Mittwoch, 30. November 2016

Krimi: Blutroter Flieder von Mareike Marlow (Burgheide Band 2)

Klappentext:
In Burgheide könnte es Ihnen gefallen: Irgendwo zwischen Lüneburg und Bremen gelegen, Pferde auf den Weiden, trockener norddeutscher Humor. Und ab und an eine Leiche. Keine von der friedlich entschlafenen Sorte, versteht sich. Hier teilen sich die Halbschwestern Tessa und Jana – 30 Jahre auseinander, Berliner Großstadtgewächs die eine, Burgheider Urgestein die andere – das Haus am See. Und hin und wieder einen Mordfall. Wenn zum Beispiel die Gutsbesitzerin bei einem Reitunfall ums Leben kommt. Ohne Helm soll sie geritten sein, der hängt nämlich noch im Stall. Nur warum duftet das Ding wie frisch aus dem Laden?


"Blutroter Flieder" ist ein Buch, bei dem man beim Lesen fast nicht über das Inhaltsverzeichnis hinaus kommt. Nicht weil es langweilig wäre, nein, weil man Hunger bekommt. Man. Ich. Und das, obwohl ich vieles davon gar nicht gern habe; aber es macht sowas von glustig! Also bleibt es bei mir beim Lesen von Martins Rezepten. Er ist wohl der einzige Polizist weltweit, der auf dem Revier derart ausgiebig backen darf. Wenn ich ihn mal besuchen dürfte, würde ich aber schon das eine oder andere Backwerk probieren. 

Jana und Tessa sind immer noch nicht sicher, wie es weiter gehen soll mit dem Erbe, bzw. ihrer speziellen Wohngemeinschaft. Viel Zeit zum Überlegen bleibt ihnen nicht, denn sie werden nach einem ungewöhnlichen Todesfall um Hilfe gebeten. Bald stellt sich heraus, dass es sich tatsächlich um Mord handelt. Doch leider ruft dies auch den unbeliebten Kommissar Kettel auf den Plan...

So gibt es viel zu tun für die beiden Schwestern, die bei ihren Nachforschungen erneut gut zusammen arbeiten. Tessa nimmt Reitstunden und kann sich so auf dem Reiterhof ungestört umsehen. Jana bleibt im medizinischen Bereich nicht untätig. Trotzdem ist jede mit ihrem eigenen Leben beschäftigt: Tessa wünscht sich richtigen Kaffee und bestellt eine grossartige Kaffeemaschine, die theoretisch am nächsten Tag schon ankommen soll. Theoretisch. Jana soll mehr aus sich machen und vor allem wieder mit Töpfern anfangen, so der einstimmige Tenor ihrer Freunde. Und beide lernen, dass sie einander vertrauen können. 

Auch der zweite Teil überzeugt mit Wortwitz und viel Humor. Die Charaktere stehen in nichts nach. Es machte Spass diesen Wohlfühlkrimi zu lesen und sich zwei, drei Stunde gedanklich nach Burgheide zu versetzen. 

Fazit: Kurzweiliger und amüsanter Cosy-Krimi.
4 Punkte. 

Reihenfolge:
Band 1: Blaubeermorde
Band 2: Blutroter Flieder

Montag, 28. November 2016

Montagsfrage 28.11.2016


Welche Bücher haben es auf deine Weihnachtswunschliste geschafft?

Eine Bücherwunschliste habe ich zwar, aber keine Weihnachtswunschliste - Bücher waren schon immer ein heisses Thema: 
Spätestens seit ich damals mit 16 meine Ausbildung angefangen habe, wünschte ich mir Gutscheine. Ich sass ja eh an der (Buch-)Quelle und für die Familie fühlte es sich so an, als ob man Floristen Blumen schenken würde. Auch heute noch bevorzuge ich Gutscheine, damit könnte ich mir die Bücher kaufen, die ich möchte - auf meiner Wunschliste stehen vorwiegend Neuerscheinungen, da könnte ich gezielt beim Erstverkaufstag zuschlagen. 

Könnte - ihr habt richtig gelesen. Denn die Büchergutscheine sahnt heutzutage meine Tochter ab (da das gleiche Problem besteht wie bei mir damals: was schenkt man einem Mädchen, das schon alles gelesen hat? Und wir lesen beide vorwiegend elektronisch: Gutscheine sind also in jedem Fall viel praktischer!). Zudem beschenken wir in der Familie nur die Kinder. Für die Erwachsenen gibt es maximal etwas von den Kindern Gebasteltes oder was Selbstgemachtes aus der Küche (oder aus der Rührküche; meine Seifen, Massagebars und Badebomben sind sehr beliebt 😀 ). Von daher bin ich für meine Büchergeschenke selbst verantwortlich und beschenke mich rund ums Jahrs immer wieder mit Büchern von meiner Wunschliste 😃

Bereits erschienene Bücher, die noch auf meiner Wunschliste stehen, sind folgende:
- Ewige Jugend von Donna Leon (Band 25)
- Canterbury Blues: Ein Krimi aus Kent (3) von Gitta Edelmann
- Hamish Macbeth fischt im Trüben (Schottland-Krimis 1) von M.C. Beaton

Wie ist es bei euch, beschenkt ihr euch innerhalb der Familie? Falls ja, bekommt ihr eure Wunschbücher?


Und sonst so:
Diese Woche ist nicht nur das LitCrime-Festival (28.11 bis 2.12) von Random House angesagt, auch bei mir stehen viele Krimis auf der Leseliste. Serienfortsetzungen und neu erscheinende Serienanfänge. "Blogarbeit" steht auf der heutigen To-do-Liste, dazu gehört auch, dass ich mich baldmöglichst in die Normandie versetzen werde...


Gestern habe ich die Wohnung adventlich dekoriert, und auch den Adventskalender für meine Tochter aufgehängt. Nur füllen muss ich ihn noch am Mittwochabend. Sie spekuliert übrigens schon, ob im ersten "Päckchen" wohl was Grösseres wie ein Adventskalenderbuch dabei sein wird... 

Adventliche Stimmung kam bei mir schon am Samstag auf, ich schlenderte mit Kollegen durch die diversen Zürcher Christchindlimärkte. Eine Tasse Glühwein gehörte natürlich dazu! Kommenden Samstag steht wieder ein Christchindlimärt auf dem Programm, diesmal gehe ich in die Innerschweiz und treffe mich mit den Schweizern aus dem Büchertreff. Es steht dabei auch ein Besuch eines Büchermarkts, bzw. der Bücherbrocky, auf dem Programm. Glühwein sicher auch ;-) 

Doch nun freue ich mich gerade über den Sonnenaufgang direkt vor meinem Bürofenster - hoffentlich bleibt die Sonne uns heute erhalten, neblig war es die letzten Tage genug. Ich wünsche euch eine schöne erste Adventswoche! 


Freitag, 25. November 2016

Die Holunderschwestern von Teresa Simon

Klappentext:
München 1918. Die junge Fanny – Franziska – sitzt im Zug nach München und will der Provinz entfliehen. Ihre sensible Zwillingsschwester Friederike musste sie zurücklassen. Als die reiche Witwe Dora mit ihren beiden Kindern zusteigt, ahnt Fanny noch nicht, dass ein tragisches Schicksal seinen Anfang nimmt. München 2015. Katharina erhält einen Brief aus London: In einem Archiv wurden Tagebücher ihrer Urgroßmutter Franziska gefunden. Katharina wird neugierig. Wie kommt es, dass die Aufzeichnungen ihrer Urgroßmutter, einer einfachen Köchin, in London verwahrt werden?


Fanny und Fritzis Geschichte spielt zwischen 1918 und 1937 in München. Fanny will in der Stadt alleine und ohne Fritzi ein neues Leben anfangen, doch da hat sie die Rechnung ohne Fritzi gemacht. Es wird turbulent in allen Bereichen.
Die Geschichte der Zwillingsschwestern bekommt der Leser durch ein Tagebuch mit, welches die Restauratorin Katharina von einem Engländer überreicht bekommt. Eine der Schwestern ist Katharinas Urgrossmutter und sie freut sich über die unerwartete Lektüre. Der Engländer, Alex Bluebird, hat es ihr auch angetan...


Der Roman hinterlässt mich zwiegespalten. Einerseits lese ich nicht gerne Romane, die in Kriegszeiten oder der Nazizeit angesiedelt sind. Ich merkte erst zu spät, dass diese in der vorliegende Geschichte ein Hauptthema ist. Deshalb blieb das Buch monatelang ungelesen auf meinem SuB. Als ich dann endlich zu lesen anfing, kam ich auch nicht wirklich vorwärts. Mal abgesehen von den Kriegswirren fand ich Fannys eifersüchtige Zwillingsschwester Fritzi extrem unsympathisch. Ihr Charakter zeigte schon auf den ersten Seiten welche Richtung die Geschichte annimmt. Viel zu offensichtlich - und eben weil sie mir so unsympathisch war, hatte ich nicht viel Lust weiterzulesen und verbrachte eine gefühlte Ewigkeit mit dem Buch. Und in Katharinas Geschichte interessierten mich die zu ausführlichen Restaurationsarbeiten nicht wirklich. Es zeigt, dass die Autorin zwar sehr gut recherchiert hat, aber die zu vielen Details störten meinen Lesefluss. 

Andererseits gefiel mir Fanny sehr gut. Sie ist sich nicht zu schade zum Arbeiten und hilft wo sie nur kann. So kochte sie neben ihrer regulären Arbeit bei einer jüdischen Familie zusätzlich einige Abende bei Gesellschaften im Hause des Malers Paul Klee. Ein Bild von Paul Klee spielt dann auch eine grosse Rolle im Roman. Mir hätte eine komplette Geschichte im Umfeld der Klees samt ihren Freunden wie Rainer Maria Rilke wohl viel besser gefallen, als der Schwesternzoff zur Kriegszeit als Ausgangslage. 

Am Ende tauchte ein Brief taucht auf und wirft neue Fragen auf. Leider blieben die Fragen unbeantwortet, bzw. wird der Text einfach nur so hingenommen. Was sehr schade ist, denn die Mutmassungen konnte ich absolut nicht nachvollziehen. Stattdessen wurde eilig ein Schluss konstruiert, der mir zu kitschig war.

Fazit: Sehr gut recherchierte Geschwistergeschichte, die mich emotional aber nicht abholen konnte. 
3.5 Punkte.

Mittwoch, 23. November 2016

KrimiMimi: Tod im Tropenhaus von Emma Goodwyn (John Mackenzie 6)

Klappentext:
Frühlingstage voller Romantik – davon hat Beefeater John Mackenzie lange geträumt. Doch nun fegen drei quirlige Neffen durch seine Wohnung und dann geschieht auch noch ein Mord. Zur Freude von Superintendent Simon Whittington ist der vermeintlich Schuldige schnell ausgemacht. Doch John ist überzeugt, dass mehr hinter der Bluttat im Zoo von London steckt. Inmitten von Faultieren, Fledermäusen und falschen Fährten fühlt er sich bald wie in einem echten Dschungel...




John Mackenzie freut sich auf Paulines Besuch, aber sie muss ihre Neffen mitbringen, und so sieht ihr Programm ein wenig anders aus. Johns Familie springt ein und begleitet sie in den Zoo - sie bekommen eine Privatführung weil Johns Zögling Freddie hier arbeitet. Bereits einen Tag nach dem Zoobesuch steht er unter Mordverdacht.
John und allen andern ist klar, dass Freddie unschuldig ist, doch Simon braucht schnell einen Täter und eine noch schnellere Auflösung, da eine grosse Tagung vor der Tür steht. Johns Nichte organisiert diese Tagung und berichtet von vielen wichtigen Teilnehmerinnen und brisanten Themen. Bald stellt sich heraus, dass einiges mehr hinter diesem Mord am Tierwärterchef steckt als bisher angenommen und die möglichen Verdächtigen vermehren sich rasant.

Johns Familie steht auch in "Tod im Tropenhaus" zur Stelle, wenn Hilfe nötig ist. Rennie ist in ihrem Job angekommen und beweist Organisationstalent. James weilt in Schottland bei seiner Schwester Isabel - wer die Serie bereits kennt, weiss, dass somit Emmeline, Johns Mutter, einen auf eifersüchtig und allein gelassen macht. Zum Glück lernt sie auf dem Kongress Dr. Aubinger kennen und ist endlich beschäftigt, und nimmt somit John den "Hütejob" ab, so dass er mehr Zeit für die Ermittlungen hat. Mehr Zeit hätten auch Pauline und John gerne für sich, doch es sollte nicht, zumindest noch nicht, sein. Vielleicht im nächsten Teil?

In diesem sechsten Band gibt es Harry Potter-Nachhilfe für John, ein Crashkurs in Ökologie und Tierkunde für die Leser und Spannung pur. Sprachlich Interessierte kommen mit Spanisch und Österreichisch voll auf ihre Kosten. 

Fazit: Äusserst unterhaltsamer und solider sechster Teil dieser tollen Serie! 
Zum ersten Mal gebe ich 5 Punkte. 

Reihenfolge der Serie:
Vorstellung der Serie
Band 1: Tod im Tower
Band 2: Tod im Kilt
Band 3: Tod im Museum
Band 4: Tod im Schatten der Tower Bridge
Band 5: Tod in Westminster
Band 6: Tod im Tropenhaus

Montag, 21. November 2016

Montagsfrage 21.11.2016


Welcher Aspekt bzw. welches Element deines zuletzt gelesenen Buches gefiel dir besonders gut?


Mein letztgelesenes Buch ist "Winterglücksmomente" von Karen Swan. Wenn ihr meine Rezension dazu gelesen habt, wisst ihr was ich meine, wenn ich vom Überraschungselement spreche - zuerst dachte ich der Roman sei extrem oberflächlich und es ginge nur um Social Media, Hastags und möglichst viele Follower und ich wollte das Buch schon abbrechen. Doch dann, dann ging es in die Tiefe und das laute, schnelle Buch wurde langsamer und fand ganz neue leise Töne.

Zudem fand ich es ganz toll, dass für einmal fast nur ganz normale Figuren ohne Designerkleidung und - taschen vertreten waren. Nachdem ich sämtliche Bücher (z.B. "Ein Weihnachtskuss für Clementine", bei dem es sich nicht wirklich um einen Weihnachtsroman handelt) der Autorin gelesen habe, habe ich mir öfters gewünscht, dass Karen Swan mal von Tiffany & Co wegkommt. Hierzulande spricht eine Designerkluft wohl die wenigsten Leserinnen an und auch die ewigen Karrierefrauen als Protagonisten werden auf Dauer langweilig. Im letzten Buch "Winterküsse im Schnee" ging es, obwohl noch solche Elemente vorhanden waren, schon mal in eine bessere Richtung. Und ihr diesjähriger Weihnachtsroman hat endlich meinen Wunsch erfüllt und kommt ohne Glanz und Gloria aus. 


Und sonst so:
Gestern habe ich  die Bibliothek überarbeitet - ihr findet alle meine Rezensionen nach Vornamen der Autoren sortiert und verlinkt. Ihr dürft gerne mal stöbern :-)

Letzte Woche habe ich kaum gelesen, stattdessen mal wieder ausgiebig Musik gehört. Ich kenne nun fast alle Variationen von Leonards Cohen "Hallelujah" und mein momentanes Lieblingslied ist "I love my life" von Robbie Williams


In dieser Woche sollte ich noch die restlichen Inhalte für den Adventskalender meiner Tochter besorgen. Sie möchte keine aufwendigen Adventskalender wie die von Lego oder Playmobil, auch keine im Supermarkt gekauften mit Schoggi gefüllte, sondern schlicht einen von mir gemachten wie jedes Jahr - natürlich auch mit einigen kleinen Überraschungen gefüllt. Dazu wird sie sich vom Sackgeld ein Adventskalenderbuch kaufen, das letzte Mal war es einer von Sternenschweif, dieses Jahr wird es wohl ein "Die drei !!!" werden. Diese Woche erscheint ausserdem der achte Band der "Schule der magischen Tiere" und wird auf ihrem Kindle einziehen. 

Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, ob ich den diesjährigen Adventskranz traditionell binde mit viel Grün oder mich für eine moderne Variante entscheide (vier Kerzen entweder in grosse Gläser oder ein Tablett stelle und entsprechend dekoriere). Welche Variante wird nächsten Sonntag bei euch stehen? 

Voradventliche Grüsse 😃

Freitag, 18. November 2016

Winterglücksmomente von Karen Swan

Klappentext:
Weihnachtszeit in London: Funkelnde Lichter, tanzende Schneeflocken und köstliche Düfte – für viele ist es die schönste Zeit des Jahres. Für Nettie Watson aber ist es die schmerzliche Erinnerung an das glückliche Leben, das sie einmal hatte. Ablenkung verspricht ihr Job bei einer Charity-Veranstaltung. Doch der Abend endet peinlich: Mit einer Panne zieht Nettie alle Blicke auf sich und landet sogar im Internet. Und plötzlich steht ihr Leben kopf – selbst der Popstar Jamie Westlake wird auf sie aufmerksam. Nettie blockt jede Annäherung ab, zu groß ist ihre Angst vor Nähe – doch sie hat ihre Rechnung ohne die Liebe gemacht ..


Kein Jahr ohne Karen Swans Weihnachtsbücher! 
Und mein erstes Buch von ihr als Rezensionsexemplar. Aber schon auf den ersten Seiten bereute ich es fast, ich fühlte mich steinalt. Als Teenager war jeder Sonntagnachmittag, den man zuhause vor dem Radio verbrachte und die Hitparadensongs auf Kassette aufnahm, ein Highlight. Im Job erlebte ich hautnah die Umstellung von LPs auf CDs mit. In meinen 20ern machte man ein Treffen entweder direkt ab, wenn man einander sah oder rief per Festnetztelefon an. Einladungen kamen per Briefpost und nicht per SMS. Und dann schlage ich diesen Roman auf und mich erschlägt es fast mit Modernität - man twittert, mailt, schreibt SMS. Sachen wie Ice Bucket Challenge, Owling, Planking und mehr sind die neuen Highlights und wenn man nicht täglich twittert, instagramt oder pinterestet, ist man niemand. CSR und Meme. Bitte, liefert doch gleich ein Wörterbuch mit...

Ich war also ziemlich entsetzt, als ich von dem #BlueBunnyGirl las, dem blauen Riesenkaninchen, das eine Eisbahn runterschlitterte - und wähnte mich während den ersten Seiten in einem Jugendroman. Das Filmchen der unabsichtlichen Schlitterpartie landet bei Twitter und "bäm" gehts los: Von ihrer Freundin Jules lässt die 26jährige Nettie, die im Kostüm des Kaninchens steckt, sich breitschlagen, jeden Tag bis Weihnachen etwas Verrücktes zu tun; nur damit sie Popstar Jamie als Follower nicht verliert. Und auch ihren Job nicht. So starten sie eine 12-Tage-bis-Weihnachten-Challenge und Nettie wird zum Blue Bunny Girl. In kürzester Zeit ist alles viral: die mobile Obsession der heutigen Zeit. Zwei junge Frauen, viel Social Media - was macht man nicht alles um die Hashtag-Liste anzuführen!

Ja, auch ich nutze Facebook, bin seit einem halben Jahr bei Twitter und blogge sogar. Doch was soll diese Social Media-Besessenheit und das Kämpfen um möglichst viele Follower in einem Weihnachtsroman? Das wollte für mich nicht richtig passen und ich ärgerte mich von Seite zu Seite mehr. Ich war wirklich haarscharf dran aufzuhören, doch dann lernte Nettie Jamie kennen. Und plötzlich machte alles Sinn. 
Langsam, aber stetig und ganz leise und fein veränderte sich meine Wut von Zeile zu Zeile in Neugier und Wohlwollen: Sarah Morgan hat mich kalt erwischt. 

Wunderbar schreibt sie von der scheuen Nettie, die ich zwar manchmal immer noch überempfindlich und grundlos verschlossen empfand, aber der bodenständige, sich kümmernde Jamie wog das auf. Natürlich kam es zu den üblichen Krisen, aber trotzdem entwickelte die Autorin diesen Roman grossartig. Nettie bewahrt nämlich ein Geheimnis, und die Autorin wirft jeweils nur kleine Brosamen hin - ja mein Gott, Nettie hätte sicherlich darüber reden können, und ja, es nervte mich, dass sie es nicht tat, aber die kleinen Einschübe/Hilfen kommen zur rechten Zeit. Und endlich nahmen die diversen Challenges nicht mehr so viel Platz ein. 

So entsetzt ich am Anfang war, so begeistert bin ich am Schluss. Auch wenn ich bis zum Ende die vielen Challenges und Internet-Fremdwörter mit ihren neumodischen englischen Namen doof und too much fand, die Liebesgeschichte wie auch Netties Geheimnis haben mein Herz berührt und ich konnte kaum mehr aufhören zu lesen. Nachts um 2:00 Uhr legte ich schweren Herzens und vernünftigerweise das Buch zur Seite, nur um tags darauf bei der erstbesten Möglichkeit die letzten Seiten in Angriff zu nehmen. Keine Musik als Begleitung, kein Kaffe oder Tee dazu, keine Doppelkekse wie sie in Netties und Jules Büro rumliegen und keinerlei Ablenkung, ich wollte nur noch zu Ende lesen. Erst als ich es ausgelesen hatte, eine Runde geseufzt, da machte ich es wie im Buch und gönnte mir eine Tasse Tee. 

Von Karen Swan wünschte ich mir schon lange, dass sie endlich mal ohne Luxusweibchen als Protagonisten auskommt und normale Figuren erschafft. Mit "Winterglücksmomente" ist ihr das gelungen. Die Autorin nimmt sogar Themen auf, die alles andere als chic sind und über die kaum gesprochen und geschrieben wird. Leider wird dies alles erst gegen Mitte des Romans oder noch später offensichtlich. Auch wenn ich mir gut vorstellen kann, dass einige Leser wie ich versucht sind, das Buch bereits im ersten Viertel abzubrechen, bleibt dran, es lohnt sich! 

Karen Swan ist es gelungen, einen witzigen, teilweise überspitzten, dennoch leisen Roman abzuliefern, der mit zwei tiefgründigen Themen (die ich hier nicht nennen möchte, um nicht zu viel vorwegzunehmen) versehen ist, die es Wert sind, gelesen zu werden - absolut passend zur Weihnachtszeit.

Fazit: Ein Angsthase im Hasenkostüm erobert zuerst Jamies und viel später auch mein Herz. Alles wird gut, mit einer Tasse Tee sowieso. Lasst euch begeistern von "Christmas on Primrose Hill"!
4.5 Punkte. 

Mittwoch, 16. November 2016

Jane Austens Geheimnis von Charlie Lovett

Klappentext:
Sophie Collingwood liebt Bücher, vor allem die von Jane Austen. Ihrer Leidenschaft kann sie auch beruflich nachgehen: als Angestellte in einem Londoner Antiquariat. Dort versucht sie für ihre Kunden noch die obskursten Werke aufzutreiben – wie beispielsweise „Ein kleines Buch allegorischer Geschichten". Für diese Sammlung erbaulicher Erzählungen aus dem Jahr 1796 gibt es gleich zwei Interessenten. Was Sophie nicht ahnt: Das schmale Bändchen birgt den Schlüssel zu einem Geheimnis um Jane Austens Meisterwerk “Stolz und Vorurteil”. Und plötzlich wird aus der Suche nach einem vergessenen Buch ein höchst gefährliches Abenteuer … Ein bezaubernder Roman um alte Bücher, junge Liebe und den Charme von Jane Austen! 

Ich mag Geschichten, die über die Person Jane Austen und ihre Bücher geschrieben werden. Im vorliegenden Roman geht es um beides. In der einen Geschichte erleben wir Jane Austen, wie sie sich mit dem 80jährigen Reverend Mansfield anfreundete und sich von ihm inspirieren liess. In der Parallelgeschichte geht es um die junge Sophie, die in der Nähe von Oxford lebt, in der Christ Church Bibliothek arbeitet, aber nach dem Tod ihres Onkels Bertram nach London zieht und in einem Bücherantiquariat eine Stelle annimmt. Dort bekommt sie gleich von zwei Kunden den Auftrag, eine Zweitauflage eines kleinen Büchleins von 1796 zu suchen. Als ihr kurz darauf gedroht wird, ist sie definitiv davon überzeugt, dass der Tod von Onkel Bertram nicht einfach ein Unfall war und beginnt zu ermitteln. 

Jane Austens fiktive Geschichte ist toll und warmherzig erzählt. Beim Lesen wünschte ich mir, dass Jane tatsächlich so einen Mentor gehabt hätte - die zwei haben trotz enormen Altersunterschied hervorragend miteinander harmoniert und ich hätte liebend gerne einen ganzen Roman nur über diese aussergewöhnliche Mentorenbeziehung gelesen. Dieser Teil für sich gesehen hätte 5 Punkte verdient. 

Leider wurde die Geschichte immer wieder durch die Gegenwartsgeschichte rund um Sophie unterbrochen. Mit Sophie wurde ich nicht warm. Sie ist naiv im Umgang mit den Männern, weiss generell nicht was sie will und scheint oberflächlich. Einzig die Beziehung zum Onkel war von Wärme und Zuneigung geprägt. Die Entwicklung der Sophie-Geschichte brauchte viel zu lange und wären nicht die interessanteren Austen/Mansfield-Einschübe gewesen, ich hätte abgehängt. 

Während 1796 alles passte, gab es in der Gegenwart viele Fragezeichen. Gewisse Vorkommnisse  oder Verhaltensmuster passen schlicht nicht in unsere Zeit, da muss der Autor zu sehr im 18. Jahrhundert festgesteckt zu haben. Sophies Vater zum Beispiel, ein komischer Kauz: Seine Beziehung zu seinem Bruder Bertram hab ich nicht wirklich verstanden, falls da überhaupt eine Beziehung war. Der Vater ist kalt, fremd und abweisend, er fragt nicht mal nach, ob Sophie zumindest eine Handvoll Bücher auswählen möchte und gibt alle weg. Ja, anno 1800 würde ich durchaus verstehen, wenn Töchter nicht nach ihrer Meinung gefragt werden oder wenn alles verscherbelt wird. Aber nicht im Jahr 2016.

Fazit: Gemischtwarenladen lässt grüssen. Weniger wäre mehr - Janes Geschichte hätte gereicht und überzeugt. Der Gegenwartskrimi hingegen war schal. 
3.5 Punkte.

Dienstag, 15. November 2016

Verlage: Diogenes

Wer kennt sie nicht, die weissen - okay, einigen wir uns auf helle - Buchcover, die schlicht nur mit Titel und Name des Autors und einem kleinen Bild versehen sind?
Seit Jahren ändert sich ausser der Helligkeitsstufe des Umschlags nichts am Layout und so haben Diogenes-Bücher einen sehr hohen Wiedererkennungs-wert. Der Verlag wurde 1952 gegründet und hat namhafte Autoren wie Paulo Coelho, Patrick Süsskind, John Irving, Martin Walker, Donna Leon und Petros Markaris im Programm. 


Da während dem "Zürich liest"-Festivals eine Handvoll deutsche Blogger gerade in Zürich weilte , wurden sie und einige Schweizer Bloggerinnen von Diogenes zum Verlagsbesuch eingeladen. 
Neben  Bettina Schnerr vom Blog Bleisatz, Monika von Adibuma und ich trafen wir unsere Kollegen aus Deutschland (Friederike von Die Buchbloggerin, Janine von kapri-zioes, Mara von Buzzaldrins Bücher, Sarah von Pinkfisch und Uwe von Kaffeehaussitzer) am Freitagmorgen an der Sprecherstrasse. Susanne Bühler, die bei Diogenes für Werbung/Online und für uns Blogger zuständig ist, begrüsste uns mit Kaffi, Gipfeli und Ufsteller (Spezialität einer Zürcher Bäckerei: Weggli-ähnliche Brötli mit Schoggi)Auch Pressechefin Ruth Geiger und Personalleiterin Franziska Liechti gesellten sich dazu und die drei begeisterten Frauen erzählten uns die Geschichte des Verlags und einige Anekdoten ihrer Erlebnisse mit Verlagsgründer Daniel Keel.

©Bettina Schnerr
Wir hätte noch lange lauschen können, doch die Zeit drängte für die Hausbesichtigung. Zuerst ging es auf die andere Strassenseite, in den berühmt-berüchtigten Diogenes-Keller. Ein Keller voller Bücher würde an sich schon begeistern. Doch zuerst konnten wir uns kaum sattsehen an der Autorenwand, an der sich die hauseigenen Autoren mit Autogramm verewigt haben. Irgendwann rissen wir uns los und schauten uns weiter um. Sämtliche Diogenes-Bücher in verschiedenen Ausgaben - herrlich! 


Vom Keller ging es ganz nach oben unter die Dachschrägen. Dort im Archiv stapeln sich viele Bildbände, die für Recherchen oder Coverideen gebraucht werden. Sie wurden gebraucht - die vielen Post-its belegen es. Eine Etage tiefer zeugen  Farben, Scheren, Lösungsmittel, Lineale und die langen Tische im Herstellungsatelier davon, dass auch im Computerzeitalter nach wie vor viel Wert auf Handarbeit gesetzt wird. 



Einen vielfältigen Einblick bekamen wir in der Lizenzabteilung. Im Bücherregal standen unzählige anderssprachige Ausgaben der Diogenes-Autoren. Bei Büchern mit fernöstlichen Schriftzeichen darauf war es sehr spannend zu rätseln, um welches Buch es sich handeln könnte. 
Mir hat es ein Donna Leon-Spiel von Ravensburger angetan - das ideale Geschenk für Brunetti-Liebhaber (Weihnachten kommt bald, denkt an die Geschenke!). 


Weiter ging es zur Lektorin Anna von Planta, die u.a. vom Nachkochen der Gerichte aus Martin Walkers Kochbuch plauderte und mit Sarah über neuentdeckte Autoren diskutierte. Unsere letzte Station war das Büro des Vertriebsleiters Ulrich Richter, bei dem unzählige signierte Bücher im Regal stehen. Auch er berichtete uns von seiner spannenden Arbeit. 

Nach einem letzten Blick ins Treppenhaus, in dem von oben nach unten in einer Zeitachse geschichtsträchtige Schriftsteller wie Homer und sämtliche Diogenes-Autoren auf Fotoposter abgebildet waren, verarbeiteten wir unsere Eindrücke im Sitzungszimmer mit Kaffi und Kuchen. Es war bereits mitten am Nachmittag als wir uns verabschiedeten. 

Draussen traf ich nochmals auf Anna von Planta, die von ihrer späten Mittagspause zurück kam und mit der ich mich noch ein wenig unterhielt - eine spannende, begeisterte und begeisternde Frau. Genau so wie all die Mitarbeiter, die mir an diesem Tag begegnet sind! Mir bleibt auffällig positiv in Erinnerung wie leidenschaftlich sie alle von ihrem Arbeitgeber und Arbeitsplatz und ihrer Liebe zu Bücher sprechen!



Herzlichen Dank, dass ihr uns an eurem Arbeitsalltag teilnehmen lassen habt! 






Montag, 14. November 2016

Montagsfrage 14.11.2016


Wie viele Bücher hast du dieses Jahr bereits gelesen und welche sind deine drei Favoriten?

Bis und mit jetzt sind es 120 Bücher, bis Montagmittag werden es 121 sein. Bin gerade auf den letzten Seiten von "Winterglücksmomente" und wenn ich nicht schon um 6:45 aufstehen müsste, würde ich es diese Nacht noch auslesen. 

Das Jahr ist ja noch nicht zu Ende und es könnten noch weitere Favoriten dazu kommen. Auf drei Stück beschränken finde ich aber jetzt schon schwierig und deshalb nenne ich heute nur Romane und keine Krimis. 

Meine bisherigen drei 2016-Favoriten sind: 



- "Ist die Liebe nicht schön?" von Carmel Harrington

- "Die sieben Schwestern" von Lucinda Riley (wobei dieses Buch ja Teil einer Serie ist, die ich garantiert auch unter meinen besten 2016-Serien einordnen werde; die Vorstellung der Serie findet ihr in meinem Post vom 8. März und heute erscheint übrigens der dritte Teil "Die Schattenschwester"!)

- "Rosmarintage" von Silke Schütz


"Honigtöchter", "Zimtsommer", "Wie Himbeeren im Sommer" sowie die "Puffin Island"-Serie von Sarah Morgan und die "Rose Harbor"-Serie von Debbie Macomber gehören aber auch zum Favoritenkreis. 

Kennt ihr meine Favoriten? Wenn ja, dürft ihr mir gern eure Meinung dazu unter die jeweiligen Rezensionen schreiben :-) Und welche drei Bücher haben in den bisherigen 10 1/2 Monaten von diesem Jahr euer Herz erobert? 

Hm, schon fast 2:00 Uhr und ich überlege mir nun ernsthaft, das Buch von Karen Swan noch auszulesen und am Morgen entsprechend viel Kaffee zu benötigen, oder doch vernünftig sein und wenigstens knapp 5 Stunden Schlaf zu bekommen. Gestern habe ich irgendwo noch einen Spruch gelesen über Augenringe wegen nächtelangem Lesen..... Passt. Zumindest in ein paar Stunden ;-)

Freitag, 11. November 2016

Für immer und einen Weihnachtsmorgen von Sarah Morgan (Puffin Island 3)

Klappentext:
Skylar hat noch nie verstanden, warum der TV-Historiker Alec von allen verehrt wird. Schließlich macht er keinen Hehl daraus, dass er sie nicht mag. Doch als das Schicksal ihr am Ende des Jahres dazwischenfunkt, muss sie Heiligabend ausgerechnet mit ihm verbringen. Und bald stellt Skylar fest: Nicht nur seiner Familie gelingt es, ihr Herz zu berühren. Auch Alec zeigt eine andere, zärtliche Seite von sich. Hat sie sich in ihm getäuscht? Oder ist es nur die verschneite Schönheit von Puffin Island, die sie auf ein Fest der Liebe hoffen lässt?



Puffin Island im Schnee - doch zuerst begleiten wir Skylar zu ihrer Ausstellung nach London. Da Alec Hunter gerade in London weilt, schickt Brittany ihn als "Vertretung" zur Vernissage. Dass Skylar und Alec nicht auskommen ist bekannt. Dennoch rettet Alec Skylar aus einer blöden Situation mit ihrem Verlobten Richard und nimmt sie mit zu seinen Eltern. Das sorgt für einige (für den Leser witzige) Missverständnisse. Alec hat Angst, dass es Skylar zu langweilig ist, aber alleine in London lassen will er sie nicht. Sky ist total begeistert vom Haus, den Hunden und seiner Familie - sie wird herzlich empfangen. Die Hunters feiern die Adventszeit so, wie Skylar es sich von Kindesbeinen an in ihren Träumen wünschte, bisher aber noch nie erlebt hat. Ihren Eltern geht es nur um Geld und Einfluss und statt ein persönliches kleines Weihnachtsfest im Kreise der Verwandten werden einflussreiche Persönlichkeiten eingeladen. Umso mehr geniesst Skylar die winterlichen Tage in den Cotswolds. Viel zu schnell sind sie vorbei und Alec und Skylar machen sich auf den Weg Richtung Flugfafen. Skylar muss zu ihrer Familie nach New York und Alec möchte Weihnachten arbeitend in seinem Haus auf Puffin Island verbringen.

Sarah Morgan hat im dritten Teil der Puffin Island-Serie erneut überzeugt. Mir hat sehr gefallen, dass sich in diesem Band nicht alles (zwar immer noch oft, aber nicht mehr fast ausschliesslich wie in den ersten beiden Teilen) in der Horizontale abspielt, sondern viel über Emotionen diskutiert wird und die Beziehungs-Traumas der beiden Protagonisten genau aufgearbeitet werden:
Skylar will ihren Eltern gefallen und rebellliert nicht wirklich. Erst mit Unterstützung ihrer Freunde und der Begegnung mit Alecs Familie steht sie für sich ein. Dass Richard nicht zu ihr passt, ist ihr schon lange klar. Sie wird und wurde weder von ihren Eltern noch Richard geschätzt und respektiert. Sie ist nur ein hübsches Accessoires, das sich unterordnen soll. Als Künstlerin erfolgreich, doch ein Nichts in den Augen ihrer Familie. Ein Schlüsselsatz, der viel aussagt: "Da war die eine Frage, die ihre Mutter ihr nicht gestellt hatte... Sie hatte nicht einmal gefragt, wie es ihrer Tochter ging."
Doch auch Alec ist verletzt, seine Ex-Frau passte so gar nicht zu ihm und in diesem Band enthüllt Sarah Morgan endlich die ganze Story um diese katastrophale Ehe, die in den vorherigen Büchern schon angedeutet wurde. 

Auf den ersten Blick sind Skylar und Alec extrem unterschiedliche Typen, auf den zweiten Blick sehen sie, dass sie eigentlich ganz ähnliche Ansichten und Wünsche ans Leben haben: die Freiheit, den Beruf auszuüben, für den sie sich entschieden haben und die Person sein dürfen, die sie sind, ohne Erwartungshaltungen anderer zu erfüllen. Die Autorin behandelt die Themen Respekt, Talent und Achtung des Gegenübers. 

Brittany und Emily und alle anderen Bekannten von Puffin Island sind auch in "Für immer und einen Weihnachtsmorgen" anzutreffen, alle sind hier passende Nebenfiguren. 

Nach "Einmal hin und für immer" dachte ich, es sei schwer das Buch zu toppen. Aber dieser dritte Teil hat es geschafft: es ist ein wunderbarer Abschluss der Puffin Island-Serie.

Fazit: Verdientes Finale mit viel Schnee und Gefühl  - ein schöner Abschluss, der einen in weihnachtliche Stimmung versetzt und somit die perfekte Dezemberlektüre!
5 Punkte. 

Vielen Dank an mtb Mira Taschenbuch Verlag und Netgalley!

Reihenfolge: 
Prolog: Zwischen Vernunft und Sinnlichkeit
Band 1: Einmal hin und für immer
Band 2: Für immer und ein Leben lang
Band 3: Für immer und einen Weihnachtsmorgen

Donnerstag, 10. November 2016

Wie Himbeeren im Sommer von Cathy Bramley

Klappentext:
Die junge Freya hangelt sich von einem Job zum nächsten. Als sie erfährt, dass ihr Onkel Arthur einen Zusammenbruch hatte und Hilfe auf seiner verwunschenen Farm braucht, ändert sich alles. Kurz entschlossen macht Freya sich auf zum Ort ihrer Kindheit, einem verzauberten Stück Land, das sie insgeheim sehr vermisst. Schnell stellt sich heraus, dass der Schwächeanfall ihres Onkels das kleinste Problem ist. Freya folgt ihrem Herzen und beschließt, die Farm zu retten. Und kommt dabei auch ihrem eigenen Glück auf die Spur …



Ästhetisch schön und ansprechend passt das Foto der Himbeerglacés gut zum Titel. Doch so kalt wie Glacé ist, so wirkt es auf mich ein wenig distanziert. Erst recht, nachdem ich den Inhalt gelesen sowie die englische Buchausgabe gesehen habe. Im Original heisst das Buch "Appleby Farm", das Cover ist gezeichnet. Die Frau mit dem Hund, die zur Farm läuft, umrahmt von Bäumen und Blumen und den Wimpeln sprechen mich an, als Leser möchte ich wissen, was es damit auf sich hat. Wenn in der Buchhandlung beide Cover nebeneinander liegen, ich würde mir "Appleby Farm" kaufen! Und ich würde begeistert sein, weil einfach alles zusammen passt - das Cover ist genau auf den Inhalt zugeschnitten und während dem Lesen hat man manch ein Aha-Erlebnis. 

Himbeeren kommen genau einmal vor im Buch, als schnell mal Himbeeren gepflückt werden. Das wars dann auch schon. Himbeerglacé wird nirgends erwähnt. Schade, dass gerade dieser schöne Roman mit einem so unpassenden Cover verkauft wird. An der Frankfurter Buchmesse diskutierte ich mit einem Verlagsmitarbeiter deswegen und er meinte, manchmal bekämen die Layouter so wenig Infos zu Büchern, dass sie halt auf gut Glück ein Cover gestalten müssen. Falls der deutsche unpassende Titel schon feststand, haben sie zumindest das passende Cover zum Titel gestaltet, aber mit den 465 Seiten zwischen dem Buchumschlag haben sie nichts gemein. Und wenn ich das Himbeer-Cover so ansehe, erwarte ich eine andere Geschichte, als die, die erzählt wird. Besässe ich das Buch als Printausgabe, würde ich das englische Cover vergrössern, ausdrucken und über das deutsche kleben. Auch wenn ich mir keine Printbücher mehr ins Regal stelle  - Titel und Cover sehe ich ja auch bei eBooks: zu einem tollen Leseerlebnis gehört für mich einfach dazu, dass alle vier Komponenten (Titel, Cover, Klappentext und Inhalt) stimmig sind. Mich ärgert es bei diesem Buch enorm, da es mir inhaltlich sehr gut gefällt. Und dann wurde aussen rum so schludrig gestaltet...

Aber nun zurück zu den Seiten zwischen den Buchdeckeln:
Freya Moorcroft jobbt jeweils für ein bis zwei Jahre an einem Ort und zieht danach weiter. Momentan arbeitet sie als Kellnerin bei Shirley in Kingsfield, der Mutter ihrer Freundin Anna, bei der sie wohnt. Freya brachte neue Ideen, das Café läuft. Es läuft auch mit Charlie, ihrem geschiedenen Freund mit Sohn, den sie in der Kleingartenkolonnie kennengelernt hat. Trotzdem merkt sie eine Unruhe in ihr drin, und so zögert sie keine Sekunde, ihre Verwandten auf der Appleby-Farm in Crumbia spontan zu unterstützen als der Onkel verunfallt. Leider sieht es finanziell gar nicht gut aus  - wird es Freya gelingen die Farm zu retten oder wird sie anderweitig verkauft?

Freya ist rastlos, ungestüm, will die Welt entdecken, hat kein Sitzfleisch. Irgendwann bemerkt sie immer, ich muss weiter, meine Zeit ist vorbei. Es ist keine Flucht, denn das Gefühl kommt jeweils auf, wenn sie merkt, dass ihre Arbeit erfolgreich erledigt ist. 
Als sie in der Appleby Farm ankommt, wo sie aufgewachsen ist, hat sie dieses Gefühl auf einmal nicht mehr. Freya fühlt, dass sie angekommen ist. Nur ihr Freund versteht es nicht wirklich und so sind Konflikte programmiert. Auch die Beziehung zu ihren in Paris lebenden Eltern und ihrem Bruder ist konfliktreich. Freyas Elternersatz sind Tante Sue, die nach frischem Brot und Nivea riecht, und Onkel Arthur und ihre Heimat die Appleby Farm - dies merkt Freya jedoch erst bei ihrer Rückkehr. 
Freya wird von ihren neuen und alten Freunden unterstützt. Anne und Shirley, und Lizzie, die in Lovingdales White Leon-Pub arbeitet. Aus dem Pub kennt sie auch Ross, der sogleich als Praktikant auf der Appleby-Farm verpflichtet wird und Eddie hilft. Harry Graythwaite, ihren Freund aus Kindertagen, erkennt Freya zunächst nicht. Er wuchs auf der gegenüberliegenden Willow-Farm auf und hat sie von seinen Eltern übernommen. Von ihm erhofft sie sich einige Tipps zur Neuausrichtung des in die Jahre gekommenen Bauernhofes.  

Das Buch reiht sich ein wenig in die momentan sehr aktuellen "Do it yourself"-Romane ein. "Appleby Farm" hebt sich aus der Masse heraus, da die Geschichte einfach stimmig ist.
Die Geschichte über die Rettung der Farm ist detailtreu erzählt und sticht durch eine liebevolle Atmosphäre heraus; als Leser möchte man gerne mit anpacken. Bis auf Lizzies Schwester Victoria und Freyas Bruder Julian sind durchwegs liebenswürdige Charaktere in der Überzahl. Figuren, die ein normales Leben führen ohne grossen Glanz und Glamour oder schlimmen Vorleben. Leute wie du und ich. 
Cathy Bramley ist es gelungen, einen tollen Roman über Freundschaft, Durchhaltewillen und Selbstfindung zu schreiben, bei dem die Liebesgeschichten zwar schön, aber nebensächlich sind, was mir gut gefällt. Auch humorige Szenen haben Platz; ich denke da gerne an Tante Sues Kühe Gloria und Gaynor und die beiden Katzen Björn und Benny. 

Fazit: Wunderschöner und warmherziger Bauernhof-Roman, den man gerne nochmals liest. Ich liebte jede einzelne Seite! 

Mittwoch, 9. November 2016

Zürich liest 2016

Kaum zurück aus Frankfurt ging es literarisch bei "Zürich liest" weiter. 

"Zürich liest" gibt es seit sechs Jahren und findet jeweils Ende Oktober statt. Vom 26. bis 30. Oktober fanden in Zürich, Winterthur und an einigen anderen Orten im Kanton diverse Lesungen, Diskussionsrunden, Spaziergänge, Tram- und Schifffahrten, Ausstellungen und weitere Veranstaltungen "rund ums Buch" statt. 

Dieses Jahr wurden zum ersten Mal fünf deutsche Blogger (Friederike von Die Buchbloggerin, Janine von kapri-zioes, Mara von Buzzaldrins Bücher , Sarah von Pinkfisch und Uwe von Kaffeehaussitzer) eingeladen, um das Festival zu Begleiten und in Deutschland bekannter zu machen. Einige von ihnen waren mir von Leipzig bekannt, die anderen lernte ich am Donnerstagmorgen bei Diogenes kennen. Mit Janine machte ich im Vorfeld schon für ein Zmittag am Freitag ab. Sie hatten alle ein volles Programm, wie es wohl kaum andere Besucher von "Zürich liest" absolvieren. 

Denn der Termin Ende Oktober, so direkt nach den Herbstferien ist es für mich nicht gerade ideal gelegen. So sehe ich jedes Jahr für mich interessante Veranstaltungen, die ich aufgrund von Terminkollisionen aber nicht besuchen kann. 
Und wenn es zeitlich passt, wird das Festival teuer, denn hier mal Fr. 30.- oder da mal Fr. 20.-, dazu Getränke, bei Kinderveranstaltungen alles doppelt bezahlen - da läppert sich schnell was zusammen. Klar, die Saalmieten und einiges mehr, das kostet alles. Deshalb gefällt mir, dass es auch kostenlose Veranstaltungen wie "Tag der offenen Verlage" (im Dreizack-Haus zum Beispiel) oder ähnliches gibt. Doch ich denke, da geht es vielen anderen wie mir: man muss sich aus diversen Gründen für nur zwei, drei Veranstaltungen entscheiden. 

Ich entschied mich am Freitagabend für eine Lesung der türkischen Autorin Esmahan Aykol, deren Krimiserie "Kathi Hirschel" gerade erst Zuwachs bekommen hat. Aus "Istanbul Tango" las Sängerin und TV-Kommissarin Delia Mayer, dazu erzählte Esmahan, dass sie ihre Vorliebe für Krimis von ihrer Mutter vererbt bekommen hat. Sie wollte erst über kulturelle Unterschiede zwischen Türken und Deutschen schreiben, hatte dann aber die Idee zu Kathi Hirschel. Kathi ist nicht nur eine Deutsche jüdischer Herkunft in einem muslimischen Land, sondern auch eine Mischung aus Freunden und Frauen in Esmahans Leben, der Namen lehnte sie sich von einem ihrer Professoren aus. 2001 erschien ihr erster Kathi-Krimi, der mit Vorteilen spielt und immer wieder aktuelle Weltgeschehens-Themen aufnimmt. 2017 erscheint voraussichtlich ein neuer Roman über einen Journalisten und 2018 der nächste Kathi-Hirschel-Fall. 

Am Sonntagvormittag machte ich mich auf nach Winterthur, wo im Casinotheater drei interessante Männer auf das Publikum warteten. Werner van Gent, bekannt als Nahost-Korrespondent von SRF, diskutierte mit dem griechischen Autor Petros Markaris und dem türkischen Autor Celil Oker über ihre Krimis (mit Themen aus Wirtschaft, Welt- oder Lokalpolitik), ihre Protagonisten (Polizist Kostas Charitos, Privatermittler Remzi Ünal), über den Brennpunkt Istanbul und vieles mehr. Gemein ist den Dreien, dass Istanbul sie vereint und alle erzählten Anekdoten über ihre Erlebnisse in dieser grossen Stadt. Die interessante und humorvolle Diskussionsrunde ging allzu schnell vorbei, ich hätte noch lange lauschen können. Oder noch lieber mit diskutieren :-) Einige witzige und treffende Statements hab ich mitgenommen, werde sie hier aber nicht ausführen. Nach der Veranstaltung konnte ich ganz kurz mit Celil Oker ein paar Worte wechseln, und ja, Remzi Ünal, den habe ich mir glaub ziemlich richtig vorgestellt. 

Interessant war der Blick dieser drei Krimiautoren auf die aktuelle Situation im Land. Petros Markaris konnte sich damit am weitesten aus dem Fenster lehnen. 

Petros Markaris aktuelles Buch, sieben Kurzgeschichten unter dem Titel "Der Tod des Odysseus", ist soeben erschienen, wie üblich bei Diogenes wie auch Esmahan Aykols Krimis. Celil Okers deutsche Krimis gibt der Schweizer Unionsverlag heraus. 

Mein "Zürich liest" #zl16 war türkisch geprägt, es hat mich sehr gefreut die beiden türkischen Autoren (und natürlich auch den griechisch-türkischen Autor und den holländisch-schweizerisch-griechisch-nahöstlichen Moderator) live zu hören und persönlich kennen zu lernen - çok teşekkürler ve iyi şanslar!

Vielleicht nächstes Jahr wieder bei "Zürich liest"-2017, das vom 25. bis 29. Oktober 2017 stattfindet!





Montag, 7. November 2016

Montagsfrage 07.11.2016


Habt ihr Trigger, die euch am Weiterlesen stören?

Ich versuche allererstens keine Bücher zu lesen, die physische oder psychische Gewalt an Kindern beinhalten sowie sämtliche Gewaltszenen unnötig ausschmücken. Die täglichen Nachrichten sind schlimm genug, da muss ich mir blutrünstige Szenen nicht noch zwischen die Buchdeckel holen. Und als Mutter bin ich gleich noch eine Spur empfindsamer geworden, obwohl ich auch früher keine Psycho- und andere Thriller gelesen habe. 
Manchmal trifft es einem leider unerwartet, wie zum Beispiel in  "Die Erne des Bösens" von Robin Galbraith, wo krankhafte Vorstellungen mit vielen grausamen Details geschildert werden. 

Am Weiterlesen hindern mich vielmehr langweilige Geschichten, die langweilig sind und/oder unnötig abschweifen, die Sprache zu derb ist oder mir die Protagonisten unsympathisch sind. Allzu spezielle oder komplizierte Namen mag ich auch nicht, die stören den Lesefluss. Blöd, wenn alles zusammen eintrifft! Dann komm und komm ich nicht vorwärts mit dem Buch und wenn es nicht gerade ein Rezensionsexemplar ist, lasse ich es sein und lese lieber was anderes.

Und sonst so:
Kalt ist es geworden! Der Uetliberg hat über Nacht eine Portion Puderzuckerüberzug aka Schnee bekommen :-) Der Winter ist da, Weihnachten auch bald. Freut ihr euch? 

Mein Messebericht ist seit Donnerstag online, diese Woche folgt noch ein Bericht über "Zürich liest". Zudem beginne ich eine neue Reihe, in der ich in loser Folge Verlage vorstelle. Der Anfang macht der Diogenes Verlag. Und Rezis erwarten euch auch, z.B. zu "Wie Himbeeren im Sommer" und "Für immer und einen Weihnachtsmorgen".
Eine tolle Woche wünscht euch
Anya




Sonntag, 6. November 2016

Krimi: Pastorin Viveka und das tödliche Kaffeekränzchen von Annette Haaland

Klappentext:
Viveka ist Pastorin in einem beschaulichen schwedischen Vorort. Die alten Frauen ihrer Gemeinde treffen sich wöchentlich in ihrer Kirche zu Kaffee und Kuchen. Doch die Idylle trügt - die Damen lästern, was das Zeug hält. Viveka hat genug, sie will nicht mehr nett zu allen sein. Heimlich rebelliert sie und trägt unter ihrem Pastorinnengewand T-Shirts mit aufmüpfigen Aufschriften. Das Kaffeekränzchen wird allerdings jäh dezimiert: Eine der alten Damen wird vergiftet. Viveka steht plötzlich unter Mordverdacht. Denn ausgerechnet an diesem Tag hatte sie das Shirt »Beihilfe zum Selbstmord legalisieren!« an. Sie selbst hat ja eher ihre Kaffeekranzdamen in Verdacht. Man weiß schließlich nie, was in anderen Menschen vorgeht. Besonders nicht in alten Damen ..

Das fröhliche Cover machte mich neugierig auf diesen schwedischen Cosy Krimi. Inhaltlich war ich sehr gespannt auf Viveka und erhoffte mir, dass es Viveka mit der amerikanischen Pfarrersfrau Mrs. Wilcox von Emilie Richards aufnehmen kann. 

Viveka ist Pastorin in einer schwedischen, freikirchlichen Gemeinde in einem Stockholmer Vorort. Sie ist verheiratet und Mutter von drei Kindern. Zuhause und im Büro hat sie keine Ruhe, deshalb hat sie sich heimlich ein Gartenhäuschen gekauft und geniesst es, dort ab und an ungestört Kaffee zu trinken. Doch auch dieser Rückzugsort hilft ihr in ihrer Krise nicht. Sie hat keine Lust mehr auf ihren Job, keine Lust immer nett und angepasst sein und keine Lust auf all die alten Frauen in der Gemeinde, die Tanten wie sie sie nennt, deren Kekse Viveka immer essen muss. Keine Lust so zu sein, wie ihr Umfeld das aufgrund ihres Jobs eigentlich von ihr erwartet. 
Im idyllischen Enskede ist sie aber nicht die Einzige, die ein Problem mit sich herumträgt. Einige ihrer Kirchenmitglieder, bevorzugt ältere Herrschaften wie Falk, Ake oder Henry, aber auch Viola und Selma sind nicht bester Stimmung. Sogar Abbe, der junge Buchhändler, der seine leiblichen Eltern sucht, wird depressiv. 

Und jetzt kommen wir zum grossen Problem dieses Krimis: er entpuppt sich vielmehr als Gesellschaftsroman ohne grossartige Handlung. Den Gedanken und Ideen der einzelnen Figuren wird so viel Raum gegeben, dass der Krimi zu kurz kommt. Die Lebenskrisen sind womöglich durchaus berechtigt, zum Teil werden treffende Vergleiche angestellt, aber in dieser Menge wird und wirkt es langweilig. Die Gedanken der Figuren schweifen ab und mit ihnen auch ich. Das einzig Unterhaltende sind die Sprüche-T-Shirts von Viveka und Abbe, aber mit der Zeit wirken auch diese Sprüche schläfrig. Ein bisschen Velo fahren und bei Besuchen viel Kaffee trinken und grässliche Kekse essen, viel mehr an Handlung geschieht nicht. 

Ein Lichtblick in der schwedischen Geschichte ist der kleine Julius, der immer mal wieder in Erscheinung tritt. Doch auch dieser holt weder Wärme noch Spannung aus dem Schreibstil von Annette Haaland heraus. 
Die Umgebungsbeschreibungen, die Gärten und Häuser konnte ich mir gut vorstellen. Vivekas Probleme ebenso, aus eigener Erfahrung - ja, manchmal können tatsächlich nur die falschen Ohrringe oder die falsche Pulloverfarbe Gemeindemitglieder verstimmen; man glaubt es kaum. Aber mit allem anderen hat sich die Autorin übernommen. "Das tödliche Kaffeekränzchen" ist eine eintönige Sozialstudie, in der die Kriminalhandlung und der Humor auf der Strecke bleibt. In diesem Kontext wirkt das plötzliche Finale zu übertrieben. 

Fazit: Zuwenig Tempo und zuviel Abschweifungen, die die teilweise guten Ansätze übertrumpfen. Nein, Viveka kann es nicht mit Mrs. Wilcox aufnehmen, definitiv nicht. 
3 Punkte.


Donnerstag, 3. November 2016

Messebericht zur Frankfurter Buchmesse @fbm16


Nach Leipzig im März machte ich mich vor zwei Wochen auf nach Frankfurt, um die dortige Buchmesse zu entdecken. Die Daten von der #fbm sind leider immer in den Zürcher Schulherbstferien gelegen, so dass ich mit meiner Familie meistens im Urlaub bin, doch dieses Jahr blieben wir zuhause und so konnte dennoch nach Frankfurt reisen. Viereinhalb Stunden im Zug, ideal zum Lesen und sich auf Termine vorbereiten. 
Spät Nachmittags kam ich an - ideale drei Stunden um sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Vor lauter Gängen und Rolltreppen (fast schlimmer als an einigen Flughäfen) dachte ich schon, ich erreiche die Messehallen nie, doch dann stand ich nach einigen Minuten Fussmarsch tatsächlich in Halle 3. 

Donnerstag:
Ich schlenderte gemütlich durch die beiden Hallen 3.0 und 3.1 und merkte mir schon mal den Standort einiger Verlage, an denen ich Freitag und Samstag Termine hatte. Gegen 17:30 besuchte ich bei Thienemann-Esslinger die Standparty, bei der zu musikalischer Begleitung Nele Neuhaus und Oliver Scherz für ihre verkauften Kinderbücher ausgezeichnet wurden. Bei Carlsen einige Schritte weiter bewunderte ich eine grosse Spezialausgabe des neuen Harry Potter-Buches und plauderte mit einem Verlagsmitarbeiter. In den Gängen ringsrum entdeckte ich weitere kleinere oder grosse Kinderbuchverlage, wie zum Beispiel die Beltz-Arena.
Dann war es auch schon Zeit fürs gemütliche Bloggertreffen bei Hoffmann & Campe, wo ich mich mit Anja von "Mein kleines Bücherzimmer" verabredet hatte. Nach dem informativen Treffen (und einigen neuen interessanten Buchtitel auf meiner Merkliste) hatten Anja und ich eine regnerische Autofahrt vor uns Richtung Unterkunft, in der wir uns ein Zimmer teilten. Auf der Fahrt staunte ich mal wieder über die vielen rücksichtslosen deutschen Raser, die sich weder um Verkehrsregeln noch um andere Verkehrsteilnehmer noch um Wetterbegebenheiten kümmerten. Unverständlich sowas. Da bin ich wirklich froh um unsere Schweizer Geschwindigkeitsbegrenzungen (an die sich zwar auch nicht alle halten, aber eindeutig weniger gerast werden kann). Nachdem wir eingecheckt und unser Zimmer bezogen haben, ging es gleich wieder raus zum Abendessen. Anschliessend liessen wir den Abend auf unserem Zimmer mit einem Glas Wein und Gesprächen über Bücher, Blogs und Büchermessen ausklingen. 


Freitag:
Morgens waren wir zwar beizeiten unterwegs, doch ein Stau, aufgrund einer sich über einige Kilometer hinziehende Baustelle, liess mich mein erster Termin am Freitag verpassen. Schade, gerne wäre ich beim Droemer Knaur Bloggertreffen dabei gewesen - hatte mich ja im Zug mit den Leseproben noch auf Kurzinterviews mit den Autorinnen vorbereitet. 
Immerhin schaffte ich es pünktlich zum zweiten Termin: der Schweizerische Buchverlegerverband SBVV lud zum Zmorgä - Birchermüäsli und Kaffi und Speeddatings mit den Verlagsvertretern, die uns in kleinen Gruppen oder einzeln von ihren Neuerscheinungen oder allgemeine Infos zu ihren Verlagen gaben. Ich empfand den Zmorgä sehr informativ und freute mich, so viele Verlagsmitarbeiter auf einen Haufen kennen zu lernen - und Schweizerdeutsch sprechen zu können ;-) Später am Tag ergaben sich noch Gespräche mit zwei Schweizer Verlagen, die nicht dabei waren bei den Speeddatings und mich darüber ausfragten. Sie waren sich vor allem nicht sicher, ob deutsche Blogger wirklich Interesse an Büchern von Schweizer Verlagen haben. Aber der Andrang beim Treffen zeigte meiner Meinung nach doch deutliches Interesse. Leider musste ich ohne Birchermüäsli und Kaffi weg, da ich um 11:00 Uhr bereits den nächsten Termin hatte. 
Bei Dryas erwarteten mich ein warmer Kaffi (der in der Pension am Morgen war leider kalt :-( ) und Verlegerin Sandra Thoms, die mir Wissenswertes zu ihrem Verlag und der Verbindung Dryas-Goldfinch erzählte. Am Stand traf ich zudem die beiden Autorinnen Gitta Edelmann (Canterbury-Serie) und Iyy A. Paul (ihr erster Irlandkrimi erscheint im Frühling), worüber ich mich sehr freute. Auf dem Foto seht ihr auch noch Autorin Rebecca Michéle, mit der ich mich am Sonntag unterhielt.  Über Dryas und sein Angebot werde ich bald ausführlicher in einem separaten Post berichten. 
Um 12:00 Uhr ging es direkt weiter zum Bloggertreffen von Diogenes. Die Verlagsvorschau wurde witzig und charmant präsentiert, danach (und davor) hatte ich nette Gespräche mit anderen Bloggern. Mein Bericht über meinen Besuch im Diogenes Verlag im Rahmen von "Zürich liest" folgt. Anschliessend machte ich mich auf zum Orbanism Space in Halle 4.1 zum Blogger Future Place #bfp16. Ganz toll war, dass es hier WLAN gab, fast der einzige Ort auf der Messe, wo man gratis Internet hatte - als Bloggerin aus dem Ausland ohne Roaming-Abo schätzte ich diesen Service sehr. 
Später nutzte ich die freie Zeit um durch die Hallen 5 und 6, in der die ausländischen Verlage vertreten waren, und über die Agora zu schlendern und mich mit einer Crêpe zu verpflegen. Die Zeit verging schnell und schon stand das Random House-Bloggertreffen an. Random House hatte wohl die grösste Standfläche mit vielen Sitzgelegenheiten, und so teilten sich die vielen anwesenden Blogger und Autoren gut auf ohne sich allzu sehr auf den Füssen zu stehen. Ich entdeckte Luis Sellano und überlegte mir für einen Moment, ob ich mich ihm vorstellen soll oder nicht, denn sein Erstlingskrimi Portugiesisches Erbe überzeugte mich leider nicht. Ich wagte es und es ergab sich ein nettes Gespräch. Luis versicherte mir, dass es im zweiten Band nicht mehr so viele (von mir kritisierten) Zufälle geben soll ;-) Nach der Messe erfuhr ich, dass auch Sophie Bonnet vor Ort gewesen wäre. Schade, ich hätte sie gerne kennengelernt, denn ihre Krimis mag ich sehr gerne. Stattdessen konnte ich mich mit den Bloggerportal-Mitarbeiter von Goldmann, Blanvalet und Heyne unterhalten - ich fand es schön, auch mal das echte Gesicht zu den Personen zu haben, mit denen man sonst nur per Mail in Kontakt steht. 
Oder von anderen Blogs kennt, wie z.B. Marie von "Marie's salon du livre" und Lisa, mit der Anja und ich ausgiebig plauderten, bevor wir uns in Richtung Parkhaus aufmachten. Auf dem Foto seht ihr unten die tollen silbernen Lampen über der Bar bei Random House - die würden sich bei mir im Wohnzimmer auch gut machen :-) 
Wir hatten uns vorgenommen, direkt nach dem Bloggertreffen noch bei Tageslicht zu unserer Unterkunft zu fahren, damit wir uns die historische Altstadt ansehen können. Es dämmerte bereits, aber wir erhaschten doch noch einen Blick aufs Kloster. Bei unserem Spaziergang - endlich frische Luft nach einem Tag in den Messehallen - entdeckten wir auf dem Dorfplatz ein kleines Bistro, in dem wir uns mit viel Grünzeug stärkten. Ich fand es ganz toll, dass ich die Abende nicht allein in einem Hotelzimmer verbringen musste, sondern mit einer Gleichgesinnten über unsere Tage auf der Messe und vieles anderes plaudern konnte!

Samstag:
Am Samstag kamen wir erstaunlich rasch zu und in die Messehallen. Ich musste meinen Koffer an der Garderobe einstellen und rechnete mit langen Wartezeiten, doch es waren nur drei Leute vor mir. Dafür drängten sich die Massen umso schneller in den Hallen, besonders in und ringsum Halle 3. In Halle 4.1 warteten die Herzenstage auf mich und das Internet :-) Mittags traf ich mich vor dem Lesezelt mit einigen vom Büchertreff-Forum. Da es draussen recht kalt und zwischendurch auch nass war, suchten wir uns im Zwischengang vor Halle 3 einen Platz zum Quatschen, aber die vielen Cosplayer übertönten uns schnell. Ich war erstaunt derart viele Cosplayer zu sehen, denn ich dachte die gehen nur nach Leipzig weil dort auch die Manga-Convention stattfindet. 
Nun wurde es extrem eng in den Hallen, aussen wurden Gänge und Wege abgesperrt. Ich mag solch ein Gedränge überhaupt nicht und fand es ziemlich ungemütlich. Ich mag dann auch nicht rumlaufen und mir Neues ansehen; vor lauter Leute sieht man eh nichts. Ganz doof fand ich auch all jene, die mitten in den Gängen stehen blieben, nur weil sich vorne an x-beliebigen Ständen viele Leute tummelten. "Du schau, da stehen viele Leute, ist wohl jemand Berühmtes da" "Ja bleiben wir hier stehen und schauen." Genau. Mitten im Gang stehen bleiben, anderen den Weg versperren und doch nicht sehen was denn da vorne am Stand genau läuft.... 
Um Zeit bis 15:00 Uhr totzuschlagen, dachte ich, ich kauf meiner Tochter das neue Ostwind-Buch und stehe an, um es signieren zu lassen, dann geht die Zeit um und ich muss nicht ins Gedränge rein. Die Aktion dauerte nicht mal drei Minuten, ich war die dritte in der Reihe... Also plauderte ich nett mit einer Knaus-Mitarbeiterin, setzte mich später bei Random House an ein Tischchen und blätterte in einem Verlagskatalog (Danke für den Espresso!), danach setzte ich mich gleich gegenüber zu Dryas. 
Viel zu früh für das Treffen mit Rebecca Michéle, aber ich genoss es einfach da zu sitzen und den Trubel um mich rum zu beobachten. Langsam wurden die Menschenmengen weniger, was angenehm war. Rebecca kam auch schon früher an den Stand, so dass ich mit ihr ein wenig plaudern konnte, bevor ich dann fast pünktlich zu meinem zweiten von drei 15:00-Uhr-Terminen ging. Drei Stunden lang nichts, dann gleich drei Termine auf einmal. Beim Harper Collins Bloggertisch begrüsste Jenny die anwesenden Bloggerinnen, darunter noch eine zweite Schweizerin. Sie ist allerdings sehr jung und bloggt v.a. über Fantasy, so dass ihr Blog mir nicht bekannt ist. Nach der Vorstellung der Frühlingsbücher machte ich mich ein letztes Mal auf den Weg zum Orbanism Space wo Mitarbeiter von der Lesejury, Vorablesen, Netgalley und Lovelybooks ihre Buchcommunities vorstellten und mit den Anwesenden über ihre Angebote diskutierten. Leider kam ich erst kurz vor Schluss dort an und bekam nur noch den Schlussteil mit.

Nun machte ich mich ein letztes Mal auf den Weg durch die Hallen, holte mein Gepäck ab und fuhr zum Bahnhof. Hunger machte sich breit, hatte ja seit dem kleinen Frühstück nichts mehr gegessen. Ich entdeckte in der Nähe vom Bahnhof ein kleines Bistro mit grossem Angebot an Panini, Wraps und türkischen Backwaren. Zurück am Bahnhof Frankfurt deckte ich mich mit je zwei Zeitschriften für mich und meine Tochter und einem kleinen Notizheft ein, bevor um 18:00 Uhr mein Zug Richtung Zürich abfuhr. Die Rückreise war angenehm, bis auf die unbequemen Sitze der DB - wenn ich das nächste Mal länger deutsche Bahn fahre, nehme ich mir ein Nackenstützkissen mit. Kurz vor 23:00 kam ich dann wohlbehalten zu Hause an. 

Am Montag schlugen die Messe-Viren zu - Halsweh, danach ne dicke Erkältung und ich das erste Mal seit drei Jahren wieder krank. Anscheinend war ich nicht die Einzige, ein kleiner Trost :-) Neben den Viren, vielen Erlebnissen und sehr netten und teilweise spontanen Gesprächen mit Verlags- oder andern Buchmenschen nahm ich auch einige Messeerinnerungen in Form von Verlagsprospekten, Taschen, ganz tollen Notizbüchern, Lesezeichen und Fotos mit in die Schweiz.


Oft wurde ich gefragt, wo es denn besser sei - Frankfurt im Herbst oder Leipzig im Frühling. In Leipzig fand ich es gemütlicher und genoss die Annehmlichkeiten für die Presse (eigene Garderobe, ein Pressecafé um sich mal zurückzuziehen und die vielen WLAN-Möglichkeiten, die mir in Frankfurt fehlten). In Frankfurt fand ich dafür die Fachbesuchertage eine tolle Sache. Als Fazit bleibt mir nur zu sagen, dass die Messetage jedes Mal ein Highlight sind, egal ob Leipzig oder Frankfurt.