Mittwoch, 13. Februar 2019

Am Anfang des Weges von Petra Durst-Benning (Die Fotografin 1)

Klappentext:
Minna Reventlow, genannt Mimi, war schon immer anders als die Frauen ihrer Zeit. Es ist das Jahr 1911, und während andere Frauen sich um Familie und Haushalt kümmern, hat Mimi ihren großen Traum wahr gemacht. Sie bereist als Fotografin das ganze Land und liebt es, den Menschen mit ihren Fotografien Schönheit zu schenken, genau wie ihr Onkel Josef, der ihr großes Vorbild ist. Als dieser erkrankt, zieht sie in das kleine Leinenweberdorf Laichingen, um ihn zu pflegen und vorübergehend sein Fotoatelier zu übernehmen. Ihm zuliebe verzichtet sie nicht nur auf ihre Unabhängigkeit, sondern sieht sich in Laichingen zunächst auch den misstrauischen Blicken der Dorfbewohner ausgesetzt, da sie mehr als einmal mit ihrem Freigeist aneckt. Und als bald ein Mann Mimis Herz höher schlagen lässt, muss sie eine Entscheidung treffen.

Ich weiss noch, wie ich mir nach "Winterwind" wünschte, Autorin Petra Durst-Benning würde einmal Gegenwartsromane schreiben - was sie kurz darauf mit der Maierhofen-Serie auch tat. So schön die Serie ist, trotzdem vermisste ich mit den Jahren ihre historischen, immer toll recherchierten Romane. 

Auch hier ging mein Wunsch in Erfüllung und nun gelang mit der Veröffentlichung ihres neuestes Werkes der Start einer fünfteiligen Saga über eine junge Frau, die sich nicht mit der Zukunft als Pfarrfrau begnügen will.

Mimi, die Heldin der Serie, sieht am Leben ihrer Mutter was auf sie wartet, wenn sie Heinrich heiraten würde. Sie entscheidet sich für das harte Leben als Wanderfotografin, worin Onkel Josef Mimi anfänglich tatkräftig protegiert. Ihre Mutter unterstützt Mimi einerseits, andererseits hegt sie grosse Bedenken. Der Vater scheint Mimi zu vertrauen, von ihm hört man aber nicht viel.

Die ersten Monate sind nicht leicht für Mimi und trotzdem bereut sie ihren Entscheid nicht. Nachdem Mimi durch einen Zufall eine berühmte Person fotografieren kann, floriert das Geschäft und allerorten wird nach ihr gefragt. Da erreicht sie plötzlich eine Nachricht, dass es, ihrem inzwischen im Weberdorf Laichingen sesshaft gewordenen, Onkel Josef schlecht geht. Keine Frage, dass Mimi auf dem Weg zu einem weiteren Auftrag in Laichingen Halt macht. 

Josef geht es gesundheitlich gar nicht gut und braucht jemand der ihn pflegt. Mimi übernimmt vorläufig - denkt sie zumindest. Ihr Aufenthalt verlängert sich immer weiter, wobei Mimi die Gemeinde mit ihrer Art und ihren modernen Ansichten aufwirbelt. Fast schon als Ketzerin verschrien, wird sie von wenigen Bewohnern gemobbt. Andere hingegen sind fasziniert und wollen der weit herum gereisten Mimi glauben.  

Die Szenen in Laichingen machten mich traurig. Denn nur allzu gut hat Petra Durst-Benning das karge Leben der Dorfbewohner, deren Träume und Sorgen sowie die Zukunftsaussichten der Jugendlichen beschrieben. 

Geschickt webt die Autorin in die Einzelschicksale der Menschen viel Wissenswertes mit ein, zum Beispiel der Einblick in die Arbeit eines Fotografen - besonders gelungen sind die Abschnitte über die Bildretusche, quasi Photoshop vor 100 Jahren - wie auch die schwere Arbeit der Weber und die Weiterentwicklung der Stoffbearbeitung. Erneut zeigt sie mehrere Berufszweige auf, die sich nicht nur durch die Industrialisierung weiterentwickeln und lässt uns diese Umwälzungen in ihren Charakteren miterleben. 

Petra Durst-Benning porträtiert wie gewohnt starke Frauen, lässt aber die ganze Gefühlspalette über Eifersucht und Neid, wie auch das Bedauern über eigene, vielleicht vorschnelle Entscheidungen nicht zurück.

Ein wenig enttäuscht war ich, als Mimi - zwar verständlicherweise - immer länger in Laichingen blieb und nicht mehr auf Reisen ging. Ja, ich weiss, das kann sich in den vier weiteren Büchern noch ändern, aber dennoch hätte ich Mimi gerne mehr unterwegs begleitet. Ihr Aufenthalt im Leinenweberdorf dauerte mir zu lange, einiges wiederholte sich schon fast - aber vielleicht bin ich auch einfach nur zu ungeduldig.

Leider bricht das Buch gefühlt mittendrin ab, ist nicht in sich abgeschlossen, was ich bedauerte. Mir fehlt ein schlüssiger und würdiger Abschluss des ersten Teils dieser Saga. 

Sehr schön fand ich den Bezug zu "Bella Clara", denn Mimi lernt Clara Berg kennen. Wer historische Romane mag und die Jahrhundertwind-Trilogie noch nicht kennt, sollte dringend mal einen Blick darauf werfen. Den frischen Wind aus der Trilogie hat die Autorin auch in "Die Fotografin" mitgenommen und deshalb ich bin gespannt, wie Mimi und die Laichinger sich weiter entwickeln. Insbesondere nimmt mich Wunder, ob sich die Träume von Alexander und Anton erfüllen.  

Fazit: Fesselnder und interessanter Auftakt zu der fünfteiligen Serie über eine Fotografin anfangs des 19. Jahrhunderts. 
4 Punkte.


Reihenfolge:
Band 1: Am Anfang des Weges
Band 2: Die Zeit der Entscheidung 
Band 3-5: folgen in den nächsten Jahren 

Kommentare:

  1. Liebe Anya,

    dieser Band hat mir auch richtig gut gefallen und ich freue mich schon auf die Nachfolgebände.
    Die Autorin liebe ich seit ihrem historischen Roman "Die Glasbläserin", den ich vor zig Jahren zum ersten Mal gelesen habe. Inzwischen auch schon erneut und das Buch mehrfach ausgeliehen und von allen für gut befunden.
    Vielleicht sollte ich den Roman mal auf meinem Blog vorstellen, passt aber besser in die Vorweihnachtszeit.

    Liebe Grüße
    Barbara

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    1. Guten Morgen Barbara
      ich bin wie du ein Fan der Glasbläserin, allerdings haben mir dort Band 2 und 3 nicht mehr so gut gefallen. Hier habe ich kurz was dazu geschrieben: https://www.buecherinmeinerhand.ch/2013/12/die-glasblaserin-triologie-von-petra.html Ja, die Glasbläserin passt besser in die Weihnachtszeit - manchmal ist es schwierig, wenn man tolle Bücher schon vor dem Betreiben des Blogs gelesen hat, und sich dann überlegt, es doch noch zu rezensieren; die Situation kenne ich :-)
      Liebe Grüsse
      Anya

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  2. Oh, das wird eine Reihe? Super! Ich bin ja ein großer Fan von Frau Durst-Benning, und ich mag es sehr, wenn Figuren wieder auftauchen! Die Jahrhundertwind-Trilogie mochte ich auch, allerdings fand ich, dass Bella Clara das schwächste Buch der Reihe war, am besten hat mir der erste Teil gefallen, der mit den Fahrrädern. Aber die Fotografin mag ich definitiv auch lesen, danke für die Vorstellung!

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    1. Guten Morgen Doro,
      ja das wird eine lange Reihe!
      Ich bin absolut bei dir, dass Bella Clara der schwächste Teil der Trilogie ist, nachzulesen in meiner Rezension darüber. Dennoch war vieles darin extrem interessant. Mir gefallen halt einfach die Themen, die die Autorin in die Romane einarbeitet :-)
      Liebe Grüsse
      Anya

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