Donnerstag, 25. Mai 2017

Der kleine Laden der einsamen Herzen von Annie Darling

Klappentext:
Posy Morland hatte es immer schwer im Leben. Als sie einen kleinen, heruntergekommenen Buchladen in Bloomsbury erbt, scheint sich ihr Glück endlich zu wenden. Sie plant, den Laden neu zu eröffnen und dort nur Liebesromane mit Happy Ends zu verkaufen. Denn traurige Geschichten gibt es im wahren Leben ja genug. Doch Sebastian, der Enkel der verstorbenen Besitzerin, hat andere Pläne für den Laden und legt Posy Steine in den Weg, wo er nur kann. Dummerweise ist Sebastian auch schrecklich attraktiv – und der unverschämteste Kerl in ganz London. Findet zumindest Posy. Und rächt sich auf ihre Weise: Sie schreibt selbst einen Roman namens Der Wüstling, der mein Herz stahl – mit Sebastian als Held zum Verlieben ...

Ich mag Bücher, deren Schauplatz Buchhandlungen sind. Nicht erst seit Katarina Bivalds "Ein Buchladen zum Verlieben". Seither erhoffe ich mir bei jedem neuen Buchladen-Roman ein ähnlich tolles Leseerlebnis. 

Begonnen hat "Der kleine Laden der einsamen Herzen" schon mal gut. Trotz dem Einstieg mitten in der Trauerfeier der Buchladenbesitzerin Lavinia. Als Leser wünscht man sich Lavinia kennen zu lernen - es muss eine tolle Frau gewesen sein! Obwohl Posy nicht verwandt ist mit ihr, erbt sie den Buchladen Bookends. Sebastian, Lavinias Enkel, erbt das Grundstück; und sollte der Buchladen in den nächsten zwei Jahren kein Gewinn abwerfen, geht er ebenso an ihn. Jetzt liegt es an Posy, den Buchladen auf Vordermann zu bringen. Ihre Idee, daraus einen auf Liebesromane spezialisierte Buchhandlung zu machen, stösst besonders bei Sebastian auf taube Ohren. Er hätte lieber eine Krimibuchhandlung und mischt sich fortan kräftig ein.

Sebastian ist ein schwieriger Charakter. Er ist verwöhnt, egoistisch und dennoch merkt man, dass dies alles nur Schutzschilde sind und ihm viel an Posy liegt. 
Posy hingegen ist eher scheu. Es heisst, sie war mal anders, doch dann starben ihre Eltern und sie wurde zur Ersatzmutter für ihren kleineren Bruder Sam. Posy war und ist dankbar für alles was Lavinia für sie getan hat und wohl deshalb gibt sie bei Sebastian klein bei. Sie lässt sich alles gefallen, getraut sich nicht zu wehren oder mal auf den Tisch zu klopfen; ausserdem verteidigt und entschuldigt sie sich immer und überall. Ihr Verteidigungsmechanismus greift auch bei den Angestellten. Posys Charakter nervte mich zusehends. Sie wirkte extrem naiv und passiv. Posy mag Sebastian mehr, als dass ihr anfänglich bewusst ist. Erst nachdem sie selbst beginnt eine Regency-Liebesschnulze zu schreiben, entdeckt sie ihre Gefühle für Sebastian. 

Die Zusammensetzung der Angestellten des Buchladens ist gut gelungen. Alle sind irgendwie anders, doch Lavinia gab ihnen eine Chance. Nina mit den blauen Haaren und dem Bronté-Zitat-Tattoo; die introvertierte Verity, die kein Gefühl für Farben zu haben scheint und der wortkarge Literaturstudent Tom, der Montags der Kuchen wegen bei Bookends arbeitet. 

Die Autorin schildert den Alltag in einer Buchhandlung, die ihre besten Tage gesehen hat und an einer Neuausrichtung arbeitet. Bis auf einige gewollt eingefügte Turbulenzen ist ihr das auch sehr realitätsnah gelungen. Es passt auch sonst alles zum Thema Lovestory - vom Namen der Autorin (wohl ein Pseudonym) über Posys Begeisterung für die Regencyzeit und die auf Liebesromane spezialisierte Buchhandlung bis zu deren neuen Namen und weiteren Kleinigkeiten. Diesbezüglich war die Grundidee unverkennbar und ist der Autorin total gelungen. 

So gut der rote Faden sich durch den Roman zog, so sehr mangelte es mir an der Umsetzung der Protagonistin Posy, die zu oft klein beigab und der Figur von Sebastian, der zu häufig bewusst den Widerling spielte und sich überall einmischte. 

Als Special zählt am Ende des Buches die Autorin je 5 ihre Lieblings-Liebesgeschichten und Lieblings-Buchhandlungen auf. 

Fazit: Ein leichter Unterhaltungsroman rund ums Thema Liebesgeschichten - leider mit einigen Schwächen seitens der Charaktere.
3.5 Punkte. 


Dienstag, 23. Mai 2017

Monsieur Picasso und der Sommer der französischen Köstlichkeiten von Camille Aubray

Klappentext:
Er ist ein Künstler, der aus einem gelben Fleck eine Sonne machen kann. Sie ist eine Köchin, der es gelingt, in einer Quiche das Meer, den Himmel und den Duft von Pinienwäldern einzufangen. Er ist Spanier und voller Temperament. Sie ein junges französisches Mädchen. Er malt und hat sich als Picasso bereits weltweit einen Namen gemacht. Sie arbeitet als einfache Kochgehilfin in der Provinz. Er brennt für seine Leidenschaft, erlebt jedoch eine künstlerische Schaffenskrise und flüchtet an die Côte d’Azur. Sie träumt von einer selbstbestimmten Zukunft, irgendwo, nur nicht in Juan-les-Pins. Als Maler und Mädchen aufeinandertreffen, entzündet sich ein Funke, der nicht mehr zu löschen ist. Und auch ein Jahrhundert später noch lodert …

Kochen für Picasso - so der Originaltitel - das durfte Ondine aus Juan-les-Pins. Sie arbeitet bei ihren Eltern im Café Paradis, und bekommt den Auftrag, dem Herrn, der sich ausserhalb des Dorfes ein Haus gemietet hat, jeweils das Essen zu liefern. So fährt sie beinahe täglich mit ihrem Velo raus. Bald merkt sie, wer dieser Monsieur Ruiz eigentlich ist und kommt mit ihm ins Gespräch...
...später switcht das Buch ins Jahr 2013 nach New York. Dort ist Céline bei ihrer Mutter Julia am Heiligabend zu Besuch. Schnell, bevor ihre älteren Halbgeschwister zurückkommen, steckt Julia Céline ein Notizbuch zu und verrät ihr von wem es ist. Neugierig geworden reist sie kurz darauf mit ihrer Tante Mathilda nach Frankreich um mehr über ihre Grossmutter zu erfahren.

Ondines Erzählung beginnt 1936. Sie ist jung, offen und neugierig, als sie Picasso begegnet. Ondine, die um ihren Luc trauert, ist fasziniert und gleichzeitig aufgewühlt vom Wesen des Malers. Frauen scheint er zu benutzen, was sie entsetzlich findet, aber doch ist sie auch aufgeregt, wenn sie ihn sieht. Sie weiss was sie will und was nicht, und kämpft sich durchs Leben. Am Anfang des Buches traut man ihr trotz aller Präsenz gar nicht so viel zu, wie sie am Ende durchlebt hat. 

Die meisten Männer im Buch kommen nicht so gut weg wie die Frauen, die bis auf Julia sehr selbstständig sind. Das Frauenbild der besagten Männer beschränkt sich auf eine Frau, die alles für den Mann tut. Picasso ist der Eigenbrötler, der für seine Kunst lebt. Welche seiner Frauen bei ihm bleiben will, ist ihm egal. 

Nicht nur das Cover, auch der Inhalt gefällt. Es ist ein Roman über eine mutige Frau, gefüllt mit Rezepten, Kunst, Geheimnissen und Zeitgeschichte.  
Die Autorin schreibt interessant und spannend - ein Buch, das ich kaum aus der Hand legen mochte. Denn die scheinbar feine, ruhige Geschichte fächert sich immer mehr auf und überrascht unablässig. Ich hätte am Anfang nicht gedacht, was da alles aufs Neue offenbart wird. 

Gerne wäre ich noch länger in Juan-les-Pins geblieben - das Buch macht Lust sich im Süden Frankreichs umzusehen und es sich mit französischer Küche und Sonne gutgehen zu lassen. Dazwischen ein paar Ausflüge in Museen - ein perfekter Urlaub! 

Fazit: Das Buch sollte sich keiner, der Frankreich, Kunst und Küche liebt, entgehen lassen. Quatre Points et demi pour Madame Aubreys Monsieur Picasso!
4.5 Punkte.

Donnerstag, 18. Mai 2017

Krimi: Tod in Gran Canaria von Mari Jungstedt und Ruben Eliassen

Klappentext:
Gran Canaria, die Insel mit den unendlich langen Stränden und der nie untergehenden Sonne, ein Urlaubsparadies! Doch eines Morgens wird die Leiche einer jungen Frau gefunden – einer Schwedin, die ihre Ferien in einem Yoga-Zentrum verbringen wollte. Ihr Körper ist drapiert wie auf Botticellis bekanntem Gemälde »Die Geburt der Venus«. Kurz darauf gibt es eine weitere Tote. Die Polizei sucht fieberhaft nach dem Mörder und bekommt unerwartete Hilfe von der Journalistin der schwedischen Zeitung der Insel, Sara Moberg, und dem ehemaligen Polizisten Kristian Wede. Die Spuren führen quer über die Urlaubsinsel, zur Norwegischen Seemannskirche, in ein Massage-Zentrum und schließlich in das Yoga-Paradies in den Bergen. Doch bald stellt sich heraus: Diese Idylle ist eine Illusion.

Tod auf Gran Canaria - der Titel machte mich neugierig. Krimis, die in Italien, Frankreich und auf Spaniens Festland spielen, gibt es viele. Einer, der seine Handlung auf eine der Kanarischen Inseln verlegt, bisher noch nicht und so war ich sehr interessiert an der neuen Serie.

Schauplatz ist die skandinavische Kolonie auf der Insel. Hinter der Seemannskirche wird eine Frauenleiche aufgefunden. Nicht nur Kommissar Diego Quintane von der Guardia Civil, sondern auch der neue norwegische Konsulatsmitarbeiter Kristian und die seit 20 Jahren auf der Insel lebende, schwedische Journalistin Sara sind schnell am Tatort. 

Sara und Diego kennen sich bereits. Weshalb und wie gut wird im Laufe des Romanes beschrieben. Die impulsive Sara ist Mutter eines Sohnes, ihr Mann besitzt auf der Insel ein Hotel. Sie schreibt für die Zeitung Dag & Natt, wie auch Artikel für Aftonbladet. Diego ist verheiratet, hat aber anscheinend ein Auge auf Sarah geworfen. Kristian war Polizist in Norwegen, bis er sich aufgrund seiner Handlung bei einem Raubüberfall Vorwürfe machte. Als man ihm den Job auf Gran Canaria anbot, griff er zu. Er wollte seiner Tochter nahe sein und gleichzeitig Abstand von Norwegen. Doch auch auf der Insel holen ihn Alpträume ein. 

Erika Bergman hingegen gefiel es auf der Insel und schöpfte neue Lebenslust, doch dann fällt sie einem Verbrechen zum Opfer. Sie war Gast im Yogazentrum Samsara Soul und schien etwas zu verbergen, doch war kein Kind der Traurigkeit. Der norwegische Besitzer vom Samsara Soul ist der egoistische, fast 60jährige Frank Hagen und ist verheiratet mit Luisa und hat zwei Kinder. Die diversen "Früher"-Einschübe erzählen unter anderem von einer Adriana, die ihren Mann, ein Fischer, ans Meer verloren hat. 

Aus allen diesen Fakten spinnen die Autoren einen Plot, auf dem die Leser auf mannigfaltige Wege geschickt werden. Doch bis am Ende alle Erzählstränge zusammen kommen, hat man die meisten der beteiligten Charaktere total über. Alle Figuren sind problembeladen, das gibt dem Buch eine leicht pessimistische Färbung. Mit diesen vielen Erzählfäden haben es die Autoren zu gut gemeint. Darunter leiden die Ermittlungen, die langweilig und fade sind.  

Bei "Tod in Gran Canaria" handelt es sich nicht um einen Ermittlungskrimi, sondern um einen Täterbericht mit Zügen eines Psychothrillers. Jeder der Figuren hat seine Leichen im Keller und es wird mehr Zeit darauf verwendet, über diese zu reden anstatt zu ermitteln. Wer der Täter ist, ist schnell klar; sein Problem ebenfalls. Doch dann dauert es lange bis die genaueren Details des Mordmotivs bekannt gegeben werden. Auf mich wirkte der Krimi lasch und ich hatte nicht wirklich Lust das Buch zu Ende zu lesen. 

Mir fehlte im eBook ein Plan, auf der die Schauplätze eingezeichnet sind. Ich war zwar schon einmal auf Gran Canaria, doch das ist 25 Jahre her. Maspalomas und Las Palmas bekomme ich noch hin, aber gerade die kleinen Ortschaften, die für den Krimi wichtig sind, hätte ich gerne direkt im Buch gefunden. 
Lust, die Insel erneut zu bereisen, habe ich nach der Lektüre keine bekommen. 

Fazit: Ein für mich uninteressanter Täterbericht. Es wird kaum ermittelt, dafür umso mehr in die Vergangenheit geblickt. 
3 Punkte.

Montag, 15. Mai 2017

Krimi: Intrigen am Lago Maggiore von Bruno Varese (Matteo Basso 2)

Klappentext:
Ein goldener Septembertag am Lago Maggiore. Matteo Basso, ehemaliger Polizeipsychologe und nun Betreiber einer Macelleria, könnte endlich sein neues Leben in Cannobio genießen und in Ruhe Verdi-Opern hören. Hätte er nicht seinem Freund Luigi jede Menge Fleisch- und Wurstspezialitäten für dessen Geburtstagsfeier auf der malerischen Isola dei Pescatori versprochen. Als Matteo sich vom rauschenden Fest davonstehlen will, macht er eine grausame Entdeckung: Aufgespießt am weithin sichtbaren Einhorn-Denkmal der Isola Bella hängt ein lebloser Körper. Gemeinsam mit Kommissarin Nina Zanetti, der sich Matteo in seinem letzten Fall zaghaft angenähert hat, macht er sich an die Ermittlungen. Was treibt jemanden zu einer so plakativen Hinrichtung? Haben die Sportfunktionäre, die in der Nacht auf jener Nachbarinsel feierten, etwas damit zu tun? Und was hat es mit dem Gemälde auf sich, auf dem der Mord vorweggenommen wurde? Die Spuren führen Matteo und Nina an berühmte Wallfahrtsorte hoch in den Bergen, an die ligurische Küste und bis auf die legendäre Mailänder Galopprennbahn.

Mit dabei sind auch im zweiten Band wieder die drei alten, aber sehr rüstigen Automechaniker Luigi, Beppo und Flavio. Die drei mag ich am liebsten! Sie geben der Serie einen witzigen, bodenständigen Touch. Sie sind Urgesteine von Cannobio, kennen die Leute und die Geschichte der Region und helfen dadurch manchmal mit ihren Äusserungen unverhofft den Ermittlungen.

Matteo entdeckt an einem Morgen früh eine Leiche bei einem Denkmal auf der Isola Bella, gegenüber von Stresa. Wieso fiel sie ihm letzte Nacht nicht auf, als er selbst auf der Insel einen Apèro ausrichtete? An Dinos Sichtung in der Nacht könnte ja doch was dran sein.
Weil - wegen Kommissar Buffons Arbeitspause - Nina den Fall alleine übernehmen muss, spannt sie Matteo inoffiziell in die Ermittlungen mit ein. Matteo und Nina harmonieren, bis auf kleinere Scharmützel über Zuständigkeiten, sehr gut miteinander und auch ihre verschiedenen Infokanäle ergänzen sich. So können sie die vielen Spuren, die sie an Pferderennen, zu einer Galerie und andere Orte führen, trotz aller Verstricktheit des Falles rasch auswerten. 

Zu Matteos Hintergrund schreibt Bruno Varese sehr viel in diesem Buch. Der Autor schildert wieso Matteo Psychologe geworden ist. Dies macht Matteo zwar nahbarer, aber kurz darauf frage ich mich dann doch, wie er als ausgebildeter Psychologe manchmal derart unbesonnen handeln kann. Denn auch hier agiert Matteo leider wieder so unbesonnen wie schon im ersten Band. Dass seine letzten Sekunden hätten schlagen können, schien ihm egal.  
Dazu wird die ganze Geschichte über Teresa aufbereitet und nachdem ich nun alles weiss, frage ich mich gleich nochmals, ob er nicht den falschen Beruf gewählt hat. Zuviel Drama um fast nichts. Als Polizist würde Matteo sich sicher besser machen als als Psychologe. Vielleicht sattelt er ja noch um. 

Beim zweiten Band gelang mir der Einstieg besser als beim ersten Band: Matteo raucht zwar immer noch wie ein Schlot, doch diesmal werden italienische Begriffe mit mehr Sorgfalt verwendet.
Bis auf Matteos unüberlegte Handlung sind die Ermittlungen nachvollziehbar. Im gesamten Buch herrscht ein hoher Spannungsbogen und es werden einige Überraschungen geboten. 

Auch Beschreibungen der reizvollen Landschaft rund um den Lago Maggiore kommen nicht zu kurz, so dass sich dieser Krimi für alle Reisende in diese Region empfiehlt. Doch auch wer schon hier gewesen ist, wird sich dank des Buches sicherlich an den einen oder anderen Ausflugort erinnern. 
Am Ende des Buches finden sich zwei Karten der Provinz, so dass auch ortsunkundige Leser den jeweiligen Aufenthaltsorten von Matteo und Nina folgen können

Fazit: Ein interessanter und vielschichtiger Fall für Matteo Basso, der diesmal inoffiziell mit Nina ermitteln darf.
4 Punkte.

Vielen Dank an den KiWi Kiepenheuer & Witsch Verlag!

Reihenfolge:
Band 1: Die Tote am Lago Maggiore
Band 2: Intrigen am Lago Maggiore


Montag, 8. Mai 2017

Vier Bloggerinnen und eine (geschlossene) Buchhandlung - SaxNight in Frauenfeld

Vergangenen Samstag liessen Bettina von Bleisatz, Damaris von Damaris liest und Nicole von Favolas Lesestoff und ich uns im Bücherladen Sax in Frauenfeld einschliessen.











Marianne Sax, Inhaberin der Buchhandlung, veranstaltet unter anderem regelmässige "Stricken und Literatur"-Abende, an denen die Besucher Stricken und die Buchhändlerin während eineinhalb Stunden aus einem Roman vorliest. Zudem gibt es die SaxNight: Interessierte können sich Abends für drei Stunden gegen ein Entgelt in die Buchhandlung quasi "einmieten". Wie sich das so anfühlt, wollten wir am eigenen Leibe erfahren und buchten die #SaxNight an einem Samstag.

So trafen wir uns um 16:30 Uhr in der Buchhandlung, wo uns Frau Sax das Wichtigste (= Essen, WC, Kaffeemaschine) erklärte und uns für die nächsten drei Stunden alleine liess. 

Wir vier Bloggerinnen machten es uns erstmal auf der Sitzgelegenheit gemütlich, und stellten uns einander vor. Live kannte ich bisher nur Bettina, Nicole nur von ihrem Blog und Damaris gar nicht. Schnell waren wir so im Gespräch versunken, dass Aussenstehende gar nicht gemerkt hätten, dass wir uns erst seit wenigen Minuten kennen. Bücher verbinden irgendwie halt schon :-) Auch wenn unterschiedliche Genres gelesen werden. 


Daraufhin schauten wir uns im Laden um, wir waren gwundrig welche Buchschätze die Buchhandlung hütet. Viele Bienenbücher (Romane, Sachbücher, Kinderbücher und ein wunderschöner Bildband namens "Die Wege des Honig") fielen uns grad zu Beginn auf - das Thema ist sehr aktuell wie es scheint. 

Die Buchhandlung bietet für jeden Geschmack etwas an. In einem Nebenraum sind die Kinder- und Jugendbücher untergebracht, im Hauptraum finden sich Koch- und Gartenbücher, aktuelle Bestseller und Neuheiten, Romane, Krimis, Sachbücher, Wanderbücher, Reiseführer und tolle Bildbände.

Die Zeit verging wie im Fluge während wir in "Ah, das wollte ich doch auch noch lesen"- oder "Schau mal, über das haben wir eben diskutiert"- und "He, das steht am falschen Platz"-Bücher schmökerten, Fotos machten ("komm hier rum, so sind viel mehr Bücher mit drauf"), Sandwiches, Nussgipfel und Erdbeeren assen, Prosecco, Wasser und Kaffee tranken und über Bücher, das Bloggerdasein, Verlage, Buchmessen und immer wieder über Bücher, Bücher, Bücher redeten. 

Ich ertappte mich immer wieder, dass mich meine Vergangenheit einholte: wie früher, als ich selbst noch im Buchhandel arbeitete, büschelte ich die Bücherbeigen schön gerade - Ordnung muss schliesslich sein. 


Viel zu schnell waren die drei Stunden vorbei, wir hätten locker die doppelte Zeit ohne Langeweile durchgestanden. Frau Sax liess uns noch ein paar Minuten mehr Zeit, bis sie uns aus dem Buchladen-Dornröschenschlaf aufweckte und uns noch die Dekoration zeigte, die ihre Lehrtochter zu ihrer Lehrabschlussprüfung zum Thema Papier gebastelt hat. (Meine Daumen waren heute Montag gedrückt!).






Viele bequeme Sitzmöglichkeiten sind vorhanden
Am Schluss stand fest, so ein Abend werden wir wiederholen - es macht einfach viel zu viel Spass ungestört mit anderen Buchverrückten zu stöbern und über Bücher zu quatschen. 



In vielen Büchern stecken farbige Kärtchen - diese Bücher werden von den Mitarbeitern empfohlen.

Stundenlang könnte ich in solch schön gestalteten Koch/Lifestyle-Büchern blättern.


Meine aktuellen Lieblingskrimis stehen alle beieinander :-)

Uns hat die #SaxNight sehr gut gefallen - mal was anderes als einfach nur essen zu gehen. Habt ihr euch auch schon mal in einem Buchladen einsperren lassen oder würdet ihr so ein Angebot wahrnehmen, wenn eure Buchhandlungen so was anbieten? 



Ein weiterer Bericht über unsere Buchnacht findet ihr
-bei Bettina: Nachts in der Buchhandlung


PS: Ist euch aufgefallen, dass Bettina und ich unsere Berichte je mit einem abgewandelten Filmtitel versehen haben?  


Montagsfrage 08.05.2017


Besitzt du eine Schmuckausgabe von bestimmten Büchern?

Kauft ihr manche Bücher nur aufgrund des Aussehens noch einmal, weil sie so schön im Regal aussehen? 

Nein, keine einzige. 
Sehr schön finde ich jedoch die neuen illustrierten Harry Potter-Ausgaben. Aber da wir die Bücher schon auf deutsch in Print und als eBook haben, dazu mein Mann noch die englischen Printausgaben besitzt, brauchen wir die verschönerte Ausgabe nicht. Wenn ich allerdings mal meinen Neffen einen Harry Potter schenken sollte, bekäme er eine der illustrierten Ausgaben. 

Mir genügten aber auch immer schon Taschenbücher, ich musste nie das Hardcover haben, vielleicht bin ich auch deshalb Schmuckausgaben-immun. Und mittlerweile bevorzuge ich eh eBooks, da bin ich resistent gegenüber Printausgaben, egal wie schön sie sind. 

Was ich stattdessen habe, sind einige ältere wunderschöne (und für Bücherregale leider viel zu) grosse Bildbände und auch tolle Bilderbücher. Auch was fürs Auge, halt nur anders.

Freitag, 5. Mai 2017

Ein italienischer Sommer von Francesca Barra

Klappentext:
Caterina kann es nicht erwarten, der Enge ihrer Heimatstadt Matera zu entkommen und endlich etwas von der Welt zu sehen. Ihre Reise führt sie nach Rom, wo sie Pietro kennenlernt, für den sie schon bald mehr als nur Freundschaft empfindet. Immer mit dabei ist das Rezeptbuch ihrer Großmutter, das Caterina keinen Moment unbeaufsichtigt lässt, denn es enthält alles, woran sie sich so gerne erinnert — die Düfte ihrer Kindheit, das Gefühl eines nie endenden Sommers, glückliche Stunden in der heimeligen Küche. Als ihre Großmutter überraschend stirbt und ihr ein altes Strandhaus hinterlässt, muss Caterina eine folgenschwere Entscheidung treffen ...

Puh, endlich geschafft - für den Erstling von Francesca Barra brauchte ich einige Tage und musste mich teilweise fast zwingen weiterzulesen. Wäre es kein Rezensionsexemplar hätte ich abgebrochen. Als ich das Cover, den Titel und den Klappentext sah/las, dachte ich an einen sommerlichen Wohlfühlroman, der perfekt zu meinen Ferien in Italien passen würde. Zum Glück kam ich erst nach den Ferien dazu, das Buch zu lesen - zu fröhlichen Gelati-Gelagen hätte es wahrlich nicht gepasst. 

Ganz unten in Italien, quasi im "Mittelfuss", in der Provinz Matera befindet sich der Schauplatz der ruhigen Erzählung. Abwechselnd kommen Nonna Teresa und Enkelin Caterina zu Wort, beide berichten von ihrem Leben. 
Teresa wohnte als Kind einige Jahre in einer Tuffsteinhöhle, heiratete mit 16 "reich" und war bis zum Ende ihres Lebens die Frau des Bürgermeisters Mimi. Sie kann gut kochen und hat anscheinend eine spezielle Gabe, eine Art Vorahnung verbunden mit Bauchweh, über die nur verschwommen geschrieben wird. Sie zitiert immer wieder Sprichwörter, die in ihrem Dialekt notiert sind. 
Caterina kann sich als Heranwachsende nicht vorstellen die Basilikata zu verlassen, geht zum Literatur- und Philosophiestudium aber doch nach Rom. Hier sucht sie nach gastronomischen Erlebnissen und probiert sich einmal quer durch die Küchen der Welt; was aber auf zwei Seiten abgehandelt wird. In Rom lernt sie ihren Freund Pietro kennen. Er ist weltmännisch, modern und somit das pure Gegenteil von Caterina, die eher als naiver Dorftrampel, die von nichts eine Ahnung hat, rüberkommt - ihre eigene Schilderung. Dabei ist sie mehrheitlich glücklich mit ihrem Leben. 

Am Ende des Buches weiss man alles über das Dorfleben, in dem es eine Putzkönigin, eine Kochkönigin und eine Fast-Schönheitskönigin gab.
Zuerst wird der Reihe nach erzählt, doch dann werden die Erzählsprünge oft durcheinander gemischt: Teresa redet über die Hochzeit ihrer Tochter und die Geburt ihrer Enkelin sehr viel früher als über jene ihrer Tochter Domenica. Wahrscheinlich sollte dieses Stilmittel eine Art Höhepunkt der Erzählung darstellen, der aber ausblieb.
Auch bei Caterinas Schilderung wurde ich nicht richtig schlau: das ruhige Mädchen aus dem Dorf studiert Literatur und Philosophie - wieso sie studieren wollte, wieso sie sich für diese Studiengänge entschieden hat, und mit welchem Ziel, wird mit keinem Wort erwähnt. 

Einige Kapitel sind Rezepte angehängt. Aber auch sonst dreht sich vieles um Mahlzeiten. So erfährt man als Leser, dass es an speziellen Tagen oft 9-Gänger-Menus gab, man im Nachbardorf aber am selben Tag ein 11-Gänger serviert wurde. 

Alles in allem ist es eine einfache Erzählung, die den Generationenunterschied, die Liebe zur Heimat, Werte wie Familie, Herkunft und Traditionen behandelt. 
Mich konnte die Geschichte nicht abholen, sie berührte mich nicht, da sie sehr eintönig und freudlos geschildert. 
Klar, ich habe auch eine gänzlich andere Geschichte erwartet, aber dennoch hätte die vorliegende mich ja trotzdem überzeugen können. Tat sie aber nicht, ich empfand sie langweilig und emotionslos. Gerade auch weil kurz "moderne" Themen wie postnatale Depressionen und Umweltschutz erwähnt werden. Interessanter Inhalt wäre somit vorhanden gewesen, doch daraus gemacht hat die Autorin nicht viel. Vielleicht meinte sie, es passe so genau zur einerseits starken, aber andererseits unterwürfigen Figur von Teresa.

Fazit: Kein Roman mit viel Gelati und Sommerfeeling, stattdessen eine nüchterne Erzählung über das einfache Leben dreier Generationen in einer italienischen Provinz.
3 Punkte.