Dienstag, 28. Mai 2019

Krimi: Die Toten von Carcassonne von Jules Besson (Hausboot-Krimi 1)

Klappentext:
Konrad Keller, pensionierter Hauptkommissar aus Bayern, hat nach dem Tod seiner geliebten Frau Helga seinen Lebensmittelpunkt nach Frankreich verlegt. Dort ist er mit seinem Hausboot Bonheur auf den Flüssen und Kanälen unterwegs. Seine Fahrt über den Canal du Midi führt ihn ins südfranzösische Carcassonne mit seiner berühmten mittelalterlichen Festung. Doch seine entspannte Urlaubsstimmung wird jäh durch einen brutalen Mord gestört: Eine Mutter und ihre beiden halbwüchsigen Kinder wurden in ihrer Villa tot aufgefunden. Die örtliche Polizei hält einen vorbestraften Junkie für den Täter. Doch als dieser sich ausgerechnet auf Kellers Hausboot flüchtet, ahnt der erfahrene Kommissar, dass seine Kollegen hinter dem Falschen her sind.

Titel, Cover und Klappentext sahen und hörten sich gut an. Ein Ermittler, der auf einem Hausboot lebt, gibt es bereits in der Cherringham-Serie, aber die spielt in England und nicht wie hier auf den Kanälen Frankreichs. So war ich sehr gespannt, was hinter "Monsieur Keller ermittelt" steckt.

Konrad Keller ist mit seinem gemieteten Hausboot in Carcassone angekommen, schaut sich tagsüber die Stadt an und geniesst den ruhigen Abend am Hafen an Deck. Plötzlich ertönen Sirenen und der Hafen wird erleuchtet: die Polizei rückt an, jemand rennt davon und landet auf Konrads Boot. Bevor die Polizei den Mann erwischt, flüstert er Konrad zu, dass er unschuldig sei. Als Konrad am nächsten Tag erfährt, was dem Mann vorgeworfen wird - Dreifachmord - kann der ehemalige Kommissar dessen Worte nicht mehr vergessen und mischt sich ein. Die zuständige Kommissarin Béatrice Bardot ist nicht gerade begeistert, doch bald muss auch sie Konrads Einwände ernst nehmen.

Die Kommissarin und ihr Stellvertreter ermitteln sehr einseitig. Das wirft kein gutes Licht auf die französische Polizei. Auch wenn ich Bardots Stellvertreter Gauthier nicht mochte, hatte ich ständig das Gefühl, als ob der Autor eine zu starke Betonung auf die gute deutsche Polizeiarbeit legte. 

Der Krimi ist okay, bedient sich aber vieler Klischees (z.B. steife Deutsche, gutangezogene Französinnen, gewisse Verhörmethoden bei Einwandern), und führt in die Einwanderer- und Politikszene. 

Leider kommt der Krimi teilweise unglaubwürdig daher - vieles davon hat mit Telefonieren zu tun. Wieso hat Keller Bardots Durchwahlnummer nicht gespeichert? Und wer sitzt schon in einem öffentlichen Café und plaudert in aller Ruhe und ausführlich am Telefon über seine neuen prekären Entdeckungen im Mordfall? Die unzähligen Kontrollanrufe von Konrads erwachsenen Kindern nervten mit der Zeit, sie brachten ausser Kochtipps kaum etwas. 

Dafür kommen alle Leser, die es gerne gemütlich haben und an landestypischen Spezialitäten interessiert sind, voll auf ihre Kosten. 

Insgesamt ist "Die Toten von Carcassone" ein unterhaltender Krimi mit viel Lokalkolorit, mir fehlt aber noch das gewisse Etwas. Manchmal erinnert Konrad Keller ein wenig an Matula, doch um an den ranzukommen, braucht es mehr. 

Fazit: Netter Reise- und Gourmetkrimi.
3.5 Punkte. 


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