Donnerstag, 14. Dezember 2017

Das Mädchen, das Weihnachten rettete von Matt Haig

Klappentext:
Die achtjährige Waise Amelia fristet ein kärgliches Dasein als Kaminkehrermädchen und hofft inständig auf Rettung durch den Weihnachtsmann. Der hat jedoch alle Hände voll zu tun: Aufruhr im Wichtelreich, Rentiere, die vom Himmel fallen, der Weihnachtszauber, der schwächer wird – wenn das so weitergeht, droht Weihnachten auszufallen. Aber Amelia ist kein gewöhnliches Mädchen: Nur mit ihrer Hilfe kann der Weihnachtszauber gerettet werden!






Weihnachten steht vor der Türe und der Weihnachtsmann freut sich, dass er die Geschenke, die die Wichtel liebevoll gefertigt haben, bald verteilen kann. Doch dann erlischen die Polarlichter im Hoffnungsbarometer und im Wichteldorf passiert Ungeahntes - Trollalarm! Zeitgleich hofft in London, anno 1840, Amelia auf den erneuten Besuch des Weihnachtsmann. Doch auch ihre Hoffnung erlischt, denn Mister Creeper will sie in sein Arbeitshaus mitnehmen. Kann der Weihnachtsmann Weihnachten und Amelia retten?

In dieser Geschichte begegnen wir Queen Victoria und Charles Dickens und ich habe sehr bedauert, dass die beiden nur kurze Auftritte hatten. Dafür hat Chris Mould die Begegnungen mit diesen Berühmtheiten - und natürlich auch alle anderen Zeichnungen - wundervoll illustriert. Er gibt den Trollen und Wichteln ein Gesicht, vertieft die eh schon tollen Beschreibungen des Autors. 

Es ist eine liebevolle Geschichte voller Zauber, Hoffnung, Humor und Wärme. Matt Haig vermittelt zwei bedeutsame Botschaften "Nichts ist unmöglich" und "Ohne Hoffnung keine Wunder", die nicht nur für Kinder wichtig sind. 

Die diversen Figuren wie die Wahrheitselfe Pixie, die Wichtelfrau Nusch oder die Trolle - "Nachdenken macht Kopfweh" - sind wahnsinnig schön charakterisiert. Ja, gerne möchte man sich in Wichtelgrund umsehen, und sei es nur weil man da mit Schokoladentaler bezahlen kann. Aber auch die Szenen in London können sich sehen lassen und Amelia ist ein sehr starker Charakter, die immer zu ihrer Grundüberzeugung steht. Mein Lieblingscharakter war aber Mary, die mit einer kleinen Geste unbemerkt vielen Mitmenschen ihr hartes Leben ein wenig versüsste.

Auch ohne den ersten Band zu kennen, kann dieses Buch gelesen werden. "Ein Junge namens Weihnachten" lohnt sich aber trotzdem zu verschlingen, um die gesamte spannende und genauso einfühlsame Vorgeschichte zu kennen. Ich bin versucht, den dritten Teil jetzt schon auf Englisch zu lesen - die beiden Bücher sind so schön und wunderbar geschrieben, dass ich nicht auf die Fortsetzung warten mag.

"Das Mädchen, das Weihnachten rettete" ist ein Buch für Kinder und Erwachsene, zum Vorlesen, selber lesen und Verschenken. Auch wenn in der eigenen Stube der Weihnachtsmann unbekannt ist, weil wie bei uns in der Schweiz an Heiligabend das Christkind die Geschenke bringt, sind die drei Weihnachtsbücher von Matt Haig ein Muss, den sie bringen uns die Mär rund um den Weihnachtsmann und seinen Helfer auf eine ganz liebevoll humorige Art näher.

Fazit: Eine zauberhafte Fortsetzung von "Ein Junge namens Weihnachten"! Wer auf Weihnachtsmärchen steht, darf sich diese Bücher nicht entgehen lassen. 
5 Punkte.


Reihenfolge:
Band 1: Ein Junge namens Weihnachten
Band 2: Das Mädchen, das Weihnachten rettete
Band 3: Father Christmas and me (erscheint wahrscheinlich im Herbst 2018 auf Deutsch)

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Herr Mozart feiert Weihnachten von Eva Baronsky

Klappentext:
Am Vorabend noch hatte er auf dem Sterbebett gelegen. Dann erwachte Wolfgang an einem unbekannten Ort und – wie langsam klar wird – in einer fremden Zeit. Nachdem er als sonderbarer Kauz und lebender Anachronismus schon fast drei Wochen im modernen Wien des Jahres 2006 verbracht hat, steht Weihnachten vor der Tür. 
Obwohl ihn der allgegenwärtige Lärm, merkwürdige Bräuche und die bunt verpackten Geschenkpaketen überall verwirren, macht er sich am Heiligen Abend - von Melancholie, Neugier und Hunger getrieben - auf den Weg. Mit der Geige seines Freundes Piotr hofft er sich ein paar Cent zu erspielen, die er in einer warmen Gaststube verzechen will. Vor St. Stephan beobachtet ihn ein kleines Mädchen, das auf der Suche nach dem Weihnachtsmann ist. Sollte ausgerechnet dieser wunderliche Musikant erklären können, wofür Weihnachten gut ist?

Nachdem ich viel Gutes vom ersten Band "Herr Mozart wacht auf" gehört habe, wollte ich "Herr Mozart feiert Weihnachten" gerne lesen. Zuvor wollte ich mich aber auch vom ersten Band überzeugen, da ich nicht wusste, ob es sich um ein Folgeband handelt oder ob man das Weihnachtsbuch auch als Einzelband lesen kann. 

Die Idee, dass Mozart sozusagen ein Zwischenjahr zwischen Erde und Himmel einlegt und dieses im Jahr 2006 in Wien verbringt, fand ich zuerst ganz witzig. Der Anfang des ersten Buches las sich auch gut und schnell weg, doch dann zog sich alles in die Länge und vieles fand ich bald nicht mehr lustig - alles zu gewollt witzig oder satirisch dargestellt. Schön fand ich, dass Mozart in Musiker Piotr ein Freund fand; die Szenen mit Anju dagegen hätten nicht sein müssen. Der Funke sprang nicht über und ich las nur noch weiter, weil ich ja den Weihnachtsband als Rezensionsexemplar schon bei mir hatte und deshalb wissen wollte, wie der erste Band zu Ende geht.

"Herr Mozart feiert Weihnachten" spielt genau zur gleichen Zeit wie im "Aufwachbuch" - dort wurden die Weihnachtstage grossumflächig umfahren bzw. ausgelassen. Was Mozart erlebte, in den Tagen als Piotr bei seiner Familie war, ist hier nachzulesen.

Es ist Heiligabend und unserem  Wolfang Amadé Mozart langweilig. Er nimmt Pjotrs Geige und begibt zum Stephansdom, vor dem er zu musizieren beginnt.  Gebannt schaut ihm ein kleines Mädchens zu. Karoline ist auf der Suche nach dem Weihnachtsmann und glaubt ihn in Mozart gefunden zu haben. Mozart hingegen hält Karoline für Gott in anderer Gestalt und geht mit ihr mit.

Sie landen bei Karolines Patchwork-Familie, in der zu geht wie in wohl vielen Familien: Jemand versucht dem anderen etwas zuliebe zu tun, was derjenige nicht zu schätzen weiss und schon steht der erste Weihnachtskrach ins Haus. Die Jungmannschaft ist nicht zufrieden mit dem Essen oder den Geschenken, und dann ist ja oft noch einer der zu viel trinkt oder sonst nicht in die Runde passt. All diese verschiedenen Charakter sind hier versammelt, darunter der vermeintliche Weihnachtsmann Wolfgang, oder wie von Vater Thomas vermuteter Penner, der Karoline irgendwo aufgelesen hat. In der Folge wird es sehr turbulent mit all den Dramen, die sich an Weihnachten so abspielen. 

Mir hat der Weihnachtsband bedeutend besser gefallen als "Herr Mozart wacht auf", was sicherlich auch an der geringen Seitenzahl liegt. Mit 140 Seiten, mehr als die Hälfte verkürzt, ist es genau die richtige Dosis des Zeitreisenden Mozart. Seit drei Wochen schon in der modernen Welt, hat er bereits ein wenig Ahnung über das Leben in der Neuzeit und muss sich nicht als Musiker beweisen. Humor fehlt auch in diesem Band nicht; zwar immer noch überspitzt, aber gut auszuhalten. Alles ist - trotz Familienkrach - viel entspannter.

Ein drittes Buch über ihn bräuchte ich nicht lesen, und jedem der sich für die zwei Bücher interessiert, empfehle ich klar den "Weihnachts-Mozart" hier zu lesen. Wahrscheinlich freuen sich auch klassische Musik-Fans, wenn sie es geschenkt bekommen.

Fazit: Eine witzige Geschichte über einen speziellen Heiligabend für Mozart und die kleine Karoline.
4 Punkte.


Dienstag, 12. Dezember 2017

Weihnachten mit dir von Debbie Johnson (The Comfort Café)

Klappentext:
Becca Fletcher hat Weihnachten schon immer gehasst und sie hat gute Gründe dafür. Trotzdem hat sie es nicht geschafft, ihrer persönlichen Weihnachts-Hölle zu entkommen und ist auf dem Weg zum Comfort Food Café, um dort die Feiertage mit ihrer Schwester Laura und deren Familie zu verbringen. Beccas ahnt nicht, dass Weihnachtswunder tatsächlich geschehen – wenn sie es nur zulassen kann.







Der Folgeband von "Frühstück mit dir" beginnt ebenfalls mit einer Autofahrt. Diesmal sitzt Lauras Schwester Becca am Steuer. Am liebsten würde sie wieder umkehren, sie hasst Weihnachten und freut sich überhaupt nicht auf die kommenden Wochen. Andererseits freut sie sich ihre Schwester Laura und ihre Nichte und ihren Neffen wieder zu sehen. Wäre da bloss nicht Weihnachten!

Während Becca in Band 1 nur in Telefongesprächen hörbar war, nimmt sie hier den gesamten Raum ein und die Geschichte wird komplett aus ihrer Sicht geschildert. Es kommen kaum Dialoge vor und die Bezeichnung "Erzählung" wird dem Roman im wahrsten Sinne des Wortes gerecht. 

Ich möchte Beccas Humor und ihre selbstironische Art sehr gerne. Beim Lesen merkt man schnell, dass Beccas Abneigung gegen Weihnachten einen tieferen Grund haben muss. Dies erklärt, wieso Becca so ist wie sie ist: nicht einfach, manchmal sehr miesepetrig und mürrisch. Sie kann nicht aus sich heraus, weil das Geschehene die Oberhand hat. Erst hier in Dorset findet sie den Mut darüber zu reden. 
Dazu braucht es die besondere Atmosphäre wie sie im Comfort Food Café schon viele Leute begeistert hat. Becca ist in den allerbesten Händen und wird akzeptiert wie sie ist. Man gesteht ihr ihren Wunsch nach Alleinsein zu und lässt Becca wissen, dass sie jederzeit bei allen vorbei kommen darf.

Alle - das sind sämtliche Bekannte aus "Frühstück mit dir". Am wichtigsten sind in diesem Band die alte Edie, was mich sehr gefreut hat, und Surfer Sam. Wie gut, dass er mit vielen Schwestern aufgewachsen ist und sich über die unterschiedlichen Launen der Frauen nicht wundert. 

Die unkonventionellen Charaktere, die allesamt nicht perfekt sind, aber einander Luft zum Leben geben, überzeugen auch in diesem Roman. 

Ich wurde bestens unterhalten und kann das Buch allen empfehlen, die sich wie Becca nicht viel aus Weihnachten machen. Allen anderen wird das Buch wahrscheinlich eh gefallen!

Fazit: Das Comfort Food Café sorgt für ein Happyend - die passende Lektüre für den Dezember. 
5 Punkte. 

Reihenfolge:
Band 1: Frühstück mit dir
Band 2: Weihnachten mit dir

PS: Auch "Weihnachtspunsch und Rentierpulli" von Debbie Johnson liest sich gut weg! 

Montag, 11. Dezember 2017

Montagsfrage 11.12.2017


Falls du dir ein Jahresziel gesetzt hast, wie viele Bücher davon hast du bereits geschafft?

Dank dem Bücherregal bei Wasliestdu weiss ich genau, wieviele Bücher ich pro Monat oder pro Jahr lese. Dort setze ich als Jahresziel jeweils 120 Bücher ein, also 10 pro Monat. Das mache ich aber nicht um dieses Ziel zu erreichen, sondern schlicht nur deshalb, weil es mir dann die effektiv gelesene Anzahl Bücher anzeigt und ich so nicht nachrechnen muss, falls mal jemand nachfragen sollte, wie heute bei dieser Frage. Ich brauch die Listen dort als Überblick für alle Bücher, die ich seit Blogstart gelesen habe und finde die Bücherregale dort sehr praktisch. So kann ich nachschauen, wenn ich zum Beispiel für eine Verlinkung eins meiner gelesenen Bücher suche. 

Schlussendlich ist es mir egal, wieviele Bücher ich gelesen habe. Ich gehöre schon seit Kindesbeinen an zu den Viellesern. Einfach deshalb weil ich gern lese und beim Lesen nicht mit Wettbewerben konfrontiert bin. Respektive war. In meiner Kindheit war das zwar noch nicht so, aber wenn ich sehe, wie heute schon in der Schule alles gemessen wird - sogar das Lesen. Das Leseprogramm Antolin soll zwar das Lesen fördern, aber auch dies verkommt teilweise zu einem Leistungsvergleich. Schade drum.

Muss man sich immer ein Ziel setzen? Darf man nicht einfach etwas machen, weil man es gerne tut (egal ob man es auch gut kann oder nicht, egal ob es Sport, Bügeln, Stricken oder was ganz anderes ist - es gibt zu viele Leute, die "etwas nicht gerne machen" mit "etwas nicht können" gleichsetzen oder eben umgekehrt), ohne ständig zu vergleichen?

Ich bin mir sicher, heute wird man bei vielen etwas in der Art von "nur xx Bücher, aber...". Lasst doch das "nur" und das "aber" - es braucht keine Rechtfertigung über die Anzahl gelesener Bücher oder Seiten.

Lasst uns stattdessen über Bücher, Autoren und Verlage reden. Welches Buch ihr dieses Jahr noch unbedingt lesen wollt, oder auf welches ihr euch im nächsten Jahr freut. Welchen Autor entdecken oder welches Verlagsprogramm ihr euch näher ansehen möchtet. 
Ich zum Beispiel möchte im Dezember mit dem ersten Inspector Rebus-Fall (von Ian Rankin) beginnen - nach all den Weihnachtsromanen bin ich auf jeden Fall parat für einen guten Krimi. Wie sieht es bei euch aus?


Habt eine gute Woche!
PS: Um die Frage noch konkret zu beantworten: 147 Bücher habe ich 2017 bisher gelesen. 

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Die Perlenschwester von Lucinda Riley (7-Schwestern-Serie 4)

Klappentext:
Wie auch ihre Schwestern ist CeCe d'Aplièse ein Adoptivkind, und ihre Herkunft ist ihr unbekannt. Als ihr Vater stirbt, hinterlässt er einen Hinweis – sie soll in Australien die Spur einer gewissen Kitty Mercer ausfindig machen. Ihre Reise führt sie zunächst nach Thailand, wo sie die Bekanntschaft eines geheimnisvollen Mannes macht. Durch ihn fällt CeCe eine Biographie von Kitty Mercer in die Hände – eine Schottin, die vor über hundert Jahren nach Australien kam und den Perlenhandel zu ungeahnter Blüte brachte. CeCe fliegt nach Down Under, um den verschlungenen Pfaden von Kittys Schicksal zu folgen. Und taucht dabei ein in die magische Kunst der Aborigines, die ihr den Weg weist ins Herz ihrer eigenen Geschichte ...


Seit Barbara Woods "Traumzeit" bin ich fasziniert von den Geschichten der Aborigines, den Ureinwohnern Australiens. Deshalb freute ich mich als ich hörte, dass CeCes Reise uns nach Australien führt. 

Da Star sich mit Maus ein neues Leben aufbaut, fühlt sich CeCe allein gelassen. Sie hatte schon jeher Angst vor Spinnen und der Dunkelheit und deshalb oft Alpträume. Star wusste als Einzige davon. Die zwei waren fast wie Zwillinge, es gab sie nur im Doppelpack oder gar nicht. Mit dieser neuen Lebenssituation umzugehen ist schwierig für CeCe. Kurzerhand schmeisst sie ihr Kunststudium hin und entscheidet sich, nach Thailand zu reisen und sich während den Feiertagen dort zu erholen, bevor sie sich auf nach Australien macht, wo laut den Unterlagen von Pa Salt ihre Herkunft zu suchen ist. 
Am Strand von Krabi lernt sie Einzelgänger Ace kennen. CeCe fühlt sich wohl, wenn sie Zeit zusammen verbringen. Doch nur zu bald ist Januar und ihr Flug nach Australien rückt näher. Kaum auf dem fünften Kontinent angekommen macht sie sich mit Hilfe von der Flughafenangestellten Chrissie auf die Spuren von Kitty Mercer.

Kitty McBride ist in England aufgewachsen und begleitet eine Frau ihrer Gemeinde nach Australien zu deren Verwandten. Hier lernt sie die Zwillingsbrüder Drummond und Andrew kennen. Der eine ein Viehzüchter in der Nähe von Darwin der andere arbeitet im aufkommenden Perlengeschäft in Broome und beide buhlen um Kittys Liebe. 

Kittys Lebenslauf ist ungemein fesselnd geschildert. Wir Leser bekommen Einblicke in die Perlenfischerei, erfahren wie die Kolonialisten lebten und wie sie mit den Aborigines umgingen. Interessant fand ich, dass die Sieben-Schwester-Mythologie auch bei den Aborigines vorkommt und wir Leser schon mal mutmassen können, wie Merope, die vergessene Schwester, auftauchen könnte. 

Nicht nur die Geschichte im Outback im Pionierzeitalter war spannend zu lesen, auch CeCes Wandlung. Sie, die sich immer weniger schön und weniger gescheit als ihre Schwestern fühlte, aber nicht aufs Maul gefallen ist, wird bei der Suche nach ihren Wurzeln plötzlich ruhiger und überlegter. Von all den drei bisher erzählten Geschichten der Schwestern empfinde ich, dass es CeCe physisch am besten damit geht, als sie am Schluss endlich alles über ihre Herkunft erfahren hat. Mehr als die anderen weiss sie nun, weshalb sie so ist wie sie ist und findet endlich ihr Stück Heimat, wie es ihr Leitspruch verheisst: "Durch Gottes Gnade bin ich, wer ich bin".

Das einzige Manko bei CeCes Geschichte ist ähnlich gelagert wie schon bei Maia - über eine zentrale Figur erfährt man leider viel zu wenig. Nichtsdestotrotz erzählt die Autorin Celeanos Geschichte faszinierend und erlebnisreich. Nicht alles ist bis zum Ende beantwortet; ich bin gespannt, wie es mit CeCe und ihren Lieben weitergeht. 

Fazit: Stimmungsvolle Orte auf der südlichen Hemisphäre und intensive Handlungsstränge um eine bewegende Familiengeschichte sorgen für einen ausserordentlichen Lesegenuss. 
5 Punkte.

Reihenfolge:
Vorstellung/Überblick über die Sieben-Schwestern-Serie
Band 1: Die Sieben Schwestern
Band 2: Die Sturmschwester
Band 3: Die Schattenschwester
Band 4: Die Perlenschwester
Band 5: Die Mondschwester (Tiggy) erscheint voraussichtlich im Herbst 2018
Band 6: (Elektra) erscheint voraussichtlich im Herbst 2019
Band 7: (Merope) erscheint voraussichtlich im Herbst 2020

Montag, 4. Dezember 2017

Montagsfrage 04.12.2017


Hast du eine Lieblingsbuchhandlung? Was gefällt dir daran besonders gut?

Gerne würde ich mit "ja, eine kleine, gemütliche Dorf- oder Quartierbuchhandlung, in der man die Kunden mit Namen begrüsst" antworten. 

Doch in unserem Quartier gibt es im Gegensatz zu anderen Stadtkreisen keine Buchhandlung und deshalb muss ich in die Innenstadt fahren. Dort aber steht die grosse Traditionsbuchhandlung Orell Füssli. Auf drei Etagen findet sich alles, was das Leserherz sich wünscht und wenn nicht, wird es bestellt. Ich stöbere gerne dort und kaufe Bücher für meine Tochter oder Bücher zum Verschenken. Ausserdem haben sie ein Café - wenn meine Tochter zu lange in der Kinderbuchabteilung verweilt kann ich mich ins Café setzen und lesen! Seit einigen Jahren haben sie nun auch einen Onlineshop, bei dem man sich die Bestellungen wahlweise direkt nach Hause oder in eine Filiale liefern lassen kann. Ihre eBook-Auswahl kann sich mittlerweile sehen lassen und seit kurzem bevorzuge ich books.ch sogar öfters gegenüber Amazon. 

Das grosse A habe ich kurz nach dem Millenium entdeckt. Gerade hatte ich mein Studium abgeschlossen, musste Studiendarlehen zurück zahlen und hatte (mit über 30) meine erste Kreditkarte im Portemonnaie. Die Bücherpreise bei Amazon - und ganz allgemein in Deutschland - lagen viel tiefer als bei uns in der Schweiz und ich sah nicht ein, wieso ich für dasselbe so viel mehr zahlen soll. Die Lieferung war erst noch gratis und schneller als wenn ich im Inland bestellt hätte. 
So war es für mich auch keine Frage, dass ich mein erster (und auch der zweite) eReader ein Kindle war. Obwohl ich die damals noch aus der USA bestellen bzw. mitbringen lassen musste, da Amazon Deutschland keine eReader in die Schweiz schickte. Mittlerweile hat sich das glaub geändert und ich bekomm Kindles auch in Elektronikfachgeschäften in der Schweiz. 

Da ich fast ausschliesslich eBooks lese, stöbere ich sehr gerne in den Bücheronlineshops und vermisse deswegen "kleine, gemütliche Dorfbuchhandlungen" nicht stark. Manchmal jedoch überkommt mich eine Wehmut, wenn ich an die beiden Buchhandlungen denke, in denen ich meine Ausbildung gemacht und gearbeitet habe. Beide waren grosse, zweistöckige Buchläden mit je einer Kunst- und Musikabteilung. Ich gehörte zum letzten Ausbildungslehrgang, Mitte/Ende der 90er wurde erst die Kunstabteilung aufgelöst und danach die Filialen immer mehr verkleinert. Meine Heimatfiliale gibt es so nicht mehr, das ganze Center wurde umgebaut und der Buchladen befindet sich nun im Obergeschoss, fast ein wenig abseits und hat knapp noch die Grösse meines Wohnzimmers und hat kein bisschen Charme mehr. Dasselbe in der Filiale im Baselbiet; ich war diesen Sommer zufällig dort und wollte meiner Tochter zeigen, wo ich mal gearbeitet hatte. Ich erkannte den Laden kaum mehr. Auf ein Viertel der Fläche von früher geschrumpft und alles zusammengemostet, erkennt man das Geschäft von 1993 nicht mehr. Es mutet eher an wie ein Bücher-Fastfood-Shop.

Wenn sich Buchläden so präsentieren und das Personal nicht mehr mit Leidenschaft und Interesse für die Produkte arbeitet, wundere ich mich nicht, wenn von den Kunden Onlineshops bevorzugt werden. Geniesst es also, wenn ihr in der Nähe einer freundlichen, persönlichen Buchhandlung zuhause seid! 

Wie zum Beispiel die Buchhandlung Sax in Frauenfeld - würde ich dort wohnen, wäre ich gerne Stammgast. Mit anderen Buchbloggerinnen verbrachte ich im Mai einen Abend in der geschlossenen Buchhandlung. Wenn ihr hier klickt, kommt ihr zum Bericht über diesen tollen Abend. 

Habt ihr eine kleine gemütliche oder grosse Lieblingsbuchhandlung oder seid ihr wie ich auch mehr der Online-Buchshop-Käufer?

Freitag, 1. Dezember 2017

Ein Winter voller Wunder von Amanda Prowse

Klappentext:
Als ihr Mann stirbt, ist Bea nach dreißig Jahren Ehe wieder allein. Für immer, so denkt sie. Ihren Schmerz bekämpft sie, indem sie sich in die Arbeit stürzt, und bald ist ihr Café bekannt für den besten Karottenkuchen von Sydney. Aber dann, kurz vor Weihnachten, lockt eine Brieffreundschaft Bea nach Schottland. Der glitzernde Lichterzauber und die tanzenden Schneeflocken führen sie unvermittelt zurück in die Vergangenheit und zu einer heimlichen Liebe – die sie vor langer Zeit zu vergessen versuchte.





Weihnachten im Sommer, bei 30° und mehr? Für uns Europäer kaum vorstellbar. Für Australier der Normfall. Beides nun vereint in einem Weihnachtsroman fand ich sehr reizvoll. Ich war gespannt, wie der Gegensatz der beiden Kontinente - einerseits Weihnachten im Sommer in Sidney und andererseits ein kalter Winter in Schottland - miteinander kombiniert wird und war gespannt auf die Lektüre. Ich nehme es voraus: ich wurde nicht enttäuscht.

Die Geschichte beginnt in Sidney mit einem Rückblick auf den Tod von Bea Greenstocks Mann. Später finden wir uns in ihrer Wohnung oberhalb des "Reservoir Street Kitchen"-Cafés wieder.  
Eines Tages, als Beas Enkelin Flora bei ihr zu Besuch ist, bekommt Bea einen Brief von Alex McKay vom Christmas Café in Edinburgh. Es entwickelt sich ein Mailaustausch zwischen Bea und Alex. Sie merken, dass sie einiges gemeinsam haben, auch Alex trauert wie Bea um einen Partner. 
Bea hofft, die Festtage bei ihrem Sohn und seiner Familie verbringen zu können, um nicht allein zu sein. Doch Wyatt und seine Frau haben andere Pläne für ihre Sommerferien (die in Australien Mitte Dezember beginnen); sie wollen nach Bali. Tochter Flora will wegen einem Streit nicht mit und viel lieber bei Bea bleiben. Kurzentschlossen machen die zwei sich zusammen auf nach Edinburgh. Während Flora sich auf einen Tapetenwechsel und den Winter in Schottland freut, bedeutet die Reise für Bea soviel mehr. Denn schnell wird klar, dass Bea vor Peter jemand anderen geliebt hat. 

Von der ersten Seite an hat mich der Roman gepackt. Die Lebensgeschichte von Bea wird in der Gegenwart aufbereitet und kommt ohne übertriebenes Drama aus. Sie selbst ist auch nicht nachtragend, sondern dankbar für ihr Leben und wünscht sich, jetzt nach Peters Tod, einmal noch ihre Jugendliebe zu sehen. 

Auch bei den anderen Figuren im Buch dreht sich letztlich alles um Liebe und Familie: Beas Schwiegertochter Sarah fühlt sich von Bea nicht angenommen. ihre dreizehnjährige Tochter Flora hat versteckten Liebeskummer und Beas Angestellte Kim ist heimlich verliebt in Koch Tait - kaum ist er in der Nähe, gelingt ihr nichts mehr. Stammgast Mister Giraldi vermisst seine Familie, insbesondere seine verstorbene Frau. Und obwohl alle Charaktere ihre Ecken und Kanten haben oder Verluste erlitten haben, überwiegt bei allen der Optimismus. Niemand hadert mit seinem Leben, was ich extrem schön fand. 

Somit ist "Ein Winter voller Wunder" eine liebens- und lesenswerte Geschichte, die durch eine positive Grundeinstellung und mit einigen überraschenden Wendungen und eindrücklichen Szenen überzeugt. Wie zum Beispiel die wunderbare Beschreibung, als Flora zum ersten Mal in ihrem Leben Schneeflocken vom Himmel fallen sieht.

Meine einzige Kritik betrifft die Darstellung von Bea. Beim Lesen meint man, sie wäre weit über 70 Jahre alt, auch weil sie sich oft selbst als alt betitelt. Dabei ist sie erst 53 Jahre jung und somit noch lange nicht zu alt für Technik, Computer, Facebook, Sex oder eine neue Beziehung. Ich brachte mein anfängliches Bild von Bea als rüstige Seniorin während dem ganzen Buch fast nicht aus dem Kopf und musste mir immer wieder sagen, dass Bea nur eine Handvoll Jahre älter ist als ich und keine alte silberhaarige Dame, die am Stock geht. Wegen dieser Altersverwirrung, ansonsten aber sehr bemerkenswerten Geschichte, gebe ich einen halben Punkt Abzug.

Fazit: Wenn ein Brief dein Leben verändert - ein fabelhafter, herzerwärmender Pageturner, der immer wieder für Überraschungen sorgt.
4.5 Punkte.