Sonntag, 1. Mai 2016

Lesebiografie April 2016

- Ein Fehler mit Vergangenheit von Katharina M. Mylius (Oxfordkrimi 3) 
- Die Inselfrauen von Sylvia Lott 
- Ein Soufflé zum Sterben von Noel Balen (Gourmet-Krimi Band 1)  
- Der Geschmack von Salz und Honig von Hannah Tunnicliffe
- Diese Fremdheit in mir von Orhan Pamuk 
- Mord mit spitzer Feder von Ann Granger 
- Das Ende der Einsamkeit von Benedict Wells 
- Der Sommer der Sternschnuppen von Mary Simses  
- Stürmische Côte d'Azur von Christine Cazon (Band 3, Leon Duval) 
- Der Commissare kocht von Julie Masson (Band 3, Lefevre) 

Samstag, 30. April 2016

Krimi: Stürmische Côte d'Azur von Christine Cazon (Léon Duval 3)

Klappentext:
Der dritte Fall der Côte d'Azur-Krimireihe um den Kommissar Léon Duval führt den Ermittler auf die Insel Sainte Marguerite. Unmittelbar vor Cannes gelegen, ist sie ein beliebtes Naherholungsgebiet, im Sommer pendeln die Fähren unablässig zwischen der Stadt und dem kleinen Inselhafen hin und her. Doch inzwischen ist es Herbst geworden, ein Sturmtief liegt über der Bucht, als auf einer Yacht im Hafen von Sainte Marguerite ein Matrose ermordet aufgefunden wird. Duval und sein Ermittlungsteam machen sich an die Arbeit. Bald wird jedoch der Fährverkehr eingestellt, und Duval führt die Ermittlungen vor Ort allein weiter. Er mietet sich im Forsthaus ein, und zum Glück gibt es im Inselrestaurant eine hervorragende Köchin. Doch nicht nur das Wetter ist stürmisch, auch der Mordfall entwickelt sich turbulent, denn kurz nach Duvals Eintreffen auf der Insel wird eine zweite Leiche gefunden. Und auch privat bewegt sich der Kommissar nicht unbedingt in ruhigem Fahrwasser.

Während Duval in seinem ersten Fall in Cannes am Filmfestival ermittelte und in seinem zweiten in einem Hotel, wirkt er nun auf der Insel Sainte Marguerite. 
Das Setting erinnert an "Bretonische Brandung" von Jean-Luc Bannalec. Eine Insel nahe am Festland, das wegen Unwetter mit dem Schiff nicht mehr angefahren werden kann.

Nein, ruhig ist es tatsächlich nicht. Es stürmt und regnet und auf der Überfahrt von Cannes nach Sainte Marguerite wird Léon Duval schlecht. So schlecht, dass er kein Schiff mehr betreten will und deshalb den Leichenfundort seinem Team überlässt. Er erkundigt sich lieber auf festem Boden bei den wenigen Inselbewohnern nach den Ereignissen des Vorabends. Da der zweite Matrose, Pierre Lanvalle, seither spurlos verschwunden ist, nimmt jeder an, dass er der Täter war. Doch das blutverschmierte Messer, das neben der Leiche gefunden wird, gehört ihrem Skipper Théolien. Was nun?

Duval entschliesst sich am späten Nachmittag als einziger vom Team auf der Insel zu bleiben, um weiterhin alle Zeugen zu befragen und den Vermissten zu suchen. Als Verdächtigte kommen ungefähr ein Dutzend Personen in Frage  - all jene, die am Mordabend auf der Insel waren. 

Trotz neuen Erkenntnissen bleibt der Leser wie auch Duval ahnungslos und kommt erst spät auf die mögliche Lösung. Das macht den Kriminalroman aber nicht langweilig, denn es läuft viel auf dem kleinen Eiland. Fast zu viel. Der dritte Band hat zwar spannende Stellen, doch das schlechte Wetter und Duvals angespannte Laune wegen seinen Frauen, der neuen und der alten - die eine ist zu weit weg, die andere nervt, und der daraus entstehenden Szene trüben den Lesegenuss ein wenig. Es ist nicht Duvals beste Zeit und auch nicht sein bester Fall. Nur seine Liebe zum Essen ist beständig. Ich freue mich, wenn er wieder in Cannes bei Sonnenschein ermitteln darf. 

Mit der Autorin muss ich noch äs bitzeli schimpfen, denn kein Schweizer Kind sagt "Och Menno" - das ist eindeutig Deutschland-Deutsch. Von Deutschschweizer Kinder würde man ein mauliges "Ou nai" hören. Den Vornamen nach stammt die Schweizer Familie aber eher aus der Romandie und dort redet man bekanntlich Französisch - von daher wär ein allgemeines "Ach nein" oder "Oh nein" glaubhafter gewesen. Zumindest aus helvetischer Sicht.


Fazit: Nicht Duvals spannendster Fall, aber trotzdem knifflig und unterhaltend. 
Knappe 4 Punkte.


Reihenfolge:
Vorgeschichte: Abschied von Paris 
Band 5: Wölfe an der Côte d'Azur
Band 6: Das tiefe blaue Meer der Côte d'Azur
Band 7: Vollmond über der Côte d'Azur
Band 8: Lange Schatten über der Côte d'Azur 

Mittwoch, 27. April 2016

Der Sommer der Sternschnuppen von Mary Simses

Klappentext:

Grace Hammond liebt Ordnung über alles. Als sie ihren Job, ihren Freund und auch noch ihre Wohnung verliert, kehrt sie kurzerhand nach Dorset zurück, in die charmante Kleinstadt an der Küste Connecticuts, in der sie aufwuchs. Hier gibt es den besten Apfelkuchen der Welt, einen weiten Himmel voller Sternschnuppen – und die Ruhe, in der Grace herauszufinden hofft, wie es mit ihrem Leben weitergehen soll. Doch schon bald holt sie etwas ein, was sie für immer vergessen wollte. Denn in Dorset erlitt Grace einen Verlust, den sie nie verwunden hat. Und hier verliebte sie sich einst in Peter Brooks. Als Grace nun erfährt, dass er ebenfalls zurück in der Stadt ist, treffen Vergangenheit und Gegenwart aufeinander.


Das Cover find ich künstlerisch sehr hübsch gestaltet, vor allem aussergewöhnlich farbig, und wird auf diesem Youtube-Filmchen nett umgesetzt. Leider passt aber weder Cover noch Titel wirklich zum Buch. Auf die Sternschnuppen wartet man fast vergeblich. Auf dem englischen Buchcover ist nicht so bezaubernd, aber viel passender ein altes Velo abgebildet. Auch der englische Titel "The Rules of Love and Grammar" harmoniert perfekt mit dem Inhalt. 

Und dann machen auch die Kapiteleinleitungen viel Sinn: jedes Kapitel wird mit einer Überschrift angekündigt  - jeweils eine Regel über Grammatik, und dann ein Beispielsatz dazu:

"Präpositionen verweisen häufig auf das Verhältnis zwischen zwei Nomen. 
Es ist nie gut ein Fahrrad in einer feuchten Garage unterzustellen."

Eine Spitzenidee! Eigentlich lohnt es sich nur deshalb das Buch zu lesen. Denn die Hauptprotagonistin von Mary Simses zweitem Buch ist von Grammatik voll begeistert. 

In "Der Sommer der Sternschnuppen" begleiten wir Grace in ihren Heimatort zurück. Nicht nur sie ist gerade in Dorset zu Besuch, sondern auch ihre grosse Schulliebe, Peter Brooks. Der ist mittlerweile ein gefeierter Regisseur und ist mit seinem Filmteam vor Ort. Deswegen herrscht Chaos in der Stadt, aber auch in Grace Leben herrscht grosse Unordnung. Der Umgang damit ist für die Perfektionistin Grace sehr schwierig, macht sie doch eigentlich Adrian Monk alle Konkurrenz; besonders auf alles Schriftliche bezogen. Als Korrekturleserin will sie sich zwar nicht betiteln lassen, aber den Mut, ein Buch zu schreiben fehlt ihr. Das Wiedersehen mit Peter lässt alte Wunden aufgehen. 

Der Hauptschauplatz des Romans ist nicht, wie man vielleicht denken könnte, das Filmset, sondern sympathischerweise ein Veloladen. Grace findet in der Garage ein altes Velo und bringt es zum Reparieren beim Bike Peddler vorbei. Dort trifft sie auf Mitch und seinen Vater Scooter und bald sind sich die drei, naja, zumindest zwei, handelseinig. 

Das Velo gehörte Grace verstorbener Schwester Renny; wie und warum Renny gestorben ist, erfährt der Leser erst gegen Schluss. Grace leidet unbewusst immer noch den Folgen und zweifelt an sich selbst - sie traut sich nicht viel zu. 

So ist wohl auch ihre Reaktion auf ihre ehemalige Schulkollegin Regan zu verstehen. Denn sobald Regan auftaucht, tickt Grace aus. Sie kauft sich zum Beispiel ein viel zu enges, zu kurzes und zu teures Partykleid. Dieses Getue soll wohl witzig rüberkommen, nervte mich in der Menge aber total. 

Ich erinnerte mich an Mary Simses erstes Buch, da zickte die Protagonistin am Anfang auch ein wenig rum, aber bei weitem nicht so lange und nicht so schlimm wie Grace, wenn sie auf Regan trifft. Meine Hoffnung, dass sich dieses eifersüchtige Überreagieren schnell legt, trat leider nicht ein. Aber zumindest blieb das die einzige nervige Sache im Buch.

Durchs Buch führt ein lockerer, humorvoller Schreibstil. Trotzdem empfinde ich die Handlung als sehr oberflächlich. Der Gegensatz Luxus/Glamour (am Filmset) - Bodenständigkeit (Kleinstadtleben/Handwerk) kam zwar an, aber beides blieb trivial.

Mir gefiel "Der Sommer der Blaubeeren" besser, weil die Geschichte trotz aller Romantik mehr Inhaltliches zu bieten hatte und tiefgründiger und gefühlsvoller war.

Fazit: Der Schauplatz, ein Veloladen, ist aussergewöhnlich und sympathisch, dennoch bleibt mir die Handlung zu schwammig und zu oberflächlich. Wer "Der Sommer der Blaubeeren" gelesen hat weiss, Mary Simses kann es besser. 
3.5 Punkte.

Montag, 25. April 2016

Montagsfrage 25.04.2016



Magst du Bildbände gerne und wenn ja, welche Art?

Das doofe an Bildbänden ist, dass sie meistens viel zu gross sind um in den Bücherschrank zu passen. Ansonsten mag ich Bildbände sehr gerne - am liebsten welche über Kunst (vorzugsweise die Impressionisten), über Architektur (spezielle oder alte Bauwerke), über meine Lieblingsländer und Landschaften und Design (z.B. Tricia Guild). Mein liebster Bildband ist einer über Irland, in dem die Geschichte der Wandermönche des 6. bis 9. Jahrhunderts erläutert wird.
Kennt ihr das berühmte Foto mit dem Herz aus Wälder, glaub irgendwo in Südamerika gemacht? Da gab es vor ein paar Jahren gesammelte spezielle Bilder aus der Luft gemacht und dazu ein Bildband - das hätte ich sehr gerne gehabt, aber es war so schnell ausverkauft. Immerhin kann man noch Karten davon kaufen! Die sind immerhin günstiger und leichter ;) 

Ein Bildband ist immer noch auf meiner Wunschliste, und zwar ist es ein Buch über meinen Hausberg. Also der Berg, der zu meinem Heimatort gehört. Der schönste Berg der Welt! Er hat noch einen zweiten kleinen Gipfel, der den Namen meiner Tante trägt! (Mein Onkel war anscheinend der erste, der dort hinaufkletterte und dem Spitz seinen Namen gab.) Aber nicht nur von draussen ist er speziell, auch innen. Er beherbergte ein Bergwerk, in dem mein Grossvater und deren Vorfahren gearbeitet haben, mittlerweile ist es ein Museum mit Restaurant geworden. Leider ist der Bildband recht teuer und eben auch viel zu gross für den Bücherschrank, aber irgendwann kaufe ich es mir. 
Als ich noch allein wohnte, habe ich jeweils etwa zwei Bildbände als Dekoration auf meinen Kommoden aufgestellt. So waren sie nicht nur inhaltlich attraktiv, sondern dienten auch als Blickfang!

Wünsche euch eine schöne Woche mit hoffentlich besserem Wetter als bei mir - vor meinem Fenster sehe ich grad Schneeflocken tanzen.


Tante Edit hat mir zugeflüstert, dass das Herz-Foto aus "Die Erde von oben" ist, vom Fotographie Yann Arthus-Bertrand. Es wurde anscheinend neu aufgelegt und seit 2013 gibt es das Buch "Die Erde von oben - 20 Jahre danach". Das finde ich sehr spannend, und ich werde wohl bald in der Buchhandlung nachsehen, ob sie es an Lager haben und einen Blick rein werfen.


Samstag, 23. April 2016

Aktion Blogger schenken Lesefreude - Welttag des Buches 2016

Der heutige Tag ist dem Buch gewidmet und dieses Jahre nehme ich wieder an der Aktion "Blogger schenken Lesefreude" teil. Wir Blogger "schenken Lesefreude" hoffentlich jahrein, jahraus und fast täglich durch unsere Rezensionen. Heute sollen aber noch mehr Menschen, die in der Buchbranche arbeiten, Lesefreude schenken und so sammelte ich 23 Lesetipps von Autor:innen, Verlagsmitarbeiter:innen, Buchhändlerinnen, Bibliothekarinnen und befreundeten Bloggerinnen. 

Eine grosse Fülle an neuen Ideen für euch Leser:innen! Ich hoffe, euch gefällt die Vielfältigkeit der Lesetipps, denn für jeden ist etwas dabei: Romane, Krimis, Kinderbücher, englischsprachige Bücher - was wollt ihr mehr? 
Viel Spass beim Entdecken!


1. Patricia Kessler, Droemer Knaur Verlag
Ich mag die Bücher von Antonia Michealis sehr. Sie hat diesen ganz eigenen Ton: poetisch-gefühlvoll, warmherzig und klug – aber zugleich gespickt mit vielen skurrilen, humorvollen Details und Wortspielereien, die eine einmalige Mischung ergeben. Das Ergebnis ist märchenhaft und lässt eine Stimmung entstehen, die an die des Films „Die Zauberhafte Welt der Amelie“ erinnert.

2. Julie Becher, Volontärin Online-Marketing bei Skoobe
Als gebürtiges Nordlicht ist “Inselstolz” eines meiner Lieblingsbücher: es erzählt vom Leben auf Inseln und Halligen, das vom Rhythmus des Meeres geprägt ist und die Inselbewohner vor ganz eigene Herausforderungen stellt. Nach der Lektüre hat man viele interessante Menschen kennengelernt - und Sehnsucht nach dem Meer.

3. Lucinda Riley, Autorin
This is an extraordinarily moving tale, set on a remote lighthouse keeper’s island in post WWI Australia. The story is at once utterly heartbreaking and yet uplifting, and will resonate with you for long after you have turned the last page. 

4. Vanessa, Blog Glitzerfees Buchtempel
Es sind die vielen kleinen Details, die das Buch „Das zufällige Leben der Azalea Lewis“ zu einem echten Schmuckstück machen. Es ist eine Geschichte, die tiefgehend, traurig aber auch voller Glück versehen ist. Jedoch sollte man sich Zeit für dieses Buch nehmen, um den ganzen Handlungssträngen folgen zu können.

5. Marguerite Joly, NetGalley Deutschland
Die rote Königin ist ein packendes Abenteuer mit einer großartigen Heldin - ein Buch, das man am liebsten in einem Rutsch zu Ende lesen möchte. Ich empfehle es jedem, der mal wieder komplett von einer Geschichte gefesselt werden will!

6. Benedict Wells, Autor
"Vincent" von Joey Goebel, Diogenes Verlag
Die Grundidee ist so originell wie genial, die Geschichte wunderbar erzählt. Ein potenzielles Lieblingsbuch. 

7. Franziska Höfliger, PBZ Bibliothek Sihlcity
Was passiert, wenn alle Stricke reissen und eine Frau aus der Gesellschaft aussteigen und untertauchen muss? Ein Roman, der unter die Haut geht.

8. Sandra Sassie, Blog „Sandras Kreative Lesezeit“
"Die Wilma" ist ein total liebenswürdiges, fast 6-jähriges Mädchen, welches im Sturm die Herzen meiner Kinder und von mir erobert hat. Sie ist absolut authentisch und sollte in keinem Kinderbuchregal fehlen! 

9. Susan Boyd, Lucinda Rileys editorial assistant
This novel has as much power and passion today as it did when it was first published. It is a sad story of the futility, inhumanity and tragedy of war, but it is also uplifting because it reveals the best, as well as the worst, of human nature.

10. Annina Studer, Buchhändlerin, Lüthy + Stocker AG Sihlcity
A beautiful and very poetical book with an almost lyrical language. A story of the magic of everyday life and the power that storytelling and friends can have to pull us out of grief. A very life-affirming book that will stay with you long after you've finished the last page!

11. Sylvia Lott, freie Journalistin und Autorin
Es ist ein autobiografischer Roman des Schauspielers Joachim Meyerhoff über seine exzentrischen Großeltern (Er pedantischer Philosoph, Sie Schauspielerin und Diva), bei denen er während seiner Zeit als Schauspielschüler in München lebte. Die Geschichte ist vielleicht nicht immer wahr, aber immer zutiefst wahrhaftig, anrührend, witzig, unkonventionell, zärtlich, schonungslos offen, zum Weinen schön.

12. Anja Bauer, Blog mein kleines Bücherzimmer
Das Buch gibt einen Eindruck über das Landleben, da viele Städter gar nicht mehr wissen, dass es dieses noch gibt.

13. Annina Studer, Buchhändlerin, Lüthy + Stocker AG Sihlcity
Lassen Sie sich nicht vom Cover abschrecken und lesen Sie dieses Buch. Es ist hoffnungsvoll, düster, schrecklich zart und tragisch schön - und ganz anders als alle Bücher, die ich bisher gelesen habe. Ein Zukunftsroman in einer Welt ohne Regeln und Gesetze, Strom und ohne gewohnte Gesellschaftsstrukturen. Meine Entdeckung des Jahres.

14. Alexandra, Blog Der Bücherwahnsinn
Es ist eine Geschichte, die jeden von uns treffen kann. Ein Thema des bitteren Abschieds eines geliebten Menschen. Der Umgang mit Krankheit und Tod, und doch ist das Buch so lebensbejahend! 

15. Susanne Bühler, Diogenes Verlag
Weil es intelligente und unterhaltsame Lektüre ist, für einen selbst oder als Geschenk für eine beste Freundin.

16. Jenny, Verlag HarperCollins Germany
Weil Orphan X bestes Actionkino in Buchform ist und den Leser sofort in die abenteuerliche Welt von Evan Smoak katapultiert. Für Fans von Jason Bourne und Jack Reacher ein absolutes „Must-Read“.

17. Kathrin Bolte, Bloggerbetreuung Dryas Verlag
Als absoluter Anti-Fantasy-Science-Fiction-Leser hat mich dieses Buch so in seinen Bann gezogen, dass ich noch ganz viel mehr von der Autorin lesen möchte. Die Geschichte ist eine perfekte Mischung aus Dingen, die weit von der menschlichen Vorstellungskraft entfernt liegen, einer wunderschönen Liebesgeschichte, die nicht kitschig ist, und ganz, ganz viel Spannung. Mein Überraschungsbuch 2016.

18. Bernadette Olderdissen, Autorin
Es ist die wunderschöne Geschichte eines Menschens, der sich und das Leben eigentlich längst aufgegeben hat, dem das Umfeld jedoch immer wieder zeigt, dass er noch gebraucht - und geliebt - wird. Mich hat das Buch immer wieder zum Schmunzeln gebracht, und es ist eins, das ich nicht so schnell vergessen werde.

19. Mona Firley, Blog Tintenhain
Ein packender und kunsthistorisch fundierter Thriller, der das Thema Schönheit in eine rasante Verfolgungsjagd durch ganz Europa verpackt und Vergleiche mit Dan Brown nicht scheuen muss.

20. Karina ElmNetGalley Deutschland
Dieses Buch hat die skurrilsten und spannendsten Charaktere, die mir seit langem über den Weg gelaufen sind. Jeder sollte sie kennenlernen, und sich mit ihnen in den Sümpfen Louisianas verlieren!

21. Gina Chei, Buchhandlung Hirslanden
"Vor dem Fest" von Saša Stanišić, btb Verlag (Taschenbuch) oder Luchterhand (Gebundene Ausgabe)
Ein wunderbarer, tragikomischer Dorfroman. In der einen Nacht vor dem Fest trifft man als Leser das ganze Dorf (sowie eine Füchsin) und seine Sorgen und Träume.

22. Meine 9jährige Tochter, Buchprofi*
"Die Schule der magischen Tiere" von Margrit Auer, Carlsen Verlag
Eine coole Serie für Mädchen und Jungs, die Tiere und Schulabenteuer lieben. Es ist immer spannend zu erraten, wer welches Tier bekommt. Ich hätte am liebsten auch ein magisches Tier.
*"Mami, als Buchprofi sehe ich schon beim Anblick eines Buches, ob es spannend ist." :-) 

23. Zum krönenden Abschluss einige Tipps vom Ullstein-Verlag von der #LBM 


Liebe Leser:innen, was sagt ihr zu den 23 Buchtipps? 
Ist etwas Neues für euch mit dabei? 
Oder kennt ihr das eine oder andere vorgestellte Buch bereits und würdet es auch empfehlen oder eher nicht? 


Herzlichst möchte ich mich bei allen Teilnehmern bedanken: merci, dass ihr sofort auf die Idee aufgesprungen seid und die Idee für gut befunden habt!

Liebe Grüsse und einen schönen Welttag des Buches
Anya

Donnerstag, 21. April 2016

Der Geschmack von Salz und Honig von Hannah Tunnicliffe

K
lappentext:
Wenige Tage vor der Hochzeit stirbt Francescas große Liebe Alex bei einem Unfall. Kurz darauf erfährt sie, dass ihr vermeintlich perfekter Verlobter Geheimnisse vor ihr hatte. Am Boden zerstört, flüchtet sie in eine kleine Holzhütte in den Wäldern von Washington. Hier kann sie den Duft der Pinienbäume und des nahen Ozeans genießen und den Weg zurück ins Leben finden. Dabei helfen ihr ihre Nachbarn, die sie herzlich in ihrer Mitte aufnehmen. Und vor allem Jack, der sich zusammen mit seiner Tochter Huia in Francescas Herz schleicht.




Von Hannah Tunnicliffe hab ich vor einigen Jahren "Der Duft von Tee" gelesen. Der Plot war okay, aber die Gefühlswelt der Protagonistin blieb mir fern und erreichte mich nicht. Deshalb war ich unsicher, ob mir ihr neuer Roman gefällt. Doch wenn ich bei einer Lektüre kaum Zeit finde um Notizen zu machen, heisst das, dass mich die Geschichte gefesselt hat. 

Francesca Caputo haut von der Beerdigung ihres Fast-Ehemannes ab, weil sie die Verwandtschaft und die Trauer kaum aushält. Sie findet sich in der Hütte wieder, die Alex von seinem Grossvater vererbt wurde. Einige Male waren Alex und Francesca zusammen hier - er liebte die Hütte sehr und so hofft Francesca hier ihren Rückzugsort zu finden, an dem sie in Ruhe trauern kann. Sie wird allerdings ziemlich schnell gestört. Nicht nur von ihrer temperamentvollen italienischen Familie. Alsbald kommt es zum Showdown.

Warum liebte Alex das Meer so viel mehr als Frankie? Dann wäre er sicher nicht zum Surfen gefahren und der Unfall wäre nie passiert und Frankie stünde bald vor dem Traualtar und die Flitterwochen lägen noch vor ihnen. Alles erinnert Frankie an Alex. Gegenstände aus der Hütte, Pflanzen, ein Lied aus dem Radio, das Schwimmen im Meer. Praktisch überall und aus heiterem Himmel dringen schöne Erinnerungsfetzen in ihren Kopf. Irgendwann dringen auch andere Erinnerungen zu ihr durch und sie stellt fest, dass in ihrer Beziehung doch nicht alles so rosarot war, wie Frankie in der ersten Trauer meint. Doch erst nach und nach lässt sie andere Menschen wieder an sich heran und sie sieht alles realistischer. Daniel, der Bruder von Alex, sowie Nachbarn wie Merriem und Huia, die Tochter des Verwalters Jack helfen Frankie dabei. Ihre italienische Familie will sie von Anfang an umsorgen. Besonders ihre Schwester Bella möchte mit ihr reden, doch Fankie ist aus irgendeinem Grund, den der Leser erst spät erfährt, wütend auf Bella. Die jedoch gibt nicht auf und bleibt hartnäckig.

Die Charaktere sind vielschichtig und unterschiedlich, aber glaubwürdig dargestellt. Die italienische Tante, deren Filius der sich viel erlauben kann ohne mit Sanktionen zu rechnen. Eine mehrbessere und hartherzige Schwiegermutter, die ihrer Familie das Leben vermiest. Nachbarin Merriem, die ihren Garten liebt. Verwalter Jack, der einen aussergewöhnlichen Beruf hat. Das Mädchen Huia, das fast alle Pflanzen und Tiere der Umgebung kennt. Nur Bella bleibt ein wenig blass, ihre Geschichte bliebt im Hintergrund und nimmt Frankie nichts weg. Auch bei Daniel scheint es, als ob er immer im Schatten von Alex stand.

Die kleine Hütte ist irgendwo zwischen Seattle und Vancouver angesiedelt. Eine ruhige Idylle, die das aufgewühlte Innenleben von Frankie ausgleicht. Mich beeindruckte die Figur von Frankie. Sie erinnert an einen Schmetterling: Das sich Einpuppen in den Verlust und den Schmerz ihres Geliebten, das Entpuppen und sich öffnen, für das, was wirklich war und jetzt ist. 

Das Buch ist aus der Ich-Perspektive, also aus Frankies Sicht aus, geschrieben und liest sich schnell und flüssig. 

Am Ende jedes Kapitels steht ein Rezept, welches etwas mit dem Kapitel zu tun hatte. Nicht umsonst haben wir es mit einer italienischen Sippe zu tun und man weiss: gutes Essen gehört einfach dazu. Essen hilft, tröstet und erinnert. 

Honig ist süss, so auch viele schöne Erinnerungen. Salzige Tränen hat Frankie einige vergossen, aber beide Geschmacksrichtungen gehören zum Leben dazu - so deute ich den Titel des Buches. 

Das sehr schöne und stilvolle Cover passt an sich besser an die Wand in meinem Esszimmer als zum Inhalt, trotzdem finde ich es stimmig.  

Hannah Tunnicliffe hat mich mit mit ihrem neuen Roman positiv überrascht, denn wie schon erwähnt fand ich "Der Duft von Tee" nicht überragend. Doch in "Der Geschmack von Salz und Honig" erzählt die Autorin ausdrucksvoll, sanft und feinfühlig von Liebe, Trauer, Vertrauen, Verlust, emotionalem Leiden und Familienzusammenhalt. 

Fazit: Eine grossartige, feinfühlige Erzählung über das Trauern, Trauerbewältigung und zu sich selbst finden. 

Dienstag, 19. April 2016

Die Inselfrauen von Sylvia Lott

Klappentext:
Auf der Suche nach einer beruflichen Auszeit mietet sich die Journalistin Nina in der Borkumer Frühstückspension ein, in der sie einst den schönsten Sommer ihres Lebens verbrachte. Damals verliebte sie sich in Klaas und träumte von einem Leben an seiner Seite — bis er ihr Herz brach. In der Zwischenzeit arbeitet Ninas Nichte Rosalie in der Pension. Sie interessiert sich sehr für die Geschichte der Insel und für das, was Nina dort erlebte. Während Nina es endlich wagt, ihrer Vergangenheit ins Auge zu sehen, befindet sich plötzlich auch Klaas wieder auf der Insel. Und dann ist da noch ein Walzer, dessen Melodie eine Liebe beschwört, die nie verging.


Es gibt Bücher, über die möchte man eigentlich gar nicht schreiben, sondern sie einfach im Herzen weiter geniessen. Solch ein Buch ist "Die Inselfrauen" von Sylvia Lott:

Wie in ihrer Familie üblich verbrachte die Korrespondentin Nina die Zeit zwischen Matura und Studienbeginn in der Pension von Tante Theda auf Borkum. Seit diesem Sommer 1967 war Nina nicht mehr auf der Insel. Da sie wegen ihrem Burnout noch einige Wochen krankgeschrieben ist, möchte sie ihre Genesungszeit auf Borkum verbringen. Nina zweifelt allerdings bereits auf der Hinreise, ob das eine gute Idee war.

Theda ist mittlerweile 80 und denkt ans Aufgeben der Pension, es soll die letzte Saison sein. Aber leicht fällt ihr dieser Schritt nicht. 

Rosalie, Ninas Nichte, arbeitet diese Saison vormittags bei Theda und nachmittags an ihrer Abschlussarbeit, mit der sie nicht vom Fleck kommt. Will sie wirklich Lehrerin werden, wäre sie mit einem anderen Beruf glücklicher? Und darf sie sich weiterhin mit David treffen, obwohl sie ja schon lange mit Fabian liiert ist? Vielleicht kann ihr bei ihrer Suche Ninas Erzählung vom Sommer 1967 helfen, als Nina von fremden Ländern träumte und den Fischer Klaas kennenlernte.

Schon nach den ersten Zeilen taucht man ganz in die Geschichte ein. Die Menschen, die Landschaft, die Gefühle - einfach alles ist treffend beschrieben. Sei es der Duft einer Pflanze, landschaftliche oder kulinarische Besonderheiten wie die Fasanenbrause, das Plattdeutsche der Inselbewohner oder die Charaktere selbst. Wie beispielsweise Ninas Unsicherheit, wieder auf der Insel zu sein und dennoch plötzlich einen grossen Hunger auf typische Inselgerichte zu verspüren und aufs Leben selbst. Theda bleibt zwar ein wenig im Hintergrund, trotzdem ist sie der Fels in der Brandung, die auch mit achtzig Jahren noch Lust auf Leben hat und sich nicht einfach abspeisen lassen will. Rosalie verarbeitet Inselgeschichten mit Frauenpower und merkt, dass diese alten Geschichten auch heute noch eine Aussage haben. Und Rosalie bringt wieder Leben in die Pension mit ihren schönen Dekorationen und der eher zufälligen Einführung des Nachmittagstee. 

Die Geschichte des Romans ist voraussehbar, aber das macht hier gar nichts, denn es gibt soviel anderes, auf das wir Leser unser Augenmerk platzieren können. Zum Beispiel darauf, dass man sich nicht nur mit Worten ausdrücken kann wie Nina, sondern auch mit Musik und Tönen wie Klaas.


Neben den alten Sagen aus Borkum werden auch die Bedeutung der Themen von 1967 wie "Make love not war", Verhütung und Rollenverteilung und die Umsetzung davon in der heutigen Zeit angesprochen. 

Eine weitere grosse Rolle im Roman spielt die Musik. David ist Musiker, Klaas wäre es gern. Viele bekannte Songtitel werden im Roman erwähnt und nicht nur bei Nina werden Erinnerungen an diese Lieder wach, sondern auch bei mir. So liefen mir einige diese Ohrwürmer in Dauerschleife nach. 


Zudem kamen mir weitere Titel in den Sinn, die sehr gut zum Inhalt "Der Inselfrauen" passen und so möchte ich den Roman mit drei Lied- und einem Buchtitel zusammenfassen: 
"Summer of 69" (Bryan Adams) trifft auf "Und es war Sommer" (Peter Maffay), erreicht mit "Sylvia's Mother" (Dr. Hook) ihren Höhepunkt und endet schlussendlich in "Wie ein einziger Tag" (Nicolas Sparks). 

Fazit: Ein absolut charmantes, gefühlsvolles Buch, das auch ernste Themen anspricht und zeigt, dass es fürs Träumen und für die Liebe nie zu spät ist. Nicht lange überlegen, sofort lesen!