Donnerstag, 7. Juni 2018

Das verlorene Kopftuch von Nadine Pungs

Klappentext:
Ein Glas Wein trinken, ohne Kopftuch über die Straße laufen und einfach einen Mann küssen. Da, wo Nadine Pungs sich hinbegibt, ist all das strengstens verboten, werden Frauenrechte nicht sonderlich geachtet und können alltägliche Dinge mit Peitschenhieben bestraft werden. Ihr Ziel: der Iran. Mit Schmugglerbussen und Taxifahrern, die während der Fahrt zum Himmel beten, reist sie von Teheran über den Persischen Golf im Süden bis fast an die Grenze zu Aserbaidschan im Norden. Dabei möchte sie herausfinden, was sich hinter dem leidigen Begriff »Achse des Bösen« verbirgt und wie der Iran abseits westlicher Klischees tatsächlich tickt. Schließlich bekommt sie nicht nur einen Wein angeboten, sondern mehrere... Der Verlust des Kopftuchs scheint somit unvermeidlich. Und als sie auch noch dem smarten Kourosh begegnet, ist das Chaos perfekt. Eine poetische Reise hinter den Schleier, in ein zerrissenes Land voller Menschlichkeit und Schönheit. 

Früher hab ich viele Bücher über Nahost gelesen, darunter hat mich Brunni Prasskes "Mögen deine Hände niemals schmerzen" begeistert. Deshalb freue ich mich - fast 20 Jahre später - auf einen erneuten Einblick in den Iran, diesmal mit dem Buch von Nadine Pungs.

Ich habe "Das verlorene Kopftuch" mit Prasskes Büchern im Hinterkopf und meinen eigenen Eindrücken von orientalischen Ländern gelesen. Auch Nadine Pungs trifft auf viele gastfreundliche Menschen, die sie spontan zu sich nach Haus einladen, die ihr die Stadt oder den richtigen Weg zeigen oder einfach neugierig sind, diese alleinreisende Frau kennenzulernen. So offen wie diese Iraner geht auch Pungs auf die Leute zu. 

Die Autorin beschreibt unterhaltsam die Kultur und Geschichte des Landes, erzählt farbig von den schönen Landschaften und schildert die Erlebnisse der Fahrtwege per Taxi, Bus, Zug und Schiff zu den Sehenswürdigkeiten des Irans. Sie setzt sich während ihrer Reise stark mit der Politik, mit dem Tragen des Schleiers, der Freiheit der Iraner im Allgemeinen und die der Frauen im Besonderen auseinander. 

Freiheit, oder die Definition davon, ist ein grosses Thema. Kein Wunder, denn als europäische Frau ist man der Thematik auf Schritt und Tritt ausgesetzt und sei es nur weil das Kopftuch immer wieder verrutscht. Zur Freude der Einheimischen haben die Technikerrungenschaften der Neuzeit den Iran längt erreicht. Sie sind nun durch Internet mit der restlichen Welt verbunden und kommen einfacher in den Genuss von kleineren Freiheiten, wie z.B. das Herunterladen oder Hören moderner Musik, die sonst verboten ist. Noch immer werden die Freiheiten hinter verschlossenen Türen gelebt - die iranische Freiheit beginnt sozusagen hinter der Haustüre. 

Wie überall auf der Welt erlebt man nicht nur Positives. Doch die negativen Reiseerlebnisse kann die Autorin zum Glück an einer Hand abzählen. Dazu gehört die ewige Frage nach dem Verheiratet-sein, von der sie irgendwann genug hat und sich mit einem "Ehering" Abhilfe schafft. Ich musste lachen, denn das kam mir sehr bekannt vor: bei meinen Reisen (nicht durch den Iran) hatte ich ebenfalls mit dem Ehering meiner verstorbenen Grossmutter vorgesorgt und kann daher den Unterschied, den so ein kleiner Ring ausmacht, vollkommen verstehen. 

Durch die eingefügte Landkarte kann man Nadine Pungs Reiseroute nachverfolgen, zahlreiche farbige Fotos ergänzen die Erzählungen.

Fazit: Nadine Pungs erzählt bildhaft von ihrer Reise durch das Land, von Begegnungen mit den Menschen, deren Mentalität und gibt den Heimgebliebenen das Gefühl mitzureisen. Ein lesenswertes Buch für alle, die sich für fremde Kulturen interessieren. 
4 Punkte.

(Auf der Verlagsseite findet ihr eine Leseprobe)


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