Montag, 13. Oktober 2014

Montagsfrage, 13.10.2014


Habt ihr einen E-Reader und wenn ja, welchen?

Jaaaaa, ich habe einen E-Reader. Mittlerweile einen Kindle Paperwhite 2 und ich liebe, liebe, liebe ihn. Auch meine iPads liebe ich: auf dem iPad mini lese ich Skoobe-Bücher und iBooks. Das "grosse" iPad nutze ich für Kochbücher  und Sachbücher, die viele Fotos haben und die man einfach farbig lesen muss. Aktuell z.B. "Das grosse Buch der Pflanzenwasser" von Susanne Fischer-Rizzi. 

Im Winter oder abends lese ich öfters auf dem iPad mini, in den helleren Monaten vorwiegend auf dem Kindle, den der iPad-Bildschirm spiegelt und ist somit nicht geeignet um bei Sonnenlicht zu lesen.

Meine achtjährige Tochter hat meinen "alten" Kindle PW 1 vererbt und auch sie liebt ihn heiss. Unterwegs aufs Anschlusstram warten? Kein Problem, dann setzen wir uns aufs Bänkli und packen unsre Kindles aus. 

Oder jetzt in den Herbstferien, wo wir oft mit dem Zug quer durch die Schweiz unterwegs sind: kein Problem, wenn wie letzte Woche der Zug wegen eines Tür-Defekts nicht weiter fahren kann und wir den Anschlusszug verpassen. Das ist zwar ärgerlich. Aber langweilig wird es nicht, denn da wir so unsere ganze Bibliothek dabei haben, haben wir auch immer genug Lesestoff dabei. 

Ich gebe meine Reader nie wieder her! Eine der besten Erfindungen, die es gibt!

Und das sage ich, die ich vor zwei Jahren enorm skeptisch war und sagte: "Sowas brauch ich nicht, ich will Bücher spüren". Wenn ihr auch so drauf seid, dann testet im Laden oder bei Bekannten die diversen Reader mal aus, ihr werdet überrascht sein, wie praktisch diese sind. Z.B. Nie wieder Übergepäck wegen Bücher beim Reisen; immer genug Lesestoff dabei; keine Schulterprobleme wegen zu schweren Taschen, die voller Bücher sind, etc. etc.

Freitag, 10. Oktober 2014

Ein Sommer in Cornwall von Liz Fenwick

Klappentext:
In wenigen Minuten soll Judith zum Altar schreiten. Doch als sie in den Spiegel blickt, fällt ihr auf, dass nicht nur das Kleid von ihrer Mutter ausgewählt wurde, sondern auch der Mann, der auf sie wartet. Kurzentschlossen macht Judith auf dem Absatz kehrt und flieht zu ihrer Patentante nach Cornwall. In Pengarrock, einem alten Herrenhaus, nimmt sie einen Job als Archivarin an. Bald schon ziehen sie das Anwesen und auch der faszinierende Tristan Trevillion in ihren Bann. Doch Pengarrock steht zum Verkauf. Nur wenn Judith hinter das jahrzehntelang gehütete Familiengeheimnis der Trevillions kommt, kann Pengarrock noch gerettet werden.


Der Klappentext verrät das Wichtigste: Die Amerikanerin Jude ist die Braut, die nach Cornwall abhaut. Ihre Patentante vermittelt ihr eine Stelle als Archivarin bei einem bekannten Historiker und Autor. Jude fühlt sich sehr wohl in Cornwall und merkt, dass etwas an den verschwundenen Juwelen der Familie Trevillion dran sein muss. 

Der unordentliche Petroc war der Rätsel auf der Spur und Jude will Petrocs Arbeit fortführen und das Geheimnis lösen. Alles was sie vorderhand haben, ist die Zeile eines Gedichts mit dem Hinweis wo sich der Schatz verbergen könnte: "Nicht des Meeres, nicht an Land, zu sehen nur von August Rocks steinerner Hand". Anhand ihrer Arbeit bringt Jude Ordnung in das "Professoren-Chaos" hinein und entdeckt dadurch schlussendlich den Rest des Gedichtes, welches sie auf die Spur der Juwelen bringt. 

Der Titel "Ein Sommer in Cornwall" tönt grausam kitschig und passt nicht wirklich zu dem spannenden Buch. Der Originaltitel "A cornish affair" passt viel besser, obwohl das Buch einen Titel wie "Der blaue Saphir" verdient hätte. 

Es ist ein "Pageturner"; ein Buch, dass man abends einfach auslesen muss, bevor man schlafen geht. Es ist kein Buch für Leute, die nichts mit Botanik anfangen können; allen anderen sei es empfohlen.

Fazit: Gut gemachte, spannende Unterhaltung. 
4 Punkte.


Mittwoch, 8. Oktober 2014

Krimi: Mabel Clarence von Rebecca Michéle

Rebecca Michéle, Jahrgang 1963, lebt mit Mann und Katze in der Nähe von Stuttgart. Mindestens einmal im Jahr reist sie nach England und recherchiert Schauplätze und Hintergründe ihrer Bücher. Rebecca Michéle ist einer ihrer Pseudonyme, sie veröffentlicht auch als Ricarda Martin, Mia Richter oder Michelle Ross. Ich kenne von ihr (ausser der Marble Clarence-Serie) nur das unter dem Namen Michelle Ross veröffentlichte Buch "Die verlorene Zeit", ein ganz toller lesenswerter Roman! Neben den historischen Romanen, die siseit 14 Jahren schreibt, hat sie vor wenigen Jahren eine Art cornische Miss Marple erschaffen: 

Mabel Clarence, 1949, ist eine alleinstehende, seit 2 Jahren pensionierte Krankenschwester aus London. Sie besucht auf Einladung hin nach vielen Jahren ihre Cousine Abigail Tremaine in Lower Barton, einer fiktiven Ortschaft Nahe Polperro. Das Anwesen Higher Barton ist ebenfalls fiktiv und seit Erbau im 16. Jahrhundert im Besitz der Familie Tremaine. Abigail möchte sich nach 40 Jahren endlich mit Mabel versöhnen und hat ihr das Herrenhaus Higher Barton vermacht; Abigail zieht am Ende von Band 1 nach Südfrankreich.

Da Mabel nicht auf Higher Barton wohnen möchte, kauft sie sich zwischen Band 1 und 2 ein kleines gemütliches Cottage. Weil es ihr als Pensionierte zu langweilig ist, arbeitet sie bei Tierarzt Victor Daniels als Haushälterin.
Victor ist ein schroffer Kerl, der mehr mit Tieren als mit Menschen kann. Doch mit Mabel kommt er erstaunlicherweise gut aus. Er hilft ihr jeweils bei ihren Ermittlungen. Das wiederum gefällt Chief Inspector Randolph Warren gar nicht. Er ist genervt von Mabel, da sie seiner Meinung nach aus einer Fliege einen Elefanten macht und Dinge sieht die gar nicht sein können… Ausser in Band 3, da findet er ihre Idee gut und spannt Mabel ein. Sergeant Christopher Bourke hingegen mag Mabel sehr gut, da sie ihn an seine verstorbene Grossmutter erinnert und gibt ihr öfters Hinweise auf die Ermittlungen. 

Weitere Protagonisten sind Emma und George Penrose, Verwalter auf Higher Barton. Daniels Patensohn Alan Trengrove ist Anwalt mit Kanzlei in Truro und hilft Victor und Mabel öfters mit Hintergrundinformationen aus. 

Bei diesen Cornwallkrimis handelt es sich um kurzweilige Geschichten. Am Anfang des ersten Bandes war ich mir noch nicht sicher, ob ich Mabel mag oder nicht. Doch schnell wurde sie mir mit ihrer neugierigen Art sympathisch. Sie erkennt Zusammenhänge, die der oft müde und überhebliche Chief Inspector Warren nicht sehen will. Er wäre besser dran, wenn er dem Gespür von Mabel trauen würde! Bald fühlte ich mich auch in Lower Barton heimisch. Oft lag ich mit meinen Vermutungen um die Täterschaft richtig, oder zumindest in der Nähe… Eine sympathische Serie, die man immer lesen kann. 

Und damit ich doch noch ein wenig reklamieren kann: In Band 2 wird alles was mit Cornwall zu tun hat, also z.B. "cornisch" mit "k" geschrieben. Die automatische Rechtschreibüberprüfung war anscheinend irritiert und macht einige Male aus "kornisch" ein "komisch". Dies erzeugt beim Lesen Stolperer und man muss zumindest beim ersten Mal zurückblättern, weil man erstaunt ist, dass es komische Pasteten und ähnliches geben soll….. Ab Band 3 wird das umgangen, indem wieder mit "c" geschrieben wird…
 

Reihenfolge der Mabel Clarence-Serie:
Vorstellung der Reihe (Band 1-4)
Band 1: Die Tote von Higher Barton
Band 2: Der Tod schreibt mit
Band 3: Schatten über Allerby
Band 4: Ein tödlicher Schatz
Band 5: Mord vor Drehschluss
Band 6: Gestorben wird früher
Herbstlicher Kurzkrimi: Der Kürbismörder (nur als eBook)
Ein Roman über Higher Bartons Schlossgeist: Das Flüstern der Wände 


Band 1, Die Tote von Higher Barton:

Mabel Clarence ist sich sicher: Noch vor ein paar Minuten lag in der Bibliothek des Herrenhauses eine kostümierte tote Frau - erdrosselt mit einem Strick. Doch nun ist sie verschwunden, ohne jede Spur. Und wo keine Leiche, da keine Ermittlungen. Glauben schenkt der älteren Besucherin aus London nur ein kauziger Tierarzt. Also stellt Mabel in bester Miss-Marple-Manier eigene Nachforschungen an und versinkt immer tiefer im undurchsichtigen Sumpf der Vergangenheit - bis sie selbst in die Schusslinie des Mörders gerät ...




Band 2, Der Tod schreibt mit:

Der Schriftsteller Clark Kernick wird brutal erschlagen in seinem Cottage aufgefunden. Für die Polizei ist der Täter schnell gefunden - Harrison Hickery. Dessen Ehefrau hatte eine Affäre mit dem Autor und deswegen ihren Mann verlassen. Als sich Harrison in der Untersuchungshaft das Leben nimmt scheint der Fall gelöst. Doch dann entdeckt Mabel Clarence ein Geheimnis - und begibt sich dabei selbst in tödliche Gefahr.





Band 3, Schatten über Allerby:

Die junge und attraktive Lady Michelle Carter-Jones ist tot, angeblich ist es Selbstmord - und das, obwohl sie wenige Tage zuvor zusammen mit Mabel Clarence eine große Geburtstagsparty für ihren älteren, an den Rollstuhl gefesselten Ehemann geplant hat. Für Mabel steht fest: Allen scheinbaren Beweisen zum Trotz - da kann etwas nicht stimmen!
Als Pflegerin für Lord Carter-Jones getarnt, schleicht sie sich auf dem Herrensitz Allerby House ein und kommt einem schrecklichen Familiengeheimnis auf die Spur, das sie selbst in größte Gefahr bringt.




Band 4, Ein tödlicher Schatz:

Bei Aufräumarbeiten entdeckt Mabel Clarence menschliche Knochen in den Mauern des Herrenhauses Higher Barton. Sofort flammt das alte Gerücht wieder auf, dass eine junge Frau als Gespenst umgehen soll. Bei dem Toten handelt es sich allerdings um einen Mann, der bereits vor zehn Jahren gestorben ist und dessen Leiche in dem Herrenhaus verborgen wurde. Abigail, die frühere Eigentümerin, muss als Zeugin anreisen und gerät schließlich ins Visier der Ermittler. Als ein Goldschatz aus dem 16. Jahrhundert gefunden wird, vermutet Mabel einen Zusammenhang. Doch ist das die richtige Spur? Mabels kriminalistischer Spürsinn ist erneut gefragt. Als sie schließlich die Wahrheit erkennt, gerät sie in tödliche Gefahr.


Kurzgeschichte, Der Kürbismörder:
Obwohl Victor sich bei einem Sturz am Bein verletzt hat, kann Mabel ihn überreden, mit ihr das alljährliche Kürbisfest in Lower Barton zu besuchen. Das Fest gilt als einer der Höhepunkte des Jahres in der kleinen Ortschaft. Doch dieses Jahr sollte es nicht friedlich enden wie erwartet - und Mabels Spürsinn ist wieder gefragt.

Montag, 6. Oktober 2014

Montagsfrage, 06.10.2014


Wer ist euer/eure liebste/r Hörbuchsprecher/in?

Da fällt heute Morgen die Antwort ganz kurz aus: Keine/r. Denn ich höre nie Hörbücher. Ich muss ein Buch lesen, nicht hören. Das ist für mich nicht das Gleiche.
Als Kind jedoch hab ich viel "Gschichtli" auf Kassetten gehört, da waren die Favoriten ganz klar: Jörg Schneider als Kasperli und unsre Schweizer Märlitante Trudi Gerster. Gut, viel Auswahl gab es damals ja noch nicht. Aber die beiden sind einfach Kult. So sehr, dass sogar unsere Kinder jetzt die beiden auch noch gerne hören. Trotz extrem viel mehr Auswahl.


So, und jetzt muss ich schnell auf den Zug. Wir wollen heute nach Arosa auf den Eichhörnliweg. Das ist ne eineinhalbstündige Wanderung, aber wir haben schon fast 3 Stunden Anfahrt nach Arosa. Kindles sind eingepackt, das Wichtigste neben dem Eichhörnlifutter ist dabei, es kann losgehen :-)

Sonntag, 5. Oktober 2014

An einem Sonntag im Oktober von Hilary Boyd

Klappentext:
Flora hat den Mann fürs Leben schon längst gefunden. Seit acht Jahren ist sie glücklich mit Fin zusammen. Doch dann, an einem Sonntag im Oktober, verschwindet er plötzlich spurlos. Flora ist am Boden zerstört, aber das Leben geht weiter, und nach drei Jahren ist sie bereit, sich wieder auf eine neue Beziehung einzulassen. Umso schockierter ist sie, als Finn ihr plötzlich im Supermarkt gegenübersteht. Verzweifelt versucht er Flora zurückzugewinnen, behauptet, er sei ein neuer Mensch. Doch hat ihre Liebe wirklich eine zweite Chance?




Die 40jährige Flora arbeitet als Pflegerin bei der kranken Seniorin Dorothea und wohnt in einer kleinen Wohnung im Haus ihrer Schwester Prue. Flora hat sich gerade erst von einer Depression erholt und getraut sich wieder zu daten, als sie den Grund ihrer Depression plötzlich im Supermarkt trifft. Es ist Fin, der Flora nach acht Jahren Beziehung ohne ein Wort verlässt. 

Jetzt, nach drei Jahren Verschwundensein, möchte er plötzlich wieder zu Flora zurück. Ihre Schwester Prue ist völlig dagegen, dass Flora sich wieder mit dem egoistischen Fin einlässt. Flora traut Fin nicht wirklich, doch sie möchte Fin eine Chance geben. Doch ganz sicher ist sie sich, dass sie weiterhin bei Dorothea arbeiten möchte. Auch dort gibt es Probleme: Dominic, Dorotheas Neffe, verkauft einige ihrer Antiquitäten deutlich unter dem Wert und auch die Wochenendpflegerin Pia scheint nicht ganz koscher zu sein. Zusammen mit dem Arzt Simon Kent, ihrer Arbeitskollegin Mary und Chefin Renée kommen sie Pia auf die Schliche. 

"An einem Sonntag im Oktober" ist durchaus ein lesenswerter, sympathischer und unterhaltender Roman. Flora, die sich gerade wieder ans Single-Leben gewöhnt, muss sich nun erneut über ihr Leben klar werden. Was möchte sie wirklich, was ist ihr wichtig, was lässt sie sich gefallen, was nicht? Auf dieser Entdeckungsreise zu sich selbst sind wir Leser mit dabei, garniert wird diese Suche mit dem Herausfinden, was es mit Pia auf sich hat und dann ist da ja auch noch Dr. Kent, mit dem Flora eines Nachts Walzer in Dorotheas Küche tanzt.

Fazit: Ideal für eine längere Zugfahrt, an einem warmen Herbstnachmittag auf dem Balkon oder nebligem Tag auf dem Sofa. 
4 Punkte 

Die Autorin Hilary Boyd arbeitete als Krankenschwester, Paartherapeutin und zuletzt als Journalistin im Gesundheitsbereich. Ihr Debütroman "Donnerstags im Park" verkaufte sich zuerst als Paperback nur schwach, erst als Ebook schoss das Buch ganz schnell auf die Amazon Bestsellerliste. Seither werden Romane über Senioren als "Gran-lit" bezeichnet. 

"Donnerstags im Park" hab ich im letzten Jahr gelesen, es handelt von zwei Senioren, die sich beim Hüten ihrer Enkelkinder in einem Park kennenlernen. Mir hat es sogar noch besser gefallen als das vorliegende "An einem Sonntag im Oktober", einfach weil es von der Thematik her spezieller ist.


"Donnerstags im Park":
Jeanie führt ein ruhiges Leben: Sie arbeitet in ihrem kleinen Laden, verbringt die Abende mit ihrem Mann George und geht jeden Donnerstag mit ihrem Enkelkind auf einen Spielplatz in den Park. Doch dann lernt sie Ray kennen, der ebenfalls jeden Donnerstag mit seinem Enkel Dylan den Spielplatz aufsucht – und mit der Ruhe ist es schlagartig vorbei. Stattdessen bestimmen heimliche Treffen, SMS-Botschaften und das große Warten auf den nächsten Donnerstag ihr Leben – begleitet von gebrochenen Herzen, Familienkonflikten und großen Entscheidungen.
4.5 Punkte

Freitag, 3. Oktober 2014

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry von Rachel Joyce

Klappentext:
Harold Fry will nur kurz einen Brief einwerfen an seine frühere Kollegin Queenie Hennessy, die im Sterben liegt. Doch dann läuft er am Briefkasten vorbei und auch am Postamt, aus der Stadt hinaus und immer weiter, 87 Tage, 1000 Kilometer. Zu Fuß von Südengland bis an die schottische Grenze zu Queenies Hospiz. Eine Reise, die er jeden Tag neu beginnen muss. Für Queenie. Für seine Frau Maureen. Für seinen Sohn David. Für sich selbst. Und für uns alle.






Ich war sehr gespannt wie mir das Buch gefallen würde, denn das Vorliegende begeistert entweder oder enttäuscht. Dazwischen gibt es wahrscheinlich nichts. 

Kurz zuvor habe ich "Ein Tag im März" von Jessica Thompson gelesen. Beide haben dasselbe Hauptthema, es geht schlussendlich um Versöhnung, ums "Verzeihen". Jessica Thompson ist es leider nicht gelungen, das Thema gut umzusetzen, doch Rachel Joye ist es sowas von gelungen! 

Anstatt seinen kurzen Brief an seine ehemalige Mitarbeiterin Queenie, einfach einzuwerfen, läuft Harold weiter. Zuerst zum nächsten Briefkasten, dann noch weiter, bis er sich spontan entschliesst zu Queenie nach Schottland zu laufen. Er ruft im Hospiz an und bittet die todkranke Queenie auf ihn zu warten. 

Seine Frau Maureen ruft er ebenfalls an, und erklärt ihr, dass er sich auf eine Reise zu Queenie aufmacht. Maureen versteht Harold nicht, einerseits ist sie eifersüchtig, andererseits traut sie Harold nicht zu, dass er die Reise zu Ende bringt. Doch "Harold hat einen Anfang gemacht und damit kam schon das Ende in Sicht." 

Auf seiner Wanderung bekommt er einen neuen Blickwinkel aufs Land. Farben wirken tiefer, Schatten fallen auf und das Essen schmeckt intensiver. So langsam kommen ihm Erinnerungen an Vergangenes hoch: "Er mass die Entfernungen nicht mehr in Kilometer sondern in Erinnerungen." Er befreit die Vergangenheit, er ist ihr 20 Jahre aus dem Weg gegangen und erwandert seine Lebensgeschichte nun aktiv und kommt seinem inneren Frieden immer näher.

Auf seiner Reise begegnet er vielen Leuten - und er merkt, wie er dabei lernt die Eigenart anderer zu akzeptieren. Die Begegnungen mit Harold verändern auch die weiteren Beteiligten. Sie alle überdenken ihr eigenes Leben. Allen voran Maureen. 

Eine extrem eindrückliche Geschichte. Man läuft quasi in Harolds alten Segelschuhen mit und spürt jede Blatter, die ihn drückt. 

Fazit: Im wahrsten Sinne des Wortes eine bewegende und gefühlsvolle Erzählung. Absolute Leseempfehlung! 
5 Punkte.

"Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" ist für den Booker-Preis nominiert und mit dem Specsavers National Book Award für das beste Debüt prämiert und wird verfilmt. 

Am 7. Oktober erscheint "Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry - Das Geheimnis der Queenie Hennessy". Dieser neue Roman von Rachel Joyce soll uns Queenies Geschichte erzählen. Noch 4 Tag warten! Auf meiner Blog-Facebookseite hab ich eine Leseprobe (Nastüechli parat machen, bevor man anfängt sie zu lesen) und den YouTube-Buchtrailer verlinkt. 



Mittwoch, 1. Oktober 2014

Ein Tag im März von Jessica Thompson

Klappentext:
Adam ist jedes Mal nervös, wenn er die schöne Unbekannte an Tisch zehn bedienen muss. Die junge Frau kommt täglich in sein Café, bestellt einen koffeinfreien Latte mit einem Stück Zucker, sitzt stundenlang dort und sieht mit unfassbarer Traurigkeit zu, wie die Welt an ihr vorbeizieht. Was Adam nicht weiß: Bryony hat einen schlimmen Verlust erlitten, denn sie hat Max, den Menschen, den sie am meisten liebte, durch einen tragischen Unfall verloren. Ein einziger Augenblick an einem milden Frühlingsabend im März hat ihr Leben für immer verändert. Um ins Leben zurückzufinden, braucht sie die Kraft, verzeihen zu können - und die Liebe eines Menschen.


Leider wiedergibt der Klappentext nur einen Teil des Inhalts. Es
 wird nämlich nicht nur die Geschichte von Briony erzählt, sondern auch die von weiteren Protagonisten:

Keons Gang möchte einen Mann gehörig einschüchtern. Keon fasst den Auftrag diesen mit einer Pistole zu bedrohen. Da löst sich ein Schuss und der Mann namens Max ist tot. Zu allem Übel war es der falsche Mann. Keon kommt ins Gefängnis und muss damit klarkommen einen Menschen getötet zu haben und dass sich seine Mutter nicht bei ihm meldet. 

Briony, die Freundin von Max, erstickt fast an ihrer Trauer und ihrer Wut und igelt sich ein. Wenn sie nicht zuhause ist, sitzt sie im Café, in dem Adam arbeitet. Adam verliebt sich in sie und versucht mit ihr in Kontakt zu kommen, was extrem schwierig ist. 

Dann gibt es noch 
- Sara, die auf einer Datingseite das Profil ihres angeblich sie liebenden Mannes entdeckt. 
- die Balletttänzerin Rachel, die erfährt dass sie als Baby adoptiert wurde.
- Tynice. Was die Geschichte mit ihr zu tun hat merken wohl alle, bloss Briony nicht. 

Alle Erzählungen haben etwas mit Briony zu tun, doch erst am Schluss werden die Verbindungen der verschiedenen Handlungsstränge aufgezeigt. Für mich wirkten sie zu konstruiert, denn es sind teilweise nur einmalige Begegnungen mit Briony. Zu wenig um daraus eine Geschichte zu schreiben. Es wirkte eher wie ein Kurzgeschichtenbuch mit dem Überthema "Verzeihen". 

Es ist der Autorin nicht gelungen die vier Handlungsstränge miteinander glaubhaft zu verbinden und mit genug Gefühl an den Leser zu bringen. 

Keons Geschichte fand ich am Glaubhaftesten, ich spürte seine Verzweiflung und seine Fragen. Briony aber nervte mich total, da sie bis zum Schluss enorm passiv ist. 

Zu dem eigentlich wichtigen Thema wurden viel bessere Bücher geschrieben. Eins davon stelle ich euch gerne am Freitag vor. 
"Ein Tag im März" bekommt von mir 3.5 Punkte.