Sonntag, 28. Februar 2021

Lesebiografie und Monatsrückblick Februar

Was für ein Monat! Erst haben wir tagelang Schnee, dann Tage bei denen die Temperaturen tagelang in den Minusgraden lagen und mit Nächten um die -12° tatsächlich eiskalt waren. Und kurz darauf das schönste Frühlingswetter mit 15°. 


Perfekterweise kam das Frühlingswetter gerade in der Sportferienwoche. Da war ich in Tel Aviv und in der Provence und konnte mich über den Duft von Rosmarin, Thymian, Lavendel und Jasmin erfreuen. 

Allerdings "nur" auf meinem Balkon und nicht real. Da unsere Sportferien-üblichen-Besuche im Solebad und in Museen wegen dem Lockdown wegfielen, freute ich mich umso mehr über das schöne Wetter. Ich konnte also nicht nur nachts länger lesen, sondern morgen auch ausschlafen und gemütlich im Bett noch einige Seiten oder Kapitel lesen, bevor ich den Tag begonnen habe und mir erst noch Nachmittags eine Stunde Lesepause auf dem Balkon gönnen. Am Anfang zumindest, wie das in den letzten Tagen war, erzähl ich euch weiter unten.

Deshalb ist es kein Wunder, dass ich im Februar 18 Bücher gelesen habe. Was ich auch so toll finde, ist, dass mir bis auf zwei Bücher alle gut bis super gut gefallen haben. Das ist bei solch einer grossen Anzahl ja nicht selbstverständlich. 

3 Punkte:
- Erdbeerversprechen von Manuela Inusa (Kalifornische Träume 4) 
- Die Rosen von Fleury von Jean Remy (ET: eBook 01.03, Print 23.03)

4 Punkte:
- Der Messias kommt nicht von Alfred Bodenheimer (Rabbi Klein 3) 
- Ihr sollt den Fremden lieben von Alfred Bodenheimer (Rabbi Klein 4) 
- Im Tal der Gebeine von Alfred Bodenheimer (Rabbi Klein 5) 
- Der böse Trieb von Alfred Bodenheimer (Rabbi Klein 6) 
- Die Frau von Montparnasse von Caroline Bernard (Simone de Beauvoir / MFzKuL 17) 
- Der Blumenladen der guten Wünsche von Lena Hofmeister 
- Der kleine Ort zum Glücklichsein von Janina Lorenz (Herzbach 1) 
- Der kleine Chor der grossen Herzen von Janina Lorenz (Herzbach 2) 
- Das kleine Hotel in der Provence von Marion Stieglitz 
- Lavendeltage in der Auberge de Lilly von Marion Stieglitz (ET 15.3)
- Die letzte Sünde von Katharina Höftmann (Assaf Rosenthal 1)
- Kalter Hummer von Catherine Simon (Leblanc 5) 

5 Punkte: 
- Tod auf dem Campus von Emma Goodwyn (Beefeater John Mackenzie 9)
- Die Buchhandlung zum Glück von Susann Wiggs 
- Wie sagt man ich liebe dich von Claudia Winter  
- Der Horizont in deinen Augen von Patricia Koelle (Ostseetrilogie 3) 


Darunter waren einige SuB-Bücher und eins von der #12für2021-Liste. "Blöderweise" war dies der erste Teil einer dreiteiligen Krimiserie und jetzt will ich natürlich die beiden anderen Bände auch noch lesen. Ich hab sie mir schon über Skoobe und die Onleihe besorgt, es ist die "Assaf Rosenthal"-Reihe von Katharina Höftmann. 

Die Onleihe musste mir auch sofort helfen, als ich "Lavendeltage in der Auberge de Lilly" zu lesen begonnen habe. Auf den ersten Seiten erfuhr ich, dass es über Lillys Hotel bereits einen Roman gibt und so legte ich die Lavendeltage auf die Seite und gönnte mir erst "Das kleine Hotel in der Provence". Es hat sich gelohnt, beide Romane gefielen mir gut. Die Lavendeltage erscheinen Mitte März, ihr hättet also auch noch Zeit den ersten Band zu lesen :-) 

Das eine Buch, von dem ich enttäuscht wurde, ist "Erdbeerversprechen". Ich empfand es nicht als Frauenroman, sondern als Jugendroman. Leider wurde nirgends erwähnt, dass die Teenies die Hauptrollen inne haben und nicht die Erwachsenen. Ich hab jahrelang als Jugendarbeiterin und Lehrerin gearbeitet und habe nun selbst eine Teenietochter, deshalb hatte ich weiss Gott mehr als genug Teeniedramen in meinem Leben und will sowas nicht lesen. Es ist was anderes, wenn es zwischendurch mal kurz um die Kinder der Protagonisten geht, aber nicht wenn sich der ganze Roman um die Teenies dreht und die Erwachsenen nur Beiwerk sind. Auch sprachlich konnte mich der Roman nicht überzeugen. 

Umso mehr aber andere Romane, von denen ich es gar nicht erwartet habe, etwa "Der Blumenladen der guten Wünsche" und natürlich der letzte Teil der Ostseetrilogie. Die Sätze und Worte hüllen dich ein wie ein warmer Wollschal - so macht Lesen Spass!

Weitere Highlights waren auch die beiden Romane "Wie sagt man ich liebe dich" und "Die Buchhandlung zum Glück", sowie der Krimi "Tod auf dem Campus". Wer Nele Pollatschek gelesen hat, bekommt in "Tod auf dem Campus" die praktische Umsetzung geliefert. 

Krimis hab ich einige gelesen im Februar, die "Rabbi Klein"-Serie hab ich beendet, den neuesten Band rezensiert und die vorherigen fünf Bände als Serie vorgestellt. und mit "Kalter Hummer" nun noch den fünften Leblanc-Band gelesen. Der war erstaunlich gut, nachdem mir vor Jahren der vierte Band gar nicht gefiel. 

Zu diesem Krimi musste ich greifen, weil die vorherige Lektüre sich als Kaugummi erwies: "Die Rosen von Fleury" erscheint morgen am 1.März als eBook, ab 23.März ist die Printausgabe erhältlich. Anstatt wie gedacht in zwei Tagen ausgelesen, sass ich vier Tage dran und ich hatte weder Abends Lust weitere Kapitel anzuhängen noch Morgens welche zu lesen. Wieso das so war, erzähl ich euch in meiner Rezension, die in den nächsten zwei Tagen online geht.

Aktuell lese ich gerade "Wenn es Nacht wird am Lago Maggiore" von Bruno Varese, vielleicht beende ich es sogar noch vor Mitternacht, ansonsten lese ich die letzten Kapitel im März :-)


Wie sah euer Lese-Februar aus? 
Welche Bücher haben euch gefallen, welche enttäuscht?
Haben wir welche gemeinsam? 


Samstag, 27. Februar 2021

Der kleine Chor der grossen Herzen von Janina Lorenz (Herzbach 2)

Klappentext:
Helle Aufregung in Herzbach! Der Chorwettbewerb »Hast du Töne?« winkt mit einem hohen Preisgeld. Das kleine Dorf im Münsterland hat zwar keinen Chor, dafür aber ein Gemeindehaus, das dringend renoviert werden muss. Yogalehrerin Sara und Pianist Marvin trommeln die Bewohner zusammen. Aber als alle gemeinsam die ersten Töne anstimmen, wird schnell klar: Wenn sie gewinnen wollen, brauchen sie Unterstützung. Journalistin Sophie war in ihrer Kindheit ein musikalisches Wunderkind, doch nach einem tragischen Vorfall hat sie ihre Karriere als Violinistin aufgegeben. Ob sie helfen kann? Die Zeit drängt – und zu allem Übel bringen Streitigkeiten unter den Sängern das ganze Projekt in Gefahr. 


Ich nehms vorweg: auch im zweiten Band ist Ava noch nicht zurück gekehrt, Ellie und Ava tauchen hier gar nicht auf. Hier geht es um Sara, die man in "Der kleine Ort zum Glücklichsein" bereits kennenlernte. Neu dazu kommt Sophie, die in Herzbach wohnt und hier aufgewachsen ist. 

Sara liebt Yoga und möchte gerne Kurse geben. Doch ihr fehlt noch ein passendes Studio. Da in Herzbach das alte Kirchgemeindehaus leer steht, möchte sie es gerne nutzen. Doch die Renovationskosten sind viel zu hoch. Da kommt sie auf die Idee einen Chor zu gründen, denn das Preisgeld würde genau den Renovationskosten entsprechen. 

Eine spleenige Idee, denn Sara hat keine Ahnung von Chorleitung. Sie liest sich alles an, aber so richtig funktioniert das in der Praxis nicht, und sie kann auch die Streitereien einiger Chormitglieder untereinander nicht abstellen. Da bekommt sie unerwartet Hilfe von Sophie. Die Journalistin soll eh für ihre Zeitung einen Bericht über den Chorwettbewerb schreiben, da könnte sie das gleich verbinden. Aber Musik wollte sie nie wieder machen. 

Was alles hinter Sophies Abneigung steckt, wird in "Der kleine Chor der grossen Herzen" toll erzählt. Ob das mit dem Singen schlussendlich was wird, und ob Sara und Sophie vielleicht nicht nur die Liebe zur Musik (wieder-)finden, sondern ganz eventuell auch die Liebe fürs Leben, erfährt ihr beim Lesen dieses zweiten Bandes der Herzbach-Serie. 

Dieser Band bietet ein bisschen mehr Abwechslung und Spannung als der erste Band. Dass Sara mit der Chorgründung sehr blauäugig agiert, wäre neben Ellies und Avas Abwesenheit etwa mein einziger Kritikpunkt, aber das mit der gspinnerten Idee weiss Sara selbst. 

Fazit: Die Geschichte um den Chor der grossen Herzen hat mich wunderbar unterhalten. 
4 Punkte. 

Reihenfolge:
Band 4: Der kleine Garten zum Verlieben (ET 31.05)

Freitag, 26. Februar 2021

Der kleine Ort zum Glücklichsein von Janina Lorenz (Herzbach 1)

Klappentext:
Ellie hat genug von ihrem aufreibenden Job und ihrer On-Off-Beziehung. Sie verordnet sich eine Auszeit und reist zu ihrer Großtante ins münsterländische Herzbach. In dem beschaulichen Dorf, das mit seiner romantischen Wassermühle und bunten Fachwerkhäusern idyllisch zwischen Wiesen und Feldern am Ufer der Stever liegt, will sie sich darüber klar werden, wie es mit ihrem Leben weitergehen soll. Doch ihre Großtante ist überraschend verreist. Und sie hat Ellie nicht nur ein rätselhaftes Kochbuch hinterlassen, sondern auch eine Aufgabe: sich in ihrer Abwesenheit um ihre Freunde im Dorf zu kümmern. 



Ellie nimmt sich ein Sabbatical und zieht ins fiktive Herzbach zu ihrer Grosstante Ava. Ellies Überraschung ist gross, als sie nur ein Brief und ein Kochbuch vorfindet. Ava ist verreist und hinterlässt Ellie eine Aufgabe: alle zwei Wochen für die Tafelrunde zu kochen. 

Zu der gehören der pensionierte Kapitän Hermann, die pessimistische Irene, die unglücklich verliebte Sara, die scheue junge Greta und der wortkarge Professor Jonas. Der ist zugleich auch Nachbar von Ava, also jetzt von Ellie. Die beiden freunden sich an, vielleicht sogar ein bisschen mehr als das...

Die Idee der Tafelrunde hat mir gefallen, die Charaktere sind sehr unterschiedlich, und insgeheim denke ich, dass nicht wirklich die Kräutermischungen und Rezepte aus dem Kochbuch den Mitgliedern helfen, sondern das Zusammensein, das Um-sich-kümmern. 

Herzbach ist ein hübscher Ort voller Fachwerkhäuser und einem kleinen Fluss, umrandet von Wald und ein kleiner Badesee ist auch nicht weit. Das erinnert mich ein bisschen an das Elsass, auf jeden Fall fühlt man sich in Herzbach wohl. 

Die Geschichte ist sehr leicht und unkompliziert, einiges vielleicht fast zu einfach, aber Janina Lorenz Schreibstil hat mich überzeugt und ich hab "Der kleine Ort zum Glücklichsein" gern gelesen. 

Nicht alles löst sich auf und so bin ich gespannt auf die weiteren Bände, denn die möchte ich auch noch lesen. 

Fazit: Glücklichsein und entspannt - das ist man beim Lesen dieses erstes Bandes einer netten Wohlfühlserie auf jeden Fall. 
4 Punkte. 

Reihenfolge:
Band 4: Der kleine Garten zum Verlieben (ET 31.05)

Donnerstag, 25. Februar 2021

Top TenThursday 25.02.21 - Zehn deiner Lieblingsbücher von deutschsprachigen Autor*innen

"Top Ten Thursday" ist eine Aktion von Aleshanee von Weltenwanderer). Jeden Donnerstag stellt sie eine Frage, zu der man als Antwort Bücherlisten mit 10 Buchtiteln, Buchcovern oder ähnlichem erstellt. 



Zehn deiner Lieblingsbücher von deutschsprachigen Autoren und Autorinnen


Blau und Beige sind die vorherrschenden Farben auf den von mir gewählten Büchern für die heutige TTT-Frage. Natürlich habe ich noch viele weitere Lieblingsbücher, vor allem auch im Bereich Krimi (Sophie Bonnet zum Beispiel), aber ich bleib heute bei den Romanen. Alle Romane sind aus den letzten paar Jahren. Mit Ausnahme von: "Verzauberter April" von Elizabeth von Arnim - erstens ein absolutes Lieblingsbuch seit 25 Jahren und die Story darin beginnt an einem grauen Februartag in London, und endet im frühlingshaften Italien. Grau ist es heute nicht, aber es war ja eher ein Ausnahme-Februar. Das Buch, wie auch die Verfilmung, lege ich euch gerne ans Herz. Aber auch die anderen neun Bücher - sie überraschen, gehen ans Herz, haben eine tolle und/oder aussergewöhnliche Story, sind eindrücklich, sprachlich superschön - einfach lesenswert!




 


Hier gehts zu den Rezensionen:
- Spätsommerfreundinnen von Andrea Russo  
- Die Zeit der Glühwürmchen von Patricia Koelle
- Der Geschmack unseres Lebens von Julia Fischer
- Die Lilie von Bela Vista von Sylvia Lott
- Leas Spuren von Bettina Storks
- Verzauberter April von Elizabeth von Arnim 

Nun bin ich gespannt auf eure zehn Lieblingsbücher deutscher Autor*innen! Bei mir waren es heute ausschliesslich Bücher von Autorinnen - hätte ich dazu noch Lieblingskrimis gewählt, wär auch die männliche Schreibzunft vertreten. Wie sieht das Verhältnis bei euch aus?


Mittwoch, 24. Februar 2021

Das kleine Hotel in der Provence von Marion Stieglitz (Auberge de Lilly 1)

Klappentext: 
Lilly glaubt nicht mehr an die Liebe, seit ihr Freund Jan sie von heute auf morgen sitzen gelassen hat. Um ihn zu vergessen, beschließt sie nach Südfrankreich zu ziehen und ein kleines Hotel zu eröffnen: nur für Single-Frauen! In der Provence angekommen, erweist sich die charmante Villa, die Lilly kurzentschlossen gekauft hat, als Bruchbude, und auch sonst scheint alles viel komplizierter als gedacht. Dann taucht auch noch der attraktive Antiquitätenhändler Olivier auf und wirbelt ihren Traum vom Single-Leben gehörig durcheinander.




Lilly will sich von einem Tag auf den anderen ihren Traum erfüllen, den von einem kleinen Hotel in der Provence. Die Gelegenheit muss sie beim Schopf packen, denn ihr Freund hat eine andere und jetzt hält sie nichts mehr in Rostock. 

Schnell findet Lilly ein altes Hotel, und erst noch in der Nähe ihrer Freundin Valeska, die in Südfrankreich verheiratet ist und eine sechsjährige Tochter hat. Zusammen renovieren sie das leerstehende Haus und verwandeln es in ein kleines Hotel, in dem nur Frauen zu Gast sein dürfen - von Männern hat Lilly die Nase voll. Erst wird sie von Noah in London stehen gelassen, dann von Jan verlassen. 

Aber Valeska will Lilly unbedingt mit dem charmanten Antiquitätenhänder Olivier verkuppeln. Bald hat Lilly auch noch seine Tante als Gast. Aber die Komplikationen gehen erst los, als eine englische Reisebloggerin sich für eine Woche im Hotel einnistet. 

Mich hat die Geschichte um Lilly und ihre Auberge wunderbar unterhalten. Den Duft von Rosmarin, Lavendel, Thymian und Jasmin hatte ich in der Nase und ich konnte mir die originell eingerichteten Themen-Zimmer (z.B. Edith Piaf, Jane Austen und Mary Poppins) gut vorstellen. In solch einem Zimmer würde ich auch gerne übernachten und ich könnte mich gar nicht entscheiden in welchem, also würde es auf mindestens eine Nacht in jedem der Zimmer hinaus laufen. 

Ein wenig unrealistisch ist die Story ja schon, denn die Renovation geht blitzschnell vonstatten. Aber der leichte Schreibstil von Autorin Marion Stieglitz und die positive Stimmung tragen einem von der ersten bis zur letzten Seite und dort ist man erstaunt, dass der Roman schon zu Ende ist. 

"Das kleine Hotel in der Provence" ist eine (Lese-)Reise wert, humorvoll und auch ein kleines bisschen romantisch. Lilly ist eine tolle Protagonistin, ihre Freundin Valeska bringt Lilly oft wieder auf den Boden zurück. Die kleine Paula ist ein Goldschatz und Marianne de Boyer bringt als x-mal-Verheiratete das Flair der grossen weiten Welt mit. 

Fazit: Lesen und sich wohlfühlen - das kann man mit dieser Geschichte perfekt.
4 Punkte.

Reihenfolge:
(Die Romane können unabhängig voneinander gelesen werden, es ist aber doch schöner, wenn man weiss, wie Lilly zu ihrer Hotel kam)
Band 1: Das kleine Hotel in der Provence
Band 2: Lavendeltage in der Auberge de Lilly

Dienstag, 23. Februar 2021

Der Horizont in deinen Augen von Patricia Koelle (Ostseetrilogie 3)

Klappentext:
Berlin, 1989: Die junge Architektin Ylvi lernt in der Mauerfallnacht den Gärtner Theo kennen. Eine Begegnung, die ihr Leben auf den Kopf stellt, denn sie ist verheiratet – und jetzt ist sie schwanger. Als ihre Mutter, die auf Teneriffa lebt, stirbt, findet sie in deren Hinterlassenschaft einen Brief ihres Vaters. Er ist eine Beichte und eine Bitte. Ylvi reist nach Ahrenshoop an der Ostsee, um endlich zu erfahren, wer sie wirklich ist.





Die Geschichten von Henny und Nicholas konnte man in den ersten beiden Bänden der Ostseetrilogie mitverfolgen. Jetzt fehlt nur noch eins der drei Bernsteinschiffe, jenes von Myra. 

Doch wo es ist, weiss keiner. Es scheint mit dem Tod von Myras Tochter Liv verschollen zu sein. Was aber niemand auf Ahrenshoop ahnt: schon bald werden die drei Schiffe und die Familien wieder vereint sein.

Was die Geschichte von der Berlinerin Ylvi, die in der Mauerfallnacht ihre Tochter Remona zeugte, mit der von Ahrenshoop zu tun hat, erzählt Patricia Koelle in "Der Hoizont in deinen Augen". 

Architektin Ylvi ist unglücklich verheiratet. Als sie einige Jahre nach Remonas Geburt wieder zu arbeiten beginnt, blüht ihre Liebe zu Gärten auf. Sie schiebt es auf die Sehnsucht nach Theo, ihrem Mauerfallbekannten. 

Jahre später, auf Teneriffa, wie schon so oft in ihrem Leben, gesteht ihr bereits vor Ylvis Mutter verstorbener Vater in einem Brief ein grosses Geheimnis. Ihre und Remonas Neugier sind gross, ebenso die der Leser, die nun unbedingt herausfinden wollen, was da alles dahinter steckt. 

Myras Leben war weitaus interessanter als ich bisher angenommen hatte. Auch sie hat geliebt, doch es sollte nicht glücklich enden und so trauert und wartet sie noch immer auf ein mögliches Zeichen ihrer grossen Liebe. Ihre Geschichte fand ich fast noch eindrücklicher als die von Henny und Nicholas. Die Bernsteinbeschwörerin Myra hat mich beeindruckt mit ihrer Genügsamkeit, auch wenn sie oft schroff rüber kommt.  

Am Ende wartet noch eine kleine Überraschung auf. Hier sieht man, wie gut die Autorin ihre Trilogie geplottet hat. Nichts überlässt sie dem Zufall und so gestaltet sich das Finale enorm stimmig und gipfelt in einem ergreifenden Lesegenuss. 
 
Fazit: Man fühlt sich beim Lesen zärtlich umarmt, es fühlt sich an, als ob sich Koelles Worte und Sätze wie ein weicher Wollschal um des Lesers Schultern legt. 
5 Punkte. 

Reihenfolge:

Samstag, 20. Februar 2021

Das Licht in deiner Stimme von Patricia Koelle (Ostseetrilogie 2)

Klappentext: 
Die tiefen Wellen des Meeres. Die leise Stimme der Sehnsucht. Die langsame Rückkehr zu dir. Tiryn wächst an der Küste Floridas auf. Wenn sie Kummer hat, lauscht sie am liebsten den Geschichten ihres Großvaters Nicholas. Er erzählt von seiner Heimat, dem schmalen Land an der fernen Ostsee. Und er schenkt ihr ein Bernsteinschiff, in dem Erinnerungen geheimnisvoll bewahrt sind. Bald wünscht sich Tiryn nichts sehnlicher, als an die Ostsee zu reisen. Doch ist es ihre eigene Sehnsucht oder die ihres Großvaters? Und wie wird man sie in Ahrenshoop empfangen, wo Nicholas als Verräter gilt? Das Meer selbst und ein Fremder mit hellen Augen, den sie am Strand trifft, drängen sie zu einer Entscheidung.

Tyrin lebt und arbeitet in Florida. Doch tief in ihr drin ist eine grosse Sehnsucht nach der anderen Seite des Meeres, nach der Ostsee, von der ihr Grossvater ihr immer erzählte und die sie selbst im Meer sieht. Wann ist der richtige Zeitpunkt für ihren grossen Traum, die Reise nach Ahrenshoop? Kann sie ihre Mutter einfach sich selber überlassen oder soll sie abwarten, bis diese wieder einen Job hat? 

Ungeduldig wie ich war, ging es mir fast zu lange, bis Tyrin sich endlich auf die Reise macht. Doch Autorin Patricia Koelle hat den perfekten Augenblick erwischt. 

Von Nicholas haben die Leser*innen des ersten Bandes schon gehört. Er ist der Verlobte von Henny, der von einem Tag auf den anderen plötzlich verschwand. Als es soweit ist und Tyrin in Ahrenshoop ankommt, wollen die Bewohner nichts von Tyrin wissen, da ihr Grossvater als Verräter gilt. Doch was es mit Nicolas Verschwinden auf sich hat, überrascht alle. 

Dieses Rätsel um ihn und Henny wird in diesem zweiten Band erzählt, während Tyrin sich mit Myra anfreundet und sich auf Naurulokki einnisten darf. Den geheimnisvollen Nebelmann Claas bekommt man öfters zu Gesicht als noch im ersten Band und Kapitän Flömer überzeugt erneut mit seinem ruhigen Wesen und seinen Worten. 

Tyrin mag den alten Kapitän und seine Weisheiten und möchte, genau wie in Florida, Schmuck aus Meerglas und Strandfundstücken kreieren, aber gerne auch Bernstein verwenden. Sie will die Magie des Meeres einfangen, vor allem aber will sie herausfinden, wie man Gedanken in Bernstein einschliesst. Seit sie das zweite Bernsteinschiff bekommen hat, ist sie fasziniert von der Idee und bringt es mit nach Ahrenshoop.

Doch die Geschichte ist noch nicht vollständig, es fehlt das dritte Bernsteinschiff und somit bin ich nun auf das Finale, das uns im dritten Band erwartet, gespannt. 

Fazit: "Das Licht in deiner Stimme" erzählt eine eindrückliche Geschichte aus der Vergangenheit, die in der Gegenwart seinen Frieden findet.  
5 Punkte. 

Donnerstag, 18. Februar 2021

Top Ten Thursday 18.02.21 - Zehn Buchreihen, die ich in diesem Jahr beginnen oder weiterlesen möchte

"Top Ten Thursday" ist eine Aktion von Aleshanee von Weltenwanderer). Jeden Donnerstag stellt sie eine Frage, zu der man als Antwort Bücherlisten mit 10 Buchtiteln, Buchcovern oder ähnlichem erstellt. 



Zehn Buchreihen, die du in diesem Jahr endlich beginnen bzw. weiterlesen möchtest

Bei der heutigen Frage kann ich mich schamlos an meinen SuB halten:

Beginnen wollte ich schon letztes Jahr mit den Krimis von Alex Lepic (ein Pseudonym von Alexander Oetker). Ich hoffe, ich schaffe es im zweiten Halbjahr, dann passt nämlich auch "die stille Nacht" besser! 


Letztes Jahr habe ich Autorin Patricia Koelle entdeckt. Von der Ostseetrilogie hab ich die ersten beiden Bände gelesen, den dritten lese ich gerade, dann wäre diese Serie "geschafft". Die Inselgärten-Serie wird dieses Jahr abgeschlossen, da freue ich mich auf den dritten und letzten Band, der am 24. März erscheint. Gänzlich ungelesen, aber auf dem SuB wartend - aber ich denke, das sollte dieses Jahr klappen mit lesen - ist die Nordseetrilogie:


Dieses Jahr wird auch "Die Fotografin"-Serie von Petra Durst-Benning zu Ende gehen, *Finger kreuzen*. Ich habe erst den ersten Band gelesen, möchte die nächsten drei Teile sowie der bald erscheinende finale Band nun im 2021 zu Ende lesen. 


Letztes Jahr erschienen, aber die ersten zwei Bände der Herzbach-Serie von Janina Lorenz sind erst Anfang Januar auf meinem SuB eingezogen. Zwei weitere Bände erscheinen in diesem Jahr, ob ich die lesen werde, entscheidet sich nächste Woche, dann werde ich wissen, ob mir "Der kleine Ort zum Glücklichsein" und "Der kleine Chor der grossen Herzen" gefallen oder nicht.  


Ebenso wartend auf dem SuB befindet sich eine Trilogie von Heidi Swain: 


Dieses Jahr kommt eine neue Serie von Ella Thompson heraus, ich müsste aber erst mal die Lighthouse-Saga lesen:


Es ist komisch, denn ich dachte, ich hätte schon ganz viele Engelmann-Romane gelesen, doch ich hab in den letzen paar Jahren nur ganz wenige wirklich als gelesen notiert und deshalb wartet auf mich schon seit letztem Jahr: 


Die Firefly Lake-Serie von Jen Gilroy hab ich auf meine #12für2021-Liste gesetzt, damit sie dieses Jahr endlich gelesen wird. Die Cover mag ich schon mal sehr! 

 


Im September erscheint der letzte Band der "The Comfort Food Café"-Serie. Es ist aber der vorletzte Teil - der deutsche Verlag hat die beiden Bände umgestellt, so dass wir deutschsprachigen Leserinnen mit einem Weihnachtsband die Serie beenden. Ich bin skeptisch und mir noch nicht sicher, ob das eine gute Idee war. Einige Infos fehlten nämlich, da merkte man sehr gut, dass ein Band übersprungen wurde. 



Und, Trommelwirbel, ich bin garantiert nicht die Einzige, die sehnsüchtig auf den letzten Band der siebenteiligen "Die Sieben Schwestern"-Serie von Lucinda Riley wartet. Die Corona-Pandemie ist schuld daran, dass die Autorin ihre Recherchereise 2020 nicht machen konnte und deshalb kam "Die verschwundene Schwester" nicht wie geplant im Herbst 2020 heraus, sondern erscheint dieses Jahr am 24. Mai. 




Bei mir kommen noch weitere Krimiserien dazu, von denen es dieses Jahr neue Bände gibt, aber bei den Romanen wars das in etwa mit Serien. Wie sieht es bei euch aus?










Mittwoch, 17. Februar 2021

Erdbeerversprechen von Manuela Inusa (Kalifornische Träume 4)

Klappentext:
Amanda hat mit ihrer Familie viele glückliche Jahre auf ihrer Erdbeerfarm nahe Carmel-by-the-Sea verbracht, bis ihr Mann Tom vor achtzehn Monaten verstarb und sie mit ihrer Tochter Jane zurückließ. Jane verkraftet den Verlust ihres Vaters nur schwer, und auch für Amanda ist es nicht leicht, ohne ihren geliebten Tom weiterzumachen und sich allein um die große Plantage zu kümmern. Als ihre beste Freundin vorschlägt, an einer Trauergruppe teilzunehmen, rafft Amanda sich endlich auf und hofft, auf diese Weise besser mit ihrem Kummer klarzukommen. Was sie allerdings nicht ahnt, ist, dass sie dort eine ganz besondere Begegnung machen wird. Und sie erinnert sich an ein Versprechen, das sie einst ihrem Mann gegeben hat.

Ich habe ein ganz grosses Problem mit dem neuesten Band der "Kalifornische Träume"-Serie. Es geht nämlich kaum um Amanda, wie der Klappentext vorgaukelt. Auch fast nicht um Carter, den Amanda in der Trauergruppe kennenlernt. Vielmehr dreht sich circa 75% des Romans um die Teenie-Töchter von Amanda und Carter. Um Jane und Samantha. 

Beide haben ein Elternteil verloren, Jane vor 18 Monaten ihren Vater und Sam vor drei Jahren ihre Mutter. Wie sie mit dem Verlust und der Trauer umgehen, könnte gegensätzlicher nicht sein. Während Jane sich gehen lässt und eine unbändige Wut auf ihre Mutter hat, ist Sam zu allen nett und angepasst. Nett zu praktisch allen Leuten, vor allem zu ihrer kleineren Schwester Astor; angepasst vor allem in ihrer Clique, in der sich die It-Schüler der Montgomery School tummeln, zum Beispiel Lacrosse-Stars und Cheerleaders. Sams Freund Jeremy gehört zum Lacrosse-Team, sie ist Cheerleaderin. Jane besucht dieselbe Schule, gehört seit letztem Jahr aber zu den Freaks der Schule, und hat nur zwei Freunde. Cal und Aiden, wobei Jane praktisch nur mit Cal abhängt. 

Als sich Jane und Sams Eltern sich daten, sind beide nicht begeistert. Es ist nicht der beste Zeitpunkt, denn beide Teenager leiden akut unter Liebeskummer. Ihre Eltern glücklich zu sehen, wenn sie selbst unglücklich sind und mehr denn je den zweiten Elternteil vermissen, ist schwer. 

Die beiden Teenagerstorys werden durch einige wenige Kapitel unterbrochen, in denen es um Amanda und Carter geht. Ihre Geschichte ging mir viel zu schnell, sie hat auch keinen Platz um sich zu entwickeln, weil sich sonst alles um die Teenie-D(r)amen dreht. 

Erzählt ist das Ganze sonst relativ okay, einiges war mir viel zu einfach gelöst und es waren einige Szenen dabei, die man hätte weglassen können. Die Sache mit Chino auf der Erdbeerfarm zum Beispiel. Zusätzliches Drama, das nirgends hinführte und für den Roman nichts tat. 

Aber ich hätte niemals damit gerechnet, einen Teenieroman vorgesetzt zu bekommen. Wenn ich sowas lesen will, bediene ich mich im Kinderzimmer im Bücherregal, oder geh in die Jugendbuchabteilung in den Buchhandlungen. Aber im "Frauenromanregal" würd ich nie vermuten, dass sich da ein Teenieroman versteckt, genauso wenig würde ich hinter einer Tofu-Verpackung Fleisch erwarten.

Daher ist und bleibt der beste Roman der Serie "Orangenträume", dort stimmt alles.

Fazit: Wer Jugendbücher gerne liest, ist gut aufgehoben mit "Erdbeerversprechen". Wer einen Frauenroman lesen will, muss zu anderen Romanen greifen. 
3 Punkte. 


Reihenfolge: 
(Romane können unabhängig voneinander gelesen werden)
Band 1: Wintervanille
Band 2: Orangenträume 
Band 3: Mandelglück
Band 4: Erdbeerversprechen
Band 5: Walnusswünsche (ET 20.9)

Dienstag, 16. Februar 2021

Der Blumenladen der guten Wünsche von Lena Hofmeister

Klappentext:
Der Geruch von Erde, das üppige Grün der Sansevieria und darüber das vertraute Aroma von Großmutters Lieblingstee. Der Blumenladen war früher Charlotte ein zweites Zuhause und ihr geheimer Zufluchtsort. Jetzt ist sie nach Sommerbach heimgekehrt, um das Geschäft zu übernehmen und den alten Zauber in den Blumenladen zurückzuführen. Der kauzige Gärtner Knut und die unzuverlässige Verkäuferin Sheela machen es Charlotte leider mehr als schwer. Aber als sie das alte Buch ihrer Großmutter findet und beginnt, Sträuße mit Botschaften in der Sprache der Blumen zu verkaufen, wendet sich das Blatt. Und mit einem Mal scheint es für Charlotte plötzlich Rosen zu regnen.


Eine Sansevieria kommt zwar im ganzen Roman nicht vor, jedenfalls nicht unter diesem Namen, aber dafür ganz viele andere Blumen und Pflanzen. Diese befinden sich im Blumenladen, der Charlotte von ihrer Grossmutter erbte. 

Als sie nach vielen Jahren Abwesenheit den Laden zum ersten Mal wieder betritt, kennt sie den Laden kaum mehr. Viel Grünzeugs, aber keine Schnittblumen stehen im Angebot. Der mürrische Gärtner Knut will diese nicht abschneiden und es scheint, er will sich überhaupt nicht von seinen Pflanzen, die er in der Gärtnerei hinter dem Laden zieht, trennen. Doch damit der Laden überlebt, muss mehr als nur Trauerflor verkauft werden. 

Charlotte sieht sich aber noch mit weiteren Problemen konfrontiert: eine Klausel im Testament besagt, dass Sheela nicht gekündigt werden kann. Diese scheint das auszunützen und erscheint nur zur Arbeit, wenn es ihr passt. Unpünktlich ist sie sowieso und wenn sie dann mal vor Ort ist, hängt sie am Handy. 

Um sich ein wenig von ihren Problemen abzulenken, sowie um andere Leute in Sommerbach kennen zu lernen, wird sie von Sarah, einer früheren Schulfreundin, mit der Charlotte noch lose in Kontakt war, zu deren Gartenpartys eingeladen. Auf solch einem Fest trifft Charlotte aus Sven, in den sie in ihrer Schulzeit verliebt war, doch sie bekam damals eine Abfuhr und nimmt ihm das immer noch übel. Die beiden freunden sich wieder an - auch Sven kam wieder retour, um den Weinhandel seines Vater zu übernehmen, so haben sie Gesprächsstoff und kommen sich wieder näher. 

Die Geschichte wird von Lena Hofmeister flüssig erzählt. Die beiden wichtigen Punkte im Roman, der Blumenladen und Sven, werden toll miteinander kombiniert. 

Es hätte aber noch viel Platz gehabt für mehr Tiefe, wie auch für mehr Details. Die Autorin hat sich einige Dinge also sehr leicht gemacht, es schrammt gerade noch knapp an der Oberflächlichkeit vorbei. Deswegen hätte ich mir ein bisschen mehr Auseinandersetzung bzw. Genauigkeit beim Beschreiben einiger Szenen gewünscht. 

Zum Beispiel beim Blumenladen. Denn der ist nicht einfach nur ein Blumenladen. Die Blumen und Topfpflanzen kommen aus der eigenen Gärtnerei, Charlotte muss also keine Blumen aus dem Blumengrossmarkt dazu kaufen, wie das normalerweise die meisten Blumenläden machen. Was ich auch gerne wissen würde, wo befand sich die Wohnung der Grossmutter? Oberhalb des Blumenladens? Und wo genau hat sich Charlotte eingenistet? Wie weit entfernt vom Blumenladen und wieso konnte sie die Wohnung der Grossmutter nicht übernehmen? 

Die Idee mit den Blumenbotschaften war mir nicht neu, davon hab ich schon in vielen Romanen gelesen, umgesetzt wurde sie hier nicht so ausführlich, aber ausreichend gut. 

Trotz meiner Kritikpunkte hat mich der "Der Blumenlanden der guten Wünsche" sehr gut unterhalten. Denn zwischen Dahlien, Kamillen und Weinreben fühlt man sich einfach wohl, und so hab ich Roman an einem Abend gelesen. 

Fazit: Ein schöner und gemütlicher Unterhaltungsroman. 
4 Punkte. 


Montag, 15. Februar 2021

Die Frau von Montparnasse von Caroline Bernard (MFzKuL 17)

Klappentext:
Paris, 1929: Die junge Simone will studieren – und schreiben. Dann begegnet sie Jean-Paul Sartre, Enfant terrible, Genie und bald ihr Geliebter. Sie schließen einen Pakt, der ihre Liebe und dabei sexuelle Freiheit sichern soll. Gemeinsam formulieren sie die Philosophie des Existenzialismus, sind der Mittelpunkt der Pariser Bohème. Doch ihren Traum vom Schreiben kann Simone nicht verwirklichen – die Verlage lehnen ihre Texte als »unpassend« ab. Und auch um die Beziehung zu Sartre muss sie kämpfen. Denn: Wie lässt sich eine große Liebe mit dem Streben nach Freiheit vereinbaren?



Sie wusste schon immer, dass sie nicht in die Fussstapfen ihrer Eltern treten will. Sie will denken, schreiben, unabhängig sein - was sich in ihren jungen Jahren erträumte, ging schlussendlich in Erfüllung und so wurde Simone de Beauvoir nicht nur die erste Frau, die in Frankreich Knaben in Philosophie unterrichtete, sondern auch Mitbegründerin des Existenzialismus und Gründerin des modernen Feminismus. 

Simone fand in den 20er und 30er Jahren keine Vorbilder für freie Frauen und entschloss sich, selbst ein Vorbild zu werden. Sie führte ein unkonventionelles Leben, hatte um sich ihre "Familie", eine Patchworkfamilie, die aus Freunden bestand. Doch bis es soweit kam, musste sie sich lange und gründlich überlegen, welches Leben sie führen will - und auch immer wieder hinterfragen. 

De Beauvoir steht anfangs zwischen drei Männern. Doch schnell war klar: keine Beauvoir ohne Sartre und umgekehrt. Sie waren sich extrem nah, sassen fast 24/7 aufeinander, lasen gemeinsam, sie redeten, diskutierten, schrieben - über Gefühle, über einfach alles. Nach dem Lesen von "Die Frau von Montparnasse" ist mir deshalb auch klar, wieso ich in meiner Erinnerung nur immer Fotos von diesem extravagantem Paar sah und nie Foto von ihnen alleine. 

Caroline Bernard erzählt extrem dicht von Simones Leben bis 1951 und lässt gefühlt nichts aus. Die Autorin schreibt auch über einen enorm wichtigen Teil in Simones Leben, nämlich über den Pakt, den Sartre und de Beauvoir geschlossen haben: ein unverheiratetes Paar zu sein. Erst mal für zwei Jahre, doch sie verlängerten diesen unromantischen Pakt immer wieder. Mit den Zufallslieben, die sie sich gestatteten, mussten sie lernen umzugehen. Ebenso wie sich diese auch zu erlauben, was Simone de Beauvoir erst schwer fiel. Für mich hörte sich dieser Pakt kompliziert an, denn er gab Simone zwar die Möglichkeit frei zu sein, zwang sie aber auch dazu, mit vielen Heimlichkeiten zu leben.

Die Autorin streicht in ihrem Roman deutlich heraus, dass Simone de Beauvoir in ihrem Denken und ihrer Philosophie sehr viel praktischer und menschlicher war als Jean-Paul Sartre. Emotionen gehörten dazu, Sartre blendete diese aus. 

Trotz aller Erfolge litt Simone de Beauvoir zeitlebens daran, dass Frauen als nicht selbstständig denken gesehen wurden. Dabei ist sie es, der Sartre so viel von seiner Philosophie verdankt. Und einmal mehr beweist sich, mögen einige auch noch so ein unkonventionelles Leben führen: Hinter jedem berühmten Mann steht eine starke Frau - die oft mehr zu sagen hat, als der Mann selbst. 

Fazit: Sehr interessante Romanbiografie über die grosse Denkerin Simone de Beauvoir, der eindrücklich zeigt, wie sie zu der Philosophin wurde, für die sie heute berühmt ist. 
4 Punkte. 



Reihenfolge der "Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe"-Serie:
Band 1: Madame Picasso von Anne Girard - Eva Gouel
Band 2: Die Tochter des Malers von Gloria Goldreich - Ida Chagall
Fiktionaler Zwischenband: Rendezvous im Café de Flore von Caroline Bernard
Band 3: Die Tänzerin von Paris von Annabel Abbs  - Lucia Joyce
Band 4: Die Malerin von Mary Basson - Gabriele Münter
Band 5: Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe von Michelle Marly - Coco Chanel
Band 6: Die Muse von Wien von Caroline Bernard - Alma Mahler
Band 7: Die Dame in Gold von Caroline Trierweiler - Adele Bloch-Bauer 
Band 8: Marlene und die Suche nach Liebe von C.W. Gortner - Marlene Dietrich 
Band 9: Madame Piaf und das Lied der Liebe von Michelle Marly - Edith Piaf
Band 10: Die Malerin des Nordlichts von Lena Johannson - Signe Munch
Band 11: Frida Kahlo und die Farben des Lebens von Caroline Bernard - Frida Kahlo
Band 12: Die Diva von Michelle Marly - Maria Callas
Band 13: Grace und die Anmut der Liebe von Sophie Benedict - Grace Kelly
Band 14: Die Tochter des Zauberes von Heidi Rehn - Erika Mann
Band 15: Miss Guggenheim von Leah Hayden - Peggy Guggenheim
Band 16: Romy und der Weg nach Paris von Michelle Marly - Romy Schneider
Band 17: Die Frau von Montparnasse von Caroline Bernard - Simone de Beauvoir