Donnerstag, 27. April 2017

Barco Negro von Mario Lima (Fonseca 1)

Klappentext:
Die alte Hafenstadt Porto, am Morgen nach einem heftigen Herbststurm. Straßen sind überflutet, der Verkehr ist zusammengebrochen. Auch bei der Mordkommission stecken die meisten im Stau, als die Meldung eingeht. Ein Leichenfund in einem abgelegenen Haus am Atlantik. Für Ana Cristina, frisch von der Polizeischule, ist das die Chance, endlich an einer richtigen Mordermittlung beteiligt zu werden. Diesmal ist sie dabei, im ersten Wagen, der am Tatort eintrifft. Zwei Tote liegen im Haus, ein Mann und eine Frau. Ein rätselhafter Doppelmord, der immer neue Fragen aufwirft. Eine Spur führt zurück in die dunkle Vergangenheit Portugals, die noch gar nicht so lange her ist. Ana Cristina setzt alles daran, ihren ersten Fall zu lösen. Doch selbst der erfahrene Chefinspektor Fonseca stößt hier an seine Grenzen. Das Verbrechen hat Dinge in Gang gesetzt, die nicht mehr aufzuhalten sind. Unbemerkt bahnt sich ein Drama an, das tödlich enden wird.

Autor Mario Lima ist einer der ersten deutschen Autoren, der Portugal als Schauplatz seiner Bücher verwendet. Er lebt im Land und kann somit vor Ort recherchieren. Daraus entstand ein Krimi, der in Porto, der zweitgrössten Stadt Portugals angesiedelt ist. Die Polizisten sind immer ein wenig im Wettstreit mit der Landeshauptstadt Lissabon, und ich glaube, real fühlen sich die Einwohner Portos wohl auch immer als "Zweite", ein wenig benachteiligt, obwohl Porto viel schöner sein soll als Lissabon. 
Eines der Sehenswürdigkeiten Portos spielt eine tragende Rolle in Barco Negro. Beim Fischerdenkmal in Matosinhos ist einer Zeugin etwas Wichtiges aufgefallen. Hat die Geschichte des Denkmals eventuell etwas mit dem Mord an dem Ehepaar zu tun?

Ana Cristina, die junge Polizeipraktikantin, ihr Kollege Rui Pinto und ihr Chef Fonsecca ermitteln in einem schwierigen Mordfall. Aufgrund des schlechten Wetters gibt es kaum Spuren und niemand will was gesehen haben und niemand hat eine Ahnung, wieso die zwei ermordet wurden. Ana Cristina fällt an einem der Opfer etwas auf, aber die Ermittler können es nicht einordnen und erst spät zeigt sich was es damit auf sich hat. Bis dahin haben sie alle ganz schön viel zu tun mit ihrem geheimnisvollen Fall. 

In "Barco Negro" erwartete mich ein sympathisches Ermittlerteam. Alle drei haben ihre Eigenheiten: Ana Cristina ist noch etwas scheu, aber schlagfertig und unkonventionell. Sie erledigt ohne zu Murren auch die Drecksarbeit, vor der sich alle drücken. Ausserdem achtet sie genau auf die Worte der Zeugen, kein Wunder hat Ana doch ein Psychologiestudium hinter sich; Pinto flirtet gerne, er ist ein Schlitzohr, aber auch sehr kollegial; Fonsecca kennt die Stärken und Schwächen seiner Mitarbeiter. Er lässt den Chef nicht heraushängen und seine Leute auch nach ihren eigenen Ideen ermitteln.
Oft stossen sie alle an ihre Grenzen, die leider dem portugiesischen Polizeiapparat geschuldet sind. Viele Abfragen laufen über Lissabon und wenn die viel zu tun haben, muss Porto warten. Aber auch sonst sind die Ermittlungen in diesem undurchsichtigen Fall schwierig und sorgen immer wieder für Überraschungsmomente. 

Die Ermittlungen führen unter anderem ins Umland von Porto, so dass der Leser einiges vom nördlichen Portugal mitbekommt. Der Autor nahm noch mehr portugiesisches Lebensgefühl mit auf: nicht nur, dass oft Vinho Verde getrunken wird; der Titel des Buches ist gleichzeitig auch der Titel des bekannten Fado von Amalia Rodriquez und spielt eine wichtige Rolle im vorliegenden Fall. 

Ich habe nur zwei kleine Sachen zu bemängeln: erstens könnte eine Karte im Buchumschlag hilfreich sein, wenn die Leser die Touren nachverfolgen wollen. Zweitens das Alter von Ana Christina. Laut Buch ist sie Anfang 20 und hat schon die Polizeischule abgeschlossen, dazu Psychologie studiert. Das dünkt mich ein bisschen viel für so eine junge Frau; da müsste sie eher schon mindestens 25 Jahre alt sein. 

Ansonsten war ich extrem positiv überrascht von der Vielschichtigkeit des Krimis: der Fall war klar konstruiert, dazu schlüssig und vor allem spannend bis zum Ende und ich frage mich, wieso keiner der grossen Verlage das Potential gesehen hat. 

Fazit: Eine raffinierte und überraschende Kriminalgeschichte - nicht nur für Portugalliebhaber absolut lesenswert! 
4.5 Punkte.

Dienstag, 25. April 2017

Sonst so? am 25.04.2017


Vergangene Woche war ganz schön viel los auf meinem Blog. Jeden Tag eine Rezension - diese Woche wird es wieder ruhiger und Berichte erscheinen im normalen Rhythmus. 

Kennt ihr Buchdomino? Nein? Ich weiss ja nicht, ob es sowas offiziell gibt, ich nenne es so, weil es mich ans Dominospiel erinnert. Mir ist nun schon des Öfteren aufgefallen, dass mir ein Wort, eine Ortschaft, eine Person oder ein Name oder sonst irgendwas richtig in die Augen sticht, sei es weil es ein seltener Begriff oder ein spezielles Lied oder was auch immer ist. Und dann taucht es im nächsten Buch, das ich lese, wieder auf.
So las ich gerade letzte Woche das Wort "Boutiquehotel" in "Das Glück schmeckt nach Zitroneneis" von Abby Clements und zufällig einen Tag später erneut bei Ava Miles "Zwischen Himmel und Glück". Danach entdeckte ich Edit Piafs Lied "La vie en Rose" im "zauberhaften Buchladen an der Seine", aber auch in "Frühling in Paris". 
Zufall oder nicht, mir ist das nun schon einige Male passiert, meistens war es sogar wie im richtigen Dominospiel, zwei gleiche Begriffe in zwei Büchern und im zweiten Buch dann ein Begriff, das im dritten auftauchte. Leider habe ich mir über die Jahre hinweg die Beispiele nicht notiert und ich habe sie mittlerweile vergessen. Letzte Woche erinnerte ich mich beim "Boutiquehotel" wieder daran.
Sind euch solche Domino-Begriffe auch schon aufgefallen? 

Während ihr meine Dominogeschichte liest, bin ich sonst so gerade ein paar Tage im Urlaub. Wo verrate ich noch nicht, aber vielleicht werde ich bei Facebook oder Twitter mal einen Fotogruss hochladen. 

Zum Abschluss heute eine kleine Frage: Wer von euch liest gerne Romane, die auf historischen Tatsachen beruhen und vom Künstlerleben in Paris berichten? Wie zum Beispiel "Madame Picasso", das ihr auf dem Cover rechts seht. Für ein gemeinsames Blogspecial im Juli suche ich noch zwei interessierte BloggerInnen. Wenn ihr euch angesprochen fühlt, mailt mich bitte an - antworten und verraten worum es geht, kann ich euch aber erst Ende Woche. 
Machts gut und eine gute letzte Aprilwoche!

Montag, 24. April 2017

Montagsfrage 24.04.2017


Das erste Quartal des Jahres ist fast vorüber. Wie viel hast du schon gelesen und welche Bücher sind dir besonders im Gedächtnis geblieben?

Dank Wasliestdu.de weiss ich, wieviele Bücher ich bereits gelesen habe in diesen ersten drei Monaten im 2017. Es sind 47. 

Mein erstes Highlight bei den Romanen war "Liebe auf drei Pfoten" und "Frühling in Paris", bei den Krimis "Lost in Fuseta" und "Kommando Abstellgleis". Die Links zu den Rezensionen dazu seht ihr rechts in der Archivleiste. 

Diese Woche habe ich euch noch eine Rezension zu "Barco Negro", ein Kriminalroman eines Selfpublishers, der mir extrem gut gefallen hat und ich mich frage, wieso dieser Krimi von den grossen Verlagen nicht aufgenommen wurde. Der Krimi ist nämlich besser als so manche Veröffentlichung der bekannten Verlage. 
Als Serie neu entdeckt habt ich die Tante Dimity-Reihe, dazu berichte ich euch im Mai. 

Ebenfalls im Mai werde ich einen Artikel über den Schauplatz eines der oben genannten Bücher posten. Dazu mache ich mich heute gleich auf, ich bin nämlich gerade vor Ort in den Ferien 😃

Erzählt ihr mir, welche Bücher eure bisherigen Favoriten sind? 

Sonntag, 23. April 2017

Krimi: Kommando Abstellgleis von Sophie Hénaff

Klappentext:
Das Pariser Hauptkommissariat, 36 Quai des Orfèvres hat eine neue Leitung. Ihr Ziel heißt: die Aufklärungsraten und Statistiken polieren und alle lästigen, aufsässigen und arbeitsunwilligen Mitarbeiter loswerden. Deshalb ruft die Führungsriege eine neue Brigade ins Leben, in der alle Alkoholiker, Faulenzer, Schläger, Depressive und Polizisten, die sich für etwas anderes berufen fühlen - wie z.B. Eva Rozière, die Krimis schreibt, anstatt zu ermitteln -, zusammengefasst werden sollen. Die Leitung übergibt sie Anne Capestan, einer einst hoffnungsvollen jungen Polizistin, die wegen eines fatalen Fehlers vom Dienst suspendiert wurde. Was man von ihr erwartet: stillhalten. Anne hasst aber nichts mehr, als einfach zu gehorchen. Deshalb lässt sie nichts unversucht und baut mit ihrer Truppe der verkrachten Existenzen in einem schäbigen Büro bei miserabler technischer Ausstattung, ohne Waffen und Blaulicht ein Kommissariat der unkonventionellen Methoden auf und löst - zum Schrecken der neuen Chefs - auch noch alte Fälle, die die neue Führungsriege in gar keinem schönen Licht erscheinen lassen ... Ein origineller, schwungvoller, intelligenter Krimi - zum Schießen komisch!

Neugierig geworden durch den witzigen Titel und das ungewöhnliche Cover, überflog ich den Klappentext und wusste, diesen Krimi muss ich lesen. Ich habe es nicht bereut, und freue mich schon jetzt auf den zweiten Band, der im Herbst erscheint. 

Anne hat eine Kugel zu viel abgeschossen und wurde deswegen für sechs Monate suspendiert. Nun steht sie im Hauptquartier und glaubt es kaum: sie wird Leiterin einer neuen Gruppe. Der Haken dabei: ihr Büro ist eine heruntergekommene, unmöbilierte Wohnung in der fünften Etage in der Gegend von Les Halles. Ihr Team bunt zusammengewürfelt aus Polizisten, die nicht mehr tragbar sind. Zum Beispiel Agent Santi, der seit vier Jahren krank ist. Oder Capitaine Merlot, dessen Name bereits viel über sein Laster aussagt; José Torrez, dessen Partner bisher alle im Dienst umgekommen sind; Krimiautorin Eva Rozierre, die aus Langeweile wieder in den Dienst will; Autorennfahrer Lewitz, der wohl nur wegen der Sirenen zur Polizei ging; Lebreton und Orsini und einige mehr. Ihre Aufgabe: Coldcases von Paris abarbeiten. Oder auch nicht. Hauptsache, sie sind beschäftigt.

Am ersten Arbeitstag tauchen gerade mal vier Leute auf, doch irgendwie schaffen sie es alte Fälle heraus zu suchen. Sie ermitteln frei und ohne Druck, denn zu verlieren haben sie nichts. Alle haben Schwächen, die, wie sie bald merken, in der neuen Truppe aber von grossem Vorteil sind und einander perfekt ergänzen.  
Entgegen allen Erwartungen überrascht die unorthodoxe Brigade schlussendlich das ganze Quai d'Orfèvres 36 und auch die Leser. 

Ich habe mich königlich amüsiert und wurde bestens unterhalten: der Krimi ist sehr vergnüglich zu lesen, voll mit Humor gespickt, aber auch die Schicksale der einzelnen Figuren lassen einen nicht kalt. Sophie Hénaff gelang mit ihrem witzigen Schreibstil und einer cleveren Story ein gekonnter Serienerstling. 

Fazit: Das Kommando Abstellgleis überzeugte mich total - ein witziger Krimi mit einem aussergewöhnlichem Team, das allen Widrigkeiten zum Trotz hervorragend ermittelt. 
4.5 Punkte.

Vielen Dank an carl's book und Random House! 

Reihenfolge:
Band 1: Kommando Abstellgleis
Band 2: Das Revier der schrägen Vögel (erscheint am 16.Oktober 2017)

Samstag, 22. April 2017

Krimi: Gefährlicher Lavendel von Remy Eyssen (Leon Ritter Band 3)

Klappentext:
Der Frühling in Le Lavandou ist warm und verheißt einen herrlichen Sommer. Rechtsmediziner Dr. Leon Ritter fühlt sich längst als echter Südfranzose und verbringt gemeinsam mit Isabelle viel Zeit auf seinem Weinberg. Doch die Idylle wird getrübt, als Leon zwei brutal zugerichtete Leichen obduzieren muss. Staatsanwaltschaft und Kommissarin haben schnell einen Verdächtigen zur Hand, doch Leon ist skeptisch und beginnt selbst zu ermitteln. Er kommt einer jahrzehntealten Geschichte auf die Spur und steht plötzlich vor der Frage, ob es gerechte Rache gibt. Da braut sich über der ausgetrockneten Erde der Provence ein apokalyptisches Gewitter zusammen, und Leon darf keine Zeit verlieren...

Mit einem vermissten Richter beginnt Leon Ritters dritter Fall in Le Lavandou. Die Auffindung des Vermissten sorgt für viel Aufruhr. Die Polizei sowie die Politiker hoffen, dass der Fall schnell zu den Akten gelegt werden kann, denn bald schon findet der Blumencorso im Dorf statt. Eigentlich ein Touristenmagnet, aber nicht, wenn angeblich ein brutaler Sadist frei herumläuft. 

Wie immer ermittelt Leon Ritter selbst und zieht, auch wie immer, den Ärger von Polizeichef Zerna auf sich. Der Ablauf von "Gefährlicher Lavendel" ist genau gleich bei allen drei Fällen. Es gibt die gleiche Anzahl Verdächtige, die alle Dreck am Stecken haben, aber dann wird gegen Schluss mit einer Überraschung aufgewartet, die nicht wirklich eine ist und danach das Motiv erklärt. Zwischendurch gibt es Gedanken von Opfern und/oder der Täterschaft. Isabelle sorgt sich wie jedes Mal um ihre Tochter, Leon gibt wie immer der verständige Part ab. 

Neu ist nur Polizeipraktikant Begot, zu dem sag ich mal nichts; und dass zum ersten Mal der Lavendel vom Titel auch zum Inhalt passt, was mir gefällt. Der fulminante Schluss hingegen ist ein wenig übertrieben. 
Neu ist leider auch ein grober Umgangsfehler von Leon mit einer Spitalpatientin. Dieser Vorfall hat mich enttäuscht - erinnerte an einen ähnlichen Fehltritt eines französischen Kommissars letztes Jahr im Périgord - und war total überflüssig.

Ich habe es schon bei meiner Rezension des zweiten Bandes angedeutet und mit Bedauern stellte ich während der Lektüre dieses dritten Bandes fest, dass die Serie bedauerlicherweise tatsächlich von Fall zu Fall langweiliger wird, da sie alle fast exakt nach demselben Muster aufgebaut sind. Die Krimis können noch so gut geschrieben sein, aber  auf mich wirkt "Gefährlicher Lavendel" leider nur noch einfallslos.
Bis auf Zerna mag ich die Figuren noch immer, aber die Fälle sind eintönig geworden. Lust, aufgrund der Serie die Provence zu besuchen, habe ich nicht bekommen. 

Fazit: Der dritte Teil der Leon Ritter-Reihe läuft nach genau demselben Muster ab wie die Vorgänger. Überraschungen bleiben damit leider aus. 
3.5 Punkte.


Reihenfolge:
Band 2: Schwarzer Lavendel
Band 3: Gefährlicher Lavendel

Freitag, 21. April 2017

Mein zauberhafter Buchladen am Ufer der Seine von Rebecca Raisin

Klappentext:
Buchhandlungen sind magische Orte, an denen manch einer ganz neue Wege für sein Leben zu entdecken vermag. Das zumindest findet die junge Buchhändlerin Sarah. Doch ihr kleiner, aber feiner Laden in der amerikanischen Provinz ist alles andere als eine Goldgrube und hilft ihr auch nicht weiter bei ihrem komplizierten Liebesleben. Als ihre Freundin Sophie sie bittet, für eine Weile ihren Buchladen am Ufer der Seine zu übernehmen, zögert Sarah nicht lange. Doch dort erwartet sie alles andere als la vie en rose, und Sarah muss erst die Geheimnisse der französischen Bücherfreunde verstehen, um den unvergleichlichen Zauber von Paris entdecken zu können …

Zauberhaft hört sich der Klappentext an und das Cover ist wunderschön. Doch ganz so zauberhaft spielt sich der geplante Buchhandlungstausch leider nicht ab. Doch von vorne. 

Die Amerikanerin Sarah träumt schon lange nach einer Reise nach Paris. Als ihre französische Online-Freundin Sarah sie spontan fragt, ob sie nicht ihre Buchhandlungen für einige Zeit tauschen wollen, sagt Sarah sofort zu. Kurz darauf steht sie in Paris und öffnet die Türe zu "Once upon a Time", der grossen englischsprachigen Buchhandlung von Sophie. 
Das Chaos beginnt: Sarah wird von Beatrice herumkommandiert und auch alle anderen Angestellten tun und lassen, was sie wollen. Nur in Océane und TJ findet Sarah Freunde. 
Derweil entspannt Sophie im amerikanischen Gingerbread Café, das Sarahs Laden gegenüber steht. Deren Freundinnen Missy, CeeCee und Lil nehmen sie sofort in ihrer Mitte auf. Sarah ist fast ein wenig eifersüchtig auf Sophie und denkt öfters daran, den Tausch abzubrechen. Zudem leidet Sophie daran, dass sich ihr Freund Ridge kaum meldet. Ridge ist Journalist und reist quer durch die Welt. Ridge wollte Sarah in Paris besuchen, doch das scheint nicht zu klappen. 
Enttäuscht ist Sarah auch von der vielen Arbeit, vom totalen Chaos, der laschen Arbeitseinstellung von Sophies Angestellten und der unfreundlichen, schroffen Bedienung der Kunden. Es geht lange bis Sarah die Fäden in die Hand nimmt und nicht nur Sophie, sondern auch deren Angestellten die Stirn bietet. Nur Luiz Delacroix, der Autor, der oft in der ersten Etage der Buchhandlung schreibt, scheint ein Lichtblick zu sein.

Die Geschichte entpuppt sich als nicht so ruhig und beschaulich wie das Cover vermuten lässt und auch nicht so wie in Katarina Bivalds Buch, das wohl beim Lesen des Titels den meisten Lesern sofort in Erinnerung kommt.
Immerhin erweist sich die Geschichte als nicht ganz so vorhersehbar wie vermutet, was positiv ist. Es braucht aber lange, bis endlich das Chaos überwunden ist. Erst dann beginnt die Lektüre Spass zu machen. 

Leider erst spät, denn oft schüttelte ich den Kopf - die Autorin lässt vieles aus und das wirkt auf mich nicht gut recherchiert. 
Wie stellen sich Sophie und Sarah den Ladentausch vor, wie lange soll er dauern? Was müssen beide beachten? Wo befinden sich die Arbeitspläne und welche Regelungen gilt es zu beherzigen, was passiert an Feiertagen? Nichts von alldem wird erzählt. So wirkt der Tausch extrem naiv. Auch brauchen die beiden doch eine Arbeitsgenehmigung, und die ist nicht in solch kurzer Zeit da. Eine Buchhandlung zu führen ohne jegliche Arbeitsplanung und Mitarbeiterführung klingt unglaubwürdig. Ebenso das Übernachten von Angestellten auf den Sofas des Buchladens. Klar ist jede Erzählung Fiktion und manchmal kann man als Leser ein Auge zudrücken, aber meinem Empfinden nach müssen einige essentielle Dinge trotzdem glaubwürdig sein. Die Autorin hat diesbezüglich viel Nachholbedarf.

Die Beschreibung der Touren durch Paris mit Océane haben mir gefallen, ebenso Sarahs Diskussionen mit Luiz. Sehr schön waren die Begegnungen mit Nebenfiguren erzählt, zum Beispiel die Besuche bei Antiquitätenhändlerin Anouk.

Fazit: Potential wäre vorhanden, aber wenig Zauber und viel Chaos dominieren diese nicht ganz so zauberhafte Geschichte eines Buchhandlungstausches.
Knappe 4 Punkte.

Vielen Dank an den Aufbau Verlag und Netgalley!

Auf Englisch gibt es quasi Vorgänger von diesem Roman, einige erzählen die Geschichte vom Gingerbread Cafe. Danach folgen die Paris-Romane der Autorin. "Der zauberhafte Buchladen am Ufer der Seine" wäre Band 1. Es folgen zwei weitere; im zweiten Band dreht sich alles um Anouk und ihren Antiquitätenshop. Anouk und ihr Geschäftsmodell fand ich interessant und très sympa, daher würde ich ihre Geschichte gerne auf Deutsch lesen. Vielleicht haben wir Glück und es wird übersetzt!

Die originale und chronologische Reihenfolge der Bücher von Rebecca Raisin:
Band 1: Christmas ath the Gingerbread Cafe
Band 2: Chocolate Dreams at the Gingerbread Cafe
Band 3: Christmas Wedding at the Gingerbread Cafe

Secrets at Maple Syrup Farm (es spielt zwar in Ashord, hat aber auf den ersten Blick wohl nicht viel mit Sarah und ihren Freundinnen zu tun)
The Bookshop on the Corner (Geschichte von Sarahs Buchladen und das Kennenlernen von Ridge) 
Band 1: The Little Bookshop on the Seine ("Mein zauberhafter Buchladen am Ufer der Seine")
Band 2: The Little Antique Shop under the Eiffel Tower
Band 3: The Little Perfume Shop off the Champs-Elysées

Donnerstag, 20. April 2017

Frühling in Paris von Fiona Blum

Klappentext:
In der Rue d'Estelle blühen die Platanen. Es ist Mai, und das Leben scheint heiter und unbeschwert. Doch den Bewohnern des Hauses Nr. 5 ist nicht nach Frühling zumute. Isaac, der alte russische Jude, verlässt kaum mehr seinen Tabakladen. Dem Studenten Nicolas, der als Straßenclown arbeitet, gelingt es nicht mehr, die Menschen zum Lachen zu bringen. Und die ehrgeizige Tänzerin Camille hat alle Leichtigkeit verloren. Bis eines Tages die junge Louise auftaucht und ein kleines Café eröffnet. Mit ihrer Unbekümmertheit stellt sie alles auf den Kopf und sorgt für einen Zauber, den es in der Rue d'Estelle schon lange nicht mehr gegeben hat.


Melancholisch wirkt das Cover mit der Rückenansicht einer Frau. Nehmen wir an, es ist Louise Barclay, die mit dem Zug von London her gerade in Paris ankommt und die frühlingshafte Stadt auf sich wirken lässt. Noch weiss sie nicht, was sie in der französischen Grossstadt erwartet. Von Paulette Petit wurde sie informiert, dass Louises Tante Isabelle Bonnet verstorben ist und sie ihr etwas mitzuteilen hat. Louise wird vor Ort dann damit überrascht, dass sie eine kleine Mansarde vererbt bekommen hat. 

Nebenan wohnt Strassenkünstler Nicolas Javrés, der sich gerne auf der Galerie der Chimären an der Notre Dame aufhält. In der ersten Etage wohnt Balletttänzerin Camille St. Pierre zur Untermiete; im Parterre befindet sich auf der einen Seite Monsieur Isaacs Tabakladen, auf der anderen Isabelles und Paulettes Bäckerei, die nun leer steht. 

Louise hat in London nichts, was auf sie wartet und entschliesst sich, eine Weile in Paris zu bleiben. Sie weiss nicht, was sie vom Leben will. Louise hat viel begonnen und alles abgebrochen. Soll sie weitermachen wie bisher oder vielleicht ein bisschen gründlicher planen als früher?
Paulette fühlt sich alleine nach Isabelles Tod und wünscht sich mehr Leben in der Rue d'Estelle. Nicolas schleppt mehr als nur seinen Rucksack durchs Leben, Camilles Lebenstraum platzt, Isaac weiss nach dem Tod seiner Frau nichts mit sich anzufangen und dann sind da noch Nicolas Freunde Marcello und der skurrile, Dante zitierende Silvain, aber auch die häkelnde Wirtin Josephine.

Wie schon in "Liebe auf drei Pfoten" wählt die Autorin ihre Figuren behutsam aus. Es sind nie die lauten Extrovertierten, sondern die ruhigen einfachen Charaktere, Leute wie du und ich. Gut, manchmal haben sie nicht so alltägliche Berufe, aber trotzdem sind alle bescheiden und der Leser wird schnell mit allen warm. Die grünen Blätter auf dem Cover und auch der Titel "Frühling in Paris" versprechen Zuversicht, die einige der Bewohner der Rue d'Estelle wegen Schicksalsschlägen und der Frage, wie es weitergehen soll, nötig haben. 

Der Leser kommt zeitgleich mit Louise in Paris an und taucht ein in die Geschichte der Bewohner der Rue d'Estelle Nr 5, deren Stimmung zwischen Melancholie und Lauschigkeit schwankt. Es geht um Lebensträume, ums Überleben, Weiterleben und im Entfernten auch um ein Wagnis eingehen. "Es geht weiter" - so empfand ich das Motto des Buches, welches wortgewaltig, ausdrucksstark und mit einer guten und genauen Beobachtungsgabe verfasst wurde. 

Fazit: Eine bezaubernde Geschichte, die leise, poetische Töne anschlägt und Hoffnung und Frohsinn verströmt. 
4.5 Punkte.