Dienstag, 11. April 2017

Krimi: Lost in Fuseta von Gil Ribeiro

Klappentext:
Das Septemberlicht an der Algarve ist von betörender Weichheit. Am Flughafen von Faro nehmen Sub-Inspektorin Rosado und ihr Kollege Esteves einen schlaksigen Kerl in schwarzem Anzug in Empfang: Leander Lost, Kriminalkommissar aus Hamburg, für ein Jahr in Diensten der Polícia Judiciária. Eine Teambildung der besonderen Art beginnt. »Lasst uns die Besten austauschen« – so stand es in der Broschüre von Europol. Doch schon bald gibt der merkwürdig gekleidete Lost seinen portugiesischen Kollegen aus dem Küstenstädtchen Fuseta Rätsel auf: Warum spricht er schon nach drei Wochen Sprachkurs fließend Portugiesisch – und versteht dennoch keinen ihrer Witze? Warum starrt er die Menschen so komisch an – und ist dennoch von so rührend-altmodischer Höflichkeit? 
Auf der schwierigen Suche nach dem Mörder eines Privatdetektivs, der mit seinem Boot auf einer vorgelagerten Atlantikinsel gestrandet ist, kommt das Trio nicht nur langsam den schmutzigen Geschäften eines Unternehmens auf die Spur, das die Wasserversorgung an der Algarve übernommen hat. Die vermeintlichen Defizite und Inselbegabungen des deutschen Kommissars entpuppen sich immer mehr als kriminalistischer Gewinn. Und Leander Lost erfährt im Laufe der Ermittlungen zum ersten Mal in seinem Leben, was es heißt, Teil eines Teams zu sein. Zumal Soraia, die hübsche und lebenskluge Schwester von Sub-Inspektorin Rosado, ein ausgeprägtes Interesse an ihm entwickelt ...

"Lost in Fuseta" ist schuld an meinen derzeitigen Augenringen. Ganze zwei Nächte kam ich nicht zum Schlafen, weil ich einfach weiterlesen musste, bis mir die Augen fast von selbst zufielen. Ich verlor mich in der Geschichte, die in Fuseta und Umgebung spielt.
"Lost in Fuseta" - "Verloren in Fuseta" war zuerst auch Leander Lost, der deutsche Kommissar mit Asperger Syndrom. Noch nicht mal eine Stunde im Land, werden seine Kollegen zu einem Leichenfund gerufen, mitten im Naturschutzgebiet an der Algarve. Daraus entpuppt sich ein spannender Fall, der noch so manche überraschende Wendung nimmt. 

Senhor Lost hat keinen einfachen Einstieg in sein Austauschjahr, er begeht ziemlich schnell einen groben Fehler - der sich bei genauerem Hinsehen aber als Lebensrettung entpuppt. Doch bald schon ergänzen sich die Fähigkeiten der drei Ermittler aufs Beste. Die feinfühlige und klar denkende Graciana Rosado und der immer hungrige Carlos Esteves nehmen Leander Lost in sein Team auf. Ihren aufgeblasenen Kollegen Miguel Duarte mögen sie nicht, dafür ist ihr Chef Raul da Silva nett und umgänglich. Die vier gehören der Polizia Judiciaria mit Sitz in Faro an. Auf der GNR-Polizeiwache Moncarapacho hingegen sitzen Luis Dias und Ana Gomes. Eigentlich arbeiten die verschiedenen Abteilungen gut zusammen, aber Luis und Ana sind recht faul und tun nur das, was man ihnen sagt. Manchmal nicht mal das richtig. 

Innoffizielles Teil des Teams ist klar Soraia, Gracianas Schwester. Sie hilft den anderen Leander besser zu verstehen und später unterstützt sie das Team beim Umgang mit einer Zeugin. 
Trotzdem gibt es oft genug Missverständnisse, die Leanders Art so mit sich bringt. Ein Polizist der nicht lügen kann, ist schon recht speziell. Aber Leander ist willig, er würde es ja so gerne lernen; auch die Sache mit der Ironie, doch es klappt nicht. Wie das Team lernt mit Leanders Eigenheiten umzugehen, ist eindrücklich beschrieben. 
Mich erinnert "Lost in Fuseta" stark an "Unforgettable", die TV-Serie, die auf einer Kurzgeschichte von J. Robert Lennon basiert. Jemand, der mit einem fotografischen Gedächtnis ausgestattet ist, eignet sich perfekt für den Job bei der Polizei. Nur wird diese Stärke im Buch von Gil Ribeiro zusammen mit Leanders Schwäche, dem "nicht-lügen-können", noch faszinierender kombiniert. 

Ähnlich wie bei Jean-Luc Bannalec sind die Kapitel mit der Anzahl Tagen überschrieben, so dass man am Anfang schon weiss, wie viele Tage die Ermittlungen andauern werden. Etwas was ich mag. Auf den ersten Seite ist eine Karte der Gegend zu finden, so dass man gefahrene Routen schnell nachschlagen kann. 
Die Algarve ist landschaftlich schön und genau beschrieben. Besonders gefallen hat mir die Beschreibung von Gracianas Elternhaus samt ihrer Nachbarschaft, wie auch das Alltagsleben in Fuseta. 

Dem Autor Gil Ribeiro, auch bekannt als Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt, ist mit "Lost in Fuseta" ein absolut lesenswerter Krimi gelungen, der diesen Sommer unbedingt ins Reisegepäck gehört. Falls man ihn nicht vorher schon liest. 

Fazit: Ein ungleiches, aber sehr sympathisches Polizeiteam, eine schöne Gegend, ein interessantes Thema, ein rätselhafter, spannender Fall - was braucht es mehr für einen guten Krimi? 
5 Punkte.

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