Freitag, 24. Februar 2017

Hotel du Barry oder das Findelkind in der Suppenschüssel von Lesley Truffle

Klappentext:
London 1919. Seit im Keller des ehrenwerten Hotel du Barry ein lachendes Baby an der Wäscheleine gefunden wurde, besteht kein Zweifel: Hier ist etwas Besonderes im Gange. Prompt beschließt die bunte Belegschaft, die Kleine vor dem Waisenhaus zu bewahren - und hätte das Zimmermädchen Mary das Baby nicht ausgerechnet zum Schlafen in eine silberne Suppenschüssel gelegt, hätte der Hoteldirektor Daniel du Barry vielleicht nie bemerkt, welche wundersame Geschichte sich hier ereignet ...




Das Cover zeigt eine Häuser-Zeile, auf der nur ein einziges Haus farbig ist. Dieses soll wohl das Hotel du Barry darstellen, der Schauplatz dieses kurligen Romans. Der Leser wird sich während der Lektüre dieser 376 Seiten fast nur in der neunten Etage oder im Keller, vom Personal liebevoll Labyrinth genannt, dieser Luxusherberge aufhalten. 
Oben sind die Privaträume der du Barrys und im Labyrinth werkeln die Angestellten vor sich hin. Hier wird an einer Wäscheleine, in eine Grossmutterunterhose eingebunden, ein Baby gefunden. Mary, das Zimmermädchen, ist erfreut über das kleine Wesen und steckt mit ihrer Begeisterung das restliche Hotelpersonal an. Alle sind stolz auf das Hotelbaby, bis es vom schwulen Hotelbesitzer Daniel entdeckt wird. Aber auch er erliegt dem Charme des kleinen blonden Mädchens mit den violetten Augen und adoptiert es kurzerhand. Sehr zum Missgefallen von Edwina, der neuen Mrs du Barry. Doch Cat wächst heran und wird zu einer umgänglichen jungen Frau, die wissen will, wer ihre Mutter ist und sich auf die Suche nach ihr macht. 

Das Geheimnis um Cats Mutter ist bei weitem nicht das einzige Geheimnis in diesem Luxushotel. Es wird intrigiert was das Zeug hält, auch die Beziehungen muten oft seltsam an. 
Auf den ersten 100 Seiten werden lauter Anekdoten über Cats Kindheit aneinandergereiht und ich war gespannt, wie die Autorin dies über mehr als 300 Seiten durchziehen will. Bis dann aus der Erzählung ein Krimi wird und man nicht anders kann und mit den treuen Seelen des Hotelpersonals mitfiebert und Daumen drückt, dass alles gut wird. 

Ich wurde bestens unterhalten mit all diesen unterschiedlichen Charakteren: Der Hoteldirektor ist in der ganzen Stadt beliebt und wird von tout London nur Dannyboy genannt. Edwina wird von allen gehasst, kein Wunder so hochnäsig wie sie ist. Aus "Aschenputtel" Mary wird eine gefragte Geschäftsfrau, Köchin Berta ist die gute Seele des Hauses, Detektiv Jim Blade bringt Cat so einiges bei. Auch Clochards und andere zwielichtige Gestalten bekommen einen Platz und genauso schnell wie man zwischen dem 9. Stock und dem Labyrinth auf- und ab eilt, so schnell wechselt man von Londons Luxusmeilen ins Armenviertel und wieder zurück.

Das Hotel ist ein Tummelplatz für aussergewöhnliche Figuren aller Art, und so ist der Roman bis zum Rande gefüllt mit exzentrischen und frivolen Geschehnissen.  
Die Sprache ist erfrischend sarkastisch - von der Auffindung des Babys über die Namensgebung bis hin zu ihrem Umfeld ist alles pointiert beschrieben. 

Fazit: Bizarrer Lesespass über das Leben vor und hinter den Kulissen eines Luxushotel anno 1919! 
4 Punkte.



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