Samstag, 22. Februar 2020

Novemberschokolade von Ulrike Sosnitza

Klappentext:
Zimt, Koriander und natürlich Schokolade – in Würzburgs einzigartiger Chocolaterie liegen verheißungsvolle Düfte in der Luft. Hier zaubert Lea Winter die wunderbarsten Schokoladengenüsse. Doch Liebe und Begeisterung allein bezahlen keine Rechnungen. Lea steht kurz vor der Pleite, und der einzige Ausweg scheint die Teilnahme an einem Wettbewerb zu sein. Mitten in ihrer Recherche entdeckt sie ihre Mutter Anne, die vor über zwanzig Jahren spurlos verschwand, in der Fachzeitschrift der Chocolatiers. Lea macht sich auf den Weg zu ihr und erfährt eine lang verdrängte, furchtbare Wahrheit.



Schon lange wollte ich Ulrike Sosnitzas Romane lesen. Nun habe ich es endlich geschafft und alle vier fast direkt hintereinander gelesen. Angefangen habe ich mit ihrem ersten Roman, "Novemberschokolade". 

Der Roman macht auf jeden Fall Lust auf Schokolade (also erst genug Schokolade besorgen und dann erst lesen). Denn Lea hat viele Köstlichkeiten in ihrem Angebot. Der kleine Laden ist ihr ein und alles, und bedeutet ihr sehr viel. Dass Lea die Miete nicht mehr zahlen kann, ist schwierig für sie. Doch um ihre beiden Teilzeitangestellten zu behalten, lässt sie sich einiges einfallen. 

Zum Beispiel meldet Lea sich für einen Wettbewerb an, der ein Hotel ausgeschrieben hat. Mit der Gewinnsumme wäre sie aus dem Gröbsten raus. Doch dann taucht nicht nur ein Mann auf, der beim unsympathischen Italiener von vis-a-vis arbeitet, sondern auch noch ihre Mutter - die kurz nach dem Tod ihres Vaters plötzlich verschwand; der Grund wieso Lea bei ihren Grosseltern aufwuchs. 

In "Novemberschokolade" gibt es natürlich ganz viel Schokolade, aber nicht nur in süss. Auch die bittere Note der Schokolade verschweigt uns Autorin nicht: Ulrike Sosnitza beschreibt glaubwürdig den harten Alltag, den ein Chocolatier hat, um so einen kleinen Spezialitätenladen am Leben zu erhalten. Es ist kein Schoggi-Job, wie man meinen könnte, nein, man muss mit Herz und Seele dabei sein, so wie Lea Winter es für ihren eigenen Laden ist. Leider reicht auch das ganze Herzblut reinstecken nicht immer. Was Lea für ihr Geschäft alles in Kauf nimmt, erzählt uns die Autorin eindrücklich in dieser Geschichte.

Ich erwartete eine "süsse" Story über Schokolade, garniert mit ein bisschen Liebe. Doch da war weit mehr drin als gedacht: ich bekam spannende Unterhaltung geboten. Die Hintergründe, die mit dem Verschwinden von Leas Mutter zu tun haben, sind extrem fesselnd und die ganze Aufarbeitung sorgt immer wieder für Überraschungen. Deshalb konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. "Nur noch ein Kapitel" sagte ich mir - doch das Ende des vorigen war meistens so fesselnd oder überraschend oder beides, dass ich gleich das nächste Kapitel auch noch lesen musste. Da wundert es nicht, dass ich den Roman blitzschnell ausgelesen habe. 

Mein einziger Kritikpunkt bezieht sich auf den Titel, doch auf den hat die Autorin nicht viel Einfluss und deshalb ist meine Anmerkung mehr eine Anregung für den Verlag: das Thema "Schwäne" zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman. Ich hätte es deshalb schön gefunden, wenn die sich im Titel wiedergefunden hätten und nicht nur den kleinen gezeichneten Schwan auf dem Cover, den man erst auf den zweiten Blick sieht. 

Fazit: Wahnsinnig spannende und dennoch warmherzige Geschichte, die mich von der ersten bis zur letzten Seite begeisterte. 
5 Punkte.

Freitag, 21. Februar 2020

Krimi: Der Tote von Sines von Claudia Santana (Inspektor Cabral 1)

Klappentext:
Inspektor Nuno Cabral hat abgeschlossen – mit seiner Vergangenheit, seinem Heimatort Sines und seiner Karriere bei der Polícia Judiciária. Doch dann stirbt sein Vater, und er kehrt widerwillig in die kleine Hafenstadt zurück. Kurz nach seiner Ankunft wird dort ein Mann unter höchst rätselhaften Umständen ermordet. Cabral wird zum Tatort gerufen, und schon bald steckt er tief in den Ermittlungen. Zusammen mit der Journalistin Joana Meireles sucht er in der Vergangenheit des Opfers nach Hinweisen auf den Mörder – und stößt dabei auf einen düsteren Abschnitt in der Geschichte Portugals.



Auf gehts in den Alentejo! Diese Gegend im Südwesten Portugals ist geprägt von Korkeichen, Oliven und guten Weinen. Doch nichts davon spielt in "Der Tote von Sines" eine Rolle. 

Oscar Lima gehört zur kapverdischen Aussiedlerbevölkerung, wohnt abgelegen, sein Haus ist einer Baufirma im Weg - und wird eines Abends tot aufgefunden. Just an diesem Abend sitzt Nuno Cabral mit Mestre Gouveia in Sines, in der Pastelaria Galegos, wo er früher Stammgast war. Er ist nur wegen einer Erbsache zurück in seinem Heimatort und will so schnell wie möglich wieder weg. Zu viel erinnert ihn an seinen verhassten Vater und den Tod seiner Mutter, an dem er sich schuldig fühlt. 


Doch da er den Notartermin verpennt, ist er gezwungen, die nächsten Tage hier zu verbringen. Also kann er ja auch gleich mit zum Tatort, schliesslich ist er ja Kommissar - nur hat er seine Marke abgegeben, was vor Ort noch niemand weiss. Als klar ist, dass sein Widersacher Leonel Bernardes, der Typ, der an allem was in Nunos Leben mies gelaufen ist Schuld ist, für den Fall verantwortlich ist, ist Nunos Ehrgeiz gepackt. Zusammen mit einigen Alteingesessenen und einer Journalistin macht er sich dran, den Fall zu lösen. 


Der Krimi ist gut aufgebaut und der Fall schlüssig. Er kam mir stellenweise aber ein wenig düster rüber, denn Cabral ist die meiste Zeit schlecht drauf. Es passt aber gut zu seinem, sagen wir mal, Werdegang in diesem ersten Band - ich gehe davon aus, dass es weitere Bände geben wird. Bis zum Ende hat er nicht nur den Fall gelöst, sondern auch seine Vergangenheit aufgearbeitet.


Ich bin gespannt, wie es mit Cabral und wohl auch zusammen mit der Journalistin Joana Meireles weitergeht. Ein gutes Team geben sie auf jeden Fall ab. Ob ich die Serie weiter verfolgen werde, hängt vor allem vom weiteren Verlauf in einem möglichen zweiten Fall ab. So ganz überzeugt bin ich noch nicht, aber das ist vor allem dem Thema geschuldet, weswegen Oscar sterben musste.

Fazit: Alles in allem ein guter Anfang - interessant wird es erst, wenn man sieht, in welche Richtung sich das Ganze zukünftig entwickelt. 
4 Punkte. 


Donnerstag, 20. Februar 2020

Die Diva von Michelle Marly (MFzLuK 12)

Klappentext:
Der Inbegriff von Glamour und charismatischer Schönheit und eine Künstlerin jenseits aller Massstäbe - Schon früh findet die junge Maria ihre Bestimmung – das Singen. Mit ihrer einzigartigen Stimme, die drei Oktaven umfasst, und ihrer ausdrucksstarken Darstellung interpretiert sie das Metier der Operndiva neu. Die Welt bejubelt die leidenschaftliche, glamouröse Sopranistin als »die Callas«. Doch ihre Stimme hält den Belastungen nicht lange stand, und zu wenig Raum gibt es für die Frau hinter dem Mythos. Dann trifft Maria den griechischen Reeder Onassis, mit dem sie im schillernden Jetset der Sechziger die Liebe ihres Lebens erlebt – bis er einer anderen Ikone begegnet: Jackie Kennedy.


Nach ihren Romanen über Coco Chanel und Edith Piaf schreibt Michelle Marly nun über das Leben der legendären Sopranistin Maria Callas. Wie bereits in den eben genannten Vorgänger-Romanen wird auch hier nur ein Teil von Maria Callas Leben erzählt. 

Und zwar der Part, der für die Diva wahrscheinlich der Wichtigste in ihrem Leben war. Es ist die Zeit, in der sie Aristoteles Onassis kennen und lieben lernte. Wir bewegen uns in dieser Geschichte in der Zeit zwischen 1958 und 1969 und geografisch zwischen Venedig, Mailand, Paris, Monte Carlo und New York. 

Doch hauptsächlich begleiten wir in "Die Diva" Maria und Aristo bei einem dreiwöchigen Segeltörn durch die Ägäis. Hier lernten die zwei sich besser kennen und verliebten sich ineinander, obwohl Marias Mann Battista und Aristos Frau Tina, sowie Winston Churchill und weitere Gäste mit an Bord waren. 

Die beiden griechischen Kosmopoliten fanden ineinander ihren Seelenverwandten. Man muss die zwei nicht mal unbedingt mögen, um zu spüren, dass von beiden eine spezielle Anziehungskraft ausging. Die Faszination, die Maria und Aristo füreinander empfanden, spürt man beim Lesen deutlich. Autorin Michelle Marly nimmt den Leser mit auf die Segelreise - es ist, als sässe man in den langen, warmen Mittelmeernächten mit dabei als Anstandswauwau und nehme an der Reise selbst teil.  

Man merkt aber klar, dass die Callas im Gegensatz zu der Piaf oder zu Coco Chanel weniger leidenschaftlich und immer um Contenance bemüht war, sogar in der schmerzhaften Trennungsphase. Auch diesen Umstand skizziert die Autorin bildhaft und legt uns somit ein interessantes und wahrscheinlich sehr authentisches Porträt über die Primadonna assoluta in die Hände.

Leider rissen mich die enorm vielen Zeitenwechsel - vor allem jene im ersten Drittel - aus dem Lesefluss. Ich musste wirklich bewusst die Kapitelüberschriften lesen, damit ich wusste, wo und wann die Geschichte auf den nächsten Seiten gerade spielt, ob 1959, 1968 oder viel früher oder irgendwo dazwischen. 

Fazit: Michelle Marly gewährt uns mit ihrem Roman "Die Diva" einen tiefen Einblick in die verbundenen Seelen von Maria Callas und Aristoteles Onassis.
4 Punkte. 



Reihenfolge der "Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe"-Serie:
Band 1: Eva Gouel  -  Madame Picasso von Anne Girard
Band 2: Ida Chagall  -  Die Tochter des Malers von Gloria Goldreich
Fiktionaler Zwischenband:    Rendezvous im Café de Flore von Caroline Bernard
Band 3: Lucia Joyce  -  Die Tänzerin von Paris von Annabel Abbs
Band 4: Gabriele Münter  -  Die Malerin von Mary Basson
Band 5: Coco Chanel  -  Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe von Michelle Marly
Band 6: Alma Mahler  -  Die Muse von Wien von Caroline Bernard
Band 7: Adele Bloch-Bauer  -  Die Dame in Gold von Caroline Trierweiler
Band 8: Marlene Dietrich  -  Marlene und die Suche nach Liebe von C.W. Gortner
Band 9: Edith Piaf  -  Madame Piaf und das Lied der Liebe von Michelle Marly
Band 10: Signe Munch  -  Die Malerin des Nordlichts von Lena Johannson
Band 11: Frida Kahlo  -  Frida Kahlo und die Farben des Lebens von Caroline Bernard
Band 12: Maria Callas  -  Die Diva von Michelle Marly
Band 13: Grace Kelly -  Grace und die Anmut der Liebe von Sophie Benedict (ET 20. Mai)
Band 14: Erika Mann - Die Tochter des Zauberes von Heidi Rehn (ET 18. August)

Montag, 17. Februar 2020

Krimi: Signora Commissaria und die dunklen Geister von Pietro Bellini

Klappentext:
Vor Jahren hat ein dunkles Geheimnis Commissaria Giulia Ferrari gezwungen, ihr Heimatdorf Santa Croce in der Toskana zu verlassen. Doch als mitten auf der Ponte Vecchio in Florenz ein Mord geschieht und anschließend unter mysteriösen Umständen die Leiche verschwindet, wird die Sonderermittlerin vom Innenminister persönlich auf den Fall angesetzt. Giulia merkt schnell, dass sie bei den Ermittlungen allein nicht weiterkommt. Unterstützung erhält sie ausgerechnet von einem alten Bekannten: Luigi Battista, ehemaliger Commissario von Florenz und mittlerweile Gastwirt in Santa Croce. Unter den aufmerksamen Augen des gesamten Dorfes findet das ungleiche Ermittler-Paar nicht nur einen Mörder.


Vor dem Lesen einer neuen Krimiserie bin ich immer ein wenig aufgeregt. Man weiss nicht, auf was man sich einlässt, hat scheue hohe oder keine Erwartungen. Schliesslich weiss man ja nicht, ob der neue Krimi ein Flop oder vielleicht sogar die nächste Lieblingsserie wird. 

Bei "Signora Commissaria und die dunklen Geister" könnte es doch tatsächlich Letzteres sein. Der Kriminalfall hat mich positiv überrascht, auch wenn ich das Ende nicht ganz so gelungen fand. Doch von Anfang an:

Als die Polizei in Florenz eine Leiche verliert - sie ist spurlos verschwunden - schickt das Innenministerium Giulia Ferrari an die Stadt mit der berühmten Brücke über dem Arno. Sie darf sich selbst ein Team auswählen und will den besten Mann vor Ort. Den findet sie im ehemaligen Kommissar Luigi Battista. Bald auch mit zur Partie gehört Enzo Aleardi, ein junger und blinder Polizist, der bisher vor allem Bürodienst machte.

Der Krimi ist gut aufgebaut, es geht rasant und humorvoll zu und her. Die Ermittlungen sorgen immer wieder für Überraschungen, angefangen beim Moment als Giulia ihre Mitstreiter eruiert, bei der Suche nach der verschwundenen Leiche und den Zeugenvernehmungen im Juweliermilieu, bis zum Ende, als man endlich alles über den Toten herausgefunden hat und dem Mörder auf der Spur ist.

Die Auflösung ist zwar schlüssig gelöst und stimmig und kommt real so wohl öfters vor. Für mich war der Schluss aber ein wenig unrund, einen klitzekleinen Hinweis auf gewisse Ereignisse hätte ich als Leser gerne früher bekommen und deshalb verteile ich gute vier Punkte - bis vor der Auflösung hätte ich sogar 5 gegeben.

Neben dem spannenden Fall werden auch die Hintergründe der drei Ermittler erzählt. Giulia kennt Florenz und Sante Croce, wo Luigi wohnt, nur allzu gut. Doch sie spricht nicht darüber und erst nach und nach gibt sie, bzw. der Erzähler preis, wieso Giulia eigentlich nie mehr zurück wollte. Luigi gefällt sein neues Leben als Wirt, vermisst zwischendurch sein Commissario-Leben, will aber unter keinen Umständen mehr einen Fuss ins Polizeipräsidium setzen. Enzo freut sich, dass er nun auch endlich mal Aussendienst machen kann und zeigt seine Fähigkeiten am Computer, die auch Sehende gerne hätten. Ich mag die drei total gut! Nicht zu vergessen Luigis Hund Tulipan, der zwischendurch auch als Polizeihund amten darf.

Der Krimi wird wahrscheinlich auch allen "Madame le Commissaire"-Fans gefallen. Ich kann mir nämlich vorstellen, dass der Autor derselbe ist und hier einfach unter einem anderen Pseudonym schreibt - der Vorname ist gleich, einfach italienisch anstatt französisch. Aus der "Madame le Commissaire" wird "Signora Commissaria", beide schickt das Innenministerium, beide Damen haben spezielle Assistenten - mich würde es deshalb wirklich nicht wundern, wenn es so wäre. Die "Signora Commissaria" kommt allerdings eine Spur witziger daher.

Fazit: Ein tolles, und mit einem blinden Polizisten in ihrer Mitte, aussergewöhnliches Ermittler-Trio, von dem wir voraussichtlich bald wieder etwas lesen dürfen. Ich bin dann jedenfalls am Start - mi piace molto!
4 Punkte.

Das eBook erschien am 1. Februar, die Printausgabe ist ab dem 1. April 2020 erhältlich.


Sonntag, 16. Februar 2020

Krimi: Tod im House of Lords (John Mackenzie 8)

Klappentext:
Ein Grabungsfund im Tower von London elektrisiert das ganze Land: Können diese Knochen Licht in einen 500 Jahre alten königlichen Kriminalfall bringen? Währenddessen stürzt Renie sich in die Aufklärung eines Todesfalls im Parlament. Beefeater John Mackenzies Warnungen verhallen ungehört und so merkt seine Nichte zu spät, mit wem sie sich angelegt hat. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, den John ohne Hilfe von unerwarteter Seite nicht gewinnen kann.





...und es geht doch weiter! Was war ich überrascht, als mich im Dezember 2019, kurz nachdem ich meine Rezension zu "Tod in Tintagel" veröffentlichte, Autorin Emma Goodwyn anschrieb und mir mitteilte, dass John Mackenzie bald weiter ermittelt. Obwohl mir Band 7 nicht gefiel und ich danach dachte, die Serie wäre zu Ende, wollte ich - neugierig wie ich bin - den neuen Band lesen. Vor allem auch, weil der Titel und die Inhaltsangabe aussagen, dass wieder im guten alten London ermittelt wird. 

Und zwar im Parlamentsgebäude. Hier stirbt ein Bekannter von Renie während der Arbeit. Renie ist sich sicher, dass dies kein Unfall war und setzt alle Hebel in Bewegung, damit offiziell ermittelt wird. Doch Onkel Simon glaubt ihr nicht - leider ist Simon wieder ganz der Alte. Umso mehr versucht John Renie zu unterstützen und sie dazu zu bringen, dass sie ihm alles erzählt. John befürchtet zu Recht, dass Renie sich in grosse Gefahr begibt, wenn sie ihre Nase zu weit in alle möglichen Geheimnisse der Abgeordneten steckt. 

Dabei hätte John eigentlich gar keine Zeit sich auch noch um seine Nichte zu kümmern. Ärger hat er schon genug: im Tower stehen einem Anbau des Rabengeheges eventuell königliche Knochenfunde im Wege, was für Streitereien zwischen den Forschern und Angestellten des Towers führt und viele Überstunden mit sich bringt. Ein unliebsamer Besuch für John lässt Pauline eifersüchtig werden. Und dann sorgt sich John auch noch um Geoff, Renies Ex-Freund, der aus Costa Rica widersprüchliche Aussagen am Telefon und in seinen Mails macht. Während John an allen Fronten wirkt, wird es gefährlich für Renie - an der Sache im Parlament scheint was dran zu sein. 

Somit wird die zweite Romanhälfte richtig spannend! Das brauchte es aber auch nach der sehr an Geschichtsunterricht erinnernden und aus vielen Monologen bestehenden ersten Hälfte, die deswegen sehr langatmig ist.

So, wie die Krimiserie in der zweiten Hälfte von "Tod im House of Lords" daher kommt, gefällt sie mir wieder ganz gut. Durch die Mithilfe von John und Renies alten Freunden erinnert der Band auch an die ersten Teile, bei der die restliche Familie nur in Erscheinung tritt falls notwendig. Nun nur noch das Nötigste an historischem Wissen wohldosiert dazwischen streuen und mehr John (hoffentlich mit einem neuen, internetfähigen Handy) als Renie, dann reicht es vielleicht von meiner Seite aus auch wieder mal für 5 Punkte. 

Fazit: Ein, zumindest in der zweiten Hälfe, unterhaltender und spannender Fall für Renie und John und ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten, die ich in den letzten Fällen vermisst habe. 
4 Punkte.



Reihenfolge:
Band 2: Tod im Kilt
Band 3: Tod im Museum
Band 4: Tod im Schatten der Tower Bridge

Samstag, 15. Februar 2020

Sternenblütenträume von Ulrike Sosnitza

Klappentext:
Die Hochzeitsfotografin Nina braucht eine neue Wohnung und einen neuen Mann. In dieser Reihenfolge. Seit sie wieder Single ist, lebt sie notgedrungen bei ihren Eltern, und das hält sie einfach nicht aus. Da trifft sie auf einer sonnendurchfluteten Lichtung im Wald auf den Schulsozialarbeiter Felix, der so gerne Bäume umarmt. Sie verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Und er in sie. Alles ist perfekt. Sogar die riesige Narbe auf ihrem Bauch stört ihn nicht. Doch dann entdecken die beiden, welch schreckliches Geheimnis sie verbindet.




In ihrem vierten Roman erzählt Ulrike Sosnitza die Geschichte von Nina, die bei ihrem Vater im Fotostudio als Hochzeitsfotografin arbeitet. Die Arbeit macht ihr Spass, viel mehr als ihr früherer Job. Nur wünschte sie sich, ihr Vater würde einer sanften Modernisierung des Studios zustimmen. Sie sitzen sich sowieso oft auf der Pelle, denn Nina wohnt nach der Trennung von ihrem Ex-Freund wieder zuhause. Eine neue Wohnung zu finden ist schwer, aber Nina gibt nicht auf. Ihre Freundin Amira bestärkt sie, wieder mal auszugehen und neue Männer kennen zu lernen, aber so richtig Lust dazu hat Nina nicht. 

Bis Nina auf einer Waldlichtung denkt zu träumen, als ihr ein hübscher Mann über den Weg läuft. Ein magischer Moment für beide! Auch Felix fühlt sich von Nina angezogen. Als sie sich überraschend wieder treffen, sind beide hin und weg voneinander, es fühlt sich perfekt an - doch kann ihre frische Liebe die Folgen eines tragischen Ereignisses, das sich vor einigen Jahren ereignet hat, überstehen?


Die Autorin schildert packend die Geschichte von Nina und Felix und lässt die beiden Charaktere abwechselnd erzählen. Wie bereits bei den vorherigen Romanen lässt Ulrike Sosnitza ihre Figuren in einer ganz normalen, reellen Welt agieren, es sind Leben, wie wir Leser sie auch haben oder haben könnten. Die Bodenständigkeit gefällt mir sehr. Das gewisse Etwas packt die Autorin in ein Ereignis, das  sehr tragisch ist, aber auch allen von uns passieren könnte. Jetzt geht es darum, wie die Figuren damit umgehen. 


Und leider passiert gerade da etwas, was ich nicht mag. Nämlich, dass Protagonisten ihr Gegenüber nicht ausreden lassen und sich darauf der ganze Roman aufbaut  - der so nicht stattfinden könnte, wenn der andere nur zwei oder drei Sätze mehr sagen hätte können. So schlimm ist es hier zum Glück nicht, aber das Ganze hätte sich wesentlich einfacher klären lassen - ohne von der Dramatik der Sache irgendetwas einzubüssen. Besagte Person bekommt gerade noch die Kurve, und merkt selbst, dass sie besser hätte zuhören müssen, aber für mich bleibt das Gefühl von "hätte anders laufen können" zurück. Nachdem die Person die Kurve kriegte, wird es aber wieder rund und stimmig. Danach beeindruckte mich der Zusammenhalt aller und einige witzige Szenen, die sich daraus ergaben.


Bis auf den oben genannten Punkt habe ich den Roman richtig gern gelesen. Die Geschichte war unterhaltend und besticht durch die sympathischen Protagonisten Nina und Felix. Die Berufsbezeichnung von Felix habe ich so noch nie gehört (das heisst bei uns anders), finde aber gut, was und wie er es macht. Schön fand ich die Verbindung, die er durch seinen Beruf mit weiteren Figuren des Romans hat. Freunde und Eltern von Nina und Felix sind ebenfalls toll gezeichnet und die Ortschaft und Locations konnte ich mir gut vorstellen. Bösewichte gibt es natürlich auch, die geben dem Roman Würze. 

Ebenfalls gefallen hat mir, dass ziemlich schnell klar ist, worauf sich der Titel bezieht. Gegen Schluss machen dann auch noch die Holunderblüten auf dem Cover Sinn. 


Fazit: Schöner Schmöker, den man nur allzu schnell ausgelesen hat. 
4 Punkte:

Freitag, 14. Februar 2020

Herzklopfen in der kleinen Keksbäckerei von Holly Hepburn

Klappentext:
Seit sie denken können, verbindet die besten Freundinnen Cat und Sadie ein gemeinsamer Traum – eine eigene Keksbäckerei. Als in ihrem Heimatstädtchen ein kleiner Laden frei wird, zögern sie nicht lange: Cat hat gerade ihren Job als Sterneköchin in Paris an den Nagel gehängt, und Single-Mama Sadie braucht Ablenkung von ihrem gebrochenen Herzen. Und schon bald holt Cat duftende Plätzchen aus dem Ofen, die Sadie mit buntem Zuckerguss verziert. Doch die Inhaberin der französischen Patisserie nebenan fürchtet Konkurrenz und legt den beiden allerhand Steine in den Weg. Zum Glück können die beiden immer auf Jaren zählen, den gut aussehenden Besitzer des Pfannkuchenrestaurants gegenüber. Und dann ist da noch der Bienenzüchter Adam, der die Keksbäckerei mit Honig versorgt.


Den letztjährigen Roman "Um fünf unter den Sternen" von Holly Hepburn habe ich in der kompakten Version gelesen. Da mich dort die Zeitsprünge zwischen den einzelnen Teilen genervt haben, wollte ich es dieses Jahr mit "Herzklopfen in der kleinen Keksbäckerei" umgekehrt machen und die Einzelbände lesen. Die sind analog dem englischen Original auch in vier Einzelteile erhältlich, allerdings nur als eBook. Preislich macht es jedenfalls keinen Unterschied, welche Variante gelesen wird. 

Die Zeitsprünge sind leider auch hier wieder vorhanden. Besonders zwischen "Winterzauber" und "Valentinstag" störte mich die Pause sehr. Danach sind sie zwar noch vorhanden, fühlen sich aber nicht mehr nach "mitten im Satz drin abgebrochen" an. 

Zuerst dache ich, ich lese sie mit grösserem Abstand, mache zumindest vielleicht eine Pause zwischen Valentinstag und Ostern. Aber dann war ich doch zu gespannt, wie es weitergeht und las alle hintereinander. 

Es ist übrigens nicht sinnvoll irgendwo einzusteigen, denn die Geschichte ist aufeinander aufgebaut. Szenen, die sich in einem der ersten Bände abspielen, machen erst später Sinn. Von daher: bitte brav der Reihenfolge entlang lesen. 

Egal, ob Gerüchte gestreut werden, Verleumdungen an der Tagesordnung sind, oder Ostern vor der Türe steht, bloss die Wassermassen eines Unwetters nicht davor stehen bleiben und alles unter Wasser setzen, Aufträge zu unzähligen Nachteinsätzen führen, oder das Liebesleben der beiden fleissigen Frauen vollkommen durcheinander gerät, zusammen mit ihren Freunden und Nachbarn schaffen Cat und Sadie alles.

Die Geschichte um die zwei Frauen, die in Chester am Castle Court einen Keksladen aufbauen, ist ein netter "Easy-Read". Die Keksbäckerei boomt schnell und die Freundinnen legen viele Extra-Schichten ein. Es geht um Kekse, Konkurrenz, Freunde und natürlich um Liebe. Es gibt Auf und Ab's in allen Bereichen - Hauptsache am Ende sind alle auf ihre Art und Weise glücklich. 

"Herzklopfen in der kleinen Keksbäckerei" war interessanter als gedacht, und hat mir diesbezüglich besser gefallen als "Um fünf unter den Sternen". 

Fazit: Ein romantisches Auf und Ab für Zwischendurch, eine relaxte Lektüre passend zum Beispiel zum heutigen Valentinstag - auch für alle, die Kekse nicht mögen. 
4 Punkte. 


Reihenfolge der Einzelbände
Band 2: Valentinstag in der kleinen Keksbäckerei
Band 3: Frühlingsträume in der kleinen Keksbäckerei
Band 4: Hochzeitsglocken in der kleinen Keksbäckerei