Sonntag, 6. März 2022

Der Prinz an ihrer Seite von Flora Harding

Klappentext:
Windsor Castle 1943: Kronprinzessin Elizabeth fiebert dem Wiedersehen mit Prinz Philip von Griechenland entgegen. Seit ihrer letzten Begegnung geht ihr der charmante junge Leutnant mit den strahlend blauen Augen nicht mehr aus dem Kopf. Doch ihr Vater, König George VI., ist entschieden gegen diese Verbindung: Philip ist zu unberechenbar und zu abenteuerlustig für eine zukünftige Königin. Noch dazu ist er kein Brite. Aber dieses eine Mal ist Elizabeth fest entschlossen, sich gegen alle Widerstände durchzusetzen und ihrem Herzen zu folgen. 



Als ich sah, dass dieser Roman übersetzt wurde, wusste ich, dass ich ihn lesen werde. Doch der perfekte Lese-Zeitpunkt musste erst gefunden werden, denn ich hatte noch weitere Bücher über die Geschichte der Royals auf meinem SuB, weshalb ich mir eine Reihenfolge erstellte. Ich kann allen nur empfehlen, vielleicht erst noch einige andere Titel zu lesen, drei mögliche Romane nenne ich weiter unten, bevor ihr zu "Der Prinz an ihrer Seite" greift, aber gelesen gehört dieses Buch von Flora Harding auf jeden Fall. Es ist ja auch eine Art Zeitgeschichte, von daher: unbedingt lesenswert!

Die Erzählperspektive finde ich toll. Hauptsächlich ist es die aus der Sicht des Prinzen, der ja eigentlich nur noch Prinz war, aber kein Geld und keine Heimat hatte. Heiraten, vielleicht auch ohne verliebt zu sein, das war gang und gäbe in seinen Kreisen. Ob er wirklich schon heiraten will oder noch einige Jahre warten und das Leben geniessen, und wenn heiraten, wen - diese Frage stellt er sich in diesem Roman.

Aber nicht nur er, sondern auch Elizabeth stellt sich ähnliche Fragen. Ihre vielen gemeinsamen Treffen sickern raus und so kommt sie spätestens jetzt zum ersten Mal mit der Bevölkerung in Kontakt, die wohl einfach aus Neugier oder Wohlwollen den Stand ihrer Beziehung erfahren will, obwohl Elizabeth für sich selbst noch gar nichts entschieden hat und ihre Gefühle noch für sich behalten möchte. 

Flora Harding hat mit "Der Prinz an ihrer Seite" eine tolle Romanbiografie über die beiden fast bekanntesten Menschen der Welt, ihre Annäherung aneinander und ihre aufkeimende Liebe, geschrieben. Alles mit britischem Understatement, faktenreich - ja, so könnte es gewesen sein. Ich fands toll, "Zeuge zu sein", wie sich Lilibet und Philip kennenlernten. Wer hätte damals gedacht, wie lange die beiden das Leben Seite an Seite verbringen werden, er offiziell zumindest immer einen Schritt hinter hier, über 70 Jahre lang. Absolut eindrücklich.

In diesem Roman wird die Zeit von ihrem Kennenlernen bis hin zur Hochzeit abgedeckt. Ich bin froh, hab ich "Teatime mit Lilibet" und "Wallys & Edward von Wendy Holden und "Die vergessene Prinzessin" von Eva-Maria Bast voraus gelesen. Im ersten Roman geht es um die Kindheit der Queen, im dritten um die Familiengeschichte von Prinz Philip. Mit diesem Backgroundwissen war es für mich leicht die vielen Details einordnen zu können. Man versteht deshalb auch nur zu gut, wieso Schloss Windsor für die Queen so viel bedeutet und weshalb sie zukünftig nur noch dort leben will und nicht mehr zurück in den Buckingham Palast gehen will. 

Fazit: Die Anfänge der gefühlt längsten Liebesgeschichte der Welt wahnsinnig toll erzählt!
5 Punkte. 


Samstag, 5. März 2022

Krimi: Mord in der Strasse des 29. November von Alfred Bodenheimer

Klappentext:
Mitten im Lockdown werden die Knesset- Abgeordnete Ruchama Wacholder und ihr Ehemann Gil beim Spaziergang mit ihrem Hund Itztrubal auf offener Straße erschossen. Als lasteten die Corona-Pandemie und der völlige Stillstand des gesellschaftlichen Lebens nicht schon schwer genug auf den Gemütern, denkt sich Polizeipsychologin Kinny Glass. Der Fall geht ihr auch persönlich nahe: Kinnys Ex-Mann Ariel hat mit Gil Wacholder zusammengearbeitet. Auf dem Laufenden hält sie der leitende Ermittler Nissim – der allerdings nicht wirklich ihr »Neuer« ist, wie Kinnys Tochter Mia behauptet. Mehrere Zeugenaussagen deuten auf einen islamistischen Terroranschlag hin, doch der Wirbel um regierungskritische Äußerungen von Ruchama Wacholder lässt eher ein parteipolitisches Motiv vermuten. Als der israelische Geheimdienst den Fall an sich reißen will, soll Kinny im Namen der Polizei verhandeln. Wenn man sie schon einspannt, wird sie wohl auch ein wenig ermitteln dürfen, entscheidet die Psychologin. Dass sie Iztrubal zu sich genommen hat, macht die Sache leichter: Gemeinsam mit dem Yorkshireterrier erlaubt sie sich trotz Ausgangssperre den ein oder anderen Spaziergang durch die leeren Straßen Jerusalems.


Als begeisterte Leserin der "Rabbi Klein"-Reihe freute ich mich auf den neuen Krimi, der Rabbi-unabhängig in Jerusalem spielt. Polizeipsychologin Kinny Glass soll hier die Ermittlerin sein. 

Während dem langen und strengen Lockdown in Israel wird es Kinny zuhause ziemlich langweilig, online arbeiten ist für sie schwierig. Auch die Gesamtsituation belastet sie, kommt dazu, dass ihre Tochter Mia wieder bei ihr wohnt. Eines Tages hört sie in den Nachrichten, dass ein "Mord in der Strasse des 29. November" geschehen ist. Genauer gesagt ein Doppelmord, eine bekannte Politikerin und ihr Mann wurden getötet, beide sind Kinny gut bekannt. Sie will was tun, doch es scheint, als ob der Geheimdienst und nicht die Polizei den Fall zugeschanzt bekommt. 

Anstatt wie erwartet zu lesen, dass Kinny mit Polizeikollege Nissim nun kräftig ermitteln, liest man von ihren Befindlichkeiten, ihren Familienproblemen und seitenweise Gerede über das Verhältnis des Shabaks zur Poliziei und umgekehrt, über die nicht glaubwürdige Festnahme angeblicher Verdächtige und so weiter. Sie wären erfolgreicher, würden die beiden Parteien besser zusammen arbeiten als übereinander herziehen.

Mehr als die Hälfte der Geschichte spielt sich innerhalb Kinnys Wohnung ab, bis dahin ist Kinny nur zweimal kurz ausser Haus anzutreffen. Einmal in einem Polizeigebäude, einmal bei einem Tatortspaziergang mit Hund, von dem man sonst kaum etwas mitbekommt, also anders als im Klappentext erwähnt.

Auch sonst fühlte ich mich getäuscht, denn für mich war das kein Krimi, sondern ein Roman, bei dem die Protagonisten bei der Polizei arbeiten. Ein Lockdown-Roman, in dem man allerlei über die Gefühle der Menschen, die das Leben zuhause nicht aushalten, mitbekommt. 

Mit den Figuren wurde ich nicht warm. Kinnys Bruder Golan in Amerika hört sich mehr als nur depressiv an. Kinnys Tochter Mia ist zwanzig, verhält sich aber wie ein Teenager. Dazu kommen familiäre Streitereien: einerseits Kinnys Vater, der nicht klar kommt, dass seine Kinder und Enkel sich zu weltlich verhalten. Andererseits Kinny selbst, die ihrem Ex-Mann immer noch zürnt und eifersüchtig auf das gute Verhältnis zu Mia ist. Ausserdem weiss sie selbst nicht, was sie in Bezug auf Nissim fühlt - bzw. wird das als blosse Affäre gewichtet. Eine Art Arbeitskollegen mit gewissen Vorzügen. Aufgrund einer bestimmten Szene müsste da aber weit mehr sein, doch das kam bei mir überhaupt nicht so an. Ausserdem ist eine Psychologin, die ihr Telefon tagelang nicht abnimmt, für mich nicht glaubwürdig. 

Der Autor baut ein Konstrukt mit vielen Themen wie #MeToo, Missbrauch, Diskriminierung etc. auf. Dadurch wird die Krimihandlung leider zur Nebensache gradiert und ist nur der Aufhänger für diesen Roman. Die Themen zeigen Ausschnitte aus den alltäglichen Problemen in Israel. Somit wäre diese Geschichte als gesellschaftspolitischer Roman oder gar als Zeitzeuge des Lockdowns besser zu lesen, das Attribut Krimi passt leider nicht. 

Ich hoffe, Kinny bleibt eine Eintagesfliege und Alfred Bodenheimer widmet seine Zeit vermehrt wieder Rabbi Klein. 

Fazit: Erwartet habe ich einen Krimi, bekommen einen Lockdown-Roman - hätte ich das gewusst, hätte ich ihn nicht gelesen. 
3 Punkte. 



Freitag, 4. März 2022

Der Salon von Julia Fischer

Klappentext:
1956. Die junge Leni aus dem ländlichen Hebertshausen kann ihr Glück kaum fassen: Die Anstellung bei dem vornehmen Friseur Keller in München ist der erste Schritt zur Verwirklichung ihres großen Traums - ein eigener Salon in der Stadt. Unterdessen hadert ihr Bruder Hans mit seinem Medizinstudium. Seine Leidenschaft gilt der Jazzmusik - und Lenis Freundin Charlotte, die in einer unglücklichen Ehe gefangen ist. Während sie alle darauf hoffen, ihr Glück zu finden, stellt ein Schicksalsschlag ihre Zuversicht auf eine harte Probe.




Ein neuer Roman von Julia Fischer - aber er spielt nicht in Italien, sondern in einem Coiffeursalon. Als ich das sah, war ich skeptisch. Gerne hätte ich mich von Julia Fischer wieder ins Piemont oder nach Florenz entführen lassen, aber nach München? 

Lesen wollte ich ihn dann doch. Schliesslich muss ich ja wissen, ob meine Skepsis begründet war und ich die Autorin mit gutem Grunde bitten könnte, nächstens wieder eine Geschichte im Nachbarland handeln zu lassen ;-) Wie ich beim Lesen dann feststellte, kann Julia Fischer doch nicht ganz ohne Italien auskommen, auch wenn es letztendlich nur eine Wunschreise blieb. Vorerst zumindest. 

Denn anscheinend wird es von "Der Salon" einen zweiten Band geben, was ich aber gerne vor dem Lesen gewusst hätte, denn zu dem im Klappentext erwähnten Traum von Leni, dem eigenen Salon, kam es nicht. Der Klappentext fasst in etwa den ersten Band zusammen und ist wohl für beide Bücher geschrieben worden, was beim Lesen leicht verwirrt.  

1951 beginnt "Der Salon" mit einem Prolog: Leni macht eine Lehre als Coiffeuse bei ihrer Mutter im Salon. Ihr Bruder Hans beginnt bald zu studieren. Mutter Käthe hofft noch immer, dass ihr Mann Otto nach Hause kommt. 

1956 hofft die Mutter noch immer, sehnt sich der studierende Hans als Musiker anstatt als Arzt arbeiten zu können und Leni möchte den altersschwachen Coiffeursalon zuhause umkrempeln. Sofern ihre Mutter sie lässt. Die tut das nicht, weshalb sich Leni in München heimlich in einem angesehenen Coiffeursalon bewirbt. 

In München trifft Leni auf die Clique von Hans. Sie studieren Medizin wie er selbst. Doch sie alle kommen aus unterschiedlichen Elternhäuser: die kluge Frieda, die neben dem Studium als Schaffnerin arbeitet; Karl, der Ärztesohn und Gigolo; Georg genannt Schorsch, ein mitfühlender Fotograf, der sich unter Wert verkauft und Landarzt werden will. Sie alle suchen ihren Platz im Leben, was bei einigen von Ihnen auch das Loslösen von den Eltern beinhaltet. Je nach Elternverhältnis gelingt dies unseren Figuren mal besser, mal schlechter. 

Neben diesen jungen Figuren stehen die eher älteren Kundinnen von Leni: die ehemalige Tänzerin Sasa Sorell und die gemeinnützige Arbeit tuende Miss Randall, aber auch Lenis Chef und diverse Mitarbeiter. Im Heimatdorf Herbertshausen sind es Mutter Käthe sowie einige Dorfbewohner. Insbesondere zu erwähnen ist, die ebenfalls junge, aber unglücklich verheiratete Charlotte, ebenfalls eine Kundin von Leni, aber gleichzeitig auch eine Bekannte von Hans. 

Sie alle tragen dazu bei, dass dieser Roman sehr vielfältig erscheint und die Autorin viele der damaligen aktuellen Themen behandeln konnte. Es sind so viele, dass ich gar nicht mit Aufzählen beginne (und ich jetzt doch schnell sagen muss, dass ich das Thema Seifensieden und Naturkosmetik toll fand) - Julia Fischer hat wahnsinnig viel reingepackt in diesen Roman. Ihr Rechercheaufwand muss enorm gewesen sein! Trotz all dieser Themavielfalt erstickt die Geschichte nicht in unnötigen Details - alles wird perfekt in die Geschichte mit eingewebt. 

Der Schreibstil ist gewohnt flüssig, zwischendurch durch einige bayrische und englische Ausdrücke garniert. Schorsch ist übrigens meine ganz klare Lieblingsfigur in dieser Geschichte! Über ihn hätte ich gerne noch so viel mehr erfahren.  

Das Zeitgeschehen hat die Autorin auf jeden Fall perfekt und sehr bildlich rübergebracht. Von daher ist "Der Salon" ein sehr informativer Roman für alle, die sich für das Leben in den 1950ern in Deutschland interessieren und unterhält bestens. 

Neben dem, dass ich von einem Einzelband ausging, störte mich noch etwas: ich empfand die Studentenverbindungs-Szenen als zu ausführlich geschildert. Wegen mir hätte die Autorin sogar gänzlich darauf verzichten können - auch wenn ich verstehe, dass damit die Vitamin-B-Schiene der High Society gezeigt werden sollte. 

Fazit: Der Roman ist eine unterhaltsam verpackte 50er-Jahre-Zeitgeschichtsreise mit berührenden Szenen.
4 Punkte. 


Donnerstag, 3. März 2022

Der Club der Bücherfeen von Thomas Montasser

Klappentext:
Eigentlich ist Patrick Iordanescu studierter Komponist. Aber wer braucht schon einen Tonsetzer heutzutage – einen rumänischen obendrein? Deshalb schlägt er sich in Deutschland als Paketbote durch. Als solcher lernt er viel über die Menschen, an die er täglich seine Sendungen zustellt. Besonders neugierig macht ihn eine Unbekannte, die sich ständig Bücher liefern lässt. Als er eines Tages ein Päckchen mit Dessous vor ihrer Tür hinterlässt, ist seine Phantasie nicht mehr zu zügeln. Jetzt will er die geheimnisvolle Frau, die nie zu Hause ist, kennenlernen. Aber das gestaltet sich schwieriger als erwartet. Dafür lernt er eine überaus kluge Buchhändlerin kennen, einen äußerst gewitzten und belesenen Jungen, einen erstaunlichen Lese-Club – und schon bald wird aus seinem Lieferwagen ein Bücherbus, der die Nachbarschaft mit Lektüren versorgt und den Paketboten auf Umwegen seinem Ziel näherbringt. Auch wenn es ein ganz anderes ist, als angenommen.


Der Klappentext hörte sich vielversprechend an, doch nach, bzw. schon während dem Lesen stellte sich bei mir Ernüchterung ein.

Die Geschichte um den Paketboten, der übrigens nicht Patrick wie im Klappentext, sondern Victor heisst, beginnt noch gut. In einem Wohnblock auf seiner Tour bestellt eine Frau mit wohlklingeden Namen sehr oft Bücher - und auf einmal trägt er ein Paket mit Dessous hoch. Neugierig geworden, macht Victor sich so seine Gedanken und möchte Bianca kennenlernen, seiner Meinung nach eine junge bücherlesende Frau mit schönen Dessous. 

Im Gegensatz zu Victor lernen die Leser Bianca bereits auf den ersten Seiten kennen. Es kommt zu einen lustigen Situationen, an denen sich beide nur knapp verpassen oder sehen könnten, wenn sie es nur wüssten, wer der andere ist. In Folge seiner Neugier beginnt Victor selbst zu lesen, erst wählt er mit Hilfe einer Buchhändlerin seine Bücher aus, dann selbst. Seine Bücher stellt er in seinen Lieferwagen und manchmal auch Bianca vor die Türe. Sie kennenzulernen gelingt aber lange nicht, dafür macht Victor andere Bekanntschaften.

Um nicht zu Spoilern und die Überraschungen nicht zu nehmen, sage ich dazu nichts Weiteres. Das Buch ist einfach viel zu kurz, um mehr zur Handlung zu verraten.

Trotz den guten Voraussetzungen - z.B. das Thema Bücher oder witzige Situationen btr. Kennenlernversuchen - hat mich die Geschichte nicht berührt. Sie kommt ein bisschen märchenhaft daher. Einige Dinge sind realitätsfremd, sie würden zumindest zu einer Kündigung führen. Kommt dazu, dass ich über das Thema Bücherbus und Buchhandlungen einfach schon viel stimmigere Romane gelesen habe. In "Der Club der Bücherfeen" kamen mir deshalb viele Szenen als abgekupfert vor. 

Fazit: Zwar eine nette Idee, die für mich aber nicht überzeugend umgesetzt wurde und sehr aufgesetzt wirkt.   
3 Punkte. 


TTT Top Ten Thursday 03.03.2022 - Zehn Titel ohne A

"Top Ten Thursday" ist eine Aktion von Aleshanee von Weltenwanderer. Jeden Donnerstag stellt sie eine Frage, zu der man als Antwort Bücherlisten mit 10 Buchtiteln, Buchcovern oder ähnlichem erstellt. 



Zeige zehn Bücher, in deren Titel keine A's vorkommen

Oh, ich mag doch das A so gerne :-) Aber ich hab trotzdem ganz viel Auswahl, nur schon in meinen SuB finden sich über 30 Titel, weitere auf meiner 2022-Wunschliste. Ich zeige euch heute nur SuB-Bücher, so muss ich auch nicht immer dieselben Verdächtigen nennen.




 


Und wie das so ist beim SuB - wollte man immer schon alle schon längstens gelesen haben... 

Mittwoch, 2. März 2022

Krimi: Flüssiges Gold von Paolo Riva (Commissario Luca 1)

Klappentext:
Commissario Luca hat seinen Job in Venedig an den Nagel gehängt und arbeitet nun im größtmöglichen Idyll: Montegiardino, ein Städtchen, das sich am Flusslauf des Arno in die sanften Hänge der Toskana schmiegt. Hier herrscht das Dolce Vita und den Höhepunkt von Lucas Polizistenleben bildet der gelegentliche Auffahrunfall vor der Grundschule. Da wird an einem trubeligen Markttag mitten auf der zentralen Piazza eine Olivenbäuerin angeschossen. Luca will nicht glauben, dass es die braven Bürger von Montegiardino aufeinander abgesehen haben. Hat die Mafia ihre Finger im Spiel? Als weitere Schüsse fallen, beginnt Luca, das vermeintliche Idyll mit anderen Augen zu sehen.


Eigentlich wollte ich nur schnell den Prolog lesen und später in meiner aktuellen Lektüre weiter lesen. Doch ich blieb an "Flüssiges Gold" kleben, der Schreibstil überzeugt mit einer interessanten Handlung, weshalb ich den Krimi am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen wollte.  

Das kleine toskanische Montegiardino ist die Heimat des alleinerziehenden Commissario Luca, der hier als Gemeindepolizist arbeitet und die Ruhe und das gemütliche Dorfleben geniesst. Einen Espresso an der Bar trinken, dabei den neuesten Tratsch zu hören, über den Markt flanieren und gleichzeitig nach dem Rechten sehen, ab und an ein Bussgeld verhängen - das mag er an seinem Job. In seinem kleinen, im Sommer sehr heissen Dachbüro im Rathaus ist er nur selten anzutreffen, ausser wenn er beispielsweise gerade die fehlenden Buchstaben für die Ortsbeschriftung bestellen muss. 

Als an einem Markttag plötzlich Schüsse vor der Bar fallen und eine Olivenbäuerin getroffen wird, ist die Welt im Dorf nicht mehr in Ordnung. Montegiardino wird zu Montecatastrofe - und Luca macht alles, damit es bald wieder zu seinem "Monte Dino" wird. Eigentlich wollte die Vice-Questora Aurora Mair von der Polizia die Strato, die aus Florenz angefahren kommt, den Fall an sich reissen, doch sie merkt schnell, dass sie ohne den Commissario nicht an die Bewohner rankommt. So ermitteln sie gemeinsam - was nach einiger Zeit auch gut gelingt - , dabei aber klar Luca die richtigen Schlüsse zieht und Hauptermittler ist.

Es macht Spass diesen Krimi zu lesen, kein Wunder bei dieser tollen Kulisse und all den sympathischen Figuren. Egal, ob es sich dabei um den erfahrenen Kommissar Luca, seine Tochter Emma, die Barbetreiber Francesco und Fabio, den Bürgermeister Martinelli und vor allem Dottoressa Chiara Chigi handelt. Sogar die Vice-Questora ist gar nicht so barbeissig, sobald man sie besser kennt. 

Einzig gegen Ende konnte ich ihrem Charakter mit ihrem Hintergrund zwei Handlungen nicht abnehmen. Ansonsten ist es ein sehr stimmiger Krimi, der mit einem teilweise überraschenden Ende hervorsticht.

Da nicht alles erzählt wurde, was Luca dazu geführt hat, von Venedig wieder in seinen Heimatort zu ziehen, gehe ich davon aus, dass es einen zweiten Band geben wird. 

Nicht nur das leckere Essen, bei dem man sich sofort mit an den Tisch setzen und  mitessen möchte, auch das wohl erst im zweiten Band richtig beginnende "Gschleick" mit den Frauen erinnert ein bisschen an "Bruno, chef de police". Doch Commissario Luca ist besser - und viel sympathischer. Der Schreibstil von Paolo Riva - so flüssig wie das titelgebende Olivenöl - erinnert mich jedoch an zwei, drei andere Autoren als den Schöpfer von Bruno: viele Leser von Pierre Martin, Pietro Bellini und Alexander Oetker werden Commissario Luca und Montegiardino genauso mögen wie ich, da bin ich mir sicher. 

"Flüssiges Gold" zu lesen macht richtig Spass. Es die perfekte Ablenkung in Tagen wie diesen und ich hab jetzt richtig Lust auf Spaghetti al oglio e peperoncino - natürlich mit bestem Olivenöl. 

Fazit: "Flüssiges Gold" ist ein Goldstück unter den unterhaltenden Kriminalromanen. Gerne mehr mehr von Commissario Luca, Doctoressa Chiara und Vice-Directore Aurora!
5 Punkte. 


Reihenfolge:
Band 3: Steinerne Schuld 

Dienstag, 1. März 2022

Monatsvorschau und Neuerscheinungen im März 2022

Frühling, Frühling, Frühling - auch wenn das Wetter ausgerechnet jetzt wieder kälter ist als auch schon in diesem Jahr, vor allem in der Nacht - der Bücherfrühling beginnt heute am ersten März auf jeden Fall. Heute sind bereits acht Titel offiziell erschienen, zumindest als eBook, einer folgt morgen - das sind schon fast mehr als im gesamten Januar!


Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass es ganze 31 Titel auf meine März-Vorschau-Liste geschafft haben:










 



Von diesen 31 Titeln ziehen viele bei mir ein. Vorbestellt (weil als eBook gerade sehr günstig) und deshalb schon diese Nacht im Mailfach waren der zweite Teil der Ronnefeldt Sage "Der Weg der Teehändlerin", der Krimi von Frauke Scheunemann "Der Tote im Netz" sowie "Vier Signoras und ein Todesfall" von Giulia Di Fano.

Als Rezensionsexemplare bereits eingezogen sind im Februar bereits "Flüssiges Gold von Paolo Riva" und "Der tote Champagner-Präsident von Carlo Feber (Cédric Bressons 1. Fall). Ebenso: "Rosenkohl und tote Beete" von Mona Nikolay (Pseudonym von Eva Siegmund), "Die Liebe tanzt barfuss am Strand" von Gabriella Engelmann (Lütteby 1), "Lacroix und der blinde Buchhändler von Notre-Dame" von Alex Lépic (aka Alexander Oetker; es ist Band 5 der Reihe) und "Yoga kann tödlich sein" von Trudy Cos. 

Weitere Rezi-Exemplare die bei mir einziehen sind: 
"In einer stillen Bucht von Luca Ventura" (Capri-Krimi 3), "Sommerglück zum Frühstück" von Mary Kay Andrews, "Kretische Ehre" von Nikos Milonas (Michalis Charisteas 4), "Die Hoffnung der Marienkäfer" von Patricia Koelle (Inselgärten 5) (Print erscheint Ende April) und "Tod im Olivenfass" von Renato Pozzi.

Dazu dürfen gerne noch folgende Titel früher oder später bei mir einziehen: 
"Die kalte Mamsell" von Elsa Dix (Seebad-Krimi 3) 
"Das Lied des Waldes" von Klara Jahn
"Das kleine Cottage in Cornwall" von Jane Linfoot 
"Die Reise der Sommerfrauen" von Sarah Morgan 
"Elsässer Machenschaften" von Jean Jacques Laurent (Jules Gabin 6) 
"Willkommen in St.Peter - (M)ording von Tanja Janz

Sicher nicht einziehen werden: 
"Das Glück unserer Zeit. Der Weg der Familie Lagerfeld" von Heike Koschyk (Teil 1) und "Stimmen der Freiheit" von Micaela A. Gabriel (Die Frauen vom Reichstag 1). Obwohl ich beide Autorinnen (Heike Koschyk lese ich sonst als Sophie Bonnet) sehr gerne lese, haben diese beiden Trilogien mit einem Teil deutscher Geschichte zu tun, die mich als Schweizerin nicht interessiert und ich deshalb auch nicht lesen werde.  

Vielleicht einziehen dürfen:
- Bei "Der Duft von Rosmarin und Zedern" von Luanne G. Smith sowie "Raquel - Ein Polizeischwein ermittelt von Heide van Elderen habe ich jeweils die ersten beiden Bände noch ungelesen auf meinem SuB. Erst nachdem ich die gelesen habe, werde ich entscheiden, ob auch der dazugehörige dritte Band einziehen darf oder nicht. Beim zweiten "Miss Merkel"-Band ebenso. 
- "Wo, wenn nicht hier" von Dee Ernst - hört sich lockerleichtwitzig an, aber genau deswegen warte ich wohl mal noch ab. 
- "Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach" und "Das Fundbüro der verlorenen Träume von Helen Frances Paris - hören sich auch gut an, habe aber noch ein anderes Fundbüro-Buch auf meinem SuB. 
- "Der Geschichtenbäcker" von Carsten Henn - zuerst wollte ich eigentlich "Der Buchspazierer" lesen, aber mal sehen, vielleicht lese ich umgekehrt...
- "Ein Sommerhaus auf Santorin" von Samantha Parks - hatte ich schon 2021 auf dem Schirm, werde ich wohl lesen, fragt sich nur wann. 
- "Die kleine Buchhandlung im alten Postamt" - Rachael Lucas Schreibstil fand ich in einem anderen Buch zu langatmig, weshalb ich es abgebrochen habe. Ich lese hier sicherlich rein, ob auch zu Ende wird sich dann zeigen.


Bei solch vielen Büchern hoffe ich auf einen frühlingshaften warmen März, damit ich die einen oder anderen Seiten auf dem Balkon an der Sonne lesen kann. 

Wie sieht der März bei euch aus? 
Welche Titel stehen auch auf euren März Musthave-, Wunsch-, und Merklisten?