Donnerstag, 22. Juni 2017

Krimi: Madame le Commissaire und das geheimnisvolle Bild von Pierre Martin (Isabelle Bonnet 4)

Klappentext: 
Im Dörfchen Fragolin in der Provence herrscht Urlaubsstimmung, Kommissarin Isabelle Bonnet genießt das süße Nichtstun und das ein oder andere Glas Rosé zu frischem Olivenbrot. Eine Abendeinladung, zu der sie den Kunstsammler Rouven Mardrinac begleitet, könnte das Sahnehäubchen auf der Aprikosen-Tarte sein. Doch Rouven brüskiert die Gastgeber schon nach wenigen Minuten mit der Behauptung, der stolz zur Schau gestellte Matisse sei eine Fälschung. Ein eilig herbei gerufener Sachverständiger macht mit Hilfe raffinierter Technik eine schockierende Entdeckung: Unter der Oberfläche des Bildes verbirgt sich ein verzweifelter Hilferuf! 


Kein Urlaub für Isabelle und Apollinaire! Nicht nur die im Klappentext beschriebene Fälschung, sondern auch ein Anruf von Balancourt machen Isabelle Beine. Sie soll herausfinden, ob der Staatsanwalt tatsächlich an einer natürlichen Todesursache starb oder ob da mehr dahinter steckt. Inkognito ermittelt Isabelle in einem Hotel und hat dennoch Zeit der Bilderfälschung auf den Grund zu gehen. Zwischenzeitlich steht auch das in Fragolin neu eröffnete Museum, Thierrys grosses Steckenperd, im Blickfeld. 

Bravourös gelingt Isabelle und ihrem erweiterten Team das Geheimnis um das Bild zu lösen. Einmal mehr kann mich die Serie begeistern, die in diesem vierten Band mit viel Provence-Flair auftrumpft. Trotz viel Arbeit findet Isabelle genug Zeit für gemütliches Herumschlendern in verschiedenen Städtchen der Provence.  

Mit dabei sind natürlich auch die üblichen Bekannten wie Apollinaire, Thierry und Rouven, sowie Balancourt und seine Sekretärin am Telefon. Gerne würde ich die zwei mal in Fragolin sehen!

In "Madame le Commissaire und das verschwundene Bild" komme ich voll auf meine Kosten, denn ich mag es sehr, wenn Kunst eine zentrale Rolle in einem Buch innehat. Interessant wird das Geheimnis um ein gewisses Bild in Szene gesetzt und nicht so koschere Machenschaften im Kunsthandel beleuchtet. 
Der Autor meistert das komplexe Thema leichthändig und wie immer mit einer grossen Prise Humor. 

Fazit: Spannender Fall rund um einen verschwundenen Kunstfälscher mit viel Frankreich-Ambiente. 
4.5 Punkte.

Reihenfolge:
Madame le Commissaire...
Band 1: ...und der verschwundene Engländer
Band 2: ...und die späte Rache
Band 3: ...und der Tod des Polizeichefs
Band 4: ...und das geheimnisvolle Bild

Montag, 19. Juni 2017

Montagsfrage 19.06.2017



Gibt es manchmal Bücher, bei denen du zögerst sie zu lesen, obwohl du sie eigentlich unbedingt lesen willst?

Ja, und zwar aus unterschiedlichen Gründen: 
Da gibt es die, die mich interessieren, aber bei denen ich zögere, weil ich doch nicht sicher bin, ob ich sie tatsächlich lesen möchte, weil ich den Autor zwar toll finde und gerne lese, mich das Thema des neuen Buches aber nicht so interessiert (z.B. Sylvia Lotts "Die Lilie von Bela Vista), oder ich zuerst alle anderen Bände nochmals lesen möchte (z.B. der letzte Teil von Harry Potter) oder ich aus Zeitgründen lange nicht alles so zügig lesen kann wie ich möchte, und dann die neueren Bücher den Vorrang bekommen weil sie a) entweder Rezensionsexemplare sind oder b) ich einfach nicht in der richtigen Stimmung bin. 
Und dann zögere ich seit ca. zwei Jahren immer wieder bei historischen Romanen, die ich früher so gerne gelesen habe. Einerseits fehlt mir auch die passende Stimmung dazu, und ich hatte in dem Genre extrem gute Romane gelesen, dass ich wahrscheinlich denke, ich werde bei den noch übrigen bei mir auf dem SuB liegenden, enttäuscht wenn ich sie lese (z.B. "Herrin der Kathedrale" von Claudia & Nadja Beinert); andererseits gab es in den letzten Jahren einfach extrem viele Bücher, die auf zwei Zeitebenen spielen, so dass ich trotzdem viel Historisches zu lesen bekam. 
Wie es auch sei - gelesen werden sie eines Tages alle! Der Tag bräuchte einfach mehr Stunden!

Und sonst so:
Am Wochenende kam ich kaum zum lesen, deshalb bin ich noch immer an "Provenzalisches Feuer" von Sophie Bonnet dran. Danach widme ich mich "Beklage deine Sünden" von Deborah Crombie und "Ein Sommergarten in Manhattan" von Sarah Morgan; Flavie de Luce wartet ebenfalls. Ende Woche sollte ich langsam mit meinen "Paris-Büchern" beginnen, denn vom 10. bis 15. Juli habe ich zusammen mit Kerstin von Wörterkatze ein grosses Paris-Blogspecial geplant! Wir stellen euch Romane vor, dessen Protagonisten Frauen sind, die in irgendeiner Weise mit in Paris lebenden Künstler oder Autoren wie Pablo Picasso, Marc Chagall, David Scott, James Joyce und Samuel Beckett zu tun hatten. Wir freuen uns schon sehr darauf und hoffen, ihr besucht unser Paris-Special im Juli dann fleissig!

Jetzt ist aber erstmal Juni-Sommer angesagt: hier in Zürich soll es die ganze Woche hochsommerliche 30° und viel Sonne geben. Was macht ihr, wenn es so heiss ist? (Ausser Lesen natürlich 😉 ) Euch in der dunklen Wohnung verkriechen, auf Balkonien gemütlich machen oder draussen am See oder in der Badi verweilen?

Diese Woche erwarten euch zwei Rezensionen, zu "Madame Commissaire und das verschwundene Bild" und zu "Fliedersommer", dazu wird es noch einen sommerlichen Bücherpost geben. 

Liebe Grüsse und eine guten Start in die heisse, hochsommerliche Woche!
Anya

Samstag, 17. Juni 2017

Krimi: Tödliches Blau von Katharina M. Mylius (Oxfordkrimis 4)

Klappentext:
Der Trainer des Ruderclubs der Universität Oxford treibt tot in der Themse. Zunächst sieht es danach aus, als sei der Mann ertrunken. Doch dann verdichten sich die Hinweise, dass er hinterlistig ermordet wurde. Das Inspektoren-Duo Heidi Green und Frederick Collins ermittelt und findet heraus, dass sich der ehrgeizige Trainer mit seiner harschen Art viele Feinde gemacht hat. Dabei gerät ein Ruderer besonders ins Visier der Ermittler. Wenig später wird jedoch auch er tot aufgefunden...





Oxford ist die Universitätsstadt Grossbritanniens und somit ist es keine Überraschung, wenn jeder Fall der Serie irgendeinen Bezug zu einem der Colleges hat. Diesmal steht der Ruderclub von Oxford im Mittelpunkt. Das wichtigste Rennen der Saison gegen den Erzrivalen Cambridge steht bevor. Doch dann wird in der Themse ein ertrunkener Ruderer gefunden. Sergeant Simmonds quatscht zwar immer noch viel, doch ist er derjenige, der am Tatort Zweifel an der Todesfolge hat. Der Tote ist Marcus Hind, Trainer des Ruderclubs und durch seine Art ziemlich unbeliebt. Deshalb ist es auch kein Zufall, dass etliche Personen in seinem Umfeld ein Mordmotiv hätten. Es liegt an Heidi und Frederick den wahren Mörder zu ermitteln. Erschwerend kommt hinzu, dass sämtliche Ruderteammitglieder die gleichen Schuhe und Kleidung tragen, was der Spurenermittlung nicht dienlich ist. Aber auch Hinds Familie hatte jeden Grund dazu, ihn loszuwerden.

Die Autorin nimmt den Leser mit durch die, für aussenstehende teilweise sehr speziell wirkende, Welt der Colleges und Ruderclubs. Ein typischer Whodunit-Krimi mit vielen Verdächtigen, die alle gut charakterisiert werden. Sei es Hinds Familie - die Frau, die betrogen wird, die Tochter, die ihren Vater liebt und alles macht was ihm gefällt; der Sohn, der genau das nicht macht, was sein patriarchalischer Vater wollte; die Studenten Josie, Ian, Ryan und Carl, die sich ihren Platz im Ruderteam erhalten wollen; Bootswart Peter, der dafür sorgt, dass im Bootshaus immer alles aufgeräumt ist. 
Die beiden Polizisten Heidi und Frederick gehen allen Fährten nach, kommen hinter die aufgetischten Lügen und kauen alles vermehrt durch, so lange bis sie das Rätsel um den Tod von Marcus Hind lösen. 

Über das aktuelle Privatleben der beiden wird jedoch auch erzählt: Heidi hat jeden Freitagabend Ausgang - ein Privileg, denn nicht jede Mutter hat Grosseltern zur Stelle, die ihre Kinder regelmässig hüten. Just als Frederick  sich entschliesst, sich endlich bei Louise zu melden, bekommt er überraschend Besuch von seiner Ex-Freundin. Dies passt ihm gar nicht - seine entsprechende Gefühlslage kriegt sein Arbeitsumfeld ab. 

Wenn man nach einer ernüchternden Lektüre zu einem Buch greifen kann, von dem man weiss, dass man nicht enttäuscht wird, ist das richtig wohltuend. Die Oxfordkrimi-Serie ist zuverlässig diesbezüglich - auch der vierte Band hat mich überzeugt.

Fazit: Ein entspannender und unterhaltender Britcrime, in dessen Fokus der Ruderclub steht. 
4 Punkte.

Reihenfolge:
Band 4: Tödliches Blau


Mittwoch, 14. Juni 2017

Meine zauberhafte Eisdiele in der Provence von Elizabeth Bard

Klappentext:

Eigentlich wollten sie für immer in Paris bleiben. Aber kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes entdecken Elizabeth und ihr Mann bei einem Ausflug in ein provenzalisches Dorf das ehemalige Zuhause eines berühmten Dichters. Sie verfallen dem Charme des Ortes und entscheiden sich schneller, als man ein Crêpe wendet, mit Sack und Pack und Pfannen in den Süden zu ziehen. Und diesem Neuanfang wohnt wirklich ein Zauber inne: Sie erleben das erste Jahr als Eltern, das erste Jahr auf dem Land, und sie beginnen ein weiteres großes Abenteuer: Sie eröffnen ihren eigenen Eissalon und experimentieren mit regionalen Zutaten und ungewöhnlichen Aromen wie Safran, Schafsmilch, und Olivenöl. Eis von ›Scaramouche‹ wird ein großer Erfolg für Elizabeth und Gwendal und die Provence ein Fest fürs Leben.

Am Anfang dachte ich, ich komme über das Inhaltsverzeichnis nicht hinaus. Denn jedes Kapitel ist einem Menu gewidmet, das mir nur schon beim Lesen der Speisen das Wasser im Mund zusammen laufen lässt. Später beim Lesen merkt man, dass jedes Menu einen Bezug zum betreffenden Kapitel hat.

Elizabeth Bard erzählt aus ihrem Leben: wie sie sich in Paris verliebt, verheiratet und niedergelassen hat. Wie sie und ihr Mann nach zehn Jahren in Paris auf die Idee kamen, sich im Luberon niederzulassen, dazu die Geschichte ihres neuen Hauses, der Renovation, der Umzug. Wie sie die Schwangerschaft erlebt hat, wie es ist, Mutter zu sein. Wie das Leben im kleinen Dorf Céreste mit all seinen Vor- und Nachteilen so ist; wie es ist, wenn man Besuch bekommt. Wie sie sich in ihrem Urlaub bei ihrer Mutter in Amerika gefühlt hat; wie sie sich fühlte, als ihre Mutter bei ihr zu Besuch war. Und dann, gegen Ende des Buches: wie sie auf die Idee mit der Eisdiele kamen. Wie sie ein passendes Lokal suchten, dieses umbauten, wo sie ihre Nahrungsmittel herkriegen. Erst ganz am Schluss, auf den letzten Seiten, beschreibt sie endlich die Eröffnung der Eisdiele. 

Wer wie ich eine Geschichte über die Eisdiele erwartet, ungefähr so wie in Abby Clements "Das Glück schmeckt nach Zitroneneis", wird enttäuscht sein. Denn die Eisdiele ist das Ziel dieser Erzählung, und nicht wie gedacht der Beginn.

Elizabeth Bards frech-frischer und bildlicher Schreibstil gefällt mir sehr gut, die ersten Kapitel zu lesen war ein Vergnügen. Doch mit der Zeit wurde es mir langweilig. Die Autorin schildert in der Ich-Form auf den 464 Seiten alles, was mit ihrem Leben im nahen und weiten Sinn zu tun hat. Sie verliert sich manchmal in Erinnerungen und findet nur schwer wieder zurück zum eigentlich gerade erzählten Thema. Und alles, wirklich alles, wird vom Essen begleitet und umrahmt. Die Autorin geniesst das unbeschwerte Geniessen in Frankreich, aber vergleicht es fortwährend mit der amerikanischen Tischkultur. 

Nicht nur beim Essen, sondern schlichtweg überall wird auf die Unterschiede zwischen der amerikanischen und französischen Mentalität aufmerksam gemacht. Vom Beispiel, als ihre Mutter aus Amerika zu Besuch kommt, und lauter abgepackte Süssigkeiten mitbringt und dann auch vor Ort nur Tiefkühlware und Fertigfood im Supermarkt ausserhalb des Dorfes einkauft, während Frau Bard fast nur noch auf dem Markt einkauft bis zu der Schilderung, wie sich die Kinder bei der Passbeantragung verhalten - neben dem Essen und ihrem neuen Leben dreht sich alles um die kulturellen Differenzen der beiden Länder. 
Für die einen Amerikaner mag das vielleicht interessant sein, für die anderen ein Schlag ins Gesicht. Für mich als Europäerin hörte es sich an, als ob die Autorin in diesem Buch ihre eigene Lebensgeschichte aufarbeitet und ihre neuen Denkweisen darin rechtfertigt. 

Irgendwie erinnert mich das Buch an Elizabeth Gilberts "Eat Pray Love" - welches schöner, vor allem aber spannender und gefühlvoller erzählt wird. Elizabeth Bard hingegen geht lediglich bei den Beschreibungen der Mahlzeiten und der Auswahl der frischen Lebensmittel total in ihrem Element auf. Vielleicht ist es eher ein Buch für Amerikaner, die nach Frankreich ziehen wollen oder davon träumen. Vielleicht liest sich "Meine zauberhafte Eisdiele in der Provence" für Europäer besser, wenn es häppchenweise gelesen wird, jeden Abend ein Kapitel. Vielleicht. Peu à peu. Wer das kann, wird wahrscheinlich glücklich werden mit dem Buch. 

Fazit: Gefälliger Schreibstil, aber ein mit der Zeit langweilig werdender Erlebnisbericht über das Savoir Vivre in Frankreich im Besonderen und franko-amerikanische Mentalitätsunterschiede im Allgemeinen. Dafür mit vielen tollen Rezepten. Häppchenweise zu geniessen (- nicht die Rezepte, das Buch)!
3 Punkte.

Montag, 12. Juni 2017

Der Duft von Liebe und Limonen von Flumeri & Giacometti

Klappentext:
Melania ist leidenschaftliche Köchin. Am liebsten entwickelt sie ihre eigenen süßen Naschereien. Dann wird sie auf die Insel Capri eingeladen, um für den renommierten Koch Fabrizio Greco seine Biografie zu schreiben. Schnell ist sie fasziniert von diesem Mann, dessen Koch-Kreationen eine fast magische Kraft auf Melania ausüben. Während ihrer langen Ausflüge und Gespräche genießt sie nicht nur die wild-romantische Schönheit der Insel, sondern auch die zarten Avancen von Fabrizio. Doch je länger sie mit ihm zusammen ist, desto mehr beschleicht sie das Gefühl, dass er ihr etwas verheimlicht. Eigentlich Grund genug, um auf Abstand zu gehen. Wird es ihr gelingen während der magischen Nächte eines Sommers auf Capri dem Charme dieses Mannes zu widerstehen? 

Wie bereits in "Die Zutaten der Liebe" spürt man die Leidenschaften der beiden Autorinnen. Gutes Essen und die Liebe zu Italien, hier speziell zur Insel Capri. 

Die Römerin Mel schreibt einen Kochblog und liebt es zusammen mit den Kindern aus dem Kinderhaus zu backen. Sie hat ihren grössten Traum, ein Buchprojekt, einem Verlag angeboten und wartet auf die Antwort. Die folgt prompt, doch der Verlag möchte, dass sie zuerst als Ghostwriter die Autobiografie eines berühmten Koches von Capri schreibt. Sie nimmt den Auftrag an, in der Hoffnung, danach grünes Licht für ihr eigenes Projekt zu bekommen. Als Mel in Capri eintrifft ist sie fasziniert von der schönen Insel und kommt in den Alstadtgassen alsbald ins Gespräch. Auf diesem Wege findet sie eine Unterkunft: ein schönes Anwesen, dass von der Familie D'Ascenzo bewohnt wird. Hier trifft sie auf keinen ruhigen, aber schönen Rückzugsort und ist begeistert vom Zusammenhalt der generationenübergreifenden Mitbewohner. 
Das Zusammentreffen mit dem Meisterkoch Fabrizio, über den sie schreiben soll, gestaltet sich komplizierter. Aus dem einfachen Fischersohn aus Furore, wurde ein erfolgreicher Koch, der seine Gefühle unter seiner arroganten Fassade versteckt. Mel spürt dies und möchte darunter schauen, auch darüber schreiben, aber Fabrizio blockt ab. Klar, dass es deswegen zum Streit kommt und Mel kurz davor steht, dieses Projekt abzubrechen. 

Fabrizio denkt, er könne alle Frauen mit seinem Essen verführen, was ihm in Amerika auch gelang. Er kam zurück nach Italien, weil er den Duft nach Meer und Pinien vermisste. Für sie ist die Situation mit Fabrizio emotional sehr schwierig. Aber sie liebt die Insel und geniesst ihre Zeit trotz den Schwierigkeiten mit dem Starkoch. 

Mir gefielen besonders die Beschreibungen der Wohnsituation bei den D'Ascenzos. Nonna Rosa und Zia Maria, die Mel bekochen und voll schwatzen, all die tierischen Mitbewohner, der Zwist zwischen Antonio und seinem Vater Augusto. Aber ich freute mich auch jedesmal wenn Nando, Fabrizios Onkel, in Erscheinung trat. Der ältere kluge Herr sorgt wie die Tanten für Bodenständigkeit; sie sind allesamt zufrieden mit ihren eigenen - und gar nicht so 08/15-mässigen - Lebensentwürfen. 

Der Plot ist theoretisch einfach - schöner Mann trifft verletzte Frau - und dennoch glänzt die Geschichte durch die charakteristischen Figuren und den atmosphärisch und sommerlich verpackten Beschreibungen der Insel, als ob Werbung für die Insel gemacht werden soll. 

Der Roman ist vergnüglich und ruhig zu lesen. Durch das Zusammentreffen von Mel und Fabrizio sowie der erotisch umschriebenen Küche versprüht die Geschichte eine spezielle Sinnlichkeit. 

Fazit: Liebe und Küche kombiniert mit Sommer und Meer - eine leichte Geschichte für jeden Urlaub.
4 Punkte. 

Freitag, 9. Juni 2017

Krimi: Portugiesische Rache von Luis Sellano (Portugal-Krimis 2)

Klappentext:
Nach gefährlichen Abenteuern in Lissabon hat der Expolizist Henrik Falkner sich in die Stadt am Tejo verliebt. Henrik übernimmt das Antiquariat seines Onkels Martin – und damit auch dessen Vermächtnis. Denn Martin hat nicht nur Kuriositäten aller Art, sondern auch Artefakte gesammelt, die in Zusammenhang mit ungelösten Verbrechen stehen. Als ein Mann in der Bar Esquina erstochen wird, ahnt Henrik, dass er in den nächsten Fall geraten ist. Zusammen mit der temperamentvollen Polizistin Helena begibt er sich auf die Spuren des Mörders. Doch dann wird Helenas Tochter entführt … Es beginnt eine Jagd durch die Gassen von Lissabon.


Beim ersten Band bemängelte ich die vielen Zufälle, mit der Henrik Falkner durch seine erste Ermittlung flog. Auf der Frankfurter Buchmesse #fbm16 kam ich mit dem Autor ins Gespräch und er versprach mir, dass der zweite Band "zufallsloser" sein wird. Um das zu überprüfen, gab ich seinem Ermittler Henrik Falkner eine zweite Chance.

Ich nehme es vorweg: Zufälle finden sich kaum noch in "Portugiesische Rache"; und wenn, dann sind sie glaubhaft umgesetzt. Auch Henrik Falkner hat Konturen angenommen. Er scheint nicht mehr pausenlos auf der Flucht zu sein, sondern ist angekommen in seinem neuen Zuhause in Lissabon. Natürlich denkt er manchmal noch trauervoll an seine verstorbene Frau, und fragt sich, was sein Onkel Martin ihm wirklich hinterlassen hat. Doch aus Lissabon möchte er nicht mehr weg. Er wird je länger je mehr vertraut mit den Sitten der Einheimischen und geniesst sein neues Leben und die Arbeit im chaotischen Antiquariat. Nur an seinem Portugiesisch müsste er noch arbeiten. 

Als an einem Abend in Victors Bar ein neuer Kunde von Henrik erstochen wird und in seinen Armen stirbt, und in der gleichen Nacht jemand ins Antiquariat einbricht, ist es aus mit der Ruhe. Henrik hat keine Ahnung mehr, welches Buch der Kunde gekauft hat, und da die Polizei kein Buch beim Toten findet, zieht er seine Schlüsse - was hat es mit dem Buch auf sich, dass jemand dafür sein Leben lassen musste? Durch einzelne Informationen von Catia und Helena kommt Henrik dem Buchgeheimnis langsam auf die Spur. Unpassenderweise taucht Henriks Vater urplötzlich auf und logiert sich bei ihm ein. 

Henrik ist nicht der einzige Hausbewohner, der Besuch bekommt. Pacos Mutter, Donna Celeste, quartiert sich ebenso ein. Nicht nur die Hausbewohner, auch andere Bekannte aus "Portugiesisches Erbe" treffen wir wieder an: Polizistin Helena und ihre Familie, deren Kollege Lui, die deutsch sprechende Steuerberaterin Adriana, die hilfsbereite Ärztin Filipa sowie Bruno, der Mönch. 

Alles in "Portugiesische Rache" dreht sich um das verschwundene Buch und seinem blutigen Geheimnis. Um Helena und weitere Personen zu schützen, ist Henrik meistens alleine unterwegs und will die Bösewichte ohne Hilfe fassen. Dabei sticht Henrik in einige Wespennester und kommt nicht um Verfolgungen und Blessuren herum. Er gerät in einige Schlägereien, die so ausführlich beschrieben wurden, dass sie mich fast schon langweilten. Auch das ständige Losrennen, kaum hat er bemerkt, dass er beobachtet wurde, nervte mit der Zeit. Ein bisschen mehr Teamarbeit würde ihm gut tun.

Eigentlich erwartete ich, dass es im zweiten Band um die Aufklärung des Todes von Martins Partner geht, wie am Schluss des ersten Band angekündigt wurde. Dieses Geheimnis bleibt leider nach wie vor ungelöst. Es wird lediglich zweimal erwähnt, aber nur als Ein- (und Aus-)leitung des Buches. Am Ende wird nicht nur die Geschichte um Joao, sondern auch weitere wichtige Vorkommnisse nicht vollständig aufgelöst und so endet der zweite Teil genau gleich wie der erste: mit einem Cliffhanger. Ein(!) Cliffhanger in einer längeren Bücherserie mag ja reizvoll sein, aber wenn in jedem Buch der Reihe einer vorkommt, hält mich das eher vom Lesen der weiteren Teile ab, als dass es Lust auf zukünftige Bücher macht. Dass dieser Fall nur zum Teil aufgeklärt wird, finde ich insbesondere schade, weil das Schicksal und die Rollen einzelner Personen ungeklärt bleiben.  

Ungeachtet dieser Mankos hat sich dieser Portugalkrimi erheblich gesteigert. Wie ganz oben erwähnt, ist Henrik trotz aller Alleingänge bodenständiger geworden. Auch die Schilderungen der Stadt sind fassbarer, so dass der Autor neben der ziemlich flüssigen Kriminalhandlung wie nebenbei ganz viel über die Stadt und die portugiesische Mentalität erzählt. Anlässlich einer Städtereise nach Lissabon würde ich diesen Krimi fürs Handgepäck empfehlen. 

Leser, die erst beim zweiten Band einsteigen, kommen gut mit. Das Wichtigste aus dem ersten Band wird geschickt eingeflochten. 

Fazit: Ein geheimes und verschwundenes Buch hält Henrik auf Trab - eine flüssige Krimihandlung, die leider nicht vollständig aufgeklärt wird.
4 Punkte.


Reihenfolge:
Band 2: Portugiesische Rache

Donnerstag, 8. Juni 2017

Auf Federicas Spuren in Rom 2

"Hier im Testaccio, dem alten, vergessenen Viertel ... von Rom" spielt sich der Roman "Liebe auf drei Pfoten" von Fiona Blum ab. Der wunderschöne Roman machte so richtig Lust, wieder einmal in die ewige Stadt zu reisen. Meine Familie hatte ich schnell überzeugt und so machten wir uns in den Frühlingsferien auf nach Rom. Wir sind zwar keine Frühaufsteher wie Federica, aber die Stadt ist nicht nur frühmorgens sehenswert. 


"Hier im Testaccio, dem alten, vergessenen Viertel rund um den ehemaligen Schlachthof von Rom, war das Geld knapp, und kaum einer konnte es sich leisten zu verreisen. Das Testaccio rühmte sich damit, dasjenige historische Viertel zu sein, das in jeder Hinsicht am weitesten vom heiligen Zentrum der Stadt entfernt lag.... Es gab hier keine Sightseeing-Busse, keine Schneekugeln mit Petersdom und kein menu turistico. Stattdessen eine Pyramide voll streunender Katzen und viele Verrückte, Einsame und Gestrandete." (S.7/156)




Wir fuhren also mit der Metro zur Pyramide, überquerten die Strasse und suchten den Eingang zum protestantischen Friedhof, den Cimitero acattolico. Dazu muss man rechterhand um die Pyramide laufen, von dort kann man schon mal einen Blick aufs Gelände werfen. Doch der Eingang befindet sich etwa 2-3 Gehminuten weiter weg, links in die Via Caio Cestio 6 einbiegen und nach ca. 100m erreicht man die Pforte.



Auf dem Friedhof befindet sich nicht nur das Grab von Goethes Sohn August oder dasjenige des englischen Poeten John Keats oder der sehr eindrückliche trauernde Engel, der ein Bildhauer seiner verstorbenen Frau als Grabmal schuf, sondern auch der letzte Ruheplatz einer der Romanfiguren aus "Liebe auf drei Pfoten".
Während unserem Besuch hörten wir plötzlich Gesänge - eine kleine orthodoxe Gedenkfeier fand an einem der Gräber statt.








In der Nähe des Grabmals von John Keats lag dann auch diese Katze im Gras und ich stellte mir vor, es wäre Bruno, der das Grab der besagten Romanfigur besucht. Obwohl Bruno ein schwarzer und nicht ein rotgetigerter Kater ist.

Bänke laden die Besucher zum Verweilen ein, auch Katzen dürfen sich hier erholen. Ausserdem ist auf dem Areal ein Katzenasyl untergebracht, von dem auch im Roman berichtet wird. An einem Zaun hängt eine kleine Kasse, für die Katzen Roms wird damit Geld gesammelt. Frauen wie Flavia füttern hier die Katzen. 

"Die Katzen von Rom waren es wert, dass man sie liebte, auch wenn das nicht alle so sahen. Rund dreihunderttausend gab es in der Stadt und sie waren allesamt etwas Besonderes. Mit ihren eigensinnigen, sturen Katzenherzen hingen sie an den alten Ruinen der Stadt, stromerten zu Hunderten zwischen römischen Säulenresten herum und lagen auf antiken Mauern träge in der Sonne, ganz so, als hätte das römische Imperium einzig und allein zu dem Zweck existiert, um den streunenden Katzen ein angemessenes Heim zu bieten. Nicht zu übersehen war allerdings auch das Elend der stillen Okkupanten, die allein schon aufgrund ihrer immer weiter wachsenden Zahl kaum noch etwas zu fressen fanden und mildtätige Gaben alter, verrückter Frauen wie Flavia Buonacuore angewiesen waren.." (S. 43 und 44/156)

Weiter ging es vorbei am Monte Testacchio, den Scherbenhügel, runter zur Markthalle, in der die Bewohner des Quartiers einkaufen. 
Von dort quer durchs Quartier zur Kirche Santa Maria del Liberace. Gegenüber befindet sich ein Park, in den die Kinder nach dem Besuch in Fé's Bibliothek hinrannten. "Matteo lief die Via del Arcangelo hinunter und bog auf die schattige Piazza Santa Maria Liberatrice ein, seine heulende Schwester Fiammetta im Schlepptau." (S.91/156) Flavia setzte sich kurze Zeit später auf dieselbe Bank und entdeckte das vergessene Buch, doch Matteo kam zurück, um es zu suchen: "Haben Sie ein Buch gefunden, Signora?" "Hast du denn eins verloren?" (S.102/156)

Zwei Strassen weiter lief vor mir eine ältere Frau und sogleich stellte ich mir sie vor als Flavia, die mit ihrem Einkaufswegen etwa so im Quartier unterwegs war.
"Als die Katze vor das Auto lief, hatte Flavia Buonacoure ihren Einkaufswagen bereits vollgepackt und war losgegangen. Jeden Tag schob sie den klappernden Wagen, den sie sich vor langer Zeit von dem kleinen Supermarkt an der Ecke ausgeliehen hatte, von ihrer Wohnung bis zur Pyramide des Cestio, die das äusserste westliche Ende des Testaccio markierte." (S. 41/156)
"Auch heute ging Flavia ihren üblichen Weg zur üblichen Zeit... Sie hatte nach einigen Experimenten herausgefunden, dass die Mittagszeit die beste Zeit war, um ihre Schützlinge zu füttern, weil es dann am stillsten war." (S.43/156) 



Überall in Rom finden sich solche Brunnen. Dieser hier findet sich an der Ecke der Via A. Vespucci, die Strasse, die im Buch die Via Arcangelo darstellt. "Immerhin lebte man in Rom, der glanzvollen Hauptstadt des Imperiums Romanum, die schon vor zweitausend Jahren über die modernste Wasserversorgung der antiken Welt verfügt hatte. Aus dieser Zeit stammten auch noch die zahllosen Brunnen, aus denen man sich in der Stadt an jeder Strassenecke mit frischem, sauberem Wasser versorgen konnte." (S.23/156)





Ein paar Schritte weiter könnte Federicas Wohnung liegen. Sie wohnt oben in einem Mehrfamilienhaus, Balkon an Balkon mit ihrem Nachbarn Mimmi, vielleicht sieht es ein wenig so wie auf dem Foto aus. Ebenso passt der begrünte und mit Palmen bepflanzte Innenhof. 

"Federica lag auf dem Balkon und wartete. Sie wartete, obwohl sie sehr gut wusste, dass es umsonst war: Es würde kein Luftzug wehen, nicht einmal der Hauch eins Luftzugs. Die drei staubigen Plamen in der Mitte des Hinterhofs standen matt und vollkommen reglos in der unbewegten Luft." (S.7/156)




"Und jene schmale Strasse, die den hochtrabenden Namen Via del Arcangelo trug. Versteckt zwischen alten Häusern, von denen der Putz vergangener Jahrzehnte blätterte, folgte sie im Verborgenen der Biegung des Tibers von der Ponte Sublico bis zur Ponte Testaccio. Dort, in einem ehemals terrakottarot gestrichenen Haus mit einem kiesgedeckten Innenhof, lag Federica Mazzanti in der schwülen Hitze der Juninacht auf dem Balkon ihrer Dachgeschosswohnung und wartete auf den Schlaf, der nicht kommen wollte." (S.7/156)


Einmal im Monat gingen Federica und Mimmi zusammen essen. Entweder in die Trattorio von Pasquale oder "Wenn das Geld für solch lukullische Genüsse nicht reichte, tat es auch eine Pizza Margherita oder eine Piadina an Raffis Bar in der Via Marmorata. (S.21/156) Wir taten es ihnen gleich und assen an der besagten Strasse im "Il Gianfornaio" zu Mittag.



Von oben an der Via Marmorata geht links eine kleine Strasse hinauf auf dem Aventin. Dort steht das Hotel Anselmo, das der Frühstückspenion, in der Federica morgens arbeitet, nachempfunden wurde.  "...aber andererseits war das Albergo Il Nido, Das Nest, in dem sie als Frühstücksfräulein arbeitete, so verschlafen und fernab aller Massentourismusströme gelegen, dass sich nur sehr selten grösser Reisegruppen hierher verirrten." (S.9/156)



Ganz oben auf dem Aventin befinden sich einige schattenspendene Parks, von denen man einen schönen Blick auf die Stadt hat. Federica stand am Ende des Romans jedoch auf der anderen Seite, auf dem Gianicolo. Ich bin mir sicher, sie hatten einen ebensolch schönen Ausblick.












"Auf dem Aussichtspunkt des Piazzale Gianicolo angekommen parkte sie ihr Mofa, hob die Tasche mit Bruno aus dem Gepäckträger und ging mit ihr nach vorn zur steinernen Brüstung. Vor ihr lag die Stadt in ihrer ganzen unglaublichen, unwirklichen Pracht..." (S. 154/156)


Auf diesem Foto sieht man vom Aventin aus über den Tiber nach Trastevere. Das grosse, langgezogene Gebäude ist der Complesso Monumentale die San Michele a Ripa Grande und eins der grössten Gebäude Roms. Rechts daneben ist in der Querstrasse Via del Porto die Tierarztpraxis angesiedelt. Federica war von Testaccio aus mit ihrer Vespa rasch dort.

"Federica gab noch mehr Gas, sie fuhr jetzt schnell, schneller als der Verkehr, der sich stockend auf der Ponte Sublicio über den Tiber drängte. Haarscharf fuhr sie rechts an einer ganzen Kolonne vorbei, ignorierte die rote Ampel und bog rechts ab, den Lungotevere Ripa Grande entlang. Dort war bereits die kleine Via del Porto. Sie parkte auf dem Gehsteig, vergass, ihr Mofa abzusperren, und hob die Katze mitsamt der Bluse der alten Frau aus der Kiste. Ein kleines, ziemliche neues Schild an der alten, verwitterten Fassade eines Hauses sagte ihr, dass sie richtig war. Sie klingelte, zwei, drei Mal, und bemerkte in ihrer Ungeduld nicht gleich, dass die Tür längst offen war." (S.55 /156)

Tierarzt Dr. Fontanari hat seine Praxis und die Sprechstundenhilfe Signora Mazza von seinem Vorgänger übernommen. Sie mag es nicht, wenn er herrenlose Tiere behandelt - nicht nur deshalb würde er sie manchmal am liebsten vor die Türe stellen. Doch er ist viel zu gutmütig. 
"Davide Fontanari seufzte und machte sich ebenfalls auf den Weg zu seinem verbeulten Fiat, der auf dem winzigen Privatparkplatz, stand, der zu der Praxis gehörte und in dieser Stadt nicht mit Gold aufzuwiegen war. Morgen. Morgen würde er seine Sprechstundenhilfe in ihre Schranken weisen. Ganz sicher." (S. 85/156) 
Wahrscheinlich besass er nicht solch einen leuchtend gelben Fiat, aber die stehen in vielen Farben in allen Ecken Roms in diversen Stufen von nigelnagelneu bis zu verbeult und total verrostet.


Kein Foto habe ich von Federicas Bibliothek. Der im Buch dargestellte Platz ist fiktiv am Ufer des Tibers gelegen. Real führt je eine grosse Autostrasse auf beiden Seiten des Tibers entlang. Vom Friedhof her kommend, oberhalb des Scherbenhügels, an der Via Nicola Zabaglia, sah ich jedoch eine gerade geschlossene und nicht direkt an der Strasse gelegene Bibliothek. 

Auf dem im Buch beschriebenen Areal befinden sich Werkstätten einiger Künstler. Einer von ihnen ist Martino, der sich sein Geld als  römischer Legionär verdient. Verkleidete junge Männer standen früher zuhauf rund um das Colosseum, doch dort standen nur Unmengen von Touristen und Guides, die wetteiferten, wer die nächsten Touristen ins Kolloseum führen darf. Legionäre fand ich dafür überraschend ein paar Tage später beim Eingang des Park der Villa Borghese. 
"Martino arbeitete seit einigen Jahren als Legionär. In voller Rüstung, die er sich selbst hatte anfertigen lassen, postierte er sich jeden Tag zusammen mit einigen Kollegen vor dem Kolosseum und wartete auf zahlende Touristen, die mit ihm zusammen ein Foto machen wollten... Wenn er nicht als Legionär arbeitete, war er Künstler, allerdings eher einer von der brotlosen Sorte.... Leider war der Stadtradt von Rom in diesem Frühjahr urplötzlich auf die Legionäre aufmerksam geworden und hatte begriffen, dass sich damit Geld verdienen liess. Und so waren sie ganz schnell verboten worden, und man verteilte neuerdings teure Tageslizenzen für alle, die sich weiterhin auf diese Weise verdingen wollten."(S.26/156)

Zu Fuss hat man natürlich länger als Federica auf ihrer Vespa, aber der Campo di Fiori ist auch per pedes gut erreichbar. Auf dem schönen Platz kann man täglich dem Marktgeschehen beiwohnen, einfach nur ein Gelati oder Tartuffo geniessen oder in einem der umliegenden Restaurants essen. Oder sich wie Federica auf die Stufen der Statue von Bruno Giordano setzen und wie sie ein Buch lesen. 


"Federica mochte Steine lieber als Menschen. Deshalb war vielleicht auch Giordano Bruno ihr Freund. Natürlich war auch er eimal ein Mensch aus Fleisch und Blut gewesen, doch das war langer her... Zweihundert Jahre später war ihm auf diesem Platz südlich der grossen und ungleich prächtigeren Piazza Navona ein steinernes Denkmal errichtet worden. Dort stand er noch immer, ein steingewordener Philosoph und Volksheld, die Kapuze tief in die Stirn gezogen, den Blick auf ewig anklagend in Richtung des Vatikans gewandt. Federica besuchte ihn oft. Machmal, wenn sie rechtzeitig aufgestanden war, noch vor der Arbeit im Postamt, meist aber, bevor sie ihr Arbeit als Frühstücksfräulein bei Signora Zafferano antrat.... Damit setzte sie sich ihrem Freund zu Füssen und stellte ihm die eine oder andere Frage. Es ging dabei meist um Dinge, die sie gelesen hatte und die sie nicht losliessen." (S.14/156)

Am Ende unseres "Liebe auf drei Pfoten"-Tages entdeckte ich in Trastevere in einem kleinen Hinterhof, in dem ich eigentlich nur eine Marienstatue anschauen wollte, den kleinen Bruno. Er blickte neugierig aus der Pförtner-Wohnung durchs Fenster und es war wie bei Federica Liebe auf den ersten Blick:


"...der keine Kater war nicht umsonst ein zäher mit allen Wassern gewaschener Strassenkater, der bereits sechs wilde Leben hinter sich hatte. Er erkannte eine Chance, wenn sie sich ihm bot. Und dieser Geruch, der zu der Frau mit der leisen Stimme und den vorsichtigen Händen gehörte, war so eine Chance. Und so beschloss der Kater - der nicht wusste, dass er von nun an Bruno genannt werden würde, nach einem Ketzer, der von unendlichen Welten geträumt hatte - mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit, die der Sturheit von Federcia und den weissen sardischen Eseln in nichts nachstand, auf dieser Welt zu bleiben..." (S.64/156)

Ich hoffe, dieser Ausflug nach Rom zum Schauplatz von Federica und ihren Freunden hat euch gefallen und macht Lust, das Buch zu lesen und auch einmal nach Rom oder an den Schauplatz eurer Lieblingsbücher zu reisen! Mir und meiner Familie hat es auf jeden Fall viel Spass gemacht mit einem etwas anderen Reiseführer durch Testaccio und Trastevere zu schlendern und den Aventin zu erklimmen! 

Vielen Dank an Fiona Blum, die mir bereitwillig Auskunft über das Setting ihres beliebten Romans gab! 


(Die angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf das eBook, gelesen auf dem Tolino)