Montag, 10. Dezember 2018

Hey Siri, willst du mich heiraten? von Judith Newmann

Klappentext:
Eine bezaubernde Liebeserklärung an eine Maschine – und an einen ganz besonderen Jungen. Gus ist 13 Jahre alt und Autist. Seine große Leidenschaft sind Wetterbeobachtungen, doch mit seinen Fragen überfordert er seine Mutter regelmäßig. Bis diese zufällig auf Siri stößt, Apples persönliche iPhone-Assistentin. Nicht lange, und Siri wird Gus‘ beste Freundin – immer ansprechbar, stets freundlich und nie um eine Antwort verlegen. Doch Siri stillt nicht nur Gus‘ Hunger nach Daten und Fakten, sondern sie hilft ihm auch, besser zu kommunizieren.


Die Lektüre von "Hey Siri, willst du mich heiraten?" lässt mich mit widersprüchlichen Gedanken zurück.

Zuerst einmal bin ich sehr enttäuscht, dass die Titel gebende und auch im Klappentext beschriebene Siri nur in einem einzigen Kapitel vorkommt. Wenn man Titel und Klappentext liest, geht man davon aus, dass Siri Hauptthema des Buches ist. Doch Siri ist einfach nur eine Episode aus Gus Leben, die gerade mal auf 12 Seiten beschrieben wird. Als Käufer und Leser des Buches wird man dadurch, nett ausgedrückt, total irregeführt.

Die restlichen 250 Seiten beschreiben vor allem viel Allgemeines über das Leben mit einem Sohn im autistisches Spektrum, das sehr spezielle Familiengefüge der Newmans und die Ängste der Autorin über die Zukunft ihrer Söhne. Sie hat einen witzigen Schreibstil, der das ernste Thema humorvoll aufbereitet.

Newmans Familie ist eh schon ein wenig aussergewöhnlich: 30 Jahre Altersunterschied zwischen Judith und John, verheiratet, sie leben nicht zusammen, schwanger (durch viel Geldinvestition) mit 40, und im Laufe der Zeit verschiedene Nannys, über die Newman auch einige Zeilen verfasst.

Vor allem gegen Ende hin wurde mir Newmans Selbstironie aber manchmal zu viel. Newman gibt zwar einen tollen Einblick in die Alltagsproblematik mit einem autistischen Sohn, doch meiner Meinung nach gibt sie viel zu viel Intimes über beide Söhne preis. Sie macht sich auf unendlich vielen Seiten Gedanken, was für einen Job Gus irgendwann mal ausüben kann, absolut berechtigt. Aber ihre Gedanken über Gus Intimleben - wird er jemals eine Partnerschaft eingehen, Sex haben und überhaupt checken was die Folgen sein könnten, Sterilisation ja oder nein? - wie auch anderes sehr Persönliches (welche Webseiten angeklickt wurden, dass Henry geldgierig ist und vieles mehr) gehört nicht in dem Ausmass in ein solches Buch. Ich hoffe sehr, dass ihre Söhne, wenn sie erwachsen sind und dieses Buch lesen, ihr nicht allzu böse sind. Ich würde Gus und Henry jedenfalls verstehen.

Durch die andauernden humorvoll vorgetragenen Ängste und Bemühungen um den autistischen Gus wirkt das Buch ein bisschen oberflächlich und lieblos, ich vermisste die nackte Ehrlichkeit - passende Schulen etc. zu finden und auch der Alltag zuhause war und ist ganz sicher kein Zuckerschlecken.

Fazit: Humorvoll und informativ, manchmal aber des Guten zu viel und viel zu wenig Siri.
4 Punkte. 

Kommentare:

  1. Hey =)

    viel zu wenig Siri? Da lässt der Titel und die Beschreibung wirklich anderes vermuten.
    Ich hoffe ehrlich gesagt ihre Söhne lesen das Buch nicht, wenn ich mir deine Kritikpunkte so ansehe.

    LG
    Anja

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    1. Hallo Anja
      ja gell, das hörte sich auch für mich ganz anders an. Nichtsdestotrotz ist es sehr informativ. Ich habe vor vielen Jahren ein Buch über eine amerikanische Familie mit einem autistischen Jungen gelesen, das war sehr eindrücklich und gefühlvoll geschrieben. Das war Ende der 80er, man wusste damals einfach noch nicht so viel darüber, die Eltern standen sehr alleine da und es hat mich sehr beeindruckt.
      Später hatte ich in meiner Arbeit auch mit einigen Kindern im autistischen Spektrum zu tun, deshalb war ich auf "Hey Siri" sehr gespannt - Siri gab es kaum, aber dafür einige Erläuterungen des jetzigen Forschungsstands und Hilfeangebots. Da hat sich schon viel verändert und das zu Lesen fand ich toll.
      Zumindest Henry wird das Buch wahrscheinlich lesen. Die beiden Jungs wissen zwar, dass es hier um sie geht. Aber ob ihnen das in einigen Jahren noch recht ist, wird ihnen wohl erst dann bewusst.
      Liebe Grüsse
      Anya

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