Donnerstag, 23. März 2017

Mauersegler von Christoph Poschenrieder

Klappentext:
Fünf Männer gründen eine Alten-WG in einer Villa am See. Zusammen wollen sie die verbleibenden Jahre verbringen, zusammen noch einmal das Leben genießen. Für den letzten – selbstbestimmten – Schritt zählen sie auf die Hilfe der Mitbewohner. Denn es kommt nicht darauf an, wie alt man wird, sondern wie und mit wem man alt wird.







Fünf Freunde reloaded - eigentlich gehörte noch ein sechster Junge zur Clique: Martin, der bei einem Unfall starb. Seither treffen sich die Freunde jedes Jahr an seinem Todestag. An einem dieser Abende kommen sie auf die Idee ihre letzten Lebensjahre gemeinsam zu verbringen, denn in der Kindheit waren Wilhelm, Heinrich, Ernst, Siegried und Carl unzertrennlich. Die Jungs wuchsen zu erfolgreichen Männern heran - sie wurden Jurist, Nudelhersteller, Softwareentwickler, Theaterregisseur und Journalist. Verliebt, verheiratet, geschieden. Sie haben alles durch, "nur" noch den allseits bekannten Lebensabend vor sich. Wieso also nicht zusammen ziehen? Gesagt, getan.
Zuerst fühlen sich die aktiven Senioren fast ein wenig wie kleine Jungs, die sturmfrei haben. Doch dann tauchen die ersten Gesundheitsprobleme auf. Wilhelm sitzt bald schon im Rollstuhl, und das Leben wird für alle um einiges komplizierter. Trotz Bedenken beschliessen sie, sich gegenseitig zu helfen, wenn einer von ihnen nicht mehr leben mag. Daraufhin tüftelt Ernst ein Todesengelprogramm aus.

Von diesem Todesengelprogramm wäre Margrit aus den "drei alten Damen" von Minna Lindgren begeistert gewesen. Und auch sonst hätte den drei Damen das Leben in der Herren-WG sehr gut gefallen. Leider ist solch ein Leben nur mit viel Geld machbar, und genau das ist der Haken an diesem Roman. Aber es ist der einzige Haken. 

Oberflächlich heiter und oft mit schwarzem Humor versehen, wird das Zusammenleben mit all seinen Höhen und Tiefen beschrieben.
Dennoch hört man ernste Töne heraus: Darf ich überhaupt? Soll ich wirklich? Nachvollziehbare Zweifel, besonders im Zusammenhang mit selbstbestimmtem Sterben, werden erörtert. 
In einer humorvollen Leichtigkeit entwickelt der Autor dann eine Lösung, ein Resümee, wie es sein könnte, wenn wir den Zenit unserer Zeit überschreiten. Toll erzählt!

Mein erster Poschenrieder, aber nicht mein letzter.

Fazit: Fünf Freunde reloaded - ein heiterer, ideenreicher und dennoch nachdenklicher Roman über Männer, die ihren Lebensabend mit allem Pro und Contra zusammen verbringen. 
4 Punkte. 


Kommentare:

  1. Huhu,

    das Buch hört sich ja mal interessant an. Mit dem Thema "Selbstbestimmtes Sterben" befassen sich mWn ja sonst eher weniger Romane. Dabei wird es ja immer wichtiger mit der steigenden Lebenserwartung.

    LG
    Lena

    AntwortenLöschen
  2. Guten Morgen Lena
    Bücher über Senioren gibt es zwar immer häufiger (aktuell bei Kent Haruf und Karine Lambert, ansonsten auch bei Hillary Boyd), aber das Thema "Selbstbestimmtes Sterben" ist mir auch noch nicht so oft beigekommen, nur eben hier und bei der "Drei alte Damen..."-Serie von Minna Lindgren. Wahrscheinlich wird es in Zukunft vermehrt ein Thema werden, lassen wir uns überraschen, was die Autoren noch so alles veröffentlichen :-)
    Liebe Grüsse, Lena

    AntwortenLöschen
  3. Hallo,
    das hört sich nach einem interessanten Buch an. Eine ungewöhnliche Handlung für ein ernstes Thema. Von dem Autor habe ich bisher noch nichts gelesen, aber bei diogenes kann man ja normalerweise bedenkenlos zugreifen ;-) Wandert jetzt mal auf meine Wunschliste.
    Besten Dank für die Vorstellung hier und
    viele Grüße
    Thomas (#litnetzwerk)

    AntwortenLöschen
  4. Hallo Thomas,
    entschuldige, dass ich nicht geantwortet habe - habe es erst jetzt bemerkt, dachte ich hätte. Bei "Mauersegler" kannst du bedenkenlos zugreifen wenn dich das Thema interessiert. Gut geschrieben ist es!
    Liebe Grüsse
    Anya

    AntwortenLöschen