Montag, 9. Februar 2026

Histo: Traum und Schicksal von Marie Lacrosse (Montmartre 2)

Klappentext:
Paris 1889: Elise Lambert und Valérie Dumas wurden am selben Tag geboren. Sonst haben die beiden Frauen nicht viel gemeinsam. Nach der Eröffnung des Moulin Rouge steigt Elise Lambert rasch zum Star des Tanz-Ensembles auf. Darunter leidet ihre Freundschaft mit der Tänzerin La Goulue. Obwohl der Maler Toulouse-Lautrec sie durch seine Werke immer bekannter macht, betrachtet La Goulue Elise zunehmend als Konkurrentin. Die Situation eskaliert, als sich ein reicher Adeliger für Elise interessiert. Unterdessen heiratet die aus gutem Hause stammende Valérie Dumas auf Drängen ihres Vaters den konservativen Künstler Baptiste Germain. Sie findet sich nur mühsam in den engen Schranken dieser Ehe zurecht und kämpft weiter um ihre eigene Zukunft als Malerin. Können Elise und Valérie ihre großen Träume verwirklichen?


Wie es im Leben von Elise und Valérie weitergeht, erzählt Marie Lacrosse im zweiten Band ihrer "Montmartre"-Reihe hier nahtlos weiter. Valérie Dumas muss heiraten, um das Ansehen ihrer Familie zu retten und Elise beginnt nach ihrer schweren Verletzung wieder zu arbeiten.

Die Arbeit im Moulin Rouge wird nicht nur durch ihren Neuanfang geprägt, sondern auch durch den neuen Chef, der neue Programme und Programmpunkte einführt, welches die Konkurrenz der Tänzerinnen anstachelt. Besonders Louise wird immer eifersüchtiger und lässt sich so manche Gemeinheit einfallen. Elise überfällt die Angst vor einer erneuten Verletzung und somit vor der Zukunft, denn in wenigen Jahren sind ihre Tage als Tänzerin aufgrund ihres Alters gezählt. Wie soll sie ihre Familie dann ernähren? Andere Tänzerinnen werden als Kurtisane reich, ein Lebensentwurf über den sie nachdenkt, aber noch fehlt Elise die dafür nötige Einstellung, denn ihre moralischen Werte sind hoch angesetzt. 

Nach dem ersten Erstarrtsein im Gefängnis ihrer Ehe mit Baptiste ist die erneute Begegnung mit Vincent van Gogh ein Lichtblick für Valérie. Seine Nachtbilder ermutigen sie, anders zu malen, ihrem Instinkt zu folgen. Sie entpuppt sich als geschickte Verhandlerin und hat Baptiste damit in der Hand. Doch wie lange?

Des Weiteren begleiten wir auch Simone, Elises Schwester, die ganz unten angelangt ist. Man hofft mit ihr, dass ihr die Flucht aus ihrem Elend gelingen wird. Auch mit André, Elises Ex-Freund, gibt es ein Wiedersehen. In diesem Band bewegt er sich in der politischen Szene. Der Maler Henri de Toulouse-Lautrec spielt weiterhin eine verbindende Rolle zwischen den Welten der beiden Protagonistinnen, die sich diese Mal zwar nicht persönlich begegnen, nur von weitem, sie haben aber trotzdem sehr viele Berührungspunkte.

Marie Lacrosse lässt den zweiten Band in den Jahren 1889 bis 1895 spielen. Jahre, in denen in Frankreich vieles passiert: die zehnte Weltausstellung 1889 in Paris; am 1. Mai 1890 wird zum ersten Mal der Tag der Demonstration gefeiert, ein Jahr später werden Demonstranten getötet; in der Sacré Coeur wird die achtgrösste Glocke der Welt, die "Savoyarde" eingesetzt; der Panama-Skandal wird öffentlich bekannt; Alfred Dreyfus wird ungerechtfertigt verurteilt; spürbar auch das Aufkeimen eines aggressiver werdenden französischen Nationalismus. Dieses Zeitgeschehen wird eingebunden in diese Fortsetzungsgeschichte von Elise und Valérie. 

Dicht gewebt erzählt die Autorin natürlich auch von der Geschichte der Moulin Rouge und der Künstlerszene in Paris. Dies alles hat sie sehr gründlich recherchiert. Am Ende des Buches geht sie noch darauf ein, was alles fiktiv oder gegebenenfalls passend für den Roman umdatiert wurde. Durch so viele verschiedene, aber sehr gut und passend eingebundene Elemente wurde auch "Traum und Schicksal" wieder ein seitenstarkes Buch. Im Gegensatz zu Band 1 wurde ich hier stärker gefesselt vom Schicksal der Protagonistinnen und der anderen Charaktere. 

Dennoch kam das Ende für mich sehr abrupt. Im eBook wird man davon aus heiterem Himmel überrascht und merkt erst, dass die vorherige Seite schon das Ende war, wenn man auf Seite 475/491 plötzlich merkt, dass dies kein neues Kapitel, sondern bereits das Nachwort ist. Das Ende jedoch lässt jedem offen, wie er sich die Biografien der Protagonistinnen zu Ende denken möchte, es gibt aber auch der Autorin die Gelegenheit, irgendwann vielleicht doch noch die Leben von Elise und Valérie weiter zu spinnen. 
 
Fazit: Eine intensiv erzählte Geschichte zwischen Tanz, Kunst, Kirche, Puff und Politik. Lesenswert!  
4 Sterne.


Dienstag, 3. Februar 2026

Liebesrausch von Charlotte von Feyerabend

Klappentext: 
Paris, 1931. Als Anaïs Nin den zwölf Jahre älteren Henry Miller trifft, wird ein Feuer entfacht: Beide inspirieren sich nicht nur literarisch, zwischen ihnen brennt auch eine ungezügelte Leidenschaft. Das Leben mit allen Sinnen zu fassen, alle Schranken zu sprengen und dafür die perfekten Worte zu finden, das streben beide an – koste, was es wolle. Sie tanzen auf den rauschendsten Festen und lassen ihrer Fantasie freien Lauf. Doch während sich Henry voll und ganz den Exzessen hingibt, führt Anaïs auch eine konventionelle Ehe mit Hugo, der sie über alles liebt und finanziell für sie und ihre Künstlerfreunde sorgt. Den emotionalen Spagat zwischen Hemmungslosigkeit und Konventionen kann Anaïs nur in ihren berühmt-berüchtigten Tagebüchern verarbeiten: Gehören Erotik und Sinnlichkeit in den Mittelpunkt des Lebens? Und darf man dafür die Menschen belügen, die einen lieben?


Charlotte von Feyerabend hat sich der anspruchsvollen Aufgabe gestellt, eine Romanbiografie über zwei schwierige Charaktere zu schreiben. Die Autorin zeichnet in "Liebesrausch" eine schonungslos ehrliche Anaïs Nin und einen oft sehr wütenden und gefrusteten Henry Miller. 

Von ihm hab ich in meinen Jugendjahren "Das Lächeln am Fusse der Leiter" gelesen und ich dachte, ich hätte auch von Anaïs etwas gelesen, bin mir aber aktuell gar nicht mehr sicher - und nach "Liebesrausch" werde ich nichts mehr von ihr lesen, das reicht nun völlig aus. 

Im Roman wird zwar viel über die Vergangenheit von Anaïs erzählt, er spielt aber ausschliesslich in ihren Pariser Jahren, von 1931 bis 1936, und stellt neben Anaïs Innenleben auch ihre Beziehung zu Henry Miller in den Mittelpunkt. Anaïs war verheiratet, aber trotzdem mit Henry liiert, ausserdem war sie fasziniert von Henrys Frau June, die sich - zum Glück für alle Beteiligten - nur selten in Paris aufhielt, und unterhielt weitere Affären mit ihrem Therapeuten. 

Trotz ihres unkonventionellem Liebesleben und trotz ihrer Unfähigkeit Missbrauch festzustellen - gerade sie, die sich für Psychoanalyse interessierte und später zeitweise als Therapeutin arbeitete - kommt sie meistens sympathisch daher. Im Gegensatz zu Henry bleibt Anaïs Ehemann, Hugo Guiler, immer eine Nebenfigur. Dennoch lag ihr viel Wert an ihm, was die Autorin auch gut vermittelte. Besonders eine Szene fand ich bezeichnend, als Anaïs zwecks Aufklärung mit ihm gemeinsam ein Bordell aufsuchte.  

Die Lektüre war aber leider nicht durchgehend fesselnd, was wahrscheinlich den fast immer gleichen, repetitiven Tätigkeiten (Diskutieren und Liebe machen) und Örtlichkeiten geschuldet ist. Man trifft sich entweder im Haus von Anaïs und Hugo in Louveciennes oder bei Henry in Paris. Viel mehr gibt das Leben der beiden Protagonisten nicht her, obwohl dieser Satz jetzt auch missverständlich klingen könnte. Natürlich hatten sie aufregende Leben, das hier aber auf oben Genanntes zusammen geschoben wurde. Zudem ist es aus heutiger Sicht unvorstellbar, dass man damals ohne richtige Ausbildung Therapien durchführen konnte, vor allem, wenn man selbst unter Traumata leidet. 

Die Printausgabe ist sehr schön aufgemacht, auf dem Innenumschlag ist der Stadtplan von Paris abgedruckt und die verschiedenen Wohnorte eingezeichnet. Am Ende des Buches finden sich noch einige Rezepte. Nette Idee, aber für diesen Roman eigentlich überflüssig. 

Fazit: Einerseits ist diese Romanbiografie ein interessanter Einblick ins Leben von Anaïs Nin und Henry Miller, andererseits machen einem es die Charaktere nicht leicht, ihre Geschichte nachzuvollziehen.  
3.5 Sterne.




Sonntag, 1. Februar 2026

Neuerscheinungen und Monatsvorschau Februar

Büchermässig beginnt der Frühling bereits im Februar - die Anzahl der Neuerscheinungen sind wieder gestiegen und so ist auch meine Februar-Auswahl mit 20 Titeln für Anfangs Jahr relativ hoch ausgefallen. 


Neben einigen Krimis stehen viele zeitgenössische plus zwei historische Romane auf meiner Liste. Wer jetzt genau zählt, kommt auf einen Titel mehr. 

Dieser Titel ist nämlich schon länger erschienen, aber da Band 2 im Februar rauskommt und die beiden Bücher die einen oder andern von euch auch interessieren könnten, zeige ich ihn euch auch jetzt. Es ist das Sachcomic "Die Frau als Mensch" und äusserst empfehlenswert für alle geschichtlich Interessierten. Band 2 zieht nach Erscheinungstermin bei mir ein. Vielleicht rezensiere ich die beiden im Februar dann noch. 

Ähnlich verhält es sich mit "Prep". Dies ist keine Neuerscheinung, sondern eine Neuauflage. Grund dafür dürfte wohl sein, dass in "Mittelalte Frauen" von Curtis Sitterfield eine Protagonistin auftaucht, die aus "Prep" bekannt sei. Von der Autorin hab ich mal "Vermählung" (eine Jane Austen "Stolz und Vorurteil"-Adaption) gelesen, das hatte ich damals abgebrochen, deshalb werde ich in ihre andern Bücher nur unverbindlich reinlesen. 






  


Einziehen dürfen einige Titel von der Februarliste, doch die lege ich erst mal zur Seite, da ich noch einiges von den letzten Monaten abzulesen habe und deshalb für diesen Monat keine Rezi-Exemplare angenommen habe.

Heute bereits eingezogen ist der Auftakt der neuen Reihe von Julie Caplin, der erste Band der "Vintage Kleiderträume" - ich mag die Autorin (von der "Bloomsbury"-Reihe) - und dann hörte sich "Sommer, Glück und Ringelblumen", Schweden und Blumen, einladend an. Im Laufe des Monats werden ausserdem "Hold me in Summer" und auch "Das Salz in der Luft" einziehen. Beides sind Reihen-Fortsetzungen. 

Lesen werde ich zusätzlich, ebenso nicht zeitnah, auf jeden Fall die drei Krimis und bei Gelegenheit vielleicht auch die anderen noch nicht genannten Titel. Die beiden historischen Bücher irgendwann ebenso, aber "Der Rosenhof" hat über 600 Seiten, und da ich nicht gerne so dicke Bücher lese - davon hatte ich im Winter eh grad zu viel - kommen deshalb erst mal die unter 450-seitigen Bücher zum Zug.

Zwischendurch ein dickes Buch ist okay, aber zu viele davon in einem Monat mag ich nicht lesen. Was mir aber im Februar bevorsteht und ich im gestrigen Januar-Rückblick schon durchblicken liess. Auch ein Grund, wieso ich auf den den 2026 Neuerscheinungsliste kaum Bücher mit mehr als 500 Seiten zeigen werde, weil ich weiss, dass die einfach auf dem SuB liegen bleiben.

Wie sieht es bei euch im Februar aus? Welche Neuerscheinungen ziehen bei euch ein, welche werdet ihr irgendwann lesen und welche SuB-Bücher möchtet ihr im Februar davon befreien?