«Ich möchte noch einmal nach Amrum. Fahr mit mir auf die Insel.» Als Oma Henni ihre Enkelin Ella darum bittet, sagt diese nach anfänglichem Zögern zu. Oma verbrachte in jungen Jahren viel Zeit auf Amrum, die Insel bedeutet ihr viel. Ella steckt in einer beruflichen Sackgasse. Sie soll ein Kinderbuch illustrieren, und vielleicht findet sie auf Amrum zu ihrem Strich zurück. Den hat sie verloren, seit ihre beste Freundin ohne Erklärung den Kontakt abgebrochen hat. Im kleinen Reetdachhaus versucht sie zu zeichnen und erkundet nebenbei mit Oma Henni die Insel der Kindheit. Sie finden ein altes Waffeleisen für die berühmten knusperdünnen Friesenwaffeln – und Ella entdeckt ihre Leidenschaft für Karamell wieder. Stück für Stück lassen die Insel, die besonderen Begegnungen und der neue Backgenuss Ella wieder leichter atmen. Auch das Zusammensein mit dem wortkargen Vogelkundler Jonte berührt etwas tief in ihr. All das hilft ihr, wieder mehr in sich zu ruhen. Aber ist sie bereit, neue Menschen und einen neuen Herzensort in ihr Leben zu lassen?
Im dritten Amrum-Band von Anne Barns - man kann die Bände unabhängig lesen, es tauchen aber in den Szenen auf Amrum immer wieder Bekannte aus den vorherigen Bänden auf - will die 78-jährige Henni nach Amrum reisen, weil sie überraschend an ein Geburtstagsfest eingeladen wurde. Henni offenbart dies bei einem kleinen Familienfest. Die mittlere Enkelin, Ella, soll mitkommen. Als Kinderbuchillustratorin ist sie flexibel, was ihren Arbeitsort angeht. Ella und ihre beiden Geschwister sind neugierig, denn das Henni Amrum kennt, wussten sie bisher nicht.
Was hinter der Einladung steckt, erfährt man im Vergangenheitsstrang, der 1952 und den Folgejahren spielt. Für Ella kommt der Ortswechsel wie gerufen, da sie beruflich gerade sehr enttäuscht wurde. Sie hofft, dass die Auszeit auf der Insel sie wieder zum Zeichnen inspiriert.
Ich nehms vorweg: das tut es - und man denkt, die Autorin hätte nicht nur vom Backen eine grosse Ahnung, sondern auch vom Illustrieren. Backen ja, das weiss man als treue Leserin, dass kann sie sehr gut. Aber auch die Arbeit als Illustratorin beschreibt sie so, als ob sie selbst eine wäre. Anne Barns schreibt sehr gefühlvoll, intensiv und bildlich, als ob sie genau weiss, wie das alles geht. Und so staunt man gemeinsam mit Henni und Ella über Amrums Natur, den Strandhafer zum Beispiel und die vielen Vögel, streift mit offenen Augen über die Insel, aber freut sich auch über die Szenen beim gemeinsamen Backen mit früheren Protagonistinnen und erfährt beispielsweise, dass Henni Krimis so liest, wie ich früher: ab einem gewissen Zeitpunkt hinten im Buch gucken, ob die Vermutung des Täters stimmt, damit man in Ruhe weiterlesen kann. Seit ich auf eReadern lese, mache ich das nicht mehr, aber ich vermisse das scho äs bitzli).
Mir hat dieser dritte Band gut gefallen, er hörte für mich aber zu abrupt auf. Plötzlich kamen Rezepte und ich dachte, wieso stehen die jetzt mittendrin anstatt am Schluss? Es war der Schluss, die Geschichte zu Ende. Vielleicht wäre mir das beim Print lesen eher aufgefallen, aber beim eBook erwischte mich das Ende kalt. Wahrscheinlich war ich aber auch einfach noch so drin in der Geschichte, dass ich nicht wollte, dass sie zu Ende ist und ich Amrum für einige Monate verlassen muss, bevor dann im Oktober der vierte Band erscheint.
Die im Roman vorkommende gebackene Kirschkonfitüre habe ich mittlerweile selbst gekocht, äs bitzli sommerlich mit Orangen und Zitronenthymian verfeinert, mega fein! An die Waffeln werde ich mich dann auch mal noch wagen.
Fazit: "Der Geschmack von Sommer und Karamell" hab ich sehr gerne gelesen und hab mich zusammen mit Henni und Ella auf Amrum sehr wohl gefühlt.
4 Sterne.
Reihenfolge:
Band 1: Der Duft von Kuchen und Meer
Band 2: Der Klang von Wind und Wellen
Band 3: Der Geschmack von Sommer und Karamell
Band 4: Der Zauber von Zimt und Inselwind (ET 06.10.26)

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