Dienstag, 30. September 2014

Lesebiografie September 2014

- Die azurblaue Insel von Luanne Rice 
- Julie weiss, wo die Liebe wohnt von Gilles Legardinier 
- Monsieur Blake und der Zauber der Liebe von Gilles Legardinier
- Die Madonna von Notre-Dame von Alexis Ragougneau 
- Die Toten vom Magdalen College von Katharina M. Mylus 
- Canterbury Requim (Ein Krimi aus Kent) von Gitta Edelmann 
- Die Tote von Higher Barton von Rebecca Michéle 
- Der Tod schreibt mit von Rebecca Michéle 
- Schatten über Allerby von Rebeca Michéle 
- Ein tödlicher Schatz von Rebecca Michéle 
- Der Kürbismörder von Rebecca Michéle (Kurzgeschichte) 
- Asche zu Asche von Elizabeth George 
- Der Ruf der Pflanzen von Jutta Blume 
- Verflixtes Blau von Christopher Moore 
- Ein Tag im März von Jessica Thompson 
- Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry von Rachel Joyce 
- Meine Schwester, die Hummelkönigin von Patrizia Zannini 
- Gefährliches Talent von Aaron und Charlotte Elkins 
- Meines Bruders Mörderin von Irene Rodrian 
- Dreimal schwarzer Kater von Philippe Georget 
- Ein Sommer in Cornwall von Liz Fenwick 

- Das Rosenholzzimmer von Anna Romer   - abgebrochen, weil zu düster.
- Mord in Dorchester Terrace von Anne Perry   - abgebrochen, zu politisch und zu wenig Kriminalgeschichte.

Montag, 29. September 2014

Montagsfrage, 29.09.2014


Was haltet ihr von Merchandise-Artikeln zu Büchern?

Ich lese wohl das Falsche oder bin zu alt. Mir kommen nämlich auf Anhieb keine Merchandise-Artikel in den Sinn - ausser bei Kinderbüchern und bei Harry Potter. Für Kinder ein Plüschtier oder Kalender ihres Buchhelden, das find ich ganz herzig. Aber wir Erwachsene brauchen so Merchandise-Zeugs doch nicht wirklich. Manchmal kann so ein kleiner Artikel eine lustige Geschenkidee sein, aber dann muss es auch wie die Faust aufs Auge passen. Die Harry Potter-Artikel gab es übrigens erst zu kaufen, als die Serie verfilmt wurde, vorher nicht. Die Süssigkeiten dazu find ich noch witzig, aber der Rest - wer es braucht um glücklich zu sein, okay.



Ich häng hier gleich mal drei Kurzrezensionen an:
In den letzten Tagen hab ich drei Krimis gelesen. Zwei davon hab ich mir letztes Jahr als Gratisangebot für den Kindle geholt. Die beiden erwiesen sich als überraschend gut für Gratisbücher. Mittlerweile kosten sie was, aber nicht viel.

- Meines Bruders Mörderin: Der erste Fall für Llimona 5 von Irene Rodrian
Eine Polizistin, eine Journalistin und eine Anwältin schliessen sich zusammen und gründen die erste reine weibliche Privatdetektei in Barcelona. Alle drei haben genug von den spanischen Machos, die nicht wirklich mit Frauen zusammen arbeiten können. 
Die weiteren Fälle könnten durchaus spannend sein. 4 Punkte.



- Gefährliches Talent von Charlotte und Aaron Elkins
Alix soll ein Bild für Chris begutachten, doch dann gibts eine Gasexplosion in Alix Hotelzimmer und schon steckt sie mitten drin in Mordermittlungen... Ein überraschend guter Krimi im Kunstmilieu von Santa Fe. Band 2 soll im November erscheinen. 4 Punkte.








Ganz mies entpuppte sich dieser hier:

-Dreimal schwarzer Kater von Philippe Georget
Arbeitsunwillige unsympathische und teamworkunfähige Polizisten sollen in drei Fällen ermitteln. Enorm zäh, träge und konstruiert wirkende Lektüre. 2 Punkte. 


Freitag, 26. September 2014

Krimi: Honey Driver ermittelt von Jean G. Goodhind

Die in Bristol geborene Jean G. Goodhind hat bereits 10 Bücher rund um "Honey Driver ermittelt" geschrieben. Zugute kommt der Autorin, dass sie selbst einige Hotels führte und Mitbegründerin des Hotelfachverbands in Bath ist. Dass sie früher einmal bei der Bewährungshilfe arbeitete, war sicherlich auch ganz nützlich. 

Ihre Heldin heisst Hanna Driver - so wird Honey aber nur von ihrer Mutter Gloria (einer sehr gut erhaltenen und noch besser angezogenen Seniorin) genannt, wenn jene wütend ist. Vom Rest der Welt wird sie mit Honey angesprochen. 

Honey Driver, Mitte 40, sammelt historische Unterwäsche und ist oft an Auktionen anzutreffen. Beruflich leitet sie ihr eigenes kleines Hotel in Bath. Sie ist Witwe und lebt mit ihrer 18jährigen Tochter Lindsey im Hotel. Als permanenter Dauergast hat sich Mary Jane, eine amerikanische Professorin für paranormale Erscheinungen, inklusive ihrem aus den USA eingeführtem Auto, einem 1961 Cadillac Coupé, zur Familie dazu gesellt. Und auch wenn Hausgeist Sir Cedric nur von Mary Jane gesehen wird, gehört er selbstverständlich dazu.

Kaum wird Honey vom Hotelverband von Bath zur neuen Verbindungsfrau zur Polizei gewählt, geht es auch schon mit diversen Morden los. Honey muss mit dem Polizisten Steve Doherty zusammen arbeiten. Was zuerst ein mühsames Unterfangen ist, wendet sich aber bald zum Besseren, da sich die zwei im Laufe der Zeit verlieben. Doch da ist auch noch ein Buchhändler, der öfters Zeit mit Honey verbringen möchte.

Bei den Ermittlungen helfen alle fleissig mit, meist zum Leidwesen von Steve Doherty. Mary Jane würde die Herrschaften liebend gerne noch öfters mit ihrem Cadillac herumfahren, was die aber nur im äussersten Notfall annehmen. Ihre Fahrkünste sprechen für sich… Mutter Gloria nutzt ihre Kontakte in der High Society. Lindsey studiert Geschichte und hilft oft mit Fach- und Computerwissen aus. Manchmal trägt auch Caspar St. John Gervais, der Vorsitzende des Hotelverbandes, Informationen bei. 

Bei dieser Serie handelt es sich um humorvolle Cosy-Krimis, meist gemächlich, aber eben doch speziell, weil alle Kriminalfälle etwas mit der Hotelwelt zu tun haben. Da hat Jean G. Goodhind eine Marktlücke für ihre Ermittlerin aufgetan. 

Mir gefällt die Serie sehr gut, die Bücher sind schnell und leicht zu lesen, der Humor kommt nicht zu kurz und es ist von allem etwas dabei. Nicht zu viel, nicht zuwenig, gerade richtig. 

Die Serie besteht aus 13 Büchern, "Mord unter Brüdern" ist der letzte Band. 




 

Mittwoch, 24. September 2014

Krimi: Xavier Kieffers kulinarische Krimis von Tom Hillenbrand

Tom Hillenbrand, geboren 1972, kommt aus Hamburg und wohnt in München. Er studierte Europapolitik, volontierte an der Holtzbrinck-Journalistenschule und war Ressortleiter bei Spiegel Online. Während eines Praktikum verliebte sich der Hobbykoch in das Großherzogtum Luxemburg. Unter dem Namen "Tom König" verfasst er Sachbücher und schreibt eine Wirtschaftskolumne.

Der Luxemburger Koch Xavier Kieffer ist in seinen Food-Krimis, wie Tom Hillenbrand sie selbst nennt, der Hobby-Detektiv. Eigentlich könnte Xavier schon längst ein Sternekoch sein, doch diese hochrangige Gastronomiewelt ist ihm zu stressig und er führt  lieber sein kleines gemütliches Restaurant "Deux eglises" in der "D'Stad", wie Luxemburger ihre Hauptstadt nennen. Sehr gerne sitzt er auch mit seinem finnischen Freund Pekka Vatanen, einem EU-Beamten, auf seiner Terrasse um eine Flasche Wein zu trinken.

Sympathisch, dass diese Reihe in einer literarisch eher wenig beachteten Gegend angesiedelt ist. Seine Dienstreisen und Ermittlungen führen Xavier aber auch nach Paris, nach Deutschland, Italien und in die Schweiz. Er freundet sich mit Valérie, Herausgeberin und Erbin des Restaurantführers Guide Gabin, an.  Durch Valérie lernt er auch den Bürgermeister von Paris, François Allégret, kennen. Obwohl Xavier nichts dafür kann, dass in Band 1 ein Gast tot in seinem Restaurant zusammenbricht, fordert ihn Kommissar Manderscheid stark. So bleibt das Verhältnis zwischen ihnen beiden in allen Büchern angestrengt. 

Diese kulinarischen Krimis sind gut geschrieben, keine Frage. Die Gastronomieszene wird jeweils kritisch durchleuchtet und kriegt in allen Büchern ihr Fett weg. Auch die Machenschaften der internationalen Nahrungsmittelkonzerne schneiden nicht gut ab. Der Leser erhält viele Informationen zu den jeweiligen Hauptthemen der Bücher.

Inhaltlich aber enthalten sie mir viel zu viel Wirtschaftsgedöhns und Börsenzirkus, die nehmen besonders in Band 3 massenweise Raum ein. Das Kulinarische kommt oft zu kurz, und ich würde die Serie eher Wirtschaftskrimis nennen. "Teufelsfrucht" hat mir diesbezüglich fast noch am besten gefallen. 

Dazu kommt, dass Xavier praktisch auf jeder Seite mindestens einmal raucht oder sich gerade eine Zigarette ansteckt und oft noch eine zweite, so im Sinne von "Wie viele Zigaretten bring ich auf eine Seite?". "Er raucht wie ein Schlot" ist untertrieben. Man könnte fast meinen, der Autor bekäme Geld fürs Erwähnen der Zigarettenmarke oder das Rauchen überhaupt. Mich stört das enorm und es lenkt mich zu stark von der eigentlichen Krimi-Handlung ab. 

Deshalb kann ich auch keine ungeschränkte Lesempfehlung abgeben. Band 3 wollte ich zuerst nicht kaufen, habe es schlussendlich doch. Ich bin noch unschlüssig ob Band 4 "Tödliche Oliven", welches am 6. November erscheint, bei mir einziehen darf. Wahrscheinlich schon, aber nur weil mich das Thema Oliven interessiert, da ich persönlich Olivenbauern kenne. 


Band 1, Teufelsfrucht:
Ein Krimi zum Genießen! Der ehemalige Sternekoch Xavier Kieffer hat der Haute Cuisine abgeschworen und betreibt in der Luxemburger Unterstadt ein kleines Restaurant, wo er seinen Gästen Huesenziwwi, Bouneschlupp und Rieslingpaschtéit serviert. Doch dann bricht eines Tages ein renommierter Pariser Gastro-Kritiker tot in seinem Restaurant zusammen – und plötzlich steht Kieffer unter Mordverdacht. Als dann noch sein alter Lehrmeister spurlos verschwindet, beschließt der Luxemburger, die Ermittlungen selbst in die Hand zu nehmen; sie führen ihn bis nach Paris und Genf. Dabei stößt er auf eine mysteriöse, außergewöhnlich schmackhafte Frucht, auf gewissenlose Lebensmittelkonzerne und egomanische Fernsehköche. Immer tiefer taucht Kieffer in die von Konkurrenzkampf und Qualitätsdruck beherrschte Gourmetszene ein – und erkennt, was auf dem Spiel steht.



Band 2, Rotes Gold:
Seit der Luxemburger Koch Xavier Kieffer mit Frankreichs berühmtester Gastrokritikerin liiert ist, wird er zu den exklusivsten Events eingeladen. Doch das edle Dinner beim Pariser Bürgermeister endet bereits nach der Vorspeise: Ryūnosuke Mifune, Europas berühmtester Sushi-Koch, kippt plötzlich tot um. Die Diagnose lautet: Fischvergiftung. Doch Kieffer ist skeptisch und deckt schnell Widersprüche auf. Er taucht ein in die Welt der Sushiküche und muss erkennen, dass es Fische gibt, die teurer sind als Gold – und wertvoller als ein Menschenleben.




Band 3, Letzte Ernte:
Ein Glas Wein, Rieslingspastete und danach ein Stück Quetschetaart mit Sahne – auf der Luxemburger Sommerkirmes lassen es sich der ehemalige Sternekoch Xavier Kieffer und seine Freundin, die Gastrokritikerin Valerie Gabin, richtig gut gehen. Doch in einem Bierzelt drückt ihm ein Fremder plötzlich eine Magnetkarte in die Hand und verschwindet. Am nächsten Morgen wird der Mann unter der Roten Brücke tot aufgefunden. Warum hat er Kieffer diese Karte gegeben? Was hat es mit den Computercodes darauf auf sich? Und warum sind plötzlich so viele Leute hinter ihm her? Der Luxemburger Koch steht plötzlich im Zentrum einer Verschwörung und erkennt, dass seine Freundin in höchster Gefahr schwebt.



Band 4, Tödliche Oliven:
Einmal im Jahr gönnt sich der Koch und Gourmet Xavier Kieffer einen Ausflug nach Italien. Gemeinsam mit seinem Schulfreund, dem Wein- und Ölhändler Alessandro Colao, fährt er in die Toskana, unternimmt Weinproben und fährt einige Tage darauf mit einem Laster voller Wein und Öl zurück nach Luxemburg.Diesmal geht der Trip allerdings gehörig schief. Sein Freund versetzt ihn und Kieffer findet heraus, dass Alessandro bereits Tage zuvor ohne ihn nach Italien aufgebrochen ist – und seither hat niemand etwas von ihm gehört. Der Koch macht sich auf die Suche. Aber statt Alessandro findet er eine verlassene Mühle, Tanks voll seltsam riechenden Olivenöls und bewaffnete Männer, die gerade Öl in einen Lastwagen pumpen. Hat der Ölhändler krumme Geschäfte getätigt? Kann Kieffer seinen Freund finden, bevor es zu spät ist?


Reihenfolge:
Band 1: Teufelsfrucht
Band 2: Rotes Gold
Band 3: Letzte Ernte
Band 7: Goldenes Gift 

Dienstag, 23. September 2014

Der Ruf der Pflanzen von Jutta Blume

Klappentext:

Ausser Sugar Creek, der Zuckerrohrplantage, auf der sie aufgewachsen ist, mitten im Urwald von Guyana, kennt die Sklavin Ife nicht viel. Als 1761 der schwedische Forschungsreisende Sandquist sie für eine botanische Expedition kauft, wird sie mit der Ideenwelt der Aufklärung konfrontiert. Für die heilkundige Ife sind Pflanzen etwas Spirituelles und Heilbringendes, Teil einer Welt, in der alles miteinander verwoben ist. Doch der Wissenschaftler Sandquist gibt den Pflanzen komische Namen, systematisiert sie und presst sie in Bücher. Durch ihn lernt sie lesen und schreiben - und stellt seine Sicht auf die Dinge infrage. Diese Begegnung mit der Wissenschaft verändert Ifes Leben für immer und ist der Anfang ihres Abenteuers, das sie bis nach Europa am Vorabend der Französischen Revolution führen wird. 


Dieses Buch gewann ich im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks. Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag! 

Das Cover mit einer meiner Lieblingsblumen, der Passionsblume , und dem Text im Hintergrund gefallen mir sehr gut. Noch besser gefallen haben mir aber die Zeichnungen im Buch selbst, mit denen jeweils ein neues Kapitel oder neuer Teil verziert wird. Auch den Klappentext fand ich spannend, obwohl ich eigentlich keine Bücher mag, die in Südamerika spielen. Schon gar nicht sogenannte Plantagengeschichten. Aber da es im vorliegenden Buch um den Zusammenprall von "eher neuer" systematischer Wissenschaft und "alter, überlieferter" Pflanzenheilkunde gehen sollte, hat es mich doch angesprochen.

Die Handlung beginnt somit leider auch gleich auf einer Zuckerrohrplantage und erzählt vom beschwerlichen Leben als Sklave auf Sugar Creek. Der Biologe Sandquist kommt 1761 auf die Plantage um im Dschungel Guyanas eine Expedition zu starten, er will neue Pflanzen entdecken und sie systematisieren. Auf Sugar Creek kauft er eine Sklavin, die Hauptprotagonistin Ife, die dort einerseits als Helferin einer Pflanzenheilkundigen arbeitet und als Wasserträgerin - sie bringt Ochsen und Arbeiter Wasser, damit diese die schwere Plantagenarbeit besser durchhalten und bei Kräften bleiben. Die Beschreibungen des Lebens auf der Plantage fand ich eher langweilig und düster. Sie passen zwar zum Buch, aber halt nicht zu meinen Vorlieben. Doch sobald Ife auf der Flucht war, sich im Dschungel selbst ernährte und zur Buschfamilie fand und einiges von ihnen lernte, fand ich es spannender. 

Doch dann hörte auch schon bald der Zusammenhang des Klappentextes mit dem Buchinhalt auf. Es geht in erster Linie also nicht, wie versprochen, um den Kontrast der traditionellen Pflanzenheilkunst gegenüber der systematischen Wissenschaft nach Linné, sondern um Unterdrückung der Menschenrechte. Wäre der Inhalt klar auf dem Umschlag gestanden, hätte ich mich nicht für diese Leserunde beworben. 

Sklavenhandel, Unterdrückung von Schwarzen und Weissen, etc. - über dies alles habe ich bereits Ende der 80er in Zeiten der Apartheid sehr  ausgiebig gelesen (z.B. Buch und Film über Steve Biko und viele andere mehr). Diese Themen hab ich in den letzten 25 Jahren oft genug durchgekaut und mag sie schlichtweg nicht mehr lesen. Aber ein Buch über die Bedeutung der Pflanzen hätte mir sehr gut gefallen. Doch nein. Am nicht passenden Klappentext ist wohl der "Stift" schuld (sagt man bei uns in der Schweiz so, wenn eine Arbeit nicht zufriedenstellend ausgeführt wurde, die Schuld hat dann immer der Stift = der Lehrling, auch wenn es gar keinen Lehrling gibt). Wer sich für das Thema Sklavenhandel/Menschenrechte interessiert, dem könnte dieses Buch gefallen. 
Mittlerweile steht auf Amazon ein anderer Klappentext als der auf dem Buch. Da wurden wohl meine Kritikpunkte am Klappentext ausgebessert und es steht nun mehr zur politischen Situation da. Aber sorry, das Buch ist ganz und gar nicht poetisch.

Das Buch hat leider noch mehr Schwächen:
- Zeitsprünge:
Es gibt etliche Zeitsprünge, die das Lesen nicht einfach machen, denn in den Rückblenden wird nicht alles Fehlende erzählt. Dazu kommt, dass schlicht zu viel geschrieben wird was keine Verbindung zum weiteren Verlauf hat - viel wird angerissen, aber nicht zu Ende erzählt. Viel wird aneinandergereiht, aber das Verbindende fehlt. Das Buch wirkt oft abgehakt.

- Emotionen:
Neben dem roten Faden und "mehr Pflanzen" fehlte mir auch ganz klar die Wärme. Die Charakter bleiben fast alle schroff und unnahbar und zeigen kaum Gefühle. Z.B. wird kein Wort über die Geburt von Ifes Tochter geschrieben: keine Frau, die je ein Kind zur Welt gebracht hat, wird diese Erfahrung verschweigen - ein, zwei Sätze hätten ja schon gereicht. 

- Unglaubwürdiges oder Unklares:
Vieles ist unglaubwürdig oder macht keinen Sinn: z.B. dass jemand nach einer eingeleiteten Abtreibung trotz extremen Schmerzen in die Felder rennt oder  Ife urplötzlich von einem Wasserfall getroffen wird, obwohl sie im Waldlager sitzt. Einmal macht Ife einen Besuch in London, und es scheint so als ob sie am selben Abend wieder abgereist ist - auf meine Frage hin, sagte mir die Autorin, dass Ife einige Tage in London war. Aha. Aus dem Text ging dies nicht hervor.

- Gleiche Namen:
Was ich allgemein in Büchern nicht mag, wenn unterschiedliche Protagonisten denselben oder ähnliche Namen haben. Auch wenn alle eher kurz vorkommen, so hätte man hier nicht den Sklaven und der Sohn der Familie Harris gleich nennen sollen. Es gibt doch sicherlich noch mehr Auswahl an damals typischen männlichen Namen als nur "Edward"! Und später tauchte nochmals ein weiterer Edward auf. Das müsste doch einfach nicht sein.

Es gab aber auch ein paar schöne Szenen im Buch: 
Eindrücklich beschrieben wird wie Ife zum ersten Mal ein Buch in den Händen hält. Soll sie es wie die Missus halten oder so wie Sandquist? Sie entscheidet sich für letzteres und blättert seine Bücher ehrfürchtig durch. Eine schöne Beschreibung!

Fazit: Für mich hat das Buch zu viele Mängel - und so kann ich maximal 3 Punkte vergeben.

Montag, 22. September 2014

Montagsfrage 22.09.2014


Sind Markennennungen in Büchern für euch okay?

Ja, die sind okay. Mir ist lieber es wird schnell und unkompliziert in einem Wort eine Marke genannt, als zu versuchen diese nicht zu nennen und dann zwei Zeilen lang das Produkt umschreiben. Oft ist die Markennennung sogar hilfreich: man kann sich so besser vorstellen, welcher Stil die Personen haben, wenn man z.B. weiss, dass die Protagonistin einen Döschwo oder Smart fährt anstatt "einen alten, Kleinwagen" oder sie bei Laura Ashley einkauft anstatt bei New Yorker. Oder ob sie ins Ritz zum Afternoon Tea geht oder den in einem kleinen herzigen Café einnimmt.

Auch in Romanen wie "Der Teufel trägt Prada" trägt die Markennennung erheblich zum Verstehen bei, dieses Buch würde gar nicht funktionieren, wenn keine Marke genannt würde. 

In Büchern ist mir im Gegensatz zu Fernsehproduktionen noch nie aufgefallen, dass eine Marke (ausser vielleicht die Zigarrettenmarke bei Xavier Kieffer, Rezension folgt am Mittwoch) zu oft genannt wird. Ganz extrem empfinde ich es bei GNTM wo alle Mädels ins Badzimmer rennen und schreien "oh, schau, all diese Produkte von XX" und beim Schminken "ich verwende jetzt den Lidschatten von XX" und dazu die Kameraschwenker, die genau 2 Sekunden zu lang auf die verwendeten Produkte fokussieren. In dem Format nervt auch die immeressende Heidi-ich-bin-ja-so-dünn-und-ess-trotzdem-Fastfood, aber das ist dann ein anderes Thema...

Ich mags aber auch nicht wenn Produktenamen überdeckt werden. Man weiss meistens ja doch, um welche Marke es sich handelt. 

Was ich aber nicht mag, sind superreiche Protagonisten, wie sie oft bei Karen Swan vorkommen. Da sind mir die Markennennungen zu viel, weil es keine Rolle spielt, welche Tasche die Prota nun mitnimmt. Die Tasche kann rot oder grün sein, aber die Markennennung finde ich langweilig und tut dort nichts zur Sache.

Fazit: Nennungen sind okay und oft hilfreich. Aber extrem nervend, wenn es übertrieben wird. 

Samstag, 20. September 2014

Ein Winter in Venedig von Claudie Gallay

Klappentext:
Venedig im Winter: geheimnisvoll, unnahbar und voller Zauber. Von ihrem Liebhaber verlassen, flüchtet die Erzählerin nach Venedig. Es ist kurz vor Weihnachten, jene Zeit im Jahr, in der die ewige Stadt nicht von Touristen bevölkert wird, in der »la Serenissima« ihr echtes Gesicht zeigt. Um ihren Kummer zu vergessen, spaziert sie durch die nebelverhangenen Gassen, vorbei an verlassenen Gondeln, über mit Raureif bedeckte Brücken. Ihre einzige Gesellschaft sind die anderen Bewohner der kleinen Pension, in die sie sich eingemietet hat: Ein alter russischer Aristokrat mit bewegter Vergangenheit, eine junge Balletttänzerin im Taumel der Gefühle und ein Buchhändler, der Bücher wie die Luft zum Atmen braucht – und der allmählich in ihr die Hoffnung weckt, dass die Liebe auch ihr gebrochenes Herz wieder heilen kann.


Ich kenne Venedig zwar nur im Sommer, aber ich kann mir die winterliche Stimmung, wenn alles menschenleer und kalt, neblig und feucht ist, gut vorstellen. 

Ein stimmungsvolles Cover plus interessanter Kurzbeschreibung ergeben eine atmosphärische Vorschau von Venedig im Dezember. Erzählt wird aus Sicht einer unbekannten, namenslosen, wortkargen Frau in "Ich"-Form. 

Der Schreibstil ist schön, aber unkonventionell. Es sind eigentlich nur aneinander gereihte Gedanken, manchmal nur aus ein bis zwei Wörtern bestehend. So wortkarg sie im Gespräch mit anderen ist, umso mehr Gedanken spuken ihr im Kopf rum. Der Leser bekommt das mit, ihre Mit-Protagonisten nicht wirklich. 

Am Anfang fand ich es gut so. Die trübe Winterstimmung in Venedig und die Sprache passten gut zusammen. Aber da rein alles in diesen Gedankengängen beschrieben und erzählt wird, kommt irgendwann Langeweile auf. Das einzige, was sich im Laufe der Geschichte wirklich verändert ist das Leben des Russen. Alles andere bleibt mehr oder weniger gleich, irgendwie leicht wie eine Schneeflocke und so deprimierend wie strömender Regen und langweilig wie trüber tiefliegender Nebel. Da Buch bietet viel Ambiente, aber keinen Inhalt. 

Die namenslose Erzählerin kommt mit dem Zug in Venedig an und einige Wochen später fährt sie dort wieder ab. Dazwischen hat sie sich viele Gedanken gemacht, aber passiert ist nicht wirklich etwas und es hat sich auch kaum etwas verändert. Weder ihre Stimmung, weder der Winter in Venedig. 

Fazit: Nebel und Kälte und ein zufriedener Russe - zumindest einer wurde glücklich - bleiben zurück.  
3 Punkte.