Dienstag, 20. September 2016

Zimtsommer von Sarah Jio

Klappentext:
Ada kennt das große Glück. Doch an einem einzigen Tag verliert sie ihre Familie und damit alles, wofür sie gelebt hat. Von Trauer überwältigt, will Ada nur noch weg und mietet Hals über Kopf ein Hausboot in Seattle. Dort, mitten auf dem See, wartet eine alte Geschichte von großen Träumen und tragischer Liebe auf sie – und eine Begegnung, die ihr den Glauben an das Leben wiederschenkt …





Der Schauplatz der Geschichte - die Gemeinschaft am Bootssteg am Lake Union in Seattle - ist mal was anderes und sorgt für eine besondere Kulisse. 

In der Vergangenheitsgeschichte lernen wir die junge Penny kennen, die 1956 fast Hals über Kopf den Maler Dexter Wentworth heiratet. Sie ziehen auf ein Hausboot, doch Dexter lässt sie je länger je öfter alleine um in seinem Atelier in Ruhe malen zu können. Ihr ist langweilig und sie fühlt sich sitzen gelassen. Sie freundet sich mit dem achtjährigen Jimmy an, der seinen Eltern lästig ist und mit Collins, der an einem Segelboot arbeitet. 
In der Gegenwart trauert Ada Santorini seit mehr als einem Jahr um ihre kleine Familie und hadert mit dem Leben. Nun braucht sie einen Tapetenwechsel und zieht nach Seattle auf ein Hausboot. Als Ada hört, dass auf "ihrem" Boot vor vielen Jahren eine Frau namens Penny verschwand, sind ihre journalistischen Fühler auf Empfang und zusammen mit ihrem Nachbarn Alex versucht sie dem Geheimnis um Penny auf die Spur zu kommen. 

Sarah Jio schaffte es bisher immer, mich von ihren Geschichten gefangen zu nehmen. Auch "Zimtsommer" las ich fasziniert und konnte das Buch kaum weglegen. 

Die vielfältige Geschichte ist nicht nur schön, sondern auch spannend zu lesen. Vielleicht ist es der Schreibstil oder die journalistischen Berufe ihrer Protagonisten; phasenweise erinnerte die Suche an gute Ermittlerkrimis. 
Und immer wieder überrascht die Autorin durch eine besondere Wendung mit der man nicht gerechnet hat. Zwischendurch war ich mir sicher, dass ich auf der richtigen Spur bin, aber dann passierte dieses und jenes und am Schluss dachte ich schon, ich sei meilenweit von der Auflösung entfernt. 
Doch Sarah Jio wäre nicht Sarah Jio, wenn sie zum definitiven Ende nicht noch verblüffen würde - ich lag mit meiner Vermutung ziemlich richtig. Aber auch wenn ich komplett falsch gelegen wäre, hätte mir das Ende trotzdem ein glückseliges Lächeln aufs Gesicht gezaubert. 

Die Autorin hat das Talent ihre Charaktere so zu zeichnen, dass man sie gerne kennenlernen würde. Ihre Emotionen sind nachvollziehbar und nichts wirkt aufgesetzt. 

Das Cover ist zwar nett und zeigt eine Blume, die aussieht wie eine Ackerwinde, doch es will in meinen Augen nicht recht zum Inhalt des Buches passen. Ein oder mehrere Hausboote, eine weisse Ackerwinde über einem Stück Holz oder gar auf einer Schiffplanke und dazu einen besseren Titel hätte das Buch für mich komplett zauberhaft gemacht. So wird mir "nur" die faszinierende Geschichte über Ada und Penny in Erinnerung bleiben. 

Schön fand ich, dass zwei, drei Rezepte in den Roman eingebunden wurden und diese nicht erst am Schluss zu entdecken waren. 

Fazit: Eine grossartige Geschichte vor einer tollen Kulisse, die man nicht so schnell vergisst und in der man gerne noch länger verweilen möchte. Ein Buch, welches ich sicher wieder einmal lesen werde. 
5 Punkte.

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