Mittwoch, 10. Februar 2021

Krimireihe: Rabbi Klein von Alfred Bodenheimer (Band 1-5)

2015 erschien der erste Band der "Rabbi Klein"-Krimireihe von Alfred Bodenheimer. Der Ermittler ist der Gabriel Klein, Rabbi der grössten jüdischen Gemeinde Zürichs.

Im ersten Band "Kains Opfer" geht es um den Tod eines Primarlehrers, im zweiten Band "Das Ende vom Lied" wird eine Frau vom Zug überfahren. In "Der Messias kommt nicht", dem dritten Band, nimmt sich Klein ein Sabbatical und arbeitet einige Monate an der Uni Basel, wo es im Umfeld der Basler Gemeinde zu einem Mordfall kommt. Im vierten Band "Ihr sollt den Fremden lieben" wird Klein beinahe Zeuge am Mord eines Fernsehmoderators und im fünften Band "Im Tal der Gebeine" stirbt Kleins reiche Grosstante, kurz nachdem er sie besucht hat.



Die Krimifälle sind jeweils sehr spannend. Kommissarin Bänziger und ihr Assistent Drulovic brauchen Kleins Hilfe im ersten Band und fortan ist sein Ermittler-Instinkt erwacht, denn in jedem Fall kennt er die Opfer, oder mindestens jemandem im Umfeld der Opfer, persönlich. Als Rabbi ist er ja auch Seelsorger und hat dadurch einen Zugang zu den Opferfamilien oder Verdächtigen. 

Sehr oft steht er im Clinch mit sich selbst, weiss nicht, was er der Polizei verraten soll und was verschweigen. Gedanklich ist er der Kommissarin oft voraus, bringt sich selbst aber auch in Schwierigkeiten. 

Seine Frau Rikva ist nicht sehr begeistert über Kleins Fähigkeit, sich in die Fälle zu verbeissen. Dabei wäscht sie ihm oft den Kopf und sagt ihm klar, was sie von ihm erwartet - ich mag sie! Ihre beiden Töchter Dafne und Rina bringen sich auch oft ein und sorgen für den einen oder andern Schmunzler. Kleins Sekretärin Frau Wild ist eine verlässliche und ruhige Nebenfigur. Ärgern tut sich der sympathische Rabbi eigentlich nur über sich selbst und über Tobias Salomon, einem Vorstandsmitglied der Gemeinde, der sich immer wieder grundlos einmischt und sich als des Rabbis Chef aufspielt. Ha, es ist halt doch überall gleich, egal welcher Religion man angehört - ich hatte auch solche Salomons in meinem Leben, und kann Rabbi Klein bestens verstehen, wenn er seinen Job an den Nagel hängen will und sich lieber der Wissenschaft verschreiben möchte. 

Immer hängt der Mord auch mit einem biblischen Thema, um das sich Rabbi Klein gerade Gedanken macht, zusammen. Ganz der jüdischen Tradition entsprechend ist die Exegese vielfältig und eröffnet neue Ansichten, neue Wege den Text von einer anderen Seite anzuschauen. Mir als Theologin und Religionspädagogin machte das natürlich viel Spass.

Schauplatz der Serie ist Zürich. Als Einwohnerin der Stadt geniesse ich es, nicht nur die Örtlichkeiten zu kennen, sondern auch einige der erwähnten Synagogen von innen gesehen zu haben, die ich im Rahmen meines Studiums und später in einer interreligiösen Weiterbildung besuchen durfte. Beim Lesen von Band 1 hab ich erfahren, dass ich früher mal auf den Zürcher Golan-Höhen gewohnt habe ;-) Auch im Basler Band fühlte ich mich heimisch, arbeitete ich damals genau vis-a-vis der Basler Synagoge. 

Für mich war die "Rabbi Klein"-Serie also nicht nur erinnerungsträchtig, sondern auch kurzweilige Unterhaltung. Die Kriminalfälle sind genau nach meinem Geschmack: interessant und unterhaltsam, sie brachten mich oft zum Lachen, beinhalteten immer einen oder mehrere theologische oder philosophische Gedanken, die man festhalten kann, und informativ, weil ich neue Begriffe aus dem Judentum kennengelernt habe. 

Fazit: Die kurzen Kriminalfälle sind keine Seite zu lang und keine zu kurz. Gut gefüllt mit spannenden Handlungen werden sie zu einer vergnüglichen und geistreichen Lektüre.
4 Punkte. 

Reihenfolge:
Band 1: Kains Opfer
Band 2: Das Ende vom Lied
Band 3: Der Messias kommt nicht
Band 4: Ihr sollt den Fremden lieben
Band 5: Im Tal der Gebeine
Band 6: Der böse Trieb 

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