Dienstag, 24. September 2019

Der Geschmack unseres Lebens von Julia Fischer

Klappentext:
Die Haselnussplantage ihrer Familie in den Hügeln von Alba ist Ellas ganze Welt. Sie ist erst fünf, als ihre Mutter stirbt und ihr nur ein altes, selbstverfasstes Pralinenrezeptbuch hinterlässt. Dieses Rezeptbuch enthält die Geschichte eines Lebens in Gramm und Millilitern - und den Anfang eines Traums. Als Ella ihr Zuhause verliert und in der historischen Altstadt eine Chocolaterie eröffnet, taucht ein Fremder bei ihr auf, der gegen ihren Willen eine leise Unruhe in ihr weckt. Ist dies aber der richtige Zeitpunkt, sich zu verlieben? 





Was für eine eindrückliche Geschichte! Man spürt schon auf den ersten Seiten, dass dieser neue Roman von Julia Fischer ihr bisher persönlichstes und bestes Buch ist. 

"In Geschmack unseres Lebens" nimmt Julia Fischer die Leser mit ins Piemont, nach Alba. Am 32. Geburtstag und gleichzeitigem Todestag von ihrer Mutter, beginnt die Geschichte um Ella. Sie lebt mit ihren zwei kleinen Kindern in einer Wohnung in der Stadt, seit ihr Vater vor einem Jahr gestorben ist und Ella das Elternhaus samt Haselnussplantage verkaufen musste. Im September wird sie ihre Chocolaterie "La Cuccagna" eröffnen. 

Ihr Laden steht neben dem indischen Restaurant Samsara, das von Mahesh Bai geführt wird, aber "dank" der bösen Zunge von der Bäckerin Matilda Barbieri vis-à-vis schlecht läuft. Dass ihr Neffe Andrea, der nach einer Slow-Food-Ausbildung bei ihr arbeitet, Mahesh's Essen lobt und auch Ellas Pralinen und Torten ihren Kunden empfiehlt, passt der Bäckerin noch weniger. 

Ella hat aber andere Probleme: sie hat immer noch Mühe mit dem Verlust ihrer Plantage und ist wütend auf den neuen Besitzer - Michele Mariani, der bei ihrer ersten Begegnung keine Ahnung hat, wer Ella ist. Ausserdem kehrt ihr Bruder Danilo endlich nach Hause zurück. Ella weiss noch immer nicht, weshalb Danilo jahrelang weg blieb. Der hatte seine Gründe, gewichtige.

Danilo lebt nun bei Trüffelsucher Salvatore, der früher auf ihrer Plantage gearbeitet hat. Salvatore trauert noch immer seiner grossen Liebe nach, die er im Krieg verloren hat, sein Hund und sein Esel sind seine treuen Begleiter.

Es ist so viel drin in diesem Roman: es geht um gutes, von Hand zubereitetes Essen (Bäckerei, Chocolaterie, indisches Restaurant), um Familiengeschichten mit psychischen Krankheiten und Generationenkonflikten, das Sich-Erinnern an die persönlichen Verluste zu Kriegszeiten (italienischer Widerstand von 1943-45), um Liebe und ganz vieles mehr. Der Roman bietet mehr als jede Wundertüte. 

Licht und Dunkel liegen nahe nebeneinander in "Der Geschmack unseres Lebens". Bei fast jeder Person schaut man in Rückblenden zurück auf Szenen ihres Lebens. Die Leser lernen dabei die Geschichte und Sehnsüchte der jeweiligen Personen kennen. Diese vielen Rückblenden verwirren nicht, sie erklären und passen sich wunderbar in den Lesefluss ein. Die Charaktere spüren früher oder später, dass sich ihre alten und neuen Lebens-Scherben zusammenfügen und etwas Neues, etwas Gutes - trotz allen zerbrochenen Scherben - daraus entstehen kann.  

Unsympathisch war mir keiner, selbst Pippa, Micheles Frau, nicht. Im Gegenteil, sie sieht ihr Eheproblem besser als er und löst dieses auf eine gute Art und Weise. Jeder darf in dieser Geschichte seinen Lebensansichten frönen und keine davon ist schlecht, alles darf sein.

Meine Lieblingsfigur war Salvatore. Er hat soviel erlebt und ist dennoch ein herzensguter alter Mann. Er gehört zu den Neun vom Stadtplatz und sorgt mit diesen Senioren für viele lustige Szenen. Aber auch Sophia, Michele Marianis Mutter ist eine tolle Frau, die es nicht nur mit den Neun aufnehmen kann. 

Dieser neue Roman von Julia Fischer ist so vielschichtig und berührend wie selten ein Roman. Alles passt zusammen und fliest an den richtigen Ort. Das fand ich total faszinierend, denn der Roman kommt ohne die weit verbreiteten Dramen, wie sie in vielen Liebesgeschichten gang und gäbe sind, aus. Alles passiert einfach, egal ob tolle oder traurige Szenen, ohne Vorwarnung oder seitenlanges darauf zusteuern. Das macht den Roman gleich nochmals interessanter als er schon ist. 

Fazit: Ein extrem intensiver und eindrücklicher Roman, von dem man in keiner Weise enttäuscht wird, der einen ins Piemont mitnimmt und die Leser allerhand erleben und fühlen lässt. 
5 Punkte. 

Montag, 23. September 2019

Die Fäden des Glücks von Julia Fischer

Klappentext:
Sie kennt die Magie opulenter Stoffe und leuchtender Farben. Carlotta Calma, Damenschneiderin in Turin, hat sich ganz der subtilen Kunst verschrieben, Menschen durch Kleidung zu verändern, so wie ihre Mutter, Gewandmeisterin an der Turiner Oper. Carlotta entwirft Kleider für jede Lebenslage und stickt heimliche Botschaften unters Futter, die ihre Kundinnen auf eine Reise zu sich selbst schicken sollen. Denn für Carlotta ist eines klar: Es gibt keine hässlichen Frauen, jede Frau ist auf ihre Art schön und begehrenswert. Auch Carlotta hat sich seit ihrer Jugend verändert, ist vom hässlichen Entlein zu einer barocken Schönheit geworden. Ihr Jugendschwarm Daniele ist fasziniert von ihr, und sie glaubt sich am Ziel ihrer Träume. Doch ist der Schwarm von einst wirklich ihre große Liebe?



Da mir "Die Galerie der Düfte" von Julia Fischer schon gut gefallen hat, wollte ich auch "Die Fäden des Glücks" lesen. Der Roman spielt wieder in Italien, statt in der Welt der Düfte mit Parfüms geht es in dieser Geschichte um Fäden. 

Mit Fäden werden Sehnsuchtsfäden gesponnen, Stoffe gewebt, Kleider genäht, und mit roten Fäden durch Geschichten geführt.  

All das ist in diesem Roman dabei, wobei mir der Anfang ein wenig schwer fiel, da sehr viele Personen gleichzeitig vorgestellt wurden und die einzelnen Rückblicke mich zu Beginn verwirrten. Nach einigen Kapiteln wird es einfacher der Erzählung zu folgen.

Es geht darin um Carlotta, die mit ihren beiden jüngeren Schwestern eine Schneiderei führt. Das Handwerk hat Carlotta von ihrer Mutter gelernt, die an der Oper Kostümbildnerin ist. Carlotta ist mehr oder weniger zufrieden mit ihrem Leben, manchmal bedauert sie, dass sie nicht aus Turin hinaus kam. Die Gelegenheit, die Welt zu sehen, wäre so nahe gewesen, doch sie verpasste sie. Carlotta kennt den Fahrplan der Züge der Bahnstation nebenan zwar auswendig, bestiegen hat sie aber noch keinen. 

Da taucht plötzlich Daniele auf. Ihr Freund aus Jugendtagen, und beide hängen ihren Erinnerungen nach - doch während Carlotta es liebt, ihre Kleider auf Mass zu arbeiten und auf ihre Kundinnen einzugehen, möchte Daniele die Stoffweberei seines Vaters Vincenzo vergrössern, immer mehr Arbeitsschritte den Maschinen überlassen, erträumt sich Ruhm mit Kleider ab Stange. Daniele ist mittlerweile in den Grossstädten der Welt zuhause, während Carlotta ihre zwei jüngeren Schwester aufzog, da Mutter Mimi zu sprunghaft war und nicht zur Mutterfigur geboren. Zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. 

Jeder von ihnen hat seine Sehnsüchte. Und ob die jetzigen mit den früheren noch kompatibel sind, müssen alle herausfinden. Auch Eltern, Geschwister und Freunde. Dadurch entwickelt sich eine Geschichte, die immer wieder an losen oder starken Fäden miteinander verknüpft oder verwebt sind. 

Der Roman besticht auch mit Kleinigkeiten: Carlottas Schwester erkennt Schauspieler oder ihre Doppelgänger, was für witzige Situationen sorgt. Carlotta selbst näht Geheimbotschaften in die Nähte ihrer Kleider mit ein und wünscht dem Träger darin Mut, mehr Selbstbewusstsein, Liebe oder was auch immer die Person ihrer Meinung nach gerade am nötigsten hat. Vincenzo streicht liebevoll über seine Stoffe, erkennt sie auch nach Jahren wieder, verarbeitet und getragen. Mimi redet mit einer Statue der Mutter Gottes über ihre alten und aktuellen Sorgen; so lernt man Mimi besser kennen und muss doch immer wieder schmunzeln.  

Mir hat der Roman gut gefallen, fast aber hätte ich mittendrin aufgegeben - denn zwei Störfaktore - Beatrice, Vincenzos Ex-Frau und Butler Pascale - gingen mir total auf den Keks, die nervten mich. Ich hätte ihr Umfeld schütteln können, niemand schien etwas über deren Absichten zu merken. Weil mich aber alle anderen Figuren und auch die Geschichte in den Bann ziehen konnten, habe ich trotzdem durchgehalten und wurde schlussendlich dafür belohnt. 

Fazit: Eine schöner Roman mit gewissen Kanten, die aber in einem tollen, versöhnlichen Ende ausgeschliffen werden. 
4 Punkte. 

Samstag, 21. September 2019

#litlovecountdown #7 Lucinde Hutzenlaub


10, 9, 8, 7...

Und schon wieder ist eine Woche vorbei und wir sind im Countdown bei Nummer #7 angelangt - und somit bei Lucinde Hutzenlaub 


Autorin Lucinde Hutzenlaub ist in vielen Genren zuhause. Sie schreibt Kinder- und Jugendbücher, Sachbücher und neuerdings auch Liebesromane. "Pasta d'Amore" ist diesen Sommer beim Penguin Verlag erschienen und damit ist Lucinde Hutzenlaub bei der lit.Love zu Gast. 

Am Samstag wird sie vormittags einen Workshop über Dialoge geben, am Nachmittag liest sie erst aus ihrem Roman vor und ist später bei dem Talk "Familien und andere Katastrophen" mit dabei. Wer nur am Sonntag dabei ist, kann die Autorin im "Gone Girls - neue Heldinnen im Liebesroman"-Talk erleben. 


Die heutigen Countdown-Beiträge:


Heute haben wir für euch zwei unterschiedliche Rezensionen zu "Pasta d'Amore": 

Die unten aufgeführten Autorinnen werden wir im Countdown zur lit.Love vorstellen. Mit einem Klick auf den Namen kommt ihr zu den bereits erschienen Countdown-Beiträge. 



Unter den Hashtags #litlovecountdown und #litlove2019 findet ihr alle unsere Beiträge zum Countdown. 








Pasta d'Amore von Lucinde Hutzenlaub

Klappentext:
Sommer auf Sizilien. Am Landgut La Mimosa blüht der Oleander, und es duftet nach Valentina Bartolamis berühmter Tomatensauce. Wie ihre Urenkelin Aurelia da alleine im fernen Bologna wohnen kann, ist Donna Lucia, dem Oberhaupt des Bartolami-Clans, ein Rätsel. Dio mio! Da muss schnellstens ein Ehemann her, ein sizilianischer, versteht sich. Und Lucia fasst einen Plan: Sie legt sich ins Bett und beschliesst zu sterben. Aurelia bleibt nichts anderes übrig, als nach Palermo zu reisen, aber kaum ist sie da, verkündet Lucia: Ohne Hochzeit kann sie nicht abtreten. Doch da hat sie die Rechnung ohne Aurelia gemacht – denn die hat ihren eigenen Kopf.


Ein tolles Cover ziert den Liebesroman von Lucinde Hutzenlaub. Es verspricht Sizilien und Essen. Beides gibt es, letzteres oft, aber die beiden Stühle auf dem Cover reichen bei weitem nicht für die ganze Bartolami-Sippe. Wer dazu gehört, wird zu Beginn des Romans im Familien-Stammbaum festgehalten. 

Im Hinterland von Palermo steht das Anwesen der Familie, die Fattoria, und ist die Heimat mehrerer Generationen. Nur die 32jährige Aurelia lebt nicht mehr auf Sizilien. Sie ist Mathelehrerin in Bologna und hat sich gerade (und endlich) von ihrem amerikanischen Freund getrennt - sehr zur Freude ihrer sizilianischen Familie, die sich für Aurelia einen Sizilianer wünschen. Insbesondere ihre Urgrossmutter, Donna Lucia. Die gibt sich sterbend und offenbart ihren letzten Wunsch: Aurelia muss heiraten! 

Die Familie kommt auch gleich mit einigen Vorschlägen hervor, da flüchtet Aurelia schnell wieder nach Bologna in ihre ruhige weiss-graue Wohnung. Doch in drei Wochen sind bereits wieder Sommerferien, die muss sie zuhause im Süden verbringen. Und sie möchte auch, vielleicht trifft sie ja den Freund ihres Bruders wieder: den Puppenspieler Matteo.


Aurelia wird als ruhiges Mathegenie beschrieben, die sich mit dem Zählen von Wörtern und anderen Zahlenspielen beruhigt. Anstatt Donna Lucia den Vogel zu zeigen und ihr und dem Rest der Familie klar zu sagen, was sie von einer arrangierten Hochzeit hält, hält sie den Mund und will selbst auf Männersuche gehen.


Donna Lucia, das 93jährige Oberhaupt der Bartolamis, ist hart und verletzend, zu allen. Besonders zu ihrer Tochter Valentina, dessen Ehemann Federico und aktuell Aurelia gegenüber. Ihre dicke Brille würde sie hässlich machen, so würde sie nie einen Mann finden - und noch weiteren Mist muss sie sich anhören. Immer wieder. Und Aurelia? Die glaubt das doch tatsächlich, so naiv und eingeschüchtert ist der Keks - wie Aurelia von ihrer Familie genannt wird. 

Der Klappentext machte mich neugierig auf diesen Roman. Die Idee mit der angeblich sterbenden Nonna, deren letzten Wunsch die Familie erfüllen soll, ist theoretisch witzig, aber die Umsetzung war leider gar nicht mein Fall. Die Geschichte wirkte auf mich zu bemüht, mir fehlte die Natürlichkeit.

Schuld daran sind unter anderem die enorm vielen italienischen Sprichwörter. Sie werden zwar subito übersetzt, sind in der Häufigkeit einfach zu viel, denn fast jedes Gespräch auf La Mimosa beinhaltet ein Sprichwort. Diese geflügelten Worte bilden das Grundgerüst des Roman, was als Stilmittel sicherlich gewollt ist von der Autorin und wahrscheinlich Pfupf in die Sache bringen soll. Mir sagt das nicht zu, auf mich wirkt diese ewige Zitiererei gestellt und distanziert mich von der Geschichte.

Dazu gab es einige grobe "Missverständnisse", bei denen eine einfache Nachfrage direkt in der Situation oder zumindest kurz darauf bei jemandem aus der Familie alles viel einfacher und vor allem glaubwürdiger gemacht hätten.

Des Weiteren konnte ich auch nicht viel mit den Figuren anfangen. Sie waren mir zu hart, zu stur, zu naiv, zu doof. Gefallen haben mir Stella, Valentina und Matteo; die alle drei aber nur Beiwerk waren - ja, auch Matteo. Toll immerhin, dass ihm ein traditioneller sizilianischer Beruf verpasst wurde.

Fazit: Mit "Pasta d'Amore" bin ich nicht warm geworden; zu konstruiert ist diese Geschichte um Aurelia und Donna Lucia. 
3 Punkte. 

Donnerstag, 19. September 2019

Krimi: Die Tote mit dem Diamantcollier von Eve Lambert (Jackie Dupont 1)

Klappentext: 
Monaco 1920: Der attraktive englische Adlige Christopher besucht eine Party an Bord einer mondänen Yacht. Die Gäste tanzen zu den Klängen einer Jazzband, trinken Champagner – doch plötzlich wird eine Leiche entdeckt, und ein kostbares Diamantcollier ist spurlos verschwunden. Die Polizei ruft Jackie Dupont zu Hilfe, Privatdetektivin mit Vorliebe für glamouröse Abendroben, schnelle Autos und ungewöhnliche Ermittlungsmethoden. Einer der Gäste muss der Täter sein, somit steht auch Christopher unter Verdacht. Und tatsächlich hütet er ein dunkles Geheimnis.




Ihr seid Krimiliebhaber und auf der Suche nach einer neuen, mal etwas anderen und ungewöhnlicher Ermittlerin?

Dann ist sie, Jackie Dupont, mit Sicherheit etwas für euch. Die blonde Lady, die den Bob erfunden hat und selbigen trägt, fährt in einem nigelnagelneuen offenen Bugatti im Jahre 1920 zigarettenrauchend mit einem grössenwahnsinnigen Hund und einem wertvollen Bild von Gainsborough auf den Ersatzreifen gebunden, auf den Spuren eines Mörders durch Monaco und die französische Riviera.

Dies im Auftrag des Fürsten von Monaco, denn Jackie Dupont, die berühmte Privatdetektivin in Sachen Schmuck, ist gerade beim Fürst zu Besuch, als der über einen Mord verständigt wird. Er schickt Jackie zur Unterstützung der monegassischen Polizei auf die Yacht, auf der während einem Dinner die Gastgeberin tot aufgefunden wurde. 

Da die Yacht nicht im Hafen liegt und nur mit dem Boot erreichbar ist, wird schnell klar, dass der Mörder in den Reihen der Crew oder der Gäste zu suchen ist. Ausserdem wird ein Diamantcollier vermisst - welches Jackie Dupont erst vor kurzem aufgespürt hat, nachdem es der Reederfamilie vor Jahren gestohlen wurde. Ein Raubmord?

Die Gästeschar ist nobel - Aristokraten, Geldadel und Künstler - und schon die ersten Seiten machen klar, dass viele der Gäste einen Grund hatten, Carla aus dem Weg zu räumen. Für Jackie mit ihren - für die damalige Zeit - ungewöhnlichen Methoden, ist es ein Leichtes den Fall aufzuklären.

Für Kit, Christopher St. Yves, Duke of Surrey, hingegen ist das Erscheinen der Detektivin ein grosser Schock. Dieser zweite Handlungsstrang ist perfekt in die Haupterzählung eingegliedert, und macht den Krimi unglaublich spannend und deshalb verrate ich euch nicht, um was es hierbei geht. Selbst herausfinden ist die Devise!

Am Anfang hatte ich zwar ein wenig Mühe in den Krimi reinzukommen, da die ganze Gästeschar auf einmal vorgestellt wurde. Doch sobald man die Personen auseinander halten kann, macht das Lesen dieses wunderbaren Krimis extrem viel Spass. 

Für Autoren wird es ja immer schwieriger, gute Geschichten zu schreiben. Es gibt unendliche viele und gefühlt las man schon alles. Aber nein, eine Detektivin wie Jackie ist unvergleichlich, so eine gab es noch nie. Es war mir deshalb ein grosses Vergnügen mit Madame Jackie Dupont Bekanntschaft zu schliessen. 

Und es ist nicht einmal die Alleinstellung von Jackie, die den Krimi so fesselnd macht. Es ist auch die Geschichte hinter der Geschichte, da will man als Leser sofort die Hintergründe kennen, wird dabei nervös und ist enorm gespannt auf das Ende. Vom Mörder war ich total überrascht (was mir sehr selten passiert - aber wenn ich zurückblicke, macht es total Sinn und ich finde dann auch die versteckten Hinweise), der Fall wird bravourös aufgelöst.

Aber leider nur unvollständig das Geheimnis um Kit und Co. Deshalb sitze ich hier gespannt und zähle die Tage, bis Band zwei erscheint und es ein Wiedersehen mit der extravaganten Jackie und ihrem Schmuckaufspürhund sowie weiteren Beteiligten gibt.

Fazit: Solch ein Lesevergnügen bekommt man nicht jeden Tag, deshalb: unbedingt lesen! 
5 Punkte.


Reihenfolge:
Band 2: Mord beim Diamantendinner (Paris)
Band 3: Tod am Canal Grande (Venedig)



Mittwoch, 18. September 2019

Krimi: Tödliches Elsass von Jules Vitrac (Kreydenweiss & Bato 3)

Klappentext:
In heller Panik läuft eine junge Frau mitten in der Nacht aus dem alten Maison des Chevaliers. Ein Gespenst habe sie zu Tode erschreckt! Immerhin ist der Herrenhausbesitzer Hugo Filipier froh, seine aktuelle Geliebte auf diese Weise elegant los zu sein. Kurz darauf ist die Frau tot. Wasser auf den Mühlen der abergläubischen Dorfbewohner: La Dame Blanche, die Weisse Dame, Künderin nahenden Unheils, treibe in Eguisheim ihr Unwesen. Alle sarkastischen Bemerkungen von Chef de Police Céleste Kreydenweiss helfen da rein gar nichts. Als Céleste noch eine weitere Leiche im sonst so beschaulichen Eguisheim findet, haben sie und ihr akkurater Brigadier Luc Bato einen handfesten Fall zu lösen, der unheimlicher ist als jede Spukgeschichte.


Einäugig und einbeinig - die Polizei in Eguisheim war auch schon fiter. Doch anstatt sich von ihren bei einer Verfolgung im Weinberg zugezogenen Verletzungen zu erholen, werden Kreydenweiss und Bato durch die Gegend gescheucht. 

Mitten in der Nacht wird Céleste aus dem Schlaf geläutet. Ein Gespenst gehe um, auf dem Anwesen von Hugo Filipier. Nur ist Hugo nicht zuhause, aber seine Geliebte Segolène wurde von dem besagten Gespenst erschreckt. Als einige Tage später die Polizei wieder zu Filipier gerufen werden, ist Segolène tot. Herzstillstand durch einen wiederholten Schreck durch La Dame Blanche, wie das Gespenst in Eguisheim genannt wird? Spätestens als kurz darauf ganz in der Nähe eine Leiche gefunden wird, die garantiert nicht durch einen Schreck gestorben ist, suchen Kreydenweiss & Bato nach einem Zusammenhang. 

Den will die Brigade aus Colmar nicht sehen, sie haben einen Verdächtigen. Da Wolfsberger, der bis dahin zum Glück krank war, genau jetzt wieder zur Arbeit erscheint, ist klar, dass für ihn der Fall abgeschlossen ist. Die Eguisheimer jedoch ermitteln weiter und stossen auf Ungeheuerliches.

In diesem dritten Fall bekommt die Gerichtsmedizin und die Brigade neue sympathische Zugänge. Zum einen Praktikant Joël Blumtritt, der Sandrine, die in den Ferien weilt, vertritt. Er erinnerte mich an Abby aus Navy CIS, ein spezieller, lieber Typ, der in seinem Beruf voll aufgeht. Der kranke Wolfsberger wird von der neuen Kommissarin Lola Berchy vertreten. Mit ihr können Kreydenweiss und Bato gut arbeiten. Ich hoffe, sie tritt bald an die Stelle von Wolfsberger, auf so einen Menschen wie ihn kann man gut verzichten. 

Besonders Bato mag Lola gut, sie lenkt ihn ein wenig über seinen Liebeskummer mit Hortense hinweg. Die trifft sich nämlich mit einem anderen Mann. Aber auch Céleste hat Liebeskummer. Auch wenn sie ihre Arrangements mit Marco und Yves langsam selbst nicht mehr verstehen kann, merkt sie, dass ein Abschied naht. Das nagt mehr an der mutigen Polizistin, als sie zugeben mag.

Liebeskummer und Geister - diese Themen ziehen durch "Tödliches Elsass", für einmal mehr eine mega interessante Geschichte. 

Vitracs Fälle bleiben jeweils bis zum Ende hin spannend, denn erst müssen Kreydenweiss & Bato das Offensichtliche zur Seite schieben und hinter die Fassade schauen und graben wo sie können. Erfolgsgekrönt ist das Auflösen ihrer Fälle, wenn sie in der Vergangenheit der Beteiligten herum stochern, anstatt es sich wie Wolfsberger einfach zu machen.

Nicht nur die Fälle sind packend, auch die zwischenmenschlichen Geschichten, die Beschreibungen der Tatorte und Gegenden gefallen mir sehr gut. Hier merkt man einfach die Autorin durch - Jules Vitrac ist Fiona Blum - Stimmungen beschreiben kann sie auch in Krimis, und das nicht zu knapp. 

Fazit: Unheimlich spannend!
5 Punkte. 


Reihenfolge:
Band 1: Mord im Elsass
Band 2: Der Teufel von Eguisheim 

Montag, 16. September 2019

Krimi: Tod im Theater von Dorothea Stiller (Agnes Munro 2)

Klappentext:
Nach den dramatischen Ereignissen des vergangenen Sommers sollte Agnes Munro sich eigentlich von Aufregung und Verbrechen fernhalten. Allerdings wird sie der Ruhe ihres Alltags im romantischen Küstenstädtchen Tobermory auf der schottischen Isle of Mull schnell überdrüssig. Als ihr ehemaliger Schüler einen renommierten Theaterpreis erhält, ergreift sie kurzerhand die Gelegenheit, etwas Leben auf die Insel zu bringen, und überredet das Theaterensemble zu einem Gastspiel. Doch noch bevor der erste Vorhang fällt, wird einer der Schauspieler auf der Bühne ermordet, und plötzlich wird Agnes erneut zur Hobbyermittlerin wider Willen – wird sie den Mörder auch dieses Mal finden?



Anfangs Jahr erschien der erste Teil der Agnes Munro-Krimiserie, die auf der Isle of Mull spielt.

Hier im zweiten Band lebt Agnes wieder in Tobermory, hat aber noch ihre Wohnung in Edinburgh behalten. Sie mag sich davon noch nicht trennen. Bei einem ihrer Aufenthalte besucht sie eine Theateraufführung, der Star ist ein ehemaliger Schüler von ihr. Agnes lädt die Truppe ein, ihr aktuelles Stück in Tobermory aufzuführen.


Kaum haben sie die erste Vorführung hinter sich gebracht, ist ein Mitglied der Theatergruppe tot. Schnell stellt sich heraus, dass es Mord war. Alle sind entsetzt, aber auch nicht wirklich traurig, denn der Tote war ein Fiesling. Wie viel fieser als nur auf den ersten Blick, kommt am Schluss heraus. Und so hätten fast alle Mitglieder einen Grund gehabt, ihren Kollegen um die Ecke zu bringen. Aber wer war es wirklich?


Viele Verdächtige und Agnes Munro als Gastgeberin mittendrin. Schon gleich zu Anfang wird ihr von DCI Mary Sinclair verboten, sich "schnüfflerisch" zu betätigen. Aber da Agnes wirklich mitten im Geschehen ist, und hier und da beim Aufräumen etwas findet oder nachts einige der Theaterleute zufällig beobachtet, kann sie nicht wegsehen. Doch dieses Mal hat sie keine Unterstützung von Matt, der sich auch von Fiona abgewendet hat. Immerhin letztere hält zu Agnes. Zusammen nehmen sie es locker gegen Matt und Mary Sinclair auf. 


Privat liegt leider auch einiges im Argen. Andrew möchte, dass Agnes zu ihm zieht. Doch sie ist noch nicht so weit und möchte eigentlich auch gar nicht ihre gewonnene Freiheit des Alleinewohnens aufgeben. 


Für Leser des ersten Bandes gibt es weniger Lokalkolorit, dafür treffen sie auf Bekannte wie zum Beispiel die alte Doris. 


Während ich dort, in "Tödliche Zeilen", schnell merkte, wer der Täter ist, hatte ich hier zwar einen (am Ende bestätigten) Verdacht, doch ich wusste bis zum Schluss nicht, ob meine Vermutung richtig ist. Immer wieder tauchen neue Indizien auf, die wirklich jeden verdächtig machen. "Tod im Theater" ist somit perfekt zum Miträtseln geeignet. 


Fazit: Kurzweiliger Cosy-Krimi für zwischendurch.
4 Punkte. 



Reihenfolge:
Band 2: Tod im Theater