Montag, 23. September 2019

Die Fäden des Glücks von Julia Fischer

Klappentext:
Sie kennt die Magie opulenter Stoffe und leuchtender Farben. Carlotta Calma, Damenschneiderin in Turin, hat sich ganz der subtilen Kunst verschrieben, Menschen durch Kleidung zu verändern, so wie ihre Mutter, Gewandmeisterin an der Turiner Oper. Carlotta entwirft Kleider für jede Lebenslage und stickt heimliche Botschaften unters Futter, die ihre Kundinnen auf eine Reise zu sich selbst schicken sollen. Denn für Carlotta ist eines klar: Es gibt keine hässlichen Frauen, jede Frau ist auf ihre Art schön und begehrenswert. Auch Carlotta hat sich seit ihrer Jugend verändert, ist vom hässlichen Entlein zu einer barocken Schönheit geworden. Ihr Jugendschwarm Daniele ist fasziniert von ihr, und sie glaubt sich am Ziel ihrer Träume. Doch ist der Schwarm von einst wirklich ihre große Liebe?



Da mir "Die Galerie der Düfte" von Julia Fischer schon gut gefallen hat, wollte ich auch "Die Fäden des Glücks" lesen. Der Roman spielt wieder in Italien, statt in der Welt der Düfte mit Parfüms geht es in dieser Geschichte um Fäden. 

Mit Fäden werden Sehnsuchtsfäden gesponnen, Stoffe gewebt, Kleider genäht, und mit roten Fäden durch Geschichten geführt.  

All das ist in diesem Roman dabei, wobei mir der Anfang ein wenig schwer fiel, da sehr viele Personen gleichzeitig vorgestellt wurden und die einzelnen Rückblicke mich zu Beginn verwirrten. Nach einigen Kapiteln wird es einfacher der Erzählung zu folgen.

Es geht darin um Carlotta, die mit ihren beiden jüngeren Schwestern eine Schneiderei führt. Das Handwerk hat Carlotta von ihrer Mutter gelernt, die an der Oper Kostümbildnerin ist. Carlotta ist mehr oder weniger zufrieden mit ihrem Leben, manchmal bedauert sie, dass sie nicht aus Turin hinaus kam. Die Gelegenheit, die Welt zu sehen, wäre so nahe gewesen, doch sie verpasste sie. Carlotta kennt den Fahrplan der Züge der Bahnstation nebenan zwar auswendig, bestiegen hat sie aber noch keinen. 

Da taucht plötzlich Daniele auf. Ihr Freund aus Jugendtagen, und beide hängen ihren Erinnerungen nach - doch während Carlotta es liebt, ihre Kleider auf Mass zu arbeiten und auf ihre Kundinnen einzugehen, möchte Daniele die Stoffweberei seines Vaters Vincenzo vergrössern, immer mehr Arbeitsschritte den Maschinen überlassen, erträumt sich Ruhm mit Kleider ab Stange. Daniele ist mittlerweile in den Grossstädten der Welt zuhause, während Carlotta ihre zwei jüngeren Schwester aufzog, da Mutter Mimi zu sprunghaft war und nicht zur Mutterfigur geboren. Zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. 

Jeder von ihnen hat seine Sehnsüchte. Und ob die jetzigen mit den früheren noch kompatibel sind, müssen alle herausfinden. Auch Eltern, Geschwister und Freunde. Dadurch entwickelt sich eine Geschichte, die immer wieder an losen oder starken Fäden miteinander verknüpft oder verwebt sind. 

Der Roman besticht auch mit Kleinigkeiten: Carlottas Schwester erkennt Schauspieler oder ihre Doppelgänger, was für witzige Situationen sorgt. Carlotta selbst näht Geheimbotschaften in die Nähte ihrer Kleider mit ein und wünscht dem Träger darin Mut, mehr Selbstbewusstsein, Liebe oder was auch immer die Person ihrer Meinung nach gerade am nötigsten hat. Vincenzo streicht liebevoll über seine Stoffe, erkennt sie auch nach Jahren wieder, verarbeitet und getragen. Mimi redet mit einer Statue der Mutter Gottes über ihre alten und aktuellen Sorgen; so lernt man Mimi besser kennen und muss doch immer wieder schmunzeln.  

Mir hat der Roman gut gefallen, fast aber hätte ich mittendrin aufgegeben - denn zwei Störfaktore - Beatrice, Vincenzos Ex-Frau und Butler Pascale - gingen mir total auf den Keks, die nervten mich. Ich hätte ihr Umfeld schütteln können, niemand schien etwas über deren Absichten zu merken. Weil mich aber alle anderen Figuren und auch die Geschichte in den Bann ziehen konnten, habe ich trotzdem durchgehalten und wurde schlussendlich dafür belohnt. 

Fazit: Eine schöner Roman mit gewissen Kanten, die aber in einem tollen, versöhnlichen Ende ausgeschliffen werden. 
4 Punkte. 

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