Mittwoch, 31. März 2021

Lesebiografie und Monatsrückblick März 2021 -

Ein Monat mehr im ("halben") Lockdown. Bei uns sind seit Anfang März die Läden wieder offen, aber alles andere ist immer noch zu und Home Office Pflicht besteht nach wie vor. Die Hoffnung auf baldige Impfungen für alle ist bei mir je länger je mehr gesunken. Da freut man sich über jede, und sei sie nur so klein, Abwechslung. Bienen, die sich in den Narzissen auf dem Balkon Nektar holen. 

Oder das sommerlich warme Wetter gerade. Deshalb hab ich gestern am späten Nachmittag spontan meine Nachbarin auf einen Raki bzw. Gin auf den Balkon eingeladen. Das war quasi der erste Besuch seit Weihnachten, das erste Mal seit drei Monaten, an dem ich mit jemandem anderen am (Balkon-)Tisch sass als nur mit Mann und Tochter. Eine schöne Abwechslung, von der man dann wieder wochenlang zehren kann, wenn das Wetter sich in den nächsten Tagen und Wochen wieder nicht von seiner schönen Seite zeigt. 


Im März hab ich 17 Bücher gelesen, zwei davon hatten sogar denselben Titel: "Die Roseninsel" (Die Rezension der Roseninsel von Gabriele Diechler kommt nächste Woche). Es ist schon sehr ungewöhnlich, dass zwei Bücher, die so kurz hintereinander erscheinen, denselben Titel haben. Aber beide sind total lesenswert, besonders die Starnberger Roseninsel (von Anna Reitner) wird mir wohl noch länger in Erinnerung bleiben. 


Mit den im März gelesenen Büchern bin ich sehr zufrieden. Bis auf vier Titel konnten mich alle überzeugen und haben mir gut bis sehr gut gefallen. 

3 Punkte:
- Tod im Buckingham Palast von C.C. Bension (Band 1) 

3.5 Punkte:
- Die Puppenmörder von Hunter’s Grove von Ellen Barksdale (TKM 17) 
Der kleine Brunnen der geheimen Wünsche von Janina Lorenz (Herzbach 3) 
- Bittersüsse Zitronen von Luca Ventura (Capri - Rizzi Cirillo 2) 

4 Punkte:
- Der Rabbi und das Böse von Katharina Höftmann (Assaf Rosenthal 2) 
- Tote Kameraden von Katharina Höftmann (Assaf Rosenthal 3) 
- Romy und der Weg nach Paris von Michelle Marly 
- Die Roseninsel von Gabriele Diechler
- Die Roseninsel von Anna Reitner 

5 Punkte: 
- Die Verlorenen von Stacey Halls
- Klaras Schweigen von Bettina Storks
- Wo Geschichten neu beginnen von Jenny Colgan (Happy ever After 3) 
- Bretonisch mit Meerblick von Gabriela Kasperski (Tereza Berger 1) 
- Bernsteinsommer von Anne Barns 

 

Mitnehmen in den April tue ich "Die Träume der Bienen von Patricia Koelle (Inselgärten 3), mit dem mach ich es mir heute Abend gemütlich, denn von den 528 Seiten habe ich erst 132 Seiten gelesen.

Über Ostern wollte ich eigentlich SuB-lesen, nun kommen doch erst einige März-Neuerscheinungen dran. Sarah Morgan, Juliana Weinberg und Jane Linfoot zum Beispiel. Dafür hab ich im März die Rosenthal-Serie vom SuB befreit. Von der #12für2021 Challenge schaffte ich leider keinen Titel. 

Wie erging es euch im März? 
Stehen meine gelesenen Bücher vielleicht sogar auch auf euren März-Rückblicken oder wollt ihr einige der Titel vielleicht noch lesen?


Montag, 29. März 2021

Die Roseninsel von Anna Reitner

Klappentext:
Die junge Berlinerin Liv kehrt ihrem bisherigen Leben den Rücken. Zu schwer wiegt die Last der Erinnerungen auf ihren Schultern. Kurzerhand tritt sie eine Stelle am Starnberger See an: Sie wird Verwalterin der winzigen Roseninsel, auf der es nur eine leerstehende königliche Villa und einen Rosengarten gibt. Livs einzige Verbindung zur Außenwelt ist Johannes, der ihr mit seinem Ruderboot Lebensmittel bringt und der mehr und mehr von der verschlossenen Liv fasziniert ist. Eines Tages entdeckt Liv unter den Dielen der alten Villa ein Tagebuch. Es führt sie über hundert Jahre in die Vergangenheit zurück, in das Leben einer anderen jungen Frau, verwandt mit den Königen von Bayern. Seite um Seite entdeckt Liv deren Geschichte – und kommt dabei dem Geheimnis der Roseninsel auf die Spur.

Diesen Roman hab ich Samstagnacht begonnen zu lesen und Sonntagabend beendet - die Geschichte hat mich voll gepackt.

Liv braucht eine Auszeit und hütet für vier Wochen "Die Roseninsel" im Starnberger See. Sie ist die einzige Bewohnerin der Insel, auf der es nur zwei Gebäude gibt: eine alte herrschaftliche Villa und ein Gartenhaus, in dem im Erdgeschoss das Inselmuseum untergebracht ist und im Obergeschoss die Inselwärterwohnung.

In der Villa findet Liv in einem Versteck ein altes Tagebuch. Abgeschieden auf der Insel hat sie viel Zeit und beginnt es zu lesen und taucht alsbald, zusammen mit den Leserinnen, in die Geschichte von Magdalena, der fiktiven Tochter des bayrischen König Otto ein. Zusammen mit einer verwitweten Baronin, einer Hausangestellten und dem Gärtner Sepp lebt Magdalena einsam auf der Roseninsel mitten im Starnberger See. 

Liv hat die Abgeschiedenheit bewusst gewählt, Magdalena nicht. Während Liv in den vier Wochen wieder zur Ruhe kommen möchte, bangen die Leserinnen um Magdalenas Schicksal. Anna Reitner schafft es, die Leserinnen sofort in den Bann dieser Erzählung rund um Magdalena zu ziehen. 

Den Erzählstrang um Liv ist zwar auch nicht uninteressant, bildet aber eher die Rahmenhandlung und verbindet die Vergangenheit mit der Gegenwart. Viel spannender und geheimnisvoller empfand ich Magdalenas Lebensgeschichte, man hofft stark für sie, dass es gut für sie ausgeht. 

Die Charaktere sind der Autorin toll gelungen, einerseits Liv, die nur ihre Ruhe will, dann aber doch langsam auftaut, andererseits Magdalena, die sich mit ihrem Schicksal nicht anfreunden will. Baronin Zeiss konnte ich mir nur zu gut vorstellen - herrje, da staunt man, wie Magdalena diese Frau ausgehalten hat. Viele Sympathiepunkte bekommt von mir der Gärtner Sepp, Oma Rosi und auch Johannes, der Liv so nimmt, wie sie ist.

Wer Rosen, Rosengärten, Geheimnisse, Archäologie und die bayrische Geschichte mag, wird auch diesen Roman mögen, da bin ich mir sicher. 

Fazit: Eine geheimnisvolle und sehr interessante Geschichte um ein verstecktes Tagebuch, bzw. um dessen Schreiberin, die ich mit Vergnügen gelesen habe. 
4 Punkte. 



Sonntag, 28. März 2021

Krimi: Tod im Buckingham Palast von C. C. Benison (Ihre Majestät ermittelt 1)

Klappentext:
Die Queen ist "not amused", als sie eines Morgens über die Leiche eines ihrer Lakaien stolpert. Da das Opfer Robin Tukes als depressiv bekannt war, geht man von einem Suizid aus, und es werden keine weiteren Ermittlungen angestellt. Doch weder die Queen noch das Hausmädchen Jane Bee, eine gute Freundin von Robin, glauben an diese Theorie. Sie vermuten: Mord! Und für die Queen ist sofort klar, dass die beiden gemeinsam den Täter zur Strecke bringen werden.





Ich lese sehr gerne Krimis, bei denen die Queen ermittelt. Deshalb freute ich mich auf die deutsche Übersetzung des ersten Bandes einer dreiteiligen Krimiserie von C. C. Benison. 

Jeder der drei Bände spielt auf einem Schloss. Band 2 auf Sandringham, Band 3 auf Windsor Castle und der vorliegende erste Band, wie man dem Titel leicht entnehmen kann, im Buckingham Palast.

Dieser Krimi kommt inhaltlich sehr ähnlich daher, wie Anfangs Jahr das ebenfalls übersetzte "Das Windsorkomplott" von S. J. Bennett. Hier ist es aber nicht die stellvertretende Privatsekretärin die der Queen hilft, sondern ein 20jähriges Hausmädchen namens Jane Bee. 

Jane kommt aus Kanada und ist nach einer Europareise ziemlich pleite bei ihrer Grosstante Grace untergekommen. Um ein bisschen Geld zu verdienen, arbeitet sie nun als Hausmädchen im Buckingham Palast. Hier freundete sie sich mit dem Lakaien Robin Tukes, einen Landsmann von ihr, an und verbrachte öfters mal ihre Freizeit mit ihm. Deshalb ist sie sehr betroffen, als er eines Tages plötzlich tot vor den Gemächern der Queen liegt. 

Noch mehr geschockt ist Jane, als sie hört, dass es sich dabei um einen Selbstmord handeln soll. Das passt nicht zu Robin, findet Jane Bee. Auch nicht, dass der schwule junge Mann ein schwangeres Hausmädchen heiraten wollte und dies erst vor einigen Tagen verkündete. Sie ist skeptisch und beginnt Fragen zu stellen - und bald schon tut sie dies im Auftrag Ihrer Majestät, der Queen.

Der Autor beschreibt einen Ablauf, der so tatsächlich hätte stattfinden können, in seiner ganzen Länge. Das wirkte sehr authentisch. 

Was mir aber hauptsächlich auffiel, ist, dass der Krimi tatsächlich sehr in die Länge gezogen wurde. Oft wurden zu detailliert Nebensächlichkeiten geschildert und noch viel öfters wurde alles, was Jane oder die Queen herausgefunden haben, nochmals und nochmals wiederholt. 

Auch am Ende, als die Leser bereits wussten wer für Robins Tod verantwortlich war und nur noch kleine Details fehlten, wurde alles genauestens ein weiteres Mal repetiert. 

Es war nett mit Jane Bee im Buckingham Palast, manchmal auch humorvoll, aber hauptsächlich viel zu langweilig. Und das lag nicht daran, dass die englische Originalausgabe bereits 1997 erschien. Anstatt den Krimi in zwei Tagen auszulesen, las ich fünf Tage daran. Es bedurfte viel Disziplin meinerseits den Krimi auch wirklich zu Ende zu lesen, anstatt einfach abzubrechen. 

Fazit: Ein sehr spannungsarmer und viel zu detaillierter Cosy Krimi. 
3 Punkte. 

Freitag, 26. März 2021

Krimi: Bittersüsse Zitronen von Luca Ventura (Rizzi und Cirillo 2)

Klappentext:
Auf der schönsten Insel der Welt reifen die Zitronen für den berühmten Limoncello von Capri. Doch plötzlich liefert die Familie Constantini nicht mehr, sie will auf Bio-Früchte umstellen und diese mit Crowdfarming vertreiben. Als Elisa Constantini bei einem mysteriösen Unfall auf den Serpentinen Capris stirbt, leiten der junge Polizist Enrico Rizzi und seine tatkräftige Kollegin Antonia Cirillo Ermittlungen ein und blicken in einen Abgrund von fatalen Liebschaften und Familienfehden.





Als Enrico Rizzi nachts auf dem Heimweg ist, kommt ihm ein Fahrzeug mit überhöhter Geschwindigkeit entgegen - das kurz darauf verunfallt. Rizzi eilt sofort an die Unglücksstelle und kann nur noch den Tod von Elisa, einer jungen einheimischen Frau, feststellen. 

Die Mühlen mahlen langsam auf Capri und so will niemand ausser Augenzeuge Rizzi daran glauben, dass es nicht einfach ein Unfall, sondern ein Mordanschlag war. Er nimmt die Ermittlungen trotz Gegenwind auf, und als bald darauf jemand angegriffen wird, ist allen klar, dass da mehr dahinter steckt. 

Enrico Rizzi würde am liebsten alleine ermitteln und schickt Antonia Cirillo nur auf Botengänge. Das ist ihr zu langweilig und so macht sie es Rizzi nach und ermittelt auf eigene Faust, quasi parallel. Beide finden einiges über die betroffenen Familien heraus, alles könnte ermittlungsrelevant sein. Am Ende sind sie auf der richtigen Spur. 

"Bittersüsse Zitronen" hat mich unterhalten, ich habe den Band zügig ausgelesen. 

Doch mit einem spannenden Krimi kann dieser zweite Capri-Krimi-Band nicht mithalten. Als leichter Spannungsroman mit viel lokalem Flair kann diese Story durchgehen, aber halt nicht wirklich als Krimi.

Das Ende hat mich enttäuscht, obwohl ich es so ähnlich geahnt habe und es im realen Leben wohl ganz oft solche Fälle von rivalisierenden Familien gibt. Und wäre bei denen kein Rizzi in der Nähe, würden sie einfach als Unfall abgehakt und nie nachgeforscht, was tatsächlich dahinter stecken könnte. 

Was mich auch sehr störte, war, dass Rizzi und Cirillo kaum miteinander gesprochen haben. Es las sich, als wären einfach beide von sich aus am selben Fall interessiert, aber würden sich kaum kennen. Die beiden sind wahrlich kein Dreamteam, und das liegt nicht an ihrem unsympathischen Vorgesetzten. Nach dem ersten Band dachte ich, die beiden Einzelgänger hätten sich zusammen gerauft. Doch dem war nicht so. 

Der erste Band hörte sich vielversprechend an, doch dieser zweite Band konnte meine Erwartungen nicht erfüllen und deshalb werde ich einen allfälligen dritten Teil wahrscheinlich nicht mehr lesen.

Fazit: Es ist zwar ein unterhaltender Roman, aber leider weder spannend noch wirklich interessant. 
3.5 Punkte. 


Reihenfolge:

Donnerstag, 25. März 2021

Krimi: Der Commissario und ein altes Geheimnis von Dino Minardi (Pellegrini 3)

Klappentext:
Ja, er ist abgehauen, einfach weggelaufen. Als sein bester Freund Luca tödlich verunglückte, wollte Marco Pellegrini die gut gemeinten Ratschläge seiner Familie und Freunde nicht hören, die besorgten Blicke nicht sehen. Der Mann, den er sein ganzes Leben lang gekannt hat, mit dem er aufgewachsen ist, soll in Drogengeschäfte verstrickt gewesen sein. Hat Pellegrini sich so in Luca getäuscht? Sieben Jahre später wird der Fall neu aufgerollt. Plötzlich geht es nicht mehr nur um Drogenhandel, von Zwangsprostitution, ja von Mord ist die Rede. Pellegrini, der inzwischen bei der Polizia di Stato in Como Karriere gemacht hat, sitzt plötzlich die Guardia di Finanza aus Mailand im Nacken. Und er wird Zeuge in einem Fall, der viel bedeutsamer ist, als er für möglich gehalten hat – vor allem für ihn persönlich. Der Commissario wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert und beginnt zu verstehen, dass er nicht immer der Einzelkämpfer sein muss, der er vorgibt zu sein – vor allem nicht in der Liebe.


Im dritten Band der Krimiserie, die im norditalienischen Como angesiedelt ist, bekommt Kommissar Marco Pellegrini Besuch aus Mailand. Die Guardia di Finanza haben Hinweise auf Marcos Freund Luca, der vor einigen Jahren bei einem Unfall verstarb, gefunden. Nun soll Pellegrini über Luca Auskunft geben - auch darüber, was er nach Lucas Tod machte. 

Sein damaliges Verhalten - monatelang in Europa herumzugondeln - aus Trauer und Enttäuschung entstanden, macht ihn verdächtig. 

Allerdings muss er sich nun auch erstmals richtig mit Lucas Tod auseinandersetzen. Hat sich das damals wirklich so abgespielt wie auf den ersten Blick gedacht, oder steckt da mehr dahinter? Kannte er Luca zu schlecht oder zu gut? 

Mit seinen Gedanken derart beschäftigt hat Pellegrini so gar keine Lust, sich um den neuen Fall - ein getöteter Jugendlicher und gleich drei Mädchen wollen die Täterinnen sein - zu kümmern. Er gibt ihn an Claudia Spagnoli ab und kümmert sich um den Fall Luca. 

Alle, die die zwei Vorgängerbände gelesen haben, wissen, dass dies unweigerlich zu Spannungen mit Fabio Cunego führt. So ist nicht nur Pellegrini, sondern auch Claudia mit ihren eigenen Gedanken und Gefühlen vollauf beschäftigt. 

Nachdenklich kommt dieser dritte Band rüber. Ermittelt wird zwar, aber eher zweitrangig. Im Mittelpunkt steht Pellegrini auf seiner Suche nach der Wahrheit. Die Wahrheit, die mit Lucas Tod zu tun hat und vor allem auch die Frage, was Marco im Leben wirklich wichtig ist. 

Nichtsdestotrotz ist auch dieser Band spannend und sorgt mit einem Undercover-Einsatz für ein bisschen Nervenkitzel. Nachdem nun vieles geklärt ist, bin ich gespannt, wie sich die Entwicklungen von "Der Commissario und ein altes Geheimnis" auf den vierten Band auswirken und freue mich darauf. 

Das Setting, die Stadt am Lago di Como gelegen, gefällt mir nach wie vor und macht sicher nicht nur mir Lust, sich Pellegrini und Spagnolis Wirkungsstätte selbst einmal genauer anzusehen. 

Fazit: Ein eher ruhiger Pellegrini, der aber ebenso interessant daher kommt wie die beiden Bände zuvor. 
4 Punkte. 


Reihenfolge:

Leuchtturmträume von Tanja Janz

Klappentext:
In St. Peter-Ording will Anneke nicht nur ihren Job als Hoteltesterin erledigen, sondern auch endlich mal wieder Zeit in der Natur genießen und ausspannen. Dass sie hier außerdem die romantischsten Orte der Küste aufsuchen soll, trifft sich gut. Bis sich herausstellt, dass ausgerechnet ihr Ex Raik das neue Hotel leitet und sie nur allzu gern zu Strandspaziergängen und Picknicken an Geheimplätzen begleitet. Er lässt keinen Zweifel daran, dass er sich einen Neuanfang mit ihr wünscht. Und wenn Anneke seinen offenen Blick auffängt, spürt sie, wie viel er ihr immer noch bedeutet. Aber kann sie sich wirklich der Vergangenheit stellen und Raik verzeihen?


Der Prolog liest sich dramatisch. Man spürt danach, was passiert sein könnte und weshalb Anneke nun als Hoteltesterin arbeitet. Keinen näheren Kontakt mehr zu ihrer Familie zu haben, weil sie die Arbeit vorschiebt, überall zu sein und nie zur Ruhe kommen, damit sie keine Zeit für Grübeleien hat. 

Doch als Anneke nach St. Peter-Ording geschickt wird, um romantische Hotspots zu suchen, trifft sie auf ihren Ex-Freund Raik - jetzt muss sie sich ihrem Gedankenkarussell  stellen und kann nicht davon laufen. 

Während sie nun ihren Job erledigt - der mir auch gefallen würde, gut bezahlt Sightseeeing zu machen - kann sie weder Raik noch allem, was sich in ihr in den letzten Jahren aufgestaut hat, nicht entkommen. Anneke merkt selbst, wie festgefahren sie darin ist, obwohl sie ihrer neuen Freundin Wenke gegenteilige Tipps gibt. So wird diese Geschäftsreise eine Reise zu sich selbst. Aber vor dieser tollen Kulisse durchzogen von Salzluft kann man ja auch gut durchatmen und so ist es auch ein Klacks für sie ihren Job zeitgleich zu erledigen. Wobei ihr Raik und einige Einheimische sehr gerne dabei helfen. 

Der Roman ist so entspannend, wie für Anneke eine Bernsteinmassage - gemütliche Lesestunden sind garantiert. 

Fernweh kommt auch auf. Indem wir die Nordsee zusammen mit Anneke entdecken, ist das Lesen dieses Romans praktisch ein Ersatz für das momentane nicht reisen können. 

Autorin Tanja Janz schafft das eh immer. In ihren Büchern fühlt man sich wohl, und wenn man ihre Bücher nicht vor Ort in St. Peter-Ording lesen kann, macht das gar nichts, man hat das Gefühl, man sei eh dort. 

Fazit: Erneut ein schöner Roman aus der Feder von Tanja Janz - mit ganz viel Nordseefeeling. 
4 Punkte. 


Top Ten Thursday 25.03.21 - Zehn Buchtitel mit wenigen Buchstaben

"Top Ten Thursday" ist eine Aktion von Aleshanee von Weltenwanderer). Jeden Donnerstag stellt sie eine Frage, zu der man als Antwort Bücherlisten mit 10 Buchtiteln, Buchcovern oder ähnlichem erstellt. 


  
Zeige uns zehn deiner Bücher, deren Titel die wenigsten Buchstaben haben 

Heute war es schwierig für mich - blöd, dass ich weder Stephen King noch Fantasy noch Young Adult lese, dann wärs einfacher 😁 Am Ende hab ich aber die gewünschten zehn Titel mit sechs, acht und neun Buchstaben gefunden. 








Hier gehts zu den Rezensionen:
- Retour von Alexander Oetker
- Zapfig von Felicitas Gruber
- Venner von Franziska Hidber und Christian Ruch
- Heimelig von Blanca Imboden 
- Effi liest von Anna Moretti
- Fado fatal von Hanne Holms

Wie schwer fiel euch die heutige Aufgabe? Welche eurer Bücher hatten die wenigsten Buchstaben? 

Dienstag, 23. März 2021

Bernsteinsommer von Anne Barns

Klappentext:
Nach ihrer Ausbildung zur Konditorin hat Christina ihr eigenes Café eröffnet. Wunderschöne Aquarelle schmücken dort die Wände. Ihr Vater hat sie ihr geschenkt, doch seit er die Diagnose Alzheimer erhalten hat, malt er nicht mehr. Er verändert sich und verschwindet immer mehr in seiner eigenen Welt. Dass er trotzdem eines Tages nach seinen Malkreiden fragt, ist für Christina ein Lichtblick. Ohne Zögern macht sie sich in seinem Arbeitszimmer auf die Suche und findet dabei ein Ölgemälde, das nicht von ihrem Vater stammen kann. Trotzdem fühlt sie sich wie magisch angezogen von der lichtdurchfluteten Meerlandschaft und begibt sich bei der Suche nach dem Künstler auf eine Reise, die sie von Hanau nach Rügen und in die Vergangenheit ihrer Familie führt.


Endlich wieder ein Anne Barns-Roman mit schönem Cover! Die Dinge darauf spielen alle eine wichtige Rolle im Roman, so dass man von einem wirklich gelungenen Cover sprechen kann.

Das Wallholz - die ausgebildete Konditorin Christina hat ein eigene Café, doch das Haus müsste dringend renoviert werden und ganz so glücklich ist sie mit ihrem eigenen Angebot auch nicht. Zum Glück wird sie von Aushilfe Emma und der mittlerweile fest angestellten Liljana unterstützt, die drei sind durch die Arbeit im Café zu Freundinnen geworden.

Alte Fotos und gemalte Bilder - tauchen im Laufe der Geschichte immer wieder auf. Der Roman beginnt auch mit einem gemalten Bernstein, über den später gerätselt wird.

Eine Gedichtsammlung - Lukas, der ehemalige und viel jüngere Nachbar und jetzige Kommissar hat Christina früher Gedichte geschrieben. Nun steht sie ihm plötzlich wieder gegenüber. 

Muscheln - und andere Fundstücke aus dem Meer findet Christina mit Pia und Jana in Rügen bei einem Strandspaziergang. 

Bernstein - am Strand gefunden, gemalt und am Ende das letzte, fehlende Teil im Puzzle einer Familiengeschichte. 

Was auf dem Cover fehlt - ist das, was all die Dinge miteinander verbindet. 

Ausgelöst durch die immer akuter werdende Krankheit Alzheimer, von der Christinas Vater Gregor betroffen ist und seine dadurch losen Erinnerungen, die er erzählt, aber sogleich wieder vergessen hat, sowie Bilder, die Christina in seinem Büro entdeckt, nimmt sie Kontakt zu der Cousine ihres Vaters auf. Es ist Thea, die Nachbarin on Oma Anni, die allen Leserinnen aus den Rügen-Romanen gut bekannt ist. Thea und Ludwig können Christina zum Teil weiter helfen, doch alles wissen auch sie nicht. 

Ich fand es toll, für einmal nicht bei Oma Anni, sondern im Nachbarhaus Gast zu sein und Thea noch besser kennen zu lernen. Als Leser erholt man sich fast so gut wie Christina, der die Auszeit auf Rügen sehr gut tut und sie erdet. 

Doch der Roman spielt mehrheitlich nicht an der Küste, sondern in Frankfurt und Hanau. Mir hat das gut gefallen, diese Kombination Auszeit an der Küste und Weiterleben in der Stadt. Denn nicht jeder kann nach einem Ferienaufenthalt an der Küste bleiben und alle Zelte abreissen und in Meeresnähe sein Leben neu beginnen. 

Gregors Krankheit und was das mit seinen nächsten Verwandten macht, wird von Anne Barns sehr empathisch geschildert. Auch die erweitere Familiengeschichte, was mit der achtjährigen Grete aus dem Prolog geschieht, ist eindrücklich beschrieben und hält die Leserinnen in permanenter Spannung.

Fazit: Trotz den aufwühlenden Themen schafft es Anne Barns auch mit "Bernsteinsommer", dass man den Roman nicht aus der Hand legen möchte und man am Ende einfach nur wieder begeistert ist. 
5 Punkte. 



Sonntag, 21. März 2021

Krimi: Der Geist in der British Library von Ben Aaronovitch (Peter Grant Kurzgeschichten)

Klappentext:
Stories aus dem ›Flüsse von London‹-Kosmos: Freuen Sie sich auf originelle, witzige, unheimliche Geschichten über Peter, Nightingale, Abigail, Agent Reynolds und Tobias Winter. Lesen Sie, wer (oder was) in einer einsamen Autobahnraststätte umgeht, wer immer noch auf den Regalen einer bekannten Londoner Buchhandlung herumspukt und was genau eigentlich mit dem Fluss Lugg passiert ist.






"Im "Flüsse von London"-Kosmos gibt es immer noch ein paar ungeklärte Fragen - deshalb erzählt Ben Aaronovitch uns Lesern hier Geschichten aus dem Folly oder von den Fans der Serie gut bekannten Figuren. Ich war jedenfalls sehr gespannt auf diesen Einblick. 

Insgesamt finden sich dreizehn Kurzgeschichten, aufgeteilt in drei Teile. Zum einen sind es sechs Peter Grant-Geschichten, im zweiten Teil finden sich vier "Geschichten der anderen", wie zum Beispiel über Tobi Winter oder Vanessa Sommer, bekannt aus "Der Oktobermann" und im dritten Teil gibt es drei "Moments" - Geschichten, die eine bestimmte Atmosphäre beschreiben sollen. 

Ben Aaronovitch merkt jeweils an, in welcher Zeitabfolge die jeweilige Geschichte einzuordnen ist. Zum Beispiel vor oder direkt nach einem der "Flüsse von London"-Bände oder dazwischen. 

Wie immer bei Kurzgeschichten gibt es bessere oder schlechtere Storys. Wobei ich in dieser Sammlung das Wort "schlecht" durch unfertig ersetzen muss. 

So wirkten auf mich zwei der Geschichten. Während ich noch auf die Auflösung wartete, waren sie urplötzlich zu Ende. Mir fehlte der Gag bzw. die Aufklärung am Ende dieser beiden Geschichten. Vielleicht habe ich auch einfach nicht den Witz verstanden, obwohl ich eine dieser unfertigen Geschichten extra nochmals durchgelesen habe, um zu sehen, ob ich eventuell etwas verpasst haben könnte. 

Die "Moments"-Abteilung hab ich leider auch nicht so wirklich verstanden. Vielleicht diente sie dem Autor, um sich in eine gewisse Laune zu schreiben, eventuell als Schreibübung oder um diese Zeilen irgendwann in einem Roman unterzubringen. 

Aber egal, die restlichen Geschichten haben mir gut gefallen. Ich war sofort wieder in Peter Grants Universum drinnen und hätte mir gewünscht, die Geschichten würden nicht nach einigen Seiten bereits zu Ende sein, sondern weiter gehen. Kurze Wiedersehen mit den Füchsen, Flüssen und bekannten Haupt- und Nebenfiguren nehmen einen mit und zeigen ein bisschen auf, was zwischen den Peter Grant-Bänden oder währenddem Peter und Co. auf Hochtour ermitteln, an Nebenschauplätzen, in und ausserhalb Londons, ablaufen könnte. 

Eins jedoch bedarf es beim Lesen dieses Buches unbedingt: man sollte mindestens den ersten Band "Die Flüsse von London" kennen. Noch besser ist es, alle der bisherigen Folly-Universum-Romane gelesen haben. Leser ohne Vorkenntnisse werden gnadenlos überfordert sein. 

Deshalb eignet sich "Der Geist in der British Library" nicht, um ihn an Unkundige zu verschenken. Aber für alle "abstrusen Scheiss"-Begeisterte ist es eine perfekte Geschenkidee - obwohl die grössten Fans sich diesen Band sicher eh schon lange vorbestellt und ihn direkt nach dem ET gelesen haben.

Fazit: Unterhaltende Kurzgeschichten-Sammlung für alle Peter Grant-Fans! 
4 Punkte. 



Donnerstag, 18. März 2021

Krimi: Bretonisch mit Meerblick von Gabriela Kasperski (Tereza Berger 1)

Klappentext:
Tereza Berger, vierzig, geschieden, süchtig nach Milchschokolade, erbt ein Haus in der Bretagne, auf der malerischen Halbinsel Crozon. Es entpuppt sich als neobretonische Bruchbude an der Dorfstraße von Camaret-sur-Mer. Trotzdem ist es Liebe auf den ersten Blick – hier will sie sich den Traum einer eigenen Buchhandlung erfüllen. Als ein Deutscher, der das Künstlerdorf zu einer Touristenattraktion machen wollte, tot am Strand gefunden wird, gerät Tereza unter Mordverdacht. Irgendjemand will sie aus ihrer neuen Heimat vertreiben. Doch ihr Kampfgeist ist geweckt.



Eigentlich will Tereza Berger nur kurz in die Bretagne, um das von ihrer Grosstante Annie geerbte Haus über einen Makler zu verkaufen. Doch so einfach wie sie sich das vorgestellt hat, ist es nicht. Der Preis für das Haus wird nicht so hoch sein wie gedacht, denn erst vor kurzem sind zwei Menschen im Meer verunglückt, was den Marktwert schmälert. Laut einer alter bretonischen Sage soll - und wird - sich das Meer auch noch eine dritte Person holen. 

Zwischen Desillusionierung, Renovierungsarbeiten, nettem sozialen Umfeld und viel lokaler Schokolade schwankt Tereza in ihrer Entscheidung. Denn jeden Tag, den sie länger in Camaret verbringt, fühlt sie sich trotz vielen Unannehmlichkeiten wohler und will eigentlich gar nicht mehr weg. Sie freundet sich mit Frauen der Umgebung an und blickt hinter die dörflichen Fassaden, die Tereza erschrecken.

Tereza spürt nämlich von Anfang an, dass die beiden Einheimischen nicht einfach "nur" ertrunken sind. Spätestens beim dritten Todesfall weiss sie mit Sicherheit, dass alle drei ermordet wurden. Doch wieso? Liegt es vielleicht an dem Konflikt der beiden Gruppen im Dorf? Denn es gibt eine Männergruppe, die im Dorf alles beim Alten sein lassen wollen, sowie eine Frauengruppe, die sich für eine autofreie Mole einsetzt. Oder steckt etwas ganze anderes dahinter? Und während Tereza und ihre Freunde rätseln, welche Schoggi die Beste ist, rätseln die Leser, wer der Mörder sein könnte. 

Wer Whodunit-Krimis mag, kommt mit "Bretonisch mit Meerblick" voll auf seine Kosten. Der Kriminalfall ist spannend bis zuletzt.

Interessant sind die Figuren. Tereza, die neutrale Schweizerin; Ayala, eine südafrikanische Surflehrerin; der schottische Kommissar Gabriel Mahon; Terezas bereits erwachsene Kinder und viele mehr. 

Überzeugt hat mich aber auch der Schreibstil der Autorin. Ich mag Gabriela Kasperskis Figurenzeichnung, den Humor und vor allem, wie sie immer wieder witzige und treffende Sätze wie nebenbei platziert. 

Fast "wie nebenbei" wird auch Tante Annies Buchhandlung wieder belebt. Diese Krimireihe könnte somit auch was für Fans von Buchladen-Romanen sein. Ich freue mich jedenfalls sehr auf den zweiten Band, um zu sehen wie es mit dem Déjà-lu weitergeht und natürlich auch, welchen Fall Tereza dort aufklärt. 

Man kann "Bretonisch mit Meerblick" durchaus mit einer guten Schoggi vergleichen: die Figuren sind wie der zartherbe Kakaoschmelz, das Setting in der Bretagne ist die Süsse und der Kriminalfall sorgt wie das Fleur de Sel auf der Schoggi für den interessanten Crunch. 

Fazit: Der Krimi geht runter wie Schoggi. 
5 Punkte. 



Reihenfolge:
Band 1: Bretonisch mit Meerblick
Band 2: Bretonisch mit Aussicht (ET 22.04)

Dienstag, 16. März 2021

Lavendeltage in der Auberge de Lilly von Marion Stieglitz (Auberge de Lilly 2)

Klappentext:
Helen ist alles andere als begeistert, als ihr Freund Leo sie kurz vor einer wichtigen Präsentation in einen Spontanurlaub entführt. Und dann auch noch das: Nach einer Autopanne stranden sie im provenzalischen Hotel „Auberge de Lilly“. Als Helen hier jedoch ihre Liebe zur Verarbeitung von Lavendel entdeckt, werden alte Träume in ihr wach. Der verwaiste Lavendelladen im Nachbardorf scheint da wie ein Wink des Schicksals. Nur Leo findet keinen Gefallen an der Idee oder – anders als Helen – an dem Ladenbesitzer Marcel.




Als Helen nach dem unerfreulichen Start in den spontanen Urlaub sich in der Auberge de Lilly beginnt wohl zu fühlen, wollte ich gleich wissen, was es denn mit diesem kleinen Hotel und Lilly auf sich hat. 

Darüber gibt es nämlich auch einen Roman, und so hab ich meine Lesepläne geändert und erst "Das kleine Hotel in der Provence" gelesen, bevor ich mich weiter in Helens Geschichte vertiefte. Und ich war froh, dies getan zu haben, denn so blieben keine Fragen zum Hotel, die Auberge de Lilly, und Dorfleben offen und ich konnte mich voll auf Helens Geschichte konzentrieren. 

Eigentlich wollte Helen ja gar nicht in die Provence, sondern zuhause ihrer Präsentation, die ihr einen wichtigen Job verschaffen sollte, den letzten Schliff geben. Nach einer Autopanne, die ihre schlechte Laune nur noch verstärkte, stranden sie und ihr Freund Leo in einem kleinen Hotel in der Provence. 

Helen kennt einen Teil der Provence bereits, weil sie vor einigen Jahren in einem Bistro in Aix-en-Provence jobbte. Hier in der ihr unbekannten Umgebung der Auberge de Lilly kommt Helen beim Warten auf die Autoreparatur, um die sich Leo kümmert, langsam wieder zur Ruhe, geniesst die Umgebung und entdeckt in einem Nachbardorf einen kleinen geschlossenen Lavendelladen und lässt ihre früheren Zukunftsträume plötzlich wieder zu. Streit mit Leo und Helens Schwester sind die Folge. Was aus Helens versteckten Träumen wird, erzählt uns Marion Stieglitz in "Lavendeltage in der Auberge de Lilly". 

Am Anfang hatte ich ein wenig Angst vor Repetitionen aus dem ersten Band. Doch die Autorin übernimmt zwar das Setting und einige gute Bekannte wie Valeska und Marianne de Boyer daraus, erschafft aber eine völlig eigenständige Geschichte, die mir gut gefallen und mich bestens unterhalten hat. 

Fazit: Eine turbulente Geschichte, bei der es nicht langweilig wird. Wer Lust auf eine Fahrt in die Provence hat, kann das mit diesem Roman bestens tun. 
4 Punkte. 


Reihenfolge:
(Die Romane können unabhängig voneinander gelesen werden. Ess ist aber doch schöner, wenn man weiss, wie Lilly zu ihrer Hotel kam.)
Band 2: Lavendeltage in der Auberge de Lilly

Montag, 15. März 2021

Romy und der Weg nach Paris von Michelle Marly (MFzKuL 16)

Klappentext:
1958: Die junge Romy fühlt sich in einer Sackgasse gefangen. Als Sissi ist sie zum Weltstar geworden, doch sie ist es leid, immer nur das süße Mädel zu geben. Sie träumt von einer Laufbahn als Charakterdarstellerin. Dann lernt die wohlbehütete Romy bei Dreharbeiten den noch unbekannten Alain Delon kennen – und verliebt sich in den rebellischen jungen Mann. Gegen den Willen ihrer Familie folgt sie ihm nach Paris. Doch Romys Karriere gerät ins Stocken, und schon bald erlebt auch ihre Liebe zu Alain eine Krise.




Dass Michelle Marly Biographie-Romane schreiben kann, wissen wir spätestens seit "Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe". Nun nimmt sie sich einer weiteren Schauspielerin an, Romy Schneider, deren Eltern die Autorin persönlich kannte. Aus meiner Sicht war das keine leichte Aufgabe.

Ich habe sie geliebt, die Sissi-Filme, die wir uns als Kinder immer an Weihnachten anschauten. Jedes Jahr, es war Tradition, zusammen mit den Nachbarskindern. Erst nach ihrem Tod 1982 nahm ich die Schauspielerin Romy Schneider dahinter war und erfuhr, dass Romys Mutter in den Filmen mitspielte. Nochmals einige Jahre später las man in den Zeitungen, dass die reale Romy wie die Sissi, die sie so grandios verkörperte, im realen Leben selten richtig glücklich war und dass sie oft geliebt haben soll. 

Alain Delon zum Beispiel. Um diese Liebe geht es in "Romy und der Weg nach Paris", der im April 1958 beginnt. 

Auf ihrem Weg nach Paris und kurz vor dem ersten Zusammentreffen mit Alain Delon ist und steht die junge Romy am Anfang dieses Romans. Sie findet den Typen furchtbar - wie wir alle wissen, änderte sich dies rasch. Wie dies vonstatten ging, erzählt uns die Autorin in ihrem neuen Buch. 

Die Beziehung zu Alain Delon brachte Romy karrieremässig anfangs nichts, dafür startete Alain durch, und Romy wurde eifersüchtig. Bis sie mit einem gemeinsam Theaterstück Erfolg hatten. 

Michelle Marly wusste, wie sie die Leserinnen rumkriegt - Romys "Ja, Mammi" hatte ich jedesmal, wenn ich es las, hörbar in den Ohren. Da brachen sich auf jeden Fall die Sissi-Filme durch. Doch nicht nur diese Erinnerungen rief Michelle Marly bei mir wach, auch jene an verschiedene Bücher und Filme wie "Montpi".

Der Roman beleuchtet zeitgleich zur Beziehung mit Alain Delon tatsächlich viel mehr Romys Entwicklung vom braven bürgerlichen angepassten und unselbständigen Wiener Mädchen zu einer eigenständigen Schauspielerin. 

Michelle Marly deutete, manchmal sehr leise, dann wieder lauter, Dinge an, die viel später in Romys Leben tragischerweise einen Höhepunkt fanden. Dass Romy sehr lange keine Ahnung von ihren Finanzen hatte zum Beispiel. Denn immer hat die Filmproduktion oder Romys Mutter, im finanziellen Bereich vor allem ihr Stiefvater alles für Romy arrangiert. In diesem Punkt blieb Romy leider abhängig, auch wenn es ihr sonst gelang autonomer zu werden und sich von der engen Bevormundung ihrer Familie zu lösen.

Es war interessant zu lesen, wie sich Romy von ihrer Paraderolle Sissi abwendete und sich gegen einen vierten Sissi-Film wehrte. Von den Deutschen und Österreichern deswegen nicht mehr geliebt, von den Franzosen noch nicht, arbeitet Romy extrem hart an sich, um auf Bühnen dieser Welt zu brillieren. 

1962, endlich richtig angekommen in Paris, zu einer ernst zu nehmenden Schauspielerin und erwachsen geworden, endet dann auch dieser Roman - sehr abrupt. Ich kann mir vorstellen, dass der richtige Zeitpunkt für das Ende des Romans schwierig zu wählen war, und wahrscheinlich war dies auch das einzige perfekte Momentum, dennoch war das Ende viel zu plötzlich da. 

Nichtsdestotrotz hat Michelle Marly die Aufgabe, uns Leserinnen einen sehr wichtigen Teil von Romy Schneider näher zu bringen, gut bewältigt. 

Fazit: Interessanter Einblick in das Leben von Romy Schneider, die mit viel Disziplin aus dem Schatten der Sissi-Rolle herausfand. 
4 Punkte. 



Reihenfolge der "Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe"-Serie:
Band 1: Madame Picasso von Anne Girard - Eva Gouel
Band 2: Die Tochter des Malers von Gloria Goldreich - Ida Chagall
Fiktionaler Zwischenband: Rendezvous im Café de Flore von Caroline Bernard
Band 3: Die Tänzerin von Paris von Annabel Abbs  - Lucia Joyce
Band 4: Die Malerin von Mary Basson - Gabriele Münter
Band 5: Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe von Michelle Marly - Coco Chanel
Band 6: Die Muse von Wien von Caroline Bernard - Alma Mahler
Band 7: Die Dame in Gold von Caroline Trierweiler - Adele Bloch-Bauer 
Band 8: Marlene und die Suche nach Liebe von C.W. Gortner - Marlene Dietrich 
Band 9: Madame Piaf und das Lied der Liebe von Michelle Marly - Edith Piaf
Band 10: Die Malerin des Nordlichts von Lena Johannson - Signe Munch
Band 11: Frida Kahlo und die Farben des Lebens von Caroline Bernard - Frida Kahlo
Band 12: Die Diva von Michelle Marly - Maria Callas
Band 13: Grace und die Anmut der Liebe von Sophie Benedict - Grace Kelly
Band 14: Die Tochter des Zauberes von Heidi Rehn - Erika Mann
Band 15: Miss Guggenheim von Leah Hayden - Peggy Guggenheim
Band 16: Romy und der Weg nach Paris von Michelle Marly - Romy Schneider
Band 17: Die Frau von Montparnasse von Caroline Bernard - Simone de Beauvoir

Freitag, 12. März 2021

Buchverlosung: Klaras Schweigen von Bettina Storks zu gewinnen


Wochenende in Sicht! 
Das Wetter soll aber ziemlich ungemütlich werden: Sturmböen und Temperaturrückgang erwarten uns an diesem Wochenende. Da wärs doch super, wir könnten uns mit einem guten Buch auf das Sofa setzen. 


Sofa habt ihr? Das Buch fehlt euch noch? 
Da kann ich Abhilfe schaffen. Allerdings reicht es nicht für das bevorstehende Wochenende, aber an einem der nächsten Wochenenden könntet ihr es euch gemütlich machen mit "Klaras Schweigen" (mit dem Klick auf den Titel kommt ihr direkt zu meiner Rezension), dem neuen Roman von Bettina Storks. 

Alles, was ihr tun müsst, damit ihr es euch nächstens mit dieser berührenden Geschichte gemütlich machen könnt, ist: mindestens 18 Jahre alt zu sein, in der Schweiz, Deutschland oder Österreich wohnen, und diesen Blogbeitrag bis spätestens Dienstag, 16. März um 23:59 Uhr zu kommentieren. 

Am kommenden Mittwoch, dem 17. März, werde ich die Losfee bemühen und hier bekannt geben, wer das Buch (Printausgabe) gewonnen hat. 

Meine Daumen sind gedrückt! 


Klappentext:
Freiburg im Breisgau, 2018: Nach einem Schlaganfall spricht die hochbetagte Großmutter von Miriam plötzlich französische Worte – eine Sprache, die sie angeblich nie gelernt hat. Miriam erkennt schnell, dass Klara weit mehr verbirgt, und geht auf Spurensuche ihrer Familiengeschichte im Nachkriegsdeutschland der französischen Besatzungszone bis in die Bretagne. Was steckt hinter Klaras einst überstürztem Ortswechsel in den 1950er-Jahren nach Konstanz an den Bodensee? Bis heute schweigt Klara über ihre Motive. Wird es Miriam gelingen, ein jahrzehntelang gehütetes Familiengeheimnis zu lüften?