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Mittwoch, 31. Oktober 2018

Schmetterlinge im Winter von Sarah Jio

Klappentext:
Kailey kommt gerade von einem romantischen Dinner mit ihrem Verlobten Ryan, als sie auf der Straße einem obdachlosen Mann begegnet. Sie sieht ihm in die Augen und erkennt sofort: Es ist Cade, ihre große Jugendliebe. Der Mann, der von einem auf den anderen Tag verschwunden ist und der vor vielen Jahren ihr Herz gebrochen hat. Dieses Wiedersehen führt Kailey in ihre Vergangenheit zurück und stellt sie vor die schwerste Entscheidung ihres Lebens. Doch gerade als sie zu wissen glaubt, wem ihr Herz und ihre Zukunft gehören, hebt das Schicksal ihre Welt erneut aus den Angeln.



Das Cover von Sarah Jios neuem Roman verwirrte mich - bisher waren ihre deutschen Cover sehr blumenlastig und verspielt, und hier knallt das Blau, in dessen Mitte ein Paar steht. Normalerweise wäre so ein krasser Wechsel ein Grund für mich erst mal abzuwarten um die ersten Stimmen dazu zu lesen. Doch weil mich die Autorin noch nie enttäuschte, entschied ich mich, das Buch doch gerne zu lesen. Ich habe es nicht bereut. 

Kailey hat sich nach dem plötzlichen Verschwinden ihrer grossen Liebe Cade vor über zehn Jahren ein neues Leben aufgebaut. Sie steht kurz vor der Hochzeit mit Ryan, als sie nach einem Abendessen auf der Strasse an einem obdachlosen Mann vorbei geht und in seine Augen blickt. Cade! Alles geht blitzschnell und sie ist unsicher und überrumpelt, aber sie ist sich sicher: das war Cade. Am nächsten Morgen weiss sie nur eins: sie muss ihn finden. 

Kailey will verständlicherweise Antworten, möchte verstehen, wieso er so urplötzlich verschwand, wo er jetzt lebt, ob tatsächlich auf der Strasse, wieso, warum, wieso und und und. Doch die Suche nach ihm ist gar nicht so einfach. Es hilft, dass sie sich bei ihrer Arbeit als Journalistin eh schon gerade mit einem Obdachlosenheim befasst, das abgerissen werden soll - sich dafür einzusetzen ist noch dem früheren Einfluss von Cade zu verdanken. Er lehrte sie, keine Angst vor diesen Menschen zu haben. Nur blöd, dass Ryan auf der anderen Seite steht. Ryan und Kailey haben zwar einen guten Kompromiss gefunden, dass sie sich das Berufliche privat nicht unter die Nase halten, dennoch kann man nicht jeden Interessenskonflikt verhindern. Und jetzt noch die Sache mit Cade.

Sarah Jio verstand es gut, die innere Zerissenheit von Kailey darzustellen. Einerseits geht es nun in ein neues Leben mit Ryan. Eine Hochzeit ist schon ziemlich lebensverändernd, andererseits will sie unbedingt wissen, was mit Cade los ist. Nur mühsam gelingt es ihr herauszufinden was passiert ist, doch eins ist klar: sie wird ihm helfen, im Leben wieder Fuss zu fassen.

Keine Frage, ich denke jeder von uns würde wissen wollen, was mit unserer ersten grossen Liebe passiert ist. Wieviel man davon seinem vielleicht neuen Umfeld preisgibt, ist sicher Ermessenssache. Man könnte kritisieren, dass Kailey Ryan zu wenig erzählte, doch sie musste sich dem Gefühlschaos, das aus heiterem Himmel auf sie hereinfiel, erst selbst mal alleine stellen. Und schliesslich verschwieg auch Ryan Kailey gegenüber seine Vergangenheit.

Wer schon die früheren Bücher der Autorin las, weiss, dass sie immer ein brisantes Thema in ihre Geschichten einfliessen lässt. Hier in "Always" (dieses Wort hat eine grosse Bedeutung im Roman) oder auf Deutsch "Schmetterlinge im Winter" sind es Obdachlose und ein medizinisches Thema. Einmal mehr bin ich begeistert, wie Sarah Jio die ernsten Themen sehr behutsam in einem Roman verarbeitet.

Fazit: Ein rotes Band ist der rote Faden in dieser emotionalen Geschichte, die die Autorin sensibel umgesetzt hat. Absolut lesenswert! 
5 Punkte.

Dienstag, 20. September 2016

Zimtsommer von Sarah Jio


Klappentext:
Ada kennt das große Glück. Doch an einem einzigen Tag verliert sie ihre Familie und damit alles, wofür sie gelebt hat. Von Trauer überwältigt, will Ada nur noch weg und mietet Hals über Kopf ein Hausboot in Seattle. Dort, mitten auf dem See, wartet eine alte Geschichte von großen Träumen und tragischer Liebe auf sie – und eine Begegnung, die ihr den Glauben an das Leben wiederschenkt.





Der Schauplatz der Geschichte - die Gemeinschaft am Bootssteg am Lake Union in Seattle - ist mal was anderes und sorgt für eine besondere Kulisse. 

In der Vergangenheitsgeschichte lernen wir die junge Penny kennen, die 1956 fast Hals über Kopf den Maler Dexter Wentworth heiratet. Sie ziehen auf ein Hausboot, doch Dexter lässt sie je länger je öfter alleine um in seinem Atelier in Ruhe malen zu können. Ihr ist langweilig und sie fühlt sich sitzen gelassen. Sie freundet sich mit dem achtjährigen Jimmy an, der seinen Eltern lästig ist und mit Collins, der an einem Segelboot arbeitet. 

In der Gegenwart trauert Ada Santorini seit mehr als einem Jahr um ihre kleine Familie und hadert mit dem Leben. Nun braucht sie einen Tapetenwechsel und zieht nach Seattle auf ein Hausboot. Als Ada hört, dass auf "ihrem" Boot vor vielen Jahren eine Frau namens Penny verschwand, sind ihre journalistischen Fühler auf Empfang und zusammen mit ihrem Nachbarn Alex versucht sie dem Geheimnis um Penny auf die Spur zu kommen. 

Sarah Jio schaffte es bisher immer, mich von ihren Geschichten gefangen zu nehmen. Auch "Zimtsommer" las ich fasziniert und konnte das Buch kaum weglegen. 

Die vielfältige Geschichte ist nicht nur schön, sondern auch spannend zu lesen. Vielleicht ist es der Schreibstil oder die journalistischen Berufe ihrer Protagonisten; phasenweise erinnerte die Suche an gute Ermittlerkrimis. 

Und immer wieder überrascht die Autorin durch eine besondere Wendung mit der man nicht gerechnet hat. Zwischendurch war ich mir sicher, dass ich auf der richtigen Spur bin, aber dann passierte dieses und jenes und am Schluss dachte ich schon, ich sei meilenweit von der Auflösung entfernt. 

Doch Sarah Jio wäre nicht Sarah Jio, wenn sie zum definitiven Ende nicht noch verblüffen würde - ich lag mit meiner Vermutung ziemlich richtig. Aber auch wenn ich komplett falsch gelegen wäre, hätte mir das Ende trotzdem ein glückseliges Lächeln aufs Gesicht gezaubert. 

Die Autorin hat das Talent ihre Charaktere so zu zeichnen, dass man sie gerne kennenlernen würde. Ihre Emotionen sind nachvollziehbar und nichts wirkt aufgesetzt. 

Das Cover ist zwar nett und zeigt eine Blume, die aussieht wie eine Ackerwinde, doch es will in meinen Augen nicht recht zum Inhalt des Buches passen. Ein oder mehrere Hausboote, eine weisse Ackerwinde über einem Stück Holz oder gar auf einer Schiffplanke und dazu einen besseren Titel hätte das Buch für mich komplett zauberhaft gemacht. So wird mir "nur" die faszinierende Geschichte über Ada und Penny in Erinnerung bleiben. 

Schön fand ich, dass zwei, drei Rezepte in den Roman eingebunden wurden und diese nicht erst am Schluss zu entdecken waren. 

Fazit: Eine grossartige Geschichte vor einer tollen Kulisse, die man nicht so schnell vergisst und in der man gerne noch länger verweilen möchte. Ein Buch, welches ich sicher wieder einmal lesen werde. 
5 Punkte.

Mittwoch, 6. Januar 2016

Der Kameliengarten von Sarah Jio

Klappentext:

Der englische Landsitz Livingston Manor fasziniert Addison und ihren Mann schon bei ihrer Ankunft. Doch bald hören sie, dass das wunderschöne Haus von den Dorfbewöhnern gemieden wird. Welches Geheimnis bergen die alten Mauern? Und wollten es die Erben deshalb so schnell loswerden? Addison ahnt, dass sich der Schlüssel zu ihren Fragen in dem jahrhundertealten Kameliengarten verbirgt. Immer tiefer verstrickt sie sich in die unheilvolle Geschichte der Familie Livingston - und spürt, dass es an der Zeit ist, sich auch ihrer eigenen Vergangenheit zu stellen.



Wieder einmal ein wunderbarer Zeitebenen-Roman von Sarah Jio!

Um 1780 verschwindet ein Ableger der berühmten Middlebury Pink-Kamelie aus dem Garten des Buckingham-Palasts. 20 Jahre später erblüht die erste Blüte dieses Ablegers in einem Garten irgendwo in England - und gleichzeitig die letzte "Überlebende", denn die Mutterpflanze des Buckingham Palasts wurde bei einem Gewitter zerstört. Der Gärtner hat gestanden, dass er einen Ableger weiter verkaufte, doch wohin, weiss er nicht. Die meistgesuchteste Blume auf der britischen Insel ruft schnell Blumenhändler und Diebe rund um den Globus auf den Plan. Noch Jahrzehnte später suchen sie nach dieser seltenen Kamelie.


1940 kommt die junge, zeichnerisch sehr begabte Flora aus New York nach England um eine Stelle als Kindermädchen anzunehmen. Ihr geheimer Auftrag lautet allerdings "die Kamelie suchen" - sie wird erpresst. Erstaunlicherweise kommt sie sehr gut mit den drei Kindern aus, die ihre Mutter viel zu früh verloren haben und vergisst fast ihren Auftrag.

60 Jahre später reist Addison mit ihrem Mann von Amerika nach England. Er ist Schriftsteller und will sich auf dem Landsitz Livingston Manor den Sommer über einmieten. Er hat keine Ahnung, dass seine Frau von einem alten Bekannten telefonisch bedroht wird. Addison hingegen hofft, dass sie ihm durch die Reise entfliehen kann. Sie kann sich gut ablenken, denn die Haushälterin Mrs Dalloway verhält sich so, als ob ihr das Haus gehören würde und sie etwas zu verstecken hat. So beginnt Addison eine Entdeckungstour, die Erstaunliches zutage bringt...

Die Autorin hat es auch mit diesem Buch geschafft, mich zu überzeugen: Ein flüssiger Erzählstil gepaart mit einer richtig guten Geschichte, die mich von der ersten Seite an gefangen nahm. Gekonnt bringt sie einen roten Faden in die beiden Geschichten, die fast schon einem Kriminalfall nahe kommen. Und erst ganz zum Schluss wird das Geheimnis um die Kamelie gelüftet - es bleibt durchgehend spannend, ohne Längen.

Die Charaktere sind glaubhaft umgesetzt. Besonders Flora ist eine starke Frau, Addison dünkt mich ein wenig ängstlich. Was aber auch kein Wunder ist, wenn einem die Vergangenheit im Nacken sitzt. 

Livingston Manor wird bildlich ganz toll und interessant beschrieben, so dass ich das Anwesen gerne mit eigenen Augen sehen und besuchen würde.

Fazit: Ein ungemein spannender Zeitebenen-Roman mit Krimi-Touch! So macht Lesen Spass.

5 Punkte! 

Donnerstag, 6. November 2014

Brombeerwinter von Sarah Jio

Klappentext:
Die Journalistin Claire Aldridge traut ihren Augen kaum: Es ist Mai, die Brombeeren blühen schon, doch vor ihrem Fenster tobt ein Schneesturm. Das gab es in Seattle zuletzt vor achtzig Jahren. Bei ihren Recherchen stößt Claire auf die Geschichte eines kleinen Jungen, der in dem Unwetter damals spurlos verschwand. Sein Schicksal lässt sie nicht mehr los, denn auch sie muss einen tragischen Verlust verwinden. Immer tiefer taucht Claire in die Vergangenheit ein und ahnt noch nicht, wie sehr diese Spurensuche auch ihre eigene Zukunft bestimmen wird.




Ganz am Anfang war ich entsetzt: ein dreijähriges Kind in der Nacht alleine zu Hause! Aber das war eine andere Zeit, 1933, und es blieb der Mutter anscheinend nichts anderes übrig, als zur Arbeit zu gehen, wollte sie überleben. 

Am Morgen nach so einer Nacht, als Daniel alleine zuhause war und schlief, kommt seine Mutter Vera heim und findet ihn nicht. Nur seinen Teddybär, draussen im Schnee. Der Schnee, ja, das war auch aussergewöhnlich, denn es war Mai.  

Wenn ein Wintereinbruch im Mai mit Kälte und Schnee verbunden ist, während die zarten weissen Blüten der Brombeerranken sich öffnen, nennt man Brombeerwinter. Ich hab noch nie gehört davon, aber es tönt poetisch. So erklärt sich auch der Buchtitel und der Brombeerzweig auf dem Cover.

Daniel wird nicht gefunden. Und die Geschichte geht fast ganz vergessen…. 

Bis 80 Jahre später ein Wintereinbruch mitten im Mai in Seattle für Chaos sorgt. Die Journalistin Claire bekommt von ihrem Chef den Auftrag über dieses Phänomen zu schreiben. Bald schon entdeckt sie die Geschichte von Daniel und ist so angetan, dass sie das Rätsel herausfinden muss. Claire selbst steckt nach einem schweren Unfall in der Krise, und sie und ihr Mann entfremden sich immer mehr, da kommt ihr diese Recherche genau recht und was sie da entdeckt, ist heftig.

Die Autorin wurde vom Lied "Blackberry Winter" von Hilary Kole zu diesem Buch inspiriert. Bei Youtube könnt ihr es euch anhören.  Von Keith Jarrett gibt es eine instrumentale Version davon.

Ich habe das Buch an einem nebligen Tag während einer langen Zugfahrt gelesen. Der Nebel passte perfekt zu dem düsteren Winterwetter in Seattle. Die Geschichte nahm mich gefangen, schnell schloss ich mich Claire an und wollte unbedingt wissen, was damals wirklich geschah. Ungemein schön und traurig zugleich! 

Fazit: Nastüechlifaktor am Schluss und von mir 4.5 Punkte für diese fesselnde Erzählung!