Donnerstag, 6. Dezember 2018

Krimi: Madame Bertin steht früh auf von Julie Masson

Klappentext:
An einem prächtigen Tag im Mai genießt Madame Bertin eine Ruhepause im Hinterhof ihrer Pariser Boulangerie – da muss sie beobachten, wie sich eine blutige Hand an die Fensterscheibe des angrenzenden Hauses presst. Schnell alarmiert die alte Dame die Polizei, doch die findet keinerlei Hinweis auf ein Verbrechen. Haben Madame Bertins Sinne ihr einen Streich gespielt? Auf keinen Fall, meint die rüstige Pariserin und beschließt, den unfähigen Gesetzeshütern zu helfen. Als Putzfrau verkleidet, verschafft sie sich Zugang zum Tatort im Nachbarhaus. Dort entdeckt sie nach eingehender Untersuchung tatsächlich Blutspuren. Aber Alter schützt vor Torheit nicht, und so kommt Madame Bertin dem Täter schnell näher, als ihr lieb ist.


Julie Masson ist bekannt geworden durch ihre "Commissare Lefevre"-Krimis, die in Südfrankreich spielen. Für "Madame Bertin" kehrt sie dem beschaulichen Leben in Contis-Plage den Rücken und begibt sich in Frankreichs Hauptstadt Paris.

Ein wenig erinnert "Madame Bertin" an Gardienne Lucie von Marie Pellissier, nur dass hier keine Hausmeisterin, sondern eine durch und durch französische Madame, die grossen Wert auf ihr Aussehen legt, Protagonistin ist. Luise Bertin ist eine rüstige Seniorin, die sich mit ihrem Handwerk - ihr gehört eine Bäckereikette - Auszeichnungen einholte und deshalb den Élysée-Palast, den französischen Präsidentensitz, schon seit vielen Jahren mit ihren Baguettes beliefert. 

Sie ist stolz darauf und freut sich, den neuen Präsidenten kennen zu lernen, der gerade sein Amt angetreten hat. Doch da macht sie eine Beobachtung im Nachbarhaus und ruft die Polizei. Von einem Verletzten oder gar einer toten Person ist nichts zu sehen. Der zuständige Polizist schiebt es auf das Alter von Madame Bertin. Doch Luise weiss, was sie gesehen hat und ermittelt fortan alleine. Nein, nicht ganz: in Freund von ihr ist Apotheker und der hilft nur zu gerne. Lieutenant Jean Luc Balterre hingegen ist nicht erfreut, als sein Chef ihm befiehlt mit Luise Bertin zusammen zu arbeiten - für beide ein grosses Übel.  

Eigentlich liest sich Julie Massons neuestes Werk wie ein Anne Perry Roman, nur spielt er im Hier und Jetzt und in Paris statt London. Alle Bewohner des Nachbarhauses kommen als Mörder in Frage. Wer das Opfer ist, bleibt lange ein Geheimnis, da die Leiche zunächst unauffindbar ist. Wie gut, dass Luise Bertin stadtbekannt ist für ihre legendären Soiréen - da fällt es nicht auf, dass die Gäste ihrer nächsten Abendgesellschaft alle etwas mit dem Vorfall im Nachbarhaus zu tun haben. Auch sonst zieht Luise alle Register, sie schiebt je nach dem wie es gerade nützlich ist, einiges auf ihr Alter und ist hiermit schon vorneweg für vieles entschuldigt, so dass ihr niemand böse sein kann.

Der Plot, der in sechs Gebäuden (Bäckerei, Nachbarhaus, Apotheke, der Palast, Polizeipräsidium und ein weiteres Hausobjekt) und auf den Strassen Paris angesiedelt ist, gefällt mir nicht schlecht. Auch die Figurenzusammensetzung - von allem was dabei - ist interessant. Aber leider litt die Geschichte teilweise an Realitätsnähe (vor allem bei der Polizeiarbeit) und wies zwar keine Längen, aber dennoch eine gewisse Langatmigkeit auf. Vielleicht war es schlicht das Zusammenspiel von einigen unwichtigen Details, zu wenig Parisflair ("ein Pariskrimi") und der ungenauen Polizeiarbeit, die mich störten.

Fazit: Netter Krimi, aber mit Luft nach oben. 
3.5 Punkte.

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