bleibe zur nächsten weitergereicht. Schon als Kind hat sie sich deshalb zu einer wortkargen, menschenscheuen Kratzbürste entwickelt. Einzig für Blumen interessiert sie sich, und für deren Sprache, denn die hat sie von Elizabeth gelernt, dem einzigen Menschen, von dem sie je Liebe erfahren hat. Mit achtzehn Jahren ist Victoria obdachlos und ganz auf sich allein gestellt - bis sie einen Job in einem kleinen Blumenladen findet. Auf dem Markt der Blumenhändler lernt sie schliesslich einen jungen Mann kennen. Erstaunt stellt sie fest, dass Grant ebenfalls die Sprache der Blumen versteht. Gegen ihren Willen keimt in Victoria nach langer Zeit wieder Hoffnung: auf Liebe, auf eine Familie, auf ein Zuhause. Doch ihre Vergangenheit, ihre schmerzvollen Erinnerungen an Elizabeth holen sie immer wieder ein. Kann es Grant gelingen, sie trotzdem zu lieben - so unberechenbar, so verstockt, so verletzlich, wie sie ist?


An Victorias achtzehntem Geburtstag muss sie aus dem Heim ausziehen: weil sie sich vorher nicht um eine Arbeitsstelle bemüht hat, steht sie auf der Strasse und ist obdachlos. Sie bekommt eine Aushilfsstelle in einem Blumengeschäft und lernt an der Blumenbörse Grant kennen. Mit Hilfe der Blumensprache kommunizieren sie miteinander und merken bald, dass sie sich von früher her kennen. 

Nun wird ihre vergangene Geschichte in Rückblenden aufgerollt. Damit wurde ich nicht warm. Vieles davon konnte ich nicht nachempfinden: Unglaubwürdig zum Beispiel, dass ein Waisenhauskind mit 18 Jahren einfach auf die Strasse gestellt wird und keinen Beistand mehr hat. Dazu schlichtweg zuviel sozialkompetente Unfähigkeit bei allen Charakteren, von der Autorin mit einer Überdosis Melodramatik versalzen.

Das einzig Schöne im Buch waren die Beschreibungen von den Bedeutungen der Pflanzen. Grant und Victoria haben zuerst ausschliesslich durch die Blumen miteinander kommuniziert, was mir sehr gut gefallen hat. Doch als es danach darum ging, die Vergangenheit von beiden zu erzählen, kam die oben genannte Unfähigkeit dazu, inklusive der Unglaubwürdigkeit durch einige abstruse Situationen.

Der Schlussteil war zwar einigermassen wieder lesbar, aber die Enttäuschung über das Buch mit dem schönen Titel war bereits zu gross, als dass es der Schluss wieder wettgemacht hätte. 

Sehr gestört haben mich im eBook die Ziffern, mit der jede Pflanze fortlaufend nummeriert war. Wenn man auf die Ziffern klickte, kam man zum Ende des Buches wo jede Pflanze beschrieben war. Aber da z.B. Rosen öfters auftauchten, kam die gleiche Ziffer jedesmal wieder vor - es hätte mir genügt pro Pflanze eine Ziffer zu schreiben und nicht bei jeder Erwähnung die Nummerierung fortzusetzen. Es störte den Lesefluss enorm, wenn z.B. ein Blumenstrauss mit sieben oder mehr verschiedenen Blumen erwähnt wurde und hinter jeder eine Zahl stand. 

Fazit: Die Grundidee des Buches - Kommunikation durch Blumen - hat mir gefallen, aber die Umsetzung fand ich unrealistisch. 
3 Punkte. 


Donnerstag, 22. Mai 2014

Zeit deines Lebens von Cecelia Ahern

Klappentext: 
Zauberhaft, geheimnisvoll und mit einer berührenden Botschaft, das ist der wunderbare Roman der jungen irischen Weltbestsellerautorin. Denn manchmal muss man jemand ganz Besonderem begegnen, um zu erkennen, was wirklich wichtig ist im Leben. Lou Suffern ist ein »BWM«, ein Beschäftigter Wichtiger Mann. So wichtig und beschäftigt, dass er den 70. Geburtstag seines Vaters vergisst, seine Frau leichthin betrügt und seinem kleinen Sohn noch nicht ein einziges Mal die Windeln gewechselt hat. Eines Tages verwickelt ihn ein Obdachloser namens Gabriel in ein Gespräch. Lou fühlt sich dem Unbekannten seltsam verbunden und verschafft ihm kurzerhand einen Job – was nun wirklich nicht seine Art ist. Doch auch Gabriel hat ein Geschenk für Lou: ein rätselhaftes Mittel, durch das Lou ein anderer wird.


Die Story ist schnell erzählt: Geschäftsmann trifft auf Obdachlosen Gabriel (von allen Gabe genannt; soll wohl den Engel Gabriel darstellen), der ihm aufzeigt, dass sein Leben aus dem Ruder läuft. 

Nur Arbeit und keine Zeit für die Familie, stattdessen mehr als nur flirten mit der Sekretärin, die Theateraufführung der Tochter verpassen, Geburtstagsfest-Planung für seinen Vater seiner Schwester entreissen und die Organisation dann seiner Sekretärin überlassen… 

Die Geschichte von Lou und Gabe wird an Weihnachten von einem Polizist einem Jungen, der festgenommen wurde, weil er einen gefrorenen Truthahn in das Wohnzimmerfenster seines Vaters geschmissen hat, erzählt.

Die Polizei-Truthahnjunge-Geschichte hätte es nicht gebraucht, oder Frau Ahern hätte nur daraus ein Buch schreiben können. Die wäre sicherlich spannender gewesen, als die Lou-Gabe-Geschichte. 

Die Lou-Gabe-Story wird gegen Schluss hin einfach nur billig ("Klongeschichte") und obwohl ich bei emotionalen Themen öfters ein Tränchen verdrücke, hat mich das Ende emotionslos und kopfschüttelnd zurückgelassen.

Das Buch hinterlässt mich unzufrieden, die Aussage des Buches ist klar und (zu) deutlich. Sie wird etliche Male zu oft erwähnt. Zur selben Thematik hab ich schon bessere, weil tiefgehendere Bücher gelesen. 

Fazit: Jetzt weiss ich auch, wieso das Cover rot ist und nicht blau wie ihre andern Bücher: rot = stopp, nicht kaufen. 3 Punkte.

Freitag, 16. Mai 2014

Not amused

Eigentlich schreib ich lieber über Bücher, die mir gefallen haben, als über solche, die es nicht taten. Doch manchmal kommen Rückfragen zu nicht rezensierten Büchern aus meiner Lesebiografie. Deshalb erschaffe mit "Not amused" eine neue Rubrik, in dem ich ein paar Worte zu Büchern schreibe, die ich sonst eher stillschweigend abhaken würde.

Not amused 

war ich im Frühling zum Beispiel über folgende Bücher, Rezis dazu folgen in nächster Zeit: 


- Das Schatzbuch der Köchin von Martine Bailey
- Die verborgene Sprache der Blume von Vanessa Diffenbaugh
- Zeit deines Lebens von Cecelia Ahern




Sonntag, 11. Mai 2014

Für immer vielleicht von Cecelia Ahern

Klappentext: 

Gegen Alex und Rosie sind Harry und Sally Waisenknaben. Denn die beiden Verliebten kennen sich seit ihrem sechsten Lebensjahr -- und können doch, so scheint es, wie die Königskinder nicht zueinander finden. Zuerst siedelt Alex mit seinen Eltern von der grünen Insel nach Amerika über, dann verhindert die Schwangerschaft von Rosie, dass sie ihm folgt. Dann heiratet Alex, und als er wieder frei ist für die große Liebe, ist Rosie verheiratet. So bleiben ihnen eigentlich nur Emails, Chats und SMS-Nachrichten, um das zarte Band der Liebe nicht zerreißen zu lassen. Und dann steht plötzlich ein Mann vor Rosies Tür. „Und nun, als die magische Stille sie nach so vielen Jahren erneut einhüllte, konnten sie nichts weiter tun als einander anschauen“, heißt es in Cecilia Aherns Roman Für immer vielleicht: „Und sie lächelten.“


Zugegeben: ein Buch ausschliesslich in Form von Briefen, E-Mails, SMS und Chat-Nachrichten zu schreiben ist witzig. 

Doch man kann es übertreiben. Der obige Buchbeschrieb fasst das 448-seitige Buch wunderbar zusammen. Mehr passiert im Buch nicht. 

Eine ständige Wiederholung als zwanghafte Verlängerung des Klappentextes. Rosie und Alex rasseln von einer Fehlentscheidung in die nächste. Sie kriegen sich nicht mit 10, nicht mit 18, nicht mit 20, nicht mit 30 und auch nicht mit 40 Jahren. In der Mitte des Buches hätten sie mindestens zum dritten Mal zueinander gefunden - man liest und denkt, jetzt, endlich! 

Doch man hat noch mindestens 200 Seiten vor sich und kein Ende in Sicht.

"Für immer vielleicht" ist wie Kaugummi, man kann ihn gaaaaaaaaaaaaanz lange ausdehnen. Nur schmeckt der Kaugummi nicht mehr so gut wie vor dem Dehnen. Genauso ist es mit diesem Buch. 

Hätte Frau Ahern eine Kurzgeschichte daraus gemacht, ich wäre begeistert. Aber hier sind mindestens 200 Seiten zu viel. 

Wäre dies mein erstes Buch von Cecelia Ahern, ich würde nichts mehr von ihr lesen. Aber da ich von "P.S. Ich liebe dich" und "Hundert Namen" sehr begeistert bin, weiss ich, dass sie es besser kann. 

Wer noch nichts von ihr gelesen hat: "Für immer vielleicht" auslassen und sich andere Bücher von ihr schnappen. Sie kann toll und interessant und auch tiefgründig schreiben, bloss nicht im Vorliegenden.

Fazit: Viel zu lang herausgezogene Story, die kein Ende finden will. 
2 Punkte.