Dienstag, 16. Mai 2023

Sonntags am Strand von Alexander Oetker

Klappentext:
Es ist der 15. August, Ferragosto, ganz Italien urlaubt, und der Strandabschnitt von Strandwärter Enzo ist so voll wie nie. Hingebungsvoll kocht er für seine Gäste Spaghetti Carbonara, und zwar erstmals nach dem Rezept seiner verstorbenen Frau. Er ist nicht der Einzige, der sich an diesem zauberhaften Sommertag für etwas Neues öffnet – unter seinen Augen vollzieht sich ein kleines Wunder: Vier ganz unterschiedliche Paare finden im Laufe der Stunden in seinem Bagno zusammen, sehen sich zum ersten Mal richtig an, oder erkennen, wie sehr sie sich selbst im Wege standen und finden die Liebe wieder.



Schauplatz des neuen Romans von Alexander Oetker ist ein Bagno an der italienischen Adria. Seit Jahren hält Enzo, der Betreiber des Bagno, strikt an seinem Tagesablauf fest, Sonntags besonders, denn da kommen viele Stammgäste. 

Etwa Signor Conte, der einheimische alte Fischer, der Sonntags den ganzen Tag an Enzos Bar sitzt, die Familie aus der Stadt, bestehend aus den Eltern Giulia und Davide mit ihren kleinen Zwillingen und dem Teenie-Sohn Giacopo, Signora Ada aus dem Dorf und das junge Paar Felice und Alberto aus Turin. 

Der Autor lässt uns solch einen Sonntag miterleben, in dem er diesen Tag beschreibt. "Da waren drei Farben: Das Weiss des Sandes, das Blau, des Himmels. Die dritte Farbe war ein leuchtendes Gelb". Ein Sonntag wie jeder andere. Oder doch nicht? 

Sprachlich sehr schön erzählt der Autor, wie sich Davide und Giulia bereits bei der Anfahrt in die Haare bekommen, wie Alberto scheinbar keine Lust auf nichts hat, während man sich als Leser*in fragt, wieso Felice noch an der Beziehung hängt und Giaocopo dabei zusieht, wie er sich um seine kleinen Geschwister kümmert und sich endlich traut, mit einer Mitschülerin zu sprechen, die sich ebenfalls am Strand aufhält und wie sich die Inhaberin des Bagno nebenan mit Enzo konkurrenziert.

Es ist eine ruhige Erzählung, die es aber in sich hat. Oetker ist ein guter Beobachter. Noch ahnt man, als Enzo (und wohl alle anderen Charaktere) das Bagno bei Sonnenaufgang, all'alba, startklar macht und über seine Besucher nachdenkt, noch nichts von den Geschehnissen des Tages, die in der Nacht, la notte, enden. Themen sind Beziehungen und die Liebe, l'amore, aber auf eine ganz feine, leise Art. Auch die Überraschungen, die sich im Laufe der Geschichte, des Tages, ergeben, kommen genauso leise daher. Es ist ein wenig, als ob man als Leser*in neben Signor Conte sitzt - vielleicht eher am anderen Ende der Theke, man möchte ja niemanden stören und selbst nur beobachten. Am Ende legt man das Buch mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht zur Seite und denkt sich "schön wars". 

Nach "Mittwochs am Meer", dem jetzigen "Sonntags am Strand" wird es im Oktober mit "Stille Nacht im Schnee" einen weiteren Roman des Autors in diesem Stil geben. Nachdem ich "Mittwochs" und "Sonntags" gelesen habe, bin ich sehr neugierig auf die "Stille Nacht". 

Fazit: Sonntags am Strand (oder auf dem Sofa, im Garten, auf dem Balkon oder im Freibad) lesen! 
5 Punkte. 


Mittwoch, 10. Mai 2023

Krimi: Südlich von Porto lauert der Tod von Mariana da Silva (Ria Almeida 1)

Klappentext:
Wie flüssiges Silber glänzt der Atlantik vor dem portugiesischen Küstenort Torreira, als Ria Almeida in der alten Heimat ihrer Eltern ankommt. Die Stuttgarter Polizistin ist für die Beerdigung ihres geliebten Großvaters angereist, doch die Trauerfeierlichkeiten werden vom Tod einer jungen Frau im Ort unterbrochen. Niemand ist darüber entsetzter als Dorfpolizist João, seines Zeichens Ehemann von Rias Cousine und eher mit Falschparkern als mit Leichen vertraut. Zunächst wirkt es, als handle es sich um einen tragischen Unfall. Aber dann verschwindet die Leiche über Nacht – und João und Ria ermitteln wider Willen in ihrem ersten gemeinsamen Fall.



Das Cover von "Südlich von Porto lauert der Tod" überzeugt auf den ersten Blick. Die ersten Seiten leider noch nicht. Es wird von Ria Almeida erzählt, die nach der Beerdigung von ihrem Grossvater für vier Wochen in ihrem Heimatort in Portugal bleibt, um sich hier zu erholen und zu überlegen, wie sie ihre Zukunft gestalten möchte. 

Der Kriminalroman beginnt mit vielen Erklärungen zur Verwandtschaft von Ria, was langweilig daher kommt. Dazu wird ständig angedeutet, dass mit Ria was war, dass sie Wunden lecken muss, dass sie mal "richtige" Polizistin war. Aber erklärt, weshalb sie aktuell "nur" auf Streife geht in Stuttgart, wo sie lebt, wird erst viel später. Die Erklärungen konnte ich dann zwar nach vollziehen, aber mir wurde das zu aufgebauscht im Voraus.

Nachdem die tote Frau aufgefunden wurde, nimmt der Krimi endlich Fahrt auf. Der Dorfpolizist Joao Pinto, der Schwager von Ria, nimmt Ria mit, damit sie ihm bei den Ermittlungen hilft. Es ist Ria, die Joao auf einen möglichen Mord hinweist. Erst als die Leiche verschwindet, wird auch Joao skeptisch. Mit einem Mord hatte er es noch nie zu tun, da kann fachliche Hilfe nicht schaden. Die kommt dann auch noch in Gestalt von Kommissar Joaquin Vitor Baptista aus Aveira nach Torreira - ihm wird verschwiegen, dass Ria gar nicht auf diesem Polizeiposten arbeitet. Niemand weiht ihn ein, nicht Joaos Frau, zugleich seine rechte Hand, Mariposa und auch nicht Rias Kinderfreund Nuno, der als Bestatter arbeitet - ihm kam die Leiche abhanden. 

Dieses Verschweigen fand ich nicht glaubwürdig, denn zumindest der Bürgermeister, mit dem die drei Ermittler zu tun haben, müsste ja wissen, dass sie nur einen Polizisten im Dorf haben. Unglücklich gewählt ist zudem der Name dieses Dorfpolizisten: auch wenn Joao Pinto in Portugal wahrscheinlich ein Allerweltsname ist, sollte man nicht unbedingt Namen wählen, die bereits von anderen Kommissaren in Portugal-Krimis (so viele gibt es ja nicht) besetzt sind. In der Reihe um Anabela da Silva von Carolina Conrad heisst der eine Kommissar nämlich Joao zum Vornamen und der andere Pinto zum Nachnamen. Das hat mich ständig irritiert, weil ich immer an diese beiden denken musste. 

Wenn man dies alles ausblendet, macht dieser erste Band um Ria Almeida aber Spass. Da es nur wenige Verdächtige sind, kann man gut mit rätseln und sich dann doch überraschen lassen. Spannung kommt nicht auf, aber der Fall ist unterhaltend und interessant. 

Das Setting, wie der Titel es sagt, südlich von Porto gelegen, finde ich gut gewählt, da es doch einige andere Portugal-Krimis gibt, die Lissabon, die Algarve und Porto schon umfassen.

Die Kapitelüberschriften - portugiesische Wörter, die erklärt werden und später im Kapitel vorkommen - sind eine schöne Idee, nicht nur für Leser*innen, die diesen Krimi in den Urlaub vor Ort mitnehmen. Die Abende, die die vier Freunde Ria, Nuno, Joao und Mariposa bei Onkel Bruno verbringen, bringen Atmosphäre und kulinarische Leckerbissen mit ins Buch. 

Fazit: Nach dem holprigen Anfang wird es dann doch noch interessant und ich wurde, bis auf die kritisierten Szenen, gut unterhalten. Ob ich die Auflösung gut finde, weiss ich noch nicht, aber ich kann mit dem Ende leben. Ich freue mich auf weitere Bände, denn das Ermittlerteam macht Lust auf mehr. 
4 Punkte. 


Reihenfolge:
Band 1: Südlich von Porto lauert der Tod




Donnerstag, 4. Mai 2023

TTT Top Ten Thursday 04.05.23 - Zehn Bücher, deren Titel mit M beginnen

"Top Ten Thursday" ist eine Aktion von Aleshanee von Weltenwanderer. Jeden Donnerstag stellt sie eine Frage, zu der man als Antwort Bücherlisten mit 10 Buchtitel, Buchcover oder ähnlichem erstellt. 



Zeige zehn Titel, die mit dem Buchstaben M beginnen 

Ich hätte locker je eine Liste mit "Mord...- an, in, im, auf" und dicht gefolgt von Anreden wie "Madame, Monsieur, Mademoiselle, Miss, Mister" hinbekommen. Ich hab mich dann für einen Mix von allen möglichen M's entschieden. 






Habt ihr auch so eine Geballheit an Anreden oder "Mordiges" bei euch gefunden?

Montag, 1. Mai 2023

Monatsvorschau und Neuerscheinungen im Mai 2023

Der Mai wird hellblau, zumindest was die Cover betrifft - deshalb ein rosa Foto, zum Gegensteuern ;-) Nur zwei von neunzehn Bücher haben nichts Blaues auf dem Cover.

Blau mach ich nicht beim lesen, trotzdem wird es im Mai ein bisschen ruhiger, was die Neuerscheinungen betrifft. Oder sagen wir es so: ich möchte nur wenige Mai-Bücher zeitnah lesen. 


Darunter ist der neunte Fall für Pierre Durand "Provenzalische Täuschung", "Bretonisch mit Sturm", "Der Fall San Marino" und "Sonntags am Strand". Letzteres werde ich heute beginnen zu lesen. Unbedingt auch lesen werde ich den neuesten Band der "Madame le Commissaire"-Reihe. Eigentlich hatte ich ihn erst im Juni auf dem Schirm, das TB erscheint auch wie geplant am 1. Juni, aber das eBook wurde anscheinend doch noch auf heute, den 1. Mai vorgezogen. 

Und noch eins wird zeitnah gelesen. Nämlich sobald es in 10 Tagen auf meinem Reader liegt. Wie so viele andere Leserinnen warte ich äusserst gespannt auf "Atlas - Die Geschichte von Pa Salt" von Lucinda Riley und Harry Whittaker. Es ist das Buch, auf das ich mich 2023 am meisten freue - und gleichzeitig auch traurig bin, denn es wird der letzte Lucinda Riley-Roman sein. Okay, ich hab noch zwei ältere Romane auf dem SuB liegen, aber durch ihren frühen Tod wird es keine weiteren Romane mehr von ihr geben.

"Das Leuchten von Lavendel" und "Chiemseeträume" (und das, obwohl ich den ersten, sub'enden Band noch nicht gelesen habe, aber das eBook ist gerade super günstig) und liegen ebenfalls bereits auf meinem Pocketbook, aber die wandern erst mal auf den SuB bis Sommer. 

Über die #litloveontour Aktion habe ich die gebundene Ausgabe von "Am Horizont wartet die Sonne" bekommen. Ebenfalls im Paket dabei waren "Adas Fest" von Katrin Burseg, "Agnes geht" von Katja Keweritsch, "Muschelträume" von Svenja Lassen und "Mein unfassbar kompliziertes Leben" von Mimi Steinfeld. Auch diese litLove-Romane müssen warten, denn ich hab noch einige ungelesene Rezensionsexemplare von März und April in den Mai mitgenommen (siehe "Lesemonat und Monatsrückblick April 2023").








Mit auf der Liste hab ich "Der Tote in der Dorfkirche", der Auftakt eine Cosy-Krimireihe aus England, das hört sich interessant an, hoffe er ist gut, könnte nämlich genau mein Beuteschema sein (erinnert sich jemand an die amerikanische Pfarrersfrau-Reihe vor etwa 15 Jahren? Mrs irgendwas, Namen hab ich vergessen, so etwas würde ich gern wieder lesen). Auch auf den zweiten Siena Carciofine-Krimi und den ebenfalls zweiten Cannes-Band von Sabine Vöhringer bin ich neugierig.

Anne Barns kommt mit einem neuen Roman daher, er könnte ein bisschen anders als die bereits bekannten Romane von ihr sein. Sophie Claire und Debbie Macomber wandern auch auf den Sommer-SuB. Das "Zitronenhain-Mädchen" lese ich evt. schon im Juni, es hört sich interessant an. 

Auf der LBM bin ich über "Dunkel der Himmel, goldhell die Melodie" gestolpert. Ich dachte erst, der Roman hätte was mit einer ihrer Reihen zu tun, doch es ist ein Stand Alone und es geht um die Oper in Dresden um 1841. Und möchte deshalb von mir gelesen werden :-)

Somit sind es bei mir nur fünf Neuerscheinungen, die ich im Mai sicher lesen möchte. Wie sieht es bei euch aus? 

Lesemonat und Monatsrückblick April 2023

Leider wurde der April bei mir nicht wirklich entspannter als der März - aber immerhin kam ich in der ersten Hälfte wieder zum Lesen. Doch das wars dann leider auch, denn in den beiden letzten Wochen hab ich nur wenig gelesen. 


Schuld daran war letzte Woche dann aber "nur" die Leipziger Buchmesse. Zwischen Mittwoch und Sonntag hab ich gar nichts gelesen und an den erwähnten Tagen nur kurz im Flugzeug. 

So waren es wieder nur 8 gelesene Bücher im April. Bis auf eins aber alle gut. Und das eine dafür dann richtig schlecht. 

Wäre "Das Bücherschiff des Monsieur Perdu" erstens kein Rezensionsexemplar gewesen und hätte es zweitens keinen super tollen Vorgänger gehabt ("Das Lavendelzimmer" ist eins meiner Lieblingsbücher), ich hätte abgebrochen. So wollte ich aber unbedingt wissen, ob es nicht doch noch interessanter wird, was leider nicht der Fall war. Wie in meiner Rezension geschrieben: manchmal sollte man es einfach bei dem einen Bestseller lassen und dann etwas ganz anderes schreiben, als dreimal über dasselbe Thema und dabei immer uninteressanter zu werden. 

"Die Insel der Orangenblüten" von Fiona Blum war auch ein wenig anders als erwartet - sehr melancholisch irgendwie. Die Rezension dazu steht noch aus, ebenso die von "Die schlafenden Geister des Lake Superior" von Ben Aaronovitch - den ich an der LBM leider nur aus der Ferne, sprich 20 Meter etwa, gesehen habe. Seine Lesung war überfüllt und die Signierstunde wohl auch. Die hab ich mir aber nicht angetan.

2 Punkte:

4 Punkte:
- Dunkle Verbindungen von Gil Ribeiro (Lost in Fuseta 6) 
- Das verschwundene Fräulein von Elsa Dix (Seebad-Krimi 4) 



5 Punkte:
- Kretische Nacht von Nikos Milonas (Michalis Charisteas 5) 
- Das Glück in den Wäldern von Patricia Koelle (Sehnsuchtswald 2) 
- Die Kinder von Beauvallon von Bettina Storks 
- Die schlafenden Geister des Lake Superior von Ben Aronovitch (Kimberley Reynolds 1) 



Bis auf das oben erwähnte Buch von Fiona Blum war nur "Die Kinder von Beauvallon" von Bettina Storks ein Stand Alone, alle anderen Bücher sind Fortsetzungen. 

Der Roman über Dieulefit, also "Die Kinder von Beauvallon", ist sehr eindrücklich - für mich ein weiteres Jahres-Highlight! "Das Glück in den Wäldern" von Patricia Koelle war wie Urlaub - ich freu mich auf Band 3, der im Herbst erscheint. "Kretische Nacht" war wieder super schnell und spannend, bei "Dunkle Verbindungen" fehlte nicht viel für 5 Punkte, die bekam aber der erste Kurzroman über Kimberley Reynolds, eine amerikanische FBI-Mitarbeiterin, die in den Peter Grant-Romanen schon öfters vorkam. Jetzt durften wir sie bei ihrem Einsatz begleiten. 

"Das verschwundene Fräulein" war leider der vierte und letzte Band der Seebad-Krimireihe. Mir haben alle Bände sehr gut gefallen und ich hätte wirklich noch einen, nur einen Band mehr gelesen. Die, die ihn gelesen haben, wissen wahrscheinlich, auf was ich neugierig wäre - ich müsste spoilern, um mehr zu sagen, deshalb nur soviel dazu. 

Ja, das wars dann zu meinem Lese-April. Ausser, dass noch viele Rezensionsexemplare ungelesen blieben, acht insgesamt plus zwei Mai-Bücher. (Hallo Sommer / Florentia - Im Glanz der Medici / Kirmes im Kopf / Aller Tage Hoffnung / Mord in Bordeaux / Südlich von Porto / Mallorquinische Strafe / Das Haus der Sommerfreundinnen). 

Mehr zu den Mai-Büchern gibt es gleich im nachfolgenden Post. Mein Lesemonat kommt aufgrund der LBM einen Tag später als üblich, deshalb gibts Rückblick und Vorschau direkt nacheinander. 

Mehr zur LBM werde ich in einem Extra-Post im Laufe der Woche schreiben. Heute bin ich jedenfalls froh, dass ich keine Schuhe anziehen muss und nicht weiter als vom Schlafzimmer zur Küche zum Büro zum Bad und zurück laufen muss ;-) Heute ist nur *Erholen von der LBM* angesagt, wir haben zum Glück heute einen Feiertag!

Wie war euer April? Lasst mal hören!




Donnerstag, 20. April 2023

Das Bücherschiff des Monsieur Perdu von Nina George (Monsieur Perdu 3)

Klappentext:
Vier Jahre sind vergangen, seit der Buchhändler Jean Perdu sein Bücherschiff, die "Pharmacie Littéraire" verließ, und den Aufbruch in eine neue Liebe mit der Bildhauerin Catherine in der Provence wagte. Doch die in einer Zeitkapsel aufbewahrte letzte Bitte des Schriftstellers José Saramago an Monsieur Perdu lockt ihn zurück, in das Herz seiner Leidenschaft: Bücher und Menschen zusammen zu bringen, und für jede Seelen-Maladie die wirksamste Lektüre zu empfehlen. Auf der gemeinsamen Reise mit Max Jordan über die Kanäle Frankreichs nach Paris wird das Bücherschiff des Monsieur Perdu bald zu einer Arche, auf der sich Menschen, Kinder, Tiere – und Bücher! – begegnen, die einander für immer verändern. Und das große Abenteuer Leben hält für jeden von ihnen einen zweiten Anfang bereit – auch für Monsieur Perdu.


Ich liebte "Das Lavendelzimmer" (und auch "Die Mondspielerin"), "Südlichter" kam nicht mehr so bei mir an, aber ich hoffte auf "Das Bücherschiff des Monsieur Perdu". Doch leider konnte mich dieser Roman mit dem schönen Cover noch weniger überzeugen als die "Südlichter". 

Es scheint, als ob Monsieur Perdu eine Midlife-Crisis durchmacht. Er ist mit nur 55 Jahren behäbig, fühlt sich alt und lässt eher andere für ihn entscheiden. Er ist gegen die moderne Technik, aus Angst, dass sie ihn, den Bücherapotheker ersetzen könnte - anstatt das Beste daraus zu nehmen. Ihm wird geraten wieder als Buchhändler auf seinem Bücherschiff zu arbeiten, weil er so unzufrieden wirkt und in seinem Beruf sicher glücklicher sei als aktuell in der Provence. 

Bis er wieder auf dem Schiff unterwegs ist, vergeht ein Drittel des Buches. Bis hierhin hatte ich unendlich lange, ich kam und kam nicht vorwärts, hab das Buch immer wieder weggelegt und dickere Bücher in viel kürzerer Zeit gelesen, dann dieses wieder in die Hand genommen. Aber die Story packte mich gar nicht. Ich hätte jederzeit abbrechen können, - und ich stand wirklich kurz davor - weil der Lesefluss gar nicht erst in Gang kam durch die unendlich vielen Unterbrechungen der Enzyklopädie-Auszügen. Ich las nur aufgrund der Hoffnung, dass ich doch noch einen Funken Zauber vom "Lavendelzimmer" finde, das ich damals so geliebt habe, weiter. 

Die Geschichte ist auch schnell erzählt: Jean Perdu wird, wie erwähnt überredet, nach Paris zurück zu kehren und dort sein Bücherschiff, seine literarische Apotheke, wieder in Betrieb zu nehmen und einen Nachfolger dafür finden. Auf der Reise schliessen sich ihm und Max wenige Personen an. Über diese und seine Kunden wird berichtet. 

Diese Geschichten, selbst der kurze Gastauftritt des französischen Präsidenten, konnten mich nicht abholen. Zudem wirkt Perdu lebensfremd, zumindest ist er der modernen Welt gegenüber nicht aufgeschlossen und hat Mühe, sich auf Neues einzulassen. Dass er erst auf der Flussreise nach Paris selbst merkt, dass er sich auf das neuerliche Arbeiten als Buchhändler-Apotheker freut, fand ich reichlich spät. Er will anderen "Medizin" verschreiben, merkt selbst aber nicht, was ihm fehlt. 

Die vielen Auszüge aus der Enzyklopädie immer am Ende eines Kapitels stören den Lesefluss der eigentlichen Geschichte enorm - der Roman wäre nur halb so lang ohne diese Auszüge, die wie eine Lesebremse wirken. Auch die vielen Schachtelsätze und Zusätze verlängern die Geschichte ohne Geschehen künstlich. Ja, der Weg ist das Ziel, meistens ist es so, aber der Weg sollte halt auch einigermassen interessant sein. Das ist er hier leider nicht. 

Die Autorin kann wundervoll schreiben, doch hier übertreibt sie es und der Sprachstil wirkt künstlich aufgeplustert. Manchmal wünscht man sich Fortsetzungen von Büchern, weil man wissen möchte, wie es mit den Protagonisten weiter geht. Manchmal ist es aber besser, wenn man es bei dem einen wunderbaren Bestseller belässt und sich anderen Themen schriftlich annähert anstatt die eine Story immer wieder weiter zu spinnen - und die Leserschaft nur noch gelangweilt ist davon.  

Anstatt nochmals einen Jean Perdu-Roman wäre die Veröffentlichung seiner Enzyklopädie meiner Meinung nach die bessere Idee gewesen. Da könnte man hin und wieder einen Eintrag lesen und wäre glücklich.

Fazit: Die Luft ist raus, es ist eine gescheiterte Lesebeziehung zwischen mir und dem "Bücherschiff" - beziehungsunfähig, wie es in der Enzyklopädie der literarischen Apotheke heisst. 
2 Punkte. 


Reihenfolge:

TTT Top Ten Thursday 20.04.23 - Welche zehn Bücher möchtest nochmals lesen

"Top Ten Thursday" ist eine Aktion von Aleshanee von Weltenwanderer. Jeden Donnerstag stellt sie eine Frage, zu der man als Antwort Bücherlisten mit 10 Buchtitel, Buchcover oder ähnlichem erstellt. 



Welche zehn Büchern würdest du nochmals lesen?

Ich habe schon viele Bücher mehrmals gelesen. In den letzten Jahren zwar immer weniger, weil man als Buchbloggerin ja oft schon bei den Neuerscheinungen nicht mit dem Lesen nachkommt. Aber trotzdem schaffe ich es jedes Jahr mindestens einen Titel nochmals zu lesen. 

Dieses Jahr war es zum Beispiel "Die kleine Bucht in Kroatien", die ich ein paar Jahre zuvor auf Englisch gelesen habe. Letztes Jahr wollte ich "Koriandergrün und Safranrot" nochmals lesen, das hab ich allerdings dann nicht geschafft, steht aber immer noch auf meiner "Re-Read"-Liste, genau so wie folgende Bücher:







Den ersten Band der Schwester Fidelma-Reihe werde ich sicher mal wieder lesen, um den Beginn nochmals mitzubekommen (jetzt nach über 30 Bänden an der Zeit). Die Jahreszeiten-Trilogie von Nora Roberts hab ich zwar schon zwei Mal gelesen, ein drittes Mal ist auf jeden Fall drin. Ebenso Barbara Woods "Traumzeit". Dann nochmals lesen möchte ich auch einige Bomann-Romane, die ich vor meiner Bloggerzeit gelesen habe, und die mir damals sehr gut gefallen habe. Ebenso Bücher von Eric-Emmanuel Schmitt wie zum Beispiel "Monsieur Ibrahim". Zwei neue Titel sind auch mit dabei, nämlich die Kew Gardens-Bücher - über Frauen, die im 2.Weltkrieg in London in den Kew Gardens gegärtnert (und ganz vieles andere auch noch erlebt) haben. 

Daneben hab ich noch andere vor allem ältere Bücher, die ich auch wieder mal lesen möchte, einige Philosophie-Romane und Bücher über Künstler.