Freitag, 10. März 2017

Krimi: Endstation Côte d'Azur von Christine Cazon (Duval Band 4)

Klappentext:
Sein vierter Fall führt Léon Duval in die Welt der fliegenden Händler von Cannes. Ein Afrikaner wird am Bijou Plage, einem der schönsten Strände der Stadt, tot aufgefunden. Gibt es einen Zusammenhang mit den an der Grenze zu Italien ausharrenden Flüchtlingen, die immer wieder versuchen, mit selbst gebauten Booten nach Frankreich zu kommen? Oder ist alles doch ganz anders? Der Tote ist nämlich ein fliegender Händler aus dem Senegal. Von ihnen gibt es viele in der Stadt, sie verkaufen an den Stränden und in den Straßen ihre Waren an Touristen. Aber wer könnte ein Interesse daran haben, einen armen Straßenhändler zu ermorden? Duval erkennt bald, dass mehr hinter der Sache steckt, als zunächst vermutet. Zumal, als noch eine zweite Leiche auftaucht. Aber auch seine Freundin, die Journalistin Annie, die eigentlich für ein paar Tage Urlaub aus den Bergen nach Cannes gekommen ist, stellt Nachforschungen an. Sehr zum Ärger von Duval und seinen Kollegen.

Dies war der dritte von mir gelesene Krimi in Folge, der das Thema Flüchtlinge beinhaltet. Bei den ersten beiden gab es immerhin noch andere Aspekte, doch bei "Endstation Côte d'Azur" dreht sich alles darum. Es wird lang und breit durchdiskutiert. Zwischen Léon und Annie, im Café, im Bistro, auf dem Polizeiposten, schlicht überall. Es gibt gefühlt keine einzige Unterhaltung im Buch, die nicht einen Bezug zu Flüchtlingen oder dem Schwarzhandel haben. Sogar die Auswahl auf der Speisekarte wird zur politischen Diskussion.

Duval hat Urlaub und Besuch von Annie. Doch nicht lange, denn von höchster Stelle wird er beauftragt in einem Todesfall am Strand zu ermitteln. Zeitgleich gab es an der Grenze zu Italien einen Flüchtlingsaufstand und Duvals Vorgesetzte vermuten einen Zusammenhang. Besser gesagt, sie möchten lieber, dass dem nicht so ist und Duval soll es diskret herausfinden. Seine Freundin, die Journalistin Annie Châtel, ist ganz Ohr, beginnt selbst zu recherchieren und geht dermassen darin auf, so dass Léon zu kurz kommt. Dies sorgt für gehörige Spannungen in der Beziehung, aber Annie will Gleichberechtigung. Léon hat daran zu knabbern.

Gefallen hat mir, dass man Annie in diesem vierten Band besser kennen lernt. Bisher war sie eher eine Randfigur, doch nun kommt sie endlich zu Zuge. Léon und seine Mitarbeiter Léa Leroc, Michel Leblanc und Noah Villiers kabbeln sich wie immer, arbeiten aber effizient.

Gar nicht gefallen hat mir, dass das Thema dermassen dominiert, dass sogar die Mahlzeitenauswahl der Protagonisten interessanter war. 
Über das Thema hört und liest man tagtäglich in den Nachrichten und Zeitungen - ich muss es in diesem Ausmass nicht auch noch in einem Krimi lesen. 
Die Autorin hat zweifellos gut recherchiert. Es werden sämtliche Einstellungen und Lösungsansätze diskutiert, doch sie wären meiner Meinung nach in einem Einzelband besser aufgehoben. 
Leider gehen auch die Ermittlungen total unter. Sie sind weder spannend noch unterhaltsam und bestehen nur aus Gesprächen, in denen erörtert wird, wieso die Strassenhändler hier leben und wie sie organisiert sind.

Die einzig fesselnde Situation im Buch wäre die Festnahme des Täters gewesen, doch nur soviel dazu: hier wurde ein Unterthema bemüht, dem man alles in die Schuhe schieben kann. Es schien mir, als ob die ellenlangen Themendialoge die Fantasie der Autorin ermüdet haben, und sie noch schnell einen - für mich zu einfallslosen und abgenutzten - Schlusspunkt setzte. Schade.

Fazit: Ereignisloser Fall und ermittlungsschwächster Teil der Serie. Lesenswert für Leser, die sich für die Hintergründe des Strassenhandels interessieren.
3 Punkte.


Reihenfolge:
Band 4: Endstation Côte d'Azur

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