Montag, 4. Mai 2026

Richtig gutes Essen von Junko Takase

Klappentext:
Eine angepasste Bürokarriere, eine zuvorkommende Frau, richtig gutes Essen – Nitani weiß, worauf es im Leben ankommen sollte. Die Regeln sind klar, doch Nitani, dessen größtes Glück der Verzehr von Instantramen ist und der am liebsten seine gesamte Nährstoffzufuhr über eine Tablette beziehen würde, tut sich schwer mit ihnen. In seinem Büro ist Ashikawa die Art von Frau, die er wahrscheinlich heiraten wird: liebenswürdig und entschlossen, ihn von seiner Sucht nach Instantnudeln zu befreien. Aber es fällt ihm immer schwerer, sie zu respektieren – oder die süßen Leckereien, die sie verteilt und mit denen sie sich die Zuneigung ihrer Kollegen durch Backen statt durch harte Arbeit sichert.  Seine Kollegin Oshio ist unkonventioneller – sie ist Nitanis Trinkpartnerin. In der starr reglementierten Welt des Büros kommen sich die beiden näher. Und ihr offenbart Nitani auch seine geheime Leidenschaft: die Literatur.


Nitanis "Leidenschaft für Literatur", wie es am Ende im Klappentext steht, kommt im Roman gar nicht rüber. Er erzählt davon einmal. Dass er ein Buch liest, das wird auch nur einmal erwähnt - irgendwann über die Neujahrsfesttage scheint er gelesen zu haben. Ansonsten ist Nitanis Leben eintönig: er arbeitet viel, isst Instant-Nudeln, und spielt zuhause am Handy oder Computer rum. Mit seinem "Frauenbesuch" geht er entweder essen (Oshio) oder lässt sich bekochen (Ashikawa). Letzteres ist ihm lästig, aber genauso wie im Büro, getraut er sich nichts zu sagen, ausser dass es "lecker" ist.

Mit dieser japanischen Mentalität des "nicht sagen, was man denkt, nur nett nicken" kann ich gar nichts anfangen. Das ist mir zwar jeweils von Vornherein schon bewusst, wenn ich Romane von asiatischen Autor:innen lese - weshalb ich diese auch nur selten in die Hand nehme, ich muss aber innerlich jedes Mal den Kopf schütteln darüber. Auch dieser Roman von Junko Takase trieft von dieser speziellen Mentalität, aber er war trotzdem unterhaltend und auf eine gewisse Weise auch subtil humorvoll.

Die soziale Dynamik am Arbeitsplatz ist in "Richtig gutes Essen" zentral, wie es auch in hiesigen Breitengraden der Fall ist, aber halt eben zusätzlich mit diesem oben genannten grossen kulturellen Unterschied. Dennoch hätte ich hier der Büromannschaft eins um andere Mal gerne zugerufen: seid doch endlich mal offen und ehrlich! Sagt dem Chef, dass ihr nicht zum Essen mitkommen wollt und sagt Ashikawa, dass sie euch mehr unterstützen würde, wenn sie wie ihr abends länger arbeiten würde, anstatt so oft zu fehlen. Sagt ihr, dass sie viel zu oft Selbstgebackenes mitbringt. Dass sie ihre vielen Fehlstunden nicht mit Zucker und Mehl aufwiegen kann. Dass sie als Konditorin vielleicht glücklicher wäre als bei ihrer Arbeit im Büro.

Hinter die Fassaden der Charaktere sieht man nur bis zu einem gewissen Grad, aus unserer europäischer Sicht zumindest, vielleicht ist es ja für japanische Verhältnisse schon sehr offen geschildert. Das Ende des Romans lässt verschiedene Überlegungen zu, so dass man nicht weiss, ob Nitanis letzter Satz ernst gemeint ist und er das Gesagte umsetzen will oder nicht. (Falls ja: selbst Schuld!) Oshio fand ich von allen Figuren am ehrlichsten, obwohl ich ihr Benehmen auch nicht ganz verstand.

Was das richtig gute Essen angeht, erging es mir ein wenig wie Nitani: egal, was aufgetischt wurde, es liess mich erstaunlicherweise kalt, die Instantnudeln - eigentlich nur was für den Notfall - machten genauso wenig den Mund wässrig wie Ashikawas Torten, von zu Hause mitgebrachtes Bento oder das Essen in den Izakayas und anderen Restaurants. Das einzig Kulinarische, was mich neugierig gemacht hat: was ist das für ein Grüntee, der sogar spätabends getrunken wurde? 

Fazit: "Richtig gutes Essen" ist ein für mich typisch japanischer Roman: er ist zwar unterhaltend, aber distanziert und beobachtend erzählt. Wäre der Roman eine Speisekarte im Restaurant: ich würde mir nur etwas zu trinken bestellen und beobachten, was die anderen so essen. So lässt sich der Roman gut lesen, wer mehr erwartet, soll doch lieber Zuhause bleiben und selbst kochen - oder sich wie Nitani Wasser für seine Instannudeln aufsetzen. 
4 Sterne.

Freitag, 1. Mai 2026

Neuerscheinungen und Monatsvorschau Mai 2026


Im Mai gibts nochmals richtig viel Neues (und richtig viel Interessantes) auf dem Buchmarkt, bevor es in den beiden J-Monaten wieder etwas weniger wird. 

Auf meiner Liste sind Fortsetzungsromane- und krimis dabei, aber auch Auftakte zu neuen Reihen oder einfach mal wieder etwas Neues von mir bereits bekannten Autorinnen. Doch auch Titel von mir bis dato unbekannte Autorinnen und Autoren haben meine Aufmerksamkeit erweckt. Zum Beispiel Timothy Paul, Simone Veenstra und Christiane Adlung etc. Und dann kommt noch von einer mir bekannten Autorin ein neuer Titel, "Die Ozeanschwimmerin", den sie unter einem neuen Pseudonym schrieb, heraus. 

Darauf, wie auch insbesondere auf "The Artist. Die Farben des Lichts", "Wir in zehn Jahren" und "People in Love" bin ich am allermeisten gespannt. 












Bereits eingezogen, als Rezensionsexemplare, sind: der zweite Band der neuen Julie Caplin Reihe "Ein Wiedersehen im Sommer", von Anne Barns der dritte Amrum-Band "Der Geschmack von Sommer und Karamell" und "Leon und die Frau im blauen Kleid", der Auftakt zur neuen Krimireihe von Alexander Oetker. 

Die drei historischen Titel wie auch einige Romane lass ich sicher länger auf der Merkliste. Dafür werden (oder sind heute bereits) die Titel von Soraya Lane, Heike Abidi, Mary Kay Andrews, Debbie Macomber, Hannah Luis und Cay Rademacher bei ET einziehen. 

Von der "Freitagsbuchhandlung" ist der erste Band als eBook gerade günstig im Angebot (wohl weil Band 2 im Mai erscheint), ich habe ihn mir deshalb gekauft. Zwar stehe ich nicht sehr auf die als "Healing Fiction" beworbenen Bücher aus Asien, aber ich will den Japan-Büchern alle paar Jahre mal wieder eine Chance geben. Ausserdem gefallen mir die vier Cover der Reihe, die nebeneinandergestellt ein Bild ergeben und somit ganz ohne Farbschnitt optisch ein Hingucker sind. Auch wenn mir das als eBook-Leserin gar nichts nützt ;-) 

Zuerst werde ich im Mai die Titel von Barns, Caplin und Oetker lesen, aus dem April noch Sandra Lüppkes und Jane Tara auslesen, dazu etv. noch ein oder zwei "Kommissar Lagarde"-Bände.

Was habt ihr vor im Mai zu lesen? 

Lesemonat und Monatsrückblick April 2026


Im April habe ich einiges mehr unternommen als im März. Es lag endlich wieder einmal ein Besuch bei der Verwandtschaft daheim drin und ein Treffen am Bodensee mit einer Freundin aus Kindertagen. Feiertage gabs ja auch noch, die dieses Jahr ein bisschen blöd lagen. In den letzten zwei Wochen war ich öfters mit meiner Tochter unterwegs, die Schulferien hatte. Einen unserer Ausflüge, in die Ikea, haben wir mit einer sehr langen Tramfahrt auf einer relativ neuen Strecke verbunden. Diese Strecke wollte ich schon seit Eröffnung immer mal fahren, nun hab ich es endlich geschafft - jetzt weiss ich, was sich teilweise parallel zu den Bahngleisen auf einem Teilstück meiner Pendlerstrecke hinter den Hausfassaden verbirgt. 

Das Wetter war sehr schön, fast zu schön, weil schon sehr warm und zu trocken. Regen war eindeutig Mangelware. Und wenns mal geregnet hat in der Region, dann zog er rechts und links an uns vorbei. Dafür hab ich den Balkon bereits sommertauglich bepflanzt. Gestern Abend musste ich noch weitere Erde besorgen, um noch die letzten drei Pflanzen zu setzen, was ich wahrscheinlich morgen machen werde. Dieses Jahr versuche ich es auch mal mit einer Kiwi-Pflanze. Mal schaun, ob das was wird!

Den April literarisch gesehen: neben zwei Zoom-Verlagsvorschauen von Rowohlt nahm ich an einem Autorinnen-Talk von Diogenes teil, Lektorin Kathi Herztsch sprach mit Autorin Jane Tara, beides sehr sympathische und lustige Frauen, über Janes Buch "Mit anderen Augen". Ich bin fast durch und kann es allen Frauen ü45 nur empfehlen! 

Was meinen Lesemonat April betrifft, so habe ich schlussendlich doch nicht mehr Bücher gelesen als im März, es waren wieder nur 3 Bücher im April, dafür aber waren sie einiges besser als die März-Bücher. Und auch die beiden, die ich gerade parallel lese, aber nicht mehr vor Monatsende abschliessen konnte, werden beide mindestens 4 gute Sterne bekommen! 

4 Sterne:
- Strandgut von Alexander Oetker (Luc Verlain 10) 
- Lacroix und der Flussschiffer von der Seine von Alex Lépic 

4.5 Sterne: 
- Zwei in einem Bild von Morgan Pager 


"Zwei in einem Bild" möchte ich euch gerne ans Herz legen, vor allem all jenen, die gerne ins Museum gehen. Es ist eine ganz tolle Geschichte, liest dazu doch bitte meine Rezension.  

Mit in den Mai nehme ich die beiden angefangenen Bücher, "Mit anderen Augen" und "Das Lavendelkloster" von Alexander Oetker, zudem noch von Sandra Lüppkes "Ein Ort, der bleibt". Einige Mai-Neuerscheinungen sind auch schon bei mir eingetroffen. 

Genug zu lesen hätte ich also (wer nicht?), hoffentlich finde ich im Mai nun auch endlich mehr Zeit um zu lesen. Spätestens im Juli läuft hier auf dem Blog wieder mehr und ich versorge euch dann auch wieder regelmässiger mit Rezensionen. 

Wie war euer Lesemonat April?