Montag, 7. Mai 2018

Montagsfrage 07.05.2018


Welche Bücher sind aktuell die Top 5 auf eurer Leseliste? 

Wie bereits in meiner April-Lesebiografie in der Mai-Aussicht angekündigt, habe ich mir für den Mai einiges vorgenommen zu lesen. Nur fünf Bücher zu nennen ist ein bisschen wenig - gerade auch weil ich weiss, dass ich mich nicht an Leselisten halte, sondern gerade nach Lust und Laune lese.

Fünf Titel, die ich im Mai sicherlich lesen werde, aber wohl nicht in genau der Reihenfolge, sind folgende Bücher:

- "Ein Sommer wie Limoneneis" von Marie Matisek - meine aktuelle Lektüre
- "Die Inselgärtnerin" von Sylvia Lott
- "Lost in Fuseta - Spur der Schatten" von Gil Ribeiro
- "Die Blumenmädchen von Valentina Cebeni
- "Letzte Fahrt" von Yann Sola 

Welche Bücher wollt ihr nächstens lesen?

Donnerstag, 3. Mai 2018

Der Zauber zwischen den Seiten von Cristina Caboni

Klappentext:
Seit sie denken kann, ist Sofia von Büchern fasziniert. Sie liebt das Rascheln der Seiten, den Geruch des Papiers und vor allem die darin beschriebenen Welten. Schon immer haben sie der schüchternen Frau geholfen, der Realität zu entkommen. Als sie eines Tages in einem Antiquariat ein altes Buch kauft, findet sie darin enthaltene Manuskripte und Briefe einer gewissen Clarice, die Mitte des 19. Jahrhunderts gelebt haben soll. Sofia und Clarice scheinen viel gemeinsam zu haben, und Sofia spürt eine Verbindung zu ihr. Um mehr über sie zu erfahren, reist Sofia quer durch Europa. Dabei stößt sie nicht nur auf eine unglaubliche Liebesgeschichte, sondern findet endlich auch ihr eigenes Glück.


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Ich liebe die Romane von Cristina Caboni - sie ist eine begnadete Erzählerin, die immer wieder besondere Geschichten (wie "Die Rosenfrauen" und "Die Honigtöchter") zu Papier bringt. Ich freue mich, dass ich im Rahmen der Aktion "Hello Sunshine" ihr neues Werk vorab lesen konnte. "Der Zauber zwischen den Seiten" erscheint am 20. August 2018.

Bereits auf den ersten Seiten lernen wir Sofia Bauer und ihre Liebe zu Büchern kennen. Sofia lebt in Rom und hat früher als Bibliothekarin in der Bibliotheca Hertziana gearbeitet, sowie einige Kurse in Buchbinden besucht. Deshalb nimmt sie das Geschenk von Antiquar Andrea Vinci auch gerne an; es handelt sich um das erste Buch einer Trilogie, die Erstausgabe von Christian Philipp Fohr. Schon nach den ersten Zeilen ist Sofia von der Trilogie von Fohr fasziniert. Sie spürt, dass seine Texte zu ihr sprechen und ihr dabei helfen aus ihrer unglücklichen Ehe auszubrechen. Auch die diversen Anmerkungen an den Seiten des Buches und vor allem der im Einband versteckte Brief einer Clarice, den sie beim Restaurieren des Buches findet, haben sie neugierig gemacht. Sofia will zudem mehr über die Hintergründe zu Clarices Leben erfahren und hofft, in den zwei vermissten Büchern weitere Briefe zu finden. Sie macht sich auf die schwere Suche danach. Unerwartet findet sie Hilfe bei Tomas Leoni, einem Grafologen, dem sie erst kürzlich begegnet ist. 

Auf den Seiten dieses Zeitebenenromans begegnen wir zwei Frauen, die beide von Männern klein gehalten werden. Zweihundert Jahre liegen zwischen ihnen, doch sie dürfen beide nicht tun, was sie lieben; sind beide auf der Suche nach einer besseren und freieren Zukunft. Die eine musste ihre Arbeit als Bibliothekarin aufgeben, die andere durfte nicht Buchbinderin werden. Nach dem Tod ihrer Eltern lebte Clarice Marianne von Harmel um 1804 herum in Wien bei ihrer Tante und ihrem Onkel. In Buchbinder Frederick Schmidt fand sie einen Lehrer und väterlichen Freund, aber leider meinten es nicht alle so gut mit ihr wie er. Eindrücklich wird ihre spannende Geschichte erzählt. 

Zwischen den Seiten, in Sofias Geschichte, fehlte mir ein wenig dieser Zauber, dieses gewisse Etwas, das den Büchern von Cristina Caboni normalerweise zu eigen ist.  Es ist schwierig zu sagen, ob es an meinem unlektorierten Vordruck liegt oder am Werk selbst. Einige kantige Übergänge passen so gar nicht zu der italienisch geprägten eleganten und ausdrucksvollen Sprache der Autorin. Zu wenig Italianità für mich - dafür ist vielleicht auch das viele, für Cristina Caboni untypische, "Deutsch" Schuld: Schauplätze wie Wien und München und Clarices und Sofias deutsche Wurzeln. Dazu kommt, dass Sofia wie auch Tomas eher scheu sind und kaum über ihre Gefühle reden. Sie machen fast alles mit sich selber aus. Ihre Geschichte ist mehr von Handlungen als von Emotionen geprägt. Als sehr herzlich und anteilnehmend erlebte ich Sofias Grossvater Max, der den Gefühlszustand seiner Enkelin besser spürte als sie selbst. 

Der Zauber dieses neuen Romans von Cristina Caboni fand ich jedoch in den Zeilen von Clarice mutiger Lebensgeschichte. Sie will ihren Traum nicht aufgeben und versucht - zu der Zeit recht schwierig - ihre Frau zu stehen und ihre Ziele hoffnungsvoll zu erreichen.  Clarice Stärke ist ihre Entschlossenheit, die ihr bei mancher Begebenheit hilft notfalls schnell zu agieren. Ihr Weg nimmt überraschende Wendungen und endet leider fast zu schnell. 

Die Suche nach den verlorenen Büchern wird interessant und fesselnd beschrieben. Sie führt Sofia, Tomaso und die Leser in Städte wie Wien, München und Rom und bietet ein tolles Ende. 

Fazit: "Bücher über Bücher lesen"-Liebhaber werden auf ihre Kosten kommen in dieser hervorragenden Doppelgeschichte, die die Liebe zu Büchern vereint. 
4 Punkte.

Vielen Dank an den Blanvalet Verlag und Randomhouse!

Diese Rezension muss ich mit *Werbung* kennzeichnen, da sie mit einem Gewinn/Werbespecial in Verbindung steht. Wie immer entspricht meine Buchbesprechung ganz meiner persönlichen Meinung. 

Dienstag, 1. Mai 2018

Eine Schachtel voller Glück von Debbie Macomber (Blossom Street 5)

Klappentext:
Anne Maries gemütlicher Buchladen in der bunten Blossom Street läuft gut. Sie fühlt sich hier wohl, aber so richtig glücklich ist sie schon lange nicht mehr. Anne Marie beschließt, etwas zu ändern. Zwanzig Wünsche schreibt sie auf: Dinge, die sie schon längst einmal hätte tun wollen. Plötzlich nimmt sie das Leben von einer ganz anderen Seite wahr, entdeckt seine Schönheit und lernt, dass sich Wünsche nicht immer so erfüllen wie erwartet …





Im Original sind bereits zehn Bände der Blossom Street-Reihe erschienen. Bei den deutschen Übersetzungen sind wir nun bei Band 5 angekommen. In "Eine Schachtel voller Glück" sind die bisher bekannten Charaktere aus den ersten vier Büchern nur Statisten. Ausser Elise Beaumont aus Band 2; sie hat eine kleine Nebenrolle erhalten.

Elise gehört zur Gruppe der Witwen, wie sich die kleine Frauenschar nennt, die sich öfters abends trifft. An den Lesekreis-Treffen von Anne Maries Buchhandlung haben sie sich kennengelernt. Durch ihr gemeinsames Schicksal sind sie sich näher gekommen und treffen sich nun hin und wieder. Die vier Witwen haben sich entschlossen den Valentinstag-Abend gemeinsam zu verbringen, um nicht zuhause alleine Trübsal zu blasen. Da kommen sie auf die Idee, jede für sich zwanzig Wünsche aufzuschreiben. Es genügt aber nicht, die Wünsche aufzuschreiben, sondern sie sollen aktiv versuchen, sich diese zu erfüllen. 

Die vier Frauen sind begeistert von der Idee, die ihnen Auftrieb und neuen Lebensmut verleiht; auch wenn es nicht immer einfach ist. Elise bleibt dabei als gute Freundin und Zuhörerin im Hintergrund, und der Schauplatz gehört Anne Marie, Barbie und Lillie. 

Anne Marie ist mit 38 Witwe geworden, ihr 15 Jahre älterer Mann starb an einem Herzinfarkt - obwohl verheiratet war ihr Beziehungsstatus kompliziert. Das grösste Problem der beiden war, dass Anne Marie sich ein Kind wünschte, Robert aber nicht. Er hatte bereits zwei erwachsene Kinder. Seine Tochter Melissa mag Anne Marie nicht und liess sie das immer spüren. Und auch nach dem Tod von Robert lässt Melissa nicht von ihrer Wut auf ihre Stiefmutter ab, worunter Anne Marie nach der neuesten "Attacke" innerlich leidet. Trotz ihrer Sorgen lässt sich Anne Marie darauf ein, einmal in der Woche als Lunch-Patin in der Schule zu amten. Sie bekommt die achtjährige scheue Ellen zugeteilt. Marie Anne wird schon bald unfreiwillig zur Ersatzmutter - doch reicht ihr das? 

Barbie Foster, nur etwa zwei Jahre älter als Anne Marie, verlor ihren Mann - ihre grosse Liebe - und ihren Vater zeitgleich bei einem Flugzeugabsturz. Ihre Wunschliste ist schnell gefüllt. Ihr wichtigster Wunsch: sie will wieder lieben wie zuvor. Als sie eines Abends alleine ins Kino geht lernt sie einen unhöflichen Rollstuhlfahrer kennen - nachdem der erste Ärger verraucht ist, will sie es mit ihm aufnehmen und seine künftigen Kinobesuche stören.

Lillie Higgins, die Mutter von Barbie und Mitte 60, hatte ihrem Mann viel zu viel verziehen. Geld hat sie genug und davon will sie sich ein Auto kaufen, ganz alleine und selbstständig. Doch das neue Auto hat Macken - zum Glück kümmert sich der Kundendienstchef darum. Hector ist ihr sehr sympathisch, aber die beiden trennen Welten voneinander. 

Es kommt nicht immer so, wie die Frauen es erwarten - aber schlussendlich sind alle glücklich. Die Witwen stecken Jung und Alt an - und fast ganz Seattle besitzt nun wohl eine "Twenty Wishes" - Liste. 

Die Autorin gibt Emotionen, Trauer und Ängsten einen Platz. Debbie Macomber versteht es, mit viel Einfühlungsvermögen für die kleinen und grossen alltäglichen Dramen des Lebens eine Lösung zu finden. 

"Eine Schachtel voller Glück" gehört definitiv zu den besseren Bücher der Serie! Und kann sehr gut gelesen werden, ohne dass man den Rest der Serie kennen muss. 

Fazit: Gestrickt wird natürlich auch ein wenig - insgesamt eine sehr warmherzige Geschichte über den Mut, sich seinen Ängsten und Wünschen zu stellen.
4 Punkte.


Reihenfolge:
Band 1: Das Muster der Liebe
Band 2: Die Maschen des Schicksals
Band 3: Der Garten des Lebens
Weihnachtsgeschichte: Der Winter der Wunder (Christmas Letter)
Band 4: Die Farben der Herzen
Band 5: Eine Schachtel voller Glück
Band 6: Sommer der Wünsche 
Band 7: Die Gabe der Liebe (erscheint am 1. März 2019 / Hannas List)

Montag, 30. April 2018

Lesebiografie April 2018

Kaum zurück von unserer Urlaubsreise nach Hamburg ist der Monat auch schon zu Ende - Zeit für die Rückschau auf den April:

Nach Hamburg und zurück waren wir je 8 Stunden mit der Bahn unterwegs. Im Vorfeld dachte ich, dass mir herrlich viel Lesezeit bevorsteht. Die Zeit im Zug war unerwartet abwechslungsreich - insbesondere die Rückfahrt - dass ich doch nicht soviel Lesestunden wie erwartet "sammeln" konnte. Abends in Hamburg war ich von den zurückgelegten gegangenen Kilometer müde und habe jeweils nur noch ein paar wenige Seiten gelesen. Trotzdem steht meine Lesebilanz mit dreizehn Büchern sehr gut aus. Dazu kommen noch zwei Reiseführer, die ich jetzt nicht mitzähle ;-) 

- Deichmord von Katarina Peters (Romy Beccare 6) 
- Strandmord von Katarina Peters (Romy Beccare 7) 
- Das Gefühl von Sommerblau von Hannah Tunnicliffe 
- Château Mort: Luc Verlains neuer Fall von Alexander Oetker (Band 2) 
- Mordlust pur von Su Turhan (Kommissar Pasche 6) 
- Verliebt in Hamburg, Ein Stadtverführer von Nina George
- Das kleine Atelier der Mademoiselle Iris von Agnès Martin-Lugand
- Madame le Commissaire und die tote Nonne (Isabelle Bonnet 5) von Pierre Martin
- Ein Menu zum Sterben (Cherringham 28) von Matthew Costello und Neil Richards
- Rosalie und die Farben des Südens von Julie Lescault (Band 2)
- Eine Schachtel voller Glück von Debbie Macomber (Blossom Street 5) 
- Der Zauber zwischen den Seiten von Cristina Caboni 

Auch quantitativ darf ich nicht meckern, mit "Château Mort", "Madame Coco und der Duft der Liebe" und "Das kleine Atelier der Mademoiselle Iris" waren sogar drei 5-Sterne-Bücher darunter. Vielleicht gibt es ein viertes: "Der Zauber zwischen den Seiten" ist auf jeden Fall ein Kandidat dafür, doch ich will nicht vorausgreifen und meine Punkte erst nach der letzten Seite, die ich spätestens heute Abend noch lese, vergeben. Cabonis Roman durfte ich für ein Verlagsspecial vorab lesen, er erscheint am 20. August. Ob es zu den 5 Punkten reichte, könnt ihr Ende Woche in der Rezension nachlesen. 

Bis auf die beiden Krimis von Peters, der neueste Cherringham-Band und der Stadtverführer werde ich alle anderen Büchern besprechen - in den nächsten drei Wochen bekommt ihr reichlich Beiträge zu lesen. 

Nur 3 Punkte bekam der Stadtverführer von Nina George von mir. Er taugt nicht wirklich als Reise(ver)führer, sind es doch, obwohl aktualisiert, alles gesammelte ältere Kolumnen in einem Buch vereint und meiner Meinung nach eher für Einheimische als Touristen geeignet. Einen halben Punkt mehr bekam Tunnicliffes neuer Roman (der ganz anders war als erwartet) wie auch der fünfte Bonnet-Band, der nicht ganz so spannend war wie seine Vorgänger.

Nun steht der Mai vor der Tür und bringt viele weitere Bücher mit, die ich mich freue zu lesen und die bereits auf dem SuB liegen. 

Einige Titel seht ihr auf den beiden Fotos. Zum Beispiel Sylvia Lotts "Die Inselgärtnerin", Valentina Cebenis "Die Blütenmädchen" und Marie Matiseks Limoneneis-Sommer. Sehr gespannt bin ich auf "Der Garten der Düfte" mit dem wundervollen roten Kleid auf dem Cover. 









Für Spannung dürften auch die neuen Krimis sorgen: Yann Sola, Ivy Paul und der zweite Lost in Fuseta-Band. 

Und dann warten noch drei andere Bücher auf mich, die etwas gemeinsam haben, nämlich den "Laden" im Titel: "Mein wunderbarer Buchladen am Inselweg", "Mein wundervoller Antikladen im Schatten des Eiffelturms" und "Der kleine Brautladen am Strand". Hihi, "nenne ein Buch mit 'Laden' im Titel" wäre eigentlich eine Frage für den 365-Tage-Fragen-Thread vom Büchertreff! Optisch und auch titelmässig erinnern mich die drei "Laden"-Romane an diverse im 2017 erschienene Bücher. Dazu dann aber mehr im Mai, inklusive Fotos der drei Laden-Bücher. 

Die Lektüre geht mir im Mai also sicherlich nicht aus und ich hoffe, der neue Lesemonat wird ebenso schön wie der April. 






Donnerstag, 19. April 2018

Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe von Michelle Marly (MFzKuL 5)

Klappentext:
Paris, 1919: Die Mode Coco Chanels ist revolutionär, hier engt kein Korsett die Frauen ein, dennoch ist sie der Inbegriff von Eleganz. Doch als Cocos Geliebter bei einem Unfall stirbt, versinkt sie in Trauer. Erst der Plan, ihm mit einem Parfüm zu gedenken, verleiht ihr neue Tatkraft. Auf ihrer Suche nach dem Duft der Liebe kommt sie nicht nur dem Parfüm Katharinas der Großen auf die Spur, sie begegnet auch dem charismatischen Dimitri Romanow. Mit ihm reist sie nach Südfrankreich, in die Wiege aller großen Düfte.




Was für ein toller Roman!

Ich habe bereits viele Bücher über Coco Chanel gelesen, doch das liegt nun schon viele Jahre zurück. Jedesmal las ich fasziniert, was die Autoren herausgefunden haben und wie sie aus den überlieferten Bruchstücken aus Gabrielles Leben eine Geschichte zusammen geschustert haben. So auch im vorliegenden Roman. Von der Autorin, die hier unter Pseudonym schreibt, wollte ich übrigens schon lange etwas lesen, aber da musste wohl erst ein Buch über die berühmte Modeikone erscheinen, bis ich es geschafft habe etwas von Micaela Jary zu lesen. Es hat sich so was von gelohnt!

Wenn ich mich recht erinnere, beleuchteten die anderen von mir gelesenen Bücher mehr die Zeit mit Étienne Balsan und Boy Capel oder umfassten Coco Chanels ganzes Leben. Doch keins davon nahm sich der Entstehung ihres ersten Parfüms an. Wir Leser nehmen am Geschehen teil: von den ersten Gedanken ein eigenes Duftwasser zu kreieren über den kreativen Prozess bis hin zum fertigen Produkt, das die Damenwelt damals begehrte - wir sind live dabei.

Coco war sicher keine einfache Person und biografisch schwer einzufangen, doch der Autorin glaubt man, dass sich die Geschichte so und nicht anders abspielte - auch wenn man weiss, dass sie sich einige literarische Freiheiten heraus nahm. Und so reisen wir stimmungsvoll mit Coco, ihrer Freundin Misia oder Dimitri Romanow nicht nur nach Paris und an die französische Riviera, sondern zu Beginn auch nach Venedig.
"Sie hatte keine Zeit, auf diese Bemerkung zu reagieren, denn die Glastüren des Bahnhofsgebäudes öffneten sich – und Gabrielle war plötzlich wie geblendet. Ihr Blick traf endlich auf die Kulisse, die sie von Fotografien kannte und auf die sie doch nicht zu hoffen gewagt hatte. Der Canal Grande glänzte stahlblau im Licht der Nachmittagssonne, zwei Gondeln glitten ruhig dahin, tauchten ein in den Dunst, der aus den Schornsteinen der kleinen Schiffe puffte, die am Anleger des Bahnhofs auf die Massen warteten. Auf der anderen Seite der Wasserstraße erhoben sich die prachtvollen mittelalterlichen Gebäude in sattem Tizianrot, das seinen Namen dem berühmtesten Maler Venedigs verdankte, und in einem goldenen Gelb vor einem leuchtend blauen Himmel." (S.63/341)
Mit der Protagonistin nehmen wir die Schönheit Venedigs wahr, trauern mit ihr immer wieder um Boy, treffen uns mit Berühmtheiten wie Igor Strawinsky, Sergej Djagilew, Jean Cocteau und Pablo Picasso samt deren Angehörigen und vielen anderen ilustren Persönlichkeiten.

Wir erleben Coco als Frau, die weiss was sie will und trotzdem zu Gefühlen fähig ist. Gabrielle Coco Chanel wird als eigenständige, arbeitssame, erfolgreiche und sensible Frau beschrieben, die nie vergisst woher sie kommt. Geheimnisvoll und still gegen aussen; einfühlsam und gewitzt zeigt sie sich nur ihrem engsten Umfeld. Sie ist lernwillig, egal ob es sich um Kunst- oder Musikverständnis oder Buchhaltung oder irgend etwas anderes geht. Sie lernt bei den Besten und deshalb wundert es nicht, dass sie sich persönlich in die Welt des Parfüms begibt, alles darüber lernen möchte und ausserdem gut zuhört. Duft, Flakon, Verpackung und Werbung - alles nimmt sie selbst in die Hand und überrascht sogar ihre Freunde, als schlussendlich "tout Paris" das wohlriechende (und damals noch streng limitierte) Toilettenwasser will.

Auch die anderen Charaktere sind der Autorin perfekt gelungen. Seien es die diversen Künstler mit ihren Allüren oder Cocos nicht immer ehrliche Freundin Misia. Es war eine besondere Zeit, als die Künstler und Mäzene jeglicher Couleur auf du und du waren, als ausländische Adelsfamilien (hier die russische Zarenfamilie) Zuflucht in anderen Ländern suchten und Künstler sich durch wohlhabende Frauen finanzierten. In dieses Paris tauchte ich bei der Lektüre ein und verschlang jede einzelne Zeile dieser wunderbaren, knapp 500-seitigen Geschichte.

Fazit: "Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe" ist ein interessanter und grossartiger Roman, den man sich nicht entgehen lassen darf!
5 Punkte. 


Reihenfolge der "Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe"-Serie:
Band 1: Madame Picasso von Anne Girard - Eva Gouel
Band 2: Die Tochter des Malers von Gloria Goldreich - Ida Chagall
Fiktionaler Zwischenband: Rendezvous im Café de Flore von Caroline Bernard
Band 3: Die Tänzerin von Paris von Annabel Abbs  - Lucia Joyce
Band 4: Die Malerin von Mary Basson - Gabriele Münter
Band 5: Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe von Michelle Marly - Coco Chanel
Band 6: Die Muse von Wien von Caroline Bernard - Alma Mahler
Band 7: Die Dame in Gold von Caroline Trierweiler - Adele Bloch-Bauer 
Band 8: Marlene und die Suche nach Liebe von C.W. Gortner - Marlene Dietrich 
Band 9: Madame Piaf und das Lied der Liebe von Michelle Marly - Edith Piaf
Band 10: Die Malerin des Nordlichts von Lena Johannson - Signe Munch
Band 11: Frida Kahlo und die Farben des Lebens von Caroline Bernard - Frida Kahlo
Band 12: Die Diva von Michelle Marly - Maria Callas
Band 13: Grace und die Anmut der Liebe von Sophie Benedict - Grace Kelly
Band 14: Die Tochter des Zauberes von Heidi Rehn - Erika Mann
Band 15: Miss Guggenheim von Leah Hayden - Peggy Guggenheim

Dienstag, 17. April 2018

Spirit Yoga: Aufrecht, stark und klar von Patricia Thielemann

Klappentext:
Yoga boomt und Yoga-Ratgeber gibt es wie Sand am Meer. Braucht es dann ein weiteres Buch zum Thema? Das von Patricia Thielemann entwickelte Spirit Yoga basiert auf einem neuen Ansatz: Yoga-Tradition trifft Zeitgeist und modernes Lebensgefühl. Es geht nicht darum, Yoga völlig neu zu erfinden, sondern eine Brücke zu bauen zwischen östlich und westlich geprägten Stilen. Lebensnah und heilsam, herausfordernd und freigeistig – Spirit Yoga ist eine inspirierende Kraftquelle für Menschen jeden Alters, um den alltäglichen Herausforderungen und Belastungen gelassener zu begegnen. Um eine eigene Haltung zu finden in dieser scheinbar hoffnungslosen Welt, um vom Ich zum Wir zu gelangen und vom Gelebt-Werden zum Leben.


Seit Milena Mosers "Schlampenyoga" mag ich Yoga-Biografien. Und da ich vor einigen Jahren den Film "Im Kopfstand zum Glück" über die Ausbildung zum Spirit Yogalehrer gesehen habe und dort zum ersten Mal Patricia Thielemann in Aktion sah, war ich sehr neugierig auf ihr neues Buch. Im Film kam die Spirit Yoga Gründerin sehr kühl rüber, deshalb war ich sehr gespannt, wie sie ihre Biografie erzählt.

Das Buch beginnt mit einem Biografieteil. Danach erzählt die Autorin über die Gründung des Berliner Spirit Yoga Studio. Es folgt ein langer Teil über die Philosophie ihres Yogastils und über diese Community. Gespräche mit Promis bilden den vorletzten Teil. Beschreibungen von Thielemanns Lieblingsyogahaltungen schliessen das Buch ab. 

Am interessantesten fand ich den Biografieteil, in dem die Autorin ein wenig über ihre Kindheit erzählt, wie sie zum Yoga kam und bei wem sie gelernt hat.  Von mir aus hätte er ausführlicher sein können, gerade was ihren Yoga-Werdegang betrifft. Den Philosophieteil fand ich langatmig, denn sie beschreibt unter anderem, dass sie Yoga nicht mit östlicher Philosophie und Esoterik versehen möchte. Einige gute Ansätze sind vorhanden, doch später widerspricht sie sich. Vielleicht eignet sich ein Buch schlichtweg nicht um solche Feinheiten anzusprechen - die Autorin müsste genau definieren, was sie unter Esoterik einordnet und was sie unter Selbstoptimierung versteht. 

Unter "Community" wird vor allem über das Ausbildungsangebot zum Spirit Yoga Lehrer geschrieben. Hier geht die Autorin zu stark auf die Lehrerausbildung ein, es wirkt wie Werbung. Dadurch macht es den Anschein das ganze Buch sei mehr ein Handbuch für ihr Teacher Training, was ich schade finde. Jede Geste sei geplant (S.43/158) schreibt sie weiter - genauso fühlt sich nicht nur das Buch, sondern auch die Yogastunde (z.B. bei Yogaeasy) an. Als Pädagogin und Tanzlehrerin muss ich ihr in einigen Punkten widersprechen: eine gute Lektion ist keine, die sich 100% an die geplante Lektionsgestaltung hält, sondern eine, die sich spontan ändern lässt, wenn es die Situation erfordert. Seinen eigenen Stil als Lehrer zu entwickeln sollte jeder, die Autorin machte dies ja auch. 

Die aufgezeichneten Gespräche mit Pater Christoph Kreitmeir und dem Zenpraktizierenden Werner Arnold, mit Neurobiologe Joachim Bauer, mit den Autoren Daniel Kehlmann und Tilmann Haberer, Dr. Rebekka Reinhard, Künstler Tino Seghal und Tanzkritikerin/Yogalehrerin Wiebke Huester hätte es für mich nicht gebraucht. 

Das Buch kommt sehr rational daher, mir fehlt das Spontane und das Spass haben an der Sache. Der Ansatz jedoch wäre gut, doch es wird sehr leidenschaftslos erzählt und geht mir zu stark in Richtung Selbstvermarktung. Besonders, weil Erfreuliches wie auch allfällige Rückschläge emotionslos in ein, zwei Sätzen abgehandelt werden. Die Autorin gibt quasi nur Eckdaten bekannt, ihre persönliche Gefühlslage bleibt aussen vor, und bestätigt somit meinen Eindruck vom Film. 

Wer persönlichere und humorvollere Bücher über Yoga-Lebenswege mag, dem empfehle ich die Bücher von Kerstin Rübensamen, Milena Moser, Suzanne Morrison und Claire Dederer. 

Fazit: Wer es nüchtern mag, ist mit Spirit Yoga gut bedient; ebenso all jene, die sich überlegen den Spirit Yoga Lehrgang zu besuchen. Für diese Leser kann das Buch eine tolle Entscheidungshilfe sein und sie wissen nach der Lektüre, was sie im Spirit Yoga erwartet. 
3.5 Punkte.


Montag, 16. April 2018

Krimi: Mieze undercover von Mona Teichert (Mieze Moll 1)

Klappentext:
Michaela Moll – von allen nur Mieze genannt – hat einen liebevollen Ehemann, eine süße Tochter und ist hauptberuflich Hausfrau. Allerdings ödet sie ihr Alltag zwischen Bauklötzen und Mutti-Stammtisch mehr und mehr an. Um wieder etwas Abwechslung in ihr Leben zu bringen, bewirbt sie sich kurzerhand um einen Bürojob im Polizeirevier – und wird prompt eingestellt. Wie es der Zufall so will, platzt die schlagfertige Blondine gleich an ihrem ersten Arbeitstag in einen Undercovereinsatz in einer Table-Dance-Bar. Zum Glück weiß sie sich zu helfen und tanzt sich als sexy Pole-Dancerin mal eben aus der Bredouille – was ihr umgehend eine Beförderung zur verdeckten Ermittlerin im Rotlichtmilieu einbringt. Den Balanceakt zwischen ihrem Alltag als Mama und ihrer Geheimexistenz als Undercover-Agentin meistert Mieze fortan mit jeder Menge Charme, einer beeindruckenden Beobachtungsgabe und viel Witz – und sorgt für heitere Krimiunterhaltung vom Feinsten.


Im November erreichte mich ein rosafarbenes Überraschungspaket vom Edel Verlag - neben einem rosafarbenen Proteinriegel lagen pinke Plüschhandschellen, ein gleichfarbiger Enerygdrink sowie ein Notizbuch. Mittendrin in rosa Seidenpapier eingehüllt strahlte mir ein rosafarbenes Buch mit einer nur allzu sehr einer bekannten TV-Blondine auf dem Cover entgegen. Witzig! 

 

Ich habe nichts gegen Daniela Katzenberger, und auch nichts dagegen, dass die Protagonistin wohl viel von der Katzenberger-Personality verpasst bekam. Doch dass Daniela als Herausgeberin "verdingt" wurde, finde ich unnötig. Der Krimi kommt sehr gut ohne die Promi-Patenschaft aus. 

Mieze Moll mag nicht mehr zuhause bei der Tochter sein, stattdessen wieder Teilzeit arbeiten gehen. Schnell findet sie eine Sekretärinnen-Stelle auf dem Polizeirevier. Ein bisschen zu glatt und schnell, aber okay, mit Vitamin B - Miezes Vater war Kommissar - kann das schon klappen. Weniger, dass die Sekretärin für Undercover-Einsätze und weitere Arbeiten, die eigentlich den Polizisten mit entsprechender Ausbildung vorbehalten ist, verrichtet. Sieht man davon und auch von der unkomplizierten und schnell gefundenen Betreuung der Tochter ab, kann man den unterhaltenden Regiokrimi gut lesen. 

Mieze macht sich nicht schlecht als Undercover-"Agentin" in einem Bordell. Sie ist naiv; wohl besser so, sonst hätte sie sich zu viele Gedanken über ihre Alleingänge gemacht und wäre nie in der Bar gelandet. Alles ein bisschen rosa, und alles ein bisschen übertrieben, besonders in der Person von Chantal mit ihrem Sprachtick.  

Ansonsten ist die Geschichte witzig und schlüssig geschrieben. Mieze war mir sogar sympathisch. Wünschte sie sich vor kurzem eine bezahlte Arbeit ausser Haus, muss sie schon bald das Familienleben mit ihrem ungewöhnlichen Job auf die Reihe kriegen. Und erst noch ohne daheim zu erzählen, was sie denn genau macht. Nicht mal ihr Mann darf vom verdeckten Einsatz wissen, denn auch er könnte in gewisse Machenschaften verwickelt sein. 

Fazit: Humorvoller Regio-Krimi, bei dem es nicht langweilig wird. Nur die Katzenberger als Schirmherrin bräuchte es nicht. 
4 Punkte.


Reihenfolge:
Band 1: Mieze undercover 
Band 2: Mieze auf heisser Fährte (erscheint im Oktober 2018)
Band 3: Mieze unter Verdacht (erscheint im Oktober 2019)