Montag, 14. Mai 2018

Ein Sommer wie Limoneneis von Marie Matisek

Klappentext:
Marco, erfolgreicher Immobilien-Anwalt, schaut lieber nach vorne als zurück. Er hat eine glanzvolle Karriere gemacht, und für seine Wurzeln, die in Amalfi liegen, bei seiner Familie, die seit Jahrhunderten eine Limonen-Plantage betreibt, interessiert er sich wenig. Doch dann will seine Frau plötzlich die Scheidung, und sein Vater im fernen Süditalien bricht sich die Hüfte. Marcos Weg führt ihn nach Amalfi – widerwillig und nur für kurze Zeit, wie er glaubt. Es dauert jedoch nicht lange und die zauberhafte Küste sowie das sinnliche Leben Süditaliens nehmen ihn gefangen. Und dann steht Lisabetta wieder vor ihm, die zauberhafte Liebe seiner Jugend. Kann und will Marco sein Leben noch einmal von Grund auf ändern?


Kurvige Küstenstrassen, Zitronengärten, Meer, Amalfi - ins sonnige Italien führt uns Marie Matisek mit "Ein Sommer wie Limoneneis". 

Doch der Roman beginnt in München, wo Marco Pantanella als erfolgreicher Immobilienanwalt arbeitet. Er wohnt mit Frau Geli und seinen zwei Kindern Luca und Sabrina am Starnberger See. Marco merkt nicht, wie ihm seine Familie immer fremder wird. Am selben Tag als er morgens überraschend zum Partner in der Firma auserkoren wird, wird er abends überraschend von seiner Frau verlassen. In beiden Fällen wird er vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Frau ist weg, im Urlaub für zwei Wochen; er muss sich um die Kinder kümmern und ausserdem geschäftlich überraschend nach Singapur. Zuviel für ihn. Ein Burnout zwingt ihn zum Krankenstand  - den sein Chef nicht akzeptiert. Auf Drängen seiner 16jährigen Tochter Sabrina fährt Marco trotzdem zum Auftanken nach Amalfi. Im Dorf wird er schon sehnlichst zur Zitronenernte erwartet, sein Vater hat das Bein gebrochen. Alle seine Nachbarn und Freunde denken, Marco sei wegen seines Vaters gekommen, doch er hatte ja keine Ahnung. 

Die Autorin legt in diesem unaufgeregten Roman eine intensive Charakterstudie eines Protagonisten im Clinch mit sich selbst vor. Sie erzählt, wie Marco zwischen dem eigenen Leben in Deutschland und der Verbundenheit mit dem Heimatdorf steht. Grosse Erwartungen werden von allen, deutschen wie italienischen, Seiten an ihn gestellt, nun geht es darum herauszufinden was er wirklich will, was ihn glücklich macht. Für Marco beginnt eine Zeit der Selbstreflexion. Zudem trifft er auf seine erste grosse Liebe - die er nie vergessen hat.

Die vielschichtigen Themen können nachvollzogen werden: ein Mann, der nie zuhause ist und Frau mit Kindererziehung und Haushalt alleine lässt; die möglichst rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit fürs Büro; die Frage nach den persönlichen Wurzeln, die einen geprägt haben; die Heimatverbundenheit, auch wenn nur 100 km (und nicht 1300km wie im Roman) Unterschied zwischen Heimat und aktuellem Lebensmittelpunkt stehen; die Beziehung zu den Eltern. Daraus macht Marie Matisek aber kein Drama mit viel Streitereien und sie wertet die verschiedenen Lebenswege auch nicht, was mir sehr gut gefiel. Der Roman kommt eher nachdenklich und melancholisch daher. Die Thematik wird geschickt in den vorsommerlichen Süden hinein gebettet, was für eine gewisse Leichtigkeit sorgt und sehr schön umgesetzt ist. 

Die Landschaftsbeschreibungen versetzen den Leser schnell an die italienische Südwestküste, man fühlt sich wie im Urlaub. Zudem gefällt mir sehr, dass für einmal ein Mann wie Marco mit all seinen Problemen und Gedanken im Vordergrund steht und die Frauen Nebendarsteller sind. Die verstorbene und doch allgegenwärtige Nonna sorgt für einige Schmunzler und macht sie zu einem grossen Sympathieträger. Aber auch den zwei, drei unsympathischen Charakteren im Roman kann man nicht wirklich lange böse sein. Ausser Marcos Chef, aber den vergisst man schnell. 

Fazit: Eine optimistische Stimmung erzeugende schöne und sehr lebensnah erzählte Geschichte, die sich das ganze Jahr gut lesen lässt. 
4.5 Punkte. 

Kommentare:

  1. Hallo,

    mir hat das Buch auch sehr gut gefallen. Das Cover verspricht sommerliche Entspannung und das ist auch inhaltlich angekommen.


    Liebe Grüße Barbara

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    1. Liebe Barbara
      ja die sommerliche Entspannung ist vorhanden, obwohl mir das Cover nicht so gefällt. Aber es kommt ja auf den Inhalt drauf an :-)
      Liebe Grüsse, Anya

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  2. Vom Cover her hätte ich jetzt eher so einen eher seichten Liebesroman erwartet und eher nicht zu dem Buch gegriffen - aber Deine Rezension liest sich so, als könnte mir das durchaus gefallen, da werde ich einmal einen Blick werfen - danke für die Vorstellung!

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    1. Liebe Domic
      nein, seicht ist hier gar nichts. Vielleicht empfinden das sehr junge Leserinnen so, aber Frauen, die mitten im Leben stehen, können die erwähnten Probleme, Gedanken und wie damit umgegangen wird, garantiert nachvollziehen.
      Liebe Grüsse
      Anya

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