Montag, 12. September 2016

#Buchpassion

Man könnte meinen, es gäbe nichts, über das nicht schon geschrieben wurde. Doch immer wieder schaffen es Autoren, kreativ zu sein und neue Geschichten zu schreiben und sie neu zu erzählen. Das fasziniert mich enorm.

Ich hatte nie den Wunsch selber zu schreiben, ich fühlte und fühle mich als Leserin wohl. Lesend kann ich am Leben von realen und fiktiven Menschen rund um die Welt und quer durch die Zeitgeschichte teilnehmen: Mit Bruni Prasske den Iran bereisen, Hürrem Hanim im Topkapi Palast besuchen, mit Ariadne Asterios im Labyrinth von Knossos retten, mit Julien Green im Frühling durch Paris spazieren, den September in Cornwall geniessen, der Avalonsage näher kommen, in Hogwarts frühstücken, mit Robert und Francesca die Brücken am Fluss fotografieren, im Vatikan Mäuschen spielen und mit Papst Petrus II. Fussball gucken, mit dem Bücherschiff auf Frankreichs Kanälen unterwegs sein. Dies alles und vieles mehr. 

Andere unternehmen diese Reisen, indem sie Filme schauen. Ab und an gehe ich auch gerne ins Kino, aber es sind die Bücher, die mich faszinieren, die mir Welten öffnen, die mich staunen lassen. Einfach nur Bücher. Bücher. 




Janine vom Blog kapri-ziös startete am Wochenende eine Literaturaktion namens #Buchpassion. Viele Autoren, Blogger und Verlage nahmen daran teil. 
Ich bin zu spät, aber da wir in Zürich heute einen halben Feiertag, das "Knabenschiessen" haben, ist für mich heute Montag auch noch Wochenende :-) 

Montagsfrage 12.09.2016



Was muss ein Buch haben, um für dich zu einem Lese-Highlight zu gelten?


Diese Woche werde ich meine Rezi zu "Honigtöchter" von Cristina Caboni online stellen. Es ist genau so ein 5-Punkte-Buch bei dem alles stimmt, ich das Buch mit einem "Wow" schliesse und erst mal benommen bin und nicht sofort zu einem anderen Buch greifen kann. Ein Buch, bei dem man merkt, dass die Autorin mit ganzem Herzen hinter dem beschriebenen Thema steht. Ein Buch, an das man gerne denkt und ich wieder lesen würde. Was übrigens meine Tochter bei Büchern, die ihr extrem gut gefallen haben, sofort macht. Sie fängt direkt nach dem Auslesen wieder von vorne an! 

Die Maximalzahl von 5 Punkten vergebe ich selten, da bin ich knausrig. Wenn, dann muss ich wie oben beschrieben, das "WOW"-Gefühl haben, das Buch muss mich berühren und/oder überraschen, packen sowieso und es darf mich nie langweilen. Es ist "das gewisse Etwas", das man so schlecht in Worte packen kann und eine reine Bauchentscheidung. 
Bei den meisten Büchern kommt es oft noch auf den Schluss drauf an, ob es 4 oder 3.5 Punkte werden. Bei den 5-Punkte-Bücher weiss ich es einfach schon mittendrin. 

Übrigens bekommen Krimis von mir noch seltener 5 Punkte als Romane - in Krimis geht es mir mehr um den Fall, ob der stimmig aufgelöst wurde und sich die Ermittler nicht allzu doof anstellen. "Berühren" tut mich ein Krimi nicht oder halt auf eine andere Weise wie ein Roman. Deshalb sind 5-Punkte-Krimis bei mir Raritäten und dann auch wirklich, wirklich gut. Genau wie die seltenen 5 Punkte-Romane, im Jahr sind es vielleicht fünf oder sechs solch besondere Lesehighlights. 

Und wann bewertet ihr ein Buch mit 5 Punkten? 


Und sonst so:
Am Wochenende lief die Aktion #buchpassion heiss auf diversen Blogs und auf Twitter. Leider konnte ich nur einen Teil davon verfolgen, da mein Wochenende sehr ausgelastet war. Mein Beitrag zur Aktion geht daher erst heute online. Wir in Zürich haben heute einen halben Feiertag, für mich ist also noch Wochenende und ich somit nicht wirklich zu spät für #buchpassion ;-) 
Habt ihr die Aktion verfolgt oder sogar selbst mitgemacht? 





Freitag, 9. September 2016

Glück ist, wenn man trotzdem liebt von Petra Hülsman

Klappentext:
Es gibt Dinge, die Isabelle absolut heilig sind: Ihre Arbeit in einem schönen Blumenladen. Ihre Daily Soap. Und ihr tägliches Mittagessen in der alten Klitsche gegenüber. Doch die wird eines Tages von dem ambitionierten Koch Jens übernommen, der nicht nur mit seiner aufmüpfigen Teenieschwester für reichlich Wirbel sorgt - und plötzlich bricht das Chaos über Isabelles wohlgeordnete kleine Welt herein. Während sie noch versucht, alles wieder in ruhige Bahnen zu lenken, scheint ihr Herz allerdings schon ganz andere Pläne zu haben.




Aufgrund des Klappentexts und der begeisterten Leserstimmen hab ich zu dem Buch gegriffen.

Als vis-à-vis vom Blumenladen, in dem Isabelle arbeitet, ein neues Restaurant aufgeht, ist sie entsetzt. Jahrelang hatte sie Mittags Nudelsuppe gegessen. Doch im neuen Restaurant gibt es keine Suppe auf der Karte. Isabelle flippt deswegen aus und legt sich mit Jens, dem Besitzer und Koch des Restaurants, an. Leider steht es im Blumenladen finanziell auch nicht zum Besten und schon bald ist es nicht nur die fehlende Nudelsuppe, die Isabelles Hauptproblem ist.

Das Vorwort ist genial! Deswegen lohnt es sich das Buch in die Hand zu nehmen. Die Geschichte selbst ist vorhersehbar wie meist bei Liebesromanen, das finde ich nicht schlimm, aber zu lesen lohnt es sich nicht wirklich. Es sei denn man steht auf jugendliche daherkommende Liebesromane mit einer nervigen Protagonistin. Isabelle wirkt mehr wie eine überspannte unsichere Göre als eine 28jährige Frau mit einer Handvoll Jahren Berufserfahrung. Ihr Auftritt im Thiels ist deplatziert, sie führt sich unmöglich auf. 

Einzig der amüsante und flüssige Schreibstil der Autorin hat mich zum Weiterlesen bewogen. Und vielleicht auch ein wenig die Hoffnung, Isabelle könnte sich BÄMM-plötzlich ändern. Was leider nicht geschah, Isabelle bleibt ihrem Nörgel-Ich treu. 

Mich versöhnten aber die restlichen Figuren wie der treue Taxifahrer Knut, die sorgenbeladene Ladeninhaberin Brigitte und auch Jens, der Isabelle gut konterte. Zusammen sorgten sie für viele nette Lese-Momente.

Fazit: Liebesgeschichte mit einer überspannt-nervigen Protagonistin; kann man mal schnell lesen, muss man aber nicht. Verpassen tut man nur das witzig-geniale Vorwort. 
3 Punkte. 



Donnerstag, 8. September 2016

Die Canterbury Schwestern von Kim Wright

Klappentext:
Che kann es nicht fassen: Sie ist mit acht anderen Frauen auf dem Weg von London nach Canterbury. In einem Brief hat ihre exzentrische, willensstarke Mutter ihrer Tochter aufgetragen, dorthin zu pilgern und ihre Asche zu verstreuen. Außerdem hat sich gerade auch noch ihr Freund von ihr getrennt. Das Letzte, was sie jetzt gebrauchen kann, ist ein als Pilgerreise getarnter Selbstfindungstrip. In alter Pilgertradition soll jede der Frauen auf dem Weg eine Geschichte über die Liebe erzählen. Che ist skeptisch, als die Wanderinnen damit beginnen. Doch die unterschiedlichen Geschichten der Frauen berühren sie tief. Zum ersten Mal in ihrem Leben hat Che das Gefühl, ihren Weg zu kennen.


Ich war gespannt auf das Buch. Doch leider beginnt es auch hier wieder mit "von Freund verlassen, Angehörige stirbt". Liebe Autoren, lasst euch doch mal wieder etwas Neues einfallen.

Diana de Milan verfügt in einem Brief an ihre Tochter Che, dass ihre Asche nach Canterbury zu Thomas Beckets Schrein gebracht werden soll. Von London nach Canterbury wärs ja auch kein Problem, doch Che lebt in Amerika. Che fliegt kurzentschlossen nach London (wie gut, dass sie selbstständige Weinkritikerin ist und somit ihre Arbeitszeit einteilen und noch besser, dass ihr Partner ihr den Laufpass gab)

In London angelangt erfährt Che, dass sie sich einer Pilgergruppe anschliessen muss, anstatt alleine mit einer Reiseführerin nach Canterbury zu wandern. Che lässt sich darauf ein, eine Bahnfahrt wäre ihr zu "billig", dennoch ist sie skeptisch. Die neun Frauen scheinen unterschiedlich und Che nimmt sie alle genau unter die Lupe. Jeden Tag erzählen eine oder zwei der Frauen auf der Reise eine Geschichte ihres Lebens, wie bei Chaucer. Bis zuletzt weiss Che nicht, was sie erzählen soll, wenn sie dran ist. Sie wartet einfach mal ab...

...und bald schon ist sie genau dort, wo sie nicht ankommen wollte laut Klappentext: auf einem Selbstfindungstrip. Genau so würde ich den Roman beschreiben: neun Frauen auf einer Reise nach ihrem Selbst. 

Die ersten Seiten nahmen mich ein, sie waren humorvoll, ironisch und mit tollen Vergleichen gepflastert: "Restaurants sind Kirchen meiner Generation. Wir versammeln uns, um Sünden zu beichten, Wein zu trinken und nach Hoffnungen Ausschau zu haben". 
(Kindle bei 8%)

Doch auf den folgenden Seiten wurde der Roman in meinen Augen trivialer. Die Geschichten der Frauen begannen mich zu langweilen und ich wurde mehr und mehr abgelenkt. Die Geschichten der Frauen wurden sich immer ähnlicher, und der von Che befürchtete Selbstfindungstrip trat ein. Auch Che war nicht gefeit davon. Wahrscheinlich fast am wenigsten von allen. Es geht vor allem um Beziehungen zwischen Mütter-Töchter und Frau-Mann, und um die Selbstlügen, die man um diese Beziehungen ansiedelt.

Überrascht hat mich, dass die Protagonistin, wie auch sämtliche Frauen der Pilgergruppe Amerikanerinnen waren. Laut Klappentext nahm ich an, dass die Frauen aus England sind. Dies spürte man in den erzählten Geschichten wie auch in den Biografien, irgendwie dünkten mich einige der Probleme doch sehr "amerikanisch". 

Ich weiss noch immer nicht, was ich von den Canterbury Schwestern halten soll. Überzeugt bin ich jedenfalls nicht. Das Buch beinhaltet einige tolle Stellen und witzig-ironische Gedankengänge, aber es hat mich weder berührt noch abgeholt. 

Fazit: Enttäuschender Selbstfindungsroman, der zwar einige witzige Szenen beinhaltet, aber leider langweilt. 

Montag, 5. September 2016

Montagsfrage 05.09.2016



Habt Ihr ein schlechtes Gewissen gegenüber Protagonisten, wenn die hungern müssen und ihr nebenbei futtert?

Ganz schlicht: nein. Mal abgesehen davon, dass ich eher Bücher lese, in denen die Protagonisten gerne essen, muss in den Büchern niemand richtig hungern. Dafür lese ich die falschen Bücher - keine Surivalbücher oder ähnliches. Da bekomm ich eher Hunger weil die Figuren was Feines essen. 
Zudem sind die Geschichten fiktiv, und soweit steigere ich mich nicht in ein Buch hinein, dass ich genau gleich fühle wie die beschriebenen Personen. Klar leidet man manchmal mit ihnen mit, aber ich würde mir nie etwas zu Essen verbieten, nur weil die Figur im Buch gerade hungert. Ich stell mich ja auch nicht unter die Dusche, nur weil jemand im Buch gerade duscht. 
Und dann kommt noch dazu, dass ich sowieso selten "nebenher futtere" und zu Essenszeiten nicht (mehr) lese (da die Familie mit am Tisch sitzt)

Und nun ist Zeit für mein "Frühstück" - das kochende Wasser ist mittlerweile etwas abgekühlt und ich kann mir mein tägliches Zitronen-Honig-Wasser aufgiessen. Anschliessend gibts Kaffi und zum Zmorgä ein paar Früchte. Än Guatä! :-)

Freitag, 2. September 2016

Krimi: Tödlicher Tramontane von Yann Sola (Perez 1)

Klappentext:
Alles in dem kleinen französischen Städtchen Banyuls-sur-Mer, nur wenige Kilometer vor der spanischen Grenze, könnte so entspannt sein, wenn nicht dieser verdammte Tramontane, der von den Pyrenäen herabfallende Wind, die Menschen verrückt machte. Perez, Kleinganove und Hobbydetektiv, würde gern in aller Ruhe sein Restaurant und seinen florierenden Schwarzhandel mit spanischen Delikatessen betreiben. Doch dann tritt der neue Polizeichef aus dem Norden seinen Dienst in Banyuls an, und in Strandnähe explodiert eine stattliche Yacht. Von der Besatzung keine Spur. Und als auch noch Perez’ Freundin Marianne spurlos verschwindet, die zuvor mit ungewöhnlichen Mitteln gegen die geplante Erweiterung des Hafens demonstriert hat, ahnt Perez, dass es an der Côte Vermeille nicht mit rechten Dingen zugeht. Gemeinsam mit Mariannes Tochter und seinem Koch Haziem begibt er sich an die Ermittlungen und erfährt allerhand über mächtige Konzerne und korrupte Strippenzieher. Als er dann auch noch selbst des Mordes verdächtigt wird, hat Perez endgültig genug.

Das Cover weckt meine Sehnsucht nach Meer und der Klappentext machte mich neugierig auf diesen neuen französischen Ermittler. Ob es sich wohl lohnt das Buch zu lesen?

Syracuse Perez, 49, katalanischer Restaurantbesitzer, betreibt einen ähm, sagen wir mal, einen eher versteckten Delikatessenimport im französischen Banyuls, direkt an der spanischen Grenze. Perez liebt Wein und gutes Essen - doch Kochen müssen andere. Zum Beispiel sein wortkarger Koch und Freund Haziem. Perez weiss dafür, wo er das beste Fleisch, die besten Kirschen, den besten Wein herbekommt. Er wohnt praktisch im "Kaninchen", seinem kleinen Restaurant Conill amb Cargols, kurz Conill genannt und geht nur zum Schlafen in seine Wohnung. Perez kennt man in Banyuls, er sitzt im Gemeinderat und weiss was in der Ortschaft geplant ist, theoretisch jedenfalls. Als ihm seine Freundin Marianne von einer Hafenerweiterung erzählt, ist er zu Recht erstaunt. Davon wusste er nichts! 

Kurz darauf explodiert eine Yacht, der Bürgermeister wird verletzt und Marianne und ihre Freundin Claire verschwinden spurlos. So betätigt er sich erneut als Zufallsdetektiv, wie er selbst seine Nachforschungen nennt, und legt sich gleich mit dem neuen Gendarmeriechef Boucher an. 

Perez ist ein toller Detektiv, mal keine "abverheite" Existenz oder ein Polizist, der versetzt wurde. Absolut nach meinem Gusto! Perez liebt gutes Essen, weiss was er will, übernimmt Verantwortung - nicht nur für seine Tochter Marie-Helene sondern auch für Mariannes Tochter Sophie und legt sich deswegen schon mal mit Marianne an. Perez ist sympathisch, unsportlich, kann auch mal laut werden. Man mag ihn in Banyuls und er mag bis auf den Sohn des Bürgermeisters und den neuen Gendarmeriechef praktisch alle im Dorf. 

Ja, es lohnt sich definitiv, sich auf das Buch und den Hobbydetektiv Perez einzulassen! Der Schreibstil gefiel mir ausgezeichnet - flüssig zu lesen mit viel Humor und durchwegs unterhaltsam. Der Kriminalfall bietet viel: Spannung, Emotionen, überraschende Momente, Humor und viele tolle einnehmende Charaktere. Beim Lesen wünscht man sich, direkt vor Ort zu sein und keine einzige Zeile zu verpassen. 

Fazit: Überraschend aktionsreicher Erstlingskrimi, der Lust macht, noch mehr Fälle mit Zufallsdetektiv Perez zu lesen. 
4.5 Punkte.

Vielen Dank an den Kiwi Verlag! 

Reihenfolge:
Band 1: Tödlicher Tramontane
Band 2: Gefährliche Ernte
Band 3: Letzte Fahrt
Band 4: Johannisfeuer

Donnerstag, 1. September 2016

Krimi: Die Tote am Lago Maggiore von Bruno Varese (Matteo Basso 1)

Klappentext:
Am italienischen Ufer des Lago Maggiore, wo die Frühlingssonne das klare Wasser wärmt, versucht Matteo Basso vergeblich, seinen ersten Fisch zu fangen. Der ehemalige Mailänder Polizeipsychologe hat seinen Job an den Nagel gehängt und ist zurückgekehrt nach Cannobio, um die Macelleria seiner verstorbenen Eltern zu übernehmen. Am Wochenende soll das große Oldtimer-Rennen stattfinden und Gisella ihm bei den Salsiccia-Kreationen helfen, die ihm leider noch regelmäßig misslingen. Doch dann wird Gisellas Leiche am Ufer des Sees gefunden. Man vermutet, sie sei ertrunken. Matteo glaubt nicht an einen Unfall, denn Gisella war eine exzellente Schwimmerin. Er ermittelt auf eigene Faust. Warum wollte sie ihn in der Nacht zuvor so dringend sprechen? Und was hatte sie mit Maldini, dem windigen Gran Signore aus Stresa, zu tun? Als es beim Autorennen zu einem mysteriösen Unglück kommt und Matteo selbst in Gefahr gerät, ahnt auch Kommissarin Zanetti, dass sie es mit einem verzwickten Fall zu tun haben. Die aufreibenden Ermittlungen führen die beiden bis ins luxuriöse Mailand und tief in die Geschichte der Region.


Der Einstieg ins Buch war nicht so einfach: viele italienische Wörter, die man auch auf Deutsch schreiben hätte können oder zumindest nur einmal auf Italienisch. Macelleria tönt halt netter als Metzgerei, aber es wirkte aufgesetzt. Zudem musste ich mich auch noch über die Unüberlegtheit von Matteo ärgern: Pflutschnass dringt er in ein Haus ein und hinterlässt natürlich Spuren, dann setzt er sich auch noch mit einem Buch hin und beginnt zu lesen... Jo also chumm hey... Dazu raucht er wie ein Schlot und hat überall Kopfschmerztabletten verteilt für den Notfall.

Nein, der Protagonist hatte wahrlich keinen guten Start bei mir. Ich bin mir auch jetzt noch nicht sicher, wie ich ihn finde; ans Herz gewachsen ist er mir nicht. Dennoch macht er einen guten Job und hat auf jeden Fall den richtigen Riecher. Als seine Bekannte Gisella eines Morgens nicht auftaucht, macht er sich auf die Suche nach ihr und gibt nicht auf, obwohl er oft sehr träge daher kommt. Auf den 304 Seiten bringt Matteo Erstaunliches ans Licht. Gisella war eine Freundin, doch augenscheinlich hat er sie nicht wirklich gekannt. 

Genau so geht es dem Leser bei Matteo: man erfährt, dass er früher Polizeipsychologe war und er seinen Job aufgab, doch nicht nur weil er die Metzgerei seines Vaters fortführen will. Es gibt zwar viele Andeutungen, aber der tiefere Grund dazu erschliesst sich dem Leser nicht. 

Einige Charaktere, die bei einer allfälligen Fortsetzung sicher wieder auftauchen, hab ich im Gegensatz zu Matteo sofort ins Herz geschlossen: Beppo, Luigi und Flavio. Ihnen gehört die Autowerkstatt und sie haben das Herz am rechten Fleck. Leider trifft dies nicht auf Kommissar Buffon zu, der skeptisch gegenüber Matteo ist und ihn sogar verdächtigt. Zum Glück dient Kommissarin Nina Zanetti als Puffer, sie gibt Matteo oft Rückendeckung.

Der Plot ist bis auf die erwähnten Schwächen durchdacht. Auch die Szenen in Mailand fand ich spannend und aktuell. Das überraschend inszenierte Ende lässt den schleppenden Anfang und die vielen Wiederholungen fast vergessen. Einem zweiten Teil würde ich jedenfalls eine Chance geben.

Für Ortsunkundige ist auf der ersten Seite eine Karte der Umgebung abgedruckt, was ich sehr hilfreich empfand, da ich nur die Schweizer Seite des Lago Maggiore kenne.  

Fazit: Ein Erstling an schöner Location, aber mit schleppendem Anfang, der sich zum Glück zum Ende hin beachtlich steigert.
Band 3: Totenstille über dem Lago Maggiore
Band 4: Wenn es Nacht wird am Lago Maggiore