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Sonntag, 4. Mai 2014

Lucinda Riley und ihre Bücher

Lucinda Riley ist bekannt für ihre Zeit-Ebenen-Romane. 

Ihr zweites Buch "Das Mädchen auf den Klippen" war mein Erstes. Ich hab es verschlungen und freute mich auf "Das Orchideenhaus". Nach einigen Seiten war ich enttäuscht, denn es folgte exakt dem Schema des bereits gelesenen. Schema: Schicksalsschlag - junge Frau kehrt heim - entdeckt Tagebuch/Briefe etc. - taucht in die Vergangenheit ein - viele Irrungen - dann Happy End. An sich ja gut, aber wenn man zwei Bücher vor sich hat, die so exakt nach demselben Muster verlaufen, verliert man die Leselust. Anscheinend war ich nicht die Einzige, die so empfand: eine Bekannte hat in der richtigen Reihenfolge gelesen und sie war beim Klippenbuch zuerst sehr enttäuscht. 

Ich legte das Buch für circa 2 Monate zur Seite und las es dann weiter. Mit diesem Abstand konnte ich mich auf das Buch einlassen, im Wissen, dass es nach Schema X abläuft. "Das Orchideenhaus" war schlussendlich auch sehr gut, mir hat aber "Das Mädchen auf den Klippen" doch besser gefallen. 

Beim dritten Buch "Der Lavendelgarten" überlegte ich lange, ob ich es überhaupt lesen soll, ich befürchtete, dass es wieder mit Schema X weitergeht. Doch der Titel (mit "Lavendel" und "Garten" waren gleich zwei "Codewörter" enthalten) machte mich gwundrig. Ich wurde positiv überrascht, das Buch verliess die Sicherheit des Schemas. Trotzdem noch ihrem Stil, dem Zeitebenen-Wechsel treu, aber doch anders. Und gut. Sehr gut.

"Die Mitternachtsrose" befreite sich noch ein wenig mehr vom Schema der ersten beiden Romane. Das Buch spielt in England und Indien. Bei Zeit-Ebenen-Geschichten frage ich mich am Schluss öfters, ob mir die Vorgeschichte oder die jetzige in der Gegenwart besser gefallen hat. Bei "Die Mitternachtsrose" fällt diese Frage ganz weg, denn Lucinda Riley gelingt es die beiden Handlungs-stränge so miteinander zu verweben, dass einem die Zeitunterschiede gar nicht so auffallen wie z.B. in "Das Orchideenhaus".

Bisher ja schon von Lucinda Riley sehr begeistert, übertraf "Das italienische Mädchen" alle meine Erwartungen. Es ist Frau Riley erstes Buch, das nur in der Gegenwart handelt. Die Geschichte wird fortlaufend erzählt, einzige Einschiebungen sind einige Briefe an einen Nico. Das Buch ist hervorragend, mal etwas ganz anderes aus der Feder von Lucinda Riley. Siehe dazu auch die entsprechende Rezension.

Die Cover der Bücher - alle gefallen mir sehr gut - zeigen diese Entwicklung ebenfalls an: Auf den ersten beiden sieht man je einen geschwungenen Treppenaufgang, beim dritten nur noch einige Stufen. Die Treppe fehlt bei den beiden neuen Büchern dann ganz, dafür sieht man je einen See. Geblieben ist aber eine Blüte, die ins Bild hereinragt. 

Eine tolle Autorin, deren Bücher garantiert spannende Unterhaltung bietet. Absolut empfehlenswert! 

Bisher erschienene Bücher:
- Das Mädchen auf den Klippen
- Das Orchideenhaus
- Der Lavendelgarten
- Die Mitternachtsrose
- Das italienische Mädchen 

"Latest News": 
Am 8. Dezember wird ihr nächstes Buch erscheinen: "Der Engelsbaum".
Auf dem Cover sieht man eine Balustrade wie bei "Das italienische Mädchen", dazu die obligate Blüte. Die Landschaft zum ersten Mal winterlich, mit Schnee überdeckt, der See gefroren. Laut Buchbeschrieb beginnt die Geschichte wohl auch im Winter. Da passt das Erscheinungsdatum perfekt! Das Cover hab ich der Vollständigkeit unten mit aufgeführt.

Dienstag, 21. Februar 2017

Die Schattenschwester von Lucinda Riley (Sieben-Schwestern Band 3)

Klappentext:

Star d'Aplièse ist eine sensible junge Frau und begegnet der Welt eher mit Vorsicht. Seit sie denken kann, ist ihr Leben auf das Engste verflochten mit dem ihrer Schwester CeCe, aus deren Schatten herauszutreten ihr nie gelang. Als ihr geliebter Vater Pa Salt plötzlich stirbt, steht Star jedoch unversehens an einem Wendepunkt. Wie alle Mädchen in der Familie ist auch sie ein Adoptivkind und kennt ihre Wurzeln nicht, doch der Abschiedsbrief ihres Vaters enthält einen Anhaltspunkt – die Adresse einer Londoner Buchhandlung sowie den Hinweis, dort nach einer gewissen Flora MacNichol zu fragen. Während Star diesen Spuren folgt, eröffnen sich ihr völlig ungeahnte Wege, die sie nicht nur auf ein wunderbares Anwesen in Kent führen, sondern auch in die Rosengärten und Parks des Lake District im vergangenen Jahrhundert. Und ganz langsam beginnt Star, ihr eigenes Leben zu entdecken und ihr Herz zu öffnen für das Wagnis, das man Liebe nennt.


Lucinda Riley zeigte mir letztes Jahr in Leipzig ihren Kettenanhänger, ich erkannte einen Panther. Was der wohl mit englischen Gärten und dem Buckingham Palace zu tun hat? 

Mehr als ein halbes Jahr musste ich warten, bis ich das Geheimnis um den Panther und die restlichen rar gestreuten Hinweise auf "Die Schattenschwester" herausfinden konnte. Ich war extrem gespannt auf diesen dritten Band der Sieben-Schwestern-Serie, in dem die Geschichte von Star, der sensibelsten der Schwestern, erzählt wird.  

Star und CeCe sind seit Kindheit unzertrennlich, seit kurzem wohnen die beiden in London, wo Star einen Kochkurs besucht. Die 27jährige spürt schon länger, dass sie auf eigenen Beinen stehen will und muss. Es ist der richtige Zeitpunkt, um Pa's Abschiedsbrief zu lesen und seinen Hinweisen zu folgen. Ihr Leitsatz ermutigt sie endlich umzusetzen, was sie sich schon länger vorgenommen hat: "Eiche und Zypresse gedeihen nicht im Schatten des jeweils anderen.Einer der Hinweise aus dem Nachlass führt sie in ein Antiquariat in Kensington, in dem sie sich mit dem kauzigen und altmodischen Besitzer Orlando anfreundet. An einem Wochenende begleitet sie Orlando zu seiner Familie nach Kent. Dort lernt sie Marguerite, Rory und Orlandos Bruder Maus kennen. Maus ist schroff und abweisend, trotzdem hilft er Star mehr über das Leben von Flora MacNicol zu erfahren, die laut Pa's Brief eine Verbindung zu Stars Leben haben soll.

Floras Geschichte zu entdecken ist sehr spannend. Sie führt uns ins edwardianische England, wo einige interessante Zeitzeugen wie Alice Keppler oder Beatrix Potter der Geschichte ihren Reiz geben. Flora MacNicol liebt ihr Leben auf dem Lande, mit ihren vielen Tieren und all den Pflanzen im Garten. Doch Floras beschauliches Leben ist in Gefahr, ihre Familie scheint Geheimnisse vor ihr zu haben. 

Lucinda Riley gelingt es die beiden Zeitstränge perfekt zu verbinden. Sie stehen sich in nichts nach, beide sind gleichermassen faszinierend. 

Die zentrale Frage des Romans ist: Gelingt es Star, aus dem Schatten ihre Schwester CeCe herauszutreten? 

Es ist kurzweilig zu lesen, wie Star erwachsen und selbstständiger wird, sich getraut ihre Wünsche zu formulieren und merkt, was sie vom Leben will und vor allem, wie und wo sie leben will. 

Die Autorin beweist Ausdauer und viel Originalität, um diese zusammenhängende siebenbändige Serie zu schreiben. Eine Herausforderung, die sie grandios meistert. Wohl auch deshalb, weil sie keine unnötigen Charaktere mit ins Spiel bringt, jede Figur im Roman hat ihre Berechtigung.

"Die Schattenschwester" ist ruhiger als die Vorgänger, nicht nur weil es um die ruhigste der Schwestern geht, sondern weil keine längeren Reisen ins Ausland unternommen werden. Der Roman ist dennoch nicht langweilig. Im Gegenteil, ich fand den Aufenthalt in den verschiedenen Zeitepochen Englands geschichtlich sehr kurzweilig und informativ, denn ich kannte die genauen historischen Episoden rund um Alice Keppler nicht. 

Am Anfang und am Ende des Romans bezieht Lucinda Riley wie bereits gewohnt Ereignisse aus dem Leben der anderen Schwestern mit ein. So verwebt sich auch die Pa Salt-Geschichte immer mehr. 

Fazit: Erneut hat mich Lucinda Riley überzeugt, in dem sie eine bezaubernde Geschichte erschuf, die in allen Bereichen fesselt.
4.5 Punkte.

Dienstag, 8. März 2016

Vorstellung: Die sieben Schwestern-Serie von Lucinda Riley


Lucinda Riley schreibt aktuell an einer Serie von sieben Büchern: "Die sieben Schwestern":


Foto-Copyright: Astrid Waller

Traurige News: Am 11. Juni 2021 verstarb Lucinda Riley an Krebs. Während ihrer vierjährigen Krankheit schrieb Lucinda fünf Romane und in dieser Woche steht in vielen Ländern "Die verschwundene Schwester"/"The missing Sister" als Nummer 1 in den Büchercharts.

Lucinda Riley ist bekannt für ihre Zeitebenen-Romane und suchte nach einer neuen Idee. In der griechischen Mythologie und im Sternbild der Plejaden wurde sie fündig: Der Plejaden-Sternhaufen ist der Erde am nächsten, und besteht aus sieben Sternen - in der Mythologie als die sieben Schwestern bekannt und so entstand ihre neue Serie. Davon erschienen sind bereits Band 1 und Band 2. Laut Lucinda Riley wird jeweils im Herbst eine neue Folge als Hardcover erscheinen, und 18 Monate später wird die Taschenbuchausgabe erhältlich sein.

Die Autorin setzt die Legende der Plejaden auf ihre Weise um. Sie gab den Schwestern einen Adoptiv-Vater, ein Zuhause, einen passenden Charakter und erfand zu jeder der Schwestern zwei Geschichten: die jetzige aktuelle und eine zweite, in der ihre Herkunft ergründet werden sollen. 
So spielt im ersten Band die Entstehung der Christos-Statue in Rio und im zweiten Band der Komponist Edvard Grieg eine gewichtige Rolle. 
Der "Wohnsitz" der Serie liegt versteckt in der Nähe von Genf, am See. Als Schweizerin finde ich das natürlich toll :-) Auch wenn wir in der Schweiz weitere schöne bzw. schönere Seen als der Genfersee haben, so ist er für ein ruhiges Zuhause wie Atlantis perfekt geeignet. 

Nachfolgend stelle ich euch die Protagonisten vor: 

Pa Salt ist der Adoptivvater der sechs Schwestern. Er stirbt mit über 80 Jahren am Anfang des ersten Buches. Der Nachname d'Aplièse steht als Anagramm für die Plejaden (Pleiades). Er soll  den Titan Atlas darstellen, der Himmel und Erde auf seinen Schultern trägt. Das P kommt von Pleione. Pleione ist die Mutter mythische Beschützerin aller Seefahrer. Eventuell vereint die Autorin Mutter und Vater in der Figur von Pa Salt. Ich könnte mir aber gut Marina als Pleione vorstellen, sie ist für die Adoptivschwestern eine Mutterfigur. 

Kreeg Eszu (Milliardär, Industriemagnat und Leiter eines internationalen IT-Konzern) und sein Sohn Zed Eszu spielen auch eine Rolle in den Büchern. Welche Rolle das ist, wird sich wohl erst im Laufe der Serie zeigen. Sie stehen als Anagram für Zeus. Zeus war König der Götter und der Herrscher von Olymp. Zeus hatte Kinder mit drei der Schwestern und verwandelte sie als Schutz vor dem Jäger Orion zu Tauben. 

Tauben fliegen in den Taubenstamm hinein und hinaus; genauso wie die Schwestern in ihrem Zuhause am Genfersee, der Villa Atlantis ein- und ausgehen. Atlantis ist die mythische versunkene Stadt und in den Romanen das "Elternhaus" der Schwestern. 
Pa Salt wie auch Kreeg Eszu besitzen je eine Yacht. Pa's Yacht heisst Titan, der war einer der sieben Titangötter. Kreegs Yacht heisst Olympus - Olympus war das Zuhause der grossen Götter.

Neben der Villa Atlantis steht ein Pavillon, indem sich Maias Wohnung befindet, die als einzige der Schwestern noch zuhause wohnt. 
Maia steht für Schönheit und Zurückgezogenheit und soll eine Einzelgängerin sein. Bei den Römern ist sie die Frühlingsgöttin (deshalb der Monat Mai). Auch im Roman wird Maia als sehr schöne, aber schüchterne Frau dargestellt. Sie arbeitet als Übersetzerin.
Ihre Lieblingsschwester Ally (Alkione) ist eine mutige und starke Leitfigur und liebt (und bewacht) das Meer. Im Roman hat die offene und vertrauensvolle Ally als begabte Flötistin Musik studiert, sich aber für eine Laufbahn als Seglerin entschieden.
Die schlanke und blasse Star (Asterope) ist zusammen mit der dunkelhäutigen und stämmigen Pragmatikerin Ce-Ce (Celaeno) die schwächste Schwester, beide wohnen zusammen. Ce-Ce ist Künstlerin und will in London Kunst am Royal College of Art studieren. Star möchte derweil einen Kochkurs machen, sie hat einen grünen Daumen. Altersmässig sind sie nur drei Monate auseinander und wirken so fast wie Zwillinge. 
Tiggy (Taygeta) liebt die Unabhängigkeit und ist die Sensibelste der Schwestern. Sie ist zart und war als Kind oft krank, leidet unter Asthma. Tiggy strahlt eine innere Ruhe aus, ist anspruchslos und liebt Tiere, sie hat Zoologie studiert und arbeitet nun in den schottischen Highlands als Tierpflegerin mit Wildkatzen.
Die temperamentvolle Elektra ist der dritthellste Stern. Sie ist die jüngste und war als Kind anstrengend. Obwohl sie sehr grosszügig ist und gerne hilft, leidet sie unter Stimmungsschwankungen und ist jähzornig. Elektra lebt in New York, ist ein erfolgreiches Model, aber Alkohol und Kokainsüchtig. 

Nun haben wir alle sechs Schwestern, doch da es noch ein siebtes Sternbild gibt und in der Serie auch sieben Bücher geplant sind, wird es wohl Merope, der verlorenen Schwester und dem schwächsten Stern im Haufen, der mit dem blossen Auge nicht sichtbar ist, gewidmet. Pa Salt erzählte der 14jährigen Maia, dass er Merope nicht gefunden hat.

Doch am Ende des sechsten Bandes "Die Sonnenschwester" kommt Anwalt George Hoffmann mit der Nachricht nach Atlantis, dass Merope augenscheinlich gefunden wurde.
So ist es dann auch tatsächlich in Band 7, "Die verschwundene Schwester": zwei Frauen, Mutter und Tochter, beide heissen Mary, kommen in Frage, die verschwundene Schwester zu sein. Beide leben in Neuseeland auf einem Weingut, die junge Mary ist sehr offen, die ältere Mary erlebt man als ängstliche Frau.

Auf Atlantis wohnen zudem die deutsche Haushälterin Claudia und Marina, die gute Seele des Hauses und Mutterersatz. Zum Personal gehört ausserdem Skipper Christian, der die Schwestern und Besucher zum Haus fährt. In Genf lebt Georg Hoffman, Pa Salts Anwalt, der dessen Testament verliest und die Finanzen verwaltet.

Pa Salt hinterliess seinen Töchtern jeweils einen Brief, dazu die Koordinaten ihrer Herkunft und eine griechische Inschrift (ein persönlicher Leitsatz) auf den goldigen Bändern auf der Armillarsphäre. Da keine eine Geburtsurkunde hat, können sie mit diesen Angaben ihre Herkunft erforschen. Das ist sozusagen das Gerüst der Serie, denn nun machen sich die jungen Frauen auf und erkunden ihre Geschichte. Und Maia ist die Erste, die das wagt :-)

Die Serie nimmt uns mit auf eine Weltreise, und so können wir zusammen mit den Schwestern die Welt entdecken. Ich bin sehr gespannt, in wieviele Länder und vor allem in welche Länder wir Leser reisen dürfen. 

Interessant finde ich, dass man in jedem Band etwas mehr über einzelne der Schwestern erfährt. Nicht jede spricht mit jeder über dasselbe, manchmal treffen sich zwei von ihnen zuhause oder an einem Event oder entdeckt etwas, was die anderen nicht wissen. Und so fügen sich in jedem Buch einige Puzzlestücke mehr über die Frauen zusammen. Ich entdeckte auch geheimnisvolle Andeutungen rund um Pa Salt und bin gespannt, wie am Ende alles zusammenhängen wird.

Die bisherigen Bücher sind sehr spannend und ich freue mich schon jetzt, sie in einigen Jahren alle direkt nacheinander zu lesen. Ich stelle mir vor, dass man dadurch noch mehr in den Büchern entdeckt, Einzelheiten, die man längst schon wieder vergessen hat, die sich vielleicht zu etwas Interessantem zusammenfügen. Hart, sehr hart ist aber die lange Wartezeit bis die ganze Serie komplett ist.

Viel Spass beim Lesen der Bücher! 




Wer genaueres über die griechische Mythologie wissen will, findet online und in Bibliotheken sicher ganz viel Informationen, kurz kann sich hier über die Plejaden informieren.

Interessant ist folgender Text über die Plejaden-Sternenkonstellation aus dem Vorwort zu "Das Schweigen der Schwestern"von Earlene Fowler: 
Ein interessantes Phänomen dieser Gruppierung ist, dass die Sterne nah beieinander zu stehen scheinen, obwohl sie in Wirklichkeit recht weit voneinander entfernt sind. 

Mehr zu dieser Serie gibt es direkt bei Lucinda Riley zu lesen. 

Freitag, 11. April 2014

Das italienische Mädchen von Lucinda Riley

Klappentext: 
Mit elf Jahren begegnet Rosanna Menici zum ersten Mal dem Mann, der ihr Schicksal bestimmen wird. Der junge Tenor Roberto Rossini ist in seiner Heimat Neapel bereits ein umschwärmter Star und schenkt dem schüchternen Mädchen, das bei einer Familienfeier singen soll, kaum Beachtung. Doch als die ersten Töne den Raum erfüllen, kann er seine Augen nicht mehr von Rosanna lösen, so rein und einzigartig ist diese Stimme. Sechs Jahre später treffen Rosanna und Roberto an der Mailänder Scala wieder aufeinander - und gemeinsam treten sie einen unvergleichlichen Siegeszug durch die Opernhäuser der Welt an. Doch ihre leidenschaftliche Liebe wird zu einer Obsession, die sie für alles um sie herum blind werden lässt.

Im neuesten Roman von Lucinda Riley nimmt sie uns mit in die Welt der Oper. Mal etwas ganz Neues von ihr! Und doch viel "älter" als die bisher bekannten Bücher. Frau Riley wurde von ihrem Verlag angefragt, ob sie eine Backlist hat. 

So holte sie ihre acht (!) Romane aus dem Keller (die wurden bereits einmal unter dem Namen Lucinda Edmonds veröffentlicht, sind aber nicht mehr lieferbar) und schickte sie ab. Sie würde verstehen, wenn die Bücher sofort im Papierkorb landen würde, denn sie wäre noch jung und unerfahren gewesen als sie diese geschrieben hätte. Doch zu ihrer Überraschung wurde sie angefragt, ob sie Interesse an einer Neuauflage hat. Sie las ihr Buch nach langer Zeit erneut durch; am Ende hatte Frau Riley den Eindruck, dass es aktualisiert und überarbeitet werden sollte. Handlung und Figuren stimmten für sie aber immer noch. Sie setzte sich dahinter und das Ergebnis ist "Das italienische Mädchen".

Wenn ihre alten Romane alle so gut sind wie ihre bisher bekannten Bücher, dann wird Lucinda Riley definitiv zu einer meiner Lieblingsautorinnen! (mehr zu ihr demnächst auf dem Blog)

In "Aria" oder eben neu "Das italienische Mädchen" erleben wir mit, wie aus der jüngsten Tochter eines Wirteehepaars in Neapel eine berühmte Opernsängerin wird. Ihr Bruder Luca zahlt ihr den Gesangsunterricht - von beidem wissen ihre Eltern nichts. 

Später kommt Rosanna an die Gesangsschule der Mailänder Scala, wo sie auf Roberto trifft, der aus demselben Quartier wie sie stammt und in den sie sich als Kind verliebt hat. Roberto ist ein Frauenheld, Rosanna weiss es und liebt ihn doch. Und er sich in sie; aber kann Roberto treu sein? 

Neben der Liebesgeschichte dieser beiden Protagonisten erfahren die Leser am Anfang des Buches ein Geheimnis aus dem Leben von Rosannas Schwester Carlotta. Rosanna selbst entdeckt es erst gegen Ende des Buches. 

Auch Lucas Lebensweg wird begleitet. Stellenweise kommt damit sogar ein Hauch Krimi in den Roman. Alle Charaktere sind perfekt miteinander verbunden. 

Im Gegensatz zu ihren bisher bekannten Büchern spielt das Buch nur in Italien und England und die Geschichte bleibt in der Gegenwart, es wird fortlaufend erzählt. Einzige Einschübe sind die Briefe an Nico. 

Wer dieser geheimnisvolle Nico ist, wird im letzten Drittel des Buches bekannt. Doch dort kommt man sehr schnell an, weil einem die Geschichte recht fasziniert und man das Buch gar nicht weglegen will. 

Fazit: Eine wunderschön geschriebener Liebesroman ohne typisches Happyend. Auch Tage nach dem Beendigen der Lektüre ist man immer noch im Bann dieser tollen Geschichte!
Dafür gibt es mindestens 5 Punkte :-)


Mittwoch, 17. Mai 2023

Atlas - Die Geschichte von Pa Salt von Lucinda Riley und Harry Whittaker

Klappentext:
Paris, 1928. Ein Junge wird gerade noch rechtzeitig entdeckt, bevor er stirbt, und von einer Familie aufgenommen. Er ist klug und liebenswert, und er entfaltet seine Talente in dem neuen Zuhause. Hier wird ihm ein Leben ermöglicht, von dem er nicht zu träumen gewagt hätte. Doch er weigert sich, einen Hinweis darauf zu geben, wer er wirklich ist. Als er zu einem jungen Mann heranwächst, verliebt er sich und besucht das berühmte Pariser Konservatorium. Die Schrecken seiner Vergangenheit kann er darüber beinahe vergessen, ebenso wie das Versprechen, das er einst geschworen hat, einzulösen. Aber Unheil ballt sich zusammen über Europa, und niemand ist mehr in Sicherheit. Tief in seinem Herzen weiß er, dass die Zeit kommen wird und er wieder fliehen muss. 
Ägäis, 2008. Alle sieben Schwestern sind an Bord der »Titan« zusammengekommen, um sich von ihrem geliebten Vater, der ihnen stets ein Rätsel blieb, zu verabschieden. Zur Überraschung aller ist es die verschwundene Schwester, die von Pa Salt damit betraut wurde, ihnen die Spur in ihre Vergangenheit aufzuzeigen. Aber für jede Wahrheit, die enthüllt wird, taucht eine neue Frage auf, und die Schwestern müssen erkennen, dass sie ihren Vater kaum gekannt haben. Noch schockierender aber ist, dass diese lang begrabenen Geheimnisse noch immer Auswirkungen auf ihrer aller Leben haben.


Nach acht Jahren, in denen wir die sieben Schwestern begleitet haben, erfahren wir nun endlich etwas über Pa Salt, den Adoptivvater der Schwestern, und über die Hintergründe der siebten, lange verschwundenen Schwester. 

Merry wird am Ende des siebten Buches ja gefunden, doch ihre besondere Geschichte wurde noch zurück gehalten. Auch sie weiss gar nichts, bis sie in Pa Salts Tagebuch liest, das ihr Georg Hoffman auf dem Flug nach Nizza zum Lesen gibt. Merry soll ihre sechs Schwestern zum Jahrestag des Todes von Pa Salt auf seine Yacht Titan begleiten, um vor der griechischen Insel Delos einen Kranz ins Meer zu werfen. Doch sie möchte nicht die einzige sein, die im Tagebuch lesen kann und veranlasst, dass jede Schwester eine Kopie bekommt. So verbringen die Schwestern die drei Tage auf der Titan vorwiegend mit lesen. 

Und zwar die eindrückliche Lebensgeschichte von Pa Salt. Welche Vorstellungen wir auch immer hatten: die Fakten in "Atlas - Die Geschichte von Pa Salt" sprengen jegliches  Vorstellungsvermögen. 

In gewohnter Manier hat Lucinda Riley nicht nur rund um jede der sieben Schwestern sondern auch um Pa Salt eine riesige, gut durchdachte Geschichte geschrieben. 

Wir erfahren alles über sein Leben und kommen nochmals an den Lebensstationen, den Orten, die für die Schwestern wichtig sind, vorbei, begegnen Menschen aus früheren Büchern und es wird auch endlich klar, weshalb die realen Mütter der Töchter nicht so viel Stellenwert bekamen, sondern viel mehr die Grossmütter oder Grosseltern der sieben Schwester.

Was sich Lucinda Riley schon zu Beginn der Reihe ausgedacht hat, hat nun ihr Sohn Harry Whittaker in eine Endfassung gebracht - auch wenn der frühe Tod von Lucinda tragisch ist, so ist auf eine ganz besondere Art passend, dass diese grosse Familiengeschichte schlussendlich auch von zwei Familienmitgliedern verfasst wurde, und nicht die Last der Welt auf einem Paar Schultern wie auf Atlas Schultern liegt, sondern die Last des Finale dieser Buchreihe auf zwei Schulternpaare verteilt wurde. 

Über den Inhalt kann ich nicht mehr verraten, aber ich freue mich sehr, wenn dann viele meiner Freundinnen und Blog-Leserinnen das Buch auch gelesen haben und wir uns endlich lang und breit darüber unterhalten und austauschen können und das ganz ohne Spoiler. 

Am Ende dieses Jahres oder im Laufe des nächsten werde ich alle Bände nochmals lesen, alle direkt hintereinander, und dann ganz besonders auf die in diesem letzten Band erfahrenen Dinge acht geben.

Es war mir eine Freude und ein grosses Vergnügen diese Reihe jahrelang zu verfolgen und möchte eigentlich meine Rezension noch lange hinaus schieben um nicht schon Abschied nehmen zu müssen von Atlantis, von Maia, Ally, Star, Ce-Ce, Tiggy, Elektra und Merry sowie von Ma und Claudia, wie auch von Skipper Christian und Anwalt Georg Hoffman - und natürlich Pa Salt, unser Atlas. Einige Figuren sind uns im Laufe der Zeit sehr ans Herz gewachsen, andere nicht so und wiederum andere versteht man nach der Lektüre der Geschichte von Pa Salt viel besser. 

Fazit: Brillanter, eindrücklicher und höchst emotionaler Abschluss dieser grandiosen Reihe, an die ich noch lange denken und sie nochmals lesen werde und jedesmal wenn ich die Plejaden am Himmel stehen sehe, an Lucinda Riley und ihr grosses Talent zu schreiben denke. 
Ausserdem würde ich mich freuen, hoffentlich bald einmal auch einen Roman von Harry Whittaker lesen zu können. 
5 Punkte. 


Reihenfolge:

Sonntag, 27. März 2016

Helenas Geheimnis von Lucinda Riley

Klappentext: 
Viele Jahre sind vergangen, seit Helena Beaumont als junge Frau einen wunderbaren Sommer auf Zypern verbracht und dort ihre erste große Liebe erlebt hat. Nun kehrt sie zum ersten Mal zurück in das schöne alte Haus, um dort mit ihrer Familie die Ferien zu verbringen. Unbeschwerte Tage sollen es werden, verträumte Stunden am Meer und lange Nächte auf der Terrasse, doch schon bei ihrer Ankunft empfindet Helena ein vages Unbehagen. Sie allein weiß, dass die Idylle bedroht ist – denn es gibt Ereignisse in ihrer Vergangenheit, die sie ihrem Mann und ihren Kindern stets eisern verschwiegen hat. Wie lange aber kann sie die Fassade der glücklichen Familie noch aufrechterhalten? Als sie dann plötzlich ihrer Jugendliebe Alexis gegenübersteht, ahnt sie, dass diese Begegnung erst der Anfang einer Verkettung von Ereignissen ist, die ihrer aller Leben auf eine harte Bewährungsprobe stellt.

Eine offene Tür auf dem Cover lädt den Leser ein, Helena und ihre Familie in ihren Sommerferien auf Zypern zu beobachten. Neben ihren Kindern und ihrem Ehemann William sind noch einige Familienfreunde mit von der Partie - das Ferienhaus "Pandora" platzt fast aus allen Nähten.

Doch gleich anfangs kam ich nicht weiter - das Buch ist so ganz anders als bisher von Lucinda Riley gewohnt. Anders, nicht weil aus zwei Perspektiven erzählt wird, sondern weil der eine Strang aus Sicht von Alex, Helenas Sohn, erzählt wird. Ich wähnte mich in einem Jugendroman und das gefiel mir zuerst nicht. Diese Tatsache unterbrach und störte meinen Lesefluss, so dass ich das Buch immer wieder weglegte und es nicht, wie sonst, fliessend lesen konnte.


Nachdem ich mich an diese Erzählweise und den hochbegabten 13jährigen Alex gewöhnt hatte, und ausserdem gemerkt habe, dass der Alex vom Intro der ältere Alex ist und nicht der Grieche Alexis, konnte ich mich endlich auf die Geschichte einlassen. Trotzdem stolperte ich noch öfters an der Erzählung aus Alex Sichtweise herum. Der 13jährige ist hochbegabt. Er erlebt die erste Liebe, verliebt sich zum ersten Mal. Auch zum ersten Mal macht Alex sich wirklich Gedanken um seinen leiblichen Vater, den er nicht kennt und über den seine Mutter nicht reden will. Niemand hat eine Ahnung, wieso Helena solch ein Geheimnis daraus macht - und spätestens jetzt weiss man, wieso das Buch diesen Titel trägt und was Hauptthema im Roman ist. 

Gewollt führt die Autorin den Leser an der Nase herum. Nie weiss man ob das Vater-Geheimnis gerade gelüftet wird oder es noch ganz andere Geheimnisse gibt. Ja, die gibt es und zwar haufenweise, denn fast jeder der Gäste auf Pandora verbirgt etwas. Und in diesem Sommer macht Pandora ihrem Namen alle Ehre und lässt die Büchse krachen. 

Mir blieben die Charaktere zu farblos. Alle wirkten reserviert, sogar die eher unkomplizierten Griechen waren vorsichtig. Helena ist beliebt und nett, doch bleibt bei allen auf Distanz aus Angst sich zu verraten. Sämtliche Erwachsenen bis auf Alexis blieben mir unsympathisch, nur die kleineren Kinder fand ich unkompliziert und überzeugend. Die Reaktionen der Erwachsenen auf die Enthüllungen fand ich oft nicht nachvollziehbar. Nur Alex war am Ende versöhnlich und weitsichtig. Nur hat er selbst nicht so viel daraus gelernt, wie man gegen Schluss feststellen muss.  Obwohl ich auf den ersten Seite meine Probleme mit Alex hatte, fand ich seine Figur glaubhaft dargestellt. 

Dieser Roman ist einer der "Schubladenromane" von Lucinda Riley, die sie früher schrieb und unter ihrem ledigen Namen veröffentlichte. Dies vor Augen macht es leichter sich auf die Geschichte einzulassen. Obwohl "Das italienische Mädchen" auch einer ihrer "alten" Romane ist, hat es mir enorm viel besser gefallen als der vorliegende Roman. "Helenas Geheimnis" erschien bisher nur auf Deutsch, die englische Ausgabe soll folgen. 

Fazit: Der Sommer einer Patchworkfamilie auf Zypern - Liebe und alte Geheimnisse werden aufgedeckt, aber die Charakter bleiben zu reserviert. Dazu der Touch eines Jugendromans und so gibt es von mir nur 3.5 Punkte. 



Donnerstag, 12. März 2015

Der Engelsbaum von Lucinda Riley

Klappentext:

Dreißig Jahre sind vergangen, seit Greta Marchmont das Herrenhaus verließ, in dem sie einst eine Heimat gefunden hatte. Nun kehrt sie zurück nach Marchmont Hall in den verschneiten Bergen von Wales – doch sie hat keinerlei Erinnerung an ihre Vergangenheit, denn seit einem tragischen Unfall leidet sie an Amnesie. Bei einem Spaziergang durch die winterliche Landschaft macht sie aber eine verstörende Entdeckung: Sie stößt auf ein Grab im Wald, und die verwitterte Inschrift auf dem Kreuz verrät ihr, dass hier ein kleiner Junge begraben ist – ihr eigener Sohn! Greta ist zutiefst erschüttert und beginnt sich auf die Suche zu machen nach der Frau, die sie einmal war. Dabei kommt jedoch eine Wahrheit ans Licht, die so schockierend ist, dass Greta den größten Mut ihres Lebens braucht, um ihr ins Gesicht zu blicken.

Auch "Der Engelsbaum" gehört zu den Büchern, die Lucinda Riley bereits vor vielen Jahren geschrieben hat, nun aber neu aufgelegt wurde. Man merkt es, denn: 

Der Rahmenhandlung des 640-seitigem Roman wird bereits in den ersten 18% erzählt. Zuerst dachte ich: "Oje, das wars nun; die restlichen 420 Seiten werden sicherlich ein Kampf zum lesen, weil langweilig". 

Aber nein, langweilig wurde es nicht. Im Gegenteil. 

Der gesteckte Rahmen erweist sich als vollgefüllt mit Ereignissen. Kennt ihr den Spruch "Immer wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her"? 

Für "Der Engelsbaum" würde ich ihn umschreiben in "Immer wenn du denkst jetzt geht nichts mehr, kommt von irgendwo ein Problem daher". Denn jedes Mal wenn man denkt, das wars jetzt, kommt nochmals eine überraschende Wendung. Und nochmals eine, und nochmals eine.... 

Der Roman ist wie immer bei Lucinda Riley gut geschrieben, doch mir war es zu viel an Inhalt. Der Schluss versöhnt zwar wieder, aber der Weg dahin war mir zu lang. 

Die junge Greta könnte man oft ohrfeigen, denn sie kommt so naiv rüber - später bewundert man sie trotzdem für all das was sie durchgemacht hat. 

Fazit: Ein Roman über Leute, die nicht merken, welche Personen für sie wirklich wichtig sind. Unausgewogen und langatmig, trotz oder wegen der vielen Ereignisse, aber dennoch gut geschrieben.
4.5 Punkte.

Freitag, 16. November 2018

Die Mondschwester von Lucinda Riley (Sieben-Schwestern Band 5)

Klappentext:
Tiggy d’Aplièse hatte schon als Kind die Begabung, mit der Kraft ihrer Hände kranke Tiere zu heilen. Auch jetzt, als junge Zoologin, ist die Arbeit mit Tieren ihre Erfüllung. Als sie das Angebot von Charlie Kinnaird erhält, auf seinem weitläufigen Anwesen in den schottischen Highlands Wildkatzen zu betreuen, zögert sie nicht lange. Dort trifft sie auf Chilly, einen weisen, alten Zigeuner aus Andalusien – eine schicksalshafte Begegnung. Denn er hilft dem Adoptivkind Tiggy, das Geheimnis ihrer Herkunft zu lüften. Die junge Frau reist nach Granada, wo sie dem ebenso glamourösen wie dramatischen Lebensweg ihrer Großmutter Lucia folgt, der berühmtesten Flamenco-Tänzerin ihrer Zeit. Und Tiggy versteht endlich, welch großes Geschenk ihr zur Stunde ihrer Geburt zuteil wurde.


Der fünfte Band der Sieben Schwestern Serie führt uns Leser nach Schottland, Spanien, Südamerika und New York. 

Tiggy hat gerade eine neue Stelle auf dem Kinnaird-Anwesen angenommen, sie ist zuständig für die Wildkatzen. Doch die Finanzen sehen nicht gut aus, wie es mit dem Anwesen weiter geht, steht in den Sternen. Tiggy gefällt ihre Arbeit, freundet sich mit Wildhüter Cal und Haushälterin Beryl an. Ihr Chef Charlie, Arzt in Inverness, bereitet ihr immer mehr ein Kribbeln im Bauch. Doch er ist mit Ulrika verheiratet und hat eine 16jährige Tochter, Zara. Für Zara wird Tiggy zur Vertrauten. Die renovierte Lodge wird von einer Gruppe Gutbetuchter gebucht, nach deren Abreise bleibt ein einzelner Gast zurück: Zed Eszu. Er ist hinter Tiggy her und bringt Unruhe aufs Anwesen. Wie auch Fraser, der überhaupt nicht willkommen ist. 


Auf dem Anwesen lebt in einem kleinen Verschlag Chilly, ein Gitano. Alt und krank wird ihm Essen von der Lodge gebracht. Er scheint Tiggy zu kennen, was ihr erst unheimlich ist, bis sie erkennt, dass er ein Brujo, ein Weiser, ist. Er erzählt Tiggy ein wenig über Granada, von hier soll ihre Familie herkommen.

Die Vergangenheitsgeschichte beginnt auch dort, in Sacromonte, in Felshütten vis-à-vis der Alhambra. Hier leben Gitanos, die von den Payos ("Nicht-Zigeuner") unterdrückt werden. Viel Geld haben sie nicht, aber sie haben den Flamenco im Blut. José nimmt seine zehnjährige Tochter Lucia mit, um bei einem Wettbewerb zu tanzen. Das Schicksal nimmt seinen Lauf, Lucia wird bekannt und zieht umher. Ihre bodenständige Mutter Maria versteht das nicht, sie hängt sehr an Sacromonte. Dann beginnt der Krieg auch in Spanien und die Familie wird noch weiter auseinander gerissen als schon zuvor.

"Die Mondschwester" ist eine intensive Geschichte, ja ich würde sagen, die intensivste der Serie. Beide Erzählebenen sind faszinierend, in der Tiggy-Geschichte haben Maia und Ally einen kurzen Auftritt, zudem erfährt man noch mehr über den Sohn von Pa Salts Konkurrenten Kreeg Eszu und auch über Pa Salt selbst. Die Erzählungen verweben sich immer mehr ineinander und werden von Mal zu Mal spannender.

Da ich selbst einige Jahre lang Flamenco getanzt habe, kannte ich die Hintergründe der Gitano- und Flamencohistorie bereits. Ich kann mir vorstellen, dass einigen Leser dies alles ein wenig zu viel ist, weil man im Roman in eine komplett fremde Welt eintaucht. Dieses Mal ist es keine echte Person, die Lucinda Riley in die Geschichte eingeflochten hat, sondern sie bastelte aus historischen Vorbildern eine Familie, die es in dieser Art aber auf jeden Fall hätte geben können. Die Tanzszenen und der Duende hat die Autorin so wiedergegeben, dass man sie als Laie versteht und auch für Tänzer als echt durchgehen können.

Lucia - die sich als Grossmutter von Tiggy entpuppt - ist für mich die bisher unsympathischste Person der ganzen Reihe (mal abgesehen von Zed Ezsu). Sie lebt nur für den Tanz (und Geld), ist entweder zu Tode betrübt oder Himmelhoch jauchzend drauf. Lucias Charakter ist der Autorin extrem gut gelungen, auch wenn ich Lucia nicht mag. Dafür mochte ich Maria, Pepe und Angelina. Wie auch Fiona, Cal und Charlie.

Lucinda Riley enttäuscht auch mit dem fünften Teil der Serie nicht. Sie brachte uns Leser einen - für viele wohl eher unbekannten - Teil der europäischen Weltgeschichte näher: diesmal das Leben der Gitano in Spanien; vor, während und nach der Kriegszeit.

Wie immer toll recherchiert und wie immer würde man am liebsten gleich weiterlesen. Doch wir Leser sind ja sehr geduldig. Müssen es sein, erst 2019 geht es weiter mit Elektra, der sechsten Schwester.

Fazit: Die bisher intensivste Geschichte innerhalb der Sieben Schwestern-Reihe. Wunderbar zu lesen! 
5 Punkte.



Musiktipps - Hintergrundmusik beim Lesen:

Gerado Nunez: "Flamenco en Nueva York", insbesondere der Titel "Canaveral"
Paco de Lucia: diverse CD's
Guillermo Cano: "Rincon del Pensamiento"
Joaquin Rodrigo: "Concierto de Aranjuez"- zum Beispiel von Paco de Lucia eingespielt
Nina Pastori: "Erez luz"  - und weitere CD's von ihr (manchmal auch jazzig angehaucht)

Filmtipp:
Vengo von Tony Gatlif
Carmen von Carlos Saura

Donnerstag, 10. März 2016

Die Sturmschwester von Lucinda Riley (Sieben-Schwestern Band 2)

Klappentext:

Der Wind und das Wasser, das sind die großen Leidenschaften in Allys Leben, die sie zu ihrem Beruf gemacht hat: Sie ist Seglerin und hat bei manch riskanter Regatta auf den Meeren der Welt ihren Mut unter Beweis gestellt. Eines Tages aber stirbt völlig überraschend ihr geliebter Vater Pa Salt, und Ally reist zu dem Familiensitz am Genfer See. Wie auch ihre fünf Schwestern wurde sie als kleines Mädchen von Pa Salt adoptiert und kennt ihre wahren Wurzeln nicht. Ihr Vater hinterlässt ihr aber einen rätselhaften Hinweis auf ihre Vorgeschichte – die Biographie eines norwegischen Komponisten aus dem 19. Jahrhundert, in dessen Leben die junge Sängerin Anna Landvik eine schicksalhafte Rolle spielte. Allys Neugier ist geweckt, und sie begibt sich auf Spurensuche in das raue Land im Norden. Sofort ist sie zutiefst fasziniert von der wilden Schönheit der Landschaft, aber auch von der betörenden Welt der Musik, die sich ihr dort eröffnet. Und als sie schließlich dem Violonisten Thom begegnet, der ihr auf unerklärliche Weise vertraut ist, fängt sie an zu ahnen, dass ihre jugendliche Liebe zur Musik kein Zufall war.

Im zweiten Band der "Die sieben Schwestern"-Serie spielt Ally die Hauptrolle. Nachdem wir mit Maia nach Brasilien und Paris gereist sind, geht es dieses Mal nach Griechenland und London, nach Norwegen und Leipzig. 


Ally hat am Konservatorium Flöte studiert, hat aber die Musik zugunsten des Segelns an den Nagel gehängt. Als die begabte Seglerin zum ersten Mal richtig verliebt ist und einige Tage zu zweit auf See geniesst, hört sie von Pa Salts Tod. Nach einem kurzen Abstecher nach Hause steht schon die nächste Regatta in der Ägäis an. Doch das Schicksal meint es gerade nicht gut mit Ally, sie muss einen weiteren schweren Verlust hinnehmen. Als Ablenkung beginnt sie in einem norwegischen Buch zu lesen, das Pa Salt ihr empfohlen hat. Das Buch handelt von einer norwegischen Sängerin. Um noch mehr darüber zu erfahren, reist Ally nach Norwegen und bald machen Pa Salts Hinweise Sinn für sie. Und so wird ihr Leitsatz "In Momenten der Schwäche wirst du deine grösste Stärke finden" doch noch wahr. 

Wir reisen zusammen mit Ally nach Norwegen und tauchen ein in die Welt ab 1875, als Peer Gynt von Edward Grieg uraufgeführt wurde. Da die Schauspielerin nicht singen konnte, übernahm Anna Landvik den Gesangspart als versteckte Sängerin. So beginnt eine aufregende generationsübergreifende Erzählung über bekannte und weniger bekannte Musiker ab 1875. Was davon alles wahr ist und was nicht, schreibt Lucinda Riley in ihrem Nachwort. 


Der Autorin gelang mit "Die Sturmschwester" eine schlüssige und überzeugende Geschichte, in der wir das einfache Dorfmädchen Anna begleiten, die mit ihrer schönen Gesangsstimme viele Musikhäuser begeistern wird. Doch Annas Reise dahin ist steinig und bewegt. 

Dieser Teil des Buches hat mir enorm gut gefallen. Zum einen wird das Leben als Frau zur damaligen Zeit wird sehr gut beschrieben, zum anderen bekommt man einen guten Einblick in die Musikstadt Leipzig. Auch herzige Szenen fehlen nicht, zum Beispiel der kleine Junge Rude, der im Theater von Christiana Botschaften und Informationen überbrachte. 

Obwohl im Buch ein Stammbaum der Familie Halvorsen vorhanden ist, habe ich mir den selbst zusammengebastelt um ihn mir vor Augen zu halten, denn die ganze Geschichte ist sehr komplex. Spannend und informativ fand ich dann auch die Schilderungen über Karine und Pip.

Allys Geschichte hingegen war schwerer zu verdauen, besonders am Anfang finden sich einige sehr emotionale Szenen. Ally hat so viele liebe Leute rings um sich, die sie auffangen und doch kam sie mir gefühlsmässig manchmal verschlossen vor und gegen Schluss etwas träge in ihren Gedanken. 


Gefallen hat mir, dass in Allys Geschichte erneut einige bisher unbekannte Details zu den anderen Schwestern erwähnt werden, so dass wieder ein paar Puzzleteile mehr dazu gekommen sind. 

Man kann sich diesen Roman sicher auch ohne den ersten Teil zu kennen zu Gemüte führen, doch es lohnt sich die Bücher in der vorhergesehenen Reihenfolge zu lesen, weil man sonst gerade in der Gegenwartsgeschichte vieles nicht wirklich begreifen wird. 


Besorgt euch vor dem Lesen die Musik von Peer Gynt, damit ihr euch optimal in das Buch hinein versetzen könnt. 


Fazit: Emotional und mitreissend geschriebener Roman, der uns von der Ägäis über London und Leipzig nach Norwegen führt. Klare Leseempfehlung!
4.5 Punkte. 


Tüpflischiisserisch muss ich hier ein Recherchefehler erwähnen: Allys erwähnte Mopedreise vom Flughafen Bodrum nach Kalkan ist sehr unlogisch. Mit einem Töffli die Distanz von 278km zu überwinden ist abwegig. Der Flughafen von Dalaman wäre da die bessere Wahl, da "nur" 123 km


Nach dieser Lektüre freue ich mich grad noch mehr auf meine Reise nach Leipzig nächste Woche. Ich werde eineinhalb Tage Leipzig entdecken können, bevor zwei Tage Buchmesse anstehen. Im Rahmen der Buchmesse werde ich an einer Lesung mit Lucinda Riley teilnehmen, die passenderweise in der Grieg-Gedenkstätte stattfindet. Im Roman wurde nicht nur Grieg hier beherbergt.

Donnerstag, 27. Mai 2021

Die verschwundene Schwester von Lucinda Riley (Sieben Schwestern 7)

Klappentext:
Sieben Sterne umfasst das Sternbild der Plejaden, und die Schwestern d’Aplièse tragen ihre Namen. Stets war ihre siebte Schwester aber ein Rätsel für sie, denn Mary-Kate ist verschwunden, seit sie denken können. Eines Tages überbringt der Anwalt der Familie die verblüffende Nachricht, dass er eine Spur entdeckt hat: Ein Weingut in Neuseeland und die Zeichnung eines sternförmigen Rings weisen den Weg. Allerdings kann nur Mary-Kates Mutter Mary Antworten geben – und diese ist auf einer Reise um die Welt. Es beginnt eine Jagd quer über den Globus, doch es scheint, als wolle Mary um jeden Preis verhindern, gefunden zu werden.


Lange mussten wir auf Band 7 warten. Kurz vor dem vor dem lang ersehnten Erscheinungstag liess Lucinda Riley plötzlich in ihrem Newsletter und auf Social Media verlauten, dass es noch nicht zur grossen Enthüllung um Pa Salt kommt, sondern er einen extra Band bekommt. Was für ein Knüller!

Für mich einerseits schade, denn meine Vorfreude auf diesen vermeintlich letzten Band war gross, andererseits freue ich mich, denn so kann ich Familie D'Aplièse noch länger begleiten. Nun, nachdem ich diesen Band ausgelesen habe, kann ich sagen, dass es wirklich mehr als nur ein paar Kapitel Erklärungen zu Pa Salt und seinem Leben braucht. 

Pa Salts Todestag nähert sich und die sechs Schwestern wollen in der Ägäis zusammenkommen und ihm mit einem Kranzabwurf gedenken. Dazu möchten sie die siebte Schwester einladen. Doch noch immer weiss niemand wer sie ist und wo man sie suchen sollte. Bis Georg Hoffmann, der Anwalt der Familie, einen Hinweis bekommt und auf Atlantis Maia und Ally erzählt, dass sie in Neuseeland suchen sollen. CeCe wohnt am nächsten und fliegt hin, nur um herauszufinden, dass sie nicht viel mehr als vorher in Erfahrung bringen konnten. Bei der verschwundenen Schwester könnte es sich nämlich um Mary-Kate oder deren Mutter Mary handeln. Welches ist die richtige, noch fehlende Schwester? 

Mary-Kates Mutter jettet aber gerade um die Welt. An jeden neuen Standort reist ihr eine der Schwestern nach, doch Mary entwischt einige Male. Sie scheint Angst zu haben. Dies fällt auch ihren Kindern MK (Mary-Kate) und Jack auf, weswegen sie ihre Mutter ermutigen, zumindest eine der Schwestern zu treffen und sich die ganze Geschichte persönlich erklären zu lassen. 

Schon während dem Lesen empfand ich Marys Angst ein wenig zu übertrieben. Auch noch, als ich am Ende die Gründe für ihre Angst erfahren habe. Sie hätte sich gleich am Anfang ans Telefon setzen und zuhören können. Und schon längstens eine andere bestimmte Sache ergoogeln. Doch das wär wohl zu einfach gewesen. 

Aber durch ihre Flucht begegnet man wenigstens allen Schwestern nochmals und wird auf den aktuellen Stand gebracht. Nachdem für sie alle in ihren jeweiligen Bänden etwas Neues begann, sind die neuen Beziehungen mittlerweile nicht mehr ganz so frisch und der Alltag hat Einzug gehalten im neuen Lebensabschnitt. So erleben wir nicht nur Tiggy und Elektra, sondern auch Star, die mit Orlando eine Scharade hinlegt, während Maus durch einen Umbau unabkömmlich ist und CeCe, die ihrer Familie auf Atlantis Chrissie vorstellt. Aber besonders Maja und Ally, die schon auf Atlantis sind, lassen die Leserinnen näher an sich heran kommen. 

Dennoch fand ich einige Szenen ein wenig an den Haaren herangezogen. Die Tischgespräche in Frankreich zum Beispiel. Da sprechen zwei englisch miteinander und der grosse Rest am Tisch französisch - und somit gibt es kein richtiges gemeinsames Tischgespräch, was wenig glaubhaft erscheint. Auch fragte ich mich, wieso denn Star nach London musste, wenn CeCe doch auch gerade hingeflogen ist, ausser dass wir Leserinnen sie auch noch in Action erleben durften. Logisch war es aber ganz und gar nicht. 

Der Vergangenheitsstrang spielt zur Zeit des irischen Unabhängigkeitskrieges und beginnt 1920. Wir lernen Nuala und ihre Familie kennen, später Merrys Geschichte ab 1955. Wie die beiden irischen Erzählstränge zusammenhängen kann man zu einem gewissen Teil erahnen, genau erklärt wird es aber zum Ende des 832 Seiten starken Romans, so dass (fast) keine Fragen mehr offen sind.  

Von allen bisherigen Bänden fand ich das Thema des irischen Bürgerkriegs am wenigsten interessant. Mir fehlten hier ein bisschen die "schönen Künste", die in einigen Bänden eine Rolle spielten, wie zum Beispiel die Geschichte der Christo-Statue in Rio, Komponist Grieg in Leipzig und Norwegen, Alice Keppler und Beatrix Potter in England und der Flamenco in Spanien. Aber auch die Perlenfischerei und die Ureinwohner in Australien, sowie die Gleichberechtigungsbewegung in den USA waren für mich persönlich spannendere Themen als Irland.  

Auch wenn Lucinda Riley das Leben in Irland damals sehr gut und detailliert beschreibt - die extremen Unterschiede zwischen einer Stadt wie Dublin und auf dem Land im Südwesten sind wie Tag und Nacht - und uns dabei die tragischen Schicksale vieler Iren vor Augen führt, war es nicht mein Lieblingsthema. Ich mochte Nuala und Hannah erst beide, dann erst die eine und danach die andere nicht mehr. Alles nur wegen extremen politischen und religiösen Überzeugungen, bei denen Familienbanden auf einmal keine Rolle mehr spielten. 

Father O'Brien und Ambroise sind meine Lieblingsfiguren in diesem Band. In der Gegenwartsgeschichte ist es Jack - lauter Männer, wenn es doch um die Schwestern, und somit alles Frauen, gehen sollte. 

Der Geschichte um Pa Salt ist man nur minim näher gekommen, doch Platz findet sie wie erwähnt erst in einem weiteren Band. Nach den letzten Sätzen in "Die verschwundene Schwester" bin ich nun sehr auf die Auflösung dieses grossen Rätsels gespannt. 

Fazit: Unterhaltend und, auch wenn es nicht mein favorisierter Band ist, dennoch fesselnder Lesestoff.
4 Punkte.