Mittwoch, 16. November 2016

Jane Austens Geheimnis von Charlie Lovett

Klappentext:
Sophie Collingwood liebt Bücher, vor allem die von Jane Austen. Ihrer Leidenschaft kann sie auch beruflich nachgehen: als Angestellte in einem Londoner Antiquariat. Dort versucht sie für ihre Kunden noch die obskursten Werke aufzutreiben – wie beispielsweise „Ein kleines Buch allegorischer Geschichten". Für diese Sammlung erbaulicher Erzählungen aus dem Jahr 1796 gibt es gleich zwei Interessenten. Was Sophie nicht ahnt: Das schmale Bändchen birgt den Schlüssel zu einem Geheimnis um Jane Austens Meisterwerk “Stolz und Vorurteil”. Und plötzlich wird aus der Suche nach einem vergessenen Buch ein höchst gefährliches Abenteuer … Ein bezaubernder Roman um alte Bücher, junge Liebe und den Charme von Jane Austen! 

Ich mag Geschichten, die über die Person Jane Austen und ihre Bücher geschrieben werden. Im vorliegenden Roman geht es um beides. In der einen Geschichte erleben wir Jane Austen, wie sie sich mit dem 80jährigen Reverend Mansfield anfreundete und sich von ihm inspirieren liess. In der Parallelgeschichte geht es um die junge Sophie, die in der Nähe von Oxford lebt, in der Christ Church Bibliothek arbeitet, aber nach dem Tod ihres Onkels Bertram nach London zieht und in einem Bücherantiquariat eine Stelle annimmt. Dort bekommt sie gleich von zwei Kunden den Auftrag, eine Zweitauflage eines kleinen Büchleins von 1796 zu suchen. Als ihr kurz darauf gedroht wird, ist sie definitiv davon überzeugt, dass der Tod von Onkel Bertram nicht einfach ein Unfall war und beginnt zu ermitteln. 

Jane Austens fiktive Geschichte ist toll und warmherzig erzählt. Beim Lesen wünschte ich mir, dass Jane tatsächlich so einen Mentor gehabt hätte - die zwei haben trotz enormen Altersunterschied hervorragend miteinander harmoniert und ich hätte liebend gerne einen ganzen Roman nur über diese aussergewöhnliche Mentorenbeziehung gelesen. Dieser Teil für sich gesehen hätte 5 Punkte verdient. 

Leider wurde die Geschichte immer wieder durch die Gegenwartsgeschichte rund um Sophie unterbrochen. Mit Sophie wurde ich nicht warm. Sie ist naiv im Umgang mit den Männern, weiss generell nicht was sie will und scheint oberflächlich. Einzig die Beziehung zum Onkel war von Wärme und Zuneigung geprägt. Die Entwicklung der Sophie-Geschichte brauchte viel zu lange und wären nicht die interessanteren Austen/Mansfield-Einschübe gewesen, ich hätte abgehängt. 

Während 1796 alles passte, gab es in der Gegenwart viele Fragezeichen. Gewisse Vorkommnisse  oder Verhaltensmuster passen schlicht nicht in unsere Zeit, da muss der Autor zu sehr im 18. Jahrhundert festgesteckt zu haben. Sophies Vater zum Beispiel, ein komischer Kauz: Seine Beziehung zu seinem Bruder Bertram hab ich nicht wirklich verstanden, falls da überhaupt eine Beziehung war. Der Vater ist kalt, fremd und abweisend, er fragt nicht mal nach, ob Sophie zumindest eine Handvoll Bücher auswählen möchte und gibt alle weg. Ja, anno 1800 würde ich durchaus verstehen, wenn Töchter nicht nach ihrer Meinung gefragt werden oder wenn alles verscherbelt wird. Aber nicht im Jahr 2016.

Fazit: Gemischtwarenladen lässt grüssen. Weniger wäre mehr - Janes Geschichte hätte gereicht und überzeugt. Der Gegenwartskrimi hingegen war schal. 
3.5 Punkte.

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