Donnerstag, 18. Juni 2020

Krimi: Bretonische Spezialitäten von Jean-Luc Bannalec (Georges Dupin 9)

Klappentext:
Diese ersten schönen Sommertage im Juni wären perfekt für einen heiteren Ausflug nach Saint-Malo. Aber zu seinem Leidwesen muss Kommissar Dupin dort ein Polizeiseminar besuchen, es geht um die engere Zusammenarbeit zwischen den bretonischen Départements. Als Dupin in einer Pause durch die Markthallen der Altstadt schlendert, ereignet sich unmittelbar vor seinen Augen ein Mord. Die Täterin flieht. Sie ist die Schwester des Opfers, beide Frauen sind berühmte Küchenchefinnen der Region. Schnell stellt sich heraus: Das war bloß der Anfang einer heimtückischen Mordserie. Gemeinsam mit den Kommissaren der anderen Départements ermittelt Dupin in einem Wettlauf gegen die Zeit. In der Austernstadt Cancale, im hochherrschaftlichen Seebad Dinard und in der einzigartigen Restaurantszene Saint-Malos stoßen sie dabei auf haarsträubende Familiengeheimnisse, tragische Verwerfungen und unglaubliche Geschichten.

Seine schlimmsten Befürchtungen sind eingetroffen - Dupin muss mit zwei anderen Kommissaren unter genauer Aufsicht der Präfekten am anderen Ende der Bretagne ermitteln. 

Dupin sollte eigentlich an einer Weiterbildung in Saint-Malo teilnehmen, doch bei seinem mittäglichen Marktbesuch wird eine Frau erstochen, die Täterin flüchtet, aber sie ist bekannt. Es ist die Schwester des Opfers und auch wenn die beiden miteinander konkurrenzierten, fehlt das Mordmotiv. Die Täterin verweigert jegliche Aussage, das ist das eine, aber dass es nicht bei einem Mord bleibt, das verkompliziert die Sache ungemein.

Die Kommissare ermitteln zu dritt, zu Dupins Erleichterung relativ autonom, aber es wird ein harter Fall für die drei. Sie kurven in der Gegend herum und so  lernt man das Gebiet um Saint-Malo, besonders Cancale und Dinard, auch ein wenig kennen. Ebenso kommen die titelgebenden Spezialitäten der Gegend ins Spiel und auf den Tisch, kein Wunder, denn hier geht es um zwei Köchinnen und die Weiterbildung wird von gemeinsamen abendlichen Dinners gekrönt. 

Riwal und Kadeg agieren für einmal nur minim im Hintergrund, doch ihr Wissen und ihre Recherchen sind wie immer gefragt und sorgen für neue Anhaltspunkte. 

Dieser andere Blickwinkel macht den neunten Fall sehr interessant, so dass mich "Bretonische Spezialitäten" sehr gut unterhalten hat. Unweigerlich rätselt man mit. Macht sich Gedanken über ein mögliches Motiv und Täter, und fragt sich, ob die Kommissare eventuell etwas übersehen

Es ist einer der besten bretonischen Fälle, wenn man von einigen unterlassenen Nachforschungen/Fragen rund um den Tatort am Anfang absieht. 

Fazit: Dupin ermittelt ausserhalb seiner Komfortzone, aber ebenso erfolgreich wie immer. 
5 Punkte. 


Krimi: Bretonisches Vermächtnis von Jean-Luc Bannalec (Georges Dupin 8)

Klappentext:
Concarneau, die »blaue Stadt« am Meer, kurz vor den Pfingsttagen. In der berühmten Altstadt Ville Close feiern die Bretonen mit Musik und Tanz den Auftakt des Sommers, und alles könnte so wunderbar heiter sein. Gäbe es nicht plötzlich einen Toten – genau vor Kommissar Dupins Lieblingsrestaurant, dem Amiral. Doch damit nicht genug: Ausgerechnet in diesen Tagen sind Dupins Inspektoren beurlaubt und Nolwenn unerreichbar. Gemeinsam mit zwei neuen Kolleginnen widmet sich der Kommissar der alles entscheidenden Frage: Wer hatte es auf Docteur Chaboseau abgesehen? Einen Arzt, der großes Ansehen genoss und aus einer der einflussreichsten Familien der Gegend stammte. Weder dessen Frau noch seine engsten Freunde, ein stadtbekannter Apotheker und ein Weinhändler, können sich einen Reim darauf machen. Könnte es etwas mit den Vorlieben des Arztes zu tun haben, der nicht nur Kunstsammler war, sondern auch in bretonische Brauereien und traditionelle Fischkonservenfabriken investierte? Während Dupin noch fieberhaft nach Anhaltspunkten sucht, kommt es zu einem Anschlag, der die gesamte Stadt in Aufruhr versetzt.


Drei Freunde - so könnte man das (Arbeits-)Verhältnis von Dupin, Riwal und Nolwenn bezeichnen. Da fehlt natürlich noch Kadeg, doch der ist gerade noch weiter weg als die andern. Der einzige, der die Stellung hält ist gerade Kommissar Dupin, der seine Mitarbeiter und Freunde vermisst, als in Concarneau plötzlich der Arzt aus seinem Haus stürzt und stirbt. Dupin muss mit den neuen Mitarbeiterinnen Le Menn und Nevou die Ermittlungen beginnen.

Der Tote hinterlässt nicht nur seine Arztpraxis, seine Frau und einen erwachsenen Sohn, sondern auch seine Freunde - ebenfalls ein Dreiergespann. Zusammen mit dem Apotheker und dem Weinhändler investierte der Arzt in einige Unternehmen vor Ort. Machte er sich damit Feinde?

Man hat fast ein bisschen Mitleid mit Dupin, der sein Team vermisst und gleichzeitig die Fast-Schwiegereltern am Hals hat. Der Fall ist extrem knifflig und wiedermal ist es Riwal, der mit seinen geschichtlichen Exkursen die zündende Idee hervorbringt, der den Fall in ein ganz neues Licht stellt.

Ich fand es toll, dass hier ein Fall um eine alte Geschichte, die bereits in einem anderen sehr bekannten Krimi von Georges Simenon erzählt wird, aufgebaut wird. Das ist mal was anderes, und passt hervorragend zu Concarneau. 

Fazit: Unterhaltend, kurzweilig und spannend. 
4 Punkte. 

Mittwoch, 17. Juni 2020

Signora Sommer tanzt den Blues von Kirsten Wulf

Klappentext:
Sie kennen sich nicht, aber der Zufall würfelt sie in Rom zusammen: die trauernde deutsche Lehrerin, die italienische Blues-Sängerin und die Austausch-Studentin aus Amerika. Una storia italiana. Einmal in ihrem Leben hat Laura alles riskiert. Sie folgte Fabio, ihrer italienischen Liebe, nach Rom. Sein plötzlicher Tod stürzt sie in ungekannte Abgründe. Bis mitten in der Nacht die neue Nachbarin klingelt. Ein Wasserrohrbruch. Sie übernachtet auf dem Sofa – und bleibt. Bis der Schaden behoben ist, das kann dauern. Und dann taucht auch noch eine Studentin auf, die in Lauras große Wohnung einziehen will. Unterschiedlicher könnten die drei Frauen nicht sein. Laura will ihre neuen Mitbewohnerinnen so schnell wie möglich wieder loswerden, aber zu spät: Die beiden machen keine Anstalten wieder auszuziehen. Aber vielleicht ist das gar nicht so schlecht? Ein wundervoller Roman über Neuanfänge wider Willen, den Mut, im richtigen Moment zu lieben, und Musik, die wie das Leben spielt.

Ich kenne die Apulien-Krimis von Kirsten Wulf. Da es davon gerade keinen Nachschub gibt, war ich neugierig auf ihren neuen Roman, in der die Autorin einen ganz anderen Weg beschreitet. 

Wem wollt auf diesem Weg begegnen? Wollt ihr die trauernde Laura, die in einem inneren Loch lebt, aber in einer grossen, schönen Wohnung mitten in Rom? Oder lieber Samy, die gerne aufräumt und putzt, aber nach einem strengen Stundenplan lebt und ihr ganzes Leben auf Instagram zeigt? Oder doch die bunte, wilde, singende, tanzende und oft einen über den Durst trinkenden Fra(ncesca)? 

Ihr bekommt sie alle drei in "Signora Sommer tanzt den Blues". Und dies, obwohl Fra zu Beginn die einzige der drei Frauen ist, die tanzt. Als sie eines Nachts besoffen nach Hause kommt, irrt sie sich in der Türe. Nur um einige Minuten später wieder an der falschen Tür zu klingeln. Ein Wasserrohrbruch macht ihre Wohnung unbewohnbar, sie hofft auf Asyl bei Laura, die in der Etage oberhalb von Fra wohnt. Fra ist begeistert von deren Wohnung und möchte gar nicht mehr weg. Bald darauf sind sie zu dritt, denn Fra's Untermieterin, die amerikanische Studentin Samy braucht auch einen Schlafplatz. 

Laura, in ihrer Trauer gefangen, lässt es widerwillig geschehen, muss sich erst wieder an Menschen gewöhnen. Seit vor fünf Monaten ihr Partner starb, verliess sie das Haus nur noch zu Arztterminen und dem sonntäglichen Mittagessen bei ihrer Fast-Schwiegermutter. Fra findet es an der Zeit, dass Laura wieder am Leben teilnimmt, zu leben beginnt und unternimmt so einiges, um Laura aus ihrem Loch hervor zu locken. 

Die drei unterschiedlichen Frauen tun einander gut, denn alle hinterfragen den Lebensstil der jeweils anderen. Es wird so manches Mal explosiv, oft humorvoll und bleibt dennoch meistens melancholisch. 

Diese Melancholie - die übrigens hervorragend zu Trastevere passt - überkommen auch die Leser, wenn sie im zweiten Erzählstrang die Geschichte der Vormieterinnen ab 1945 verfolgen. Auch damals wurde getanzt, heimlich. 

Irgendwann am Ende finden die beiden italienischen Geschichten zusammen. Bis es soweit ist, leben die Leser als viertes WG-Mitglied mit unseren römischen Frauen zusammen, fühlen Lauras Schwere, spüren, dass Fra nicht so stark ist, wie sie immer tut, freuen und nerven sich gleichzeitig über Samys Erfolg, lernen den Blues tanzen und Rom von einer anderen Seite kennen. 

Kirsten Wulf ist mit "Signora Sommer tanzt den Blues" eine eindrückliche Geschichte über Neuanfänge, Freundschaften und Vergangenheitsbewältigung gelungen. Die Story bezaubert auf eine spezielle Weise, gerade eben auch durch die hier nicht erwähnten männlichen Figuren und besonders durch Fra's Vermieterin, die dem Roman Würze geben. 

Fazit: Una storia italiana - besser könnten sie die Italiener auch nicht schreiben. 
4.5 Punkte. 


Donnerstag, 11. Juni 2020

Das Haus am Ende des Fjords von Kiri Johansson

Klappentext:
Mit ihrem Bed & Breakfast und dem kleinen Café in den malerischen Westfjorden Islands hat sich Isving ihren Lebenstraum erfüllt. Doch dann erhält sie eine niederschmetternde Diagnose und weiß nicht mehr, wie es weitergehen soll. Da steht eines Tages der attraktive Thór vor ihrer Tür. Nach Jahren, in denen er mit seiner Band Konzerte überall auf der Welt gespielt hat, sucht der Komponist in der Abgeschiedenheit und der rauen Natur seiner Heimat nach neuer Inspiration für seine Musik. Die schüchterne Isving, die nichts von seinem internationalen Ruhm ahnt, erobert mit ihrem Gefühl für Melodien und Texte sein Herz im Sturm. Doch wird ihre Liebe auch die Wahrheit über ihre Krankheit verkraften?


Die Dänin Isving führt zusammen mit ihrer Schwägerin Gabrielle ein B&B in Kopavik. Alles ist gut. Doch dann wird Isving krank, die Ärzte diagnostizieren eine Multiple Sklerose und Gabrielle verlässt Kopavik. Nichts mehr ist gut. Isving hat einige Probleme vor sich liegen, sie sieht schwarz und weiss nicht, wie sie sie das alleine mit ihrer Krankheit schaffen soll. Und im Winter, ausserhalb der Touristenzeit, verdient sie sowieso nichts. Sie plant das zugehörige Café nächstes Jahr zu verkaufen, möchte das aber nicht, denn ihre Mitarbeiterinnen brauchen ihre Jobs ja auch. Noch hat Isving Bedenkzeit. 

Einer ihrer Gäste ist Jon, der eigentlich Thor heisst und ein bekannter Musiker ist. Er hat sich eine Auszeit genommen und ist froh, dass er hier in seiner Heimat, auf Island, Ruhe hat und nicht jeder ihn kennt - mit Sonnenbrille und Bart getarnt ist das auch nicht schwer. Ihm fehlt seit einiger Zeit die Kreativität, um neue Lieder zu schreiben. Die schöne Frau, die er in einem Hot Pot beobachtet, wird zu seiner neuen Muse. 


Eine Stimme, so glockenrein und klar, wie es sie selten gab, wehte zu ihm herüber. Fasziniert lauschte Thór in den Abend. Die Melodie war ihm nicht fremd, aber auf diese Weise hatte er sie noch nie gehört. Wie gebannt folgte er der Stimme und fand eine Elfe. Sie lag mit geschlossenen Augen im Wasser, die herrlichen Haare ausgebreitet wie ein Fächer. Von ihrem einzigartigen Gesang vollkommen verzaubert ließ er sich auf einem Felsen nieder. Im schwachen Licht der Laternen glaubte er, rotes Haar zu erkennen und ein blasses, sommersprossiges Gesicht, aber das konnte ebenso gut Einbildung sein, denn sie glich auf erstaunliche Weise der seiner Fantasie entsprungenen Muse, für die er all die Songs geschrieben hatte, bis sie im letzten Jahr über Nacht einfach aus seinem Leben verschwunden war.

Schnell merkt Thor, dass es sich bei seiner unbekannten Muse aus dem Wasser um seine Gastgeberin Isving handelt. Es entwickelt sich eine schöne Liebesgeschichte, in der beide Geheimnisse voreinander haben - er weiss nichts von ihrer MS, sie nicht, dass er Mitglied der Splendid Pirates ist. Oder doch? 

Island ist ein Dorf und so ist es kein Wunder, dass die Leserinnen im Laufe der Story auf Bekannte aus "Islandsommer" treffen, etwa bei einem Besuch in Aki's Kaffi Berlin oder gegen Ende bei einem Zusammentreffen mit Merit und Krjstian. 


"Das Haus am Ende des Fjords" hat mir gut gefallen, obwohl das letzte Drittel ein wenig lang gezogen wirkte, auch wenn ich weiss, dass gewisse Dinge ihre Zeit brauchen. 

Das aktuelle grau-nasse Wetter war als Lesebegleitung äusserst passend. Es hat mich grad noch mehr in die Geschichte eintauchen lassen, beides machte Lust auf heisse Schokolade und ein Bad, wenn auch nicht in einem Hot Pot, dann halt in der Badewanne - natürlich immer mit dem Buch in der Hand, bis es ausgelesen war.  


Thematisch hat Kiri Johansson einiges reingepackt. Neben Isvings Krankheit, ein Musiker ohne Muse, allgemein das Leben in Island, wurde auch der Walfang thematisiert. Alles floss wunderbar in die Geschichte mit ein. 


Am Ende der Lektüre möchte man am liebsten einen Island-Urlaub buchen, und diesen in Isvings Bed & Breakfast verbringen, sich von Katla oder Isving bekochen lassen, mit Jökull zu den Seehundstränden fahren und sich vielleicht sogar auf eins von Kristins Pferden setzen. 

Fazit: Liebe in schwierigen Zeiten, aber an einem wunderbaren Ort mit netten Bewohnern - das bekommt ihr in dem unterhaltenden "Das Haus am Ende des Fjords". 
4 Punkte.


Mittwoch, 10. Juni 2020

Sophias Träume von Corina Bomann (Die Farben der Schönheit 2)

Klappentext:
New York, 1932. Sophia hatte nicht erwartet, je wieder so glücklich zu sein. Nachdem sie in Paris ihr Kind verloren hatte, glaubte sie sich auf ein einsames, liebloses Leben einstellen zu müssen. Doch in New York blüht sie auf: Ein Angebot von Elizabeth Arden bietet ihr eine unerwartete Chance. Sie soll die erste Schönheitsfarm der Welt aufbauen. Und auch die Liebe tritt wieder in ihr Leben, als sie dem Designer Darren begegnet. Unversehens gerät Sophia damit mitten in den „Puderkrieg“, der zwischen Elizabeth Arden und Helena Rubinstein tobt. Plötzlich stehen ihre Liebe, ihre Zukunft und ihr Glück auf dem Spiel.


Corina Bomann erzählt Sophias Geschichte nahtlos dort weiter, wo sie in Band 1, in "Sophias Hoffnung", geendet hat. Sophia reist nach Paris, um nach ihrem angeblich toten Kind zu suchen, kommt aber dabei nicht viel weiter und macht sich erst noch Sorgen um Henny, die von ihrem Geliebten Monsieur Jouelle offensichtlich opiumabhängig gemacht wurde. Lange kann sie aber nicht in Paris bleiben und reist unverrichteter Dinge zurück nach Amerika.

In New York wird Sophie bei der Konkurrenz von Helena Rubinstein, von Elizabeth Arden höchstpersönlich, eingestellt. Nicht in deren Labor wie gehofft, sondern in Ardens Schönheitssalons soll Sophia von der Pike auf alles lernen - sie hat keine Ahnung, was Miss Arden mit ihr vor hat. Überraschend trifft Sophia Darren wieder - und bald stellt sich bei ihr erneut die Frage, ob Liebe und Arbeit vereinbar sind.

Denn da haben die beiden Grandes Dames der Kosmetikwelt eine ähnliche Ansicht. Im ersten Band erlebte man Helena Rubinstein, hier im zweiten Band Elizabeth Arden. Die beiden Kosmetik-Koryphäen können sich nicht leiden und sind sich trotzdem viel ähnlicher als ihnen bewusst ist. Dies stellt Autorin Corina Bomann deutlich dar. 

Obwohl die beiden Frauen jeweils auch verletzlich charakterisiert werden, wird kaum eine Leserin sie wirklich mögen. Sophia hingegen muss man einfach mögen, in ihrer Ehrlichkeit und mit all ihren Talenten und Emotionen. Wie sie sich Sorgen um Henny macht, und ihren Umgang mit dem Gefühl, nicht zu wissen, ob ihr Kind tatsächlich bei der Geburt starb oder ob der Junge lebt. 

Ein weiterer Schicksalsschlag führt Sophia kurz nach Berlin. Ich empfand es enorm eindrücklich, wie die Autorin den mal etwas anderen Blick skizzierte, nämlich den von aussen, von jemand, der die Stadt früher kannte und jetzt angesichts der neuen Regierung geschockt ist vom Anblick des neuen Hitler-Berlins.

Und so fliegt man mit Sophias Erlebnisse durch die Seiten, denn auch dieser zweite Band ist unheimlich spannend geschrieben.

Aber dann ist der Roman urplötzlich zu Ende. Bis zur letzten Seite fehlten mir laut der eBook-Seitenanzeige noch 73 Seiten und so war ich sehr überrascht, als ich nach einer gerade wieder extrem fesselnden Stelle umblätterte und auf der neuen Seite eine Leseprobe angezeigt wurde. Da war ich erst mal verwirrt, bis ich merkte, dass der zweite Band zu Ende ist. Nahtlos hätte ich gerne weiter gelesen.

Nun heisst es wieder warten, bis zum 30. November, wenn "Sophias Triumph" erscheint - ich bin schon jetzt mächtig gespannt! 

Fazit: Mitreissender zweiter Teil der "Die Farben der Schönheit"-Trilogie, man möchte am liebsten sofort weiter lesen. 
5 Punkte. 


Reihenfolge:
Band 2: Sophias Träume
Band 3: Sophias Triumph

Dienstag, 9. Juni 2020

Der Duft von Sommerregen von Tania Schlie

Klappentext:
Lena liebt ihre Arbeit für einen Kunstsammler, ihre gemütliche Wohnung in Hamburg und die kleinen Glücksmomente des Alltags. Doch ständig muss sie sich rechtfertigen, warum es keinen Mann an ihrer Seite gibt. Sie solle sich doch endlich einmal binden, predigen Familie und Freunde. Dann steht plötzlich Jonas vor ihr. Er entführt sie mit seinem jugendlichen Charme in eine völlig neue Welt und nimmt sie ganz für sich ein. Ist das Liebe, fragt sich Lena. Und wenn ja, was ist dann dieses sehnsuchtsvolle Gefühl, das sie empfindet, sobald sie abends am Fenster ihren neuen, unergründlichen Nachbarn Georg Klavier spielen hört? Sollte sie ihrem Herzen folgen und es herausfinden?


Tania Schlies "Die Kirschen der Madame Richard" hat mir gut gefallen, ebenso einige ihrer Bücher, die unter dem Pseudonym Caroline Bernard geschrieben sind. Deshalb nahm ich mir vor, auch die anderen Romane von Tania Schlie zu lesen. Begonnen hab ich mit dem Roman mit dem schönsten Cover, "Der Duft von Sommerregen".

Darin geht es um Single-Frau Lena, die eigentlich ganz glücklich mit ihrem Leben wäre, wenn ihr nicht immer die Frage nach ihrem Zivilstand gestellt würde. Manchmal wünschte sie sich zwar schon, sich wieder zu verlieben. Aber dafür müsste erst mal wieder ein interessanter Mann auftauchen.

Und dann sind da plötzlich zwei interessante Männer in ihrem Leben. Jonas, der Autohändler, ein erfolgreicher und witziger Mann, mit dem es nicht langweilig wird. Und Georg, der Klavierspieler in ihrer Nachbarschaft, der sehr spontan sein kann, aber meistens zurückhaltend ist. Doch halt: da ist noch der dritte Mann in ihrem Leben, Lenas Chef, Walter Cordes. 

Lenas Leben spielt sich nun hauptsächlich zwischen dem ersten und dem letzten der oben genannten Männern ab. Tagsüber liebt sie ihre interessante Arbeit bei Herr Cordes, der seine Sammlung gerne in einem Museum wissen würde. Abends Jonas. Aber Lena macht sich Sorgen um ihren Chef, der immer gebrechlicher wird. Schafft sie es, die Zukunft seiner Sammlung zu sichern bevor es Walter Cordes schlechter geht?

Mir gefiel gut, dass die Protagonistin mit über 40 Jahren Single ist - und von mir aus hätte sie es auch bleiben können, das wäre mal ein anderes Ende für einen Liebesroman. Aber es zeigt auch, dass die grosse Liebe immer gefunden werden kann, sie vielleicht erst kommt, wenn man gar nicht damit rechnet oder sie vielleicht bereits näher ist, als man sich vorstellen kann. 

Der Titel "Der Duft von Sommerregen" macht Sinn und bald ist klar, was er bedeutet. Kleinigkeiten, die jemandem wichtig sind, sollten von dem, der diese Person liebt, verstanden werden. Zum Glück merkt Lena dies, bevor es zu spät ist. Das Ende ist stimmig, es kam nur sehr, sehr abrupt. 

Der Roman ist gut und interessant geschrieben, aber durch die vielen Probleme, die sich durch die ganze Geschichte ziehen, fühlt es sich an, als ob ein bedrückender Schleier darüber liegt. Leider hat die Story es nie geschafft, diesen Schleier wegzuziehen und konnte mich deshalb nicht vollständig in ihren Bann ziehen. 

Fazit: Eigentlich eine wichtige und aussagekräftige Geschichte, der das gewisse Etwas fehlt. 
3.5 Punkte. 


Montag, 8. Juni 2020

Der geheime Schwimmclub von Mary Kay Andrews

Klappentext:
Sie waren jung, als sie ihren geheimen Schwimmclub auf der verwunschenen Insel Talisa gründeten: Josephine, Millie, Ruth und Varina. In den langen Sommernächten gingen sie nachts schwimmen, vertrauten einander ihre Geheimnisse und Lebenswünsche an – bis ein schicksalhaftes Ereignis die Frauen trennte. Jetzt, viele Jahrzehnte später, ist Josephine schwer erkrankt, und sie möchte ihre Freundinnen unbedingt noch einmal wiedersehen. Also beauftragt sie die junge, alleinerziehende Anwältin Brooke, sie zu finden und nach Talisa zu bringen, um dann das Rätsel von damals zu lösen.



Bis auf einen (der wartet auf dem SuB) habe ich alle auf Deutsch übersetzten Romane von Mary Kay Andrews gelesen. Darunter sind einige ganz nett, einige sehr süss, sehr amerikanisch, einige toll, zwei davon schlecht, und dann gibts diesen, der hier mit dem unscheinbaren Cover einer Sanddüne, er ist einfach nur wow, wow, wow. 

Dieser wow-Roman ist einerseits typisch für Mary Kay Andrews und andererseits gänzlich was Neues, und bringt viel mehr Tiefgang als ihre bisherigen Romane mit. "Der geheime Schwimmclub" hat mich total begeistert. Die Geschichte um die Insel Talisa und ihre Bewohner ist der Autorin absolut gelungen, sowas von und geht unter die Haut. 

Die 99jährige Josephine, die auf einem Anwesen auf der Düneninsel Talisa vor der Küste Georgias wohnt, kommt reichlich spät in ihrem Leben auf die Idee, ihr Testament zu machen. Dazu möchte sie ihre ehemals besten Freundinnen noch einmal sehen und beauftragt die Anwältin Brooke damit. Brooke ist um jeden Auftrag froh, aber sie gerät in einen Interessenkonflikt und muss einen Teil ihres Auftrags abgeben. Aber es gelingt ihr, die gesuchten Frauen oder deren Nachkommen aufzuspüren. Alle sind gespannt, was Josephine ihnen noch sagen will und ob es gelingt einen Teil der Insel Talisa, Oyster Bluff, den Geechees zu übertragen und der Rest der Insel in eine Stiftung einzubinden, so dass der Staat sie nicht bekommt. 

Im zweiten Erzählstrang werden die Ereignisse der Vergangenheit, die Erlebnisse der vier Mitglieder des geheimen Schwimmclub ab 1932, geschildert. Die Leser  - wie auch Brooke, Marie, Lizzy, Varina und Felizia und ebenso Josephines Hausangestellte Louette und Shug - verstehen dadurch immer mehr, was damals alles passierte. Selbst gehen sie auch einigen Hinweisen nach. Nach und nach ergibt sich ein Bild, das spannender nicht sein könnte. 

Mehr zum Inhalt, der immer wieder überrascht, möchte ich nicht verraten. Für die Leserinnen vorhersehbar waren nur zwei Begebenheiten, die Beteiligten vor Ort mussten lange warten, bis sie der Wahrheit auf die Schliche kommen. Ständig treten neue Rätsel auf oder es passiert etwas Unerwartetes. So wurde es auf keiner der knapp 600 Seiten langweilig. Die Story ist derart spannend, dass ich den Roman nicht aus den Händen legen konnte und in einem Tag ausgelesen habe - er hat seinen Platz auf meiner Jahreshighlight-Liste 2020 sicher. 

Der Schauplatz ist äusserst bezaubernd, trotz allen Spuren, die die Zeit auf der Insel hinterlassen hat, und liegt - natürlich - in Georgia, die Insel Talisa und die Stadt St. Ann sind aber fiktiv. 

Viele Charaktere bevölkern die Geschichte, doch das stört überhaupt nicht, alle haben ihre Berechtigung und sind gut gezeichnet, so dass man nicht durcheinander kommt. Durch die zahlreichen Figuren sind auch viele Themen eingearbeitet, doch auch hier: es passt alles wunderbar zusammen. 

Fazit: "Der geheime Schwimmclub" ist unglaublich fesselnd und eindrücklich - überzeugt euch selbst davon! 
5 Punkte.