Samstag, 14. November 2020

Teatime mit Lilibet von Wendy Holden

Klappentext:
England, 1932: Im Alter von 22 Jahren wird Marion Crawford die Lehrerin von Prinzessin Elisabeth und ihrer Schwester Margaret. Als Marion ihre Stelle im englischen Königshaus antritt, ist sie schockiert. Das Leben im Schloss hat nichts mit der Realität zu tun. Vor allem Lilibet, die zukünftige Königin, wächst Marion ans Herz. Als überzeugte Sozialistin macht Marion es sich zur Aufgabe, Lilibet das echte Leben zu zeigen. Sie fährt mit ihr Metro und Bus, geht in öffentliche Schwimmbäder und macht Weihnachtseinkäufe bei Woolworth’s. Ihr Einfluss auf die zukünftige Queen ist gewaltig. Doch Marion ahnt nicht, wie sehr sich auch ihr eigenes Leben durch die Royals verändern wird.


Tee trinken mit der Queen? Kein Ding für Marion Crawford, allerdings tat sie dies in Lilibets Kinder- und Jugendjahren, also bevor Lilibet zu Queen Elizabeth II. gekrönt wurde. 

Crawfie, wie Marion im Palast genannt wird, kommt als Gouvernante zur Herzogin von York um Elizabeth und Margaret zu unterrichten. Erst mal für einen Probemonat - hätte man ihr gesagt, dass sie 16 Jahre lang im Dienst der britischen Krone stehen würde, hätte Marion dies als Erste nicht geglaubt. 

Sie versucht den beiden Prinzessinnen das Alltagsleben normaler Bürger zu zeigen, indem sie die beiden mit anderen Kindern zusammen bringt, sie ins Kino oder ins Selbstbedienungsrestaurant mitnimmt. Trotzdem werden Crawfies Bemühungen immer wieder torpediert. Hat ihre "Operation normal", wie sie den Unterricht für Lilibet nannte, überhaupt gefruchtet?

Darüber kann man nach der Lektüre von "Teatime mit Lilibet" nachdenken. Ich denke, es ist Marion teilweise trotz allem gelungen. Zu sehen zum Beispiel daran, dass alle Nachkommen der Royals seither richtige Schulen besuchten und nicht mehr ausschliesslich zu Hause unterrichtet wurden. Welchen Preis aber zahlte Crawfie dafür? Unglückliche Beziehungen, Einsamkeit und am Ende eine grosse Enttäuschung. 
 
Spannend fand ich, dass man die Charaktereigenschaften der Prinzessinnen schon von klein auf genau sah. Die pflichtbewusste Lilibet und die lebenslustige, sich immer zu kurz gekommen sein fühlende Margaret, die immer im Schatten ihre grossen Schwester stand, welche ihr viel später ihr Liebesglück nicht gönnte und ihr nicht erlaubte, ihre grosse Liebe Peter Townsend zu heiraten. 

Ein ganz anderes Bild als zuvor habe ich nach dem Lesen des Romans von der Queen Mom. Ich kannte von ihr aber auch nur Bilder und Berichte als sie bereits 75 und älter war und fand ihr Gin-Tick witzig. Hier aber kommt sie sehr schräg und eisern rüber in ihren Ansichten und ich dachte oft: zum Glück ist sie nur die Frau des Königs. Am besten gefiel mir aber Marions Dozentin Mrs Golspie mit ihrem Ansatz, auch der Adel brauche gute Lehrer, denn dann kann ein Umdenken statt finden. 

"Teatime mit Lilibet" ist ein absolut interessanter und faszinierender Bericht über die Kindheit der jetzigen Queen und ihrer Schwester. Einen Blick hinter die Palastmauern zu werfen, aus praktisch erster Hand zu erfahren was die Yorks zu Wallis Simpson dachten, was ihnen im Alltag wichtig war, was weniger, wie sie die Kriegsjahre verbrachten (z.B. wurden auch die Royals rationiert), fand ich total aufschlussreich. 

Beworben wird der Roman mit "die wahre Geschichte". Was davon aber alles wahr ist oder nicht, ist nicht ersichtlich. Das ergäbe sich wahrscheinlich wenn man Marion Crafwords "The litte Princesses" gelesen hätte. Ich denke, vieles ist wahr und so oder ähnlich abgelaufen, dennoch stört mich die Anpreisung mit diesem Attribut. 

Der Roman ist ein Muss für "The Crown" - Gucker und für alle Geschichte-Interessierte, denn er beschreibt ein eindrückliches England-Bild zwischen 1932 bis 1948, geschrieben aus einem bisher noch nie da gewesenen Blickwinkel. 

Fazit: Absolut lesenswerte 528 Seiten!
5 Punkte. 



Dienstag, 10. November 2020

Krimi: Die Sünden der Gerechten von Peter Tremayne (Schwester Fidelma 31)

Klappentext:
Irland 671: Als Fidelma und Eadulf in dem kleinen Ort Cloichin eintreffen, wollen die aufgebrachten Dorfbewohner, angeführt vom Priester, gerade einen Mann hängen. Der Wanderarbeiter soll einen wohlhabenden Bauern und dessen Familie ermordet haben. Fidelma rettet den Mann gerade noch vor einem grausamen Tod. Bei ihren Ermittlungen erweist sich die Idylle des Dorfes als trügerisch – die Bewohner scheinen viele dunkle Geheimnisse zu haben. Doch bevor Fidelma herausfindet, ob der Wanderarbeiter wirklich schuldig ist, wird am nächsten Tag seine Leiche entdeckt.



Auf diesen Band war ich sehr gespannt. Nicht nur weil ich dieses Jahr mein zwanzigstes Schwester-Fidelma-Lesejubiläum feiere, sondern auch weil der letzte Band so schwach war und schlechte Laune versprühte. 

Ich nehm es vorweg: "Die Sünden der Gerechten" ist total spannend und gefiel mir ausserordentlich gut. 

Für einmal haben die Ermittlungen so gar nichts Politisches an sich, was sich sehr wohltuend las. Fidelma und Eadulf sind nach einem Anlass auf dem Heimweg und noch zwei Tagesritte von Cashel entfernt. Auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit gelangen sie gerade noch rechtzeitig nach Cloichin und können verhindern, dass ein Mann gehängt wird. 

Wer Fidelma kennt, weiss, wie sie auf eigenmächtige und nicht mit dem Gesetz übereinstimmende Vergeltungstaten reagiert. Angeführt von einem Mönch, der denkt, er stehe über Fidelma, sind nicht nur die Dorfbewohner, sondern auch der junge Schultheiss voreingenommen. Eadulf und Fidelma haben es deshalb nicht leicht, besonders da sich am Ende der Mord an der Bauernfamilie als perfider Plan herausstellt. 

Ich konnte diesen historischen Krimi gestern Nacht kaum aus der Hand legen - natürlich musste ich ausgerechnet heute sehr früh aufstehen. Es empfiehlt sich also, ihn an einem Wochenende zu lesen, damit nach einer langen Lesenacht morgens der Wecker nicht klingelt. 

Die 31 Bände wurden bisher - wenn ich richtig gezählt habe - von vier Übersetzern übersetzt. Die ersten zehn Bände wurden von Friedrich Baadke übersetzt, "Tod bei Vollmond" übersetzte Susanne Olivia Zylla. Circa siebzehn Bände tragen die Handschrift von Irmhild und Otto Brandstädter und erst die neueren drei Titel wurden von Bela Wohl ins Deutsche übertragen. Mir ist bei diesem "Mord im Paradies", so der Untertitel im Buchinnern, aufgefallen, dass die aktuelle Übersetzung im Gegensatz zu den älteren Bänden sehr modern daher kommt. 

Dass Peter Tremayne plötzlich seinen Schreibstil änderte, wage ich zu bezweifeln und laste die teilweise sehr zeitgemässe moderne Ausdrucksweise in diesem Band der neuen Übersetzerin an. Es liest sich so natürlich einfacher und bequemer, will in meinen Augen aber nicht recht ins Mittelalter passen. Der Spannung tut die neumodische Sprache aber keinen Abbruch.

Fazit: Enorm fesselnder unpolitischer Fall für Fidelma und Eadulf. 
5 Punkte. 


Reihenfolge: 
Band 1: Nur der Tod bringt Vergebung (= Serienvorstellung)
Band 32: Tod den finsteren Mächten 
Band 33: Das Pestschiff

Montag, 9. November 2020

Das Lächeln der Libellen von Patricia Koelle (Inselgärten 2)

Klappentext:
Juna kämpft sich nach dem Tod ihres Mannes zurück ins Leben. Linnea muss sich nach einer Trennung und Turbulenzen im Job neu orientieren. Als die beiden Frauen sich begegnen und Freundschaft schließen, merken sie, wie sie sich gegenseitig Mut geben und inspirieren können. Eine gemeinsame Reise führt die beiden vom Spreewald, über Stralsund und Rügen auf die Insel Hiddensee, wo sie das Geheimnis eines goldenen Libellenanhängers lüften wollen, den Juna einst geerbt hat. Die Faszination für Libellen teilen beide ebenso wie den Wunsch, den Blick auf die kleinen, zauberhaften Dinge im Leben zu lenken. Schon bald finden sie auf Hiddensee einen längst vergessenen Inselgarten, der nicht nur die Erinnerung an vergangene Zeiten bewahren soll, sondern auch für die Libellen und viele andere selten gewordene Lebewesen ein neues Zuhause schafft. Können die beiden Frauen durch dieses Projekt ihren eigenen Platz im Leben wiederfinden – und vielleicht sogar die Liebe? 


Im zweiten Teil der Inselgärtenserie stehen zwei Frauen im Vordergrund. Die 53jährige Juna und die knapp 30jährige Linnea. 

Juna hat einige Schicksalsschläge hinter sich. Sie wohnt an einem wunderschönen Ort am Wasser im Spreewald. Doch den soll sie, zumindest kurz, verlassen, um sich in Hiddensee auf die Spur einer Libelle zu machen und somit Wilhems letzten Wunsch zu erfüllen. Bis es soweit ist, lernen die Leser abwechselnd Junas Leben und jenes von Linnea kennen. 

Juna und Linneas Wege treffen sich eines Tages. Beide sind dabei ihre Leben neu zu justieren und merken bald, dass sie sich dabei gegenseitig helfen können. Gemeinsam suchen sie nach den Hintergründen von Wilhelms Libelle - eine spannende Reise mit vielen Überraschungen wartet auf die beiden Frauen und auf uns Leserinnen. 

Libellen fand ich schon immer faszinierend und mochte sie sehr. Aber jetzt, nachdem mir Patricia Koelle diese hübschen Insekten hier auf eine spezielle Weise näher brachte, gehören sie definitiv zu meinen Lieblingstieren. Sie haben einen grossen Stellenwert in diesem schönen Roman mit dem perfekten Titel "Das Lächeln der Libellen". Es ist ein toll durchdachter Plot, es geht um Ökologie und Klimawandel, die Geschichte überzeugt. 

Aber viel wichtiger: der Roman hat so viel Leben in sich. All die bildlichen Beschreibungen der Gärten und Landschaften, die man am liebsten sofort mit eigenen Augen sehen möchte. All die Emotionen der Charaktere, ihre Geschichten, die so hoffnungsvoll und gleichzeitig auch tröstend sind.

Natürlich vergass die Autorin auch nicht die Verbindung zum ersten Teil, zu "Die Zeit der Glühwürmchen". Es gibt mit Remy ein Wiedersehen in Mervins Garten und ich kann euch sagen, auch der neue Garten, der am Ende dieses Bandes entsteht, ist mindestens genauso entzückend. Ich bin ganz sicher nicht der einzige Bücherwurm, der sich solch einen Garten wünscht oder die Erste sein möchte, die sich in diesen wunderbaren Garten setzt und Libellen - mit Flügeln wie Kirchenglasfenster - beobachten möchte. Am Ende lächeln nicht nur die Libellen, sondern auch die Leserinnen. 

Fazit: Ein Buch wie eine Umarmung - poetisch und doch so bodenständig. 
5 Punkte.


Freitag, 6. November 2020

Krimi: Der verschwundene Gärtner von Gitta Edelmann (MacTavish & Scott 1)

Klappentext: 
Die frisch nach Edinburgh gezogene Finola ist aufgeregt: Sie hat ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt, ist nun Detektivin - und ihr erster Fall lässt nicht lange auf sich warten. Zunächst soll sie nur herausfinden, ob Amanda, eine Freundin ihrer Chefin Anne, von ihrem Mann betrogen wird. Doch als Amandas Onkel unerwartet verschwindet, reist Finola kurzerhand bis an die Westküste Schottlands, um einem Hinweis nachzugehen. Und bei der zunächst harmlosen Suche nach dem verschwundenen Gärtner geht es plötzlich um Leben und Tod für Finola!




In "Canterbury Symphony", einer anderen Krimiserie von Autorin Gitta Edelmann, hatte es sich für mich bereits abgezeichnet, dass Ella in der Versenkung verschwindet und es mit der dort neu hinzugekommenden Figur Finola weitergeht. 

Genauso ist es. Mit MacTavish & Scot beginnt die Autorin eine neue Serie mit Finola als Protagonistin. Diese zieht von der Isle of Sky nach Edinburgh, weil sie bei Anne Scott einen Job als Detektivin bekommen hat. Gleich an ihrem ersten Arbeitstag beginnt Finola mit einer Observation. Bis der Onkel der Mandantin verschwindet und Finola sich auch noch auf die Suche nach diesem macht. 

In diesem ersten Band erfährt man vieles über die Hintergründe zur Detektei und lernt die neuen Charaktere - Chefin Anne, Computergenie Larchie, Cupcake-Bäckerin Laurie - kennen. Die Figuren haben Potential, mal sehen, was die Autorin aus ihnen in den nächsten Bänden, wovon der 2. Band bereits im Dezember erscheint, macht. 

Da Finola vor allem observiert, passiert krimimässig bis auf die letzten Seiten nicht sehr viel. Spannung war für mich nicht vorhanden, denn da ich mich mit einem bestimmten Thema auskenne, war für mich gleich klar, wo man genau hinschauen müsste. 

Die Autorin bleibt ihrem Schreibstil treu und wer die Ella/Canterbury-Serie mochte, wird auch diese neue MacTavish & Scott-Serie mögen. Es handelt sich dabei um sehr gemütliche Cosy-Krimis, die von mir aus gerne an Spannung zulegen dürften. 

Einen halben Punkt zusätzlich gebe ich als Einstiegsbonus, und weil das Cover sehr passend zum Inhalt gewählt wurde. 

Fazit: Typischer erster Band einer neuen Krimiserie, in der erst mal alles erklärt wird und somit alles gemächlich abläuft. 
3.5 Punkte.


Reihenfolge:
Band 1: Der verschwundene Gärtner
Band 2: Ein Cupcake für den Mörder (ET 21. Dezember 2021)
Band 3: Tod eines Künstlers (ET 26. Februar 2021)


Donnerstag, 5. November 2020

Krimi: Ein weisser Schwan in Tabernacle Street von Ben Aaronovitch (Peter Grant 8)

Klappentext:
Peter Grant, unser Londoner Lieblings-Bobby und Zauberlehrling, steht vor völlig neuen privaten Herausforderungen. Welche ihn zu gleichen Teilen mit Panik und Begeisterung erfüllen. Beruflich bekommt er es mit der Serious Cybernetics Company zu tun, dem neuesten Projekt des Internet-Genies Terrence Skinner. Und prompt holt die Magie ihn wieder ein. Denn in den Tiefen der SCC ist ein Geheimnis verborgen: eine geheime magische Technologie, die bis weit ins 19. Jahrhundert zurückreicht, dem Zeitalter von Ada Lovelace und Charles Babbage. Und die brandgefährlich ist für die gesamte Welt.



Peter Grant ist suspendiert und braucht einen neuen Job. Den bekommt er in der Sicherheitsabteilung einer Computer-Firma. Anstatt Menschen arbeiten bei SCC "Mäuse", es gibt Spielzimmer, Essen aus aller Welt, viel künstliche Intelligenz und irgendwo eine Ratte - die Peter entdecken soll und der, haha, natürlich nicht suspendiert ist, stattdessen glaubhaft Undercover arbeitet.  

Die Szenerie am Firmensitz erinnert mich an die Google Büros. Doch während ich dort einiges verstehe, war das bei SCC nicht der Fall. Wenn man Angestellte einmal als Mäuse bezeichnet, geht das in Ordnung, aber pausenlos? Dann die vielen Spiele-Namen, die mir absolut nichts sagten. Da hätte der Autor beim Schreiben auch dran denken können, dass seine Bücher nicht nur in England verkauft werden. Und vor allem auch, dass nicht alle seine Leser "Per Anhalter durch die Galaxie" gelesen haben. 

Im Nachhinein habe ich nämlich herausgefunden, dass ganz viele Wortspiele (die ich jeweils als "könnte witzig sein, wenn man die Hintergründe kennen würde" überlas) und die ganzen Namen wie z.B. "Vogonen" (Hä?) auf den Büchern/Film von Douglas Adams basiert. "Deep Tought" kann man ja aus dem Zusammenhang erahnen, aber alles andere war für mich gleich Bahnhof. Die Rahmenhandlung bekommt man mit ohne die Vorlage zu kennen, aber Galaxie-Leser raffen dann sicher auch noch die kleinsten Witze und können daher sicherlich auch an den richtigen Stellen lachen.

Ben Aaronovitch hat ein rasantes Erzähltempo drauf in "Ein weisser Schwan in Tabernacle Street". Der deutsche Titel, im Besonderen der weisse Schwan, erschliesst sich mir auch am Ende des achten Bandes noch nicht, aber das passt ja dann auch zum für mich teilweise unverständlichen Inhalt. Adams- und Technikfans werden deshalb auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen. Für mich war dieser Band bis auf das Unverständliche einfach unterhaltend. Es geht um Rechenmaschinen, die Ada Lovelace und Charles Babbage "programmierten" und irgendwann in Kontakt mit dem Übernatürlichen kamen. Hier kommt Peter Grant und das Team vom Folly ins Spiel. 

Wegen einem Umbau spielen sich nicht so viele Szenen wie in den anderen Büchern im Folly ab. Peter lebt nun hauptsächlich bei Beverly, die mit Zwillingen schwanger ist, so dass Peter auch im Privatleben kaum zur Ruhe kommt - aber das ist man sich ja schon gewohnt. 

Während die Geschichte eigentlich ganz interessant war, empfand ich den Schluss nicht überwältigend, sondern eher verworren. Der Autor baute auf über 400 Seiten ein Riesengebilde um diese Maschinen auf, das sich zum Finale quasi mit einem Plopp auflöst. Das wars?

Wie bereits in Band 7 habe ich am Ende auch hier das Gefühl, dass gewisse Dinge nicht restlos geklärt sind. Entweder denke ich zu viel oder der Autor brauchte zu viele Seiten und Fantasie für seine Storys, weswegen am Ende jeweils beides nicht mehr in grösserem Umfang zur Verfügung stand und es nur noch für einen kleinen Plopp reicht. Mal sehen, vielleicht legt er die für mich losen Enden irgendwann zusammen und führt alles zu einem schlüssigen Serienende zusammen. 

Fazit: Ein, bis auf das lasche Ende, sehr unterhaltsamer Band, von dem ich aufgrund mir unbekannter Andeutungen auf andere Medien, wohl nur die Hälfte verstanden habe. 
4 Punkte.


Reihenfolge:
Band 8: Ein weisser Schwan in Tabernacle Street

Dienstag, 3. November 2020

Dolce Vesuvio von Astrida Wallat

Klappentext:
Wer braucht schon die Gegenwart, wenn die Vergangenheit so voller Wunder steckt? Carlotta vergöttert Vulkane, antike Philosophen und alles, was tief unter der Erde verborgen liegt. Doch als sie das Angebot erhält, den Sommer bei einer Ausgrabung in Pompeji zu verbringen, wirbelt das mächtig Staub auf in ihrem Leben. Denn statt dem erhofften Sensationsfund begegnet ihr am Vesuv ausgerechnet ihr Konkurrent Alessandro Mantegna - und der setzt ein schicksalhaftes Drama in Gang, dem nur Carlotta ein Ende setzen kann. Sofern sie lernt, nicht nur hinter die Fassaden ihrer geliebten Ruinen, sondern auch in die Herzen der Männer und den Himmel Italiens zu blicken.


Fragt mich nicht weshalb, aber anstatt "Ein Italien-Roman" habe ich immer "Ein Italien-Krimi" gelesen. Deshalb habe ich mich beim Lesen anfangs gefragt, wann denn endlich der Krimi beginnt. 

Der kam natürlich nicht, aber beim Zurückblicken ins alte Pompeji kam ich dann doch noch ein wenig auf meine Kosten, zwar nur minim, aber immerhin. Hier wird nicht nur die Geschichte einer Familie, die vom Vulkanausbruch in Pompeji überrascht wurde, aufgezeigt, sondern auch mit Krimi-Elementen verziert.

Die "richtige" Geschichte spielt in der Gegenwart und begleitet Carlotta nach Italien, hier darf sie die Sommermonate über bei einer Ausgrabung helfen. Auch der Schnösel Alessandro wird mit von der Partie sein. Zum Glück erfährt Lollo, wie Carlotta unter anderem genannt wird, dies erst kurz vor dem Abflug.

Bei Carlottas erstem Auftritt an der Ausgrabungsstelle fragt man sich allerdings, was die Gute bis jetzt studiert hat - dass Flipflops nicht die erste Wahl sind, weiss man auch ohne dass man irgendwas mit Archäologie zu tun hat. Mit diesem Humorstil geht es weiter, zum Glück meistens einfach auf der witzigen und nicht zu sehr auf der doofen Schiene. 

Carlottas neuer Alltag wird in Folge beschrieben: ihre Gastfamilie ist nett und chaotisch, gross sowieso. Immer wieder kommen die Leser in den Genuss von Annas üppigen Mahlzeiten, des Weiteren werden Szenen vom Ausgrabungsfeld und die Begegnungen mit Alessandro geschildert. 

Ob es der Truppe doch noch gelingt, einen Sensationsfund zu machen oder ob etwas ganz anderes Sensationelles passiert, könnt ihr beim Lesen von "Dolce Vesuvio" herausfinden. 

Hätte ich "Dolce Vesuvio" nicht mit einem Krimi verwechselt, hätte ich den Roman wohl nicht gelesen, nun aber auch nicht bereut, auch wenn es mir stellenweise zu witzig und zu jung rüberkam. Die Story ist eher was für 20-30jährige, die sich mit dem Studentenleben noch identifizieren können. Ansonsten für alle, die wie ich an einem heissen Sommertag schnell eine easy Storia Italiana lesen und sich dabei amüsieren wollen - ideal. 

Fazit: Es ist eine nette, sehr sehr leichte Lektüre - der Sprung ins alte Pompeji gefiel mir besser als die Story um Lollo. 
3.5 Punkte. 

Montag, 2. November 2020

Winterglühen von Debbie Macomber (Cedar Cove 3)

Klappentext:
Rosie Cox liebt ihre Heimatstadt. Trotzdem ist es manchmal anstrengend, wie sehr sich die Menschen hier für die Angelegenheiten ihrer Nachbarn interessieren. Inzwischen weiß jeder, dass sie und ihr Mann Zack sich vor kurzem haben scheiden lassen, und dass Richterin Olivia eine sehr ungewöhnliche Sorgerechtsvereinbarung entschieden hat. Es werden nicht die Kinder sein, die die Wohnung wechseln, sondern Zack und Rosie. Endlich sind sich die beiden wieder einmal einig: Das kann nur schiefgehen!




Im dritten Bahn der Cedar Cove-Serie setzen Rosie und Zach die Anordnung der Scheidungsrichterin durch: ihre Kinder dürfen im Haus wohnen bleiben und die Eltern wechseln sich in der Betreuung ab. Es ist nicht einfach für beide, ausserdem wird ihre Teenietochter Allison immer schwieriger und darüber müssen die beiden dringend reden. 

Grace, die endlich Gewissheit über Dans Tod hat, beginnt eine geheime Internetbeziehung mit Olivias Bruder und Cliff fühlt sich zurück gesetzt, obwohl er von nichts weiss. 

Um Olivia reissen sich ihr Ex-Mann Stan und Jack. Doch wen will Olivia? Und auch ihre Mutter Charlotte wird wieder aktiv und sorgt für Trouble in Cedar Cove.

Maryellen und Jon werden Eltern und kommen sich dadurch wieder näher. Doch Jon macht aus seiner Vergangenheit noch immer ein Geheimnis. 

Trotz all diesen Storys wurde ich das Gefühl nicht los, diese bereits zu kennen. Es kann sein, dass ich zwischen 2001 und 2004 Band 1 oder 2 auf englisch gelesen habe (Hotelbibliothek), aber diesen hier sicher nicht, trotzdem kannte ich Jons Geheimnis. Vielleicht kam einiges davon rückblickend in der Rose Harbor-Serie vor - ich weiss es nicht mehr, aber vielleicht gibts ja noch weitere Leserinnen, die dasselbe Gefühl haben? 

Einerseits kannte ich also den Ausgang dieses Romans bereits, vielleicht auch nur weil alles so voraussehbar war, andererseits wurde extrem viel aus den ersten beiden Bänden wiederholt, so dass sich bei mir beim Lesen eine grosse Langeweile einstellte. 

Ausserdem störte mich, dass Debbie Macomber das Rätsel um den toten Mann im Thyde & Thymian auch hier nicht vollständig auflöst und diesen Strang nun noch über weitere Bände in die Länge zieht.

Dazu fand ich Grace Story in diesem Band unglaubwürdig, sie verhält sich wie ein Teenager und nicht wie eine erwachsene Frau, die schon Grossmutter ist. Das hätte ich auch vor 20 Jahren, als das Buch geschrieben wurde, schon bemängelt, obwohl sowas damals noch sehr neu war. 

Fazit: Extrem vorhersehbarer dritter Teil - da kommt Langeweile auf. 
3 Punkte. 



Reihenfolge: