Dienstag, 10. März 2026

Histo: Kleopatra von Saara el-Arifi

Klappentext:
Dieser atemberaubende Roman erzählt das Leben der ehemals mächtigsten Frau der Welt: Kleopatra, die letzte altägyptische Königin, war eine Pharaonin, Ehefrau, Mutter – und eine Herrscherin mit unermesslicher Macht. Ihr Tod ist legendenumwoben, ihr Leben sagenhaft. Mit gerade einmal 19 Jahren besteigt sie nach dem Tod ihres Vaters den Thron eines Weltreichs, nicht ahnend, welche ungeheuerlichen Herausforderungen von diesem Moment an ihr Leben bestimmen sollten.




Als Kind war ich mehrmals an einem Strand mit wunderbarem Sand, ganz rund waren die Sandkörner. Diesen kleinen Strand nannte man Kleopatra-Strand - nach einer ägyptischen Königin, die hier gebadet haben soll. Seither hab ich sie immer im Kopf, diese sagenumworbene Kleopatra.

Geschichten über die Pharaonin gibt es viele, meist von Männern des Patriarchats verfasst. Deshalb freute ich mich, dass Autorin Saara el-Arifi dieser Frau mit ihrem Roman eine weitere Stimme, eine weibliche Stimme gibt. 

Zuerst gibt es eine Anmerkung der Autorin, das, was sonst im Nachwort stehen würde: was historisch verbürgt, was Fiction ist und ob vielleicht Orte oder Zeitpunkte verschoben wurden, damit ihre Erzählung stimmiger ist. Das hat mir schon mal sehr gut gefallen, so weiss man von Anfang an Bescheid.

Die Romanbiografie beginnt um 51 v. Chr., kurz bevor Kleopatras Vater stirbt. Kleopatra ist eine Ptolemäerin und erbt den Thron von ihrem Vater. Sie, nun Pharaonin, erzählt ihr Leben selbst und wendet sich manchmal selbstreflektiv an die Leserschaft. Etwa damit, dass sie erst zu spät bemerkte, dass der Eunuch Potheinos, der bereits ihrem Vater diente, genau wie ihre Schwester Arsinoë, ein falsches Spiel spielt. 

Dieser Erzählkniff hat mir mir sehr gut gefallen, es ist ein wenig so, als ob sie auch heute noch lebt und ihre Sicht auf die Zeitzeugen mit uns teilt. So ähnlich berichtet es dann auch der Epilog, der zur ganzen Geschichte passt.

Die Autorin zeigt eine sehr menschliche Kleopatra. Eine selbstironische, humorvolle, nachdenkliche und liebende Frau, die Mutter, Königin, Staatsoberhaupt, Geliebte, Schwester ist und laut Familiendynastie auch Göttlichkeit verkörpern soll. Nur ist ihre Gabe, die Heilkunst, für ihre Geschwister keine Göttergabe, was ihr zu schaffen macht. Trotzdem interessiert sie sich sehr für die Heilkunst, wendet ihre Gabe an und lernt viel darüber. Besuche in der Bibliothek von Alexandria - für sie kein Ort, sondern ein "Baum des Wissens" - sind für sie ganz normal. Kein Wunder ist sie am Boden zerstört, als die berühmte Bibliothek abbrennt. Kleopatra setzt alles daran, dass sie so schnell wie möglich wieder aufgebaut wird. Auch ihre Partner Julias Caesar und Marcus Antonius werden nicht nur als römische Herrscher, sondern als Menschen mit Gefühlen dargestellt. In Zukunft werde ich jede Steinstatue von den beiden mit anderen Augen ansehen. 

Von Beginn weg hat mich Saara el-Arifi mit ihrem süffigen Schreibstil, der modernen Sprache und der - trotz bekannten - fesselnden Handlung in den Bann gezogen. Sie schreibt bildhaft, so dass man sich das Geschehen nur zu gut vorstellen kann. 

Die Freude ist gross, wenn man schon am Beginn des Jahres so einen tollen Roman gelesen hat, der am Ende des Jahres garantiert noch als Jahreshighlight Bestand hat. 

Fazit: Stark erzählt - und somit ein Lese-Highlight, das man kaum aus der Hand legen kann. 
5 Sterne.


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