Donnerstag, 3. November 2016

Messebericht zur Frankfurter Buchmesse @fbm16


Nach Leipzig im März machte ich mich vor zwei Wochen auf nach Frankfurt, um die dortige Buchmesse zu entdecken. Die Daten von der #fbm sind leider immer in den Zürcher Schulherbstferien gelegen, so dass ich mit meiner Familie meistens im Urlaub bin, doch dieses Jahr blieben wir zuhause und so konnte dennoch nach Frankfurt reisen. Viereinhalb Stunden im Zug, ideal zum Lesen und sich auf Termine vorbereiten. 
Spät Nachmittags kam ich an - ideale drei Stunden um sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Vor lauter Gängen und Rolltreppen (fast schlimmer als an einigen Flughäfen) dachte ich schon, ich erreiche die Messehallen nie, doch dann stand ich nach einigen Minuten Fussmarsch tatsächlich in Halle 3. 

Donnerstag:
Ich schlenderte gemütlich durch die beiden Hallen 3.0 und 3.1 und merkte mir schon mal den Standort einiger Verlage, an denen ich Freitag und Samstag Termine hatte. Gegen 17:30 besuchte ich bei Thienemann-Esslinger die Standparty, bei der zu musikalischer Begleitung Nele Neuhaus und Oliver Scherz für ihre verkauften Kinderbücher ausgezeichnet wurden. Bei Carlsen einige Schritte weiter bewunderte ich eine grosse Spezialausgabe des neuen Harry Potter-Buches und plauderte mit einem Verlagsmitarbeiter. In den Gängen ringsrum entdeckte ich weitere kleinere oder grosse Kinderbuchverlage, wie zum Beispiel die Beltz-Arena.
Dann war es auch schon Zeit fürs gemütliche Bloggertreffen bei Hoffmann & Campe, wo ich mich mit Anja von "Mein kleines Bücherzimmer" verabredet hatte. Nach dem informativen Treffen (und einigen neuen interessanten Buchtitel auf meiner Merkliste) hatten Anja und ich eine regnerische Autofahrt vor uns Richtung Unterkunft, in der wir uns ein Zimmer teilten. Auf der Fahrt staunte ich mal wieder über die vielen rücksichtslosen deutschen Raser, die sich weder um Verkehrsregeln noch um andere Verkehrsteilnehmer noch um Wetterbegebenheiten kümmerten. Unverständlich sowas. Da bin ich wirklich froh um unsere Schweizer Geschwindigkeitsbegrenzungen (an die sich zwar auch nicht alle halten, aber eindeutig weniger gerast werden kann). Nachdem wir eingecheckt und unser Zimmer bezogen haben, ging es gleich wieder raus zum Abendessen. Anschliessend liessen wir den Abend auf unserem Zimmer mit einem Glas Wein und Gesprächen über Bücher, Blogs und Büchermessen ausklingen. 


Freitag:
Morgens waren wir zwar beizeiten unterwegs, doch ein Stau, aufgrund einer sich über einige Kilometer hinziehende Baustelle, liess mich mein erster Termin am Freitag verpassen. Schade, gerne wäre ich beim Droemer Knaur Bloggertreffen dabei gewesen - hatte mich ja im Zug mit den Leseproben noch auf Kurzinterviews mit den Autorinnen vorbereitet. 
Immerhin schaffte ich es pünktlich zum zweiten Termin: der Schweizerische Buchverlegerverband SBVV lud zum Zmorgä - Birchermüäsli und Kaffi und Speeddatings mit den Verlagsvertretern, die uns in kleinen Gruppen oder einzeln von ihren Neuerscheinungen oder allgemeine Infos zu ihren Verlagen gaben. Ich empfand den Zmorgä sehr informativ und freute mich, so viele Verlagsmitarbeiter auf einen Haufen kennen zu lernen - und Schweizerdeutsch sprechen zu können ;-) Später am Tag ergaben sich noch Gespräche mit zwei Schweizer Verlagen, die nicht dabei waren bei den Speeddatings und mich darüber ausfragten. Sie waren sich vor allem nicht sicher, ob deutsche Blogger wirklich Interesse an Büchern von Schweizer Verlagen haben. Aber der Andrang beim Treffen zeigte meiner Meinung nach doch deutliches Interesse. Leider musste ich ohne Birchermüäsli und Kaffi weg, da ich um 11:00 Uhr bereits den nächsten Termin hatte. 
Bei Dryas erwarteten mich ein warmer Kaffi (der in der Pension am Morgen war leider kalt :-( ) und Verlegerin Sandra Thoms, die mir Wissenswertes zu ihrem Verlag und der Verbindung Dryas-Goldfinch erzählte. Am Stand traf ich zudem die beiden Autorinnen Gitta Edelmann (Canterbury-Serie) und Iyy A. Paul (ihr erster Irlandkrimi erscheint im Frühling), worüber ich mich sehr freute. Auf dem Foto seht ihr auch noch Autorin Rebecca Michéle, mit der ich mich am Sonntag unterhielt.  Über Dryas und sein Angebot werde ich bald ausführlicher in einem separaten Post berichten. 
Um 12:00 Uhr ging es direkt weiter zum Bloggertreffen von Diogenes. Die Verlagsvorschau wurde witzig und charmant präsentiert, danach (und davor) hatte ich nette Gespräche mit anderen Bloggern. Mein Bericht über meinen Besuch im Diogenes Verlag im Rahmen von "Zürich liest" folgt. Anschliessend machte ich mich auf zum Orbanism Space in Halle 4.1 zum Blogger Future Place #bfp16. Ganz toll war, dass es hier WLAN gab, fast der einzige Ort auf der Messe, wo man gratis Internet hatte - als Bloggerin aus dem Ausland ohne Roaming-Abo schätzte ich diesen Service sehr. 
Später nutzte ich die freie Zeit um durch die Hallen 5 und 6, in der die ausländischen Verlage vertreten waren, und über die Agora zu schlendern und mich mit einer Crêpe zu verpflegen. Die Zeit verging schnell und schon stand das Random House-Bloggertreffen an. Random House hatte wohl die grösste Standfläche mit vielen Sitzgelegenheiten, und so teilten sich die vielen anwesenden Blogger und Autoren gut auf ohne sich allzu sehr auf den Füssen zu stehen. Ich entdeckte Luis Sellano und überlegte mir für einen Moment, ob ich mich ihm vorstellen soll oder nicht, denn sein Erstlingskrimi Portugiesisches Erbe überzeugte mich leider nicht. Ich wagte es und es ergab sich ein nettes Gespräch. Luis versicherte mir, dass es im zweiten Band nicht mehr so viele (von mir kritisierten) Zufälle geben soll ;-) Nach der Messe erfuhr ich, dass auch Sophie Bonnet vor Ort gewesen wäre. Schade, ich hätte sie gerne kennengelernt, denn ihre Krimis mag ich sehr gerne. Stattdessen konnte ich mich mit den Bloggerportal-Mitarbeiter von Goldmann, Blanvalet und Heyne unterhalten - ich fand es schön, auch mal das echte Gesicht zu den Personen zu haben, mit denen man sonst nur per Mail in Kontakt steht. 
Oder von anderen Blogs kennt, wie z.B. Marie von "Marie's salon du livre" und Lisa, mit der Anja und ich ausgiebig plauderten, bevor wir uns in Richtung Parkhaus aufmachten. Auf dem Foto seht ihr unten die tollen silbernen Lampen über der Bar bei Random House - die würden sich bei mir im Wohnzimmer auch gut machen :-) 
Wir hatten uns vorgenommen, direkt nach dem Bloggertreffen noch bei Tageslicht zu unserer Unterkunft zu fahren, damit wir uns die historische Altstadt ansehen können. Es dämmerte bereits, aber wir erhaschten doch noch einen Blick aufs Kloster. Bei unserem Spaziergang - endlich frische Luft nach einem Tag in den Messehallen - entdeckten wir auf dem Dorfplatz ein kleines Bistro, in dem wir uns mit viel Grünzeug stärkten. Ich fand es ganz toll, dass ich die Abende nicht allein in einem Hotelzimmer verbringen musste, sondern mit einer Gleichgesinnten über unsere Tage auf der Messe und vieles anderes plaudern konnte!

Samstag:
Am Samstag kamen wir erstaunlich rasch zu und in die Messehallen. Ich musste meinen Koffer an der Garderobe einstellen und rechnete mit langen Wartezeiten, doch es waren nur drei Leute vor mir. Dafür drängten sich die Massen umso schneller in den Hallen, besonders in und ringsum Halle 3. In Halle 4.1 warteten die Herzenstage auf mich und das Internet :-) Mittags traf ich mich vor dem Lesezelt mit einigen vom Büchertreff-Forum. Da es draussen recht kalt und zwischendurch auch nass war, suchten wir uns im Zwischengang vor Halle 3 einen Platz zum Quatschen, aber die vielen Cosplayer übertönten uns schnell. Ich war erstaunt derart viele Cosplayer zu sehen, denn ich dachte die gehen nur nach Leipzig weil dort auch die Manga-Convention stattfindet. 
Nun wurde es extrem eng in den Hallen, aussen wurden Gänge und Wege abgesperrt. Ich mag solch ein Gedränge überhaupt nicht und fand es ziemlich ungemütlich. Ich mag dann auch nicht rumlaufen und mir Neues ansehen; vor lauter Leute sieht man eh nichts. Ganz doof fand ich auch all jene, die mitten in den Gängen stehen blieben, nur weil sich vorne an x-beliebigen Ständen viele Leute tummelten. "Du schau, da stehen viele Leute, ist wohl jemand Berühmtes da" "Ja bleiben wir hier stehen und schauen." Genau. Mitten im Gang stehen bleiben, anderen den Weg versperren und doch nicht sehen was denn da vorne am Stand genau läuft.... 
Um Zeit bis 15:00 Uhr totzuschlagen, dachte ich, ich kauf meiner Tochter das neue Ostwind-Buch und stehe an, um es signieren zu lassen, dann geht die Zeit um und ich muss nicht ins Gedränge rein. Die Aktion dauerte nicht mal drei Minuten, ich war die dritte in der Reihe... Also plauderte ich nett mit einer Knaus-Mitarbeiterin, setzte mich später bei Random House an ein Tischchen und blätterte in einem Verlagskatalog (Danke für den Espresso!), danach setzte ich mich gleich gegenüber zu Dryas. 
Viel zu früh für das Treffen mit Rebecca Michéle, aber ich genoss es einfach da zu sitzen und den Trubel um mich rum zu beobachten. Langsam wurden die Menschenmengen weniger, was angenehm war. Rebecca kam auch schon früher an den Stand, so dass ich mit ihr ein wenig plaudern konnte, bevor ich dann fast pünktlich zu meinem zweiten von drei 15:00-Uhr-Terminen ging. Drei Stunden lang nichts, dann gleich drei Termine auf einmal. Beim Harper Collins Bloggertisch begrüsste Jenny die anwesenden Bloggerinnen, darunter noch eine zweite Schweizerin. Sie ist allerdings sehr jung und bloggt v.a. über Fantasy, so dass ihr Blog mir nicht bekannt ist. Nach der Vorstellung der Frühlingsbücher machte ich mich ein letztes Mal auf den Weg zum Orbanism Space wo Mitarbeiter von der Lesejury, Vorablesen, Netgalley und Lovelybooks ihre Buchcommunities vorstellten und mit den Anwesenden über ihre Angebote diskutierten. Leider kam ich erst kurz vor Schluss dort an und bekam nur noch den Schlussteil mit.

Nun machte ich mich ein letztes Mal auf den Weg durch die Hallen, holte mein Gepäck ab und fuhr zum Bahnhof. Hunger machte sich breit, hatte ja seit dem kleinen Frühstück nichts mehr gegessen. Ich entdeckte in der Nähe vom Bahnhof ein kleines Bistro mit grossem Angebot an Panini, Wraps und türkischen Backwaren. Zurück am Bahnhof Frankfurt deckte ich mich mit je zwei Zeitschriften für mich und meine Tochter und einem kleinen Notizheft ein, bevor um 18:00 Uhr mein Zug Richtung Zürich abfuhr. Die Rückreise war angenehm, bis auf die unbequemen Sitze der DB - wenn ich das nächste Mal länger deutsche Bahn fahre, nehme ich mir ein Nackenstützkissen mit. Kurz vor 23:00 kam ich dann wohlbehalten zu Hause an. 

Am Montag schlugen die Messe-Viren zu - Halsweh, danach ne dicke Erkältung und ich das erste Mal seit drei Jahren wieder krank. Anscheinend war ich nicht die Einzige, ein kleiner Trost :-) Neben den Viren, vielen Erlebnissen und sehr netten und teilweise spontanen Gesprächen mit Verlags- oder andern Buchmenschen nahm ich auch einige Messeerinnerungen in Form von Verlagsprospekten, Taschen, ganz tollen Notizbüchern, Lesezeichen und Fotos mit in die Schweiz.


Oft wurde ich gefragt, wo es denn besser sei - Frankfurt im Herbst oder Leipzig im Frühling. In Leipzig fand ich es gemütlicher und genoss die Annehmlichkeiten für die Presse (eigene Garderobe, ein Pressecafé um sich mal zurückzuziehen und die vielen WLAN-Möglichkeiten, die mir in Frankfurt fehlten). In Frankfurt fand ich dafür die Fachbesuchertage eine tolle Sache. Als Fazit bleibt mir nur zu sagen, dass die Messetage jedes Mal ein Highlight sind, egal ob Leipzig oder Frankfurt. 



Kommentare:

  1. Wundervoller Bericht mit tollen Fotos =)

    LG Sheena

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Anya,
    ein toller Bericht haste da uns gebracht. Interessant und informativ.
    Ja, unsere gemeinsamen Abende waren echt toll und der Wein war echt lecker.
    Ganz liebe Grjüße
    Anja

    AntwortenLöschen