Montag, 31. Oktober 2016

Lesebiografie Oktober 2016

- Blutroter Flieder von Mareike Marlow  
- Wie Himbeeren im Sommer von Cathy Bramley  
- Bücher mit Aussicht von Jessica Fox 
- Ist die Liebe nicht schön? von Carmel Harrington
- Tod im Tropenhaus - John Mackkenzies sechster Fall 
- Für immer und einen Weihnachtsmorgen von Sarah Morgan 
- Lass mich leben, Istanbul von Celil Oker 
- Der zauberhafte Wunschbuchladen von Katja Frixe
- Mit Liebe gewürzt von Mary Kay Andrews 
- Ungebetene Gäste (Cherringham 25) von Matthew Costello und Neil Richards 
- Janes Austens Geheimnis von Charlie Lovett 

Montagsfrage 31.10.2016


Magst du Bücher mit Gruselfaktor oder Horror?

Nein. Mit diesem Genre kann ich absolut nichts anfangen. 


Und sonst so:
Letzte Woche haben mich die #fbm16 Viren erwischt: wie viele andere Besucher hab ich mir eine heftige Erkältung mitgebracht. Da man als Mutter nicht wirklich krank sein kann, bzw. "Ausschlafen, Rest vom Tag auf Sofa liegen und lesen und Tee trinken" ein Tagtraum bleibt, war ich abends so kaputt, dass ich kaum Lesen mochte. Blogbeiträge schreiben ging auch nicht und deshalb war es sehr ruhig auf meinem Blog. 
Kam noch dazu, dass am Freitag "Zürich liest" #zl16 begann und zusammen mit den ans Festival geladenen deutschen Bloggern (Frederike, Janine, Mara, Sarah, Uwe) durfte ich und Bettina vom Blog laubet den Diogenes Verlag besuchen. Darüber und auch über die Lesungen am Freitag mit Esmahan Aykol und am Samstag mit Petros Markaris und Celil Oker werde ich euch diese Woche berichten. Auch der letzte Woche versprochene Messebeitrag werde ich in den kommenden Tagen online stellen. Ja, und Rezis gibts natürlich auch. Bleibt dran!

Montag, 24. Oktober 2016

Montagsfrage 24.10.2016


Welche fünf Eigenarten/Verhaltensweisen zeichnen dich - vom Lesen abgesehen - als Bücherwurm aus? 

Guten Morgen erst mal! 

Ich kam Samstagnacht mit vielen Eindrücken von der Buchmesse zurück und werde heute Fotos und alle Karten sortieren und im Laufe der Woche einen Messerbericht veröffentlichen. Schaut also mal rein, wenn es euch interessiert!
Am Samstag war die Messe extrem voll und man kam oft fast nicht durch, man durfte auch einige Wege nicht benutzen, die die Tage vorher passierbar waren - da dachte ich mir "Bloss raus hier", aber kaum war ich zuhause "Schön wars, ich möchte gleich nochmals hin" ;-) 


Heute wird nach fünf Bücherwurm-Verhaltensweisen gefragt, mal sehen ob ich auf fünf komme:

1. Ich habe immer ein Buch in der Tasche - bzw. verlasse ich das Haus nie ohne einen meiner eReader. 

2. Wartezeiten überbrücken? Na klar, lesend! 

3. Meine Familie und Freunde hören oft den Satz: "Ah, eine Buchhandlung." Egal ob zuhause oder im Urlaub. Nach diesem Satz laufen sie mittlerweile ganz von alleine in Richtung Eingang und kaum drinnen ertönt von meinem Mann als Standardantwort: "Ich warte dann mal hier." Gut dressiert sind sie, nicht?

4. Apropos dressiert: Wenn ich nachts meiner Tochter ein neues Buch oder ein neues eBook auf ihre Reader ziehe und auf ihren Nachttisch lege, kann ich am nächsten Morgen ausschlafen bzw. länger schlafen als normal, denn:

5. "Nur noch ein Kapitel" - und dann werden es drei. Oder fünf. Oder so. Fast jede Nacht :-)

Habt ihr eure fünf Eigenarten gefunden? Und wie habt ihr die letzten Tage verbracht - auf der Messe oder an einer Leseparty? 



Donnerstag, 20. Oktober 2016

Wie weiter in Higher Barton ohne Mabel Clarence?

Wie geht es wohl weiter in Higher Barton, wenn Mabel und Victor sich in den Ruhestand begeben?

Wir Leser werden sicher nicht nur Mabel, sondern auch andere liebgewonnene Charaktere vermissen. Doch Autorin Rebecca Michéle sorgt sich um ihre Leser und bringt uns 2017 eine neue Serie, die ebenfalls in Higher Barton spielt. Mehr dazu erzählt uns Rebecca gleich selbst: 

Mit dem Krimi „Gestorben wird früher“ geht eine Ära zu Ende, denn die resolute Mabel Clarence und der kauzige Tierart Victor Daniels ermitteln hier in ihrem (vorerst?) letztem Fall.
Was wäre Cornwall und Higher Barton jedoch ohne Verbrechen? Was macht der sympathische Ermittler Christopher Bourke ohne weitere Leichen? Und soll der smarte Anwalt Alan Trengove etwa nur noch über verstaubte Akten brüten?
Dies wollte ich meinem geliebten Personen und Orten nicht zumuten, und so gehen im Herbst 2017 die Verbrechen auf Higher Barton und in der Umgebung weiter. Higher Barton wird zu einem romantischen Landhotel, doch noch vor der offiziellen Eröffnung verschwindet der Direktor Harris Garvey spurlos – mit ihm eine große, im Safe gelagerte Menge Bargeld. Alles deutet darauf hin, dass er sich aus dem Staub gemacht hat. Dann jedoch wird er tot aufgefunden, und in dem Hotel gibt es mehrere Personen, die einen guten Grund haben, Garvey zu töten, der zur Erreichen seiner eigenen Ziele alles andere als zimperlich vorgegangen ist und viele Menschen vor dem Kopf gestoßen hat.
In den Fokus der Ermittlungen gerät Sandra Flemming, die nun neue Direktorin, darüber hinaus wegen einer vergangenen Angelegenheit ein starkes Motiv hat, Garvey von den Lebenden zu den Toten zu befördern …

Cornwall und blutrünstige Thriller – das passt für mich irgendwie nicht zusammen. Auch wenn die neue Reihe anders als die Abenteuer für Mabel und Victor werden wird: Der zauberhafte Flair Cornwalls mit der atemberaubenden Landschaft, herrschaftlichen Landhäusern, kleinen Cottages und zum Teil sehr skurrilen Menschen bleibt erhalten. Natürlich kommt auch der zum Teil doch sehr schwarze britische Humor nicht zu kurz.

Auch dieser Krimi ist unter dem Obergriff „Cosy Krimi“ einzuordnen und ich freue mich, wenn meine Leser der neuen Reihe die gleiche Treue halten, wie sie es bei Mabel getan haben.

Danke, Rebecca Michéle, für deine Vorschau! Ich bin ja schwer gespannt und ehrlich gesagt, kann ich mir  noch nicht vorstellen, dass Mabel so wirklich ganz die Finger von ungeklärten Fällen lassen kann. Aber ich lasse mich gerne überraschen :-)

Reihenfolge der Mabel Clarence-Serie:
Hier findet ihr eine Vorstellung der Serie (Band 1 bis 4)
Band 1: Die Tote von Higher Barton
Band 2: Der Tod schreibt mit
Band 3: Schatten über Allerby
Band 4: Ein tödlicher Schatz
Band 5: Mord vor Drehschluss
Band 6: Gestorben wird früher
Herbstlicher Kurzkrimi: Der Kürbismörder (nur als eBook)
Ein Roman über Higher Bartons Schlossgeist: Das Flüstern der Wände

Krimi: Gestorben wird früher (Mabel Clarence 6) von Rebecca Michéle

Klappentext:
Elisabeth Bennett ist tot, gestorben in einer exklusiven Seniorenresidenz in St. Ives – offenbar an einem Herzleiden, obwohl sie am Abend zuvor noch völlig gesund war. Deren Freundin glaubt an einen Mord und bittet die ehemalige Krankenschwester Mabel Clarence um Hilfe. Unter falschem Namen mietet Mabel sich in der Seniorenresidenz ein. Welche Rolle spielen die Besitzer und das zum Teil undurchsichtige Pflegepersonal? Und dann ist da noch der vermögende und charmante Sir William, der aus seiner Verehrung keinen Hehl macht und Mabels Gefühle mächtig durcheinander wirbelt.


Mabel hat gerade nicht viel zu tun, da Victor auf Besuch bei seiner Nichte und seiner Schwester ist. Da klingelt eine Frau bei ihr, die über Umwegen von Mabels Ermittlungserfolgen hörte und sie bittet, heraus zu finden, was es mit dem Tod von einer Bekannten auf sich hat. Diese wohnte in einer Seniorenresidenz und verstarb plötzlich. Der Neffe der Toten ist geldgierig und es wird befürchtet, dass er etwas mit dem Tod zu tun hat. Kaum ist die Frau ausser Haus, sitzt Mabel schon im Zug und fährt alleine und ohne jemanden zu informieren nach St. Yves und mietet sich kurzerhand in der Residenz ein. 
Ihr gefällt es dort erstaunlicherweise sehr gut, obwohl die Senioren sehr kurz gehalten werden. Beim Bridge spielen lernt Mabel ihre teilweise skurrilen Mitbewohner kennen und hat bald schon einen Verehrer, der sie hofiert. Das schmeichelt Mabel sehr, denn selbiges wünschte sie sich von Victor. Trotzdem vergisst sie ihren Auftrag nicht und versucht ganz ohne Hilfe zu ermitteln. Bald schon merkt sie, dass die Angestellten und Chefs der Residenz nicht ganz koscher sind und vermutet einige Geheimnisse hinter den luxuriösen Mauern. 

Natürlich geht es auch in diesem Band nicht ohne Victor und dem Krimi würde einiges fehlen, wenn er und Inspector Randolph Warren keinen Auftritt hätten. Victor ist grummlig, und eifersüchtig auf Mabels neue Bekanntschaft. Randolph hingegen verhält sich wie ein umgekehrter Handschuh; erstaunlicherweise versteht er Mabel und hilft so gut er kann. Leider ist es nicht sein Revier, aber nur schon sein Verständnis rechnet man ihm hoch an. Mabel ist wie immer neugierig, aufgeschlossen und liebenswert. Ihre Ausbildung als Krankenschwester kommt ihr in diesem Band sehr zugute und hilft Mabel, den Fall zu lösen.

Von St. Ives bekommt man ausser der Aussicht von der Residenz nicht so viel mit, doch an Lokalkolorit wird trotzdem nicht gespart. Man merkt dieser Serie die Liebe der Autorin zu Cornwall und der britischen Lebensart einfach an. 

Fazit: Mabels letzter Fall: flüssig zu lesen, spannend und humorvoll wie immer und ein toll gelungener Abschluss dieser mir lieb gewordenen Serie. 

Leider war dies der letzte Teil der cornischen Miss Marple, äh, Mabel Clarence - doch auf Higher Barton findet sich eine neue Ermittlerin ein. Mehr dazu ein paar Zeilen weiter unten.

Reihenfolge der Mabel Clarence-Serie:

Band 1: Die Tote von Higher Barton
Band 2: Der Tod schreibt mit
Band 3: Schatten über Allerby
Band 4: Ein tödlicher Schatz
Band 5: Mord vor Drehschluss
Band 6: Gestorben wird früher
Herbstlicher Kurzkrimi: Der Kürbismörder (nur als eBook)
Ein Roman über Higher Bartons Schlossgeist: Das Flüstern der Wände

Hier findet ihr eine Vorstellung der Serie (Band 1 bis 4)

Wie es mit Higher Barton weitergeht, erzählt Rebecca Michéle euch gleich selbst: 

Mit dem Krimi „Gestorben wird früher“ geht eine Ära zu Ende, denn die resolute Mabel Clarence und der kauzige Tierart Victor Daniels ermitteln hier in ihrem (vorerst?) letztem Fall.
Was wäre Cornwall und Higher Barton jedoch ohne Verbrechen? Was macht der sympathische Ermittler Christopher Bourke ohne weitere Leichen? Und soll der smarte Anwalt Alan Trengove etwa nur noch über verstaubte Akten brüten?
Dies wollte ich meinem geliebten Personen und Orten nicht zumuten, und so gehen im Herbst 2017 die Verbrechen auf Higher Barton und in der Umgebung weiter. Higher Barton wird zu einem romantischen Landhotel, doch noch vor der offiziellen Eröffnung verschwindet der Direktor Harris Garvey spurlos – mit ihm eine große, im Safe gelagerte Menge Bargeld. Alles deutet darauf hin, dass er sich aus dem Staub gemacht hat. Dann jedoch wird er tot aufgefunden, und in dem Hotel gibt es mehrere Personen, die einen guten Grund haben, Garvey zu töten, der zur Erreichen seiner eigenen Ziele alles andere als zimperlich vorgegangen ist und viele Menschen vor dem Kopf gestoßen hat.
In den Fokus der Ermittlungen gerät Sandra Flemming, die nun neue Direktorin, darüber hinaus wegen einer vergangenen Angelegenheit ein starkes Motiv hat, Garvey von den Lebenden zu den Toten zu befördern …

Cornwall und blutrünstige Thriller – das passt für mich irgendwie nicht zusammen. Auch wenn die neue Reihe anders als die Abenteuer für Mabel und Victor werden wird: Der zauberhafte Flair Cornwalls mit der atemberaubenden Landschaft, herrschaftlichen Landhäusern, kleinen Cottages und zum Teil sehr skurrilen Menschen bleibt erhalten. Natürlich kommt auch der zum Teil doch sehr schwarze britische Humor nicht zu kurz.

Auch dieser Krimi ist unter dem Obergriff „Cosy Krimi“ einzuordnen und ich freue mich, wenn meine Leser der neuen Reihe die gleiche Treue halten, wie sie es bei Mabel getan haben.

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Ist die Liebe nicht schön? von Carmel Harrington

Klappentext:
Weihnachten war stets die schönste Zeit des Jahres für Belle. Die funkelnden Lichter Dublins, der knirschende Schnee unter den Schuhen, der Zauber, der in der Luft liegt. Doch dieses Jahr ist sie blind für all das, und ihre Welt ist grau, nachdem sie alles verloren hat, was sie liebt. Aber Weihnachten hat auch dieses Jahr nicht seinen Zauber verloren … und schickt Belle jemanden, der ihr vor Augen führen soll, wie schön das Leben ist.




Der Klappentext verrät nicht viel, dennoch machte mich der Text und vor allem das schöne Cover gwundrig auf diesen Weihnachtsroman. Ich erwartete in etwa eine Frau, die ihre Familie verlor oder ihren Partner, sowas in der Art. Doch was da auf den Leser zukommt, ist garantiert nicht das Erwartete!

Auf den ersten Seiten erleben wir ein fröhlich verliebtes Paar im verschneiten Dublin am Heiligen Abend 2005. Belle und Jim sind die zwei Glücklichen, und da ist noch die Rede von einer Tess, von der ich annahm, sie sei eine WG-Freundin.
Im nächsten Kapitel geht es zurück in Belles Kindheit. Sie wächst bei Pflegeeltern auf und wird einige Male weitergereicht bis sie kurz vor Weihnachten 1988 zu Jess kommt. Jess entpuppt sich als Pflegemutter, mit Vorliebe für Pralinés. Belles grösster Weihnachtswunsch, den sie sich kaum zu denken getraut, wäre eine Freundin. Ihr Wunsch geht auf überraschende Weise in Erfüllung.  

In vielen Weihnachtsromanen jetten die Protagonisten um die Welt, haben haufenweise Geld, mehr oder weniger einflussreiche Jobs (zumindest gut bezahlte) und leben im Luxus. Doch dieser hier kommt so still daher wie eine Schneeflocke, die vom Himmel fällt. Und so einzigartig jede Schneeflocke ist, so einzigartig ist dieser grossartige, stille und wunderschönste Weihnachtsroman aller Zeiten.

Der Roman ist in drei Teile gegliedert, in denen wir Leser Belles Leben viele Jahre lang begleiten. Die Themen "Pflegekinder" und "Weihnachten" wollen auf den ersten Blick nicht so richtig passen, doch leicht wie eine Schneeflocke lässt die Autorin beides perfekt zusammen fliessen. Sie zaubert damit eine emotionale, zuweilen ein wenig magische Geschichte, die von der ersten bis letzten Seite fesselt. 
Die liebenswerten Charaktere mit ihren speziellen Eigenheiten kann man nur mögen. Belle sieht in vielem das Gute und will immer nur das Beste. Doch dabei vergisst sie sich selbst. Jess ist unkompliziert und absolut keine Vorzeigemutter, doch sie hat das Herz am rechten Fleck und zeigt worauf es ankommt. (Nämlich nicht aufs Perfektsein.) Jim Looney verliert nie die Hoffnung und ist meist der geborene Optimist. 
Obwohl viele der im Buch vorkommenden Figuren einige Schicksalschläge hinnehmen mussten, veranschaulicht uns die Geschichte, dass das Leben trotzdem lebenswert ist und vieles was wir tun und uns unwichtig scheint, trotzdem grossen Einfluss haben kann. Passend zu Weihnachten erzählt Carmel Harrington charmant und feinfühlig von Hoffnung und Liebe.  

Fazit: "Every time a Bell rings" bzw. "Ist die Liebe nicht schön?" ist der allerschönste Weihnachtsroman, den ich je gelesen habe. Ungewöhnlich, aber wunderbar berührend. 
Wenn ihr nur einen Weihnachtsroman lesen wollt in diesem Jahr, dann unbedingt diesen!
5 Punkte.


Montag, 17. Oktober 2016

Krimi: Lass mich leben, Istanbul von Celil Oker (Remzi Ünal Band 5)

Klappentext:
Remzi Ünal, Istanbuls einsamer Privatdetektiv, nikotinsüchtig und Kaffeeliebhaber, hat schon bessere Zeiten gesehen. Da taucht im Café Kaktüs Dr. Kemal Arsan, der smarte Internist einer Privatklinik, auf. Er vermisst seit vier Tagen seine Freundin, eine Krankenschwester derselben Klinik. Remzi übernimmt und scheint in ein Wespennest zu stechen: Ein junger Arzt liegt tot in der Wohnung einer Pflegerin, ein Kleinkrimineller geht mit dem Skalpell auf Remzi los, eine ominöse Klinik behandelt mit zweifelhaften Methoden rätselhafte Fälle. Die Ermittlung läuft aus dem Ruder. Schöne, kluge Krankenschwestern, lügende Ärzte und eine verwirrte alte Frau halten Remzi im verkehrsverstopften Istanbul auf Trab. Wer gehört hier zu wem, und wer hat was zu verbergen? Remzi Ünal hat als Erster eine Ahnung.

Remzi Ünal hat sich rar gemacht in den letzten Jahren. Doch als ihn in seinem Stammcafé plötzlich jemand anspricht und als tüchtigsten Privatdetektiv Istanbuls bezeichnet, ist es schnell um ihn geschehen - ein bisschen Abwechslung und Kohle auf dem Konto, ja, das könnte ihm gut tun. Eine Frau ist schuld an seiner Misere und eine andere Frau soll er nun ausfindig machen. 
Mit einem hervorragendem Gedächtnis ausgestattet, gelingt es ihm schnell erste Erfolge zu verzeichnen. Remzi wäre aber nicht Remzi wenn er einfach nur seinen Auftrag erledigt. All die neuen Fragen und Spuren, die mit der Auffindung von Begüm aufgekommen sind, will er geklärt wissen und so gehts weiter bis er definitiv am Ziel ist. Nicht jedem passt dies, deshalb gerät Remzi in manch brenzlige Situation.

Die türkische Originalausgabe stammt von 2013, da war Istanbuls Welt noch einigermassen in Ordnung. Nach all den politischen Ereignissen in diesem Jahr tut es gut vom "alten" Istanbul zu lesen. Istanbul ist wenigstens bei Celil Oker immer noch dasselbe. Der Autor nimmt uns mit quer durch die Stadt, auch an Orte, die man lieber nicht sehen möchte. 
Und alles per Taxi. Ich glaube, ich kenne keinen anderen Detektiv der so oft Taxi fährt. Der Leser lernt somit viele unterschiedliche Taxifahrer kennen, die charakterlich überzeugen und prägnant dargestellt werden. Die Szenen erinnern mich an meine eigenen Erfahrungen mit Istanbuler Taxifahrer. Im vorliegenden Band freundet Remzi sich sogar mit einigen Taxifahrern an. Ich hoffe sehr, dass die bei allfälligen weiteren Büchern nochmals in Erscheinung treten. 
Remzi liebt Kaffee und Zigaretten und überzeugt durch eine einzigartige Ermittlerarbeit und grandioser Merkfähigkeit. So schreibt Remzi sich nichts auf, auch keine Telefonnummern und überrascht dadurch sein Umfeld wie auch die Leser. Er kann auch mindestens so gut lügen wie alle anderen, mit denen er zu tun hat. Ein toller Typ, der Remzi - harte Schale und weicher Kern. 

Wie schon in den vorherigen Büchern ist der Schreibstil dialogstark und oft herrlich ironisch. Die Ermittlungen scheinen kein Ende zu nehmen, was den Spannungsbogen weit über die Mitte hinaus hochhält, aber auf den letzten Seiten hatte ich langsam genug von all den Ablenkungen und Zwischenfällen und hätte mir gewünscht Remzi würde nicht so eine Show abziehen. Dabei macht er nicht mal viel, aber sein Auftreten allein genügt für einen Domino-Effekt. Aber alles in allem war es wieder ein packender Fall, so wie man es sich Remzi Ünal gewohnt ist. 

Fazit: Aferin Remzi, gut gemacht! 
4 Punkte.

Bisher erschienen:
Band 1: Schnee am Bosporus 
Band 2: Foul am Bosporus 
Band 3: Letzter Akt am Bosporus 
Band 4: Dunkle Geschäfte am Bosporus 
Band 5: Lass mich leben, Istanbul

Montagsfrage 17.10.2016


Welcher Einzelband steht bei dir aktuell als nächstes auf dem Leseplan?

Ui, Leseplan tönt für mich nach strukturierter Arbeit - was Lesen aber nicht ist. Ich habe zwar wie alle einen SuB (Stapel ungelesener Bücher), dazu eine Merkliste. Und je nach Lust und Laune wähle ich daraus aus, was ich als nächstes lesen werde. Meine aktuelle Lektüre ist ja auch an der Seitenliste mit dem Lovelybooks-Widget sichtbar. 
Aktuell sind es gerade zwei Einzelbände, mit denen ich literarisch nach England und nach Schweden reise: "Jane Austens Geheimnis" und "Pastorin Viveka und das tödliche Kaffekränzchen". Wobei ich mir vorstellen kann, dass bei zweitem eine Reihe daraus wird.

Klappentext:
Sophie Collingwood liebt Bücher, vor allem die von Jane Austen. Ihrer Leidenschaft kann sie auch beruflich nachgehen: als Angestellte in einem Londoner Antiquariat. Dort versucht sie für ihre Kunden noch die obskursten Werke aufzutreiben – wie beispielsweise „Ein kleines Buch allegorischer Geschichten". Für diese Sammlung erbaulicher Erzählungen aus dem Jahr 1796 gibt es gleich zwei Interessenten. Was Sophie nicht ahnt: Das schmale Bändchen birgt den Schlüssel zu einem Geheimnis um Jane Austens Meisterwerk “Stolz und Vorurteil”. Und plötzlich wird aus der Suche nach einem vergessenen Buch ein höchst gefährliches Abenteuer … Ein bezaubernder Roman um alte Bücher, junge Liebe und den Charme von Jane Austen! 

Klappentext:
Viveka ist Pastorin in einem beschaulichen schwedischen Vorort. Die alten Frauen ihrer Gemeinde treffen sich wöchentlich in ihrer Kirche zu Kaffee und Kuchen. Doch die Idylle trügt - die Damen lästern, was das Zeug hält. Viveka hat genug, sie will nicht mehr nett zu allen sein. Heimlich rebelliert sie und trägt unter ihrem Pastorinnengewand T-Shirts mit aufmüpfigen Aufschriften. Das Kaffeekränzchen wird allerdings jäh dezimiert: Eine der alten Damen wird vergiftet. Viveka steht plötzlich unter Mordverdacht. Denn ausgerechnet an diesem Tag hatte sie das Shirt »Beihilfe zum Selbstmord legalisieren!« an. Sie selbst hat ja eher ihre Kaffeekranzdamen in Verdacht. Man weiß schließlich nie, was in anderen Menschen vorgeht. Besonders nicht in alten Damen ...

Kennt ihr meine beiden Bücher? 

Und sonst so:
Die #FBM - Frankfurter Buchmesse - steht an! Falls es freies WLAN gibt in den Messehallen, stelle ich zwischen Donnerstag und Samstag ein paar Fotos auf meine Facebookseite. Ein ausführlicher Bericht zur Messe folgt nächste Woche auf meinem Blog. Wer von euch ist ebenfalls in den heiligen Bücherhallen anzutreffen? Ich bin mit einer roten Umhängetasche unterwegs, ihr dürft mich gerne ansprechen :-)
Eine gute Woche euch allen, egal ob mit oder ohne #FBM!

Freitag, 14. Oktober 2016

Krimi: Cherringham - Tiefer Grund von Matthew Costello und Neil Richards

Klappentext:
In der Nacht der Abschlussfeier an der Cherringham High School ertrinkt der junge Lehrer Josh Owen in der Themse. Und alles spricht für einen Unfall unter Drogeneinfluss! Die neue Schuldirektorin will der Sache auf den Grund gehen und bittet Sarah diskret um Hilfe. Nach vielen gemeinsamen Ermittlungen mit ihrem Freund Jack muss diese nun zum ersten Mal einen Fall auf eigene Faust lösen - nicht ahnend, dass sie einem dunklen Geheimnis auf der Spur ist, welches auch ihre eigene Familie in Gefahr bringt! Aber dann kehrt ihr alter Ermittlungspartner nach Cherringham zurück - doch unter gänzlich anderen Vorzeichen. Wird er Sarah auch diesmal wieder unterstützen?

Bisher gab es die "Cherringham - Landluft kann tödlich sein" nur als Kurzromane mit ca. 110 Seiten. Die Serie habe ich auf meinem Blog bereits vorgestellt. "Tiefer Grund" ist der der erste Cherringham-Krimi in Krimiromanlänge und weist 302 Seiten auf. 
Ich war gespannt, ob die beiden Autoren die Spannung ihrer bisherigen Fälle auch auf der dreifachen Seitenzahl als bisher üblich halten können. 

Sie können. Auch Sarah steht vor einer Herausforderung: sie soll zum ersten Mal alleine ermitteln, da Jack noch immer bei seiner Tochter in den USA weilt. Sein Hund Riley hingegen wohnt nun bei Sarah und ihren beiden Kindern; allerdings in einem grösseren, neuen Haus. 
Neu in Cherringham ist auch die Schuldirektorin Louise James, die kurz nach ihrem Amtsantritt einen ihrer Lehrer verliert. Josh, ein beliebter Lehrer, wird tot aufgefunden. Louise bittet Sarah um Hilfe. Durch ihre Neugier findet Sarah bald heraus, dass irgendwas rund um die Schule nicht koscher ist. Überraschend bekommt sie Hilfe...

Dass Sarah alleine ermitteln kann, streitet wohl kein Leser ab. Nur sie selbst getraut sich nicht so recht. Doch es macht ihr einfach zuviel Spass und legt deshalb los. Lange ist sie natürlich nicht allein, Jack kommt rechtzeitig zurück. Auch vielen anderen gut bekannten Bewohnern von Cherringham begegnen wir in diesem Krimi erneut: Sarahs Assistentin Grace oder Billie, der Wirt vom Pub und natürlich Alan Rivers, Cherringhams Polizeichef.
Das Lesen dieser Serie fühlt sich ein wenig an, als ob man eine Ferienwohnung in Cherringham hat und alle paar Wochen mal wieder dorthin reist und alten Bekannten begegnet; man tagsüber einen Tee im Huffington Tea Room trinkt und abends im Ploughman Pub einkehrt. Gut, man könnte nun sagen, Cherringham sei nicht der ideale Urlaubsort bei so vielen Morden in der Gegend. Doch die Taten haben immer Hand und Fuss, und als Urlauber muss man nicht viel Angst haben, ausser man hat selbst einige Leichen im Keller versteckt.

Der Plot ist im vorliegenden Band, wie auch in allen bisherigen Teilen, gut durchdacht. Obwohl man als Leser dem oder den möglichen Tätern bald auf die Spur kommt, bleiben bis fast zum Ende einige Zweifel und Ungewissheiten - wenn nicht zum Täter, dann sicherlich zum Mordmotiv. Die Reihe würde sich auch gut als TV-Serie machen; man merkt den Hintergrund der Autoren deutlich. 

Detailreich werden die Fakten zum Fall beschrieben und die Eigenheiten der Dorfbewohner sorgfältig charakterisiert. Besonders Sarah Zwiespalt, einerseits als Mutter von zwei Kindern die diese Schule besuchen und andererseits als von der Rektorin beauftragte Detektivin, fand ich sehr plausibel. Unser ungleiches, aber sehr sympathisches Ermittlerpaar Sarah und Jack ergänzen sich toll. Dass beide auch einzeln Recherchen nachgehen, macht die Lektüre kurzweilig. 

Fazit: Egal ob die Bücher in Kurzversion oder Romanlänge daherkommen, ich bin ein Fan dieser Serie und lese sie immer wieder gerne. 
4 Punkte. 

In den nächsten Tagen erscheint bereits wieder eine Kurzgeschichte: "Ungebetene Gäste" - ein Weihnachtsspecial. 

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Jules Welt - Das Glück der handgemachten Dinge von Marina Boos (Teil 1)

Klappentext:
Haben Sie’s schon mal getan? Etwas selbst gemacht? Dann wissen Sie ja, wie wunderbar sich das anfühlt. Jule kennt es gut, das Glück der handgemachten Dinge. Deshalb beginnt sie, kleine Anleitungen ins Fenster ihres Dorf Cafés zu hängen: Tipps, Rezepte, Ideen rund um Handarbeiten, Basteln, Kochen und den Garten. In kurzer Zeit entwickelt ihr Café sich zum beliebten Treffpunkt für alle, die ihrer kreativen Seite Raum geben möchten. Für Jule fangen die Probleme damit zwar erst an – für die Leserinnen gibt es dafür viele Momente zum Schmunzeln, ein eigenwilliges Huhn, Jules Tipps und Rezepte und natürlich ein Happy End mit allem Drum und Dran.

Auf dieses Buch bin ich in einer Buchhandlung aufmerksam geworden. Liebevoll mit vielen Details ist nicht nur das Cover gestaltet, auch das Layout-Innenleben kann sich sehen lassen. Das Herz auf dem Cover ist ausgeschnitten, so dass man den Titel auf der ersten Seite lesen kann. Sehr schön gemacht! Auch der Klappentext hat mich angesprochen, so dass ich das Buch bald danach auf Skoobe las. 

Journalistin Jolanda, von allen nur Jule genannt, möchte nicht mehr reisen, sondern in Deutschland Fuss fassen und hat bereits einen festen Job in der Tasche. Bis man ihr trotz Zusage absagt. Nach kurzem Zögern kauft sie sich im Dorf, in dem ihre Grossmutter früher lebte, das seit Monaten geschlossene Restaurant Linde und will es neu eröffnen. Sie renoviert zum grössten Teil alles selbst, obwohl sie weder ein Konzept noch einen Businessplan hat.
Damit in den Renovationsmonaten ein wenig Geld reinkommt, nimmt sie eine Stelle als freie Journalistin bei der Dorfzeitung an. Die Chefredakteurin Tess Thiel Teutenbacher (die Frau wie auch ihr Name sind einfach furchtbar) legt ihr Steine in den Weg. Keine Steine, aber Drohzettel schmeisst jemand Unbekanntes Jule in den Briefkasten. Willkommen scheint sie nicht zu sein, denn ein Teil der Dorfbevölkerung hat Angst, dass Jule einen Starbucks eröffnen könnte und demonstriert dagegen. 
Immerhin freundet sich Jule mit ihrer Nachbarin Milena und mit Gerta aus dem Handarbeitsverein an und bekommt von ihnen Unterstützung. Auch mit ihrem Cousin Ole hat sie nun wieder öfters Kontakt. 

Anstatt einem schönen Schmökerroman à la Maierhofen-Serie von Petra Durst-Benning liest man hier mehr eine Aufzählung aller möglichen Dinge, die man selbst herstellen kann. Alles eingewürgt in die Romanhandlung - sei es Seife, Badepraline, Duschpeeling oder Deko-Objekte. Das alles und viel mehr stellt Jule Abends einfach so nebenbei und schnell schnell her. Fingerknips und schon ist fertig gezaubert. Richtiggehend lieblos. Zwischen die Romanhandlung wird neben all den Anleitungen auch jeder Trend mit aufgenommen. Nichts wird ausgelassen, alles was In ist oder war, musste zwischen die Buchdeckel gepresst werden. Dabei bleibt die Wärme, das Liebevolle, das für mich zu so einem "Handgemacht"-Roman gehören, auf der Strecke. 

Die Protagonistin ist naiv und das ewige Betonen des "Businessplans" (den es nicht gibt) nervt. Jule selbst nervt sich zwar über die TTT und den Gegenwind aus dem Dorf, doch sich leichthändig dagegen wehren tut sie nicht. Nervig waren auch die mühsamen, zu Nichts führenden Diskussionen von Greta und Milena. Handlungen werden angerissen, aber nicht zu Ende geführt (die kleine versteckte Bäckerei zum Beispiel).
Auch eine Liebesgeschichte kommt vor. Aber auch die will nicht wirklich passen und wird ebenso wie alles andere noch kurz vor Schluss reingezwängt. 

Die Grundidee dieses Romans ist gut, aber es hapert an der Ausführung. Es scheint, als ob es der Autorin schwer gefallen ist, die Geschichte zu schreiben und alles zusammen zu bringen. Es wirkt zu bemüht. 

Für mich wirkt es, als ob die ganze Liebe zum Buch in die Covergestaltung  und Illustrationen gesteckt wurde und sich dann erschöpft hat. Die Geschichte als solches ist leider lieblos und aufgesetzt. Nur das Huhn war mir sympathisch. 

Wer Kreativ-Anregungen sucht, investiert sein Geld lieber in entsprechende Zeitschriften oder schaut im Netz nach. Die vorgestellten Selbstmachsachen und Rezepte findet man alle seit Jahren im Internet. Es gibt nichts Neues unter dem Himmel. 

Fazit: Optisch ist das Buch ein toller Hingucker, inhaltlich leider weniger. Eher eine Liste mit alten Ideen zum Selbermachen als ein Roman. 
2.5 Punkte. 

Montag, 10. Oktober 2016

Montagsfrage 10.10.2016


Warum bloggt ihr (über Bücher) und wie seid ihr dazu gekommen?

Da ich heute kaum Zeit habe (Tochter hatte am Morgen einen Kurs, eine Stunde Hinfahrt quer durch die Stadt mit dem ÖV, von einer Endhaltestelle zur anderen Endhaltestelle, 2 Stunden vertrödeln, mehr als eine Stunde Rückfahrt, weil noch schnell Zmittag einkaufen und dann zuhause blitzschnell ein Fondue zaubern, Besuch in Empfang nehmen und Geburtstagskind feiern.....) verweise ich auf mein Interview mit dem Dryas Verlag. (Der Rest der Woche geht ähnlich weiter, morgen kommt Besuch zum Znacht, Mittwoch gehts direkt vom Kurs ins Kino für "Findet Dorie", Freitag nur eine Stunde vertrödeln, dann zur Kursvernissage und anschliessend direkt zum Zoo samt Grossmutter das neue Aquarium gucken, Samstag kein Kurs, dafür fahren wir in mein Heimatdorf und absolvieren dort ein Besuchsprogramm... So schnell wird mir diese Woche nicht langweilig...)

Habt eine gute Woche!


Donnerstag, 6. Oktober 2016

Sonnensegeln von Marie Matisek

Klappentext:
»Private Pflegerin für schwerkranken Unternehmer nach Südfrankreich gesucht. Sprachkenntnisse von Vorteil, aber nicht Bedingung.« Als die Krankenschwester Marita diese Annonce in der Zeitung liest, ahnt sie noch nicht, dass sich ihr Leben von Grund auf ändern wird. Schon lange hadert sie mit sich und den eingefahrenen Gleisen ihrer Existenz. Doch erst ihre achtzehnjährige Tochter bewegt Marita dazu, auf die Anzeige zu antworten. So landet sie auf dem von Blütenduft und Sonnenglut durchtränkten Gut der Lafleurs in der Nähe der Parfümstadt Grasse. Hier blühen die Rosen und der Jasmin, die die Grundlage für wunderbare Düfte und den Reichtum der Lafleurs bilden. Der schwerkranke Unternehmer entpuppt sich als schwieriger Patient, und Lucien, sein Sohn, ist offenbar auch nicht viel besser. Marita könnte verzweifeln, wären da nicht die herzensgute Haushälterin Segolène und der charmante Filou François, der Marita die zauberhafte Côte d’Azur von ihrer schönsten Seite zeigt …

Mal weg von allem und für ein paar Monate woanders wohnen und arbeiten - Marita macht genau das, indem sie ihre Koffer packt und nach Grasse fährt. 

Dort soll sie Lucien Lafleurs Vater pflegen, der halbseitig gelähmt ist. Auf sie wartet ein grosses Anwesen, auf dem Rosen und Jasmin gezüchtet werden um Blütenessenzen herzustellen. Genau so empfindlich wie die Pflanzen ist ihr exzentrischer Patient Georges. Immerhin hält er an seinem Tagesablauf fest, so dass Marita über genügend freie Zeit verfügt. Sie freundet sich mit der Haushälterin Ségolène und deren Familie an und mit Monsieur Aristide Babajou, der ihr am ersten Tag in Nizza half den richtigen Weg zu finden. Plötzlich taucht Ségolènes Cousin François Rebus auf und macht Marita den Hof. Sie ist zwiegespalten, denn kurz vor ihrer Abreise lernte sie in Deutschland Knut kennen, mit dem sie oft telefoniert. Marita hat aber genug Ablenkung, denn für Lucien steht ein grosser Geschäftsabschluss bevor.

Kaum hatte ich die ersten Seiten gelesen, wollte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Der unaufgeregte und interessante Roman lässt einem gleich eintauchen in die französische Parfumstadt. 

Charaktermässig ist alles vertreten: ein zurückhaltender Chef, ein penibler Patient, liebevolles Hauspersonal, treue Freunde, exotische und listige Bekannte. Marita steht mittendrin. Obwohl sie sich nicht sicher ist, ob sie bleiben soll, bleibt sie ruhig und unaufgeregt und geniesst die verbleibende Zeit im Süden Frankreichs und packt mit an wo sie kann. 

Ein wenig übertrieben las sich das eine Treffen der Senioren, aber so konnte sich Marita immerhin ein bisschen aufhübschen. 

Einzig die Einschübe mit der Geschichte von Bo Rickleff, die um 1722 spielt, fand ich unnötig. Sie stören nicht, aber ich erwartete da mehr. Die Autorin erklärt zwar am Schluss, wieso sie diesen Schlenker einführte, doch wäre es auch ohne gegangen. Oder zumindest mit mehr Verknüpfung zur Hauptgeschichte, damit der Einbezug mehr Sinn macht. 

Marie Matisek hat ihren Roman wunderbar leicht und gefühlvoll geschrieben. Die Lektüre empfand ich fast wie ein Kurzurlaub, denn die Geschichte entspannt ungemein.

Fazit: Ein toller Wohlfühlroman mit sympathischen Charakteren in einer schönen Gegend. Macht enorm Spass zu lesen! 
4.5 Punkte.


Dienstag, 4. Oktober 2016

Krimi: Mord unter Brüdern von Jean G. Goodhind (Honey Driver 13)

Klappentext:
Hotelbesitzerin Honey Driver liest in der Zeitung, dass Casper St. John Gervais, Vorsitzender des Hotelverbands von Bath, tot aufgefunden wurde. Doch Casper lebt! Die Leiche ist sein Halbbruder. Casper bittet Honey zu ermitteln. Aber ihr Freund Chiefinspector Steve Doherty ist entschieden dagegen. Er hält die Sache, in die sich Honey da einlässt, für viel zu gefährlich, und den blonden Schönling, der neuerdings immer mal in ihrer Nähe auftaucht, mag er gar nicht...




Er ist so ganz anders als gewohnt, dieser 13. und anscheinend letzter Teil der Serie "Honey Driver ermittelt" von Jean G. Goodhind. Er spielt nicht in der Hotelerieszene wie bei bei den anderen Fällen, er hat nur mit Caspar etwas zu tun. Caspar soll tot sein, doch Honey trifft ihn quicklebendig in seinem Hotelbüro an. Kurz darauf heisst es, der Tote sei sein Bruder Tarquin. Lord Tarquin wohnte auf dem Familienanwesen inklusive Safaripark. Caspar schleust Honey dort ein, obwohl Steve Doherty sie warnt. Das Anwesen liegt nicht in seinem Zuständigkeitsbereich, doch er forscht trotzdem ein wenig nach. Auch Honey ermittelt auf ihre Weise und bald schon findet der Leser sich in einem ominösen Spionage-Krimi. 

Das will so gar nicht passen zu der bisher gemütlichen Cosy-Krimiserie. Auch Honey ist nicht die Alte. Schon auf den ersten Seiten macht Honey einen leichtsinnigen Eindruck, den sie später zwar ein bisschen ablegen kann, aber sie ist definitiv nicht in Hochform. 
Wie immer wird Honey, mehr oder weniger unfreiwillig, von Gloria und Mary Jane unterstützt. Gloria macht schnell einen Rückzieher und Mary Jane einen müden Eindruck, sie versteckt sich vor allem in der Bibliothek. Nur Honeys Tochter Lindsey ist wach und unterstützt ihre Mutter mit Internet-Recherchen. 

Statt ein fulminantes Serienfinale erlebt man müde Charaktere und einen Plot, der an den Haaren herbeigezogen ist. Denn auf einmal spielt Honeys Vater eine Rolle, der in den vorherigen zwölf Bänden kaum erwähnt wurde. Und, wie ich in Erinnerung habe, ein wenig anders, als hier beschrieben, doch ich habe das Buch nicht mehr hier und kann nicht nachlesen, ob mich meine Erinnerung trügt. 
Es scheint, als ob die Autorin keine Lust mehr hatte auf ihre Honey Driver-Serie und einfach noch lustlos ein Serienende hinzuschreiben in der Lage war. Schade um die bisher gut unterhaltende Serie, sie hätte ein besseres Finale verdient. 

Leider kein fulminantes Serienfinale, sondern ein "Gut, dass es der letzte Teil war". 

Fazit: Mit Abstand der schlechteste Band der beliebten Honey-Driver-Serie. Aber so fällt mir der Abschied wenigstens leicht. 
3 Punkte.

Montag, 3. Oktober 2016

Montagsfrage 03.10.2016



Bist du eher ein geduldiger Schnäppchen/Mängelexemplarjäger oder Neukäufer?

Seit ich nur noch eBooks lese bin ich vor allem ein Neukäufer - geht ja gar nicht anders - oder ich leihe mir das eBook in der Onleihe oder bei Skoobe aus. Früher, zu Print-Zeiten, wusste ich zwar auch schon meistens was ich lesen wollte, guckte aber immer gerne bei den Mängelbücher-Tischen. Oft fanden sich dort Bücher, die ich "schon immer mal gerne" lesen wollte.
Geduldig bin ich aber trotzdem, zumindest meistens. Es gibt Bücher, die "muss" ich gleich sofort haben und lesen, bei anderen kann ich gut warten und warte dann oft zuerst ab, ob es sie nicht bei Skoobe erscheint oder bei der Onleihe. Bei Bücher, die zuerst als Hardcover erscheinen (insbesondere jene vom Diogenes-Verlag, die gibt es leider bei beiden Ausleihorten nicht), warte ich zum Kauf bis das Taschenbuch erscheint, dann wird auch das eBook günstiger. Und wenn ich da ewig warten muss, dann warte ich halt ewig, oder lese sie unter Umständen gar nicht, denn Hardcover sind mir einfach zu teuer. 

Letzte Woche nutzte ich einen Online-Rabatt "meiner" Buchhandlung und habe mir eBooks von meiner Wunschliste gekauft - die 20% lohnten sich!

 Also bin ich beides, Neukäufer und Schnäppchenjäger :-) Und ihr?