Montag, 31. August 2020

Lesebiografie August 2020

Mein August ist in Hälften aufgeteilt: in der ersten Hälfte des Augusts waren hier noch Schulsommerferien, seit Mitte Monat habe ich nun wieder Corona-Alltag (Kind in der Schule, Mann immer noch im Home Office). Auch das Wetter schien in zwei Hälften geteilt: eine lange Hitzewelle, seit Samstag hat es nun aber deutlich abgekühlt und vor allem sehr viel geregnet, so dass einige Bäche und Flüsse über die Ufer getreten sind. Der Herbst ist nahe, fast schon da, man spürt es deutlich - fast mehr Herbst als Spätsommer ist in der Luft. 

Deshalb habe ich bereits am Freitag anstatt morgen meine Sommerdeko abgeräumt und auf Spätsommer/Frühherbst umgestellt - ich hatte total Lust dazu, denn es ist schliesslich meine Lieblingsjahreszeit. Auf dem Markt fand ich diese schönen Blumen: 


Parallel zur Saisonumstellung habe ich auch den ersten Weihnachtsroman in diesem Jahr gelesen: "Ein verschneites Weihnachtsfest in Cornwall" von Jane Linfoot. Bzw. waren es eigentlich zwei, denn der vierte Band der Valerie Lane ("Das wunderbare Wollparadies") war auch sehr weihnachtlich-winterlich. 

Gelesen habe ich insgesamt 16 Bücher, plus eine Kurzgeschichte. Nämlich die heute erschienene Vorgeschichte zum dritten Band der Schokoladenvilla (ET 12. 10) von Maria Nikolai. 

Meinen SuB konnte ich im August nur leicht abbauen, aber immerhin eine Reihe beenden, somit habe ich (fast) alle Bücher von Manuela Inusa gelesen. Etwas, was ich mir für 2020 und 2021 vorgenommen habe: angefangene Reihen so weit wie möglich zu beenden und von möglichst vielen Autor*innen alle Bücher zu lesen. Der erste Band der Valerie Lane hatte mir ja gar nicht gefallen, die restlichen sind besser, einfach insgesamt eh zuckrig-süss, aber manchmal braucht man genau das. 

Zwei Krimis habe ich im August abgebrochen: "Tessiner Verwicklungen" von Sandra Hughes und "Das Dorf in den roten Wäldern" von Louise Penny. Die Verwicklungen konnten mich auf den ersten 50 Seiten nicht abholen, also gab ich es auf. Den ersten Fall von Inspector Gamache fand ich langweilig, da hab ich den Schluss aber noch gelesen, um zu sehen, ob meine Vermutung stimmt. Tat sie, der Täter war tatsächlich der, den ich beim ersten Auftauchen vermutete. Vielleicht ist der zweite Band spannender und vielleicht gebe ich dem mal noch eine Chance; das Setting fände ich nämlich toll. Aber beim ersten Band hab ich jedenfalls nichts verpasst. 

Im August ist ein neuer eReader bei mir eingezogen, der kann Farbe - es ist der Pocketbook Color, den ich euch hier vorgestellt habe. 



Enttäuscht hat mich Brunetti - ich denke ja schon seit ein paar Jahren, dass ich nicht mehr weiterlese (und machs dann doch), weil sich alles irgendwie wiederholt, das Kommissariat im letzten Jahrhundert stehen geblieben ist und die Fälle nur noch langweilig sind. Die aktuellen Umweltthemen, in die sie verpackt sind, sind auch nicht so aktuell und innovativ, so dass die Brunetti-Reihe zu lesen leider keinen Spass mehr macht. 

Informativ waren die beiden neuen Romane über Peggy Guggenheim. Wenn ihr sie liest, beginnt bitte bei "Peggy Guggenheim" und nimmt als zweites Buch "Miss Guggenheim". Wieso diese Reihenfolge wichtig ist, habe ich euch in einem extra Blogbeitrag  zusammengefasst. 

Begeistert hat mich "Lehrerin einer neuen Zeit" von Laura Baldini und der zweite Teil der Happy Ever After-Serie von Jenny Colgan. Der war viel bodenständiger als der märchenhafte erste Teil. 

2 Punkte:
- Geheime Quellen von Donna Leon (Brunetti 29) 

3.5 Punkte:
- Mandelglück von Manuela Inusa (Kalifornische Träume 3) 
- Engadiner Abgründe von Gian Maria Calonder (Massimo Capaul 1)

4 Punkte:
- Die Dirigentin von Maria Peters 
- Miss Guggenheim von Leah Hayden (MFrzKuL 15 )
- Die Chocolaterie der Träume von Manuela Inusa (Valerie Lane 2) 
- Der zauberhafte Trödelladen von Manuela Inusa (Valerie Lane 3) 
- Das wunderbare Wollparadies von Manuela Inusa (Valerie Lane 4) 
- Der fabelhafte Geschenkeladen von Manuela Inusa (Valerie Lane 5) 
- Die kleine Strasse der grossen Herzen von Manuela Inusa (Valerie Lane 6) 
- Zu viel und nie genug von Mary L. Trump
- Prequel zu Zeit des Schicksals von Maria Nikolai

5 Punkte: 
- Wo dich das Leben anlächelt von Jenny Colgan (Happy Ever After 2) 
- Lehrerin einer neuen Zeit von Laura Baldini


Soviel zu meinen gelesenen Büchern. Die Rezension zum Trump-Buch kommt in den nächsten Tagen - jetzt ist mir klar, wieso der Typ so ist wie er ist...


Welche Bücher haben euch im August überzeugt und welche nicht? Habt ihr vielleicht dieselben Titel gelesen wie ich? Erzählt!



Sonntag, 30. August 2020

Ein verschneites Weihnachtsfest von Jane Linfoot

Klappentext:
Weihnachten auf einem Schloss in Cornwall! Ivy ist begeistert, als sie gebeten wird, das Schloss bis zu den Weihnachtsfeiertagen instagramtauglich gemütlich zu dekorieren und in Szene zu setzen. Als Ivy dort ankommt, muss sie allerdings feststellen, dass noch viel Arbeit vor ihr liegt. Das Gebäude ist alles andere als weihnachtlich geschmückt und Bill, der Hausherr, nicht sonderlich erpicht darauf, dies zu ändern. Zu allem Überfluss kennt Ivy ihn. Seit sie Bill vor einigen Jahren im Skiurlaub begegnet ist, kann sie ihn nicht vergessen - und jetzt sollen sie die Weihnachtsfeiertage miteinander verbringen. Sofort ist Ivy klar, dass hier einige Komplikationen auf sie warten, die sie definitiv nicht eingeplant hatte.

Dekorateurin Ivy soll in einem Schloss in Cornwall, gleich bei St. Aidan, Weihnachtsfeeling aufkommen lassen. Die Schwester von Ivys Freundin Fliss, Libby, hat Ivy engagiert, um das für zwei Wochen gemietete Schloss so zu dekorieren, dass es für Libbys Social Media Kanäle vorzeigbar ist und Libby Fotos schiessen kann, die aussehen als ob sie einer Wohnzeitschrift entspringen und es so aussehen soll, als ob Libby mit ihrer Familie und ihren Gästen ein perfektes Weihnachtsfest feiert. 

Genau so ist es, "es soll so aussehen". Denn das Schloss hat so gar nicht die Atmosphäre, die Libby sich bei der Buchung wohl vorstellte. Es ist kahl und beherbergte in letzter Zeit fast nur Junggesellenfeiern. Viel, und vor allem viel mehr Arbeit als gedacht für Ivy, die einige Tage vorher anreist - zum Glück! - und sich ausserdem noch mit dem Vermieter auseinandersetzen muss.

Es ist niemand anderer als Bill, den sie vor sieben Jahren in Chamonix kennenlernte, als sie dort mit ihrem damaligen Freund und weiteren Bekannten zusammen die Skiferien verbrachte. Seither ging Bill ihr nie wieder aus dem Kopf. Doch Ivy will ihn nicht an sich ranlassen, genauso wie sie auch sonst niemand an ihre Gefühle lässt, seit sie vor zwei Jahren einen schlimmen Verkehrsunfall hatte und seither eine Narbe ihre Stirn ziert, die sie mit langen Haaren und einer Mütze verdeckt.

Ivy ist froh um den Weihnachtsjob, aber dass sie aus einem quasi leeren Schloss eine weihnachtliche Wohlfühloase zaubern soll, ist auch für sie nicht leicht. Dann stehen plötzlich einige der Gäste viel zu früh vor der Türe, was für weiteres Chaos sorgt. Chaos ist das richtige Wort, denn genau das bricht jetzt aus - das perfekte Weihnachtsfest am Meer muss erst verdient werden. 

Wer Lust auf einen besinnlichen Weihnachtsroman hat, kommt nicht auf seine Kosten. Denn "Ein verschneites Weihnachtsfest in Cornwall" hat die Bezeichnung Rom-Com absolut verdient. Romantik tritt zwar erst am Schluss auf, dafür ist der grosse Rest eine riesige Komödie. Aber dafür kann man den Roman auch gut schon Monate vor Weihnachten lesen, er macht einfach Spass.

Den humorigen Schreibstill kennt man von Jane Linfoot ja bereits. Hier schrammt er zwar manchmal hart an der Grenze an "zu viele witzige und überzeichnete Situationen" vorbei. Aber Figuren wie Miranda, Keef, Bill und Ivy eigenen sich auch viel zu gut dazu. Linfoot nimmt alles aufs Korn, scheinbar perfekte Social Media-Fotos, die aussehen wie aus dem Bildband, diverse Essensvorlieben, Backwettbewerbe, Flirtereien in diversen Ausprägungen und und und...

Linfoots Charaktere sind auf den ersten und zweiten Blick oft sperrig, man dringt erst nach und nach zu ihnen vor, doch dann sieht man die wahre Person dahinter. Wie zum Beispiel Bill, der irgendwas verheimlicht und nur wenig preisgibt von seiner aktuellen Lebenssituation. Aber auch die anderen Figuren haben viel zu bieten und der oder die eine oder andere überrascht dabei.

Bills Schloss liegt in der Nähe von St. Aidan. Jane Linfoot-Leserinnen werden sich freuen, wenn die ganze Truppe sich in den hübschen Ort begibt und durch diverse Pubs, Cafés und Läden streift, die man aus ihren anderen Romanen schon kennt.

Zwölf Tage vor Weihnachten - zwölf Tage, die allen Figuren ein Leben lang in Erinnerung bleiben werden. Und ein schlussendlich perfektes Weihnachtsfest, wenn auch ein wenig anders, als sich das die Beteiligten vorgestellt haben. 

Fazit: Eine amüsante Weihnachtskomödie, die auch Weihnachtsmuffel beglücken könnte. 
4 Punkte. 

Montag, 24. August 2020

Mandelglück von Manuela Inusa (Kalifornische Träume 3)

Klappentext:
Sophie hat das ländliche Kalifornien für ein Leben in der Großstadt hinter sich gelassen. Doch dann erbt sie unerwartet die Mandelfarm ihrer Großmutter Hattie, wo sie als Kind viele wunderbare Sommer verbrachte. Soll sie wirklich ihren Job aufgeben und die Farm übernehmen? Nicht nur der Duft der frisch gerösteten Mandeln weckt Erinnerungen an vergangene Tage, auch ihre ehemals beste Freundin Lydia und ihre Jugendliebe Jack tragen dazu bei, dass Sophie bald von alten Zeiten eingeholt wird. Und dann gibt es noch die weisen Worte ihrer verstorbenen Großmutter, die Sophie immer dann helfen, wenn sie nicht weiterweiß – und sie vielleicht sogar zum großen Glück führen.

Nach dem super tollen zweiten Band, "Orangenträume", freute ich mich auf den neuen Band der "Kalifornische Träume"-Reihe. Doch der Einstieg in diesen dritten Band fiel mir schwer. 

Erst dachte ich, es liege einfach daran, dass ich ihn unterwegs begonnen habe und durch mehrmaliges Umsteigen im ÖV immer wieder kurz unterbrechen musste. Jedesmal musste ich mich aber wieder neu orientieren - wer jetzt, wo jetzt, was jetzt? 

Aber auch später fand ich nicht so wirklichen Zugang zu den drei Frauen, deren Geschichte in "Mandelglück" erzählt wird. Jede für sich war jeweils eine interessante Frau: Lydia, Mutter dreier Kinder und frühere Freundin von Sophie. Sophie, Restaurantleiterin in Boston, die die Mandelfarm ihrer Grossmutter Hattie erbt. Alba, die junge Mexikanerin, die auf Hatties Mandelfarm arbeitet. 

Jede dieser Frauen hätte einen eigenen Roman verdient. Stoff wäre genügend da. Dass sich dieser Roman ja hauptsächlich, laut Klappentext jedenfalls, um Sophie drehen soll, wurde in meinen Augen nicht gut herausgearbeitet. Mit ihr wurde ich auch nicht wirklich warm, einzig die Szenen in denen sie bestimmte Zettel findet, brachten sie mir ein wenig näher. 

Lydia war sympathisch, war aber logischerweise mit ihren eigenen Problemen sehr beschäftigt und hatte auch ein wenig Angst vor dem Wiedersehen mit Schulfreundin Sophie. Am intensivsten empfand ich Albas tragische Geschichte. Quasi verkauft und verheiratet mit einem älteren Amerikaner arbeitet sie viel zu hart. 

Ich erwartete einen Roman, bei dem die Charaktere zusammen treffen und gemeinsam die Geschichte bestreiten. Doch die drei Frauen, von denen die Kapitel abwechselnd erzählten, hatten nur wenige Berührungspunkte und gingen ihre Wege alleine. Ich hätte mir mehr gemeinsame Szenen gewünscht. So wie ihre Leben beschrieben wurden, war mir das zu wenig überzeugend. Gerade zum Beispiel bei dem Konflikt mit Lydias Tochter Grace wären mehr Sätze nötig gewesen, der Konflikt kratzte nur an der Oberfläche - ebenso die Storys von Sophie und Alba. Bei allen drei Frauen-Geschichten fehlte es an Tiefe, da hätte man mehr heraus holen können - die Figuren an sich hätten es geboten.  

Erst am Ende agieren einige der Frauen zusammen. Der Schluss war schön, deshalb runde ich einen halben Punkt auf. 

Fazit: "Mandelglück" hätte Potenzial, welches nicht ausgeschöpft wurde und mich deswegen nicht zu überzeugen vermochte. 
3.5 Punkte.



Reihenfolge: (Romane können unabhängig voneinander gelesen werden)
Band 1: Wintervanille
Band 2: Orangenträume 
Band 3: Mandelglück
Band 4: Erdbeerversprechen (erscheint am 15. Februar 2021)

Sonntag, 23. August 2020

Miss Peggy Guggenheim - in gleich zwei neuen Romanen

Diesen Sommer sind gleich zwei Romane über Peggy Guggenheim erschienen.

Habt ihr schon einmal vom Guggenheim Museum in New York gehört? Das wurde von Peggys Onkel Solomon gegründet. Peggys Vater Benjamin starb beim Titanic-Untergang als Marguerite, von allen Peggy genannt, dreizehn Jahre alt war. Peggy Guggenheim wurde 1898 in New York geboren und starb im Dezember 1979 in der Nähe von Padua. Die Tochter von Benjamin Guggenheim hat sich als Kunstmäzenin und -sammlerin einen Namen gemacht. 

Mit 23 Jahren zog Peggy nach Paris, lernte die Parise Bohème kennen und heiratete ein Jahr später Laurence Vail. Mit ihm hat sie zwei Kinder aufgezogen: Sindbad und Pegeen. 1930 folgte bereits die Scheidung. Fortan hatten Laurence und Peggy aber immer noch regen und freundschaftlichen Kontakt.

Die beiden Romane, "Peggy Guggenheim und der Traum von Liebe" von Sophie Villard und "Miss Guggenheim" von Leah Hayden, beleuchten Peggys Leben. Villards Buch umreist die Jahre 1937 bis 1942, Haydens Buch 1941 bis 1943, wird aber vom Jahre 1958, als Peggy in Venedig lebte und dort eine Galerie im Palazzo Venier dei Leoni eröffnete, rückblickend erzählt. 


Die Romane ergänzen sich perfekt und ich kann jedem nur empfehlen, beide zu lesen und zwar "Peggy" zuerst, dann die "Miss". 1941 und 1942 überschneiden sich die Romane zwar, aber ich empfand es als sehr interessant, einige Begebenheiten aus zwei verschiedenen Sichtwinkeln zu lesen - obwohl beide Autorinnen wohl dieselben Quellen benutzten.

Beide Autorinnen sind Deutsche und schreiben unter einem Pseudonym, die eine mit einem französischen, die andere mit einem amerikanischen Namen.

Diese Pseudonym-Vergeberei der Verlage mag ich nicht, immer weniger. Lasst die Schriftstellerinnen doch ihren eigenen Namen verwenden, auch wenn der sich in deutsch vielleicht nicht so international anhört wie die erfundenen Namen! Ein bisschen mehr Selbstbewusstsein diesbezüglich würde nicht schaden. 

Manchmal ist der eine Roman ein wenig ausführlicher und emotionaler in der Schilderung, manchmal der andere. Leah Hayden schreibt emotionaler als Sophie Villard, wobei mir ihre "Miss Guggenheim" in Bezug auf Max Ernst zu emotional, zu "schwach" und fast schon bettelnd vorkam. Sophie Villards "Peggy Guggenheim" war in erster Linie Kunstmäzenin, die Liebe zu den Männern stand trotz Beziehung zu Samuel Beckett immer an zweiter Stelle.

Frau Guggenheims wichtige Rolle in der Kunstwelt wird bei beiden Romanen rübergebracht. Peggy Guggenheim lebte für die Kunst und wurde von den Künstlern auch als eine von ihnen - als Künstlerin, nicht als Galeristin - wahrgenommen.

Dass Leser*innen dieser beiden Romane ein gewisses Kunstinteresse mitbringen, setze ich voraus. Wer das nicht aufbringen kann, wird sich in den Romanen verlieren und nicht glücklich werden mit der Lektüre. 

Wer "Peggy Guggenheim" zu starr und zu wenig emotional empfand, wird in "Miss Guggenheim" das Vermisste finden. Umgekehrt finden "Miss"-Leser in "Peggy" eine sachlichere Darstellung und vor allem die sehr interessanten Jahre zwischen Paris und London. Deshalb hat mir persönlich "Peggy Guggenheim" auch eine Spur besser gefallen. 

Wer beide Romane liest, dem winkt am Ende als Belohnung ein umfassender Überblick über Peggy Guggenheims interessantes Leben.



Miss Guggenheim von Leah Hayden (MFzKuL 15)

Klappentext:
Lissabon, 1941: Endlich gelingt es Peggy Guggenheim und ihrer neuen Liebe, dem Maler Max Ernst in die USA auszureisen. Doch kaum angekommen, wird Max als Enemy Alien verhaftet, und Peggy fürchtet, dass ihr Geliebter nach Deutschland zurückgeschickt werden könnte. Zugleich setzt sie alles daran, ihren großen Traum zu verwirklichen: ein eigenes Museum, in dem sie ihre Sammlung der europäischen Moderne ausstellen will. Doch die Widerstände, gegen die Peggy zu kämpfen hat, sind groß, und ihre Liebe zu Max droht daran zu scheitern. 



Auch dieser Roman über Peggy Guggenheim wurde unter einem Pseudonym geschrieben. Obwohl sich der Name amerikanisch anhört, stammt er von einer deutschen Autorin. Leah Hayden schreibt emotionaler als Sophie Villard, von der fast gleichzeitig ein Roman über die bekannte Kunsthändlerin herauskam. 

Leah Haydens Roman beginnt, quasi als Prolog, in Lissabon, kurz bevor Peggy mit ihrer Familie und Max Ernst mit einem Flugboot, dem Pan Am Clipper, nach New York flog - und aus Europa flüchtete. Mit Peggys amerikanischem Pass gelang dies vergleichsweise fast einfach, aber sie gehörten tatsächlich zu den letzten Auswanderer, die noch aus Frankreich raus kamen, bevor dies aufgrund des Krieges nicht mehr möglich war. 

Peggy hatte zu der Zeit eine Beziehung mit dem Künstler Max Ernst, die sich in Amerika vertiefte, aber bald auch wieder auseinanderging. Der Roman erzählt von Peggys Suche nach eine Immobilie, die sich als Galerie eignet, der Aufbau derselben und ihrer Förderung von Künstlern. 

"Miss Guggenheim" gibt einen guten Überblick über die amerikanische Kunstszene Anfang der 40er Jahre, über das Leben etlicher geflüchteten Künstler und der Auseinandersetzung von jungen amerikanischen Künstlern mit dem Surrealismus.

Thema neben der Kunst war hier Peggys Beziehung zu Max Ernst. Er kam enorm unsympathisch rüber. Peggy wurde hier oft als die klammernde Frau dargestellt, die sie wahrscheinlich gar nicht war. Deswegen war mir ihre Beziehung zu emotional dargestellt. 

Im Gegensatz zum andern Peggy-Roman werden hier die Jahre in New York ausführlicher (und teilweise ziemlich unterschiedlich) beschrieben. Der Sohn von Max Ernst, Jimmy, agiert als Sekretär von der Guggenheim-Galerie, und Pegeen, Peggys Tochter aus erster Ehe, unternimmt ihre ersten Schritte als Malerin. 

Sehr interessant empfand ich die Szenen 1958 in Venedig, wenn Peggy mit Frederick Kiesler (der Architekt, der ihre New Yorker Galerie gestaltete) über Vergangenes und Gegenwärtiges reden.

Zusammenfassend ist "Miss Guggenheim" am ehesten ein Roman über die französische Bohème in Paris, bei der als Bindeglied zwischen den Künstlern untereinander und auch zwischen Amerikanern und Europäern Peggy Guggenheim fungierte. Der rote Faden darin ist Peggys und Max Beziehungsgeschichte. Diese Liebesgeschichte war mir in diesem Roman zu wenig glaubhaft beschrieben. Dafür aber der Aufbau und die ersten Jahre ihrer Galerie, die bei den Kunstkritikern gut ankam.

Fazit: Erneut ein interessanter Roman über "Miss Guggenheim", teils zu emotional, aber dafür sehr lebendig. 
4 Punkte.

Wer mehr über Peggy Guggenheim erfahren möchte, liest am besten vor "Miss Guggenheim" den Roman "Peggy Guggenheim und der Traum vom Glück" von Sophie Villard. Darin wird Peggys Geschichte von 1937 bis 1942 erzählt. Beide Romane zusammen ergeben einen tollen Überblick über die kunstsammelnde Frau.



Hier noch ein kleiner Exkurs von mir über die beiden Guggenheim-Romane. 


Reihenfolge der "Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe"-Serie:
Band 1: Madame Picasso von Anne Girard - Eva Gouel
Band 2: Die Tochter des Malers von Gloria Goldreich - Ida Chagall
Fiktionaler Zwischenband: Rendezvous im Café de Flore von Caroline Bernard
Band 3: Die Tänzerin von Paris von Annabel Abbs  - Lucia Joyce
Band 4: Die Malerin von Mary Basson - Gabriele Münter
Band 5: Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe von Michelle Marly - Coco Chanel
Band 6: Die Muse von Wien von Caroline Bernard - Alma Mahler
Band 7: Die Dame in Gold von Caroline Trierweiler - Adele Bloch-Bauer 
Band 8: Marlene und die Suche nach Liebe von C.W. Gortner - Marlene Dietrich 
Band 9: Madame Piaf und das Lied der Liebe von Michelle Marly - Edith Piaf
Band 10: Die Malerin des Nordlichts von Lena Johannson - Signe Munch
Band 11: Frida Kahlo und die Farben des Lebens von Caroline Bernard - Frida Kahlo
Band 12: Die Diva von Michelle Marly - Maria Callas
Band 13: Grace und die Anmut der Liebe von Sophie Benedict - Grace Kelly
Band 14: Die Tochter des Zauberes von Heidi Rehn - Erika Mann
Band 15: Miss Guggenheim von Leah Hayden - Peggy Guggenheim

Donnerstag, 20. August 2020

Peggy Guggenheim und der Traum vom Glück von Sophie Villard

Klappentext:
Paris 1937: Die rebellische Erbin Peggy Guggenheim genießt ihr Leben in der schillernden Künstlerbohème, eine glamouröse Abendgesellschaft folgt auf die nächste. Doch Peggy hat einen Traum. Sie will ihre eigene Galerie eröffnen und endlich unabhängig sein. Da verliebt sie sich in einen hochgewachsenen Schriftsteller mit strahlenden Augen: Samuel Beckett. Aber ihre Liebe steht unter keinem guten Stern, denn Peggys Traum lässt sich nur im fernen London verwirklichen, weit weg von Beckett. Und auch am Horizont ziehen dunkle Wolken auf: Der Krieg zwingt zahlreiche Künstler zur Flucht aus Europa. Peggy hilft vielen von ihnen dabei – und begibt sich und ihre Liebe in große Gefahr. 


Sophie Villards (Pseudonym einer deutschen Autorin) Roman über Peggy Guggenheim beginnt 1937. Peggy lebt in der Pariser Bohème inmitten eines umfangreichen Bekanntenkreises. Zu ihren Freunden gehören die Joyces, Hans Arp und Sophie Taueber, Marcel Duchamp, André Breton und viele mehr. Affären hatte Peggy nach ihrer Scheidung wohl einige, doch hier wird vor allem jene zu Samuel Beckett geschildert und später das Kennenlernen mit Max Ernst. In diesem Rahmen bewegt sich der Roman, der zwischendurch fast ein wenig leidenschaftslos rüberkam, mich aber trotzdem gut unterhalten hat.

Neben den unsteten Männern in Peggys Leben gibt es eine Konstante: die Kunst. Peggy beginnt Kunstwerke zu sammeln, eröffnet in London eine Galerie, die Guggenheim Jeune. Doch finanziell wirft der Laden nicht viel ab. Und Peggy hat schon wieder eine ganz andere Idee, wie sie Kunst anders zugänglich machen könnte. 

Doch der Krieg steht vor der Türe, so dass es erstmal ums eigene Leben retten geht. Peggy blendet dieses Thema aber aus, vielleicht weil sie schon so viele Verluste in ihrem Leben verkraften musste. Irgendwann kann sie sich dem nicht mehr entziehen und muss sich überlegen, ob sie in England oder Frankreich ausharren will oder doch zurück nach Amerika gehen soll.

Bis zu ihrer Entscheidung sammelt sie munter weiter - ein Bild pro Tag. Das hat sie sich vorgenommen. Sie kauft vor dem Kriegsausbruch Bilder zusammen und zahlt bar, worüber die Künstler allesamt froh sind. So haben sie Geld für die (Heim-)Reise in die USA oder nach Spanien (z.B. Salvador Dali).

Die Autorin stellt Peggy Guggenheim als spendable Frau dar. Denn Peggy kauft nicht nur Bilder, sondern hilft Ausreisewilligen finanziell aus. Aber schon zuvor und später finanziert sie das Leben vieler ihrer Freunde. Auch solchen, die sehr undankbar rüberkommen, wie Djuna zum Beispiel. Peggy lässt sich, zumindest im Roman, davon nicht irritieren. Sie ist eine Frau, deren Herz für die Kunst und Künstler schlug und durch ihr Erbe finanziell immer unabhängig war und damit ihre Ideen umsetzen konnte.

Der Roman wird in drei Teile gegliedert, doch die hätten von mir aus nicht sein müssen, da sie sich zeitlich nahtlos einreihen. Aufgrund der Dreiteilung wurde ich in meinem Lesefluss fast ein wenig gestört, da ich erst dachte, es gäbe einen Zeitsprung, der dann (zum Glück) ausblieb. Manchmal hatte ich auch das Gefühl, dass die Ausdrucksweise nicht ganz zu den beschriebenen Jahren passte, aber es hielt sich im Rahmen, weswegen ich darüber hinwegsehen kann.

Der Roman endet Ende im Oktober 1942 mit einem passenden und für einen Roman finalwürdigen Ereignis. Peggys Leben war da noch lange nicht vorbei und sie sollte noch viel mehr erreichen - und wieder reisen, wie schon zuvor in Europa, wo sie öfters zwischen Paris und London pendelte, als ich in einige von mir nur eine Stunde entfernte Nachbarstädte.

Fazit: Interessanter Einblick in die Künstlerszene der Surrealisten und in Peggy Guggenheims Leben während der Vorkriegszeit.
4 Punkte.


Wem dieser Roman gefallen hat, dem empfehle ich, gleich in "Miss Guggenheim" von Leah Hayden weiter zu lesen, denn dort werden die Jahre 1941 bis 1943 rückblickend von 1958 aus erzählt. Zudem ist es interessant, überschneidende Begebenheiten in den beiden Jahren 1941 und 1942 aus einem anderen Sichtwinkel zu betrachten. Am Ende hat man einen tollen Überblick über Peggy Guggenheims Leben.


Hier noch ein kleiner Exkurs von mir über die beiden Guggenheim-Romane. 

Dienstag, 18. August 2020

This is (not) a Love Song von Christina Pishiris

Klappentext:
Love Is All You Need – oder doch eher: Love Is A Battlefield? Neben der Musik gab es für Zoë immer nur eine Liebe: Simon, ihren besten Freund. Aber bevor sie es ihm sagen konnte, zog er weg – und Zoë blieb wie eine zerkratzte Schallplatte an ihren Gefühlen hängen. Nun ist Simon wieder in London – frisch geschieden und so liebenswert wie einst. Doch ständig kommen Zoë der unausstehliche PR-Manager Nick, ihre hochzeitsbesessene Familie oder die Big Fat Greek Wedding ihres Bruders in die Quere. Und je schwieriger es für Zoë und Simon wird, desto mehr gilt: "Love Is All Around".




Was für ein schönes Cover ziert die Story von Christina Pishiris! Der Vogelkäfig hat zwar nichts mit der Geschichte ihrer Protagonistin Zoë zu tun, aber der Titel passt einigermassen.

Zoë ist Musikjournalistin in einem Musikmagazin, das gerade von neuen Besitzern übernommen wurde. Diese machen Druck, aber die Absatzzahlen sind nicht mehr so hoch wie früher. Um ihren Job und auch den ihrer Mitarbeiter zu retten, versucht Zoë ein Interview mit der legendären Sängerin Marcie Tyler zu erhaschen. Doch Zoës Lieblingssängerin lebt seit zehn Jahren mehr oder weniger versteckt und hat seither auch keine neue Songs mehr veröffentlicht.

Eventuell könnte PR-Manager Nick ihr helfen, doch dafür müsste Zoë erst eine Boygroup mit einem furchtbar eingebildeten Leadsänger ins Magazin bringen. Das geht gegen Zoës Würde, aber was macht man nicht alles, um Jobs zu erhalten?

Dafür sieht es liebesmässig auf einmal wieder positiv auf, denn ihr ehemaliger Nachbar Simon ist zurück in London! Simon war ihre heimliche Liebe und sie fragt sich immer wieder "was wäre gewesen, wenn". Nun bekommt sie ihre zweite Chance. Es sieht gut aus, denn auch Simon scheint sich in Zoë verguckt zu haben. 

Der Roman scheint auf den ersten Blick mit seinem ansprechenden Cover und der Inhaltsangabe sehr freundlich und leicht zu sein. Doch die Story ist nicht so rosarot wie man auf den ersten Blick denken könnte. Mir hat die Geschichte gut gefallen, gerade weil sie halt nicht so happy clappy daher kommt. Der Schreibstil überzeugt durch seinen Humor, trotz allem muss man bei Pishiris Wortwitz immer wieder schmunzeln. 

Zoë kam mir nicht so nahe, aber ich mochte sie. So wie die dargestellt wurde, wirkte sie echt und sehr ehrlich. Auch die anderen Charaktere fand ich glaubhaft dargestellt. 

Den griechischen Anteil in der Geschichte empfand ich nicht so extrem griechisch. Aber ich bin mich mediterrane Familienstrukturen auch gewöhnt. Im Film "My Big Fat Greek Wedding", der im Klappentext als Vergleich herhalten muss, kommt das enorm mehr chaotischer und sippenmässiger rüber. Zoës Familie ist nett, hat ihre Eigenheiten, hält zusammen, sie sind griechischer Abstammung - das wars für mich, einfach eine normale Familie mit kleinen Spleens, wie man sie überall findet und ich jetzt nicht als speziell griechisch einordnen würde. Die beschriebenen Familienszenen sind aber sehr nette und oft auch total witzige Hintergrundgeschichten, die die Hauptgeschichte perfekt umranden. 

Musik wurde im Roman stark mit einbezogen, ganz klar und logisch bei Zoës Beruf. Doch ein wenig anders als es der Klappentext suggeriert. Vor allem werden ältere Titel erwähnt, die jüngeren Leser*innen wahrscheinlich nicht so bekannt sind. Musikfan zu sein, hilft hier beim Lesen unheimlich, wie ich finde. Mir hat der Musik-Plot super gefallen. Witzig fand ich die Def Leppard Story, denn die hab ich vor über 30 Jahren einmal live gesehen. 

Fazit: Unterhaltender Roman, der im Musik-Milieu spielt - überzeugt! 
4 Punkte:


Freitag, 14. August 2020

eReader: erster Eindruck des neuen Pocketbook Color

Jahrelang schon lese ich meine Bücher auf elektronisch und praktisch ausschliesslich auf eReadern. Angefangen habe ich mit einem ausgeliehenen Kindle Keyboard, hab mir dann beim Erscheinen direkt aus Amerika den allerersten Kindle Paperwhite (Generation 5) mitbringen lassen und weil wir in der Familie zwei eReader brauchten, mir später den PW Paperwhite 2 (Generation 6) gekauft. Mittlerweile benutze ich den neuesten Paperwhite (Generation 10). Doch da man mit Kindle an Amazon gebunden ist, und es früher Rezensionsexemplare nur als epub gab und ich ausserdem die Onleihe nutzen wollte, habe ich mir einen Tolino ins Haus geholt. Auch da zogen mehrere in unseren Haushalt ein: zuerst zweimal den Vision 3 HD, dann der 4 HD.






Mein erster Vision funktionierte erst gar nicht und statt ihn umkompliziert im Laden umzutauschen, hätte ich ihn, ohne dass sich hier vor Ort ihn jemand ansah, nach Deutschland einschicken und wochenlang auf einen Ersatz oder eine Reparatur warten müssen, ganz zu schweigen von den Zollgebühren, die ich bei Erhalt berappen hätte müssen. Kundenservice geht anders! Da war das eine Mal in all den Jahren bei Amazon - etwas bei FreeTime funktionierte einmal nicht - doch wirklich unkompliziert, ein freundlicher Anruf und gut war. Irgendwie brachte ich den Tolino dann doch noch zum laufen, aber glücklich war ich mit dem Tolino nie. Die Handhabung war komplizierter, ausserdem zicken die Geräte ständig herum, stürzen ab und und und... 

Deshalb schaute ich mich nach anderen eReadern um, Kobo gabs hier nicht und gehörte dann ja bald zu Tolino, von daher war das auch keine Option. Und obwohl Pocketbook angeblich eine Schweizer Firma ist, bekam man ihn bis vor wenigen Jahren hierzulande ebenfalls nicht. Mittlerweile hat das Buchhaus Lüthy die eReader des Schweizer Herstellers nun im Sortiment und auch über andere Elektrik-Onlinehändler kann man Pocketbook-Geräte bestellen.

Also schaute ich mir die PB-Reader im Buchhaus mal an. Sie schienen dem Tolino ähnlich zu sein, und ich nahm mir vor, wenn der Tolino schlapp macht, kauf ich mir einen PB. Mein Tolino läuft noch, aber gerade ist der Pockebook Color erschienen - ein Reader mit Farbdisplay!

Endlich mal die Cover in Farbe sehen oder Abbildungen in Büchern, Comics, Bilderbücher - das wäre ja wirklich schön! Kurzentschlossen, ohne ihn live gesehen zu haben, hab ich ihn mir bestellt und teste ihn nun seit vorgestern. Das Gerät samt Hülle ist leichter als meine beiden anderen Lesegeräte.


Für Leser, die bereits einen PB haben, kommt es sicherlich zugute, dass man sich keine neue Hülle kaufen muss, sondern die bestehende vom Touch Lux 4, Touch HD 3 und Basic Lux 2 verwenden kann. So ein Shell Cover habe ich mir gekauft. Sie kommt im Stoffdesign daher, ist aber nur Kunststoff - könnte besser sein, aber es genügt meinen Ansprüchen vorerst. 

Als Erstes muss ich sagen, dass die Handhabung bei weitem nicht so intuitiv ist wie beim Kindle oder Tolino. Dazu trägt auch das komische Vokabular bei: Mit "Vordergrundbeleuchtung" ist einfach die Beleuchtung des Geräts gemeint. Es gibt nicht noch eine versteckte im Hintergrund, wie das Wort mir suggeriert. Das Handbuch ist in einem schlechten Deutsch verfasst, zudem gibt es etliche unschöne Übersetzungsfehler, da müssten die Verantwortlichen unbedingt noch einmal drüber schauen.



Die Hülle versetzt den Color Lux nur in den Sleepzustand, wenn man das Gerät auf nie abstellen einstellt. Das Ein-/Ausschalten des Readers funktioniert durch den Ein/Aus-Knopf am unteren Ende des Geräts, da kommt man nur schlecht ran. Für mich ein negativer Punkt. An der oberen Leiste würde das viel mehr Sinn machen, nur schon von der Handhaltung her. 



Voreingestellt sind extrem viele Klassiker in diversen Sprachen drauf. Gut gemeint, aber was soll ich mit polnischen Büchern? Immerhin muss man sie nicht einzeln löschen, sondern man kann die nichtgewollten Bücher "auswählen" und gemeinsam vom Reader löschen. Leider funktioniert genau das "auswählen" mehrerer Bücher leider gar nicht, wenn man diese in eine selbsterstellte Sammlung legen will. Ich hatte zwar nur 72 Bücher - habe nur meine ungelesenen eBooks draufgetan - aber auch das braucht seine Zeit, wenn man die alle einzeln in die Sammlungen aufteilen will. Und: es geht nur von der Bibliothek aus, nicht vom Home-Bildschirm - dort würde das einzelne zuteilen ja wenigstens noch Sinn machen, wenn nur ein oder zwei neue Bücher dazu kommen. Wenn man die Cover auswählt, werden sie verblasst dargestellt. 


Das vorherige Übertragen der Bücher vom Computer (ADE) auf den PB Color läuft gut, man muss beim Einstöpseln allerdings sagen, ob man das Gerät aufladen oder Bücher draufladen will. Beim Entfernen erscheint im Gegensatz zum Tolino kein Extra-Fenster, das einem auf die neuen Bücher aufmerksam macht. Erst wenn man den PB abstöpselt, sieht man nach einigen Sekunden die neu zugefügten Bücher. Toll ist, dass man auch andere Formate als epub auf dem PB lesen kann, ich habe es mit einem mobi-Format probiert und es klappte perfekt. Es ist also ein perfekter Reader für jemand, der Amazon-Bücher plus Onleihe und alle anderen Buchhändler haben möchte.



Die Tastatur des PB Color Lux ist um einiges besser als bei den Tolinos. Kein Vertippen mehr! Somit wird das Einrichten des Readers und der Onleihe einfach. Aber bei der Onleihe gelang es dem Browser nicht, die zweite Onleihe zu öffnen. Für mich ist die andere nicht so wichtig, ich kann sie auch auf dem Tolino öffnen, von daher spielt das für mich keine grosse Rolle, für andere User hingegen schon. Eigentlich müsste der Browser die zwei doch unterschiedlichen Adressen erkennen. Ich werde es irgendwann nochmals versuchen, indem ich mich bei der einen, die ich als Web-Startseite einstellte, vollständig abmelde.

Was ich doof finde, sind die Tasten am unteren Bildrand. Je nachdem wie ich den Reader halte, kommt mein Daumen oft unten auf die Tasten. Vielleicht brauch ich da etwas Umgewöhnungszeit. Für mich braucht es keine Tasten, ausser die Taste zum Rückwärtsblättern - denn das funktioniert beim Lesen mit nur links tippen nicht. Da ist die Taste zuverlässiger. 

Super einfach ist die Lichteinstellung. Wenn man tagsüber an der Sonne liest und dann erst am Abend im Bett wieder, kann man mit einer einfachen Wischbewegung die Helligkeit anpassen. Das find ich prima. 

Auch toll finde ich, dass man den Shop ausblenden kann und man nur die eigenen Bücher auf dem Home-Bildschirm hat. 

Der Bildschirm allerdings ist äusserst heikel. Er reagiert eigentlich schnell, nur wenn man aus dem Buch heraus will wird es schwierig. Das Mitten-ins-Buch-tippen klappt nicht wirklich, entweder tippt man zu wenig oder zu lang/stark. Da fehlt mir noch das nötige Fingerspitzengefühl, welches sich hoffentlich in den nächsten Wochen einstellt. Während man bei Kindle und Tolino Fingerabdrücke nur bei sehr genauem Hinschauen sieht, fallen sie beim PB Color sofort auf. Der Bereich erscheint dann heller und streifig, zumindest wenn man die Covers betrachtet, bei Nur-Text ist es nicht so. Total unschön ist der untere Rand, da sind dunkle Schatten sichtbar. 


Die Farben der Cover zu sehen ist toll, aber ich hätte sie ehrlich gesagt kräftiger erwartet. Beim Scrollen durch die Bibliothek braucht es jeweils ein paar Sekunden, bis die Farben richtig eingestellt sind, aber auch dann bleiben sie trotz allem doch immer matter als die echten Cover. Auf den Fotos unten mit dem grünen Tischtuch kann man vergleichen wie dasselbe Cover auf dem PB Color aussieht und wie auf dem iPad mini. Die matte Farbe vom PB ist deutlich sichtbar. 


Anbei eines Romans "This is (not) a Love Song" habe ich weitere Vergleichsfotos gemacht. Alle drei Geräte (Tolino Vision 4 HD, Pocketbook Color, Kindle PW Gen.10) sind von der Helligkeit in der Mitte eingestellt. Man sieht hier klar, dass der Bildschirm des PB Color eher bläulich daher kommt.





Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass der Hintergrund irgendwie gräulich aussieht, weiss mit vielen kleinen grauen Pünktchen drauf, was wohl wie eine Buchseite aus Papier ausschauen soll. Da das aber nicht einfarbig ist, hebt sich die Schrift nicht gut vom Hintergrund ab. Deshalb wäre es wünschenswert, dass man die Schriftdicke selbst einstellen könnte. Das geht nicht, angeboten werden nur "Normal" oder "Fett" - nichts zwischendrin. Aber auch "Fett" funktioniert nicht bei jeder Schriftart, die auf dem Color angeboten werden. Ein grosser Minuspunkt für mich. Auch die Schriftarten-Auswahl könnte besser sein. Wie sich das auf mein Leseverhalten auswirkt, ob meine Augen dadurch müder werden oder nicht, kann ich noch nicht sagen, dazu muss ich erst noch ausgiebig auf dem PB lesen.

Absolut toll ist, dass man nun Fotos oder Zeichnungen in Büchern auch richtig und farbig sehen kann. Das hat man gleich noch mehr Spass beim Lesen als sonst. Hier einige Fotos davon: 






Soweit mal meine ersten Eindrücke zum Pocketbook Color. Ich muss mich an diesen Reader sicherlich noch gewöhnen, einige Funktionen brauche ich nicht oder habe ich noch nicht ausprobiert, wie zum Beispiel Hörbuch hören. Ich lese lieber als dass ich Hörbücher höre, aber dass ein Reader beides kann, ist natürlich toll. Wie ich langfristig mit dem PB Color klarkomme, kann ich erst in einigen Wochen erzählen.

Wie gefällt euch der Pocketbook Color? Wäre das ein eReader für euch?














Donnerstag, 13. August 2020

Lehrerin einer neuen Zeit von Laura Baldini

Klappentext:
Rom, 1896. Die junge Maria Montessori ist erschüttert, als sie den vermeintlich schwachsinnigen Kindern in der Psychiatrie begegnet: Gespenstische Stille herrscht in dem nackten Raum, und sie blickt in todtraurige Gesichter. Als Maria darauf besteht, den Kindern Spielzeug zu geben, erwachen sie zum Leben. Die Klinikärzte können nicht fassen, welche Verwandlung sich vor ihren Augen abspielt. Für Maria ist es einer ihrer größten Glücksmomente und der Beginn einer beispiellosen pädagogischen Karriere. Bald jedoch stellt die Liebe zu einem Kollegen sie vor die schwerste Entscheidung ihres Lebens.



Laura Baldini alias Beate Maly lässt uns in "Lehrerin einer neuen Zeit" am Leben von Maria Montessori teilhaben. 

Die Lernmethoden, die die berühmte Pädagogin damals anwandte, sind heute nichts Spezielles und ganz normal. Wie z.B. der Test beim Kinderarzt, wenn Kleinkinder eine Form in die richtige Formbox stecken müssen. Doch um 1895 waren solche "Begreif"-Methoden nicht bekannt. Kinder mit Traumata, oder solche, die sich einfach langsamer entwickelten, wurden in eine psychiatrische Klinik gesteckt und vegetierten dort vor sich hin - ohne jegliche Beschäftigung. 

An diesem Punkt griff Maria Montessori ein. Den Kindern zu helfen, wurde ihr, die kurz zuvor als eine der ersten Frauen als studierte und ausgebildete Ärztin die Universität verliess, immens wichtig. Man machte es ihr schwer, das Studium abzuschliessen, doch sie gab nicht auf und war erfinderisch, um gewisse Dinge auszuhalten.

Marias Streben beeindruckt zwar, doch sie stellte ihre Arbeit über alles andere und wird im vorliegenden Roman auch als sehr eitel und stur dargestellt. Auf der einen Seite versteht man sie, andererseits wirkt sie dadurch nicht so sympathisch. Auf jeden Fall war Maria eine Vorreiterin, tatsächlich eine "Lehrerin einer neuen Zeit" wie der Titel passend sagt und zog damit in die Geschichts- und Pädagogikbücher ein. 

Der Roman gibt einen realitätsnahen Einblick, wie man mit angeblich hoffnungslosen Kindern umging. Obwohl das italienische Bildungssystem diesbezüglich auch heute noch Schwächen aufweist, wird es so wie beschrieben, damals wohl nicht nur in Italien gewesen sein. Als anschauliches Beispiel, wie ein Kinderleben vor und wie mit Montessoris Methoden (die sie von französischen Pädagogen übernahm und weiter entwickelte) war, zeigt uns die Autorin anhand Luigis Leben, welches in Zwischenkapitel erzählt wird und mir sehr gut gefiel. 

Auch dieses Buch von Laura Baldini/Beate Maly habe ich sehr gerne gelesen. Ihr Schreibstil fesselt, so dass ich schnell weiterlesen und wissen wollte, wie es weitergeht, obwohl mir die Eckdaten aus Montessoris Leben bereits bekannt waren. 

Fazit: Eindrückliche Romanbiografie über eine der bekanntesten Pädagoginnen weltweit. 
5 Punkte. 



Dienstag, 11. August 2020

Wo dich das Leben anlächelt von Jenny Colgan (Happy Ever After 2)

Klappentext:
Das Leben ist kein Streichelzoo für die alleinerziehende Mutter Zoe. Als Betreuerin in einer Londoner Luxus-Kita machen ihr die verwöhnten Sprösslinge und deren Eltern gleichermaßen das Leben zur Hölle. Ihre Miete ist schon wieder gestiegen, und ihr vierjähriger Sohn weigert sich zu sprechen. Das Angebot, eine fahrende Buchhandlung im idyllischen Schottland zu übernehmen und die drei Kinder eines Schlossherrn zu betreuen, scheint da ein wahrer Traum. Doch die Realität sieht anders aus: Die Kinder wollen Zoe schnellstmöglich wieder loswerden, ihr Arbeitgeber ist zwar attraktiv, aber scheint sie nicht zu mögen, und das Schloss in einem beklagenswerten Zustand. Erst eine geniale Geschäftsidee, ein dramatisches Ereignis und eine Liebeserklärung machen Schottland zum Land von Zoes Träumen.

Der Bücherbus fährt wieder! Allerdings sitzt nun nicht Nina, sondern Zoe am Steuer. Nicht nur das Fahren des Ungetüms, auch alles andere besitzt seine Tücken. 

Da wäre das Huhn, das immer im Wege sitzt; die schwierige Kundschaft, die sich nur von Nina bedienen lassen will; dann ihre andere neue Stelle als Au-Pair in einem Herrenhaus mit drei unerzogenen Kindern. Zudem ihr ständiges Ärgernis: der Vater ihres Sohnes, der sein Geld für sich selbst und eine mögliche DJ-Zukunft ausgibt, anstatt seinen Sohn zu unterstützen. Hari ist vier und spricht nicht. Doch im gleichaltrigen Patrick findet er in seinem neuen Zuhause einen Freund. Immerhin, denn Zoe fühlt sich fast noch einsamer als in London. 

Aber ihr bleibt nichts anderes übrig und so dreht Zoe das Steuer um: sie gibt den Kindern Regeln vor und sucht sich mit dem Bücherbus eine andere Nische. Wird Zoe damit Erfolg haben oder ist "Nanny Sieben", wie sie von den Kindern genannt wird, auch bald Geschichte und muss zurück in die Grossstadt?

Dieser zweite Teil der Happy Ever After-Serie hat mir ausgesprochen gut gefallen. Viel besser als der erste Teil, der sehr märchenhaft und manchmal ein wenig abgehoben daher kam. Denn "Wo dich das Leben anlächelt" ist bodenständig und zeigt echte Probleme auf - und Lösungsansätze.

Gemeinsam haben die beiden Teile die Liebe zu Büchern, die hier - neben dem Bücherbus - in Form von Leseratte Zoe und Antiquar Ramsay auftreten.

Ramsay gewährt aber niemandem Zugang zu seiner Bibliothek. Diesbezüglich kommt Zoe auf tolle Ideen, mit der sie das Leben für alle einfacher und lebenswerter machen kann. Denn die Herrenhaus-Geschichte basiert auf traurigen Begebenheiten, die anstatt verarbeitet, aus Niedergeschlagenheit tot geschwiegen wurden, mit tragischen Folgen für die ganze Familie.

Das Setting ist toll, vor allem weil das Herrenhaus am Loch Ness liegt. Aber auch die Geschichte überzeugt total und spätestens nach dem Lesen dieses Romans möchte ich das Loch Ness mal mit eigenen Augen sehen. 

Fazit: Viel zu schnell ausgelesen war die emotionale Geschichte mit Nanny Sieben am Steuer des Bücherbusses.  
5 Punkte.


Reihenfolge:
Band 1: Wo das Glück zuhause ist
Band 2: Wo dich das Leben anlächelt