Montag, 31. August 2026

Lesemonat und Monatsrückblick August 2026


Die ersten beiden Augustwochen waren ruhig, es war zu heiss für Unternehmungen und jegliches Bewegen. Nicht ruhig hingegen war es in vielen August-Nächten, da hier mal wieder an der Kreuzung gebaut wurde. Vor drei Jahren wurde monatelang aufgebaut, nun spontan abgebaut - wegen Fehlplanung. Leider wurde zu spät und falsch informiert sowie zu oft nachts gelärmt, so dass wir Anwohner*innen extremst genervt sind. 


Wegen Hitze und Lärm haben wir Mitte Monat spontan einige Tage in den Bergen verbracht. Wir haben Eichhörnchen, Murmeltiere, Bäre und sogar ein Reh gesehen. Eine besondere Aussicht aus einem speziellen Ort gab es überraschenderweise auch. Jene, die meine Story auf Insta verfolgen, werden wissen, was ich meine :-) Doch auch auf 1800m bis 2500m Höhe war es tagsüber heiss, immerhin kühlte es im Gegensatz zur Stadt abends und in den Nächten ab. Dennoch schlief ich zwei Nächte nicht gut. Die erste weil das Bett das Kissen viel zu weich und die Decke zu heiss war, die zweite Nacht hat mich mein verletztes Auge wach gehalten und ich hab auf dem Sofa versucht zu schlafen. 


Die anderen Nächte waren erholsamer, aber kaum zu Hause, begannen  Sonntagabend um 20:00 Uhr bereits wieder Bauarbeiten - unangekündigt :-( Auch letzte Woche wars wieder laut während zwei Nächten. Und es wird leider nicht besser bis Mitte November. Abgekühlt hat es zudem auch viel zu wenig. Ihr könnt euch ja denken, was das mit einem macht. Als ob die Hitze nicht schon genug wäre, und man deswegen schon zum Faultier mutiert, oben drauf weitere Nächte mit schlechtem oder kaum Schlaf aufgrund des Lärms. Morgens zwischen 5:00 Uhr und 6:55 Uhr wars meistens ruhig, danach wurde es wieder laut. Ich funktioniere irgendwie gar nicht gerade, nach so langer Zeit mit zu wenig Erholung in der Nacht. 

Hitze und Lärm waren schon Frust genug, leider trugen einige der gelesenen Bücher noch mehr zur unbefriedigenden Situation dazu. An den beiden ersten Büchern sass ich ewig, das eine hab ich auf dem Weg in die Berge entschieden bei 40% abzubrechen, es war: "Dem Meer entgegen". Der Schreibstil war schön, aber der ganz Plot wird auf einem Verschweigen von etwas aufgebaut - anstatt einer ehrlichen Kommunikation. So was, wie auch Missverständnisse, die in zwei Sätzen geklärt wären, aber stattdessen lieber ein riesiges Drama gemacht wird, mag ich einfach nicht mehr lesen. 

Das zweite Buch, "Laura Clark ist dann mal weg", fand ich von der Idee her super, der Anfang gefiel mir auch gut. Bis 43% kamen aber nur ihre Familie, Freunde und Mitarbeiter zu Wort, weil Laura überall fehlte. Das zog sich dermassen in die Länge und wurde sehr repetitiv. Lauras Tochter, die Mutter und v.a. der Ehemann waren zudem total unsympathische Zeitgenossen - kein Wunder haut Laura ab - so dass ich mich entschied, nicht weiter zu lesen. 

Mitte August hab ich zwei Wochen lang nichts gelesen. Eine Woche aufgrund des Auges, die Leichtathletik-EM hab ich dann auch mehr gehört als gesehen, die andere Woche weil ich keinen Bock mehr hatte auf "Laura Clark's" unsympathisches Umfeld, bis ich mich für den Abbruch entschieden habe. 

Darauf folgte zum Glück ein guter Auftakt-Krimi (bald gibts Nachschub mit Band 2 und 3 noch in diesem Jahr!) und weitere zwei Bücher als Lektüre für einen Kurs. 

Neben "Königin der Nacht" war dies "Daily Soap". Zum Glück muss ich hierzu keine Rezension schreiben. Das Buch ist dermassen schräg, dass mir die Worte fehlen. Aufgrund des Klappentextes hätte ich eine ganz andere Geschichte erwartet. Deshalb fällt mir die Bewertung in Sternen auch sehr schwer. Es könnte alles zwischen 1 (weils derart schräg ist) und 5 (weils derart schräg ist) sein, entscheiden hab ich mich für die Mitte. Wenn ihr Lust auf ein Experiment habt, dann lest mal rein...

Gelesen habe ich somit im August nur die folgenden 5 Bücher:

2 Sterne
- Dem Meer entgegen von Lidija Hilje - abgebrochen bei 40%

3 Sterne
- Laura Clark ist dann mal weg von Helen Russell - abgebrochen nach 43%
- Daily Soap von Nora Osagiobare


4 Sterne
- Ein unglücklicher Tod von Peter Grainger (DC Smith 1) 
- Königin der Nacht von Lukas Bärfuss

Es fehlt nur noch die Rezensionen zu "Ein unglücklicher Tod", die folgt Ende Woche. Ich möchte euch auf meine nachgereichten Rezensionen aufmerksam machen, ihr findet sie in den vergangenen Lesemonaten verlinkt und rechts unter "August 2026". Ans Herz legen möchte ich euch erneut den tollen Roman "Ein Ort, der bleibt", auch diese Rezension ist nun verlinkt. 

In den nächsten Monat nehme ich nur "Das kleine Landhotel in Portugal" mit, was mich freut, denn nun komme ich meinem Vorhaben, mich endlich mal meinem SuB zu widmen, näher. Ansonsten möchte ich von den September-Neuerscheinungen erst mal nur ein bestimmtes Buch lesen, aber mehr dann morgen in der September-Vorschau.

Nun hoffe ich, dass der September jetzt aber wirklich kühlere Temperaturen bringt, aber voraussichtlich ist damit frühestens nächste Woche zu rechnen - der eine Freitag, der 21.08, an dem es kühl war, hatte ich urplötzlich Energie und hab spontan das eine Vorratsregal ausgeräumt, geputzt und frisch aufgefüllt. Mein Büro ist leider aber immer noch genauso unaufgeräumt wie Anfangs Juli. Ich brauche also dringend kühlere Tage zur Energiegewinnung ;-) 

Wie war euer August? 


Laura Clark ist dann mal weg von Helen Russell

Klappentext:
Der Aufzug klemmt, die Kaffeemaschine tropft, im Büro stapeln sich die Beschwerden, aber niemand tut etwas. Laura Clark ist weg. Einfach so. Ihr Ehemann Mark kämpft mit Handwerkern, die sein Haus überrennen, Tochter Sian sucht verzweifelt in Wäschebergen nach Antworten, und im Büro geht alles drunter und drüber. Niemand, nicht mal ihre beste Freundin, weiß, wo Laura abgeblieben ist. Nur langsam kommt Lauras Umfeld ein unerhörter Gedanke: Könnte ausgerechnet Laura, die sich immer aufopferungsvoll um alles und jeden gekümmert hat, ihr Leben, ihre Familie und ihre Freunde einfach hinter sich gelassen haben?


Der Klappentext hörte sich interessant an - ich kann Laura Clark definitiv verstehen, dass sie abgehauen ist. 

Der Anfang des Romans liest sich gut, denn alle wundern sich, wieso Laura nicht auf der Arbeit erscheint, nicht bei der Mutter irgendwas hilft oder zuhause abends nicht das Essen auf den Tisch stellt und anscheinend vergessen hat, vorher den Kühlschrank aufzufüllen, die Wäsche zu waschen und und und....

Was sich auf den ersten Seiten noch witzig liest, wird mit der Zeit sehr repetitiv, denn alle vermissen Laura auf die eine oder andere Art und Weise. 

So sehr ich die Idee und den Anfang liebte, so sehr langweilte ich mich irgendwann von Seite zu Seite mehr. Mit den Charakteren, insbesondere Laura Familie, wurde ich auch nicht warm. Die ganze Familie, Mutter, Tochter und der Ehemann, alles sehr unsympathische Zeitgenossen. 

Vielleicht waren sie alle zu überspitzt gezeichnet, aber für mich war es ein Grund mehr, nicht mehr weiter zu lesen und so habe ich nach 43% das Buch abgebrochen. 

Irgendwann, wenn ich mal viel Zeit habe, werde ich die restlichen 57% noch überfliegen, um zu schauen, ob da doch noch mehr als nur motzendes Vermissen gekommen wäre oder doch nicht. Laut den Rezensionen, die ich mir nach dem Abbruch angesehen habe, mach ich mir nicht allzu viel Hoffnung. 

Fazit: Tolle Idee, aber mehr bzw. eine schnellere Handlung anstatt das "nur" vermissen hätte mir besser gefallen und dann wäre ich wohl auch bei der Stange geblieben und hätte zu Ende gelesen. 
3 Sterne.



Sonntag, 30. August 2026

Ein Ort, der bleibt von Sandra Lüpkes

Klappentext:
Magdas Leben verändert sich mit einem Schlag: Ihr Mann Alfred, Botaniker in Münster, verliert 1933 seine Professorenstelle, weil er Jude ist. Als sich die Situation in Deutschland zuspitzt, packt die Familie Heilbronn ihre Koffer. Im fernen Istanbul lockt ein überraschendes Angebot: Republikgründer Atatürk will die Universitäten des Landes modernisieren, und am Bosporus soll ein prächtiger Botanischer Garten mit Pflanzen aus aller Welt entstehen. Also verstaut Magda im Gepäck auch Samen aus der westfälischen Heimat. Aber wird sie selbst in der Fremde neue Wurzeln schlagen? Wenige Jahre später ist der Garten in der Altstadt von Istanbul ein blühender Ort der Wissenschaft. Die talentierte Botanikerin Mehpare kümmert sich als Alfreds Assistentin um Beete und Gewächshäuser. So vieles lässt sich in der Welt sammeln und erforschen – nur Mehpares Gefühle bleiben unentdecktes Terrain. Bis sie nach einem tragischen Unglück den Boden unter den Füßen verliert. Jahrzehnte später verschlägt es die junge Stadtplanerin Imke nach Istanbul. Sie soll eine Studie zur Zukunft des Botanischen Gartens erstellen – und damit über das Schicksal dieses besonderen Ortes mitentscheiden. Doch sie ahnt nicht, dass sie dazu selbst aus dem Schatten treten muss.


Schon auf den ersten Seiten hat mich Autorin Sandra Lüpkes abgeholt, ich war gefühlsmässig voll drin und streifte erst mit Mehpare, dann mit Imke und später auch mit Magda durch die Strassen von Istanbul, durch "ein Mosaik aus türkisblauen Steinchen". Der Roman ist in verschiedene Zeitebenen aufgeteilt, in denen wir drei Frauen - und einige Männer - auf ihren Lebenswegen begleiten. 
 
Der Roman beginnt im Jahre 1926 mit Mehpare Başarman. Mehpare liebt die naturwissenschaftlichen Fächer in ihrem Mädchengymnasium, welches leider bald abbrennt. Sehr wahrscheinlich war es Brandstiftung durch die religiöse Behörde, die nicht will, dass Mädchen Bildung erfahren. Die Schule wird andernorts wieder aufgebaut, Mehpare wird Studentin und freut sich, dass ein deutscher Genetik-Professor bald hier ihr Lieblingsfach unterrichten wird. Sie hofft, dass er auf alle ihre Fragen Antworten geben kann. Fragen hat sie unendlich viele, denn "Wissen hat kein Ende". 

Ihre frühere Lehrerin Sarah, mit griechischer Abstammung, ehrenvoll immer Sara Hanım (= Frau Sarah) genannt, spricht deutsch und trifft Mehpare überraschend wieder, als der Professor seine erste Vorlesung hält. Auch ihren Lebensweg streift man öfters.

Magda Heilbronner ist Protestantin, ihr Mann Alfred Jude. Als es 1933 in Deutschland immer schlimmer wird und jüdische Menschen aus ihren Berufen und aus Universitäten und Schulen verbannt werden, nimmt sie die Gefahr eher wahr als ihr Mann, Typ schusseliger Professor. Schlussendlich sieht er es auch und nimmt die Einladung und Berufung nach Istanbul an. Magda reist von Münster aus mit ihren beiden Kindern mit dem Zug nach, und lebt sich sehr schnell ein.

In der Gegenwart soll Imke, eine Stadtplanerin, Kai in Istanbul assistieren. Sie sollen herausfinden, wie bedeutend ein altes, abgebranntes Schulgebäude in Istanbul ist, um es entweder zu schützen oder ganz abzureissen. Doch Imke merkt schnell, dass sie ihre Stelle nur aufgrund ihrer Bekanntschaft mit Kais Freundin bekommen hat und Kai die Arbeit vor allem ihr überlässt. Den Grund dafür muss sie erst noch herausfinden.

Sandra Lüpkes nimmt hundert Jahre türkische Geschichte auf in ihrem Roman und bettet zudem viele Details über den Holocaust mit ein. Sie bringt sie in Verbindung mit der Türkei, vor allem der Stadt Istanbul und obwohl ich viel über das Land weiss, schloss sich für mich eine Wissenslücke. Über hundert deutsche und österreichische Professoren wurden nach Istanbul an Schulen und Universitäten geschickt, um nach den neuen, von Mustafa Kemal Atatürk festgelegten Reformplänen zu unterrichten. Mit ihren Familien, Assistenten und Lieblingsschüler*innen befanden sich nun fast tausend Menschen in grösserer Sicherheit als im judenfeindlichen Mitteleuropa. Leider verirrten sich aber auch fremdenfeindliche Deutsche an den Bosporus und so fand man an der deutschen Schule in Istanbul damals leider einige Nazi-Unterstützer und musste aufpassen.

Der Roman ist gespickt mit liebevollen türkischen Ausdrücken, Redewendungen und sprachlichen Verbindungen. Da ich die Sprache verstehe, war das für mich wunderschön zu lesen. Zudem schreibt Lüpkes kleine, feine Hinweise auf bereits stattgefundene Ereignisse, die nur Sinn machen, wenn man alles gelesen hat. Zum Beispiel, als auf einem Friedhof in Bebek eine kleine handgeschriebene Notiz gefunden wird. Diese Hinweise haben mir immer sehr gut gefallen.

"Ein Ort, der bleibt" ist ein sehr intensiver Roman, den ich nicht am Stück lesen konnte, sondern immer wieder Pausen machen musste, um das Gelesene sacken zu lassen. Er ist einer der besten mir untergekommenen Romane in den letzten Jahren. Deshalb habe ich nun nicht nur ein neues Lieblingsbuch, sondern auch ein neues Lieblingswort: es heisst "Haymatloz".

Fazit: Ein enorm eindrücklicher Roman mit viel historischem und politischem Hintergrundwissen, den man nicht so schnell vergisst. Er kommt auf meine Jahreshighlight-Liste und bleibt mir sicher noch viele Jahre in bester Erinnerung.
5 Sterne.



Krimi: Quartett von Natasha Korsakova (Commissario Di Bernardo 4)

Klappentext:
Rom, Spätherbst 2025. Nach einem gefeierten Konzert endet der Abend für den ersten Geiger des berühmten »Arcimboldo«-Quartetts tödlich: Lorenzo Verro wird in einem düsteren Durchgang nahe dem Teatro Argentina in Rom erstochen aufgefunden. Für Commissario Di Bernardo beginnt ein verzwickter Fall, der ihn erneut in die widersprüchliche Musikerwelt führt – und in die Schatten dahinter. Zwischen den verletzten Egos, Rivalitäten und verschwiegenen Affären stößt er auf ein Geflecht aus Lügen, das bis in die feinsten Strukturen des Quartetts reicht. Was für ein Mensch steckte hinter der Fassade des Primarius? Warum musste er sterben? Und welche Rolle spielt der schillernde Klarinettist, was hat er zu verbergen? Als Di Bernardo glaubt, endlich ein Muster zu erkennen, ist der Täter ihm einen Schritt voraus: Ein zweiter Mord bricht das fragile Gerüst aus Schweigen. Vor der Kulisse des nächtlichen Roms entdeckt Di Bernardos Team Abgründe, die weit über die Bühne hinausreichen. Und je weiter sie den Geheimnissen auf die Spur kommen, desto erschütternder wird die Wahrheit.


Schade, dass die Cover aus dem Septime Verlag so dunkel und nichtssagend sind. Würde ich nicht wissen, wie gut die Autorin schreibt, würde ich in der Buchhandlung nicht zu diesen Krimis greifen, weil mich die Cover überhaupt nicht ansprechen. Das war bei den ersten zwei Bänden anders. 

Aber immerhin passt der Titel sehr gut. Vielleicht wäre eine dunkle, kleine Gasse ein angemesseneres Cover-Bild gewesen, denn dann wäre man bereits auf den ersten Blick direkt am Tatort. In so einer römischen Gasse wurde nachts der Geiger eines Quartetts tot aufgefunden. 

Die Neue im Team von Commissario Di Bernardo kann an ihrem ersten Arbeitstag in Rom also nicht von Langeweile sprechen und ihre Befürchtung "Zuarbeiterin für irgendeinen Schlipsträger, der hoffentlich nicht so scheintot war, wie sein Name nahelegte" zu werden, bricht gleich in sich zusammen. Di Bernardo merkt allerdings, dass nicht nur die Mitglieder des Quartetts ein oder mehrere Geheimnisse umwehen, sondern auch die neue Ispettrice, Giulia Casavola, etwas verbirgt. 

Die Liebe fast aller Figuren zur klassischen Musik ist deutlich spürbar und auch Di Bernardo wird langsam Spezialist für - tote - Musiker.  

Langsam, aber stetig entwirren die Ermittler das Geflecht der Geheimnisse. Die Leserschaft ist anfangs eine winzige Spur voraus, denn in einer Rückblende wird etwas Vergangenes preisgegeben, und man ahnt, dass die gegenwärtigen Geschehnisse damit zu tun haben müssen.

Natasha Korsakova beweist viel Gespür für das Zwischenmenschliche, insbesondere in der Figur ihres Protagonisten Di Bernardo. Er ist ein behutsamer Commissario und agiert vorausschauend, manchmal auch sehr spontan, so dass der Kriminalfall sehr abwechslungsreich ist. 

Die Autorin gestaltet den Fall spannend und ähnlich wie bei Bannalecs "Kommissar Dupin"-Bänden könnten alle Verdächtige Täter oder Täterin sein. Schlussendlich löst sich alles logisch auf. 

Mir machte es sehr grossen Spass, mit dem Ermittlerteam in diesem vierten Band durch Rom zu streifen. Viel zu schnell flog ich durch die Seiten, so dass mir keine Zeit mehr blieb, nach den Musikstücken zu suchen, die sich in der Printausgabe einfach per QR-Code finden lassen. Im eBook fehlt dieser Code leider wie auch schon im dritten Band. 

Fazit: Ein interessanter, musikalischer vierter Fall für Commissario Di Bernardo und sein Team! 
4.5 Sterne.


Reihenfolge:
Reihenfolge:
Band 3: Di Bernardo
Band 4: Quartett


Donnerstag, 27. August 2026

Über der Brandung von Franziska Jebens

Klappentext:
Alles hinter sich lassen und ans Ende der Welt flüchten, danach sehnen wir uns doch manchmal alle. Besonders dann, wenn wir mit unseren Kräften am Ende sind und uns fragen, wie es weitergehen soll. Die Erzählerin der Geschichte träumt nicht nur davon, sondern folgt dieser Sehnsucht. Auf der Suche nach sich selbst landet sie auf einer wilden Insel in der türkisblauen Ägäis, wo die Zeit anderen Gesetzen folgt. Dort trifft sie auf die naturverbundene Hera, die ihr zeigt, was es heißt, wirklich frei und ganz bei sich zu sein.




Die namenlose Protagonistin entscheidet am Flughafen spontan wohin sie fliegt: nach Athen. Dort am Flughafen trifft sie auf Dita, die ihr den Tipp gibt, auf Kefonisi nach Hera, ihrer Tante, zu fragen. Der Ort wäre perfekt für sie. Nachdem am Hafen von Kefonisi ein Taxi sie nicht zu Hera bringen will, sie immerhin auf dem Moped ein Stück weit mitgenommen wird, ist sie sich ihrer Sache nicht mehr sicher. Sie sehnte sich zwar nach dem Ende der Welt, aber so?

Sie landet abgelegen und nur durch einen Wanderweg erreichbar, in einem kleinen Häuschen direkt am Meer. Hera erwartet sie schon. In den nächsten Tagen sieht sie ausser Hera und der Ziege Meltemi kaum jemanden und sie lebt ein Leben am Meer mit fast nichts. 

In den Wochen darauf lernt sie den Segler Yannis, Heras Freundinnen und den Schweden kennen. Somit wären alle Figuren bereits erwähnt. Die namenlose Erzählerin wird im Laufe der Geschichte zu Nea. Der Name, übersetzt mit "Die Neue" passt ihr gut. Namen und Orte sind irgendwie nicht wichtig, so bleibt auch der Schwede immer nur "Der Schwede". Die Charaktere sind fast alles Aussteiger*innen, die auf der kleinen Insel mit Wenigem zufrieden sind. 

Die Ruhe, die auf der Insel gesucht wird, wird im Roman deutlich hervorgehoben. Das ruhige Leben auf der Kykladeninsel hebt sich ab vom Trubel der Grossstadt, aus der Nea kam. Es geht um Entschleunigung und um in der Ruhe, weit weg von der (übertrieben gesagt) Zivilisation, zu sich zu kommen.

Das bringt die Autorin sehr deutlich rüber. Ebenso auch, dass es sich bei "Über der Brandung" um einen Roman handelt, in der es um die Kraft der Freundschaft geht, ausgelebt nach alten Traditionen. Es ist ein Roman, der vielen Leserinnen vielleicht zu ruhig und zu handlungslos ist. Man sollte die stille und naturverbundene Atmosphäre an der Ägäis-Küste schon mögen und es schadet wahrscheinlich auch nicht, wenn die Leserschaft nicht allzu jung und bereits jenseits der Dreissig ist. 

Mir hat "Über der Brandung" gut gefallen. Der Schreibstil, das Setting, der Plot: schön. Bei der Bewertung fehlte gar nicht viel für fünf Sterne. Vielleicht war es mir ein bisschen zu klischeehaft, dieses "Plötzlich ist alles gut"-Feeling. Nichts gegen Kräuterheilkunde und Mystik, aber vielleicht war es gerade diese Kombination, die mir dann doch ein Mü zu viel war. Dafür empfand ich es total nachvollziehbar, wieso Nea aus Deutschland geflüchtet ist. 

Meine Lieblingsfigur war eindeutig Meltemi: die einen haben Katzen, die andern Ziegen. Ich kann mir Nea und Meltemi, nebeneinander auf dem Steg liegend so gut vorstellen. Herrlich! 

Auf jeden Fall habe ich jetzt grosse Lust, auch Jebens vorherigen Roman "Immer am Meer entlang" zu lesen. 

Fazit: Wenn ihr könnt: liest dieses Buch am Meer! Die griechische Ägäis wäre dann noch das Nonplusultra. 
4 Sterne.


Dienstag, 25. August 2026

Dem Meer entgegen von Lidija Hilje

Klappentext:
In ihren späten Dreißigern kehrt Ivona in ihre Heimatstadt Zadar an der kroatischen Küste zurück. Das Meer schimmert, die Luft duftet nach Sommer, und der Wind streicht sanft durch den alten Olivenhain ihrer Großmutter – doch Ivona hadert mit dem, was nicht geworden ist. Ihre Ehe ist an einem alles verändernden Geheimnis zerbrochen, und statt als Biologin arbeitet sie in einem Schreibwarenladen. Als sich ihre Wege nach Jahren wieder mit ihrem Ex-Mann Vlaho kreuzen, erwachen alte Gefühle, aber gerade jetzt eröffnet ein unerwartetes Angebot Ivona die Chance auf einen Neubeginn in Italien – und sie muss sich entscheiden, ob sie Vergangenes hinter sich lassen kann.



Ivonas Vater hat ein kleines Hotel gebaut und nun vergibt die Bank keinen Kredit mehr, was vor allem für ihren Vater eine Tragödie ist. Verkaufen wollen sie noch nicht, aber sie sollte. Ihr Ex-Mann Vlaho arbeitet auf dieser Bank, und auch er kann nur zum Verkauf raten. Ivona wäre ohne Hotel frei für ihre Leidenschaft, dem Olivenanbau.

Ivona hat ihren Mann Vlaho vor einigen Jahren verlassen, doch noch immer liebt sie ihn. Er weiss den wahren Grund für die Trennung nicht, nach und nach aber bekommt die Leserschaft eine Ahnung davon. Vlaho ist mittlerweile wieder verheiratet und hat zwei Kinder.

Auf diesem Gerüst beginnt dieser langsam erzählte Roman. Neben der Sorge um ihren Vater, das Hotel und ihren Beruf spürt man deutlich, wie sehr sie die Scheidung bedauert und darunter leidet. In Ivonas Gedanken reist man mit in ihre Vergangenheit, erlebt die erste Liebe mit und man merkt schnell, was bzw. wer hinter der Idee der Scheidung steckt, es wird immer wieder angedeutet, bis es auch gesagt wird. Nur Vlaho weiss noch immer nichts.

So sehr ich den Sprachstil von Anfang an mochte, so sehr ärgerte ich mich über den Plot dieses Buches, der zudem noch einen sehr schönen Titel trägt: "Dem Meer entgegen." Das hört sich melancholisch an, aber die Atmosphäre war um einiges schwerer und fast schon bedrückend. 

Ob Ivona dem Meer entgegen reiste, weiss ich nicht  - wahrscheinlich schon, sonst wäre der Titel unpassend, und es hat sich so was angedeutet -, denn ich habe den Roman nach 40% abgebrochen, da ich genug habe von Romanen, die auf solche "Geheimnisse" bzw. ein Verschweigen von etwas, aufgebaut sind. Man könnte einfach miteinander kommunizieren - aber dann gäbe es dieses Buch nicht. Und sowas mag ich mittlerweile einfach nicht mehr lesen. 

Fazit: Abbruch - trotz schönem Schreibstil. Der Plot müsste halt auch überzeugen, was hier nicht der Fall war. 
2 Sterne.



Krimi: Bretonischer Glanz von Jean-Luc Bannalec (Kommissar Dupin 15)

Klappentext:
Die Mittagssonne lässt die bunten Segel der Boote im Hafenbecken aufleuchten, als Kommissar Dupin sich auf der Terrasse des Amiral niederlässt. Gerade will er sich seinem tartare de bœuf widmen, als sein Handy klingelt: In Roscoff im hohen bretonischen Norden wurde eine junge Frau ermordet aufgefunden – ausgerechnet dort, wo gerade das berühmte Krimifestival stattfindet. Umgehend macht sich der Kommissar zusammen mit seinen Inspektoren Riwal und Kadeg auf den Weg. In dem Hafenstädtchen, das für seine Zwiebeln weltbekannt ist, herrscht Ausnahmezustand: Inmitten des Festivaltrubels ziehen Mitarbeiter des lokalen Fährunternehmens wegen drohender Entlassungen durch die Straßen. Außerdem scheinen in der »Bruderschaft zum Schutz der Roscoff-Zwiebel« obskure Dinge vor sich zu gehen. Als Unbekannte beginnen, rätselhafte Drohparolen auf Hauswände zu schmieren, spitzt sich die Lage zu. Für Dupin wird es so gefährlich wie in keinem Fall zuvor.


Wenn ich nach Roscoff fahren würde, dann eher zum Krimifestival, aber sicher nicht zu den Zwiebel-Festtagen. Bei Kommissar Dupin würde die Entscheidung gegenteilig ausfallen. Doch er wird ans Krimifestival gerufen, da im Festivalhotel eine ermordete Frau aufgefunden wurde. Kadeg freuts, denn er ist bereits vor Ort, und auch einige Krimiautor:innen freuen sich, als sie Kommentar Dupin erblicken. Einer davon ist enorm hartnäckig, will er doch seine neue Reihe mit einem Ermittler mit Dupin als Vorbild gestalten. Alle, sogar der Präfekt, sind begeistert davon, bloss Dupin nicht. Er interessiert sich nur dafür, seinen neuen Fall möglichst schnell zu lösen. 

Obwohl die junge Frau beim Kriminalfestival-Hotspot ermordet wurde, ist das Tötungsmotiv unklar. Sie war Zwiebelbäuerin und in einigen Vereinen aktiv, ebenso ihr Partner, der auf einem Fährunternehmen arbeitet. Hier wie dort geht es um wirtschaftliche Interessen, bei denen sich die Einwohner Roscoffs uneinig sind.

Das Team um Dupin geht vielen Spuren und Ansätzen nach, und kaum haben sie mit den einen gesprochen, führen neue Erkenntnisse zu den anderen und wieder zurück. So bleibt nicht viel Zeit zum Essen und Espresso trinken - aber der Genuss kommt dennoch nicht zu kurz.

Durch das viele Herumfahren ist der Krimi sehr rasant, aber für einmal bleibt die Spannung deshalb ein wenig auf der Strecke, was dem Lesevergnügen aber nicht im Geringsten schadet. Das Team um Dupin lernst selbst noch einiges dazu in diesem Fall. Ich hoffe zumindest, dass ihnen derselbe Fehler nicht mehr passiert und in sie in Zukunft diesbezüglich aufmerksamer sind.  

Besonders gefallen hat mir, dass man mit diesem Band wieder eine neue sehenswerte Ortschaft mit seinen Spezialitäten kennenlernt. 

Fazit: Erneut tolle Krimi-Unterhaltung von Jean-Luc Bannalec! 
4 Sterne.


Reihenfolge: