Samstag, 31. Oktober 2020

Lesebiografie Oktober 2020 - Monatsrückblick

Das wird mein wohl letztes "im-2020-draussen-Kaffi-trinken"- Foto sein. Heute wars grad knapp noch warm genug um draussen zu sitzen - bald geht das nicht mehr und zwar nicht nur wegen einem allfälligen Lockdown (der bei uns in der Schweiz wohl auch noch kommen wird, bei dem vielen Volk, welches ich in der Stadt heute so beobachtet habe), sondern weil es bald zu kalt wird. 

Kalt wars aber auch im Oktober oft, vor allem oft nass, so dass ich den goldenen Oktober vermisst habe. Kalt und nass dermassen oft, dass wir in den Herbstferien leider nicht wie geplant ein paar Tage in den Bergen verbrachten. Und obwohl wir eigentlich oft zuhause waren, kam ich gefühlt viel weniger zum lesen, wie Anfangs Monat noch gedacht. Irgendwas war immer. 



Schlussendlich habe ich folgende 12 Bücher gelesen: 

2.5 Punkte:
- Dunkle Wolken über Alberta von Thomas King

3 Punkte:
- Winter in Bloomsbury von Annie Darling (Bloomsbury 4) 

3.5 Punkte:
- Winterglühen von Debbie Macomber (Cedar Cove 3) 

4 Punkte:
- Oldtimer sterben jung von Helena Marchmont (Bunburry 2)
- Schlechter Geschmack ist tödlich von Helena Marchmont (Bunburry 3)
- Tod eines Charmeurs von Helena Marchmont (Bunburry 4) 
- Isola Mortale von Giulia Conti (Simon Strasser 2)
- Baskische Tragödie von Alexander Oetker (Luc Verlain 4)
- Wintertee im kleinen Strickladen in den Highlands von Susanne Oswald (Strickladen 2)

5 Punkte: 
- Audrey Hepburn und der Glanz der Sterne von Juliana Weinberg (Ikonen ihrer Zeit 2) 
- Zeit des Schicksals von Maria Nikolai (Die Schokoladenvilla 3) 


Alles dabei: von schlecht bis super, von Kurzroman mit 150 Seiten bis zum Historienroman mit 641 Seiten. Ich werde jetzt gar nicht gross drauf eingehen, meine ausführlichen Meinungen könnt ihr wie immer meinen Rezensionen entnehmen. Eine steht noch aus, die zu "Winterglühen" liefere ich in den nächsten Tagen noch nach. 

Euch aber sehr ans Herz legen möchte ich meine 5-Punkte-Bücher. Zufällig gehen sie alle in die historische Richtung. Der letzte Band der Schokoladenvilla "Zeit des Schicksals" fand ich den besten Teil der Serie. Aber auch der Roman über Audrey Hepburn war eindrücklich. "White Christmas - Das Lied der weissen Weihnacht" war nicht nur total interessant - ich meine, wer kennt das Lied nicht? - sondern auch sooooo schön. Mit diesen drei Büchern könnt ihr zu Weihnachten sicher auch euer Umfeld fröhlich stimmen oder euch selbst damit beschenken ;-)

Und nun gehts in den November. Ich nehm "Ein weisser Schwan in Tabernacle Street" von Ben Aaronovitch und "Das Lächeln der Libellen" von Patricia Koelle mit rüber in den neuen Monat. In der November-Vorschau habe ich euch gestern die November-Neuheiten vorgestellt und auch erzählt, welche Bücher davon ich im November lesen möchte. 

Nun wünsche ich euch einen schönen Reformationstags- oder Halloweenabend - wir lassen ihn mit einem TV-Abend ("Coco - Lebendiger als das Leben") ausklingen. 

Freitag, 30. Oktober 2020

Vorschau: Neuzugänge und Neuerscheinungen im November 2020

Meine November-Vorschau kommt ausnahmsweise mal zwei Tage früher. Das Jahr geht bald zu Ende, in Deutschland mit einem einmonatigen Lockdown light, in Österreich und bei uns in der Schweiz vorerst nur mit vielen Einschränkungen - die mich nicht mal gross betreffen. 

Ich hätte einen Mini-Lockdown für zwei, drei Wochen weitaus besser gefunden, in der Hoffnung, dass auch die Hinterletzten endlich merken, dass das Virus nach wie vor da ist und es nicht die Zeit ist, Party zu machen, Veranstaltungen durchzuführen, gross zu reisen oder die Maskenpflicht zu ignorieren. Letztere können nun immerhin gebüsst werden - hoffentlich auch die nicht-Nasen-Bedecker, von denen es bei uns im ÖV leider viel zu viele gibt. Von mir aus könnten auch die Schulen wieder auf Fernunterricht umstellen, zumindest die Oberstufe (bei uns ab 7. Klasse), denn da finden in meiner Familie die meisten Kontakte statt und man weiss nicht, wie stark andere Familien sich an die Regeln halten und wieviele Fremdkontakte die haben. Da nützt es im schlechtesten Fall dann halt nicht, dass wir uns seit März im Home Office befinden. 



Aber widmen wir uns erfreulicheren Themen - nämlich den November-Neuerscheinungen. Vielleicht geht es euch ähnlich, ihr wälzt die Verlagsvorschauen und denkt, ihr habt alles gesehen und dann tauchen plötzlich interessante Bücher auf, die euch entgangen sind, ihr in der Vorschau nicht gesehen oder überlesen habt. So ein Buch ist "Teatime mit Lilibet" von Wendy Holden, die über Marion Crawford, die Gouvernante von Queen Elizabeth II., einen Roman schrieb. Da ich vor etwa einem Monat eine Dokumentation über das britische Königshaus sah, in der eine oder zwei Cousinen der Queen zu Wort kamen und über ihre Kindheit erzählten, interessiert mich der Roman sehr. 

Ebenso wie der historische Roman über die Champagnerwitwe "Madame Clicqout". Der Klappentext erinnert mich an "Die Champagnerkönigin" von Petra Durst-Benning, welches ich gerne gelesen habe. 

Dazu freue ich mich auf einige Reihenfortsetzungen, wie zum Beispiel der 31. Fall für Schwester Fidelma, der 10. Band der Green Mountain-Reihe, sowie auf den dritten und finalen Teil von a) der "Die Farben der Schönheit"-Serie von Corina Bomann und b) "Die Mühleschwestern" von Jana Lukas. 



 


"Der verschwundene Gärtner" hingegen ist der erste Band der "MacTavish & Scott"-Krimireihe von Gitta Edelmann, die in Edinburgh angesiedelt ist. Vielleicht kennt ihr bereits ihre "Canterbury"-Reihe. Von der neuen Reihe werde ich sicher den ersten und zweiten Band, der bereits im Dezember erscheint, lesen. Dann sehe ich, ob er mir so gut gefällt, damit ich die Reihe weiter verfolgen möchte.


Nicht unbedingt im November, sondern irgendwann, wenn es sich gerade ergibt, werde ich auch den dritten Grace-Kelly-Roman im 2020 noch lesen, wie auch "Der Buchspazierer" von Carsten Henn und "Milena und die Briefe der Liebe" von Stephanie Schuster. Mittlerweile gibt es so viele Romane über berühmte Frauen, oder über unberühmte Frauen bekannter Männer, dass ich zeitnah zum ET nur noch die für mich wirklich interessanten Bände lese, die andern kommen auf meine Merkliste und werden bei Gelegenheit mal gelesen. 

 
  
Denn auf meinem SuB warten nach wie vor Bücher, die mich mehr interessieren als gewisse "berühmte Frauen"-Romane. Wie sieht das bei euch aus? Lest ihr da noch alle oder braucht ihr auch mal wieder eine Pause davon oder pickt ihr nur einige davon raus? 

Denn es kämen ja noch weitere davon im November raus: zum Beispiel die Neuauflage von "Das geheime Buch der Frida Kahlo" von Francisco Haghenbeck oder "Die Douglas Schwestern".

Lesen im November möchte ich aber noch die Bunburry-Romane ab Teil 5 und zwei Winterromane von Tanja Janz, alles aus der Onleihe oder bei Skoobe:

 


Jetzt hab ich aber erst mal noch meine letzten drei Oktober-Romane (Macomber, Koelle, Aaronovitch) zu lesen. Mit einem davon setz ich mich später auch gleich auf meinen neuen Lesesessel und lasse damit das Wochenende einläuten. 

Ob mit oder ohne Lockdown: 
Ich wünsche euch einen guten November und bleibt gesund! 



Donnerstag, 29. Oktober 2020

Wintertee im kleinen Strickladen in den Highlands von Susanne Oswald (Strickladen 2)

Klappentext:
Chloe liebt das Leben in der Natur am Loch Lomond. Hier hat sie ihre Leidenschaft für Kräuter und Teemischungen entdeckt. Doch für ihren Job als Psychologin und ihren Freund Scott pendelt sie nach Glasgow. Sie weiß, dass sie eine Entscheidung treffen muss, denn dieses Leben zwischen den Welten macht sie nicht glücklich. Als sie sich auf die Reise zu ihrer Großmutter macht, um ihr nach dem Tod des Großvaters beizustehen, scheint ihre Zukunft mit jedem Tag ein wenig klarer vor ihr zu liegen. Auch wenn der Weg in diese Zukunft so verschlungen ist wie die Maschen, die Chloe als Strickanfängerin auf den Nadeln zu halten versucht, nimmt sie die Herausforderungen an und wagt etwas Neues.


Dass Maighread noch gar nicht so lange in Callwell lebt, merkt man in "Wintertee im kleinen Strickladen in den Highlands" gar nicht. Sie ist die beste Freundin von Chloe und führt ein Wollgeschäft. Chloe würde gerne einen Kräuterladen eröffnen, um ihre Teemischungen, Cremen und Seifen zu verkaufen. Noch verkauft sie sie einfach so und arbeitet in einem Glasgower Frauenhaus als Psychologin. Die Fahrt dorthin zweimal die Woche kann sie mit einem Besuch ihres Freundes Scott verbinden, doch auf Dauer so leben, dass kann sich Chloe nicht vorstellen.

So tragisch der Anlass, aber der Besuch bei ihrem sterbenskranken Grossvater und die Zeit, die sie mit ihrer Grossmutter Gwendolyn verbringt, tut Chloé gut. Sie weiss nun, was sie möchte - aber macht Scott da auch mit?

Obwohl Scott Chloe bei ihrem Herzenswunsch unterstützt, traut sie ihrer Beziehung nicht. Und dann ist ja noch ihre Grossmutter, die Chloe gerne nahe bei sich hätte. Kann Chloe tatsächlich alles haben, was sie sich wünscht?

In diesem zweiten Band gibt es nicht nur ein Wiedersehen mit den Einwohnern von Callwell, sondern auch eins mit Chloes deutscher Freundin Pia, mit der sie im Brief- oder besser gesagt im Paketkontakt steht. Pia ist allen Anne Barns-Leserinnen bekannt, und so wie Chloe ihren Aufritt in "Eisblumenwinter" hatte, bekommen wir hier mit, wie Pia sich genau im richtigen Moment bei Chloe meldet. Immer dann, wenn Chloe gerade eine Aufmunterung braucht. 

Schön geschildert fand ich die Szenen bei Gwendolyn und Padraig zuhause. Aber auch Gwendolyns Spaziergänge am Loch Lomond versprühen eine heimelige Atmosphäre.

Strick-Liebhaberinnen werden wie bereits im ersten Teil, auch in diesem zweiten Teil der Strickladen-Serie von Susanne Oswald voll auf ihre Kosten kommen - und bei den Strickgesprächen wohl mehr verstehen als ich.

Es ist eine einfache, aber herzliche Geschichte, die man schnell gelesen hat. Nur der Titel ist viel zu lang. 

Fazit: Einfach gestrickte Dezemberstory mit viel Herz. 
4 Punkte.


Reihenfolge:
Band 2: Wintertee im kleinen Strickladen in den Highlands

Dienstag, 27. Oktober 2020

Krimi: Baskische Tragödie von Alexander Oetker (Luc Verlain 4)

Klappentext:
An den Stränden des Aquitaine werden massenhaft Pakete angespült, gefüllt mit reinstem Kokain. Ein kleines Kind probiert davon – und fällt ins Koma. Commissaire Luc Verlain ermittelt in dem Fall, bis ihn eine geheimnisvolle Nachricht aus dem Baskenland erreicht. Luc macht sich auf den Weg gen Süden und findet sich plötzlich auf der anderen Seite wieder. Er wird verhaftet, ausgerechnet wegen des Verdachts auf Drogenschmuggel – und wegen dringendem Mordverdacht. Wer spielt dem Commissaire böse mit? Nach seiner Flucht vor der Polizei über die spanische Grenze hat Luc keine Wahl: Er muss das Spiel eines altbekannten Psychopathen mitspielen. So beginnt in den engen Gassen San Sebastiáns und auf dem stürmischen Atlantik eine teuflische Schnitzeljagd. Um den Plan des Mannes zu durchkreuzen, der um jeden Preis Rache nehmen will, muss Luc alles auf eine Karte setzen.

Endlich ist er da, der vierte Band mit Luc Verlain als Ermittler. Doch schon bald wird klar, dass Luc in "Baskische Tragödie" erpresst und damit zum Opfer gemacht wird und quasi die Rolle tauscht. Die vielen Hinweise in den letzten drei Bänden verdichten sich nun und die geheimnisvolle Person, die Luc immer wieder Nachrichten hinterliess, tritt in den Vordergrund und hinterlässt eine neue Nachricht.

Die ist so brisant, dass Luc anstatt weiter an einem tragischen und epischen Kokainfall zu ermitteln, über die Grenze ins spanische San Sebastian fährt, um dort seine Tochter - von der er nichts wusste - und deren Mutter zu finden, bevor es zu spät ist. Doch Luc kommt nicht weit: kaum ist er unterwegs, passieren ihm Fehler. So kannte ich Luc bisher nicht und konnte deshalb kaum glauben, was ich da lese. 

Der Krimi entwickelte sich fast zu einem Thriller und war so ganz anders, als die drei Fälle zuvor. Eigentlich wollte ich das Buch schon weglegen, weil ich über Luc nur den Kopf schütteln konnte. Aber ich blieb dran, was ich am Ende zum Glück nicht bereute. 

Es ist, als ob Luc im falschen Film ist und zur Marionette eines Verbrechers wird, der die Fäden in der Hand hält. Doch der wahre Strippenzieher ist Autor Alexander Oetker, dem ich am Anfang bei Lucs spontanem Aufbruch ein lautes "Gehts noch?" zurufen und ihm dann am Ende am liebsten einen nassen Schwamm anwerfen wollte, für all die Nerven und Gefühle, die ich beim Lesen investierte, und dabei schlussendlich herausfand, dass eben doch der Autor der Puppenspieler ist und sich nicht in irgendwas verrannt hatte - wie es anfangs glasklar und eindeutig erschien.

Bis auf zwei Kleinigkeiten, die mir ins Auge gefallen sind, wird alles schlüssig aufgelöst. Der Krimi ist enorm spannend, wobei es für Leute, die wie ich keine Thriller mögen, in denen es um das Schicksal von Kindern geht, schon recht grenzwertig ist. 

Nun, da nicht nur diese leidige Sache um diese alte Geschichte aus Luc Zeit in Paris - den er damals meisterlich gelöst hat - endlich vom Tisch ist, freue ich mich aber wieder auf "normale" Luc Verlain-Fälle. Ob die dann erneut mit - hoffentlich erfreulicheren - Ausflügen nach San Sebastian verbunden sind, wäre fast wünschenswert. Ein gemütlicher Spaziergang durch die Stadt wäre Luc nach diesen aufregenden Tagen sehr gegönnt.

Fazit: Ein etwas anderer Luc Verlain-Krimi, sehr spannend und rasant. 
4 Punkte. 

 
Reihenfolge: 
Band 1: Retour
Band 2: Château Mort
Band 3: Winteraustern
Band 6: Sternenmeer
Band 7: Revanche


Montag, 26. Oktober 2020

Krimi: Dunkle Wolken über Alberta von Thomas King (DreadfulWater 1)

Klappentext:
Der indigene Polizist DreadfulWater hat in Kalifornien mehr gesehen, als ihm lieb ist. Daher kehrt er zurück in das kleine, ruhige Örtchen Chinook nahe der Grenze zwischen den USA und Kanada. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Landschaftsfotograf. Eigentlich. Denn immer wieder braucht Sheriff Hockney Unterstützung im unterbesetzten Polizeirevier. Was mit Tatort-Fotos beginnt, artet gerne mal in umfängliche Ermittlungen aus. Der aktuelle Fall: In einem Mietwagen wurde die Leiche eines Mannes gefunden, der bei der anstehenden Umweltkonferenz einen Vortrag halten sollte. Sheriff Hockney bittet mal wieder DreadfulWater um Hilfe. Und der ganze Ort hilft wiederum ihm bei den Ermittlungen – ob er nun will oder nicht.


Eigentlich sah das Cover so einladend aus - nur um dann bei genauerem Lesen des Klappentextes ins Grübeln zu kommen: ein Kanada-Krimi, der in Amerika spielt? Wie geht denn das?

Die Einwohner von Chinook wären wohl lieber Kanadier als Amerikaner, denn dann wären sie krankenversichert, was im Krimi öfters erwähnt wird. Besonders gegenüber Thumps DreadfulWater, der sich endlich von der Ärztin und Gerichtsmedizinerin Beth Mooney untersuchen lässt. Er lässt dies passiv geschehen - wie auch alles andere, was in diesem Kriminalroman geschieht. 

Thumps wird von Sheriff Duke Hockney angefragt, ob er ihn vertreten könne, weil er für eine Konferenz einige Tage ausser Land ist und keinen Stellvertreter mehr hat. Der ehemalige Polizist und jetziger Fotograf Thumps reagiert nicht begeistert und auch nicht wortreich. Letzteres zieht sich durch das ganze Buch hindurch. Sämtliche Dialoge - zwischen wem auch immer - sind kurz und abgehakt, nehmen zudem oft Filmtitel oder amerikanische Marken in den Mund, was mit einem Wort als Frage oder Statement abgesegnet wird. Es sollten wohl Wortwitze sein, die einem aber entgehen, wenn man die genannten Titel nicht kennt. 

Es gibt kein einziges normales Gespräch im Buch, was auf Dauer anstrengend zu lesen ist. Somit ist es noch schwieriger der Story zu folgen, denn sie kommt lahm daher. Anfangs gibt es zwei Tote, die miteinander zu tun haben, aber richtig Fahrt nimmt das Ganze nicht auf. Dieses andauernde passive, wortkarge und oft auch gefühlskalte Verhalten aller Beteiligten, die alle auf ihre Art ein wenig schräg und hilflos sind, nervt. 

Die Schrägheit der Einwohner von Chinook hingegen hätte mir eigentlich noch gefallen, die eigenwilligen Figuren haben was an sich, aber sie konnten nicht durch den speziellen Schreibstil dringen, es fühlte sich sehr disharmonisch an. 

Anscheinend handelt es sich bei "Dunkle Wolken über Alberta" um den dritten Fall von DreadfulWater. 2005 ist ein anderer Band "DreadfulWater kreuzt auf" als deutsche Übersetzung im Unionsverlag erschienen - keine Ahnung ob es der erste oder zweite Band war. Wahrscheinlich wurde der vorliegende dritte Band vom Pendo Verlag übersetzt, weil Kanada an der Frankfurter Buchmesse 2020 Gastland sein sollte und man mit Thomas King einen kanadischen Autor im Programm haben wollte. 

Fazit: Leider überzeugt mich der oberflächliche Schreibstil absolut nicht, auch wenn das Setting und die schrägen Charaktere durchaus interessant wären.
2.5 Punkte. 



Freitag, 23. Oktober 2020

Zeit des Schicksals von Maria Nikolai (Die Schokoladenvilla 3)

Klappentext:
Stuttgart, Sommer 1936: Die junge Chocolatière Viktoria muss ihre Lehrzeit in Frankreich abbrechen, weil die heimische Schokoladenmanufaktur dringend ihre Unterstützung braucht. Die Zeiten sind unsicher, man will die Familie Rothmann aus der Leitung ihres Unternehmens drängen. Noch während sich Viktoria und ihre Mutter Judith mit allen Mitteln wehren, taucht der amerikanische Schokoladenunternehmer Andrew Miller in Stuttgart auf. Der gutaussehende Amerikaner bringt nicht nur Viktorias Gefühlsleben durcheinander, er bietet den Rothmanns auch einen Ausweg an. Doch ist er wirklich der, für den er sich ausgibt? Als die Ereignisse sich überstürzen, drängt zudem ein lang gehütetes Familiengeheimnis ans Licht. 

In den letzten Tagen hatte ich leider nicht so viel Lesezeit wie sonst, so dass ich länger als üblich an diesem Roman las. Das Gute daran: ich konnte somit den Abschied von den Rothmanns herauszögern. 

Denn dass man die Figuren lieb gewonnen hat und mit ihnen mitfühlt, merkt man dank des packenden Schreibstil der Autorin schnell. So war ich bei weitem nicht die einzige Leserin, die, als man am Anfang dieses dritten Bandes vom Tode Victors erfährt, um ihn trauerte und kurz mal das Buch weglegte. 

Und später würde man die Protagonisten am liebsten warnen, wenn sie unkoscheren Gestalten begegnen und möchte ihnen zurufen: "nehmt euch in Acht, passt auf!". Und zwar in mehr als nur einer Situation. Judith wird zum Beispiel von einem Nationalsozialist gedrängt, die Schokoladenfabrik zu verkaufen, denn sie als Frau könne die Firma schliesslich nicht führen. Ihr wird gedroht, wenn sie es nicht tue, werde sie enteignet. Ja, die Zeiten sind nicht gut anno 1936, das spüren alle Beteiligten. Die Familie Rothmann und ihre Freunde überlegen sich deswegen weitere Schritte und so steht neben Stuttgart neu Paris, Zürich und New York auf dem Plan. 

Die Vorgeschichte zu Band 3, die es ausschliesslich als eBook gibt (dafür gratis - die sollte man sich gönnen!), erzählt kurz von Victorias Erlebnissen in Frankreich. Aufgrund Victors Tod ist Victoria gerade wieder nach Hause zurück gekehrt, packt aber schon bald wieder die Koffer. Zusammen mit Andrew Miller reist sie nach New York, um dort seine Firma genauer anzuschauen, um gegebenenfalls noch länger in das amerikanische Unternehmen zu investieren. Doch irgendwas ist faul mit Millers SweetCandy. Victoria versucht herauszufinden, was wirklich falsch läuft, daneben baut sie sich mit Event-Catering ein zweites Standbein auf. Diese Buffets, die sie für die New Yorker High Society gestaltet, hätte ich gerne gesehen - und mich natürlich noch viel lieber tüchtig durch all die innovativen Schoggi-Kreationen durchprobiert.

Ich fand es sehr spannend, die Vorkommnisse in New York zu lesen, denn sie kommen einem Krimi nahe. Dennoch fehlen auch hier in "Zeit des Schicksals" die historischen Komponenten nicht: Personen, Dinge oder Geschehnisse der  30er Jahre, die, im Gegensatz zum zweiten Band, genau in richtigem Masse, perfekt in die Geschichte verwebt wurden und somit auch diesen dritten Band interessant und lehrreich machen.

Als Leser weiss man, dass sich hier im finalen Teil alles aufklären muss, was in den Vorgängerbänden noch nicht geklärt wurde. Ich erwartete es zumindest, und freute und fürchtete mich fast schon gleichzeitig darauf - man weiss ja nie wie die jeweiligen Personen reagieren. 

Maria Nikolai hat dies gekonnt gemeistert und sie legt hier einen sehr schönen und tollen Abschluss ihrer Trilogie vor, bei dem man einfach begeistert sein muss. 

Fazit: Es heisst Abschied nehmen von den Rothmanns - aber man freut sich auch mit ihnen über das sehr stimmige Finale. 
5 Punkte.


Reihenfolge
Band 1: Die Schokoladenvilla
Band 2: Goldene Jahre 
Vorgeschichte zu Band 3 (nur als eBook)
Band 3: Zeit des Schicksals

Mittwoch, 21. Oktober 2020

Krimi: Isola Mortale von Giulia Conti (Simon Strasser 2)

Klappentext:
Nach einer stürmischen Dezembernacht wird am Ufer des Lago d‘Orta die Leiche einer Frau angespült. Schnell ist klar, dass sie nicht bloß mit ihrem Ruderboot gekentert ist. Die Tote ist eine junge und ausgesprochen hübsche Nonne, die erst kürzlich auf die Isola San Giulio gekommen war, um nach ihrer verschwundenen Mutter zu suchen. Hat sie etwas herausgefunden, das sie das Leben kostete? Was verschweigen die Besitzer des nahe gelegenen Reishofs? Als am Grund des Sees zudem ein Autowrack mit zwei Leichen geborgen wird, ist es für Simon Strasser wieder nichts mit dem Dolce Vita. In einem Fall, in dem nichts so ist, wie es zunächst scheint, steht der ehemalige Polizei- und Gerichtsreporter der örtlichen Kommissarin erneut zur Seite.


Beim ersten Band "Lago Mortale" habe ich einen Ermittler, der mit sich uneins ist, einen langweiligen Fall und zu ausschweifende Landschaftsbeschreibungen kritisiert. 

In "Isola Mortale", dem zweiten Band dieser Krimiserie von Giulia Conti, ist Simons Privatleben viel besser in die Handlung integriert und steht nicht so extrem im Vordergrund wie noch im ersten Band. Simon hat sich mittlerweile selbst gefunden, ist rein mit sich und der Welt. Troubles gibt es höchstens noch mit den drei Frauen in seinem Leben: Luisa, Carla und seine Ziehtochter Nicola. Dass letztere oft Nico gerufen wird hat mich aber irritiert, denn Nico ist hierzulande ein Bubenname.

Auch der Kriminalfall hat mir um Längen besser gefallen als der öde erste Fall. Eine junge Frau wird tot am Ufer des Lago d'Orta aufgefunden. Es stellt sich heraus, dass sie nicht einfach nur ertrunken, sondern getötet wurde. Da die Frau nicht nur Nonne, sondern auch Deutsche ist, wird Simon beigezogen. Mittlerweile ist der Journalist offizieller Übersetzer, so dass er mehr oder weniger legal mit Kommissarin Carla Moretti ermitteln darf. 

Blöd nur, dass Simons Freundin Luisa aus Deutschland angereist ist, um die Feiertage bei Simon zu verbringen. Viel Zeit haben die beiden nicht zusammen, da ihnen Carla, beziehungsweise der Leichenfund, dazwischen grätscht. Aber Luisa ist milde gestimmt und hilft auf ihre Art auch ein wenig mit. 

Der Fall um die Nonne und ihre vor Jahren verschwundene Mutter ist interessant aufgemacht. Giulia Conti liefert hier einen unterhaltsamen Krimi - bester Zeitpunkt für die Lektüre ist die Vorweihnachtszeit - bei dem alle Komponenten ausgewogen aufgeteilt sind. Landschaftlich stechen die piemontesischen Reisfelder heraus, die vielen Lesern unbekannt sein dürften. 

Fazit: Diesen kurzweiligen zweiten Teil hab ich gerne gelesen und freue mich auf einen allfälligen dritten Teil - dies hätte ich nach der Lektüre des ersten Bandes noch nicht gesagt.  
4 Punkte. 


Reihenfolge:
Band 1: Lago Mortale
Band 2: Isola Mortale
Band 3: Acqua Mortale