Samstag, 19. Januar 2019

Krimi: Tod am Aphrodite Felsen von Yanis Kostas (Sofia Perikles 1)

Klappentext:
Sommer auf Zypern: Eine gute Zeit, um heimzukehren, denkt Sofia Perikles. Sie ist jung, hübsch und eine erfolgreiche Elitestudentin. In ihrer Heimat jedoch erwartet sie alles andere als die steile Karriere im Innenministerium, die sie sich erhofft hat. Dank eines politischen Scharmützels findet sie sich in einem öden Kaff im griechisch-türkischen Grenzgebiet wieder – als Dorfpolizistin. Schon glaubt Sofia, sich arrangieren zu müssen mit einem eher gemächlichen Leben rund um die Dorfkneipe und mit den eigenartigen Bewohnern des Ortes, deren befremdlichster ausgerechnet ihr knorriger Chef ist, der auf keinen Fall beim Rakí-Trinken gestört werden will. Doch da geschieht ein Mord, und Sofia ist auf einmal mittendrin in den Ermittlungen, ohne jemals zuvor als Polizistin gearbeitet zu haben. Eine Aufgabe, die die Tochter aus gutem Hause in tödliche Gefahr bringt.


Als ich in der Verlagsvorschau den Titel sah, wusste ich, diesen Krimi muss ich lesen! Es gibt meiner Meinung nach viel zu wenig Krimis, die am östlichen Mittelmeer angesiedelt sind, mit griechischem Einfluss schon gar nicht. Und wenn, dann sind sie bis auf eine Ausnahme (Petros Markaris) nicht gut oder die Reihen wurden nicht weitergeführt oder nicht weiter übersetzt. Nun liegt neu ein Krimi vor, der auf Zypern spielt und erst noch eine Frau als Ermittlerin hat.

Konfliktpotential ist da vorprogrammiert, nicht nur politisch. Und so beginnt auch gleich die Geschichte, denn Sofia wird nicht ihr Büro im Innenministerium beziehen, sondern in einem kleinen Dorf "ausgesetzt". Einen Tag später fährt sie zufällig an einem Unfall mit Todesfolge vorbei und hält an - und wird gleich instruiert Nachrichten zu überbringen. Für Sofia sieht der Unfall nach Mord aus. Wie richtig sie damit lag und welch ungeheures perfides Spiel sie dabei ist aufzudecken, merkt sie erst, als sie es mit schmierigen Typen zu tun bekommt. 

Doch bis dahin muss sie sich erst mal mit der für sie neuen Situation befassen. Als Diplomatentochter könnte man erwarten, dass Sofia einen auf "mehrbesser" macht und alles hinschmeisst - manchmal steht sie auch kurz davor - doch dann überwiegt der "ich schaff das"-Gedanke und ihr Gerechtigkeitssinn, der sie weiter ermitteln lässt. Die Reise vom kalten, traditionsreichen Upper Class England zurück in ihr unprätentiöses, sonniges Heimatland und gleichzeitig Sofias Weg sich auf Zypern innerlich wieder wohl zu fühlen, wurde glaubhaft geschildert. 

In Kato Koutrafas ist man nicht minder überrascht, dass Dorfpolizist Kostas Karamanlis Unterstützung erhält. Er hat ja selbst schon nichts zu tun und gibt sich dem Büroschlaf und Alkoholika hin. Im Kafenion nebenan findet Sofia eine Unterkunft und erste Freunde, besonders in Lady Georgia Gladstone. 

Die Lady ist ein Original und passt sehr gut in die Geschichte. Aber auch die anderen Figuren können sich sehen lassen. Dorforiginale, verbitterte Witwen, behäbige Wirte, reiche Luxusjugend, aufeinander acht gebende Sippschaften, kofferschleppende Grossväter - die Zusammensetzung der Charaktere ist dem Autor sehr gut gelungen.

Beim Lesen fühlte ich mich total wohl auf Zypern. Da mir die Mentalität nicht fremd ist, konnte ich mich gut hineinversetzen, wusste zum Teil was als Nächstes kommt oder musste laut lachen. Der Humor kommt absolut nicht zu kurz, der Fall ist stimmig und spannend, eine Ermittlerin, die anpackt, dazu ein bisschen Zypern-Sightseeing - was will man mehr? 

Mehr von Sofia in Kato Koutrafas lesen! Zum Glück ist die Insel gross genug, um Sofia und Kostas auf Trab zu halten.

Yanis Kostas ist übrigens ein Pseudonym eines bekannten deutschen Autors, dessen Krimis sonst in Frankreich angesiedelt sind. Schaut euch die Fotos an, dann wisst ihr Bescheid ;-)  

Fazit: Witziger und packender Zypernkrimi mit liebenswerten eckigen Charakteren - Raki oder Ouzo bereitstellen und lesen!
5  Punkte. 

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